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General-Anzeiger

Amtliches Organ für SlaS!- und LandSrels Saturn

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertags

Verlagsleitung: Ad. Indermüble.

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Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei Hanau

Fernivreckanschlüsie Nr. 1237 und 1238

Nr. 194

Donnerstag den 19. August

1929

Das Neueste.

Ueber Kattowitz ist der verschärfte BelaaerungS- mstand verhängt worden. Gestern kam es abermals zu einem blutigen Straßenkampf.

Nach französischen Meldungen hat sich die Lage an der polnischen Front von Warschau bedeutend gebessert.

Die russisch polnischen Waffenstillstandsverhand­lungen in Minsk sind ant Dienstag eröffnet worden.

Nach einer Entschließung des Volkswirtschaftlichen Ausschusses des Reichstages soll die Zwangswirtschaft für Fleisch spätestens bis 1. Oktober aufgehoben werden.

Die Konferenz in Genf wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte des September stattsinden.

Oberschlesien.

Dem blutigen Dienstag ist ein blutiger Mittwoch gefolgt, denn gestern nachmittag hat die erbitterte Menge das Hauptquartier der Polen in Kattowitz erstürmt. Die Einzelheiten interessieren weniger als die Tatsache, daß nun erst die Drahtz-eher aus den Kulissen gezogen worden sind, die die Hauptschuld an den bedauerlichen Vorgängen tragen. So gut wie die Polen in Rybnik Stoßtruppen abordneten, um die »rutschen Versammlungen zu sprengen, ebenso konnten sie in Kattowitz eine Taktik verfolgt haben, um den Zusammenstoß zwischen den Deutschen und den sran- jösischen BesatzungStrnppen zn erzwingen. Die Polen gehen dabei von der Annahme aus, das derartige Reibungen das Verhältnis von Besatzung und deutscher Bevölkerung so verschlechtern kann, daß unter Um­ständen auch daS Abstimmungsergebnis davon beein- außt zu werden vermag. Gewiß sind er ja die Polen, ne an einer militärischen Unterstützung durch die West- wachte ein Interesse haben. Ganz Oberschlesien wird »on Warschauer Agenten überschwemmt, die sich Tag

aber nicht mehr die Sache des bedrohten deutschen Ecoiete» allein. Fest steht bisher, daß zugereiste Polen an den Unruhen großen Anteil genommen haben. Die Lage der fremden Besatzungen ist bei derartigen Zwischenfällen an sich außerordentlich erschwert, da sie lmn einmal die Aufgabe hat, den Polen zn helfen. Sehr wahrscheinlich haben die Polen die Unruhen in

Erwartung angezettelt, daß die fremde Be­satzung vermehrt werden müßte. Sieben erst einmal mehrere französische Divisionen in Oberschlesien, so ist ihr Eingreifen für Polen dann nur eine taktische Frage. Frankreich und Polen sind Verbündete. Die manzosen machen auch kein Hehl daraus, daß es ihre Offiziere sind, die im polnischen Heere den Umschwung an der Front herbeigeführt haben. Reichlich Munition haben die Franzosen auch herbeigeschafft, was doch y nur auf dem Wege über Danzig möglich gewesen

Andere Wege stehen nicht mehr zur Verfügung, 8 alle Randstaaten ihre Neutralität im russilch- palmschen Kriege erklärt haben. Nach allen dem ge­winnen die Unruhen in Kattowitz eine Bedeutung, die über einen deutsch-französischen Zwischenfall weit hinausgebt. Zunächst muß immer wieder betont werden, daß die Abstimmung in Oberschlesien längst ?Ee erfolgt sein können. Daß sie so verzögert wurde, offenbar auf Veranlassung der Polen geschehen, die Folgen ihrer Niederlage auf daS Adstimmung«- ergebnis fürchteten. Die Zauderpolitik des Verbandes hat indessen nicht nur politisch nachteilige Folgen, sie Ädert auch die Ausnutzung der wirtschaftlichen Miergien Oberschlesiens, für den Wiederaufbau Euro-

Auch geben die Polen zu, daß sie mit allen rütteln Oberschlesien zu erobern trachten. DaS Jn- mstnegebiet soll als Pfandobsekt für angelsächsische »redue dienen. Diese Absicht ist schon vor 2 Jahren, W die Deutschen noch in Warschau herrschten, selbst h?n den polnischen Politikern ausgesprochen worden, «»wir in arger Verblendung für Deutschenfreunde MIten. Weiter haben die Polen alles getan, um die ^»uterung in Oberschlesien zu steigern. Ändere Mittel . ^"n die Fälschungen von Urkunden zu dem Zwecke

Verband gegen Deutschland aufzuputschen; Kor- hat sich bei diesen Fälschungen besonders her- 'argetan. Es ist kein Zweifel, daß ein VertraueuS- des Hochverräters K^lanty in Kattowitz auf- worden ist, unter Umständen die beweisen, ,"N'hen hervorgerufen werden sollten. Daß sich iJ1 Bevölkerung, der die französisch-polnischen Pläne "Mnnt sind und die seit Monaten den Quälereien -.^,uemden Besatzung, den Wühlereien einer landes- k: ^"hen Begehrlichkeit anSgeietzt ist, nach und nach t c atfte Erregung bemächtigen muß, liegt auf ^ Ein Wunder ist nur, daß diese immer vmcr ausgestörte Erregung nicht schon zu folgen« ^"ercn Zwischensätzen geführt hat als bisher, 0 man kann im Interesse der gemeindeutschen M nur wünschen, daß es den örlichen Führern mißlingen möge, die Massen auch fernerhin ' 'ä'rila&en in der Hand zu behalten.

welche Verwicklungen sich aus den Ereignissen deS ""h 18. August ergeben, ist noch nicht abzusehen.

3 Stiche Bevölkerung wird gut tun, ihrer Rechte ihres Sieges in der Abstimmung bewußt, sich hersuSfordern zu lassen. Um über die ^'mglich gewordene Lage zu ändern und zu klären, auf sofortiger Vornahme der Abstimmnug i*.^- Je länger die fremde Besatzung in Ob:r- m verweilt, desto mehr ReibungSstächen müssen wpM lumal unter der Einwirkung be. Sorge, tau» fremde Besatzung durch die Ereignisse gc- -wu Werden türmte, in den Kriea Polens gegen

ne

Rußland einzugreifen. Wir müssen Herr im eigenem Hause sein, wir müssen über unsere Politik und die Maßnahmen zu ihrer Durchführung selber entscheiden.

Delagerungszusland über KMsmitz.

Laut Verfüanng der interalliierten Regie-ungS- und PlebiSzst-Kommisfion in Oppeln vom 17. Aug. wurde der verschärfte Bcla-erunasm^and über Kattowitz ver- bänat. Don 8'/, bis 4 Uhr früh darf niemand ohne Ausweis der interalliierten Kommission die Straße betreten.

WB. Kattowitz, 18. Aug. Die polnische Presse Ob-rschlesien» fordert die Ausweisung der landfremden Leiter der deutschen Zeitungen, der Redner in den Volksversammlungen sowie der Veranstalter der gestrigen Unternehmungen, ferner die Ausweitung sämtlicher in den letzten zwei (fahren zugewaenen Teutschen, die sotortiae Auflösung der Sicherheitswebr, d'e @n*fernung und Bestratung der am Streik beteiligten Eisenbafin- und Postbeamten, sowie die Einsetzung von alliierten oder polnischen Kontrolleuren bei den Eisenbahn- und Postbetrieben.

Ein neuer Zusammenstoß.

WB. Beuthen, 18. Aug. Nach einer Meldung derOstdeutschen Morgenvost* au 3 Kattowitz ist die ungeheure Spannung heute nachmittag abermals zur Entladung gekommen, Gegen 6 Uhr nachmittags hatten sich vor dem HotelDeutscher Hof", dem Sitz des polnischen PlebisfitkommissariatS, eine ungeheure Menschenmenge angesammelt, die dort ein großes Waffenlager vermutete und dessen Auslieferung forderte. Als ein Auto mit Sicherheitspolizei erschien, das die Menge zerstreute, wurde plötzlich aus dem Hause das Feuer eröffnet. Dw Straße war sofort leer. Jeder Paffant war bedroht. Einige junge Leute mit Ge­wehren und Handgranaten erschienen und es ent­wickelte sich ein regelrechtes Feuergefecht. Gegen 8 Uhr brach in den unteren Räumen Feuer aus. Gegen 9 Uhr ergab sich die Besatzung. Die Sicherheitswehr und die Feuerwehr gingen an die Löschung des Feuers und die Festnabme der Belobung. 17 Personen wurden fertgenommen. Die Akten liegen auf der

Kasernen gehalten. Seit 9 Uhr ist die Verbindung mit Kattowitz unterbrochen.

D. Kattowitz, 19. August. Zu dem gestrigen Zusammenstoß ist noch nachzutragen: Nachdem einige Familien, die in den oberen Stockwerken des Hauses wohnten, gerettet waren, konnte an das Löschen des Brandes gegangen werden. Sämtliche im Haus befindlichen Polen wurden verhaftet, darunter auch ein Adjudant Korfantys, ein polnischer Student aus Warschau Kooj. Bei ihm wurde ein Armeerevolver und Patronen gefunden. Kooj gestand ein, daß er mit 45 Mann aus Beuthen vom Hotel Lannik nach Kattowitz gesandt worden war, um hier die Schießerei zu inszenieren; seine ganze Begleitung sei mit Schußwaffen ausgerüstet worden und feder von den Leuten habe für den heutigen Tag 1000 Mark Löhnung erhalten. Ein Pole, der auch nach der Verhaftung noch zu schießen versuchte, wurde sofort erschossen, zwei andere von der erbitterten Menge erschlagen. Im Hotel wurde nachdem der Brand gelöscht war, von der Menge alles verwüstet; die Aktenstücke und Papiere wurden auf bie Straße geschleudert. Auch einige franzöfische Fahnen wurden gefunden und auf der Straße verbrand.

Ein Lügen-Aufruf Korfanlys.

WB. Beuthen, 18. Staust. Der Leiter der polnischen Agitation in Oberschlesien, Korfanty. ver­breitet einen Aufrnf, worin von einer deutsÄ-bolscbe- wistischen Verschwörung und einer militärischen Ge- hcimorganisation die Rede ist. Diese Organisation betreibe in Verbindung mit den politischen Parteien Oberschlesiens Sabotage gegen die Be!atzungstr»:ppen. Die polnische Bevölkerung Oberschlesiens wird aufge­rufen, sich bereit zu halten, um bie interalliierten Truppen zu unterstützen. Am Schlüsse des Korfanty- schen AufruieS heißt eS: Wir sind die Herren des Lande». Es wäre eine Schande, sich von einer Hand­voll zugelaufener Fremdlinge terrorisieren zu lassen Seid besonnen und ruhig, zum Kampfe bereit.!

Anmerkung des W. T. B.: In dem Aufruf werden Einzelheiten über die angebliche ©eheimorganifation mitgeteilt. Sie soll ihren Sitz in der Königin Augusta- straße 38 haben. Auch werden die Namen der führenden Militärs genannt. Korfanty bat in feinem Mcr eine deutsche Verschwörung zu entdecken, unter« lassen sich über die Tatsachen zu unterrichten. Die von ihm angegebenen Namen treffen völlig zu. Es sind die Zainen einer Abteilung des Neichrwebr- Ministeriums und zwar der amtlichen Verbindungsstelle zu der Ententemiffion. Die Verbindungsstelle bat ihren Sitz unter der von Korfanty mitgeteilten Adresse, nämlich im Reichswehrministeruim selbst und nimmt bie ihr übertragenen Geschäfte auf legitimem Lmtlichem Wege wahr.

Die Darstellung

-er interalliierten Kommission.

Von der interalliierten Regierungs- und Plebiszitkommission in Oppeln wird über bie Vorgänge folgende Darstellung gegeben: .

Den Anlaß zum Vorgehen der Kavallerie bot die Verwundung zweier ^aget durch die Menge. Die Alenge stürzte fich auf bie ^ager

und mißhandelte sie, weshalb sich die Kavallerie zum Schutze des Lebens der beiden Jäger in Vormarsch setzte. Der Sicherheitspolizei war es inzwischen gelungen, die beiden Jäger zurück- zubringen, von denen einer einen Kopsschuß aufweist. Der Rittmeister Lallune, der ebenfalls den bedrängten Jägern zuhilfe kommen wollte, wäre um ein Haar von der wütenden Menge gelyncht worden. Nur der Umstand, daß einige Personen die ihn kannten, der Menge zuredeten, rettete ihm das Leben. Eine große Schar war inzwischen in die Sedanstraße eingedrungen und versuchte, in die Friedrichstraß» einzudringen. Zugleich drängten auch die Massen aus der Friedrichstraße vorwärts und drückten die Sol­daten und die Sicherheitswehr immer mehr an das Haus der interalliierten Kommission. Plötzlich fiel aus einem Haus schräg gegenüber der Kommisiion ein Schuß und durchbohrte die Fenster. Kurz darauf wurde eine Handgranate aus derselben Richtung geworfen, die schweren Schaden unter den Demonstranten angerichtet haben dürfte. Daraufhin feuerte der Posten vor dem interalliierten Gebäude aus eigener Initia­tive einige Schüsse ab. Es entstand zwar eine kleine Panik, doch kehrte die Menge bald wieder vor das Haus der Kommisiion zurück. Ueber den Tod des Sanitätsrats Dr. Milecki wäre zu berichten, daß dieser in Gegenwart des Majors Hiehrberg drei Verwundete verband. Bei dieser sanitären Tätigkeit wurde er von der fanatisierten Menge angefallen und schwer mißhandelt. Die Fußbodenbretter des Krankenwagens wurden aus dem Wagen herausgerissen und Milecki damit erschlagen. In später Nachtstunde staute sich eine riesige Menschenmenge erneut vor dem Hause der Kommisiion. Inzwischen kam die Nachricht, daß der Pollen am Bahnhof (20

dem Wege dorthin von einem wahren Trommel­feuer von Handgranaten und Eewrhrschüfien überschüttet. Erst mit dem Morgengrauen nahm die Schießerei ein Ende. Auf feiten der alliierten Truppen find an Verlusten zu verzeichnen 2 Tote und ein schwer verletzter Soldat, sowie 10 leichter Verwundete.

WB. Beuthen, 18. August. Die interalliierte Kommission für Oberschlesien erließ folgende Bekannt­machung :

Von verschiedenen Seiten hat man das Gerücht zu verbreiten gesucht, daß bie interalliierte Regierung»- iommission an Polen während der jetzigen üfnuerigen Lage Waffenhilfe zu leisten beabsichtige. Man bat sogar behauptet, daß Truppenbewegungen zu diesem Zwecke begonnen worden seien. Das ist durchaus falsch. Diesen Tendenzgerüchten ju'olge sind große Protestversammlungen einberufen worden, gegen eine Handlung, die die Kommission nie unternommen hat und nicht einmal zu unternehmen beabsichtigt. Damit kann nur eine Störung deS amtlichen Dienstes und eine Verwirrung des öffentlichen Lebens und Rechtes erziel: werden. Eine solche Agitation führt zu nichts. Sie kann nur der Hetzerei derjenigen, die die allge­meine Ruhe stören wollen, ohne sich um die Wohlfahrt des Leben« zu'kümmern, dienen.

PolenRußland.

Die polnische Gegenoffensive.

Nach französischen Meldungen soll sich die Lage an der polnischen Front wesentlich gebessert haben, während in den russischen Operationen ein Rückschlag festgestellt wird. Die Bedeutung dieses Rückschlages läßt sich vorerst^ nicht beur­teilen, da die französische Berichterstattung mit derselben Virtuosität in ihre Tasche siegt, wie die russische. Wir verzeichnen folgende Meldungen, die mit der üblichen Reserve aufzunehmen sind:

WB. Paris, 18. Aua. Der Sonde:bericht-rstatt-r desPetit Journal" in Warjchau telegraphiert 'einem Blatte unterm 17. August abend»: Die Lage an der polnischen Front hat sich bedeutend gebessert. Die von den Polen unter Mitwirkung französischer Offiuere unternommene Gegenoffensive entwickelt sich mit großem Erfolg. Die Bolsch-'wisten wurden auf der ganzen Nordfront zurückgeschlagen. Warschau ist entlastet unb außer Gefahr. . .

WB Pari«. 18. Aug. Der Korrespondent bei Echo de Paris" gibt Einzelheiten über bie siegreiche Gegenoffensive der Polen. Hauptsächlich an 3 Punkten entwickelte sich der Gegenangriff. Im Zentrum feien die Polen bis zum Zu-amuicufluß von Bug »nd Narew vorgedrungen. In der Na fit zum 16 August seien die Polen au» Modlin (Nowo-Georgiewsk» herbor« gebrochm und hätten die B»lschew.stei: auf den Narew jurückgeworsen. Dw Brückenko ss von Scrock sei ge­nommen. Der Berichterstatter fügte hinzu: Der einst­weilige Erfolg der Gegenaktion fei die Entlastung Warschaus. Sie könne aber auch die Einschließung der Bol-chewisten, welche sich in der Krümmung von Bug und Narew befinden, zur Folge haben. Gleich­zeitig mit der Entlastung Warschaus leitete General Pillndski auf dem rechten Hügel die Gegenoffensive in Richtung Brest-Litowsk ein, die den Bolschcwisteu vollkommen überraschend war. Der stichcnoc Feind ließ bedeutendes Slaterial im Stich. Nach bot letzten

Nachrichten hat bie Armee PilsudSki die Linie Garwolin» Deleschow erreicht. Auch anf dem äußersten linken Flügel in der Richtung deS polnischen Korridors setzt eine dritte Gegenoffensive ein.

Die Lage im polnischen Korridor.

Ueber den Vormarsch auf Graudenz und den Be­ginn des Kamvkes gegen Graudenz wird derVolks- zeitung" auS Deutsw-Eylau geschrieben: Der polnisch« Korridor von StraSburg bis Deutsch-Eyl»u ist M8 polnischen Truppen frei. Auf dem linken Flügel rückt eine starke Kavalleriemasse gegen Thorn vor, und eS läßt sich erwarten, daß vielleicht noch bedeutend süd­licher ein Uebergang über die Weichsel versucht wird, Der rechte Flügel kämvft bereits vor dem Eifenbahn- ^notenvunkt GoslerShanien. Der Nordteil von B schofswerder ist noch von starken polnischen Truppen besetzt. Nachdem die polnische Grenzwache znrückge- zogen war, haben einige deutsche Bürger aus der deutschen Stadt Bischofswerder die Grenze über- schritten, wo sie von einem polnischen Panzerzug über« rqicht wurden, der sie beschoß und einen Teil von ihnen festnahm. Im allgemeinen ist die Lage vor Graudenz für die Russen günstig.

Königsberg i. Pe., 18. August. D:e Eisen­bahnlinie Deutsch EylauThorn ist überschritten Bolschewistische Truppen erreichten Lessen und:>!ehden, Südlich Bischofswerder ist russische Kavallerie auf. getreten. Graudenz Wirb mit Hilfe der Zwilbevölke rung beschleunigt armiert. Der Bahnhof Wloclawe! liegt unter russischem Artilleriefeuer. Südwestlich Ciechanow ist ein Entlastungsstoß bei polnischen Nordflügels zum Stehen gebracht worden. Ciechanow ist in den Händen der Bolschewisten. An der Nord­ostfront von Modlin und der Ostfront von Warschau halten die starken bolschewistischen Angriffe an. Der Gegenstoß des polnischen Zentrums aus der Lmit WarschauJwangorod und der Flankenstoß nördlich des Oberlaufes der Wievrz gewinnen an Boden. Kämpfe bei Nowo-Minsk, nördlich von Zelkochow und bei Luknow. Än der Südfront örtliche Kampf- hanblungen.

Verluste seien sehr groß. Die Festigung der boliche- wistischen Polenregierung in Bialystok macht Fort­schritte, ebenso wie die Bildung der polnischen Sowjet­armee, von der Teile schon auf feiten der Russen kämpfen. ,

(Die Meldung von der Eroberung LembergS bereits mehrere Male aufgefaucht, ob sie Wohl diesmal den Tatsachen entspricht? D. R.)

Die DerhandLungen in Minsk.

WB. London, 18. Aug. (HavaS.) Nach in London eingegangenen offiziellen Nachrichten aus Noskan begann die ruisisch-polnische Waffenstillstandr- kommiision'am Dienstag nachmittag um 7 Uhr uni vertagte sich kurz darauf auf Mittwoch.

WB. London, 18. Aug. (HavaS.'l Eme oft» riefle Moskauer Depesche über die russisch - polnisch- Waffenstillstandskonferenz besagt, daß nach dem Aus­tausch der Vollmachten der Vorsitzende der russi­schen Delegation, DanischcwSki, eine Rede hielt, in der er die russische Friedenspolitik bestätigte, insbesondere die Absicht SowsetrußlandS, die Sou­veränität und Unabhängigkeit Polens und sein Recht aus «Selbstbestimmung seiner Reg-erungsform zu achten. Gleichzeitig erklärte er, daß Rußland Polen größer- territoriale Vorteile bieten würde als die Entente.

WB. London, 18. Aug. Der Korrespondent bei .Daily Herald' in Minsk telegraphiert seinem Blatte: Danischkcwitsch, der Vorsitzende der russischen FriedenS- delcgation, erklärte: Sämtliche Zusammenkünste der Friedenskonferenz werden öffentlich stattfinbex. Wir beabsichtigen nicht die Politik des GehelmbaltenS und des Zwänge», die in Versailles befolgt wurde, nachzuahmen. Wir werden aufmerksam auf alle pol­nischen Argumente hören, und wenn wir auch hoffen, oaß die bereits veröffentlichten Bcdiugunqcn Annahm, finden werde», so beabsichtigen wir doch, ehrlich gemeinte Anuäderungsvorschläge nicht abzulehnen. Richland wünscht aufrichtig den Frieden und wird sein Beste» tun, um ein Mißlingcn der Konferenz zu vermeiden. Der negemeixe Grundsatz der russischen Pol tik ist die vollständige Anerkennung von Polen» Souveränität und Unabhäi-gigleit.

Greuel der Polen.

WB. Moskau, 18. Aug. Durch Funksvruch. Die Ivndcrkomniission zur Untersuchung der Polengreuel besuchte die Ortschaft Kojdanowo, 35 Werft von Minsk, unb stellte die Spuren der Zerstörung durch die pol­nischen Trurpen fest. Vom Bahnhof uxb Bahnhofs- gebäube ist nichts übrig geblieben. Von 700 Häusern und Läden sind 300 dank ungeheurer Löstgelder ver- ichont geblieben. Die Polen plünderten Häuser unb Warenlager, begossen die Häuser mit Petroleum, zün­deten sie an und üerhinberten das Löschen. Von den Fcucrivehlwagcn waren die Räder entfernt. In eine» der brennenden Häuser wurde eine 75jährige Frau geworfen, die dort lebendig verbrannt ist. Anßerdcw ermordeten bie Polen noch 16 Mann. Sie verhöhn­ten die Greisen rissen ihnen die Bärte und Haare aus und forderten als Löse,eld 500 Mark. Frauen und Mädchen wurden vor den Augen der Bevölkerung vor. aemaltigt. Die jüdische Bevölkerung hatte besonders ru leiden. Alle Pferde, Vieh und Geflügel wurden mitgenommen. Nach Vorübung dieser Greueltat« wgen die Polen ab. währenb die einruckendr rate »cavaderie mit großem Jubel als Befreierin begrugt wurde.

(Weitere Polittschr Nachrichten auf Seile s