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Ar. 191

AmMches Organ für ElaS!- mrd Landkreis Sans«

Erscbsinl täglich mit Ausnahme ba Lonn- und Feiertage

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Monlag den 16. August

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Verlagsleitung: Ab. Jndermühl«.

Verantwortlich: für oolitilcken und allgemeinen TeilRich.Sultick: für lokalen und orovinziellen Teil sowie Sport W. MoriK, für Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle in Hanau a.M.

Rotationsdruckd. Waisenhausbuchdruckerei Hanau Fernivrechanicklüile Nr. 1237 und 1238

1926

Das Neueste.

Die deutsche Regierung verwahrt sich in einer Protestnote gegen die in einer Ententenote als end gültig bezeichnete Zuweisung des östlichen Weichfel- gferS an Polen.

Um die Stadt Warschau wird heftig gesümpft

Die russischen Truppen wurden im ehemaligen preußischen Soldau mit lautem Jubel begrüßt.

Die sozialistischen Parteien Bremens demonstrierten gestern für die strikte Neutralität Deutschlands im Sampfe Polen-Außland.

Ueber die Regelung her österreichischen Schulder, ist zwischen den englisch-französischen Regierungen einer­seits und der österreichischen Republik andrerseits ein Uebereinkommen zustande gekommen.

In Spannung.

Lloyd George wird Millerand zunächst nicht Wiedersehen. Der englische Staatsmann geht in Urlaub, während Millerand seine Rundreise fort- setzt. Inzwischen werden die Russen Warschau erobern, um gleichzeitig in Minsk den Polen die Friedensbedingungen vorzulegen. Wie diese Be­dingungen ausfallen? Sie werden nicht nur das Gefüge, das in Versailles geschaffene Zwit­tergebilde, lockern, sondern auch das Werk von Versailles abzubauen beginnen. Der russisch-pol­nische Krieg hat nur seine Ursache im Versailler Vertrag. Dieser Vertrag hat die Staaten im Osten geschaffen, die keinen wesentlichen Da­seinszweck haben, sondern nur polizeiliche Be­fugnisse erfüllen sollen. Welche Vorstellungen die Ntheber des Vertrags von der Lebenskraft gehabt Wen, als sie tue M.^^u^

wiesenen Gebiete von Mitteleuropa und Rußland getrennt haben, die sie zu sprengen suchten, das mochte einige Zeit gelingen, aber dann sammeln sich auf beiden Seiten um so stärker die Energien, die die künstlich errichteten Hindernisse, die Stacheldrähte wegräumen. So mußte auch der Krieg zwischen Rußland und Großpolen einmal kommen. Er ist nicht durch die bolschewistische Werbekrast bedingt, sondern durch das zwingende Bedürfnis, offene Türen im Westen zu erhalten. Wenn es General Wrangel unter dem Beistand der Westmächte und der Vereinigten Staaten ge­lingen sollte, die Sowjetrepublik zu zertrümmern und das russische Reich mit oder ohne autokra- lische Spitze wieder zu errichten, so wird es eines LÄges das unabhängige und selbständige Polen auslösen müssen. So gut England kein unab­hängiges Irland vor seinen Toren duldet, weil es äon ihm eine Beeinträchtigung seiner wirtschaft­lichen und politischen Stellung fürchtet, ebenso­wenig kann ein starkes und mächtiges Rußland ich von Mittel- und Westeuropa abdrängen lassen. Die drei Staatsmänner, die Polen künstlich ge- 'chaffen haben, stimmten wohl im Ziel überein, rber in den Beweggründen nicht, da selbst diese wieder gegeneinander wirkten. Clemenceau wollte Ä unabhängiges Polen, um Deutschland im Osten in Schach zu halten, ohne politisches Ver- Mndnis dafür, daß auch wieder einmal ein mäch- Ws Rußland entstehen könnte. Llohd George sah nur die Möglichkeit, die englische Einfluß- zone in Ost- und Südeuropa auszudehnen und ju befestigen. So ließ er Zwitterstaaten zu, von denen er voraussagte, daß sie immer am britischen wancelbanbc bleiben müßten. Und im Süden iah England Konstantinopel als reife Frucht Aulen, dessen Besitz auch Kleinasien sichert. Wilson aber hatte nur die moralische philosophi­sche Vorliebe für unterdrückte Nationen außer- Mb der Vereinigten Staaten, sowie eine sträf- y Unkenntnis besonders der osteuropäischen oechichte, das zusammen möglich machte, daß er ? den Polen Halden und Dulder sah, die auf chre Befreiung warteten. So entstand ein Polen, ^llen Grenzen weit über den nationalen Ernst Miausreichte, weil diese auf seinem Weg für den uperialistischen Größenwahn der Polen uner- g m^ w^- Ebenso auch für Frankreich, das '"* Polen wünschte, das als Bundesgenosse zu ^Overten war. Es war kein Zufall, daß die Polen in Ausführung ihrer Aufgabe in die tonte, entfielen. Ohne Wissen der Westmächte "lcht geschehen, also auch nicht ohne Enss- Das ist durchaus möglich, weil die Poli- . ein unübersehbares weites Feld vor sich W^ die Polen von den Bedingungen, "Men in Minft gestellt werden, annehmen Jen oder nicht, das ist ihre Sache. Zeigen sie ? widerständig im Vertrauen auf Frank- JJ3 Hilfe, so haben sie dam - eine Galgen- U gewonnen. Frankreich w. rangel unter- Aber selbst ein siegtekyer Wrangel kann Ä Richt mit der Eroberuno Moskaus und

Petersburgs begnügen, er wird auch Riga und Warschau einnehmen müssen, abgesehen von dem Interesse, das das wiedererstandene Rußland am Goldenen Horn hat. Indem Frankreich für Wrangel marschiert, bereitet es selbst Polen den Untergang, damit aber auch dem Vertrag von Versailles, der auf nichts anderes sieht, als von seinen Verfolgern vernichtet zu werden. Allein Wrangel ist noch nicht Sieger. An die Tore Marschaus pocht die Faust der Bolschrwisten. Auch sie können nichts anderes tun, als um sich selbst zu retten, die Wege nach dem Westen zu öffnen. Wahrscheinlich werden sie den Polen die Sowjetverfassung nicht aufzwingen, aber sie er­warten das von ihren Anhängern in Polen, deren Bewaffnung Tschitscherin ja ausdrücklich in Aus­sicht gestellt hat. Die Tatsache, daß trotz alledem Llohd George seine Urlaubsreife antritt, könnte als Entspannung gedeutet werden, wenn nicht andere Meinungen dafür zeugten, daß die Lösung des osteuropäischen Problems sich nun doch wohl unaufhaltsam abrollen wird. Nach der Erledi­gung Polens werden sich die Bolsch^wisten mit Wrangel beschäftigen müssen, dessen Sieg oder Untergang indessen keine Stütze für die franzö­sische Ostpolitik im Sinne des Versailler Vertrages sein wird.

PolenNutzlanL.

Die Schicht vor Warschau.

WB. Paris, 15. Aug. DerTemps" stellt fest, daß heute vormittag in Paris kein Funk- ivruch über die militärischen Operationen in Polen eingetroffen ist. Man habe lediglich er­fahren, daß die Schlacht vor Warschau weiter­gehe, und daß Polen einen ersten Erfolg erzielt hätte. Dieser lokale Vorteil gestatte jedoch

äuszusprechen.

Warschau vollständig eingeschloffen.

Ein mit zwei polnischen Offizieren besetztes Flug­zeug landete unweit Soldau. Sie wurden sofort von den Russen im Haft genommen. Bei ihrer Vernehmung erzählten sie, daß sie aus Warschau kamen und die Stadt vollständig eingeschlossen sei. In der Stadt sei eine Panik ausgebro den. Die fränzösisben Offiziere babe» die Stadt fluchtartig verlassen. Auch die Be­völkerung verläßt die Stadt.

Die Besetzung von Soldau.

Die Russen als Befreier.

Nach einem Bericht des KriegSberichterstatterS der Voss. Ztg." wurden in Soldau die einziehenden Russen von den verängsteten Bewohnern, die zum Teil während der kurzen Beschießung in die Keller geflüchtet waren, mit lautem Jubel und Hurra-Rufen begrüßt. Bald zeigte die neuaufzebaute Stadt, in deren Straßen noch hohe Ziegelhaufen von der Wiederaufbau- tätigkeit zu feilen sind, mit vielen schwarz-weiß-rote« Fahnen ihre unvergängliche deutsche Gesinnung. Der russische Truppenführer wurde Dom stellvertretender, deutschen Bürgermeister begrüßt. Das polnische Ober­haupt der Stadt war mit dem Starosten schon vor einigen Tagen geflüchtet. Der Bürgermeister gab seiner reinen Freude über die Befrein»! von dem unerträg­lichen Terror der letzten Monate Ausdruck. Die Oand zum Schwur erhoben, antwortete der russische Führer: »Ich gelobe, daß wir diese? alte deutsche Land nicht eher wieder verlassen, als bis eSD eutschl and wieder zugesprochen wird." Dem stellvertretenden dentschen Bürgermeister wurde oon dem russischen Kommissar der Auftrag gegeben, die Stadt in Selbstverwaltung zu übernehmen und einen Bürgerausschutz zu bilden. Nur eine Bedingung wird gestellt: daß kein polnisches Mitglied im Bürger- ausschuß sein darf.

Eine Abteilung der Division ist mit klingendem Spiel in Richtung Löbau vormarschiert und hat be­reits die Bahn nach Deutsch-Eylau über chritten. Die Hauptmarschrichtung geht gegen ThornEraudcnz Posen. Alle Gerüchte, die von Bildung roter Armeen an der Grenze auftauchen, entspreche» nicht den Tatsachen.

WB. Königsberg i. Pr., 14. Aug. DieNei- benburger Zeitung" berichtet, daß der im Sol- bauer Abschnitt kommandierende französische Ma­jor Testard bei Scharnau über die deutsche Grenze zu kommen versuchte. Er wurde aber nicht durchgelassen und sollte interniert werden. Er verschwand darauf^ und soll später in der Gegend von Usdau wieder gesehen worden sein. Inzwischen erging von der internationalen Kom­mission der Befehl, ihn festzunehmen. DieNei- benburgec Zeitung" meldet weiter, daß russische Patrouillen in der Richtung auf Lautenburg Vordringen-

Keeresbertchk.

D. PariS, 16. August. Tier gestrige polnische Heeresbericht sagt, daß die Polen bei Plonsk eme konzentrische Bewegung unternewuen. Die pomisch n Abteilungen haben 3 bolichewssulche Regimenter auf- geneben, 230 Ge-angeue gemalbt und Maschinen­gewehre erbeutet. Die Aktion entwickelt sich zufr>edcn- uelleud. Die Polen haben Nowt-Ai esto iino Smard- ^wo mrücterobeit. Im Osten bit ein bolschewistischer Aimrikf beaonneu. der d»? Bal«ch»viüeu vaiüberaeheud

der austauchten. Diese stille Mobilisation wiri von militärischer Seift auf einige Millionen Kosten geschätzt, womit nichts erreicht wurde im Ernstfalle zu sehr unangenehmen Zuftänix hätte führen können.

Für Deutschlands DeulraliMl.

WB. Bremen, 15. August. Die drei sozia­listischen Parteien Bremens veranstalteten gestern nachmittag eine große Massenkundgebung zu Gunsten des Friedens -bezw. für die strikte Neu­tralität Deutschlands im Kampfe Polens gegen Sowjetrussland. Es nahmen schätzungsweise 1214000 Menschen teil, von denen sich viele nach einer Rede des Reichstagsabgeordneter Henke zu einem Demonstrationszuge durch die Stadt vereinigten, der nach den bisherigen Fest­stellungen ruhig verlaufen ist. Da sich die An­gestellten der Straßenbahn an der Kundgebung ebenfalls beteiligten, ruhte der Verkehr bei Straßenbahn zwischen 12bis 5 Uhr.

Eisenbahner hatten wieder einen Zug an.

D. Schneidemühl, 16. Aug. Gestern wurde ein nach Dculich-Eylau bestimmter Transport durch die Arbeiter angehalten. Bei der Dnrchsuchunci ergab sich, daß außer englif J en und französischen Soldaten sich Munition und LebenSmittel im Zuge berauben.. Die Arbeiter nahmen an, daß der Zug von der nächste» Station, Kowez aus auf ein polnisches Geleis über­geleitet werden sollte und die Lebensrnittel und die Mimitionsmengcil für Polen bestimmt seien. Vor­läufig befindet sich der Zug unter Bewachung bet Arbeiterschaft in Schnewemühl,

Noske über Polen-Rußland.

Limburg a. d. L., 15. August. Der frühere Neichswehrministei^ Noske sprach -heute hier über die politische Lage und beschäftigte sich eingehend mit den augenblicklichen Verhältnissen im'Osten. Es sei natürlich, daß weite Steif?

Volkes infolge des sieareichey Vorgehens der Dolschewiftsn im Hinblick auf die Konvention von Tauroggen eine Erleichterung unserer Lage erwarteten. Doch müsse die strengste Neutralität deutscherseits unbedingt gewahrt werden. Et teile nicht die Auffassung, daß Polen vernichtet werden müsse. Im übrigen gäbe es in Ruß­land nichts, wofür die deutschen Arbeiter sich begeistern könnten.

Die Gesandlschafien Verlassen Warschau.

wb. Berlin, 15. August. Der deutsche Ge­sandte in Warschau, Graf Oberndorff, ist gestern mit den Chefs der anderen fremden Missionen aus Warschau in Begleitung eines Vertreters des polnischen Ministeriums des Aeußern in Posen eingetroffen. Wie wir hören, hat auck Lord d'Abernon, Warschau verlassen.

wo. Paris, 15. August. Havas. Rosste hat heute abend Paris verlassen, um sich nach Rumänien zu begeben.

Der finnifch-russ. Wafsenslillslaud.

WB. Helstngfors, 14. Aug. Der zwischen Finnland und Rußland geschlossene SBaffenftiU* 'tand, der auf die Dauer von 31 Tagen ge» schloffen wurde, enthält die Abtretung Kareliens und zwar zwischen dem See Ladoga und dem Golf von Finnland und Garantien über den Golf von Finnland zugunsten Rußlands.

Die Regelrrnq

der österreichischen Schulden.

WB. Wien, 15. Aug. Amtlich wird mitgeteil^ daß am 3. August zwischen der s ran z ö fischen Regierung und »er österreichischen Republik ein Ueber» einfommen über die Regelung der öster­reichischen Schulden iuftenbetam, wodurch ZahlungSmoda'itäten »er österreichischen VorkriegS- schulden ober der währen» des Krieges fällig ge­wordenen Schulden geregelt werden. Das Uebereüi« kommen Wir» den beiderseitige» Parlamenten zur Ge- nehmigung vorgelegt werden. Der Ausgleich soll durch die Schaffung von Aiisglcichsämtcr» zwischen den französischen Gläubigern und den österreichischen Schuldner» und umgekehrt gefördert Werben. Für direkte Ausgleiche soll eine ausreichende Frist gegebn werden. Deshalb solle» bie beiden Ausgleickrämta ihre eigentliche Tätigkeit erst am 1. April 1921 be­ginnen. Zwischen den Gläubigern und Schuldnern abgeschlossene direkte Ausgleiche sind den Ausgleich». ändern vor dem 1. Februar 1921 anzugeben. Den beiderseitigen Ausgleichsämtern wird baun nur noch tue Regelung jener Forderungen und Schulden ver­bleiben, die innerhalb der vorgesehenen Frist nicht an­gegeben sind. Zur Verstärkuiig der im Fricdciisver» trage zugunsten bet fron öfiidjen «laubiger vorge- sehnten Sicherheiten erklärt sich die österreichische Repriblik mit den österreichischen Sdbulbnern solidarisch haftbar. Das Uebereinkommen gewährt anbererieül zugunsten Oellcr eichs und der österreichischen Schuldnern Z ä l u » g S f r 1 st c n.

Z le Londoner Verhandlungen bei Staatssekretärs Ressch zur Regelung der VorkriegS. 'chulvtn Oesterreichs an Eug.and find in befriedige» der Weise abgeschlossen worden.

(Weitere Politische Nachrichten auf Seite 5,1

in den Besitz von Radzyen gebracht bat, was die Division der Weiß-Litauer zurückeroberte.

D. Ntteusiet», 16. Ang. D e polnische Armee hat auf dem rechten Weichselufer die letzten Vertcidi- gnngsstelluugen bezogen. Die Stellungen laufen in einem starken Dogen von unterhalb Warsiban bei Nowogeorgiewik bis nach Jwangorod, südlich der Hauptstadt in einem Absiand von etwa 20 bis 30 km von Warschau. Der Vormarsch der Russen dauert an und bewegt sich in Richtung auf ©rauben} und Tborn. Die Buglinie ist für die Polen unhaltbar geworben, weil die Russen südlich des Bug stehende Verbände im Rücken gefaßt haben. Die Weichsel würbe von den Russen bei Nowogeorgiewsk erreicht DaS nächste Ziel der Russen ist Lodz. Weiter östlich wird der Vor­marsch nach Wlastawek 'ortgeictzt., um die von Warschau nach Thorn führende Straße zu sperren.

Grenz- und Orlswehren in Ostpreußen

WR. Königsberg i. Pr., 15. August. Der Oberpräsident erläßt einen Aufruf an die Be­völkerung Ostpreußens, in dem er zum Schutze der Heimat und zur Wahrung der Neutralität die Bildung von Grenz- und Ortswehren ge­nehmigt. Alle Schichten der Bevölkerung sollen in diesen Wehren gleichmäßig vertreten sein.

WiUsK.

WB. Paris, 14. Aug. Der Sonderbericht­erstatter desMatin" meldet aus Warschau: Die polnische Regierung entschied, das letzte bolschewistische Angebot als aufrichtig anzusehen, und die polnischen Unterhändler reisten deshalb am Freitag nach Minsk ab.

Trotzki leitet die Friedensverhandlungen.

D. Königsberg, 16. August. Trotzki ist in Minsk eingetroffen und wird dort die am Montag beginnenden Friedensverhandlungen leiten.

M Girr 5wet1.es MUMMW^

WB. Paris, 14. Aug. Der Korrespondent desTemps" in London glaubt zu wissen, daß bie* der polnischen Friedeusdelegation zu über­mittelnden Waffenstillstands- und Friedensvor­schläge von denen, die Samenero am 12. August Lloyd George mitteilte, stark abweichen. Seiner Kenntnis nach wird die Sowjetregierung Punkt für Punkt den hauptsächlichsten Klauseln des Versailler Vertrages folgen, um gegenüber Polen dasselbe Verhalten zutage treten zu lassen, wie es die Alliierten Deuischland gegenüber einge­schlagen haben. Im Osten würden die Grenzen gegen Sowjetrußland bedeutend günstiger als die Lloyd George-Linie. Sie seien aber nicht gewillt, irgendwelche Garantien für die Aufrecht­erhaltung des polnischen Korridors zu geben. Der Korrespondent desManchester Guardian" meldet, daß die Sowjetregierung von Polen be­deutende Lieferungen an Lokomotiven und rollen­dem Eisenbahnmaterial verlangen werde.

Wirrwarr in öer franz. Mttilär- verWÄüurrg.

Jpu. Paris, 15. Aug. In der französischen Militärverwaltung herrscht zur Zeit ein derarti­ger Wirrwarr, daß man im Kriegsministerium kaum noch die Standorte der französischen Trup­pen genau kennt. Seit Wochen sendet Frankreich große Truppenmassen nach dem besetzten Rhein­gebiet und nach Elsaß-Lothringen. Wiederholt bleiben die Truppenzüge tagelang auf den Sta­tionen unterwegs liegen, weil wieder Gegenbe­fehle gekommen waren und die Kasernen, wohin die Truppen transportiert werden sollen, ubec- füllt sind Dann hat man aus Elsaß-Lothringen wieder zahlreiche Militärtransporte in de» letz­ten Wochen nach südfranzösischen Häfen ^ab- transportiert. Am Montag kam ein solcher Transport wieder nach Nancy zurück. In den Festungen an der Nordgrenze befinden sich Zehn­tausende von Reservisten, die zu Uebungen ein­gezogen wurden, aber tatsächlich dazu bestimmt sind, um im Notfalle die Besetzungstruppen im Rheinlande abzulösen, wenn biefc eine andere Bestimmung erhalten sollten. Ernstlich scheint Frankreich die Truppendurchfuhv durch Deutsch­land in großem Stile vorgehabt zu haben, doch waren sich die Autoritäten über den Weg, den die Truppen einsllilagen sollten, nicht einig. Am Dienstag sandte das Kriegsministerium nach allen Truppensiandocien einen Befehl, um sofort telegraphisch ihn den anwesenden Truppenkon­tingenten mitzuteilen. Dabei stellte es sich her­aus, daß Truppen, die man in Colmar oder Mül- Hausen vermutet hatte, sich in Mainz und am Rhein befanden, wovon man im Kriegsministe- rium keine Ahnung hatte. Jetzt ist eine Truppen- inspektion angeorbnet tporben, um den Wirrwarr aufzulösen. Nun befinden sich aber auch zahl­reiche Materialtransporte überall unterwegs, die teilweise durch den Streik im Saargebiet auf- aebalten wurden und an verkehrten Stellen wie­