Einzelbild herunterladen
 

SanauerK Anzeiger

Verlagsleitung: Ad. Indermühl«. verantwortlich: für politischen und allgeni TeilRich. HultichJfür lokalen und dtont tu Terl sowie Sport W.Morid; für Anzeige M Reklamen A. Brodt. alle in Hans» a. Rotationsdruckd. Waisenhausbuchdruckerei!

1 Kernsprechanschlulle Nr. 1237 und 123

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sana«

Erscheint täglich mit Ausnahme ber^Sonn» und Feiertag»

Nr. 205 Mittwoch den 1. September 1920

Das Neueste.

Dem deutsche« Vertreter in PariS ist gestern eine Seit Frankreichs mit der Forderung der Genugtuung fit die BreSlauer Vorgänge überreicht worden.

In Württemberg macht sich eine gewisse Streik- güdigkeü bemerkbar.

Die Pole» überreichten der rassischen Friedens- delegation ihre Gegenvorschläge zu den einzelnen Punkten kr FricdenSbedwgungen.

Die Volksabstimmung in SSrnte» geht unter einem terroristische» Druck der Südslawen vor sich.

In Irland habe» die Unruhe« bot Charakter eines Dürgerkriege« angenommen.

Genf und Brüssel.

Die Brüsseler Finanzkonferenz ist für den 24. September einberufen, aber die Genfer Kowfe- renz, die auf Grund einer Beratung von Sach­verständigen zu einem Vorschlag über die Ge­samtschuld Deutschlands an seine Kriegsgegner gelangen soll, ist noch nicht anberaumt. Einbe- cufer der Brüsseler Konferenz ist der Rat der Völkerbundes, aber hinter ihm oder richtiger ge­sagt, über ihm steht der Oberste Rat der Miier- ten, der zweimal den Aufschub der Brüsseler Kon­ferenz durchgesetzt hat, weil man die Festsetzung der deutschen Schuldverpflichtung als eine uner­läßliche Voraussetzung für die Brüsseler Be­ratungen betrachtete. Seither sind zwischen Frankreich und seinen Verbündeten so weit- sehende Differenzen entstanden, daß eine Eini- pmg über die Forderungen, die an Deutschland jefteüt werden stillem, bis auf weiteres schwerlich M^SLLartW-tst, So hat man denn, weil der Ter- vrüsseler Konferenz imabhängrg davonund mit »er Erklärung angesetzt, daß die Frage der deut- jchen EntschädigungSleistungen von ihr ausge­schlossen werden müsse. Damit find aber die Be­ratungen von Brüssel eigentlich jeder praktischem Bedeutung entkleidet. In Brüssel soll die Frage erörtert werden, ob «S möglich ist, das durch die Kriegs folgen und zum Teil durch Revolu- iisnsfolgen gestörte Verhältnis zwischen den Währungen der verschiedenen Staaten aufs neue zu stabilisieren. Daß da« alte Verhältnis »wischen diesen Wahrungen nicht wieder herge- stellt werden kaum ist gewiß, aber an sich noch kein Uebel. Denn für die wirtschaftlich am meisten geschwächten Staate« bedeutet ihre schlechtere Währung gleichzeitig so viel wie ein Schutzzoll und eine Ausfuhrprämie und trägt so zur Besse­rung ihre wirtschaftlichen Lage bei, wenn er ihnen nur gelhtgi, ebne stärkere Luxuseinfuhr zu verhindern. Ein schlimmeres Uebel als die schlechte Währung ist das Schwanken der Wäh­rung; und wie größere Schwankungen, bei denen jedes normale Einfuhr- und Ausfuhrgeschäft zu einer Valutaspekulation ausarten muß, ausge­schlossen werden können, damit will man sich in Brüssel befassen. So viel jedoch ist im voraus klar: Man kann das Verhältnis beispielsweise der deutschen zur englischen Währung nur dann neu stabilisieren, wenn es zuvor gelungen ist, der deutschen Währung eine innere Festigkeit zu geben, das heißt, wenn das Deutsche Reich auf- Schört hat, seine Bedürfnisse durch immer nepe Ausgabe von Schatzscheinen, die durch neu ge­druckte Noten eingelöst werden, zu decken. Im »rufenden Jahre haben wir in jedem Monat durchschnittlich über zwei Milliarden Mark neue Banknoten gedruckt. Nun können wir in Brüssel darauf Hinweisen, daß unsere neuen Steuern un­gefähr den Betrag ergeben werden, den wir gegenwärtig durch Notendruck hereinbringen, ®6er man wird uns erwidern, daß der Beweis der Durchführbarkeit der neuen Steuergesetze "och nicht erbracht ist. Aber wenn auch die "euen Steuern die erwarteten Beträge wirklich Mein und wenn andererseits die Mißwirtschaft ^fhört, daß Milliarden verschleudert werden zur BerbilliLung von Lebensmitteln, die fortwährend dabei teurer werden, und zur Deckung immer Wachsender Desizite der Staatsbetriebe: so wird dennoch von irgendwelcher Ordnung der deutschen Währung keine Rede sein können, so lang es un- Mwitz bleibt, welche Summen Deutschland künf- ughin Jahr für Jahr anWiedergutmachungen" bezahlen haben wird und welche Summen ihm Besatzungskosten" abverlangt werden. Erst nach der Regelung dieser beiden Fragen, also M) einer endgültigen Entscheidung über die von Genfer Konferenz zu erstattenden Vorschläge, aßt sich eine beständige deutsche Währung her- iiellen und deren Verhältnis zu anderen Wäh- ^Sen fixieren. Ohne aber die deutsche Währung die meistgeschädigte und als diejenige des wichtigsten emoväiLLeu Wirtschaftsgebietes au

regeln in ihrem Verhältnis zu anderen Wah­rungen, kann man in Brüssel überhaupt nichts Brauchbares schaffen. Brüssel ohne Genf ist zwecklos.

Es gibt Leute, die dazu neigen, aus jedem Uebel das Gute, das eS in sich birgt, herauszu- finden» und zu dieser Art von Leuten scheint der hervorragende schwedische Nationalökonom Pro­fessor Gustav Kassel zu gehören, dessen jüngst veröffentlichtes, sehr wohl durchdachtes Gutachten den Brüsseler Beratungen zugrunde gelegt wer­den soll. Aus der von uns am Montag wiederge­gebenen Unterredung mit Professor Kassel bei seiner Durchreise durch Frankfurt geht hervor, daß der schwedische Gelehrte zwar zugegeben hat, daß es eigentlich gar nicht streng durchführbar sei, die zwischen Deutschland und der Entente schwebenden (wirtschaftlichen und finanziellen) Fragen von Brüsseler Arbeitsprogrammen aus- zuschließen, und daß infolge dieser Ausschließung die Brüsseler Beratungen rein akademische Bedeu­tung haben werden; aber darin sieht Professor Kassel keine Minderung der Wichtigkeit der Brüsseler Konferenz, denn deren theoretische Verhandlungen würden die Grundlage für spätere praktische Arbeit sein» und Brüssel werde das Rüstzeug für Genf liefern, wenn es überhaupt ein Genf geben werde. Die Aeußerung ist nicht recht verständlich, daß die Gesanckhöhe der deut­schen SchÄd festgesetzt wird, ist nicht bloß eine Forderung Deutschlands, welches die Festsetzung durch den FriedenSvertrag selbst gewünscht hat; sondern, obwohl Deutschlands Wunsch nicht er- füllt wurde, hat der FriedenSvertrag doch ausge­sprochen, daß die Festsetzung längstens bis zum 1. Mai 1921 erfolgen muß, und auch Deutsch­lands Gegner haben es seither als wünschenswert erkannt, daß sie früher, möglichst früh erfolge. Ohne Verhandlungen mit Deutschland, die in Geuf be^bfichttgt finv, umnmanaoet mmm»i lands Schuldsumme gar nicht bestimmen, ober glaubt Professor Kassel, daß irgendwelche theore­tischen Auseinandersetzungen in Brüssel die Ententeregierungen bewegen könnten, sie einfach zu streichen? Wir geben uns keinem derartigen Optimismus hin, und hatten von der praktischen Arbeit von Sachverständigen in Genf mehr er­wartet, als von den tiefsten theoretischen De­batten in Brüssel. Aber in Brüssel glaubt Frank­reich Hilfe zu finden, während es fürchtet, in Genf Ansprüche opfern zu müssen, die ihm durch den Versailler Friedensvertrag verbrieft find. Deshalb ist die Genfer Konferenz verschoben und die von Brüssel einberufen worden. Die Fran­zosen werden also in Brüssel erst belehrt wer­den müssen, daß ihnen nicht zn helfen ist, so lang Deutschland nicht geholfen wird.

Oberschlesien.

Viehische Mordlaien der Polen.

WB. Kattowih, 31. Aug. Ueber den Massen­mord von Josephrtal bei Deutsch-Pickar, wo nun schon zehn Leichen grausam getöteter deutscher Ar­beiter gefunden worden sind, treffen neue Meldungen mit entsetzlichen Einzelheiten ein. Bon privater Seste wird uns berichtet: Der Schanplatz der Lcichenfnndc ist ein kleiner Nadelwald dicht an der Grenze. Alle zehn Opfer stammen aus dem Schlafbaus Maezoiko- witz, das von den Polen am 30. August erstürmt wurde. Der Mord ist jedenfalls am 23. August er­folgt. Erkannt ist bisher nur eine von den Leichen und zwar als die des SchlafhausmeisterS Loz. Als einer der Täter wird ein gewisser Njdek genannt, der mit mehreren Brüdern die ganze Gegend dort auige- wiegelt habm soll. Er ist seit der Untat flüchtig ge­worden. Die Leichen, die aus den beiden Hessen- gräbern zutage gefördert wurden, boten ein grauen­erregendes Bild. Nach dem Aussehen der Wunden und der zerstörenden Wirkung der Kopfschüsse waren die Schüsse alle anS nächster Nähe abgegeben worden. Aber gerade deshalb zwingt eine Anzahl Schüsse zu der Vermutung, daß die Mörder ihre Opfer durch schlechte» Zielen absichtlich grausam gemartert baden. Außerdem waren die Leichen der ganzen Oberklcidnng, Schuhzeuge n. f. w. beraubt und wie Vichkadaver durcheinander geworfen.

In den deutschen Kreisen ist man überzeugt, daß diese viehischen Mordtaten nicht die einzigen ihrer Art sind, und das; die meisten von denen, die von den polnischen Truppen weggeschleppt wurden, ein ähnliches Schicksal erlitten haben.

WB. Beuth««, 31. Aug. Von den Zeichen der von den Polen ermordeten deutschen Arbeiter sind bisher der SchlafbanSmeister L o z aus Maczci- kowitz und der Grubenarbeiter Brand auS Mörchingen indentifiziert worden. Die übrigen sollen Rhemländer sein. Ueber die Vorgänge selbst liegt noch kein ab­schließendes Bild vor.

WB. Berlin, 31. Aug. DemSokalanzeiger" wird auS Hindenburg über eine jetzt erst bekannt ge­wordene Untat der Polen berichtet: Am 19. August fuhren trotz des Generalstreik» etwa 400 deutsche Arbeiter in die D e l b r ü cks ch S ch te ein. Eine etwa 800 Mann starke polnische Bande erzwäng durch Drohungen die Ausfahrt der deutschen Arbeiter. Die Poleu stellten sich am Tor der Locke in und lunaeu

Reihen auf und ließen die deutschen Arbeiter regelrecht Spießruten laufen, indem sie den Laufenden mit Knüppeln und Stöcken zahlreiche Hiebe versetzten. Besonders schwer wurde der Vorsitzende der Verbandes heimattreuer Oberschlesier der Ortsgruppe Kunzendorf mißhandelt. Polnische Frauen und Mädchen beschimpften dabei die deutschen Arbeitswilligen, spiee» ihnen ins Gesicht und traten die verwundet zu Boden Ge­stürzten mit Füßen.

Polnische EnlschüdigungsforLerungen

WB. Kattowitz, 31. Aug. Die BesatzungStruvpe übt seit einigen Tagen auf verschiedenen Bahnhöfen OberschlesienS eine sehr scharfe Kontrolle der Reisenden auS. In Kattowitz Land liegt der P o l iz ei dien st meist noch in den Händen von Po l en, die größtenteils noch bewaffnet sind. Die polni^ch-de«tsche Grenze ist vollkomme« offen. EnschädigungSforde- rnngett sind in großer Zahl angemeldet worden. Die Kattowitzer Polen haben bei der interalliierten Kom­mission 4 Millionen Schadenersatz angemeldet.. Den Dentschgesinnten wird die Schadenanmeldung vielfach erschwert, weil die unter polnischem Einfluß stehenden Verwaltungen die Annahme deutscher Anmeldungen verweigern.

Die Sühne für Dreslau.

WB. Berlin, 31. Aug. Die von der französischen Botschaft überreichte Note bat folgenden Wortlaut:

Herr Minister! Im Anschluß an meine Note vom 27. August beehre ich mich, Euerer Exellenz die Be­dingungen der Regierung der Republik für die Bei­legung des ernsten Zwischenfalles bekanntzugeben, der sich auf dem französischen Konsulat in BreSla« am 26. August zu getragen hat:

1. Das Konsulat wird von der deutschen Regierung auf ihre Kosten wieder instandgcsetzt;

2. Die deutsche Regierung zahlt 100 000 Franken zur Entschädigung der Konsulatbeamten für die bei der Plünderung erlittenen materiellen Verluste, für den Schaden, der ihnen etwa durch Vernichtung ihrer aus dem Konsulat hinterlegten Wertpapiere und Urkunden entstanden sein konnte, sowie für die be­sonderen Aufwendungen, zu welche» der Vorfall sie 86 3! uAlle am Ueverkäll Beteiligten werden ermittelt und bestraft. Das Ergebnis der Ermittlungen wird der Botschaft binnen acht Tagen mitgeteilt.

4. Gegen die Ortsbehörden, durch deren Einver­ständnis, Fahrläffigkeit oder Gleichgültigkeit die Aus­führung des Ueberfall» möglich geworden ist werden disziplinarische Maßregeln getroffen, von denen die Botschaft innerhalb der gleichen Frist Mitteilung erhält.

5. Nach vollständiger Erfüllung dieser Bedingungen wird das Konsulat in Gegenwart deS Oberpräsidenten der Provinz Schlesien und bes französischen Bot­schafterrats wieder eröffnet. Die Flagge wird gleich­zeitig gehißt und weht bis 7 Uhr abends. Eine Kompagnie Reichswehr mit Misik erweist Ehren­bezeugung und defiliert vor dem Konsulat. Das Programm des Hergangs wird im Einverständnis mit der Botschaft festgesetzt. Da die Regierung der Rcvu- blik der Ansicht ist, daß die Gewalttat gegen das französische Konsulat in BrcSlmr auf die nämlichen Ursachen wie die Beleidigungen der französischen Bot­schaft am 16. Juli zurück mfübren ist, verlangt sie außerdem sofortige disziplinarische Maßregeln gegen Häuptmann von Arnim.

Die Regierung der Republik wünscht mit der beut» schen Regierung in einer Atmosphäre der Beruhigung und Arbeit friedliche Beziehungen zu nnterhalten. Aber sie muß feststellen, daß eine lange Reihe feind­seliger Shtnbgebungen unb Angriffe gegen zivilen und militärischen Vertreter in Deutschland zeigt, daß es gewisse Elemente aus Herausforderungen abfeben, zu welchen das regelmäßige Ausbleiben einer Bestrafung geradezu ermutigt. Sie ist überzeugt, daß dieser un- erttägliche Zustand sich von Tag zu Tag verschlimmern wird, wenn die deutsche Regierung nicht durch deutliche Mißbilligung unb nachdrückliche Strafen zeigt, daß sie dein ein Ende setzen will. In dickem Sinne be­ehre ich mich, im Auftrage meiner Regierung die Fordening zu stellen, daß die deutsche Rcgiernng für alle Zwischensälle, deren Opfer französische Vertreter oder Staatsangehöriae gewesen find, mir in der Bot­schaft binnen kürzester Frist durch den Reichskanzler ihr Bedanern auSspricht unb zugleich die Zusage erteilt, daß die in der vorliegenden Note geforderte Genugtuung in vollem Umfang gewählt werde. Im übrigen behalten sich die verbündeten Regierungen selbstverständlich vor, eine Sühne und Wiedergut­machung zn verlangen, die die Uebergriffe gegen die interalliierten Kontrollkommissionen und ihre Mit­glieder zu erfordern scheinen.

Genehmigen Sie, Herr Minister, die Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung, (gez.) Charles Laureat.

D. Paris, 1. September. Havas meldet aus Breslau: Verschiedene Lokalblätter zusolge, hat der Oberbürgermeister von BreSlau 2000 Mk. demjenigen zugesprochen, der die Urheber des Attentats auf das srauzösische Kokrsulat bezeichnen kann.

PolenRutzland.

Die Lage.

CinrüSen polnischer Truppen in Auguftowo.

Gokolka und Crodek besetzt

WR. Po e», 81. Aug. (Durch Funkspruch.) OperationSbericht deS polnischen OkneraKtabeS vom 30. August. Am 29. August sind unsere Vortruppen, von der örtlichen Bevölkerung enthusiastisch begrüßt, in A u gust 0 w 0 eingerückt. Im Abschnitt von L i«l v L 0 k liebt sie der Keuch unter unserem

Drucke gegen Osten zurück. Unsere Truppen besetzten Solo I! « und Srobet Bolschewistische Abtei­lungen, welche im Abschnitt Mala Narewka ernsten Widerstand zu leisten versuchten, wurden zurückgeworfeu und zur panikarttgen Flucht gezwungen. Im Ab­schnitt Brest-Litowsk herrscht Ruhe. Im Ab­schnitt Z 0 m 0 ß leisten unsere Abteilungen bei berittenen Armee BudennyS heftigen Widerstand. Grabowiec, welche» von uns Oorübergcbenb ver­lassen worden war, wurde- im Gegeuangriff zurücker« obert- Oestlich von L e m b e r g ist die Lage unver­ändert. Hartnäckige feindliche Angriff« auf Zadworze wurden abgewiefen. Feindliche Kolonnen würd«« bei Pohoryle» 50 Schritt vor unseren Stellungen zurückgewiesen und erlitten sehr schwere Verlust«.

Erfolgreiche K8mvfe der Nulle«.

WB. Moskau, 31. Aug. (Durch Funkspruch^ OperattonSberickt der russischen Sowjetrepublik von, 30. August. Westfront: Im Abschnitt Wolko. wiSk besetzten wir eine Seiht von Ortschaften. 1530 Werft südöstlich von V i a l h st 0 ! erbeuteten wir PanzerautoS sowie neun Kisten mit Musition. Im Abschnitt BrestLitowsk örtliche Kämpfe. Im Ab­schnitt Wladimir -Wolhynel besetzten wir bie Stadt Delz und eine reihe Ortschaften nördlich da­von, wobei wir Gefangene machten nxb drei Geschütze erbeuteten. Im Abschnitt Lemberg und Przemyfi sind hartnäckige Kämvfe im Gange. DaS Uebergewicht ist auf Seiten unserer Truppen. Krimfrout: Im Abschnitt Orechow für unS erfolgreiche Kämpfe.

Die Verlegung der Berhaudlnuge« nach Riga

WB. PariS, 31. Au«. Nach einer Meldung des Paris Midi" berichtetChicago Tribune" aus War­schau, daß die polnischen unb russischen Delegierten mitte September in Riga dir Verhandlungen fort- setzen werden.

Mißerfolge Wrangels?

D. Paris, 1. Sept. AnS London wird gemeldet: Nach einer drahtlosen Meldung au» Moskau hat die Expedition des General Wrangel im Stubangebiet voll­ständig versagt.Die feindlichen Streitträfte bestehe» nicht mehr", sagt eine Meldung,und ihre Reste sind, in den Sümpfen begraben." Trotzki, der sich in dieses Gegend befindet, telegraphierte nach Moskau, daß re sich um einen sehr bedeutenden Sieg handele, zu dem nicht nur die KaukasuSfront, sondern auch die 18. und 2. Kavallerie-Armee sowie ganz Sowjetrußland zu be­glückwünschen sei. Der Führer der russischen Streit- kräfte sagte: Die von Wrangel gehegte Hoffnung einer Erhebung des Kuban und nachher des ganzen Nord- KaukasuS ist zerstört. Eine Wrangelfront besteht nur noch in der Krim, deren nahes Ende vorauSzusehen ist.

Die polnischen Gegenvorschläge.

WB. MoSkau, 21. Aug. Die polnischen Gegen­vorschläge zu den einzelnen Nuntien der Frieden S- bedingungen besagen u. a. zu Pimkt 1:

Die Sowjetregierung muß die Unabhängig­keit, Selbständigkeit und Souveränität der polnischen Republik anerkennkv. Es ist selbstver­ständlich, daß Polen sein innerpolitisches Leben ganz selbständig ohne Einmischung anderer Staaten organi­sieren kann.

Zu Pnnft 2 macht Polen folgenden Vorschlag: Keiner der Staaten braucht die § r i e g s k 0 st e u zu ersetzen. Die polnische Delegation betont, daß bat polnische Element weit über bie vorgeschlagcnc Grenze und über die Ostgrenze Polens reicht.Die Kraft dieses Elements muß unbedingt in Betracht ge­zogen werden. Gleichzeitig halten wir es für unsere Pflicht, dem Volke, das Territorium zwischen den beiden Staaten bewohnt, in seinen politischen An­gelegenheiten freie Hand zu lassen."

Zu Punkt 3: Die Absicht, Polen die Verpflichtung einer Heeresver Minderung aufjuerlegen, wird als Entwürdigung beS polnischrn Volkes kategorisch zurückgewieien. Rußland folge augenscheinlich mit vollem Bewußtsein dem Beisviele der Politik Pet«: des Großen und Katharina II , einer Politik, welche dieselben Forderungen stellte und zu bem Verbrechen der Teilung führte.Es setzt uns umfomebrjn Er. staunen, weil es doch bekannt ist, daß das SotD'et» regime den Militarismus auf die höchste Entwicklungs­stufe brächte und nicht im geringsten die Absicht geigt ihre eigene Wehrmacht zu beschränken."

Zu Punkt 10: Polen behält sich baS Recht vor. allein an der Grenze ein Heer von 200 000 Mann zu halten. Für Polen mirb es dann erst möglich sein, an die Demobilisation zu denken, wenn diese sich 10 ganz Europa verwirklicht hat, was Polen als eckt demokratisches Reich schon lange heiß ersehnte. Die 0 Vorschläge bezüglich der Ergänzung des Heeres biM Ar beiter Milizen würden einen völligen Um- stur; der Basis der Souveränität und der Nichte»». Mischung in die inneren Angelegenheiten PolenS her- beiführex können und als solche überhaupt nicht m Betracht gezogen werden können.

Entsprechend den vorhergehenden Ergebnissen kann die polnische Regierung unter leinen Umständen zu einer einseitigen Verpflichtung der Demobilisation ihre Einwilligung geben. Das einzig richtige wäre, dar beide Seiten gleichzeitig, demobilisieren, und zwar sofort nach Friedensschluß.

Kanöels- u, WirtschaflsZelegramme«

Ipu. Slbcrftld, 30. An«. Wie der Eisen- unh Stahlwaren-Jndustriebund mitteilt, hat die Bereinigung Deutscher Gask chcrfabrikante« den Aufschlag U£Ui 1503 auf 1480 Prozent ermäßigt.

(Weitere Polittsche Nachrichten auf Seite 5^'