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Freitag ven 27. August
Nr. 201
Hanau, 27. August.
Nach Eröffnung der Sitzung brächte der Vorsitzende zwei Dringlichkeitsanträge zur Verlesung. Der erste betraf die Einstellung der Bürgerwehrmannschaften als Notstandsarbeiter (siehe besonderen Artikel), der zweite, mehr eine Anfrage, befaßte sich mit dem Verkauf des städtischen Schweinestalles. Nachdem man die Festsetzung der für 1920 zur Erhebung kommenden Gemeindesteuern angenommen hatte (siehe besonderer Artikel), behandelte man die Dringlichkeitsanfrage betr. den Schweinestallverkauf. Die Anfrage hatte folgenden Wortlaut:
Die Kommunistische Fraktion fragt beim Magistrat an:
1. Zu welchen Preisen sind die Schweine des aufgelösten städtischen Schweinestalles verkauft worden?
2. Wer sind die tatsächlichen Käufer?
3. Beruht es auf Wahrheit, daß ein Konsortium von Metzgern die Schweine kaufte, die Kaufverhandlungen aber im Namen der gesamten Metz- gerinnung führte?
4. Hat die Notstandskommission dem Perkauf zugestimmt?
Herr Stadttat P e n s e gab hierauf folgende Erklärung ab: Durch die Unwirtschaftlichkeit der Schweinemästerei beschloß die Notstandskom-, mission im Frühjahr ds. Js., daß die Mästerei aufgelöst und verkauft werden solle. Der Magistrat beauftragte das Lebensmittelamt die Schweine zu versteigern. Die Versteigerung sollte nach Pfingsten vorgenommen werden, doch infolge des plötzlichen Stuf tretend der Maul- und Klauenseuche mußte die Versteigerung aufgehoben werden. Diese Aufhebung der Versteigerung hat ihr Gutes mit sich gebracht, desin hätte sie stattgefunden, wären die Schweine hinausgewandert weit über Hessens und Bayerns Grenze und die Havarier Bevölkerung hätte nichts davon gehabt. Die Un- wirtschaftlichkeit des Schweinestalles haben wir damals damit begründet, daß die Monatszuschüsse die monatlich 15—20 000 Mark betrugen, sich immer mehr und mehr steigerten, sodaß sie nicht mehr aufzubringen waren. Es haben alsdann Verhandlungen stattgefunden mit einer G. m. b. H. hiesiger Metzger, an die am 8. August der Schweinestall für 190 000 Mark einschließlich Jn- ventar verkauft worden ist. Die Käufer haben sich laut Verttag verpflichten müssen, die übernommenen Vertragsschweine und deren Nachzucht» lediglich an die Hanaeur Bevölkerung auf dem Wege der Rationierung als Fleisch zur Verteilung zu bringen. Den Verkaufspreis des Fleisches hat die Preisprüfungsstelle zu begutachten. Der Magistrat hat auch nach Aufhebung der Zwangs- mirtfMft das Recht, eine Kontrolle über den wüknebestav d auszuüben. Eine Anzahl Schweine gelangt bereits Anfang Oktober zur Abschlachtung.
Herr Stadtv. Handle bemerkte, daß bei dem Verkauf noch seinen Informationen mindestens 30—40 000 Mark mehr hätten erlöst werden können. Im übrigen sei bei den Kaufsverhandlungen immer davon gesprochen worden, daß sie Schweine die Metzaerinnung erstehen wolle. Auf die letzte Frage seiner Fraktion sei Herr Pense überhaupt nicht eingegangen. Bisher sei es üblich gewesen, daß die Notsiandskormnission von Käufen und Verkäufen unterrichtet worden ist. — Herr Pense mußte zugeben, daß inbezug auf die letzte Frage ein Fehler gemacht worden sei, der aber zu verzeihen sei. Im übrigen versicherte der Redner nochmals, daß die Vveisge- stoltung beim Verkauf des Fleisches überwacht werden würde. — Nachdem noch einige Stadtver
Die Tochter -es Ministers.
Roman von Ernst Georgy.
S. Fortsetzung. (Nachdr. verboten.)
Der junge Arzt stampfte mit dem Fuße ungehalten auf das Pflaster. So oft er seit jener schrecklichen Unglücksbotschaft, die ihm den Tod der über alles geliebten Mutter verkündet hatte, in Deutschland gewesen war, hatte er Gertrud Mein- hard gesucht. Ihr Bild im Herzen hatteer einst die Heimat verlassen. Immer sah er das schöne schlanke Mädchen neben der teuren Frau, bis sein Gefühl für beide fast verschmolz. Nichts als Gutes und Liebes hatte die leidende tapfere Mutter von ihrer Gesellschafterin zu berichten ge= wußt. Fein, gütig und voller Verehrung für ihre Pflegebefohlene waren die Schreiben, die Fräulein Meinhard beifügte.
Als er in einem Hafen auf der Heimreise die ersten Briefschaften erhielt, da griff er nicht nach den Schreiben der Verwandten, sondern zuerst nach dem, das Gertrud Meinhards feste schöne Schriftzüge trug. Und ihre ausführlichen, unendlich zarten Zeilen gaben ihm das seelische Gleich- ij-roicht zurück. Sie schilderte ihm das gänzlich schn«rzlose, tu der Schwäche der Auflösung so unendlich rührende Heimgehen seiner Mutter, beten einzige Gedanken und segnenden Wünsche Lh bis zum letzten Atemzüge um ihn rantten. Sie erzählte ihm von dem wundervollen Entsagen und heldcnbafetn Opfer dieser zarten Frau, die vor ihrem Kinde alle Anzeichen des entstehenden Lei- ber^ verheimlicht und alle Fortschritte der Krankheit verborgen imb mit Hilfe der in Vertrauen gezogenen Aerzte hingehalten hatte, bis er die Vorbereitungen zur Abreise getroffen hatte.
„Ich schreibe Jhiren kein Wort des Trostes, geehrter Herr Doktor! Sie haben das unendliche Glück besessen, eine solche Mutter zu haben. Heute rröchle ich Ihnen nun dafür danken, daß Sie mir Ihr köstliches Kleinod anverttauren. Ich meine zM Jtmerr! Die Erirrneruna an biete Heilige,
ordnete zu der Angelegenheit o^lvrcxhen hatten, wurde auf Antrag des Herrn B e r n g c s die Notstandskommission beauftragt, den Verkaufs
Preis von 190 000 Mark einer Na^"
zu
unterziehen, wozu der Kommission das nötige Material zur Verfügung w stellen ist.
Alsdann teilte der Vorsitzende mit, daß inzwischen ein weiterer Dringlicheitsantrag, unterschrieben von einigen Erwerbslosen, eingegangen sei, der die sofortige restlose Einstellung der ledigen Erwerbslosen als Notstandsarbeiter forderte. Der Antrag würde dem Magistrat überreicht werden. — Mit letzterem Bescheid nicht zufrieden, betrat während der Behandlung des nächsten Punktes eine Abordnung jugendlicher Erwerbsloser den Sitzungssaal, die die sofortige Durchbe- ratung ihres Antrages forderte. Der Vorsitzende wies die Antragsteller darauf hin, daß ^r Antrag vom Magistrat behandelt werden würde, im übrigen müßten sie etwaige Wünsche durch Stadtverordnete vorbringen lassen. Es gehe nicht an, daß jeder Einwohner in den Sitzungssaal trete und irgendwelche Anträge stelle. Als einige Stadtverordnete der Kommunistischen Fraktion die jugendlichen Antragsteller beruhigt hatten, verließen sie unter Protestäußerungen den Saal.
Erhöhung der Marktstandsgelder und der Gebühren beim Vieh- und Weihnachtsmarkt. —
Marktordnung für die Stadt Hanau.
Infolge der ständig steigenden Teuerung war eine Erhöhung der Gebühren für Märkte und Messen erforderlich. Die Stadtverordneten stimmten daher dem Entwurf der Markt- und Meßocd- nung für den Stadtkreis Hanau zu; desgleichen sollen die Gebühren durchschnittlich um 200 Proz. erhöht werden. Bei Viehmarkt soll pro Stück Vieh 1 Mark Gebühren erhoben werden.
Herr Stadtv. Spinger bemerkte hierzu, daß für die Kriegsinvaliden die bisherigen Sätze beibehalten werden möchten. — Herr Oberbürger- meister H i l d erwiderte, daß in Hanau die Sätze so niedrig seien, daß eine Ermäßigung nicht eintreten könnte. Trotzdem wurde der Magistrat ersucht, eventuellen Ermäßigungsanträgen von Kriegsbeschädigten stattzugeben.
Aenderung der Gebührenordnung rc. für den städtischen Schlachthof.
Der Entwurf einer neuen Gebührenordnung für den städtischen Schlachthof zu Hanau, der Entwurf einer neuen Gebührenordnung für die Schau und für die Ausstellung eines Befundscheines bezüglich des nicht im städtischen Schlachthof ausgeschlachteten frischen Fleisches und der § 11 der Freibankordnugg vom 28. Oktober 1910 werden in der aus dem Entwurf ersichtlichen Neufassung genehmigt. Der jährliche
Büro- und Lagerraum im Schlachthaus wird auf 300 Mark, für 1 Büro- und Häuteabnahmeraum im Schlachthaus wird auf 400 Mark, für 1 Aufenthaltsraum für die Meister im Schlachthaus wird auf 300 Mark, für 1 Quadratmeter Kühlzelle im Schlachthaus wird auf 100 Mark festgesetzt. Sämtliche vorstehende Aenderungen der geltenden Ordnungen und Mietpreise treten am 1. April 1920 in Kraft.
Tariferhöhung der Straßenbahn.
Sodann hatten die Stadtverordneten einer bereits vor längerer Zeit vorgenommenen Tariferhöhung der Straßenbahn ihre nachträgliche Zustimmung zu geben. Diese Zustimmung wurde erteilt, ebenso erklärte man sich mit der Herabsetzung des Betriebsstrompreises einverstanden. Diese Herabsetzung hatte die Betriebsleitung beantragt und zwar unter Hinweis auf eine Zusammenstellung der Strompreise, wie solche
diese Frauenseele, die sich so überirdisch verklärte^ wird auch für mein Leben ein unvergänglicher Besitz sein. In der bewundernden Verehrung, in dem tiefen, warmen Dankesgefühl an Ihre Teure werden wir uns immer begegnen! — Gott schütze Sie, und Ihrer Mutter Segen geh mit Ihnen äffe Zeit! Gertrud Meinhard."
So hatte der Brief geendigt, den er mit sich führte in einer Ledertasche, die er beständig bei sich trug.
Heimgekehrt fand er das leergewordene Elternhaus unverändert vor, nur abgeschlossen. Verödet! Die einst so trauten Räume erschienen ihm quälend, einsam, fremb. Sein einst sonniges Dasein im Glanz ihrer Mutterliebe erweckte keine beruhigenden Gedanken. Sie fehlte.
Und mit ihr fehlte das schlanke, schöne Mädchen, das auf seinen Wunsch von der Mutter angeworben wurde und so bald der Einsamen Trost, Stütze und Freude geworden war. Er entbehrte auch sie schmerzlich und zürnte den Verwandten, die sie ohne seine Einsttmmung mit Geld und einem kargen Andenken abgeftmden und „hinausgejagt" hatten, wie er sich ausdrückte.
Ein neuer Gedanke tauchte mit einem Male aus dem Gefühlswirrsal empor. Er mußte und wollte klar sehen, welche Bewandtnis es mit Ger- trub Meinhard hatte, warum sie — die Tochter aus vornehmem Hause — in der Welt umher- irrte. Eine unbestimmte Hoffnung entstand. Vielleicht war sie längst daheim, bei den Ihren in Berlin.
Ehe Dr. Hoerne recht zur Besinnung kam, saß er bereits in dem D-Zug nach Berlin. Um die Mittagszeit kam er in* der Reichshauptstadt an, und nachdem er sich erfrischt, vom Reisestaub befreit und die Wohnung des Präsidenten Meinhard aus dem Adreßbuch ersehen hatte, bestieg er einen Kraitwaaen und sauste durch die Straßen.
Sein Herz klopfte doch e<was unruhig, als er Punkt fünf Uhr vor der Wohnung stand, die im zweiten Stockwerke eines der gediegenen, älteren
von uns benachbarten Straßenbahnen am 1. Februar 1920 bezw. am 1. Februar 1919 bezahl! wurden, daß der von uns bezahlte Strom- pveis entschieden zu hoch ist, und den beispiels weise sonst höchst bezahlten Strompreis bei der Straßenbahn Gießen um mehr als 100 Prozent (60—126 Pfg.) üb ersteigt Der Preis für Straßen bahnbetri ebsström ist in Gießen in einem Jahr um 300 Prozent (20—60 Pfg.) gestiegen, während der Pveis in Hanau um 900 Prozent (14—126 Pfg.) gestiegen ist. Sämtliche anderen Zahlenvergleiche ergeben das gleiche als bei Gießen ermittelte Resultat bezw- es ergeben sich noch günstigere Resultate. Es ist uns, so schreibt der Betriebsrat, nicht ohne weiteres verständlich, woraus sich das ungünstige Resultat für Hanau ergibt, wir glauben aber doch behaupten zu können, daß Kohlenpreise, Löhne und sonstige Materialpreise in den meisten ungezogenen Städten die Gleichen sind, weshalb sich doch auch ein annähernd gleicher Strompreis ergeben müßte.
Der Vorschlag der Betriebsleitung ging dahin, den Strompreis einer ge - neuen Prüfung zu unterwerfen und eine Ermäßigung von 50 Prozent eintreten zu lassen, wenn nicht in dieser Hinsicht der Betriebsentfaltung die schwersten Fesseln angelegt werden sollen, denn bei dem heute gezahlten Preis entsteht eine wagenkilometrische Ausgabe für Strom allein von rund 88 Pfg.
Bei dieser Gelegenheit wies Herr Oberbürgermeister Hi l d darauf hin, daß bereits eine neue Straßenbahn-Tariferhöhung in Aussicht stünde und zwar habe der Magistrat in Anbetracht der an sich berechtigten Lohnforderungen der Straßenbahner vorgeschlagen, den Einheitspreis für den Stadtkreis von 40 auf 50 Pfg. und den Preis von Steinheim bis eine Haltestelle über den Marktplatz hinaus oder umgekehrt von 60 auf 75 Pfg. zu erhöhen und für den Sonntagsverkehr anstatt 50 Pfg., 60 Pfg. bezw. anstatt 75 Pfg. 90 Pfg. festzusetzen. — Herr Stadtv. Dr. Nußbaum wandte sich gegen den Einheitstarif und sprach sich für eine Staffelung des Fahrpreises aus, die gerecht und auch finanziell von Wert sei. — Mit der neuen Fahrpreiserhöhung dürsten sich die Stadtverordneten jedenfalls bald zu beschäftigen haben.
Die nächste Vorlage betraf die Leistung eines außerordentlichen Beitrages an
die deutschen Heilstätten in Davos.
Die Versammlung bewilligte einen außerordentlichen Beitrag von 600 Mark.
Ueberstundenoergütung der Lehrer.
.Der Magistrat beantragte von der Abstand- nahme der Lehrerschaft von der Forderung auf anderweitige Festsetzung der Pflichtstunden Kenntnis «ii nehmen, ivlaend^ Anträae W Lbb- rerschaft: „1. Ueberstunden müssen nach Möglichkeit vermieden werden. Unumgänglich notwendige Ueberstunden sollen möglichst durch besonders eingestellte Vertreter oder Vertreterinnen erteilt werden. 2. Die durch vorübergehende Vertretungen sich nötig machenden Ueberstunden werden durch das Kollegium im Einverständnis mit dem Schulleiter unentgeltlich erteilt. 3. Längere Vertretungen, die im Einvernehmen mit der städtischen Schulverwaltung eingerichtet werden, werden von der ersten Stunde an bezahlt. 4. Die Ueberstunde (nach 3) wird an akademisch gebildete Oberlehrer und Oberlehrerinnen mit 8 Mark, an alle übrigen Lehrenden mit 6 Mark pro Stunde remuniert. 5. Vorstehende Bestimmungen gelten mit rückwirkender Kraft vom 1. April 1919 bis zum Schlüsse des Sommerhalbjahres 1920" zu genehmigen bis auf Puntk 5,bezüglich der rückwirkenden Kraft ab 1. April 1919. Hierzu wird zunächst die Vorlage einer Nachweisung über die
Mietshäuser des schönsten Teils Berlins, des vornehmen alten Westens, lag. Entschlossen zog er den Kristallknopf der Klingel, deren altmodisches Geläut sofort hörbar wurde.
Ein Stubenmädchen mit weißem Spitzenhäub- chen öffnete und sah den fremden Herrn in Uniform erstaunt an. „Sie wünschen?"
„Ist die gnädige Frau zu sprechend
„Die Herrschaften sind verreist!"
„Verreist!" wiederholte er so betroffen, daß sein Gegenüber rasch hinzufügte: „Leider kann ich keine andere Auskunft geben. Herr Oberleutnant Meinhard heiratet übermorgen in Köln. Ihre Exzellenz sind schon vorgestern hingefahren und Seine Exzellenz reisen direkt vom Amt aus und kommen gar nicht mehr nach Hause."
Doktor Hoerne stand unschlüssig, enttäuscht. „Das ist mir allerdings sehr peinlich," meinte er.
„Das gnädige Fräulein sind allerdings noch da, aber gerade beim Einpacken," sagte das Mädchen. „Soll ich vielleicht--"
„Ich bitte sehr draum," setzte er ihre Rede rasch fort, „geben Sie dem gnädigen Fräulein freundlichst meine Karte, und sagen Sie, daß ich um einige Minuten Gehör bitte."
Nach wenigen Minuten kehrte das Mädchen zurück. „Darf ich bitten?"
Er wurhe in ein Empfangszimmer geführt und aufgeforbett, Platz zu nehmen.
Vom anstoßenden Gemache ertönten leichte, sich nähernde Schritte.
Eine junge Dame im schlichten Hauskleide trat ein und musterte den Besucher mit klugblickenden Augen, die der schönste Reiz in dem seinen schmalen Antlitz waren. Obgleich weder das Gesicht, noch die überschlanke Gestalt schön zu nennen waren, erinnerten gewisse Aehnlich- keiten den sich tief Verneigenden, doch an die kleinere, aber weitaus schönere Schwester.
„Herr Dotor Hoerne?" sagte sie abwartend.
„Mein gnädiges Fräulein," entgegnete er, leicht verwirrt unter dielen forschenden Blicken.
ab 1. April 1919 zu zahlenden Ueber stunden unter Angaoe der Namen der einzelnen Lehrer pe», langt. — Die Stadtverordneten stimmten b*^ Anträge Zu und genehmigten die N^R?ahlung her Uebersiundenvergütuno für 1919 in Höhe von 4138 Mark. — Auf Antrag des Herrn Stadtv. Krause gilt der Beschluß auch für die Lehrer der freireligiösen Gemeinde.
Alsdann, nahm man den Bericht der Kohlen, Verteilungsstelle über die Brennholzversorgung der Bevölkerung im'kommenden Winter (stehe besonderen Artikel) entgegen.
Eine längere Debatte rief die Vorlage Betr. die Bewilligung einer Extravergütung für die Heizung der Oesen in den Schulen hervor. Die Körperschaften hatten im vergangenen Jahre beschlossen, die Hausmeister der Schulen von den Heizungsarbeiten zu befreien und besondere Schulheizer einzustellen, die die Zentralheizungen zu bedienen haben. In einigen älteren Schul- Häusern wird jedoch noch mit Ofenfeuerung geheizt, wodurch für die betreffenden Hausmeister eine bedeutende Mehrarbeit entsteht. Die Stadt, schuldepütation hat daher beschlossen, die Be- willigung einer Monatsvergütung von 7 Mast für den Ofen mit Wirkung vom 1. Oktober 1918 ab zu empfehlen. Für Heizungspausen von weniger als 6 Wochen sollen keine Abzüge gemacht, für solche von mehr als 6 Wochen soll nur fit die den Zeitraum von 6 Wochen überschreitend« Zeit nichts bezahlt werden. Nur bei vorher b«, stimmten Schließung von Schulgebäuden, z. 3. bei Zusammenlegung von Schulen zur Ersparung von Heizstoffen, soll keine Vergütung bezahlt werden.
Der Referent der Vorlage, HerrStadtv. Gerhard, wie auch Herr Stadtv. Dr. N u ß b au» sprachen sich gegen die Vorlage aus, da damit ein Prinzip durchbrochen würde, was erst vor wenigen Wochen in Gestalt der Besoldungsrefocm beschlossen worden sei. Wenn einzelne Hausmeist« so viel zu tun hatten, daß sie ihre Arbeit nicht bewältigen könnten, müßten sie entlastet werben aber es gehe nicht an, einen Hausmeister bessei zu stellen als den anderen. — Die Herren Stadtv. L e o n h a r d, Schreiber, R e h b e i n und Handle sprachen für die Vorlage, die .jedoch bei der Abstimmung abgelehnt wurde. Für das Winterhalbjahr 1919 erklärte man sich mit bet Auszahlung der Extravergütung einverstanden.
Nach Verabschiedung dieser Vorlage stimmten die Stadtverordneten noch der Herrichtung einet Wohnung (3 Zimmer und Küche) im Hause Vor dem Kanaltor 1 zu, worauf die Sitzung gegen 8 Uhr abends geschlossen wurde.
Die entlegenen Bürgerwehrleule.
Die Angehörigen der ehemals ständiger städtischen Einwohnerwehr, die zum großen Teil, durch die vor Kur-mn " ' ' '
Wehr erwerbslos geworden sind, haben in einer am 21. August in der Stadt Bremen statt gefundenen Versammlung über die durch die Auflösung für die Beteiligten geschaffene Lage beraten uni folgende Entschließung einstimmig angenommen:
„Am 17. August wurden 70 Leute der ständigen Bürgerwehr wegen Auflösung der Wehi entlassen. Durch diese Maßnahmen sind dir Leute, welche größtenteils Familienväter sind, brotlos geworden und mit ihren Familien dem Elend preisgegeben. Die ehemaligen Angehörigen der ständigen Bürgerwehr fordern deshalb mit Rücksicht darauf, daß es ganz ausgeschlossen ist, die Entlassenen in irgend einem Betrieb! unterzubringen, daß diese von der Stadt irgendwie beschäftigt werden. Die Leute sind bereit jede ihnen gebotene Arbeit anzunehmen, da es ihnen nur darauf ankommt, ihre Familien zu ernähren. In der Stadtverordnetenversammlung vom 12. ds. wurde mit allen Stimmen
„ich habe um Vergebung zu bitten, daß ich Sie zu stören wagte. Mich führt jedoch die Abtragung einer drückenden Dankesschuld hierher."
„Eine Dankesschuld an uns?" „Gewissermaßen, ja"
„Wollen Sie sich etwas deutlicher erkläre«, Herr Doktor?" Sie blieb stehen.
„Mein Beruf führt mich beständig auf Rei sen," sagte der Arzt stockend. „Auf einer solche« Reise in Japan erhielt ich die telegraphische Nach' richt vom Ableben meiner Mutter." Er bemerkte das lebhafte Erstaunen auf dem Gesicht der Haustochter, machte unwillkürlich eine kleine Handbc- wcgung und fuhr hastig fort: ,
„Ich hatte meine gute Mutter zwar schwach aber doch — wie.ich. glaubte — gesund in der Obhut ihrer Gesellschafterin eines Fräulein Ger- trüb Meinhard zurückgelassen und war glücklich weil ich sie keiner sorgsameren und liebenswürdigeren Dame hätte anvertauen können —
Susanne Meinhard wurde jäh rot. Ihr Nu»- druck veränderte sich plötzlich. Ihre Haliun« lockerte sich. „Wollen Sie, bitte, Platz nehmrv, sagte sie etwas tonlos, wies auf einen Sessel und setzte sich selbst schnell nieder. , ,
Hoerne machte von ihrer Erlaubnis Gebrauch' „Als ich nach acht Monaten heimkehrte, Fräulein Meinhard zu meinem tiefsten Dedaiur Magdeburg verlassen, und bisher ist es mir leid > noch nicht gelungen, ihre Adresse ausfindig ' machen!" Er schwieg, seine Augen hingen - seinem Gegenüber, dessen bewegtes Antlitz inner Erschütterungen widerspieaelte.
Nach wenigen Minuten warf Susanne ° Kopf zurück, sah ihn scharf an und fragte „Hat Fräulein Meinhard Ihnen gesagt, bau -v ihre Wohnungsangabe gerade hier erhalten ton, Herr Doktor?" . , a
„O---nein?--Fräulein Memha - hat niemals über ihre Familie oder ihre perü> lichen Angelegenheiten mit mir gesprochen-
(Fortsetzung folgt.)