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Nr. 200
Donnerstag den 20. August
1920
Das Neueste.
^tt Oberschlesien ist die Lage unverändert. Die polnrschen Banden setzen ihre Raubzüge fort.
Sie deutsche Regierung ließ in der Oberschlesiensrage eine neue Note an die Friedenskonferenz gehen.
Die polnische Gegenoffensive macht weiterhin Fortschritte. Lomsha wurde genommen.
Die Polen fordern die Verlegung der Waffenstillstandsverhandlungen von Minsk nach Warschau.
In Belgien scheint die Ministerkrise akut zu werden.
In Washington spricht man von der englischen Absicht, ein Bündnis mit Amerika zu schließen.
Zwischen Armenien und. Sowjetrußlaud wurde ein Waffenstillstand abgeschlossen.
DerAmschwung im Osten
Das neue Polen ist durch die Waffen gerettet worden — einstweilen! Man mag den Friesen, mag die Gerechtigkeit, mag alle Ideale der Welt anharsen, es bleibt nun einmal wahr, und diese Wahrheit ist nicht aus der Welt zu schaffen: „Das letzte Heil, das höchste liegt im Schwerte." Das zeigt uns die Wendung der Dinge im Osten. Die Wendung des ^Kriegs- glückes auf dem polnischen Kriegsschauplatz hat annähernd das ganze ethnographische Polen in den Besitz der Warschauer Regierung zurückge- bracht. Die polnischen Heere stehen an der Lloyd Georgeschen Linie, der von diesem bezeichnende Lauf des Bugs ist von ihnen bereits überschritten. -Mlkltärlsch betrachtet stellt sich der Umschwung folgendermaßen dar: Das Voqrurlnen per MM^ in dem raschen Bewegungskrieg bis unter die Außenforts van Warschau hatte natürlich ihre Kampfkraft geschwächt, ihre Kampfmittel dezimiert und die Kavallerie in die erste Linie geführt. Bei Warschau stießen die dünnen Linien der Russen auf eine unter französischer Leitung sorgsam vorbereitete feste Verteidigungsstellung mit schwerer Artillerie und allem von Frankreich mittlerweile herbeigeschafften modernen Kriegsmaterial. Hinter dieser Verteidigungsstellung war unter dem Schutze der Weichsellinie und der Warschauer Forts die Gegenoffensive vorbereitet worden. Die russische Heerführung, die durch -Entsendung von Truppen in den polnischen Korridor ihre Kräfte zersplittert hatte, sah sich ge- zwungen, aus dem Bewegungskrieg zu einer Umgruppierung ihrer Kräfte zu schreiten. Diesen Augenblick mangelnder Kampfbereitschaft benutzte die französische Leitung zu ihrem Offensivstoß, der durch die dünnen russischen Linien hindurch- führte und eine Aufrollung der gesamten russischen Front brächte. Auch die heute vorliegenden Heeresberichte melden ein weiteres Fortschreiten der polnischen Offensive, so wurde Lomsha genommen, ebenso Bjelostok von einer polnischen Division erobert. Den Fortgang der polnischen Offensive muß man abwarten. Im allgemeinen gilt, daß die polnische Armee stoßkräftig und offensivbefähigt ist, so lange sie auf polnischem Boden kämpft. Sollte sie sich verleiten lassen, die russischen Grenzen zu überschreiten, so werden sich die polnischen Heeresteile im unendlichen Rußland gar bald totlaufen und verlieren. Ueberblickt man die letzten Frontberichte, so findet man, daß dort, wo dre polnischen Armeen an der 'russischen Grenze itchen oder sich dieser nähern, sie bereits auf eine wesentliche Verstärkung des russischen Widerstandes stoßen, sodaß sich die Polen zu Umgruppierungen veranlaßt sehen. Der Widerstand wird umso stärker, je mehr sich die polnischen Truppen der Njemenlinie nähern, die die Russen als Auf- n-ahmeftellung zu benutzen scheinen. Man muß daher immer mit der Möglichkeit rechnen, daß das launisch» Kriegsglück sich abermals wendet, wenn etwa die Polen ihrem Chauvinismus die Zügel ließen lassen.
Ohne Frage werden die Waffenstillstandsver- wwlimgen in Minsk durch diesen Umschwung des ^negsglückes stark beeinflußt. Die Bedingungen, u die Sowjetccgierung gestellt hatte, als sie die boten nach Minsk einlud, waren die des Siegers, er sich onschickte, in die feindliche Hauptstadt ein- i ziehen. Heute ist die Kriegslage vollkommen ver- aert und Polen, das durch die gestellten harten ""sderungen zur allgemeinen Verteidigung auf- ist Polen noch nicht verloren!", denkt daran, auf die gestellten Bedingungen ' zugehen. Es hat diese vollkommen bis auf einen ^ . t «ügelehnt. Die Sowjetregierung wird also N in ihren Forderungen recht erheblich mäßigen odeb aber die Unte Händler von Minsk den ohne Ergebnis nach ^aufe fahren und es n Generälen überlasten, einige Siege an ihre
Fahnen zu heften und damit eine neue Grundlage für Friedensverhandlungen zu schaffen. Treffen die jüngsten Meldungen zu, so gehen die Polen sogar soweit, zu fordern, die Waffenftillstandsver- Handlungen. von Minsk nach Warschau zu verlegen. Diese Forderung wird natürlich in Rußland ihre Wirkung nicht verfehlen, sodaß einmal die Aussichten auf Fortführung der Verband- lungen als ziemlich trübe bezeichnet werden müssen, zum andern Male man aber auch damit rechnen muß, daß Rußland mit der bereits angekündigten P a r t c i m o b i l i s i e r u n g beginnt, um den" Polen große Heeresmassen entgegenwerfen zu können. Daß diese Massen aufgebracht werden, ist anzunehmen, denn das russische Volk vom Oberkommandierenden des Zaren bis zum letzten Schifferknecht und Terroristen fühlen sich noch als Natton und wissen dieselbe zu verteidigen.
Für uns Deutsche enthält dieser Umschwung eine ganz besondere Lehre. Das polnische Volk hat fraglos mehr unter dem Kriege gelitten als das deutsche. Es hat aber keinen Polen gegeben, der, als die Feinde bereits vor den Wällen Warschaus standen, und alles verloren erschien, die Parole.ausgegeben hätte: Die Waffen nieder! Wie war es bei uns? Die ersten Mißerfolge an der deutschen Front führten bei uns völlige Kopflosigkeit herbei. Unsere in den Kampf gehenden Truppen wurden als „Streikbrecher* tituliert. Die Waffen nieder? Das war die deutsche Parole bei den ersten Mißerfolgen einer Armee, die vier Jahre siegreich gewesen war. Wir wollen die Aussichten eines Verteidigungskampfes zur Zeit der Revolution nicht erörtern. Das eine aber erschien erreichbar: wir hätten durch äußersten Widerstand, wenn es auch nur ein solcher für Wochen gewesen wäre, bessere Waffenstillstands- und Friedensbe- eine Na- tion mit Nationalgefühl gewesen wären, wenn nicht das nationale Empfinden in unserem Volke planmäßig untergraben und mit Gewalt unterdrückt worden wäre. In dieser Hinsicht können wir nicht nur von den Polen, sondern auch von den Russen lernen, die auch unter bolschewistischem Zepter sich als Nation -fühlen und sich auf dem Boden des Vaterlandes finden. Lenin hat seine Schlachten nicht mit bolschewistischen Phrasen, sondern mit dem russischen Nationalgefühl geschlagen, wie dies Polen durch den Heroismus seines Glaubens an sich selbst tut. Das ist die" große Lehre, die uns Deutschen der Umschwung der Dinge im Osten gibt. Ein Volk ist nur dann verloren, wenn es sich selb st a ufgi btl
*
Panikartige Flucht der Ruffeu — Lomsha und Bjelostok genommen — Rückzug der Russen auf der Güdfront.
WB. Kopenhagen, 25. Aug. Nach einem Telegramm aus Warschau meldet der polnische Heeresbericht :
Auf der N o r d f r o n t versuchte der von allen Seiten umzingelte Feind nach Osten zu entweichen und richtete äußerst heftige Angriffe gegen unsere Truppen südlich von Mlawa. Die Angriffe wurden abgeschlagen. Eines unserer Regimenter erlitt babet schwere Verluste. Es ist üstgestevt worden, daß die feindliche Reiterei die gemachten Gefangenen ermordet. An anderen Abschnitten warfen die bolschewistischen Truppen ihre Waffen von sich und flüchteten vanik- a rtig g eg en d : e deutsche Gren ze, die sie massenweise überschreiten. In den letzten Kämpfen wurden die 18. und die 33. Sowjetdivision vollständig vernichtet, die 34. Division gefangen genommen. Unsere Kriegsbeute ist enorm und besonders wertvoll das technische Material.
An der Ostfront wurde die 11. Sowjetdivision bei K n i a d o w südlich von Lomsha entscheidend geschlagen. Unter der eroberten Beute befinden sich sieben Kamele. Nach hartnäckigen Kämpfen nahmen wir LomSha und machten dort einige tausend Gefangene. Die heldenmütige Bevölkerung wirkt mit unserem Heere in glänzender Weise zusammen. Bjelo- stok wnrde von der ersten polnischen Legionär-Division erobert. Einzelheiten fehlen noch. Die Bolschewiki versuchten ohne Erfolg Brest-Litowrk mit Hilfe eines Panzerzuges anzugreifen. Eine Gruppe Balacbo- wicz machte zahlreiche Gefangene und eroberte eine reiche Beute nach einem kühnen Angriff in der Gegend von P i S z c z a.
. An der Süd front in der Gegend von D o b r o i w a und K a m i o n k a haben unsere Abteilungen den Bug erreicht und stören den Rückzug BudjennhS. . Auf der übrigen Südfront zieht sich der Feind andauernd zurück. '
WB. Königsberg i. Pr., 25. August. Den zn- sammengerafften Resten der 4. bolschewistischen Armee, deren Nachhuten in der Stacht zum 24. August den O in n l e w überschritten hatten, ist es nach heftigem Kampf gelungen, in der Richtung Kolno durchzu- brechen. Der heftige Widerstand, den diese Abteilungen bei Nyschminctz leisteten, zwang 300 Polen zum Ikbertritt über die Reichgrenze bei Friedrichshof. Szernein ist am 24. August von den Polen besetzt Worden. Die polnischen Bor- lmten haben am 24. August Prostkcn erreicht. Die westlich von der Bab»linie M lawa-Mobli
Nachrichten über angebliche deuffche Pläne, die bezgl. eines Zusammengehens mit Rußland bestanden hätten. Es sei höchste Zeit gewesen, daß Frankreich Polen gerettet habe, weil die bolschewistisch-deutsche Gefahr ihre« Höhepunkt erreicht habe. Diese neue Aktion hat keine« anderen Zweck, als Deirtschland zu verdächtigen, damit ein neuer Feldzug gegen Rußland beginnen kann «td andernsests gegen Deutschland wieder ein strengerer Ton eingeführt werden kann.
Haag, 25. August. Den vielfachen Deröffent« lichungen der ausländischen Presse über einen angeblichen Geheimvcrtrag zwischen Deutschland und Rußland reiht sich jetzt noch eine Meldung der Schweizerischen Depeschenagentirr, aus Newyork an. Die Version unterscheidet sich von den übrigen insofern, als diesmal die amerikanische Regierung „ungemein reichhaltiger Material über Geheimverträge zwischen Rußland und "Deutschland von vertraulicher Seite erhalten habe". Es wird allerdings in der Meldung selbst gesagt, daß sich noch keine endgültigen Beweise ergaben, daß aber zweifellos Vereinbarungen zwischen Deutschland und Rußland beständen, die gegen Polen gerichtet seien. Wenn auch die auffallende Diskretion, womit chic ausländische Presse die Veröffentlichung vermeidet, als außergewöhnliche Rücksicht empfunden wird, so, würde es nunmehr wohl an der Zeit fein, diese gewiß recht schwere Zurückhaltung aufzugebcu. UcbrigenS weisen wir auf unsere wiederholten Erklärungen bin, daß der behauptete „Geheimsertrag" tatsächlich nicht existiert.
Oberschlesien.
Weiteres Vorrücken der Vanösn.
= Breslau, 25. Aug. Die heutige Lage ist trostlos. Die Polen sind überall im Vorrückem Chorzo», wo sich die Reichsstickstoffwerke, und dir elektrische Lichtzentrale für Oberschlesien befinden, ist in den Händen der Aufständischen. Der auf der rechten Seite der Oder gelegene Teil des Kreises Ratibor befindet sich ebenfalls im Aufstar.de. Der Fall von Ratibor wird erwartet. Es sind starke polnische Kräfte im Anmarsch. Ein polnischer Sturm auf den noch im deutschen Besitz befindlichen Stadtteil Friedenshütte bei KönigShütte scheiterte am Widcr- tiaii>Xr ^«ttÄcil-MW-r, ine zu den ILsffcn gegriffen hatten und die Polen mit blutigen Köpfe» heimschickten. In Friedexshütte hat sich eine deutsche Bürgerwehr gebildet. ?lnch Cosel ist stark bedroht und soll heute von den Polen genommen werde». Der ganze Kreis Rybnik, Pleß, Kattowitz-Land, Tarnoroitz ist aufständisch. Tarnowitz ist eingefchlosscn. Die Polen befinden fich im Angriff auf die Stadt. Die Franzosen benehmen sich weiter «ehr als zweifelhaft.
Ein neuer Gewa.!!akl bevsrftehend?
Der „Verl. Lokalanz." meldet aus Lubli- nitz: Zwischen Herby und Czenstochau wir» polnische Artillerie zusammengezogen. Man erwartet einen neuen Gewaltakt der Polen.
Beulhener SkimmungsbiiS.
= Beuthen» 25. August. Auf dem Beuthener Boulevard das alte Leben und Treiben mit der offenkundigen Note einer Eleganz, wie man sie sonst im Industriegebiete nicht findet. Die Bürgersteige reichen nicht aus für die Flut der Passanten, die Ungewißheit und Sorge in diesen Tagen besonders zahlreich auf die Straße treiben. Waren nicht die besorgten Mienen und die sich stets aufs neue bildenden Debattiergr-mpen, man würde wenig von dem Ernst der Au stands- tage bemerken. Auch das Lommitzhotel, der Sitz Korfantys, liegt still und ohne besonderes Merkmal in der Straße. Wer etwas von der Jnfurgentenbewegung sehen will, ^deren Ausläufer bis unmittelbar an die Stadt heranreichen, der muß die Pilkaerstrasie nach Buthatz und Skharlay heruntergehen oder den Weg nach Rotzberg einschlagen. Dort lungern auf den Feldwegen und zwischen den Halden die schwerbewaffneten Helden herum, denen das Land diese neue Zeit des Unglücks und der Verwirrung zu verdanken hat. Halbwüchsige findet man unter ihnen, deren einige dem Ln- fanteriegewehr, das sie auf der Schulter tragen, halbwegs nicht gewachsen sind. Die Sokolmutze, die sie sich aufgestülU haben, soll ihnen Waffen- tüchtigkeit und Mannesmut^ verleihen. Man male sich das Unheil aus, das eintritt, wenn diese munteren Knaben die Handhabe des Gewehrs tatsächlich begriffen haben. Es gibt nicht genug Munition, es gibt nicht genug Anlässe, um ihnen die Freude am Knallen zu verleiden. Die Aufständischen legen den ganzen Verkehr in der Richtung Tarnowitz völlig lahm. In Radzoskau, wo auch ein fra nzösisches Detachement steht, halten sie jeden auz dem Bahnvos eintreffenden Arbeiterzug fest und zwingen die Insassen zur Unterbrechung der Fahrt.
Besttalische Taten der Polen.
VL.Beuthen, 26. Aug. Generaldirektor Ra dik von der Gharlotteugrube in Rybnik, der von den polnischen Banden überfallen und schwer mißhandelt worden war, ist feinen Verletzungen erlegen. Seim Frau liegt ebenfalls schwer verletzt darnieder. — Das ist nur eine der zahllosen bestialischen Taten dc> Insurgenten, die weder vor Mord noch Raub zurück chrecken.
(Weitere Politische Nachrichtm auf Seite 5.)
abgcschm'ttenen Ueberreste der 4. bolschewistischen Armee werden von den Polen abgefangen. Die verfolgenden polnischen Armeen der ZentrumZ- iront erreichten in flankierender lleberbolung gegen Norden die Linie K v n f ch i r—S tcvisk i—K olmo. Hierdurch erhielten sie einen R na um die 4. und 13. bolschewil isthe Armee. Die bolschewistischen Truppen versuchen, sich durch einen Gegenstoß der Umklammerung zu entstehen. Stach der Einnahme von B i a l p st o ck durch die Polen fand daselbst noch ein zwanzigstündiger Straßenkampf mit der Besatzung statt, der für die Linien siegreich verlief. Die Pol»n melden eine groie Anzahl Gefangene sowie eine große Beute. Im Abschnitt B re st-L it o wsk und im Abschnitt östlich von E h o l m und östlich von Lcrubcrg hatten die Polen lokale Geh lge.
WB. London, 25. Aug. Reuter erfährt von zuständiger Seite: Die Polen melden, daß sie 63 000 Gefangene gemacht und 200 Geschütze und 10M Maschinengewehre erbeutet haben.
70—30 000 Russen die deutsche Reichsgrenze überschritten.
WB. Köuiqsbel a L Pr., 25. Aug. Wie wir höre», beträgt die Zahl der über die Reichsgrenze übergetretenen Russen jetzt zwischex 50 -60 000. Seit heute nachmittag 2 Uhr kommen weitere drei Divisionen herüber, sodaß nach vorsichtixer Schätzung die Zahl sich auf 70 bis 80 000 Mann erhöhen dürfte.
Eine Gefahr für Ofkpreutzen.
WB. AAenstein, 25. Aug. Nach Meldungen des „Allensteiner Volksblatts" sind außer den 300 Po en, die bei Friedrichshof die Grenze überschritten haben, in der Gegend von Bombrowo 6 polnische Offiziere und 100 Soldaten auf deutsches Gebiet übergetreten. In dem Abschnitt Johannisburg überschritten bisher etwa 15 000 Russen die deutsche Grenze. Die Zahl der dort übertretenden Russen wächst ständig, und die vorhandene Besatzung genügt nicht, um eine ordnungsmäßige Entwaffnung der Ueberge» tretenen vornehmen zu können. Die Russen geben an der Grenze ihre Gewehre ab und ziehen unbewacht, soweit sie nicht auf deutsche Posten stoßen, Leben Smittel erbitten. Es gefleht die Gefahr, daß die Russen, wenn die Bevölkerung nicht mehr imstande sein wird, sie mit Lebensmitteln zu versorgen, zu plündern anfangen und so zur Landplage werden. Nach einer weiteren Meldung des Blattes ist in P o r- zelo, das von den Polen besetzt ist, her größte Teil der hauptsächlich aus Juden be st ehe »den Bevölkerung von den Polen niedergemacht worden.
MunitionSentladttttg in Danzig.
WB. Paris, 25. Aug. HavaS meldet, daß der interalliierte Oberkommissar für Danzig T o w e r die Genehmigung zur Entladung der Munition, die'sich an Bord des „Gueydon" befindet, der heute im Hafen von Danzig eingelaufen ist, gegeben hat.
Minsk.
Dir polnische Slntwort.
WB. Haag, 25. August. Der „Nieuwe Courant" meldet: Einem vom 24. August aus Minsk betierten Bericht zufolge, bedeutet die polnische Antwort auf die russischen Bedingungen eine glatte Weigerung Von den 15 russischen Punkten wird nur einer, der sich au die Demobilisierung bezieht, unter Voraussetzung der Gegenseitigkeit girtgeheißen. Die Forderung der Entwaffnung und der Herausgabe des Kriegsmaterials wird mit Entrüstung abgewiesen. Die Punkte, die sich auf die Bildung einer Arbeitermiliz und auf die Verfügung Rußlands über die Bahnlinie Bialystock- Grajewo beziehen, werden für und'iskutierbar erklärt. Die in der Rote Curzons angegebene Grenze wird als unannehmbar bezeichnet. Die Demarkationslinie sollte nach polnischer Auffassung der strategischen Lage entsprechen. Die Verteilung von Land an die Hinterbliebenen der gefallenen polnischen Krieger wird ab« gelehnt. Der allgemeine Eindruck ist, daß die nächste Zusammenkunft die letzte sein wird, da die polnische Antwort keine sichtbare Grundlage -für eine- Einigung bietet.
Die Polen fordern die Verlegung der Verhandlungen nach Warschau.
Nach einer Meldung der „Chicago Tribune" aus Warschau hat der polnische Minister für auswärtige Angelegenheiten einen Funkspruch an die Sowjetregierung in Moskau gerichtet und verlangt, daß die WaffcnstillstandSverhandlungen von Minsk nach Warschau verlegt werden. — Diese Meldung wird auch von der „Morning-Post" verbreitet.
Rückwirkungen der rusf. Niederlage.
D. PariS, 26. August. Aus Minsk sind keine neuen Meldungen eingetroften. Bon zuständigen Kreisen wird erklärt, daß die Niederlage der roten Armee in Rußland eine große Rückwirkung ausüben werde und das sie imstande fei, der Regierung Lenin und Trotzki einen harten Schlag zu versetzen. Es sei wahrscheinlich, daß die zurückkehrenden Truppen eine aktive Mitwirkung an der antibolschewistischen Propaganda bilden werde.
Deulfchland—Rußland.
Nochmals der angebliche Dchein-Bertrag.
Ipu. PariS, 26. August. Pariser Blätter verbreiten die Meldung, daß in Deutschland während der letzten Monate wieder Kriegsmaterial in zahlreichen Fabriken hergefteüt, werde. Die Alliierten werden ge= warnt bind zu strenger Untersuchung ermähnt. Im «übrigen verbreite« die Blätter Ute beumuiaenb