--------->
Einrückungsgebiibr: Die8gesv.KoIonelzeileod. deren Raum 1.— Mk., die 4ge?p. Zeile i. Reklame- teil 3.—JKL 25°ir>Teuerungszulchl. Offerlgebübr 30Ptg. Bezugsvreis:Vierteljährlich 12.90 Mk.. monatl. 4.30 Mk., für Postbezug viertenährl. 12.93 Mark. monatl. 4.30 Mk. Die Nummer 20Jßfu.
, Postscheck-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. M.
GMsral-MzsigM
AmMches Organ für ElaSt- vnS Landkreis Lava«
Erscheint täglich mit Ausnahme der -Sorm» und Feiertags
->
Verlagsleitung: Ad. Indermühle. Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil Rich. du lisch: für lokalen und provinziellen -teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und
Reklamen A, Brodt. alle in Hanau a. Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei Sana» Fernsvrechanschlükie Nr. 1237 und 1238
Nr. 206
Donnerstag den 2. September
1920
Das Renette.
Die Hanauer Stadtverordnetenversammlung nahm mit den Stimmen der Linken die Lohnforderung der städtischen Arbeiter an, dagegen lehnte der Magistrat die Forderung wieder ab.
In Frankfurt a. M. kam es gestern im Anschluß «n eint Demonstration von Arbeitslosen zu blutigen Zusammenstößen.
Gestern tagte der Ausschuß für Auswärtige An- gilegenbeiten und nahm u. a. zu der deutschen Neutralitätspolitik und zur Oberschlestschen Frage Stellung.
Der Abgeordnete D i tt m a »» von der U. S. P. macht aufsehenerregende Enthüllungen über die Zustände in Rußland.
Das Sühneverlangen.
Die Berliner Blätter haben in der Mehrzahl ihrer Ansicht über die französischen Forderungen Ausdruck gegeben. Das Ergebnis ist, wie es zn,erwarten war: Man ist sich weder über Art und Ausmaß der Forderungen, noch über die Urheber der Anlässe einig. Die Linke findet die Forderung hart, aber verständlich und schiebt alle Schuld den nationalistischen Hetzern in Deutschland zu; die Rechte aber bezeichnet die Sühne übermäßig streng und nebenbei unerttäg. lich demütigend. Die unabhängige Frei he st nennt die Bedingungen außerordentlich hart. Auch der Vor- Srts, der an den französischen Forderungen nichts zu billiges erblicken vermag, erinnert daran, daß er niemals die schwere Schuld der französischen Militaristen verschwiegen habe, die durch ihre Parteilichkeit den Anlaß zu den blutigen Exzessen in Oberschlesien gegeben hätten, und er verkenne nicht den Zusammenhang zwischen den Kattowitzer Borgängen und den Breslauer Exzessen.
Das Berliner Tageblatt hofft, daß die Urheber solcher Ausschreitungen aus den stets erneuten ^eMttoungen der Regierung und den materiellen MWangeu des deuychen «oue* me nouociwigen. Leinen ziehen, dann aber sagt eS: Wenn die fran- zSstsche Regierung endlich hervorhebt, daß sie mit Deutschland friedliche Beziehungen in einer Atmosphäre her Beruhigung und Arbeit zu unterhalten wünscht, so wäre zu bemerken, daß dieser Wunsch, den alle vernünftigen Elemente m Deutschland teilen, von deutscher Seite allein nicht erfüllt weroen kann, sondern vorau setzt, daß auch auf französischer Seite diejenigen Provokationen und Handlungen unterbleiben, die zum Teil den Grund zu den bedauerlichen Ausschreitungen gelegt haben.
Ausführlich und erfrischend läßt sich die Germania vernehmen. Sie spricht von einer ungeheuer schweren Sühnesorderung. Eine Genugtuung für den Sachschaden und eine Sühne für den Angriff auf den sakrosankten Vertreter könne der französischen Regierung nicht beftritten werden. Dann sagt das Zentrumsblatt unter anderem:
. Aber wenn für eine Tat jugendlicher Unbesonnenheit solche Wiedergutmachungsforderungen wie, hier gestellt werden, so dient das wahrlich nicht dem Frieden, nicht der Völkerversöhnung, nicht der so dringend er- wünschten deutsch-französischen Entspannung und nicht ^auch der Bekämpfung der hochgehenden Erregung des Teiles des deutschen Volke», der den Schmerz» der Niederlage, die Demütigung der alle» Maß überschreitenden Waffenstillstands- und Friedensbedingungen und der zahlreichen weiteren Verbandsforderungen nicht derwinden kann . . . Die französische Regierung betont zwar in letzter Zeit häufiger und auch jetzt wieder, °aß sie den Frieden mit uns wünscht. Aber ihre Praxis steht dazu in greifbarem Widerspruch. DaS Parteiische polenfreundliche Verhalten ^i Franzosen gegenüber der deutschen Bevölke- kung in Oberschlesien, ihre Passivität gegenüber den Dolnifchm Aufständischen konnte nicht ohne Rückwirkung bleiben. Die Tat wäre unter- bueben, wenn die Franzosen in Oberschlesien das Bemühen gezeigt hätten, der ihnen durch den Friedens- Vertrag auserlegten Aufgabe als gerechte Treuhänder nach- ,Hunnen. So fordert Frankreich Sühne, obwohl es W die größte Mitschuld trägt, und auch Polen wird Melden und sich nicht zieren, ähnliche Forderungen stellen.
^Der Lokalanzeiger meint, die französische ^"sse habe es nicht schwer gemacht, zu erraten, welchen -i-on die Note anschlagen würde. Dieser Ton klinge w wr vom ersten bis zum letzten Wort wieder.
. Endlich bemerkt die P o st in längeren Ausführungen, Sfh'vergcridjt der Bedingungen liege in der über .^ Erträgliche hinausgebenden Demüt gung der ^stchnationalen Würde. Die deutsche Regierung werde »czwungen, bei der Bestrafung des Hauptmanns bewußt gegen Recht und Gesetz zu handeln; eine Zumutung ohnegleichen!
einem redaktionellen Artikel der «Deutschen ,rWc*ncn Zeitung" heißt es:
i M selbstverständlich, daß Deutschland sein . «Uchstes tun wird, um den begründeten Wünschen ^"'reichz u^chzukommcn. Es fragt sich aber, ob die brif Uugen' die Frankreich gestellt hat, nicht dazu werden, die Leidenschaften noch heftiger zu Zachen. Der französische Botschafter in Breslau k 1 die Ereignisse in B-eslau in Zusammenhang -mit .dein Vorfall am 16. Juli in der Berliner Mlostsche« \®otid)aft Was aber das damalige Ver- k. ;n des Hauvtnmnn» von Arnim, auf dessen Bc- des Herr Laureat. dringt, mit dein Sturm auf »',ö^lauer Konsul at zu tun hat, ist unerfindlich. die Sorberuun von der militärischen Ehrenbe
zeugung zeugt nicht von der Erkenntnis, daß derartige Zeremonien neue» ReibungSstoff anbänfen. Es wäre eine maßvolle und einsichtige Politik, für die Verletzung der französischen Hoheitszeichen und den Angriff auf das Konsulat die Entschuldigungen in einer Form zu wählen, die Frankreich volle Genugtung gewährt, ohne überflüssige Demütigungen für Deutschland zu enthalten.
Französische Kommentare.
»Petit Journal" meint: „Die von der französischen Regierung verlangte Genugtuung trägt den Stempel größter Mäßigung. Es scheint in der Tat nicht, daß Deutschland die Verpflichtung, das Konsulat instand zu setzen, die verursachten Schäden reparien zu lassen und die Schuldigen zu bestrafen, in Abrede stellen kann. ES ist übrigens nicht dar Verlangen nach Wiedergutmachung, sondern das Verlangen, der Agitation gegren Frank- reich ein Ende zu setzen, die Hauptsache für uns, denn diese Agitation hat die Bewegung in Berlin und BreSlau hervorgerufen. Wenn man auch nicht direkt die Verantwortlichkeit der deutschen Regierung feststellen kann, so bat sie doch sehr deutlich darauf angespielt. Die deutsche Regierung ist der große Verantwort iche. und sie allein kant alles ändern, indem sie ihre Haltung ändert.
Im «Echo d e PariS" befaßt sich Bonnefou mit der Frage einer eventuellen Besetzung deS Ruhige b i e t S. „ES wäre dies für uns, so bem erkt Bonnefou einleitend, die unangenehmste und widerlichste Maßnahme, zu der wir uns mit äußerstem Mißvergnügen entscheiden müßten. Die Besetzung würde nicht daS ganze Gebiet umfassen, sondern sich nur auf die Tore erstrecken, um so die KohlenauSfuhr zu kontrollieren. Zweitens könnte die Besetzung als Druckmittel gegen dasjenige Deutschland verwendet werden, das sich noch immer der Waffenab- gabe entziehen will. Drittens könnte die Besetzung als eint militärische Maßnahme in Frage kommen, falls sich Deutschland mit den Bolschewisten verbünden würde, um so den Versailler Vertrag umzustoßen. Diese militärische Maßnahme könnte sofort wieder rückgängig gemacht werden, wenn man sich in Deutsch- ■ImÜL-kiner Vervstichtuna wieder erinnerte. In allen diesen Fällen könnte e» sich nur um eine vorü vergeh e n d e Besetzung handeln; denn kein vernünftiger Franzose denkt an eine dauernde Besetzung oder sogar an eine Annexion deS Ruhrgebiets."
Ausschutz f. auswarl. Angelegenheiten
WB. Berlin, 1. September. Der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten beschloß, die heutigen Verhandlungen insoweit für öffentlich zu erklären, als die Redner nicht ausdrücklich Vertraulichkeit für ihre Darlegungen beanspruchen würden. Zunächst nahm das Watt derReichSminist er des Auswärtigen Dr. Simons. Er begann mit einer kurzen Zu- rückweisung der vielfachen Entstellungen, die in den in schweizer und italienischen Blättern veröffentlichten beiden Interviews enthalteu sind, und wandte sich darauf zu einem Ueberblick über d i e deutsche Neutra l i t ö t s p o l i k. Es habe sich inzwischen erwiesen, daß die Neutralitätspolitik für Deutschland die einzig richtige und mögliche gewesen sei und bleibe. Es seien Stimmen an ihn beranaetreten, die ihn aufgeforbert hätten, mit dem Bolschewismus gegen die Weltmächte vorzugehen und auf diese Wcüe die Schranken des Versailler Friedens zu brechen. Diese Stimmen habe er mit völliger Ueberlegung abgewiesen. Wenn wir damals solchen Aufforderungen gefolgt wären, so wäre Deutschland unmittelbar znm Kriegsschauplatz geworden Die Last der Folgen, die die allmählich zu erwartende Umbildung des Bolschewismus mit sich gebracht hätte, wäre mit voller Wucht auf Deutschland gefallen. Von anderer Seite sei der Vorschlag gemacht worden, gemeinsam mit den Weltmächten gegen den Bolschewismus sich zu wenden. Auch dies war eine Unmöglichkeit. Unzweifelhaft hätte uns der Versuch. Seite an Seite mit Frankreich und Polen gegen Rußland vorzugehen, in den Bürgerkrieg gestürzt. Zweifelhaft wäre geblieben, ob wir erreicht hätten, was von einem Zusammengehen mit dem Westen erwartet wurde. Das russische Volk werde, wie auch die Entwicklung gehe, jeden, der sich jetzt zu seinen Angreifern geselle, auf lange hinaus als feinen Feind betrachten. Au» unserer Haltung folgte, daß wir auch gegen die Regierung des Generals Wrangel und die Ukraine uns zurückhaltend stellten. Frankreich hat den General Wrangel anerkannt und uns davon Mitteilung gemacht. Wir haben diese Mitteilung zur Kenntnis genommen, ohne dem französischen Beispiel zu folgen. Keine Macht, die mit Sowjetrußland im Kampfe steht, habe auf unsere Unterstützung zu rechnen. In letzter Zeit sei der Vorwurf erhoben worden, daß mir uns zurzeit mit den Bolschewisten eingelassen hätten. Er werde auf die amerikanische Note und auf die Kundgebung Lloyd Georges aus Luzern hiugewiesen. Andererseits beständen aber gewisse italienische Schritte der Anknüpfung. Für unsere Politik fei der Grundgedanke der, daß die Sowjetregierung gegenwärtig die Mach^ in Händen habe, also de facto die RegierungSgewalt in "Rußland barstelle. Die Verhältnisse zwischen Deutschland und Rußland seien noch nicht normal. Zunächst befanden wir uns noch in Verhandlungen über die Vorfrage der genügenden Erledigung des Falles Mirbach. Die Bel>auptungen, daß mir mit der Sowjetregierung einen G e h c i m v e r t r a g abgeschlossen hätten, seien durchaus falsch. Wir hätten tedigliey den Russen und Polen mit dem Herannahen der Krieges an den deutschen Grenzen Vorschläge wegen der Seuchenbekämpfung und wegen der Regelung tu erwartender Grenzschwicrigteiten gemacht. Die Verbanolunaen über den leisteten Punkt leien abaelchnt
worden; über den ersteren Punkt seien sie noch im Gange. Während uns von der angelsächsischen Presse und von dem früheren französischen Präsidenten Poi n- carö Geheimverträge mit den Russen vorgeworien werden, werde in Moskau gegen uns der Vorwurf einer Geheimvertrages mit Polen gemacht. Daran ist ebensowenig Wahres. Der Minister berichtigte in diesem Zusammenhang eine Angabe in einem der Schweizer Interviews, wonach er gesagt hätte, wir würden gegen Polen marschieren. Diese Aeußerung habe er keineswegs getan, wohl aber auf die Frage, was wir gegen eine polnische Neutralitäts- verlctzung unternehmen würden, geantwortet, daß derjenige, der unsere Neutralität verletze, uns auf Seiten seiner Gegner sehen würde. Der Minister führte sodann aus, daß sich in den deutsch-polnischen Beziehungen eine Menge Explosivstoffe angehäuft habe. Wenn die von ihm angebotenen Verhandlungen nicht bald zu einem Resultat kommen würden, so könnte es wohl geschehen, daß der Kessel der deutschen öffentlichen Meinung überkoche. In BreSlau habe sich dies bereits ereignet. Der Minister ging darauf in längeren vertraulichen Darlegungen auf die Brcs- lauer Ereignisse und auf die französische Note ein. Den Wünschen des oberschlesischen Volkes müsse man auf dem Gebiete der Verwaltung entgegenkommen und ihm in gewissen Fragen eine selbständige Vertretung zubilligen, aber dies alles selbstverständlich nicht außerhalb des Reiches. Jnbezug auf die Genfer Konferenz und auf die häufig gestellte Frage, ob eS zu der Genfer Konferenz überhaupt kommen würde, sagte der Reichsminister, im Lager der Entente fei man sich in dieser Frage noch nicht einig. Wir wissen nur, daß von einer Seite ein scharfer Kampf gegen die Genker Konferenz geführt wird, während England und Italien großes Gewicht auf das Zustandekommen der Konferenz zu legen scheinen. Eins könne man mit Sicherheit annehmen, daß nämlich auf Drängen Frankreichs die Brüsseler Konftrenz unabhängig von der Genfer stattfinden würde, und daß das große internationale Finanzprogramm, das in der letzten Zeit in der Oeffentlichkeit besprochen wurde, ohne genügende Berücksichtigung der finanziellen Lage Deutschlands und vor Klarlegung derselben auf der ^ftML.Loü!rrrnz zustande, kommen^würde. - Der Vertreter des preußischen Mlni>rerS des Innern machte sodann eingehende Mitteilungen über die Breslauer Vorgänge. — Abg. Herschel sZ ): Nach meiner persönlichen Meinung sind die Ausschreitungen im französischen Konsulat durch großstädtischen Mob auSgeführt worden. — Abg. Scheidemann (S.) sprach sich dahin aus, daß in wittschattlicher Beziehimg möglichst bald Abmachungen mit Rußland zustande zu bringen seien. Für die Breslauer Vorgänge stellte er die Forderung auf, dem Ursprung der Ausschreitungen nachzugehen und fcstzustellcn, ob eine nationalistische Mache vorlag, oder ob es sich um Mob gehandelt iahe. — Abg. von Rheinbaben <Vpt.) stimmte den Ausführungen des Abg. Herschel bei. — Gras von W e starb (bntl.) schloß sich den AuSführunge« des Ministers des Aeußeru über die deutsche Neutralität an. — Abg. B r e i d s ch c i d (U. S.): In der Frage der Neutralitätspolitik hat sich die Arbeiterschaft durchaus im Rahmen dessen gehalten, was von ihrer Seite in dieser Beziehung zugesagt worden ist. — Abg. Schiffer (Dem.) beleuchtete die allgemeine politische Weltlage und betonte, daß alle Uneinigkeiten unserer Gegner letzten Endes nur Schaden für uns bringen würden. Die weiteren Per traulichen Ausführungen des Redners bezogen sich auf die ober- schlesischen Vorgänge. — Abg. Müll e.r-Franken (S.l richtete einige Fragen im Zusammenhang mit Rußland an die deutsche Regierung. — Abg. von Gräfe (bntl.) ging auf die Forderungen der französischen Note ein. — Abg Stresemann (Vpt.) na'-m Stellung zu der französischen Politik gegenüber Deutschland, besonders im Zusammenhang mit Ober- schlesien, zu der Kohlenfrage und der französischen Note.
Siach dem Abg. Dr. S pa b n (Z.) nahm zum Schluß Reichsminister Dr. Simons nochma s das Wort zur Beantwortung verschiedener an ihn gerichteter Fragen. — Schließlich wurde gegen die Stimmen der Unabhängigen ein Antrag HauS- m a n n angenommen, dahingehend:
«Der Auswärtige Ausschuß ersucht die ReichS- regierung angesichts der Vorgänge in Oberschlesien um Mitteilung einer Zusammenstellung der einwandfrei feststellbaren Tatsachen hinsichtlich der polnischen Uebergriffe und deren Duldung durch die französischen Stellen, durch die eine begreifliche Erregung der deutschen Bevölkerung in Schlesien hervorgerufen worden ist*
Anruhen in Frankfurk a. M.
WB. Frankfurt a. M., 1. Sept. Im Anschluß an eine Versammlung der Erwerbslosen kam c3 heute vormittag zu Demonstrationen^ und^AuS- schreitungen derselben. Die Menge überwältigte die Sicherheitswehr und drang in das Innere des Rathauses ein. Jedoch gelang es der Sicher- Heitswehr bald das Rathaus und den Römerberg zu säubern und abzusperren. Mittags kam eS wiederum auf dem Dchillerplatz zu Ansammlungen. die bald zerstreut wurden. Auf der Kaiserstraße wurde ein Wassenladen geplündert und diewlver und Munition entwendet. Soweit bis jetzt bekannt, gab es bei den Zusammenstößen fünf Schwer- und zwei Leichtverletzt«. Die Ar
beiter der Kleher-Werke haben sich angeblich mit den Erwerbslosen solidarisch erklärt.
WB. Frankfurt, 1. Septbr. Nachmittags 3Uhr fand im Schumantheater eine von vielen Tausenden besuchte Protestversammlung der Erwerbslosen statt Nach der Versammlung zogen die Teilnehmer durch die Kaiserstraße und die Zeil, worauf sich die Menge zerstreute. Zu Zwischenfällen kam eS nicht, abgesehen davon, daß ein Sicherheitspolizist aus einem vorüber- fahrenden Wagen der elektrischen Straßenbahn heraus» geholt und verprügelt wurde. Dagegen kam es in den Abendstunden zu einem neuen Zwischenfall in der Nähe des Römerberges, wo aus einem Hause auf eine Polizeiltteife geschossen wurde. Die Polizei erwiderte das Feuer, wodurch 3 Zivilpersonen verletzt wurden. Ein Polizeibeamter erhielt einen tztteifschuß.
--- Frankfurt a. M., 1. Septbr. (Priv.-Tel.) Zu den Zwischenfällen im Anschluß an die Erwerbslosendemonstration ist noch zu berichten, daß gegen Abend eine größere Menschenmenge daS Polizeirevier am Geistpförtchen zu stürmen versuchte. Sie wurde jedoch durch die Mannschaft des Revier» abgewiesen. Eine Versammlung der kommunistischen und unab- bängige» Betricbtzobleute und Vertrauensleute beschloß, für morgen die Generalstreiksparole auizn- geben. Da das Gewerkschaftskattell diesem Beschluss« fernsteht, dürfte jedoch der Streik keine größere Ausdehnung annehmen.
D. Frankfurt, 2. Sept. Die gestrigen Vorgänge haben vier Todesopfer geiordert. Im Heilig - Geist- Hosvital sind drei und im städtischen Krankenhaus einer der Verwundeten ihren Verletzungen erlegen. Die Zahl der im Heilig-Geist-Hospital untergebrachten Verletzte» beträgt 12, darunter 1 Sicherheitspolizist.
Polen—Autzlavd.
Die Lage.
WB. Koveuhaaen, 2. Sept. Nach einem Tele» gramm aus Warschau meldet der polnische Heeresbericht: Die polnischen und ukrainischen Truppen haben den größten Teil von Ostgalizien befreit und sind jetzt Herr des ganzen linken Ufers des PWpr. Sie .jenen die Verfolgung der Bolschewisten fort. In der Gegend von PrzemySl haben dw Poleu die Sowjettruppen auseinander gesprengt. Ukrainische Truppen haben bei ihrem Uebergang über den Dnjepr südlich von Buczacz bolschewsstische Abteilungen zum schnellen Rückzug gezwungen. Auf der Nordfront setzen die polnischen Truppen ihren Vormarsch gegen Grodno fort.
WB. Königsberg, 1. Septbr. Der polnische Nordflügel im Gebiet von Suwalki und zwischen dem Ä u g u st o w o k a u a l und dem Forst von B j e l o w e s ch ist in langsamem Vorschreiten. Die litauischen Trnvpen werden kampflos zurückgenommen. Auf russischer Seite zeigt sich SBiberftanb nur au bei Bahn von Wolkowyschk und südlich des N a r e w. Der Angriffsab'chnitt des Generals Budjenny wurde nach Norden bis südwestlich von Eholm erweitert. Z a m o o z e wurde von den Russen genommen. Bei Grabowiec hartnäckige Kämpfe. Ocstlich von L e m b e r g wurden polnische Angriffe abgeschlagen.
Der Rückzug WraugelS.
Nach der „Information" berichtet die »Chicago Tribune", daß in der Nordkrim die Armee des General» Wrangel vor den heftigen Angriffen der Bolscbewisten langsam zurückgehe. Der Rückzug des rechten Flügels des Generals sei durch zwei ^avalleriedivisionen vr» droht. Die Bolschewisten griffen heftig an, hätten den Dnjepr überschritten und die Stadt Kala genommen.
WB. London, 1. Sepibr. Die «Times" bettchtet aus Konstantinovel, daß General Wrangel sich in der Krim auf die Defensive beschränken werde, sodass er nötigenfalls die Gegend nördlich der Krim aufgeben werde, um feine ganzen Offensivstreitkräft« im SüdkaukasuS und im Dongebiet einzusetzen. Nach demselben Blatte wäre die Räumung von Jekateri. nobar unb Novorossijk eine von Wrangel ungeordnet? Finte.
Winsk.
Auflösung der Berhandluugeu.
WB. PariS, 1. Septbr. Nach der »-Information* berichtet die „Daily Mail" aus Warschau, daß der Rest der polnischen Delegation aus Minsk zurück- gerufen worden ist. Die bolichewluischen Delegierten seien nach Moskau zurückgekehrt. Keine der betörn Delegationen hätte einen Waffenstillstand vorgeschlagen.
Polnisch-Mimische Kämpfe.
WB. Kowno, 1. Septbr. (Litauische Telegraphen» Agentur.) Da die Polen im Widerspruch zu den ge- pflogenen Verhandlungen über die Festsetzung der Demarkationslinie mit Litauen nach Kämpfen mit litauischen Trnvpen am 30. August Suwalki befehlen und ihnen ‘mutige T'w« zuvo, Angustowv end. ■iffeu, wurde den britischen Mlütärmissi»nen nt Kowno nabegelegt, das litauische Territorium zu verlassen, da ihre Anwesenheit dem früheren Zwecke nicht mehr ent. iprechc. Diese reifte deshalb heute nacy Warschau zurück. Die beabsichtigte Entsendung einer litauisches Dcl'gation nach Warschau kommt unter diesen Umständen auch nicht mehr in Frage.
WB. Kowno, 1. Septbr. (Litauische Telegraphen« Agentur.) Litauiicher Generalstabsbericht vom 1. September. Im Süden mußte» Teile der Mariampalri Truppen unter dem Drucke der viel starken Polen nach Kämpfen znrückgehen. ES gab auf bcircu Seiten Tott ntib Verwundete.
(Weitere politisch» Nachrichten Seite Q