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Mittwoch den 25. August
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Verhandlung. Bei der Räumung der Ukraine ist er mit den deutschen Truppen nach Deutschland gekommen, und das Polizeipräsidium in Char- lottenburg stellte ihm einen Personalausweis mit allen seinen Titeln und Würdenmus. Spekulattye Streife, mit denen er bald in Berührung kam, wußte er für phantastische Geschäfte und Gründungen so zu interessieren, daß ihm nicht nur das Geld in Hülle und Fülle zufloß, fonbem er feierte auch seine Verlobung mit einer Berliner Millionärstochter, mit deren Vater er die Gründung einer d c i lisch - schw c d i sch en Exportgesellschaft plante. Er erzählte dabei von seinem Millionenvermögen, seinen unschätzbaren Gütern und von seinem Bruder, dem Kardinal in Rom. Als man hinter seine Renommistereien kam und feststellte, daß er nichts, aber auch gar nichts besaß, ging die Verlobung in die Brüche. Nachdem er noch unten anderem in der deutsch-russischen Gesellschaft für Handel und Industrie in Berlin, nebenbei bemerkt ein Spielklub, Gäste und Kellner angepumpt hatte, verlegte er seinen Wohnsitz von Charlotten- burg noch Fronkfirrt a. M. Hier machte «er eine tägliche Zeche von 2000 Mark im Frankfurter Hof, die, wenn auch nicht immer prompt, immerhin bezahlt wurde. Denn um den Fürsten hatte sich bald eine geehrtfühlende Gesellschaft angesammelt, die den Glanz, in dem sie sich' sonnen durfte,^schwer bezahlen mußte. Die Kaufleute Sigomibr und Samuel Parleitter vor allen wissen ein Lied davon zu singen. Sie gaben ungezÄhlte Gelder her, und trauten blinden Versprechungen auf Millionengeschäfte, die Golitzin als Vertteter des Generals Kolffchak ihnen zufichren wollte, daß dabei Waggonladungen von Lebensmitteln aus russischen Gefangenenlagern gern verkauft werden sollten, machte die Sache um so schmackhafter. Bekommen hat niemaud was, außer Golitzin selbst, der, mit dem was er bekam, „stand es geinäß" auf- keten konnte. Weniger standesgemäß war es allerdings, daß er seiner Fräulein Braut, der hübschen Artistin Paula Bloch, ihre gesamten Ersparnisse in Höhe von 20 000 Mk. erschöpfte. Dafür siedelte er auch mit ihr und den Perlmutters nach Ritters Parkhotel in Bad Homburg über, wo er als Comt und Comtesse Prince Trouwetzky und die Herren Chonove Griffitz Maklahoff Zirmner bestellte. Auch dort betrug seine Tagesrechnung 2000 Mark, die immer noch die Perlmutter zahlten. Schließlich wuchs aber doch eine Schuldenlast von etwa 20 000 Mark an, und als der glutäugige und schwarzgelockte Fürst mit Cheks bezahlte, die keine Bank einlöste, erfolgte seine Verhaftung, trotzdem er als Rittmeister, der Leibgarde zu Pferd, früher Flügeladjutant des Zaren gewesen sein will. Am schlimmsten ist, daß er, was er mtetbitige bestreitet, ansehnliche Gelder der futsch-russischen Hilfsvereine unterschlagen hat. Me gesagt, wer er ist, weiß man nicht, aber man glaubt Anhaltspunkte zu haben, daß er in Ruß- stmd wegen etwa 60 Straftaten gesucht wird. |
Wie zu ertoatden war, hat sich ein großer Teil der Zeugen, namentlich derjenigen russischer Na- wnalität, nicht eingefunben. Fürst Golitzine, der im Gehrock mit Samtkragen und gestreifter Hose erscheint, macht einen ziemlich rambonierten Eindruck. Er spricht in gebrochenem, aber gut oerständlichem Deutsch, oft s^r lebhaft und mit großen Gesten. Er sei bei Ausbruch des Krieges Offizier im russischen Generalstabe in Paris gewesen und habe den Strieg in Frankreich bis 1917 mitgemacht, sei aber dann nach Rußland zurück- geschickt worden. Er schildert die Umwälzungen in Rußland und die Leiden, die besonders die Intelligenz und die vermögenden Kreise zu erdulden
Zeiten heißer Wasserdampf und warme Waffer- strahlen entströmen. Man begann bereits im vorigen Jahrhundert, diese Dampfausströmungen in Rohrleitungen zu fassen und den Dampf bei der Salzgewinnung nutzbar zu machen. Dabei entdeckte man sehr bald, daß man heißeren und h> her gespannten Dampf erhielt, wenn man der natürlichen Ausströmung durch Bohrlöcher ent- gegenkam. Dian begann daher um die Jahrhundertwende mit solchen Bohrungen und hatte bereits im Jahre 1905 eine derart erbohrte natürliche Dampfausstttmung in Betrieb, welche eine 40pferdige Dampfmaschine mit einem Druck von 2 Atmosphären dauernd speisen konnte. Dabei zeigte sich aber ein Uebelstand. Dieser der Erd- tiefe entströmende Dampf war stark schwefelhaltig und zerfraß daher die eisernen Dampfmaschinen ziemlich schnell. Im weiteren Verlaufe der Arbeiten ging man daher dazu über, diesen natürlichen Dampf, der stark überhitzt mit etwa 170 Grad Celsius aus. der Erde kommt, zunächst in säurefesten Dampfkesseln zur Verdampfung von reinem Waffer zu benutzen und erst mit dem so erzeugten reinen Dampf Dampfturbinen zu betreiben. Gleichzeitig trieb man neue Bohrlöcher mit einer lichten Weite von 42 Zentimeter bis auf Tiefen von 300 Meter in das vulkanische Gebiet hinab und gewann so eine Dampfmenge, mit der man 1916 bereits drei Turbinen von je 300 Kilowatt, insgesamt also Maschinen mit einer Leistung von 12 000 Pferdestärken in Betrieb nehmen konnte. Seit jener Zeit sind die Bohrlöcher, Kessel und Maschinen ständig vermehrt worden. Schon heute besitzt Lardarello eine große, nur mit diesem vulkanischen Dampf betriebene Zentral- anlage, welche Maschinen von 16 000 Pferdestärken Tag und Nacht in Betrieb hält und bis nach Florenz und Livocno elektrischen Strom liefert. Darüber hinaus aber werden bereits viel weitgehendere Projekte bearbeitet. Man hat in der 20jährigen Praxis festgestellt, daß jede neue Bohrung neue unerschöpfliche Dampfmengen lie- wrt, ohne die älteren Bohrungen zu stören, wenn Mn sie nur in einer gewissen Entfernung von den älteren Löchern anlegt. Man hofft daher, gestützt auf die bisherigen großen Erfolge, mit Hilfe der Erdwärme und ohne ein Gramm Koble zu ver-
hatten. Während er im Gefängnis saß, denn die Bolschewisten hätten ihn verhaftet, ist seine Mutter und sein Bruder erschossen worden. Seine Mutter, eine geborene Maklakoff, habe den Fürsten Golitzin geheiratet. Er fei ein Kind aus dieser Ehe. In Rußland wurde jedoch die Scheidung seiner Mutter nicht anerkannt; er leitet aber aus der zivilrechtlich abgeschlossenen Ehe für sich das Recht her, sich so zu nennen. Er kam dann in die Ukraine, wo er wiederum bei der Umwälzung verhaftet wurde, wie er sagte zu seinem Glück, denn er gehörte zur Umgebung des Hetmannes, dessen Offiziere sämtlich erschossen worden seien. Mit den deutschen Truppen kam er dann ins Gefangenenlager in Salz Wedel. Er habe vollkommen mittellos dagestanden, da sein Majorat bei Nowgorod und seine Rente von 80 000 Mark jährlich von den Bolschewisten beschlagnahmt worden sei. Was hätte er machen sollen? Er wandte sich an die reichen Russen und ging sie um Geld an, das er jedoch mit einem Kameraden teilte. Dann will er die Anklage wegen Unterschlagung der russischen Hilfsgcldcr entkräften. Er macht dann längere politische Ausführungen, wobei er zu dem Schlüsse kommt, daß Deutschland und Rußland auf einander angewiesen seien. So oft er Deutschland erwähnt, macht er eine tiefe Verbeugung vor den Richtern. Der Vorsitzende hält ihm vor, warum er sich nicht an feinen Bruder, den Kardinal iy Rom, um Unterstützung gewairdt hätte. Er sagt, lieber wolle er im Gefängnis Hungers sterben, als seinen Bruder durch Bettelbriefe blamieren. Er sei jetzt vollständig mittellos. Es beginnt nun die Besprechung der ihm zur Last gelegten einzelnen Betrugsfälle, die Stunden in Anspruch nehmen wird. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Rudolf, die Verteidigung hat Dr. Stulz übernommen.
mc. Farnkfurt a. M., 24. Aug. In der Dunkelheit stürzte sich heute früh um 4 Uhr die Ehefrau Barbara Schmidt mit ihrer 15jährigen Tochter in den Main. Es gelang einem Schiffer, die Lebensmüden zu retten, doch ist die Mutter im Krankenhaus gestorben. Die Tochter dürste mit dem Leben davon kommen. — Wie sehr das Verantwortungsgefühl gewisser Kreise geschwunden ist, geht aus der Mitteilung des Frankfurter Stadtverordnetenvorstehers Hopf hervor, daß in der letzten Sitzung von der ©alerte in den Saal kleine Pillen geworfen wurden, durch die mehrere Mitglieder des Kollegiums an Erbrechen er- krankten.
fd. Bad Homburg v. d. H., 23. AugMt. In einer Anklage wegen Schwarzschlachtung gegen einen Metzgermeister aus Oberursel und seinen Gesellen sowie einen Metzger aus Hausen mußte der Staatsanwalt einen Vettagungsantrag wegen weiterer Beweiserhebung stellen. Während der Beratung des Gerichts verhaute der Ober-
ihn wegen Nngebühr eine Haftstrafe von drei Tagen beantragte; seine Mitangeklagten unterstützten ihn durch lautes Schimpfen, wofür jeder von ihnen 10 Mark Strafe zahlen mußte; der Oberurseler Metzger bekam die 3 Tage Haft.
fd. Weilburg, 23. August. Zwei junge Burschen stahlen eine Katze, brachten sie um und zogen ihr die Haut ab, die sie nutzbringend an einen Fellhändler verkauften. Aber auch für das Fleisch fand sich eine hiesige Familie, die den Kadaver als Hasenbraten erwarb. Das Gericht verurteilte jetzt die beiden unternehmenden jungen Leute wegen Diebstahls, Hehlerei und Betrugs jeden zu zwei Wochen Gefängnis.
Brennen, hier dauernd Hunderttausende von Pferdestärken gewinnen zu können. Ueber die Theorie macht man sich dabei einstweilen wenig Kopfzerbrechen. Allgemein kann wohl angenommen werden, daß an dieser Stelle die Oberflächen- wassec aus irgendwelchen Gründen in dauerndem ständigen Strom so weit in die Tiefe sickern, daß sie mit einem hier vielleicht besonders hochliegenden unterirdischen Glutherd in direkte Berührung geraten und verdampfen. Solche Berührungen können in vulkanischen Gebieten bisweilen sehr plötzlich und in sehr großer Äärke stattfinden, und es gibt dann ■ riesenhafte Explosionen, bei denen ganze Inseln meilenhoch in die Lust fliegen, wie dies beispielsweise 1883 in der Südsee passierte. Im allgemeinen aber, wie auch im isländischen Geisergebiet, sind Berührung und Dampfentwicklung stetig u. halten sich in Grenzen.
Die Indianer in Nordamerika und Kanada. Dr. Kartzke, ein Deutsch-Amerikaner, ließ in einem Vortrag im englischen Seminar der Universität zu Berlin das Leben der letzten, sterbenden Reste einer ausgestorbenen, einst zahlreichen Rasse an seinen Zuhörern vorüberziehen. Wie seltene, im Aussterben begriffene Tiere werden die Indianer in großen Schutzbezirken, den Reservations, gepflegt. 300 000 Quadratkilometer, also fast soviel wie Preußen, hat Nordamerika für diese Zwecke hergegeben; desgleichen bestehen in Kanada solche Gebiete. Ueber die Zahl der noch lebenden Vollblutindianer herrschen vielfach falsche Vorstellungen, nicht mehr als 170 000 gibt es in den Vereinigetn Staaten .während Kanada nur noch 100 000 aufweist. Infolge des reichen Landbesitzes und ausgedehnter Viehzucht herrscht allgemein Wohlstand unter ihnen. Um auch die Möglichkeit zu geben, einen anderen als den Farmerberuf zu wählen, sind von Staats wegen Jndianerschulen eingerichtet. Carlisle bei Philadelphia gehört zu den hervorragendsten Instituten dieser Art, wo Knaben und Mädchen im Alter von 14 bis 21 Jahren gemeinsam meist unter Leitung alter Lehrerinnen auf Staatskosten erzogen werden. Geschicklichkeit, Lernbegier und mitunter eine feine Erzählungsgabe zeichnet die Schüler aus. Dem Sport wird fleißig gehuldigt. (Ein Indianer errette bei den olvmviscben Svielen in
HerSfeld, 25. Aug. Auf Veranlassung der Muscumskommission, welche sich die Erschließung der vorgeschichtlichen Denkmäler des Kreises Hersfeld zur Aufgabe gcnmcht hat, wurden in der Gemarkung Unterweisenborn am Fuße des Ring- berges durch Herrn Privatdazent Dr. Bremer aus Marburg ein vorgeschichtliches Urnenfeld und die Reste einer Siedlung aus der Zeit um 100 nach Christi aufgedeckt. Es handelt sich um altgermanische Brandgräber und bei der Siedlung um Chatten als derzeitige Siedler. Die Gräber liegen im unmittelbarer Nähe eines oltgermanischeu Bauernhofes an der uralten Straße, welche von Hünfeld, Eiterfeld her über Fürsteneck, den Ring- berg und Dreienberg, an dessen Fuße sich weitere Gräberspuren Nachweisen lassen, nach Thüringen hinein führte.
Fulda, 25. Aug. Nach einer vom Magistrat in der gestrigen Stadtverordneleuversammlung vorgelegten Berechnung beträgt die Schuldenlast der Stadt zurzeit 17,7 Millionen Mark. Am 1. April 1914 betrug der Schuldenstand 9,8 Millionen Mark. — In einem Wagen 2. Klasse eines am Verschiebebahnhof ausgestellten Zuges sind vergangene Nacht von mehreren Sitzen die PlüM,- polster abgetrennt und gestohlen worden.
mc. Flörsheim (Main), 24. August. Am kommenden Montag begeht die Eejneinde wieder wie alljährlich in feierlicher Weise den sog. „verlobten Tag", der als Dank gegen Gott aus großer Pestgefahr schon jahrhundertelang begangen wird.
mc. Aschaffenburg, 24. Aug. Der Bauernknecht Horlebein aus dem nahen Klein-Wallstadt, der seine Geliebte in den Main gestoßen hatte und wegen Mordes zum Tode verurteilt worden war, ist vom bayerischen Ministerium zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden.
mc. Dannstadt, 24. Aug. Auf Befehl der Be- satzungsbehorde muß die Stadtgemeinde Groß- Gerou die Gräber der dort beerdigten französi- schen Soldaten mit einem Gedenkstein versehen lassen. Für die Kosten soll das Reich aufkommen.
Zwingenberg a. d. B-, 22. Aug. Seit Aufhebung der Zwangsbcwirtschaftnng des Obstes hat sich der Umsatz auf dem hiesigen Großmarkt außerordentlich gehoben. Es wird namentlich viel Obst nach Norddeutschland verschickt, das hier seine Aufkäufer hat und gute Preise anlegt. Gegenwärtig werden von der Hiesigep Bahnstation aus Zwetschen in großem Umfang waggonweise verfrachtet. Grundstücke mit Qbstbäu- men sind denn auch jetzt ganz besonders geschätzt und sehr gesucht.
Aus aller Well.
Der Anstifter z» einem Mord selbst schwer verletzt. Vor dem Volksgericht Straubing hatte sich wegen Mordversuchs an seiner Ehefrau der
nis mit einer Bauerstochter hatte, versuchte mit allen Mitteln, sich seiner rechtmäßigen Frau zu entledigen. Schließlich gelang es ihm, einen Taglöhuer zur Ausführung eines Mordes zu überreden. Der Gedungene sollte einen Einbruch vortäuschen und die Frau Geigers erstechen. Der Taglöhner ging aus den Plan ein, drang aber in der Aufregung auf Geiger selbst ein und verletzte ihn nicht unbedeutend in der Herzgegend, während die Frau nur leichtere Verletzungen davon- truz. Das Urteil lautete für Geiger auf Zuchthausstrafe von 10 Jahren wegen Verbrechens des Mordversuchs, der Taglöhner wurde fteige= jprochrn
Stockholm durch seine Rekordleistungen größtes Aufsehen.) Recht interessant war die Schilderung eines Besuches bei den „Schwarzfuß-Jndianern" in der Prärie am Fuße der Rocky-Mountains- In einem ca. 700 Quadratkilometer großen Bezirk wohnen 700 Angehörige dieses Stammes, und wer Glück hat, kann an den Festtagen sie in ihrer Tracht in der entlegenen Steppe ihre alten, feierlichen Tänze aufführen sehen. Doch die Zivilisation schreitet vorwärts; das Zelt ist durch solide, saubere^ Häuser verdrängt, ja, mancher moderne Indianer nennt sogar ein Automobil sein eigen. Und wenn es den Gegnern der Reservations gelingt, durch Verkaufsrecht von Grund und Boden diese aufzulösen, so wird die Knab en Phantasie bald völlig auf sich allein angewiesen sein.
Lilerarisches. .
Woher kommt die Valutakrisis und was bedeutet sie für mich? von Albert Eebhardt. Preis 3 Mk. Verlag der Kulturliga E. m. b. H., Berlin W. 35, Lützowstr. 107. Der Verfasser zeigt zunächst, was die Valuta ist und wovon der Stand der Valuta abhängig ist. Wir erkennen, wie sehr für die Bewertung unseres Geldes im Ausland der Wert unseres Geldes im Inland maßgebend ist. Wir sehen, wie bei dem schlechten Stand der Valuta während der letzten beiden Jahre das deutsche Volksvermögen ins Ausland verschleudert wurde. Da trat im Januar dieses Jahres der Umschwung ein: Die Valuta steigt. Die Gründe hierfür, insbes. die Spekulation, sind in der Broschüre dargelegt. Durch dieses Steigen der Valuta entstand unsere jetzige Valutakrisis. Der Verfasser bespricht dann eine Reihe vor Vorschlägen zur Beseitigung der Valutakrisis und kommt dabei zu dem Resultat, daß durchgreifende Hilfe nur dann möglich ist, wenn Löhne und Gehälter zunächst nicht weiter steigen und später abgebaut werden. Nur so kann der Reallohn steigen. Nur so wird man sich künftig für weniger Geld wieder mehr kaufen können. Und darauf kommt es doch an. — Die Broschüre ist einzigartig in der Klarheit und Deutlichkeit, mit der ein schwieriges volkswirtschaftliches Problem wirklich allaemein verständlich, bebandelt wird.
PoMfche Nachricht»».
Das neue Reichsheer^
Das „Heeresverordnungsblatt" gibt bie^ zelheiten für die Formationen des ReichshA bekannt. Danach sind bei der U e b e r n a bisheriger Heeresangehöriger diejenigen beV ders zu berücksichtigen, die infolge des Friede» Vertrages ihre Heimat verloren Hobel i Sämtliche bis zum 31. Dezember 1920 ihre zwölf) jährige Dieüstzeit beendenden .Kapitulanten hgbeii mit dem letzten Tage ihrer zwölfjährigen Dienst! zeit auszuscheiden; vorher kann ihnen ein sechs! wöchiger Urlaub bewilligt werden, um ihnen den! Ucbergang zu erleichtern. Ausgenommen von dem! sofortigen Ausscheiden sind u. a. Musikmeister,! Musiknieisteranwärter und solche Kapitulanten,! die als Offiziersanwärter geführt werden. Von! den für das 1lX> 000-Diann-Heer vorhandenen! planmäßigen' Unteroffizierstellen können bin 50 v. H. mit Nichtkapitulanten besetzt werden, | Die zu übernehmenden Unteroffiziere dürfen im I allgemeinen nicht über 35 Jahre alt sein, nach I dem sie ihre zwölfjährige Dienstzeit vollende: 1 haben. • ‘ I
Die Besetzung der Offiziers fiel, ] l e N regelt das Personalamt des Reichswehrmini I steriums, die Verteilung der Offiziere auf diel Standorte ist Sache der Regiments- usw. Kom- mandeurc. die Zeug-, Feuerwerks- und Festungs- bauoffiziere verteilt das Waffenamt des Reichs- Wehrministeriums, die' Verteilung der SanitätZ! Offiziere regelt der Sanitätsinspekteur, die dei Aeterinär-Osfizicre der Veterinärinspekteur.
In jedem Wehrkreis wird ein Bataillon als ■ Jäger bataillon aufgestellt und mit Ge« birgsausrüstung versehen, und zwar in RastM burg (später voraussichtlich in Ällenstein), Kol berg, Hirschberg-Glatz, Dresden, Eisenach-Son- . dershauscn, Goslar und Kempten-Lindau.
Die Bewaffnung der Artillerie erfolgt mit Feldkanone 16 bei der ersten, vierten, fünften und sechsten Batterie der Fcldcrrtillene-Regimen- ter, der neun reitenden Batterien und vorläufig der dritten Batterie des Artillerie-Regiments Nr. 3. Mit, leichter Feldheubitze 16 sind zu bewaffnen die zweite, fünfte und achte Batterie der Artillerieregimenter, mit Infanteriegeschütz 18 die dritten Batterien der Artillerieregimentec 5 und 7 und vorläufig die siebente Batterie des Ar, tifterieregiments 3, mit Feldkanmie 96/16 — später Mit Infanteriegeschütz 18 — die dritten Batterien der übrigen Artillerieregiinenter, mit 7,7 Ztm.-Kraftwagcngeschütz die neunten Batterie!; der endgültigen sieben Artillerierezimenter. Abweichend hiervon erhalten die vierte.und sechstc Batterie des Artillerieregimmts 7 Gebicgs- kanonen 15.
Die neunten Batterien sind die ^Ffaft« Wagenbatterien; sie erhalten an Kraftfahrzeugen nur vier Kraftwagengeschütze, zwei Artilleriekraftzugmaschinen, zwei Lastkraftwagen, zwei Anhänger, einen Kleinkraftwagen und ein Kraftrad Statt eines Fahrrades erhalten s« vier Fahrräder.
Jedes Pionierbataillon setzt sich zusammen aus dem Stäbe,- zwei Pionierkompagnien, einer Brückentrainkompagnie und einem Scheinwerferzug. Die erste Kompagnie ist vornehmlich im Stellungskrieg, dir zweite im Eisenbahndienst die dritte im Brückenbaudienst auszubilden. Der Scheinwerferzuz ist der ersten Kompagnie anzu- gliedern. ,Die Pionierbataillone sollen möglichst aus Handwerkern zusammengesetzt werden.
Aus den bisherigen zwanzig Brigade N achrichtenabteilungen kerben zunächst zehn später sieben DivisionSnachrichtenabteilungen zu je zwei Nachrichtenkompagnien gebildet, den Nachrichtenkompagnien werden entweder ein Brieftauben- oder ein Horchzug angegliedert.
Als Fahrtxuppe wird in jedem Wehrkreise eine Fahrabteilung (auch Festungs- und Gebirgsfahrkompagnien), bestehend aus Stab und vier Kompagnien aufgestellt, und zwar in Königsberg, Rendsburg, Küstrin, Magdeburg, Cassel, Hannover und Osnabrück, Erlangen und Landsberg a. 2
Jeder Wehrkreis erhält ferner eine Straft’ fahrabteilung, bestehend aus Stab und drei Kompagnien, außerdem wird für die fünfte, achte und vierte Reichswehrbrigade eine Straft» fahrabteilung ausgestellt, bestehend aus Stab, einer Kompagnie und zwei Kraftivagenkolonnen. Die Leichtkraftwagenkolonnen find aufzulösen.
In den bestehen bleibenden Festungen und tn den offenen Orten Stettin," Hannover, Cassel, Zeithain b.Riesa. Vamberg und Klaus- dorf-Sperenberg werben für die Verwaltung bet Festungsausrüstungen und des gesamten nicht in Händen der Truppen verbleibenden Geräts und der Munition Zeugämter an Stelle der bisherige Arttlleric- usw. Depots errichtet.
Die bevorstehende Heeresverminderung verbietet von selbst Werbungen. Besonders ist wie das Ministerium feststellt, darüber geklagt worden, daß Landarbeiter sich in großer Zahl auf Einstellung in die Reichswehr melden. Mit Rücksicht auf die Volksernährring haben Einstel' lungen von Landarbeitern bis auf weiteres nicht mehr zu erfolgen- Die Abgrenzung des Saargebiets
Wß. Berlin, 24. Aug. Innerhalb der internationalen Kommission, die mit der Abgren- zungdes Saargebiets betraut ist, kam c. bekanntlich vor einiger Zeit zu Meinungsverstüf- denheitLn zwischen dem deutschen Vertreter uns den übrigen Mitgliedern. Die Kommission wollte die als Grenzen des Saargebiets bestimmten Ber- waltungsgreuzen abändern. Jnsttulttonsgem ß eckl 'rte der deutsche Kommissar dies für unzulaill» und lehnte eine Beteiligung an der Beschäm faiTung ab. Es entspann sich sodann, rote wi