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Gemml-Anzeiger

AmMches Organ für Skaöl- und Landkreis Saturn

Erschein! kSglich mit Ausnahme d« Sonn» und Fsieriags

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Verlagsleitung: Ad. Indermüble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen i c6- für lokalen und provinziellen :t W. Moritz: für Anzeigen und

TeilRich.Hultick' für lokalen und provinziellen Teil iowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle in Hanau a. M.

Rotationsdruckd. Waisenhausbuchdruckerei öanau Fernsvreckanicklüsse Nr. 1237 und 1238

Nr. 193 Mittwoch den 18. August 1920

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Das Neueste.

Die Einnahme von Warschau durch die Russen loird dementiert; der Kampf um die Hauptstadt dauert fort. Die Polen haben eine Gntlastnngsoffensivc gegen den russischen linken Flügel begonnen.

In Oberschlesien fand gestern ein DemonstrationS- streik für die Durchführung der Neutralität in Ober­schlesien statt, wobei er an verschiedenen Orten zwischen der Einwohnerschaft und den französischen BesatzungS- truppcn zu blutigen Zusammenstößen kam.

Die interalliierte Kommission hat gestern West­preußen verlassen und die Verwaltung der deutschen LehSrd« übergeben.

Der Volk-wirtschaftsausschuß der Reichstag? be- «chloh gestern die Aushebung der Kartoffelbewirt- schastung Dom 16. September ab.

Die Deputation der englischen Arbeiterpartei wurde von der französischen Regierung «us Paris anSge- »iesen. Die Sozialisten forderten die sofortige Ein­berufung der Kammer.

Die erste Vollversammlung des Völkerbundes wird im 15. November in Genf eröffnet werden.

Die internationale Finanzkonferenz von Brüssel ist amtlich auf den 24. September festgesetzt worden.

PolenNutzlan-.

Der Kampf um Warschau.

Die gestrige, auch von uns wiedergegebene Times«-Meldung über die Besetzung Warschaus durch rote Truppen hat sich nicht bewahrheitet, im Gegenteil, der Kampf um Warschau scheint Mf beiden ^lonteMMM^MM^vM^ wie aus der uns vorliegenden Moldung hervorgeht.

WB. London, 17. August. Amtliche Kreise in London haben eine Bestätigung der Meldung oom Falle Warschaus nicht erhalten. Im Ge­genteil besagen die letzten Telegramme der interalliierten Mission in Posen vom 16. August, dass die erste polnische Widerstandslinie wieder hergestellt worden ist, daß die polnische Gegen­offensive im Südosten beginnt und die Bolsche- wisten an der Südfront sich in aller Eile zurückziehen.

Polnische Enklaslungsoffensive.

Der Sonderberichterstatter derSoff. Ztg." schreibt unterm 16. d. M.: Seit heute hat unter PilsudikiS persönlicher Führung diep o l n i s ch e E ntl a st n ng 8- »ssensi ve gegen den russischen linken Flügel be­gonnen. Von Gora Kelvaria und der Festung Demblin aus erfolgte ein starker polnischer Vorstoß, der an­scheinend die Linie SicdlceIwanowBrest-Litowsk zum Ziel hat und den stürmisch gegen Warschau und den weiteren Westen vorgedrungenen Russen die rück- lvartigen Verbindungen abschneiden soll. Bis heute abend hatten hier die Polen bereits die Linie Gar- ^alinZelechow (südl. Luckow) erreicht, also den halben Weg zwischen We chsel und Bug zurückgelegt, und bedrohen bereits ernstlich die Verbindung Sieolce Äala. Man wird diesem neuen Teile des Kriegs- fchauplatzeS in den nächsten Tagen eine ganz besondere Beachtung widmen müssen.

Im Westen haben die Ruffen ihre Reiterei weiter westlich vorgeschoben. Man erzählt heute, daß ein Eiscubahnzn« WarschauAlexandrowo zwischen Wloclawck und Rieszawa von den Russen beschossen worden fei, allerdings vom nördlichen Weichselufer auS, ahne daß die Forcierung der Weichsel an jener Stelle wahrscheinlich wäre.

m Ter hiesige Ernährung-chef erklärte mir heute, Erichau fei für drei Wochen verproviantiert und wmere Nahrungsmittel aus dem Westen und Süden Pmenz feien im Anzüge. Soeben von der Front Muckkehrende Stabsoffiziere erzählen mir, die Truppen k . an der Nordsront Warschaus nach wie vor » >a sie hätten an vielen Stellen den Feind wieder u-Uckgedrängt. Frühmorgens ertönten heute plötzlich m «tadtiunern mehrere S.anonenfchüffe. Flugabwehr- "onen feuerten probeweise auf gedachte feindliche »ane. Die Passanten bleiben stehen, sehen ge- awlich ,um Himmel und gehest ruhig weiter. Am bnii ^as acht du ich die Straße ein höchst eindruckS- '^ Trauerzug: Auf von einer Artilleriebespannung «zagenen blumenbekränzten Luftfahrzeugen sind vier ugefallener Krieger aufgebahrt, deren Ueberreste, !i,rs Traueimusik bcg eitet, zur letzten Ruhestatt gc- werden. Man bleibt einen Augenblick stellen, auA das Haupt und geht weiter. So ist Warschau am heutigen dritten Schlachttage äußerlich völlig t Maueranschläge verkünden die Einbe- die w'?a der F li n fu n d d r e i b ig j ä h r i g e n, Pc-^landleihen fordern zur sofortigen Einlösung der Plar r ^ ^as Militärgouvernement gibt durch , ^c Namen der auch heute wegen Desertion «drechtlich Erschossenen bekannt.

^m den polnischen Korridor, nw^»' Warschau, 17. August. Der Kamps ^. tschau geht auf der ganzen Front Hart- ^wtg weiter. Die roten Truppen rücken in uWri4en auf den polnischen Korridor vor.

Die Stadt Graudenz ist bedroht. In den früher deutschen, jetzt durch den Friedensvertrag Polen zuge^prochenen Gebieten halten die Bolschewisten mit Belästigungen der Bevölkerung zurück und verzichten auf ihre sonstige Propaganda.

Danzig, 17. August. Der ruffische Vor­marsch im Korridorgebiet geht zunächst unweit der ehemaligen Grenze unaufhaltsam weiter. Die Stadt Strasburg wurde nach eintägigem Kampfe gestern genommen. Die Polen ziehen sich in voller Auflösung zurück, von den Russen in Richtung Thorn-Graudenz verfolgt. Diese stehen bereits 60 Kilometer westlich Soldau.

Kesresberrchte.

WB. Königsberg i. Pr., 17. August. Lage­bericht. Die Weichsel wurde nördlich von Wloclawek von der bolschewistischen Kavallerie erreicht. Ein starker polnischer Gegenstoß aus der Linie Plonsk-Modlin gewinnt in Richtung auf Diechanow erheblich an Boden. Um Diechanow wird lebhaft gekämpft, wodurch die Verteidigung von Warschau im nördlichen Ab­schnitt stark entlastet wird. Oestlich von Warschau werden heftige Kämpfe auf der Linie Rodzynize- Okumien fortgesetzt. Die bolschewistischen Ver­suche, die Weichsel nördlich von Jwangorod zu forcieren, wurden verhindert. Südlich von Warschau in der Gegend des Wieprz begannen heute die Gegenoperationen der Po en.

wb. Kopenhagen, 17. August. Einem Warschauer Telegramm zufolge meldet der polnische Heeresbericht: In Vugtal haben die Polen bedeutende Fortschritte gemacht und dem Feinde ernste Verluste zugesügt. Ebenso haben sie wichtige Stellungen erobert. Die Volsche- wisten, die den Bug zwischen Hrubieszow und Huüaw.a..MLriLritten hatten, wurden auf das rechte Flustufer zurückgeworfen. Der polnische linke Flügel hat einen erfolgreichen Angriff in der Richtung auf Mlawa unternommen. Südlich des Unterlaufs des Bugs wurden feindliche Angriffs mit schweren Verlusten für den Feind abgeschlagen.

wb. Konstantinopel, 17. August. (Reuter.) Auf der Krim nehmen-die schweren Kämpfe ihren Fortgang. Die Bolschewisten erhalten Ver­stärkungen von der polnischen Front und greifen energisch an, wobei sie massenhaft von eingesetzten Bombenflugzeugen unterstützt werden. General Wrangels Streitkräfte, die ebenfalls Ver­stärkungen erhalten haben, haben den Don überschritten, Konstantinowskaja besetzt und die Eisenbahnlinie Zarizyn - Iekaterinodar über­schritten. Die Donkosaken sind infolgedessen in Gefahr, abgeschnitten zu werden.

Anker allen Umständen neutral.

W . Berlin, 17. Aug. Wie derLokalanzeiger" meldet, trat vormittags im Auswärtigen Amt unter dem Vorsitz des Zentrumsabgeordneten Dr. Fleischer der Ortsausschuß des Reichstags mit RcgicrungSver- tretern zur Besprechung über die Lage in Polen zu­sammen. Von der Regierung nahmen an der Be­sprechung u. a. Staatssekretär v. Haniel und von Maltzan teil. Die militärische und politische Lage im Osten wurde sehr eingehend erörtert. Sämtliche Fraktionen vertraten die Ansicht, daß unter allen Um- iländen deutscherseits an der bisherigen Neutralitäts­politik nachdrücklich festgehalten werden müsse.

Für die NeulralttLl Oberfchlesteus.

Semottftrationsftreit Blutiae Zusammen­stöße »Dre Wacht am Rhein" Gewehr- und Handgrnnatenfeuer.

Der bereits in unserer legten Nummer angekün- bijte Demonstration-streik für die Neutralität Ober- schlesiens, ist gestern in allen oberschlesischen Städlen durchreführt worden. Elekrizilät, Wasser, GaS und Post setzten ans. Der Personenverkehr blieb aufrecht erhalten. Alle Geschäfte und Gasthäuser waren ge­schlossen. In den Nachmittagsstunden faudin überall die von den Gewerksckaftcn einberufenen Proteüvcr- 'ammlungcn statt. ES wurde emheitl^ch eine Ent­schließung gegen den Krieg und für die Neutralität OberschlesienS ange­nommen. sowie folgende Forderung an die interalliierte Kommiffion: Einsetzung einer Kontrollkommi'sion von Encnbahnbeamten und Arbeitern, welwe in Benehmen Mit der interalliierten Kommission sämtliche Tranr» vorte kontrolliert; vorherige Verständigung mit der interalliierten Kommiision über alle noch zn erwarten, den Truppentransporte und Truppenverschiedungen.

Im Anschluß an die Versammlungen fanden Massenumzüge statt. Hierbei ist es in Kattowitz und Rybnik zu Zusaium-nstößen gekomiucn, über die uns folgende private Me.duugcn vorliegen:

Blutige Zusammenstöße.

In K a t t o w i tz setzte sich an das Ende dcS DewonfiationSzug^s iranzösiicl>e Kevalleiie. Die Atcuge griff sie an. Ein französischer Soldat blieb tot auf cent Platze. $ e branden eröffneten Ma chme - 9?IUel'r» unb Handgrauaten'euer. 9 Tote, darunter 2 SicherheiiSpollZisten, unb 26 Verwundete blieben auf dem Platz. Der Polenführer Rechtrarrwalt Dr.

MilewSki, der eine Handgranate auS dem Fenster warf, tourbe aus der Wohnung geholt, erschlagen und in die Rawa geworfen. Die Sicherbeckspolizei stellte den Dienst ein und gab die Waffen ab. Genen 8 Ubr 10g die Menge rur Polizei, um sich der Waffen zu bemäbtigen. Das frauüöü'che Militär ist auf Grund von Verhandlung-n mit den Gewerkschaftsführern zu­rückgezogen worden. 'n Nhbnik drang ein polnischer Stoßtrupp in die Protestversammlung ein und sprengte sie. Aus einen Pfiff fielen Schüsse. Ein Toter und vier Vewundete blieben auf dem Platze. "

WB. Kaitowitz, 17. Nug. Die ««rreguug bat itzreu Höhepunkt erreicht. Größere und kleinere Trupps durch i hr» unter' dem Ge­sang derW a ch t a in N h e i n" die Straße». Man sieht vereinzelt Zivilisten mit Gewehren. Vov demHairs derinteralliierten <? o m m t f f i o tt Vers nnmckte flch um tO/i Uhr eine ungeheure Menschenmenge. Eine tk;vordttnng der Gewerkschaften beaab flch zum Oberst Blaneart, dem Vorsitzenden der interalliierten Kommission, der d'e Plbord- nnna in Anwesenheit des französischen Mi< litärbeschlshaberS empfing. Die Rbordnnng unterbreitete die Fordernug der Bevölkerung aus Entwaffnung der BesatznngS- t r u p p e n unter Zusichcrnng steten AbzugS. Falls diese Forderung nicht bewilligt würde, 'te jede Verantwortung sät die weiteren Eieigniffe abgelehnt werden. Der M^litär- befchlehaber erklärte, daß er lieber sterben würde, als diese Forderung erfüllen. Die Verhandlungen wurden bald darauf abge­brochen. Beim Heraustreten der A'ordnnng wurden Rufe laut:Unsere Leute haben nichts erreicht. Waffen her, es geht zum Sturm!" Die Deputierten konnten sich nur mit großer Mühe einen Weg durch die Menge bahnen. Um 7*12 Uhr war die Litualion au S äußerste gespannt. Vertreter der Bevölkerung versuchten die Verhand­lungen noch einmal zu erneuern, was ihnen jedoch nicht gelungen ist.

Ausfich! gefkellk?

WB. Kattowitz, 18. Aug. (1 Uhr morgen?.) Man hört ununterbrochen Gewehr- und Handgranaten- feuer. Die Menge bemächtigte sich eines vor dem Haus der interalliierten Kommission stehenden Autos, ohne von den BesstznngStrupven baran gehindert zu werden. Angesichts der furchtbaren Situation Ver- ft-nbelte soeben ein französischer Offizier direkt mit der Menge und stellte die Auslieferung der Waffen in Anssicht. Von anderer Seite verlautet, daß die Be­satzung bereit ist, die Waffen in die Obhut der Eicher- ijeitgbeamten zu geben.

(Die erregte Stimmung der Oberschlesier und da­mit die blutigen Zusammenstöße dürften auf die ffene Unterstützung, die die Polen unausge>etzt von den Fran­zosen erhalten haben, zurückzuführen sein. Die Red.)

Aus Weslyreutzstt.

WB. Marienwerder, 17. Aug. DieNeuen westpreußifcheu Mitteisuuaeu" melden:

Die interalliierte Kommission verließ gestern aben\ nachdem sie vorher die Verwaltung des we'tpreußncheu Abstimmungsgebietes an die deutsche, resp, b'e eines kleinen Teiles an die polnische Reaftrung abgegeben hatte, unsere Stadt. Um 3 Uhr nachmittag? fand ein kurzer Uebergabeatt im Gebäude der Landschaft, dem bisherigen Sitz der interalliierten Commission statt, wobei der deutsche Bevollmächtigte für das westpreuw>c! e Abstimmungsgebiet, Graf von Baudissin, und der Vor­sitzende der interalliierten Commi fron, Exzellenz Pavia, Ansprachen hielten. Um 6 Uhr abends mürben die Bahnen der alliierten Delegationen vom Gebäude der Landschaft feierlich heruntergeholt. Bei der Abfahrt des Sonderzuges der interalliirtcn Kommo'üon fang die auf dem Bahnhof versammelte Menschenmenge Deutschland, Deutschland über alles.'

In einer heute bcöffentluttcn Verordnung des deutschen Bevolliuächtigten heißt es, daß von jetzt ab für die deutsch gebliebenen Te le des westpreußischen AbstimiiiiingSgebietes die deutschen und preußischen Gesetze unb Verorsuungcu Gültigkeit haben. Die Ab- stimmungs- und Grenzpolizei trägt feit ge rern wieder die alte grüne Uniform der Sicherheitspolizei. Ti- öffentlichen und viele Privatgebäude tragen Flaggen- schinuck.

WB. Ma"ienwerdcr, 17. Aug. DieNeuen westpreußischen Mitteilungen" melden:

Die Polen besetzten gestern vormittag von Mewe auS das ihnen durch die Eut cheidnng des Botichaiter- rate? in Paris zngesprochene Gebiet auf dem östlichen Weichselnier. Die Besetziiiig wurde größtenteils durch polnische Gendarmci ie anSgefüh'ck. Da man deutscher­seits befürchtete, die Polen würden sich Grenzüber- schreitungen und andere Uebergriffe zu Schulden kommen lassen, waren für heute nackt umfangreiche Vorsichts­maßregeln seitens der deuischen Behörden getroffen worden. Die Nacht ist indes ruhig verlaufen. Siele deutsche Einwohner haben das Polen zngesprochene Gebiet fluchtartig mit ihrer Habe zu Fuß und Wagen verlassen. Eine Hilisaktiou für die Flüchtlinge wurde in Marienwerder in die Wege geleitet.

Ein inkernakionalerSandarbeikerbunS.

WB. Amsttl-atti, 17. Aug. Hier wurde heute bet internaiwncile Landarbeitenongreß eröffnet, der die Gründung eines internationalen Landaivutcrbnndcs gezweckt. Vertreten waren Verbände von Landarbeilern auS England, Cckoltland, Tentickland, Schweben, Dänemark. Deutsch-Oesterreich, Heloten, Italien uns

Holland. Die Franzosen waren wegen finanzieller Schwierigkei.en nicht erschienen. Auch die Polen und Tschechen fehlten. Eine Rcwlution gegen bin Krieg wurde einstimmig angenommen. Hierauf beschloß der Kongreß unter lebhaftem Beifall grundsätzlich die Er­richtung eines internationalen Landarbeiterbundes.

Vsm Vslkerbun-.

WB. Genf, 17. Aug. Der StaatSrat wur!^ olfiziell benachrichtigt, dag der Völkerbundral gemäß dem Wunsche des Präsidenten Wilson beschlossen hat; die erste Vollversammlung des Völkerbundes am 15. November in Genf zu eröffnen. Diese Konferenz wird mehrere Wochen dauern.

Goldwährung und Goldvorral.

DieTimes" vom 14. August schreibt: Alle Länder Europas haben heute Papierwährungen, die nicht fundiert sind und ihre Valuten schwcrn, len hilflos bei dem Sturm, wegen der wirtschaft­lichen Desorganisation- Das Problem, das die Fincmzwelt zu lösen hat, besteht darin, ein festes Verhältnis zwischen den Währungen und einet bestimmten Warengattung zu fixieren. Vor delß Kriege war diese Ware das Gold; unb wenn bi« Geschichte in dieser Frage recht hat, dann wird Gold auch künftig die Werteinheit sein. Während in der ganzen Welt ungeheure Mengen Papier­geld gedruckt worden sind, hat die Goldproduk- Uon tatsächlich ernstlich nachgelassen. Im Jahre 1912 betrug die Goldausbeute 95,9 Millionen Pfd. Sterling zum Mindestpreise von 85 Shilling die Unze fein. Im Jahre 1919 betrug die Aus­beute 72 Millionen und dieses Jahr wird die Ausbeute noch geringer sein. Nach Abzug der Golbaufsauchung durch die Industrie, durch In­dien und Aeghpten nimmt man an, daß seit 31. Dezember 1912 der Vorrat an Gold von 1 Mil­liarde 546 Millionen Pfd. Sterling auf 1 Mil» Iiar.be 952 Millionen absolut gewachsen ist. Aus den Kopf d-r Bevöfteruna kamen 1893 i Gold; im Jahre 1918 stieg dieser Betrag uns 259 Pence und 1919 auf 261 Pence. Aber die Zu­nahme hat höchstens mit der Zunahme der Be­völkerung Schritt gehalten. In Anbetracht der Abnahme der Goldausbeute, des umlaufenden Papiergeldes und der schwebenden Schulden, die als Ersatzgeld fungieren, ist bei Feststellung der europäischen Währung auf eine Goldwährungs­Grundlage, in voller Erkenntnis die Tatsache in Angriff zu nehmen, daß mit Gold sparsam um- gegangen werden muß. Das bedeutet, daß es für Lander wie Oesterreich, mit seiner gewaltigen Masse Papierkronen, nutzlos ist, die Frage auf der Grundlage von 24,2 Kronen gleich 1 Pfd. Sterling zu lösen. Abgesehen von anderen Schwie. rigkeiten fehlt es auch an Gold für diese Aufgabe. Die Frage der Betonung diese? Goldbestandes für die Zwecke entwerteter Währungen, muß früher oder später an gepackt werden und je eher es geschieht, desto besser wird Europa sein Werk des Wiederaufbaues in Angriff nehmen können. Für diesen Zweck hat eine Reihe von Ländern einen gesunden Goldvorrat auch für die Zukunft nicht zu erwarten. Für diese Länder wird es nötig sein, eine andere Basts zu nehmen. Zum Beispiel teils Gold, teils Sicherheiten oder Banidepots in Newyork und London- Diese Basis wird in einem bestimmten Verhältnis zur Entwertkung der Wäh­rungen stehen müssen, sodass es möglich ist, den Wert der Währungen nach ihrer Kauflcast zu be­stimmen- Z- B. wenn 1000 österreichische Kronen nicht mehr als für D6 Dollar Güter in Amerika, und Oesterreich kaufen können, so wird der Wert der Krone etwa diesem Verhältnis analog be­stimmt werden, z. B. 1000 Kronen = 2 Pfd. Sterling. 'Die Aufsauchung der Goldvorräte durch Indien bildet einen wichtigen Teil des Gold. Problems. Die Entwickelung des indischen Bank­wesens, der das englische Währungskomitee voll« Aufmerksamkeit zuwendet, wird dazu beitragen, das Gold zu Hamstern, uns damit den Verlust für die übrige zivilisierte Welt an Gold für feine Währunasfraaen. Wenn die indischen Einge­borenen das Bank- und 5ireditsystem annehmen, wird die Grundlage für Indiens Handel und Industrie erweitert und es gäbe eine gute Aus. sichi für die allgemeine Wohlfahrt, weit über dt« gegenseitigen Grenzen hinaus. Die Banksachver» ständigen tun alles, was in ihren Kräften stehtz um die wirtschaftliche Entwickelung Indiens ztt fördern-

Einbruch in die ukrainische Gesandtschaft. Fassadenkletterer suchten in Berlin die ukrainischen Gesandti'chasisräiline beim. Sie kletterten an her Straßenfront des Hau (es bis zum 1. Stockwerk empor, stiegen durch ein offenes Fenster unb stahlen für mehr als'20 000 Mark Decken, Vorhänge und zwei kleine Teppicke. Eine a'tertümliche Klavie decke hat allen» einen Wert von 10 0M Mark.

(Weitere Politische Nachrichten auf Seit« 5.).