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NEches Organ für Slaöl- vnd Landkreis Lanan
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Nr. 208
Samstag den 4. SeMmder
1920
g^sreaMgsamB
Das Neueste.
In Oberschlesien wurden neue Mordtaten verübt.
Litauischen Truppe» ist er gelungen, die Polen auf der ganzen Frentlinie von Grodno bis Suwalki zurückzudrängen.
ZN Paris findet eine militärische Konferenz der Entente stets, die sich mit der Lage in Polen befaßt.
Die polnischen Delegierten haben gestern Minsk »erlassen — die Verhandlungen sind unterbrochen.
Frankreich richtete an Tschitscherin ein Ultimatum, i« dem die sofortige Heimsendung der in Rußland befindlichen Franzosen gefordert wird.
Oberschlesien.
Sitte Fahrt durch das Ausruhrgebiet.
= Kattowitz, 2. Sept. Eine Autofahrt führte uns Pceffevertreter gestern durch den Landkreis Kattowitz. Wir erreichten nach kurzer Zeit Bogut- schütz, einen Ort von etwa 10 000 Einwohnern. Hier wurde zu Beginn des Aufstandes die Sicher- heitswchr von den Polen überfallen und ihr starke Verluste zugefügt. Zahlreiche Beamte sind in scoeußlicher Weise ums Leben gebracht, ihre Leichen beraubt und geschändet. Heute herrscht in dem Ort fast völlige Ruhe. Die italienische Besatzung hat hier tüchtige Arbeit geleistet und die Entwaffnung teilweise mit gutem Erfolg durchgeführt. Allerdings erfährt man, daß be- trächiliche Wüffenmengen nicht abgeliefert, sondern über die Grenze nach Polen geschafft sind, wo sie für kommende Ereigniffe bereitgehalten
werden. Die Depots hierfür sollen sich in Sosno- wice befinden.
M*»^is^xJ..ü£iüi.in..^ berichtete man uns, daß die Bildung der paritätisch zusammengesetzten Bürgerwehr gute Fortschritte mache. Die Mel-
düngen liefen sowohl von deutscher wie von polnischer Seite ein. In schneller Fahrt ging es weiter nach Eichenau-Grunowitz, dicht an der polnischen Grenze. Hier harrte unserer eine peinliche Ueberraschung. Auf dem Marktplatz war eine bewaffnet polnische Bande von etwa 20 Mann versammelt, die uns feindselig musterte. Man ließ unser Auto jedoch ungehindert passieren. Interalliierte Besatzungstruppen waren bezeichnenderweise nirgends zu sehen. Von deutschen Bewohnern hören wir, daß durch den Terror der Polen die Meldungen zur Bürgerwehr von deutscher Seite sehr zahlreich sind. In Eichenau 1 wagten wir uns in die „Höhle des Löwen". Wir fuhren bei dem bekannten großpolnischen Führer Brod.- vor, der uns erklärte, daß er jegliche Anwendung von Gewalt vermeiden wolle; allerdings könne er für seine radikalen polnischen Arbeiter keine Garantie leisten. — Im Ort ist als Illustration zu diesen Worten Brodas das Ge- meinteamt noch heute von bewaffneten polnischen Insurgenten besetzt.
An der Grenze entlang, führte uns unser Weg nach Laurahütte-Siemianowitz, wo wir zum ersten Male auf französische Truppen stießen. Unter der hier gebildeten Bürgerwehr befinden sich zahl- reich>. polnische Aufrührer. In Laucahütte- Michalkowitz ist die Stimmung der deutschen Be- ve'k rung durchaus zuversichtlich trotz der cckensherrschaft der Polen, die hier die Wohnung dir. deutschen Lehrers vollständig demoliert haben. Nördlich davon, in Crzelaika, das Hart an uec Grenze liegt, wurden wir von bewaffneten
ungehalten, nach Waffen durchsucht und Uiifrv. Pässe geprüft. Von einem der wenigen zurückgebliebenen Deutschen hörten wir von wei- Wren Massenmorden der Polen.
Aus dem Flüßchen Brrnitza, das hier die Grenze bildet, wurden kürzlich die Leichen o°n acht Deutschen herausgezogen, die auf l/W Cholera-Friedhof beerdigt wurden. Die ' ugiu.ck'chen ivaren sämtlich von polnischer Seite "ichossn und ins Wasser geworfen worden. Bei Interalliierten Kommission ist jetzt der An- gestellt worden, die Leichen wieder auszu- und sie identifizieren zu lassen. Bezeich- ! 'Nd für die Zustände in dem Oertchen ist es, daß ? 1200 Einwohner zählenden Flecken in
's ^agen des Ausstandes allein 300 bewaffnete ^iurgenten, darunter Haller-Soldaten, von der o^wmdcvcrwal'ung verpflegt werden mußten.
-Pir bogen nun nach Süden ab und fuhren och Dittkow. Hier ist an den Häusern der ge- lÄ^on Teutschen schwerer Sachschaden ange- ^wt worden. Si: bilden eine Stätte der e r w ü st u n g.
Die zurückgebliebene deutsche Bevölkerung Ä m‘‘ ^^l-hcn, wie die Bürgerwehr fast aus- Ichiicßlich mit Großpolen, den Urhebern zahl- E'cher Schandtaten, besetzt wird. In Horzow Mken wir miahee auf hermrffnete Volenbandew
Berlin? vor der unvermeidlichen Uiiterwcrfnng sei lediglich von der Rücksicht auf die öffentliche Meinung Deutschlands eingegeben gewesen, die sehr gereizt, und nervös sei. (In Deutschland ist merkwürdigerweise bisher von einer solchen Nachricht nichts bekannt). DaS Petit Ionrnalmeldet, daß die gegen Abend angekommene Ant- ivort Berlins/ie Anordnungen abändern könne, die hinsichtlich der Hinausschiebiing der Ueberreichung des Beglaubigungsschreibens des deutschen Botschafters beim Präsidenten der Republik getroffen worden feien. Wenn sich die Nachricht bewahrheite, werde Dr. Meyer an der Veranstaltung teilnehmen, die morgen nachmittag im Schloß zu Rambouillet stattfinden werde zwecks Ueberreichung der Beglaubigungsschreiben der Vertreter von Oesterreich und Peru.
Polen—Rußland.
Lageberichl
WB. KSniasberg i. Pr., 3. Sept. Die Lage im Suwalkigebiet und an der polnischen Nordfront ist unverändert. Die Armee B u d j e n n y s befindet sich im weiteren Rückzüge. Oestlich von Semberg an der Guilaja-Lipa und am Dnjestr finden örtliche Kampfhandlungen statt.
Litauischer Heeresbericht.
WB. Kowno, 3. Sept. (Litauische Telegravhen- agentur). Nach Erlolgeu im Kampfe mit den Polen begannen litauische Truppenabteilungen ihrenVormarsch zwecks Wiederherstellung der rüheren Lage. Auf der ganzen Frontlinie von Grodno bis Suwalki gelang es, die Polen 25 bis 50 Werft zurückzudrängen, wobei ein litauisches Infanterieregiment 15 Werst känipfend vorging. Gestern wurden Lipski, Giby, Seiny, Kras» nopol und Tscherwonka 7 Kilometer nördlich von Suwalki zurückgenommen. Wir machten Kriegsbeute und Gefangene. Litauische Flugzeuge nahmen an den Kämpfen durch Erkundungstätigkcit teil. Der Vormarsch wird fortgesetzt. . ,
Wie verlantet, wird die litauische Regierung in kurzer Zeit ihren Sitz nach Wilna _ verlegen. Der französische Kommissar für die baltischen Staaten ist gestern auS^ Riga hier eingetroffen. Der Besuch stellt im Zusammenhang miGoer neuen PPMicheg^mWisn.
Russischer Armeebefehl.
In einem ArmeebeW des russischen Generals Tuchatschowsty heißt es, einem Bericht der Deutschen Nachrichtenagentur aus Warschau zufolge:
Unter Vorschützung eines dringenden Bedürfnisses nach Frieden hat die Weiße Armee Polens einen Schlag gegen uns vorbereitet. Ermüdet von den rauhen, beschwerlichen Märschen auf Plock und Warschau, ist bei Rote Armee gezwungen worden, sich kämpfend vor der zahlenmäßigen Ueberlegenheit des Feindes zurückzuziehen. Die Weiße Armee, die die reaktionären Kräfte der ganzen Welt repräsentiert, triumphiert augenblicklich über uns. Die polnische Regierung, die vor noch gar nicht so langer Zeit uns dringend bat, den Frieden zu unterzeichnen, hat ihre Politik geändert. Die polnische Delegation in Minst schleppte die Verhandlungen 6ln, um mit allen Mitteln den Friedensschluß zu verhindern. Diese Delegation, die sich nur aus Spionen zusammen- setzt, wollte aus ihrem Aufenthalt hiessest unserer Linien Gewinn ziehen, um Erkundungen einzu- sammeln. Die Helden von Kijew, von Wilna, Amp, Brest-Liiowsk, Plock usw. wissen, daß nur auf den Trümmern des weißen Polens ein dauerhafter Friede geschlossen werden kann. Nur völlige Vernichtung der weißen Banditen können wir uns eine ruhige Zukunft sichern. Ja, unser großer Angriff, der mit einem Sieg über Polen begann, muß aum mit einem Sieg enden. Nieder mit allen, die denken, ^daß ein Friede möglich ist, ohne daß wir Warschau gekommen haben. Die Völker Rußlands, der Ukraine und Weiß-Ruthenicns werden frch wie eine Mauer erheben. Hrmdcrttausende von neuen Soldaten werden die ersetzen, die in einem Hero- Ichm Kampfe gefallen sind. Der Sieg ist nicht für die großen Herren bestimmt. Die Eisenfaust der Roten Armee wird das Haupt der weißen Heere zerschmettern. Die Kämpfer der Roten Armee wissen sehr wohl, daß die russische Westfront die Front der Weltrevolution ist. Wir müssen an dieser Front unbedingt siegen. Soldaten der Roten Armee, Kommunisten, Ratckom- missare, Rußland fordert von eu4, die größten Anstrengungen, um den Sieg zu erringen. Kein Stritt wird m r nach rückwärts getan werden. Sieg ober Tod!
Winsk. '
th0er»rcd)itng her Verhandlung
WB. Warschau, 3 Sept. (Polnisches Pressebüro.) Die polmid.cu Bevollmächtigten in Minsk haben heute Freitag Minsk verlassen. Vor ihrer Abreim wurde ein Protokoll der abgebaltenen Sitzungen unterzeichnet und offiäell festgestellt, daß die Verhandlungen nur vorübergehend wegen ihrer Verlegung unterbrochen werden.
Ipu. Warschau, 3 Sevt. Die polnische Re gierung hat nach einem Beacht t>ee polnischen General- nabes ' die bisherigen russischen Friedensbeduigungen abaelehnt und diele als nicht accianei bezeichnet, um
die hier weiße Armbinden trugen und sich den Anschein gaben, als seien sie eine gesetzliche Ordnungstruppe, Hier steht die Bürgerwehr unter Leitung eines französischen Offiziers, und die Folge davon ist. daß sämtliche aufständischen Polen in die Wehr ausgenommen worden sind. Nördlich davon, in Maczeikowitz, erfuhren wir, daß sich unter den zehn in Josephstal Ermordeten, die aus M. stammten, auch Deutsch-Oester- reicher befanden. Allenthalben hörten wir aus deutschem Munde das Gelöbnis zum Reich ,
Neue Mordtaten.
WB. Kattowitz, 3. Septbr. In der Stadt Kattowitz setzten die Franzosen die Haussuchungen nach Waffen mit Gründlichkeit fort. Die verschärfte Kontrolle auf den Bahnhöfen dauert an. Im Landkreis Kattowitz herrscht nach wie vor die größte Unsicherheit. Besonders unsicher sind die Der- bältniffe in Bogutschütz, Alizhenau, Rosdzin und Schopvinitz. Der in Meczelokowitz tätige Lehrer Schrabek wurde heute in der Nähe von Przekarika in der Brinitza als Leiche gefunden. Auch im Kreise PleSk ist die Lage nach wie vor unsicher. Die Kommission zur Durchführung der Waffenabgabe arbeitet mit verhältnismäßig erfreulichen Erfolgen. Jedoch scheint es. als ob die gegenwärtige Besetzung des Kreises Plesk unzulänglich ist. In Orzcy bei Banno- witz wurde in der vergangene» Nacht da? Gastwirts- ehepaar Breitbart erschlagen und da? dem Ehepaar gehörige Kolonialwarengeschäft ausgeplündert.
«in Protest der Deutschen Bolkspartet.
WB. Breslan, 3. Sept. Der Wahlkreisverband für Mittelschlesien der Deutschen Volkspart ci richtet an den Vizekanzler Heinze in der oberschse- sischen Frage eine Entschließung, in der er seine Entrüstung über die Ereignisse ausspricht und feststellt, daß die Vorgänge nur möglich gewesen seien durch offene und geheime Unter stützung der Polenführer durch die fra »zö sische Besatzung. Die Entschließung brandmarkt den die Ruhe und Ord- nn»g wiederverzustellen, müsse die schleuiilgstc restlose Entwaffnung der polnischen Banden unbedingt gefordert werden und ferner strengste Bestrafung der begangenen Verbrechen, Ausweisung der bekannten Volenführer, Schutz der arbeitswilligen Bevölkerung, Wiedereinsetzung der gesetzlichen Bebörden. Von der Regierung wird verlangt, daß sie mit allen Mitteln für eine angemessene Entschädigung aller Schäden an Gut und Leben Sarge trage und aller tue, um der deutschen Bevölkerung den Rückhalt zu gewähren, auf den sie Anspruch hat.
WB. 4 irfchberg i. Echt, 3. Sept. In einer Protestversammlung gegen die Vergewaltigung Ober- schlesien? durch die Polen und Franzosen erklärten gestern abend die Vertreter aller politischen Parteien von den Deutschnationalen bis zu den Mehrheits- sozialisten ihr Einverständnis mit einer einstimmig an« genommenen Entschließung, die sich für die Erhaltung Oberschlesiens bei Deutschland ausspricht und sich gegen die Vergewaltigung der Deutschen in Oberschlesien richtet. ' Die Versammlung verlief würdig und vollkommen ruhig.
Ein neuer Aufruf Korfantys
WB. Beuthen, 3. Sept. Korkantv erläßt neuerlich einen Aufruf an die Bevölkerung Oberschlesiens, worin er die'in den letzten Taocn vorgekomnicnen verdammeuSwerten Verbrechen als Untaten gewöhnlicher Banditen hinstellt. Er fordert die gesamte ordnungsliebende Bevölkerung zum Kampfe gegen das Banditentum und zur Ablieferung der noch zurück- gehaltenen Waffen auf. Wer befürchte, sich strafbar gemacht zu haben, weil er die Waffen noch nicht ab- lieferte, möge sie heimlich den örtlichen Plebiszitkom- missionen übergeben, die die Waffe» dann ohne NanienS- nennung an die interalliierten Behörden weitergeben. Die „Grenzzeitung", das Organ KorfanthS, bringt heute einen Artikel .Mehr Ruhe und Aeioxuenücit", worin unter Hinweis darauf, daß die Polenführer ihr Möglichstes getan haben, um jeden Terror und Druck auSzuschalten, behauptet wird, daß er scheine als ob auf deutscher Seite die gegebenen Versprechen nicht gehalten würden. Die Polenfübrer wl-rden in gewohnter Weise verleumdet. Deni Denunziantentum werde von deutscher Seite nicht entgegengetreten. Das alles widerspreche den Vereinbarungen.
Keine WergsrVKttigrmg fonHern. ?
D. Bafel, 3 September. Der „Matin" meldet: Die Note an Deutschland bezüglich Breslau ist in der Sitzung des französischen Kabinetts am Montag fertig« gestellt' worden. Die ursprüngliche Forderung lautete auf mehrere Millionen Franken Schadenersatz. Diese Forderung ivnrde deshalb auf 100 000 Franks herabgesetzt, weil man Dentschland keinen Vorwand geben wollte von Vergewaltigung zu sprechen und die Note nbzulchiien. In der Sitzung des französischen StabiueifS sprach man die lieberzengnng aus, daß ein Verhandeln mit Deutschland über den Inhalt der Note nicht angängig sei. sondern nur eine vorbehaltlose Anerkennung der Forderiliig stattfinden könne.
Beilegurrgö.BresLauerZWifchenfÄÜs?
= Paris, 3. Sept. sHaväS). An Besprechung einer Havasdepesche, nach der Teut-chland Frankreichs Bedingiingen bezüglich der Regelung deS BreSIaiicr Voqaus aiigenoiiiiiiCH haben toll, schreibt das Echo de Paris, so wäre denn der Breslauer ^ormll zur Befriedigilug Frankreichs geregelt. Er habe keine anflw ßötuna Hubert Sönnen. Die zöacrnde Haltung
darauf weitere Verhandlungen zu führen. Die Sowjet Regierung soll sich erklären, ob sie neue Vorschläge zu machen lhabe und wo darüber verhandelt werden kann. Auch Brest-Litowsk ist als Verhandlungsort in Weg- fall gekommen. Seitens der Alliierten wird der Schritt Polen?, der einem Abtmchen der bisherigen Verhandlungen gleich kommt, nicht gebilligt. Dennoch ist auch jetzt wieder festzustellen, daß die polnische Regierung ihre Beschlüsse nicht selbständig fassen kann, sondern in gewissen Beziehungen Weisungen aus Pari? folgt und ihr ganzes Vertrauen auf die französische Regierung setzt.
Eine milttSrische Konferenz der Entente.
Ipa. Paris, 9. Sept. In Paris ist mit General Weygand auch ein großer Stab Entente-Milüär- Sachberftänbiger sowie die Berliner Gesandten England» und Frankreichs eingetroffen. Die militärische Konferenz, die sich mit der Lage Polen? besait und über die Mittel beraten soll, welche von der Entente getroffen werden, falls die Tuffen die Offensive gegen Polen von neuem aufnehmen, hat begonnen. Demnächst wird auch General Jopre aul Belgrad zurückerwartet, worauf dessen Bericht ent« gegengenommen wird über die Stellungnahme der utb« lichen Staaten. Polen ist der Rat erteilt worden den russischen Vorschlag, um die FriedenSverhand» hingen fortzusetzen, abzulehnen, waS inzwischen schon geschehen ist. Die Entente schlägt Riga vor, worauf aber die Muffen nicht eingehen werden. Im Laufe der nächsten Woche sollen die Pariser Besprechungen in London fortgesetzt werben. Die AuSsicht auf einen Friedensschluß zwischen Rußland und Polen, muß sich nach der Sluffassung von Sachverständigen der Entente wesentlich verschlechtert haben. Es hängt viel davon ab was Joffre in Rumänien und Serbien erreicht hat, da vielfach Befürchtungen aufgetaucht sind, als ob dort ein bolschewistischer Unisturz zu erwarten steht, falls sich diese beiden Regierungen zur Unterstützung Polens bereit erklären sollten. Die Unterstützung Polens wird aber nur darin bestehen, daß die Wränge:-^ Armee gestärkt werden soll, was die Entente auf sich" nehmen will. An der volniscben Front will man b:e Polen allein Ionen. Lloyd George wird voranSsichr- lich nicht an den Besprechungen tulnehmem
Der Generalstreik in Württembergs
= Stuttgart, 3. Scptbr. Die Berhgnblungcn zwischen Arbeitgebern und Arbeitern über die Beendigung des Generalstreiks sind gestern, nachdem sie bis gegen 3 Uhr nachts gedauert haben, abgebrochen und heute vormittag fortgesetzt worden. Schließlich wurde mit folgenden Vereinborungen eine Einigung erzielt:
Arbeitgeber und Arbeitnehmer erkennen alle Geietze und Verordmingeii über das Arbeitsverhältnis, sowie Die bestehenden Tarife und Vereinbarungen an. Vor der Wiedereinstellung hat jeder Arbeitnehmer diese Anerkenntnis und sein Einveriränduls mit dem gesetzlichen Steuerabzug unterschriftlich zu bestätigen. _ Der Stillstand der Betriebe während des Generalstreiks wird nicht der Durchsührnng von B e t r i eb s e,i lisch r ä n k u n g e n dienstbar gemacht. Alle streuenden oder ausgesperrten Arbeiter und Angestellten werben wieder eingestellt mit Ausnahme derer, welche si.y schwere Verfehlitiigeii gegen die Ordnung des Betriebes oder die Strafgesetze haben zu Schulden kommen faxen. Diese Arbeiter können gegen die Nichtmicöereinstellnng ein SchiegSgericht anruiem Die Wiedereingestellten treten in ihre alten Rechte ein. Eine Lohn- und Gehaltszahlung für die Streiktage lehnen die Arbeitgeber ab.
WB. Stuttgart, 4. Septbr. Die Betriebsräte» Versammlung nahm gestern abend von den zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern bezüglich oe5 Generalstreiks im Beisein von Negierungsvertretern getroffenen Vereinbarungen Kenntnis und beschloß, daß heute in der Betriebsversammlung, wozu nur du Betriebsratsmitglieder und je drei Vertreter bei S. P. D., der U. S. P. D. und der K. P. D. Zutritt haben, über die Annahme oder Ablehnung diese- Vereinbarung eiitjchieden werden soll.
Sie deutschen Kohlenlieferungen.
WB. Paris, 3. Sept. Im Senat teilte der ArbcitS« minister mit, daß die deutschen KohlenlieferungLN vom 1. bis 28. August 1537 004 Tonnen betrugen. Mit Berücksichtigung der drei letzten Tage des August he- Ziffern sich Die Angustlieferungen anf über r,V Millionen Tonnen DaS Frankreich durch die Wiederginmachrinas» kommijsion unter Sugrunbelegung des Abkommens von Spa zngcbilligte Kontingent betrage 1550 000 Tonnen.
Ein französisches Altimalum.
WB. Siorkhouu, 3. Sept. Aus Helsingfor» wird teleoraphiert: Die französische Regierung bat an Tschitscherin folgendes, von Millerand unterzeichnete? Hirt m a t u m geruhtet:
Die französischen Mannevehörden haben die Bor« bcreituiigen für bie Heimsendung des letzten russischen Transports ans Frankreich am 15. September und aus Algier am 26. September getroffen. Alle Franzosen, die sich in Rußland befinden, sind deshalb cntwcder nach der finnischen Grenze ober nach Odessa zu befördern. Wenn ein einziger Franzose nach dem 30. September gegen seinen Willen in Rußland znruct- ßchalten wird, so wird die französische Regierung Ver- onlassnng nehmen, der zranzösiichm Flotte den Be-ehl zu geben, in Sübrusstano schritte zu tun, wie pc als erjorderlich erachtet werden.
■ (Weitere volitische Nachrichten Seite 4.)