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AmMches Organ für Sladi- und Landkreis Sana«
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Nr. 281
Freilag den 27. August
1920
LLMW
Das Neueste.
Die polnischen Banden setzten auch gestern ihre Auf- | standsbewegung fort.
In Breslau kam es gestern im Anschluß an eine Demonstralioniversammlung, in der Flüchtlinge aus Obcrschlesicn sprachen, zu schweren Unruhen, in deren Verlauf u. a. das polnische, wie das französische Kon- s sulat gestürmt wurden.
In Thorn kam er zu schweren Ausschreitungen gegen die Deutschen.
Die polnische Gegenoffensive scheint teilweise zum Stillstand gekommen zu sein.
Nach einer Warschauer Meldung erklärt ein polnischer Regierungsbericht, daß die Polen trotz ihrer militärischen Erfolge auch weiterhin bereit seien, einen dauerhaften Frieden zu schließen.
In der Sitzung des Danziger StaatsrateS sprach sich Oberkommissar Sir Reginald T o W e r in einer Erklärung gegen das Verhalten der Stadt Danzig aus.
Polen—Rutzland
Lageberichke.
einem
WB. Kopenhagen, 26. August. In
Telegramm aus Warschau heißt es: In den letzten Tagen haben sich in dem sumpfreichen N a r o w t a l bei O st r o l e n k a und L o m s h a schwere Kämpfe I entwickelt, wo die Bolschewisten sich um jeden Preis einen Weg nach B i a l y st o ck bahnen wollten. Es gab ziemlich schwere Verluste auf beiden Seiten.
| ' Augenscheinlich versucht der Feind, sich in der Gegetid von Ossottzfcz zu halten und gleichzeitig den Polen den Weg nach Litauen zu versperren.
I WB. Königsberg, 26. August. Der polnische Vormarsch ist anscheinend in der Linie P r o st k e n— kommen. Abgedrängte . ,..,„,. __________ lagen bis um 8 Uhr vormittags ' nordwestlich "von' Kolno noch im Kampf mit den Polen. An der Zentrumsfront ist die Lage unverändert. Oestlich von : Lemberg lokale Erfolge der Polen, die weiter südlich zur Besetzung der Dnjestrlinie führten. Bolschewistische Reiterei erreichte im Rücken der Polen westlich Lemberg den Ort Stryj, wo sie den Eisenbahnverkehr störte.
au
WB. Moskau, 25. August. (Durch Funkspruch.) In den Abschnitten von Brest-Litowsk und M o l d a w a sind örtliche Kämpfe mit wechselndem Erfolge im Gange. Abschnitt Lemberg: Südöstlich ‘ der Stadt wird unsere Aktion erfolgreich fortgesetzt. Der Feind leistet zähen Widerstand und geht zum Gegenangriff über. Im Abschnitt, Halitsch erreichten unsere Truppen den Fluß Gnilaja Lipa und kämpften um den Uebergang. In der Krim und im Abschnitt Cherson auf dem rechten Ufer des Dnjepr werden für uns erfolgreiche stampfe fortgesetzt.
, D. Paris, 27. August. Der „Matin" berichtet: Die Bolschewisten haben Wilna geräumt früher als man annahm. Die von ihnen eingerichtete litauische Sowjetregierung hat sich aufgelöst. Die litauische Regierung von Kowno trifft Maßnahmen, um Wilna mit eigenen Truppen zu besetzen. .
Weitere Erfolge Wsangels.
' WB. Paris, 27. August. Nach einer Havas- "chesche aus Konstantinopel hat General Wraugel bei Zekaterincar nach viertägigen hartnäckigen Kämpfen tocitere Erfolge 'errungen.
Russen gegen Russen.
D. Paris, 27. Aug. Die „Times" berichtet: Die russischen Gefangenen haben verschiedentlich den Wunsch ausgesprochen, unter den polnischen bahnen zu dienen. Sie sollen in zwei Gruppen dingeteilt werden, die eine unter Bala Kowiz. "ines russischen Offiziers, welcher ein kleines hessisches Korps befehligte, das gegen die Polen lampfte, die andere unter General Dolinski, eines Vertreters des Generals Wrangel. Es wird ic^ hervorgehoben, daß diese beiden Korps nicht unen Teil der polnischen Armee bilden, sondern unter der Generaldirektion eines russischen «Kommandos befinden.
3ut Berlegung des Verhandlungsortes.
IVL. Warschau, 27. Aug. (Funkspruch). Eine Kundgebung der polnischen Regierung besagt arüber, daß die polnische Delegation in Minsk llar keine Fühluitg mit Warschau hat. Die Zblschewisten geben selbst zu, daß die polnische vunkenstation in Minsk infolge der großen Zahl offchewistischer Funkenstationen im Kriegsgebiet Narbeiten können. Außerdem hätten die ^olschewisten den Dienst dieser Station auf vier Funden täglich beschränkt. Infolgedessen sind '‘•ytgtamme nach Moskau übermittelt und von art nach Minsk bezw. Warschau weitergeleitet arden, wodurch eine Verzögerung von mehreren , "ben entstand. So sei der bolschewistiche Funk- mit den 15 Punkten erst vier Taaen
später angekommen. Auch die Ankunft der Kuriere werde von den Bolschewisten verzögert. Sollte eine Verbesserung der Verbindungen mit Minsk sich nicht ermöglichen lassen, so werde die polnische Regierung gezwungen sein, der Sowjet- delegation vorzuschlagen, den Ort der Verhandlungen an einen Platz zu verlegen, von dem aus die Verbindung mit der polnischen Regierung und ihrer Delegierten unmittelbar frei wäre.
Polens Friedensbereitschaft.
WB. Paris, 27. August. Havas teilt nach einer Warschauer Meldung mit: Der Vorsitzende der polnischen Friedensdelegation in Minsk Domski ist ersucht worden, mit Rücksicht auf die schlechte radiotelegraphische Verbindung mit Minsk sich in Brest-Litowsk einzufinden und dort mit seiner Regierung zusammenzutreffen. Weiter wird von einer Kundgebung der polnischen Regierung berichtet, in der diese versichert, daß trotz der militärischen Erfolge ihre Friedensabsichten die gleichen geblieben seien, wie vor Entsendung der Delegation nach Minsk. Auch jetzt noch erstrebe Polen einen dauerhaften, auf Recht und Gerechtigkeit sich stützenden Frieden. Die Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zum russischen Volke stelle nach Ansicht der polnischen Regierung eine der Grundlagen zur Beruhigung Osteuropas dar.
Verzicht aus eine Ardeilermiliz.
WB. Paris, 26. August. Havas berichtet aus London, es sei ein Funkspruch,. wenn auch unvollkommen, auS Moskau eingetroffen, den die Sowjet-Regierung der englischen Regierung antwortet. Sie erklärt darin, ihre Bedingungen seien niemals als Ultimatium aufzufasien gewesen. Sie sei bereit, darüber mit der polnischen Regierung, aber nur mit ihr allein ohne irgendwelche Einmischung von
verhandeln. Um in bezug auf den Welt- nicht weiter darauf bestehe, eine Arbeiter- milU in Polen ausrüsten zu lassen. Sie glaube
deshalb, zu einem vollständigen Einverständnis mit England über die Friedensbedingungen zu kommen.
Eine Erklärung Tvwers.
WB. Danzig, 26. Aug. In der heutigen Sitzung des Staatsrates gab der Oberkommissar Sir Regixald T o w e r eine Erklärung, in der e? heißt:
Die alliierten Mächte sind entschlossen, die Bestimmungen des Friedensvertrages zu erfüllen. WaS aber hier am 29. Juli passiert ist, ist ein Beweis dafür, daß die Stadt Danzig noch nicht ganz in Frieden, Ruhe und Ordnung zu halten ist. Ferner hat die bedauerliche Resolution in der verfassunggebenden Versammlung über die Neutralität bei den alliierten Mächten Erstaunen und Erregung hervorgerufen. Die Stadt Danzig ist noch nicht Freistaat und hat absolut kein Recht, über Neutralität zu sprechen. Für den Vertrag mit Polen strebe ich immer an, Danzig als souveräne Stadt zu betrachten. Glauben Sie denn, daß die alliierten Mächte großes Vertrauen zu Danzig haben können, wenn solche Sachen wie in den letzten Tagen hier passieren? Glauben Sie, daß, wenn ein Teil der Bevölkerung die Polen verhindert, Munition, Passagiere und polnische Rückwanderer nach Polen zu befördern, dies mit den Bestimmungen des Friedcnsvcrtrages vereinbar ist ? Soweit sind wir nun gekommen, daß die alliierten Mächte gleich beschließen werden oder wahrscheinlich schon beschlossen haben, die Bestimmungen des Artikels 104 des Fric- densvertrages, soweit er den freien Gebrauch und die Benutzung des Hafens von Danzig betrifft, durchzu- führen. Denn wenn Schwierigkeiten vorkommen, dann müssen mebr ausländische Truppen und Schiffe her« kommen. Wenn dieses notwendig ist, daxn wird xur die Stadt Danzig daran schuld sein..
Was nun die Zukunft anbelangt, so wissen Sie alle als Führer der politischen Parteien, daß Da»- z i g noch n i ch t^F r e i st a a t ist. Ob es ein Freistaat wirb, hängt von den nächsten Tagen ab. Sobald alles wieder ruhig ist, werde ich nach P ü r i s fahren, und nm» wird mich fragen, ob nach meiner Meinung Danzig dessen würdig ist. Was soll ich sagen L Es sind schon in Frankreich gegen mich persönliche Vorwürfe erhoben worden, weil, wie man sagt, zuviel Polink hier gewesen ist. Für mich ist es eine große Enttäuschung, daß die Freiheit, die ich de» Bc- wolmern schenkte und das Vertrauen, das ich ihnen bewiesen habe, uns soweit gebracht haben, daß Danzig die Bedingungen des FreedenSvertraxer und des Abkommens üom 22. April, das ich selbst unterschrieben habe, garnicht respektiert bat. DaS ist auch eine Schande für Danzig, und ob wir jetzt »«ch Zeit haben dieses Unrecht wieder gut zu machen, hängt allein von Ihnen ab. Wenn es aber notwendig sein sollte, mehr Schiffe und Soldaten hierher zu schicken, so muß die Stadt nicht nur die Kosten der Besatzung, sondern auch die Requisitionen von Gebäuden und anderen bezahlen, und das wird bem ganzen Leben der Stadt schaden. Wenn die Hafenarbeiter sofort die A r-- beit wieder aufneh m e n, wird dies große Vorteile für sie haben. Aber auch für die Stadt wird es ausgezeichnet sein, wenn wir alles tun, um uns unseren guten Nur zu wahren Man spricht hierin Danzig immer von 12 000 Arbeitslosen. Jetzt müssen wir vielleicht Soldaten als Arbeiter nach Danzia schicken, damit diese tun, was ru tru» bie. >
Pflicht der Danziger Arbeiter wäre. Wir können Vieles wieder gutmachen und Schweres verhüten, und ich rechne barauf, daß Sie als Vertreter der politischen Parteien für die Zukunft von Danzig helfen werden.
Der Vorsitzende des Staatsrats, Oberbürgermeister S a h m, erwiderte hierauf u. a.:
Bei der Beurteilung der Sachlage muß dreierlei unterschieden werden: 1. Die NeuFralitätSerllärung der verfassunggebenden Versammlung, 2. die Weigerung der Hafenarbeiter, Kriegsmaterial zu löschen, 3. die Gewaltakte gegen Transporte von Kriegsmaterial und ähnlichem Material, das für Polen bestimmt war. In dem Beschluß der verfaffunggebenden Versammlung kommt nur der Wunsch der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung Danzigs zum Ausdruck, daß das Gebiet der freien Stadt Danzig Dom Kriege verschont bleiben möge. Die verfassunggebende Versammlung richtete lediglich an den Ober- kommissar den Antrag, für das Gebiet der freien Stadt Danzig im Streite zwischen Rilßland und Polen die Neutralität zu erklären. Es liegt also keineUeber- schreitung der Kompetenz der verfassunggebenden Versammlung vor, sondern wir in Danzig sind uns wohl bewußt, daß die Souveränität über das Gebiet der freien Stadt Danzig zurzeit von dem Vertreter der Alliierten Mächte ausgeübt wird, in dessen Hand damit die Entscheidung über die Anträge gelegt ist. Was die Weigerung der Hafenarbeiter angeht, Munition zu entladen, so wird man nirgends in de - Welt die Arbeiter zwingen wollen oder können, eine Arbeit zu verrichten, deren Ausführung sie ablehnen. Etwas anderes liegt bei den Hafenarbeitern nicht vor, und in ihrem Verhalten kann eine Verletzung der Neutralität nicht erblickt werden. Anders liegt es mit Gewaltakten, die aber nicht von den Hafenarbeitern im eigentlichen Sinne verübt wurden. Ich kann nur erklären, daß die Staatsgewalt in Danzig alles tun wird, um das Eigentum eines fremden etaateS mit den der Staatsgewalt zur Verfügung stehenden Polizeikräften zu schützen. Schwieriger liegt die Frage der Transportverhinderung, wweit es sich um Kriegsmaterial und waffenfähiger Mittel wie Lokomotiven usw. handelt. Hier lag bisher eine Erklärung der alliierten Mächte über die von der Bevölkerung Wanzigs gewuniwie Mcul«pil«EM-LU. äUM eine solche Stellungnahme offiziell erfolgt feilt wird, wird es Aufgabe . der Staatsregierung sein, entsprechende Maßnahmen zu verlangen. Wenn die Bevölkerung DanzigS sich weigern würde, etwaigen 2ln= ordnungen des Oberkommissars Folge zu geben, dann würde die Brtschasterkonferenz besonders ihre Schlüsse ziehen können. Aber lediglich durch den Antrag aus Neutralitätserklärung kaun nach meiner Auffassung die Zukunft Danzigs nicht beeinträchtigt werden, denn die verfassunggebende Versammlung faßt ihren Beschluß aus logischen und vernünftigen Erwägungen, nicht getragen von irgend einer feindseligen Gesinnung, sondern von dem heißen Wunsche, die Heimat vom Kriege verschont zu halten. Ich würde dem Oberkommissar dankbar sein, wenn diese Darstellung zur Kenntnis der alliierten Mächte in der Botschafterkonferenz gebracht würde, damit bei der Entscheidung über die Zukunft Danzigs unsere Gründe in bieier Angelegenheit Berücksichtigung finden.
Britische Kriegsschiffe für Danzig.
WB. Paris, 26. Aug. Der „Temps" meldet aus London: Britische Kriegsschiffe sollen nach Danzig ge» scluckt werden, um die dort befindlichen Streitkräfte zu verstärken.
Belgien.
WB. Brüffel, 27. Aug. Ein Mitglied der Regierung erklärte einem Redakteur der „L'Etbile belge", daß angesichts der gegenwärtigen Sachlage die Regierung binnen kurzem die Waffen- und NtunitionSr transporte gcnehniigcn iveroe.
D. Paris, 27. Aug. Die Linksliberalen der belgischen Kammer haben eine Tagesordnung vorgeschlagen, in welcher sie die Haltung der Regierung in der polnischen Frage bedauern und die Btinisicr Hyingns und Jausen zu ihrer Stellungnahme beglückwünschen. Sie sprechen den Wunsch aus, daß her französisch-belgische Vertrag in aller Kürze realisiert iverde.
Schwere polnische Ausschreilungen in Thorn.
WB. Königsberg i. Pr.. 26. August. Die „SönigSberger .startungsche Zeitung" meldet aus Thorn : Am 21. August kam es hier zu schweren Ausschreitungen gegen die Deutschen. Es werden jetzt alle 15« bis 50jährigen Deutschen, auch die nach 19ii8 zugezogenen, gezwungen, entweder Heeresdienst zu leisten oder für Deutschland zu optieren. Am 21. August wurden diejenigen, die für Deutschland optierten, in grausamster Weise durch Messerstiche und Stockschläge mißhandelt. Ein Thorner Kaufmann wurde durch vier Mcfsersüche in den Kopf schwer bedeut. Außerdem wurde ihm der llnterkiefcr durch Stockhiebe abgeschlagen. Die Mißhaiidlungen spielten sich von morgens 9 Uhr bis 1 Uhr mittags unter den Augen von polnischen Offizieren und Biannschaften ab, bie dazu lachten. Verhaftungen und Erchtließiingen Deuscher gehören zur Tagesorduung. In Schöniee mürben die Leichen dort erschossener Deutscher in der Nähe des Friedhofs Hin- geivorfen und von polnischen Weibern und Kindern bespielt und-geschändet. Pfarrer Müller besorgte die Särge und beerdizte die Leichen. Der Pfarrer wurde mit 35 Deutschen verhaftet und nach dem Rtilitär- gcrichtSgesüngnis in Thorn gebracht. Die Gefangenen mürben in empörender Weise mißhandelt.
Sberschlesien.
Forlsetzung der Aufflandsbewegung.
Verwendung von Dumdumgeschossen.
WB. Oppeln, 26. Bug. Die AnfstandS» bewegung hat nunmehr auch die Kreise Gro tz- St rehl iH und Oppel n ergriffen, in denen verschiedene Orte, darunter A l a p a m e von den Aufständischen besetzt wurden. Die Familie des Grafen Ttrachwitz ist aus Grob- Steinen geflüchtet. Bei < immelswitz im Kreise Grotz-Strchlitz kam es zu einer schweren Schießerei zwischen Sicherheitspolizei und Aufständischen. Letztere bestehen, wie an5 Gefangenenaussagen sich ergibt, anS lautet jungen Bitrschen im Alter von 18 bis 20 Jahren. Unter der beschlagnahmten Munition wurden einwandfrei Dumdumgeschosse festgestellt. Der Parole auf Streikabbruch haben die polnischen Arbeiter heute nicht Folge geleistet. Deutsche Arbeitswillige werden an der Arbeit gehindert. Die Umbildung der Sicherheitspolizei zur Ab» stimmn,tgspolizei und der 'Abtransport der nichtoberschlesischen Beamten ist im Gange. Die neue Polizei, die gegen die alte vermindert wird, kommt unter direkten französischen Befehl. Ueber die 'Art ihrer Bewaffnung verlautet noch nichts.
Eine Erklärung des polnischen Generalslabe».
Berlin, 26. Aug. (Privattel.) Die Blätter bringen eine Meldung der Kopenhagener »National Ttdende" aus Warschau, worin es heißt: Der polnische Geucralstab erläßt ei»c Erklärung, wonach die polnischen Truppen in Obcrschlesicn nicht etwa^zur Besitzergreifung Oberschlesiens, sondern nur zum Schutze der bedrohten Bevölkerung emgerücft seien. Dazu bemerkt die „Vossische Zeitung" : Wenn eine solche Erklärung des Warschauer Generalstabes tatsächlich vorliegt, w würde sie eine schwere Verletzung des Friedensvertrages beweisen. Es muß bedangt werden, daß die Entente, iaüS itch..chL^tackrlicht bestätigt, nicht nur die sofortige Entfernung der polnischen Truppe», sondern »ud* ctnfc Entschädigung für den entstandenen Schaden erben führt. Im gleichen Sinne äußert sich der „Vorwärts.."
Umtausch der Schußwaffe».
Wie dem „Lokalanzeiger" aus Myslowitz von vertrauenswürdiger Seite berichtet wird, besteht dort zwischen den Franzosen und Polen eine Abmachung wonach bie Insurgenten unbrauchbare Schußwaffen be den französischen Truppen gegen gute Gewehre Umtauschen können.
Frankreich und der Kohlenausfall.
Ipti. Paris, 27. Aug. Durch die Vorgänge in Obcrschlesicn wird in der Kohlenlicfcrung Deutschlands ein Rückgang erwartet u»d die amtlichen «teilen kontrollieren bereits sehr scharf, welche Mengen täglict geliefert werden. In der letzten Woche ist ^a3 vereinbarte Quantum Nicht erreicht 'worden. Ob bagegen sofort Schritte unternommen werden, hängt von bei Entschließung Mckl-randS ab. Die Blätter besprechen die Spannung, welche zwischen Frankreich und Peutsch- land zur Zeit besteht und einige^ sind der Memuug, daß Frankreichs Geduld zu Ende sein müsse: Solche Srmimungsbiloer werden auch in den Sonntags» betrachtungen der Provinzpresse gegeben, ein Beweis, daß es sich um eine allgemeine Bewegung gegen. Deutschland handelt, um die Massen gegen Deutich- (anb von neuem zu verhetzen und dadurch eine nationale Hilfe gegen die Arbeiterbewegung zu schaffen.
Krassin und Kamenew.
D. London, 27. Aug. Man bat bie Empfindung, daß Klassik und Kamenews Aufenthalt in London dazu bieut, um eine politische Aktion der Arbcuer- bartei bervorzurufea. Sie wünschen eine Kundgebung des Aktionsrates, welcher sie veranlassen soll, weiter in London zu verbleiben. Die beiden Londoner Vertreter würden diese Einladung annehmen. Sie er- klärcii die gegenwärtige Regierung nicht als britische anzuerccuneu und bie Besprechungen nur mit beut AkttonSrat führen zu wollen. — Es ist kaum anzn- nehmen, daß bie gemäßigten Elemente der Arbeiterpartei st b darauf einlassen werden, während die Er» trennsten sich bereit finden werden, sich in ein solches Abenteuer zu stürzen.
SlrSeilerauszchreiluNgen.
WB. Berti», 26. Aug. ($rioaUelegr.) Der „Berliner Lok«lanzeiger" meldet aus Köln: Ju schweren Ausschreitungen laut es auf der (Siegerinnder Charlottenhütte, wobei die Belegschaft die Tire.cwn zwinge» wollte, mehrere versäu nie «müden zu be» jablen. Der Betriebsdirektor wurde idiwer verletzt, febaß er blutüberströmt zu-am-neu brach. 2 er Vorstand des Werkes beschloß, den Betrieb zu sihlietze« und sämtliche Arbeiter zu entlassen
Berti», 26. Aug. (Privatletegr.) Du Abeni. blättcr melden aus Essen, daß gestern dort die ge» amtc Belegschaft der Zeche Diergard wegen be» Steuerabzuges in den 'Ausstand getreten in. Kommunisten und Unabhängige forderten in einer Maßen- Versammlung in Essen die sofortige Durchsübrung der Aninestie auch für Mord u»o Plünderung, sowie Ot« Pressungen bei den Bauleu, sofern diese Veroreche« im Zusammenhang mit den Märzkämpfen siegen, uns drohen, die Freilassung der Gefangenen durch einen Massenstreik zu erzwingen.
(Weitere Politische Nachrichten auf Seite 5.).