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Ar. 189

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Mail- Landkreis Sana«

Erschein! iaglich mit Ausnahme bei Sonn» und Feierlage

Freilag den 13. August

Derlagsleitung: Ad. Jndermühle.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen TeilRich. dultichrkür lokalen und provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle in Hanau a. M.

Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei Hanau Fernivrechanschlüsse Nr. 1237 und 1238

1920

Das Neueste.

Die Anerkennung des Generals WrangelS durch die französische Regierung hat einen scharfen Gegensatz zwischen London und Paris hervorgerufen.

Die Anerkennung des Generals WrangelS wurde gestern durch den französischen Botschafter in London notifiziert.

In politischen Kreisen rechnet man mit einer neuen Zusammenkunft Millerands und Lloyd Georgs am kommenden Sonntag in Boulogne.

Die polnische Delegation für Minsk hat gestern Warschau verlassen.

Die Streiklage im Saargebiet ist im allgemeinen unverändert.

Genf un- -ie Schuldsrage.

Was dem Gentleman Lloyd George nicht ge­lungen ist, uns ein Schuldbekenntnis für die Entstehung des Krieges abzupressen, haben die englischen Arbeitervertreter von ihren deutschen Kollegen ohne große Mühe in Genf erhalten. Täuschen wir uns darüber nicht: ganz England wird in dem Augenblick, wo seine Politik von dem schmählich betrogenen russischen Volk wieder ein­mal anschaulich entlarvt wird, diese Tatsache als einen Sieg buchen, dem man vielleicht mehr Be­deutung beimißt, als dem Schwindel von Ver­sailles. Der Vorgang beweist, daß man in Deutschland an maßgebend auftretenden Stellen noch immer keine Ahnung von den historischen Vorgängen hat.

England beherrscht auf Grund seiner Jahr- - r«mMM stehe die Beispiele an Holland, Frankreich, Süd- aftika mit List und Tücke zu Boden; wenn es möglich ist, läßt es diese Arbeit mit Vorliebe von Bütteln versehen; so zettelte es den japanischen Krieg gegen Rußland an, was Rußland in sei­ner grenzenlosen Kurzsichtigkeit nicht verhinderte, fich 1914 zum Büttel gegen Deutschland anwer­ben zu lassen . Was tat Deutschland seit Jahr­zehnten? Es arbeitete rastlos wie kein Volk der Erde, um zu leben und verschenkte seinen reichen Ueberfluß an Arbeitskraft an fast alle Völker der Erde, nicht zuletzt an unsere geschwo­renen Feinde England und Amerika. Der Jahr­tausende alte Kräfteüberschuß der Germanen, dessen siegreiche Völkerwanderungen die Quelle fast der ganzen menschlichen Kultur geworden sind, deren Verdienste auch von keinem englischen Historiker bestritten werden können, kam in einem friedlichen Abfluß fast der ganzen Menschheit Mgute. Wir begingen daneben den alten napo- eonischen Fehler, Waffen zu schmieden, die sich letzten Endes bei der Weltfitr?ation immer gegen England richten. Nach Englands Anschauung meben wir deshalb ogressive Volitik, es gibt so­lar bei uns Leute, die den englisch-amerikanischen Keklameunsug glauben, wir hätten imperia­listische Politik getrieben; neben England gibt es keinen zweiten Imperialismus in der Welt; kann man diesen in Amerika erst mit Recht behaupten, so ist es mit dem englischen ebenso ilcher zu Ende. Der deutsche Imperialismus war mir eine geschmacklose, vor allem eine unbeuts^e Gebärde, die gewisse Leute dem englischen , Gallenstein abgeguckt Basten. Es ist kaum anzu- siebmen, daß die Engländer an dieser Geschmack- ^sigkeit mehr als erheiternden Anstoß genommen haben; der ernste Krieg, den England gegen uns bom Zaune brach, galt anderen Dinoen als dieser «ebärde. England ist das Land des Liberalismus, Dessen Sinn auch bei uns leider die wenigsten Missen haben. Es gab einmal vor einigen Jahrtausenden in Vorderasien ähnliche inweria- stiisch« Raubstaaten wie England: Babylon, Assyrien, Persien, die auch niemand in der um- togenden Welt aufkommen lassen wollten. Im mMf gegen d-c^e schmiedete ein unscheinbarer ffhuosoph in Athen Sokrates die neue we, daß sich jeder so zu verhalten habe, wie ö0 Nutzen sei wohlgemerffj eder"! ss Engländer von damals, die angeführten drei EU bezw. deren Plutokratie, waren bis ba» ä °er Ansicht gewesen, daß der Nutzen lediglich c,e Domäne sei. Man kann die sokratische Ironie er uns-bwer erkennen; denn seine Lehre war Standpunkt der damaligen Weltherren L?.t.^ssdeces als der Sinn der bekannten ^?'^diörter: was dem einen recht ist. ist dem billig, oder: was du nicht willst, das ,n dir tu. das füg auch keinem andern zu. Alles ist im Gegensatz zum ^Füb-"n" im- Unarchie; wer herrschen will, w'll seinen «en um jeden Preis, derFührer" ist dagegen 1 k>n Diener der Geführten. Man denke an

die bekannten Gegensätze: Louis XIV. l'etat c'est moi! Friedrich der Große Der König ist der erste Diener seines Volkes! So hatte So- krates den Weltherrn von ehedem lediglich ihren Anarchismus abgeguckt und hat ihn mit seiner Predigt zum Gemeingut gemacht; die demokrati­schen Herren von Athen, die Sokrates garnicht gemeint hatte, verstanden seinen Scherz nicht, fühlten sich vielmehr getroffen und ließen ihn da­für den Schierlingsbecher trinken. Hätte So­krates ihnen gesagt, ich meine euch garnicht, son­dern die Engländer in Mesopotamien, so wäre ihm der bittere Kelch vielleicht erspart geblieben. Aber wie dem auch sei, die Welt nahm das sokra­tische Gesetz an und lebte von da ab nach ihrem Nutzen. Man kann den modernen Engländern deshalb garnicht übel nehmen, daß sie, als man im 15. Jahrhundert wieder mit der griechischen Philosophie in Europa vertrauter wurde, es war gerade um die Zeit, als andere Völker, Spanier und Portugiesen, ansingen die Welt zu ent­decken und zu verteilen, die sokratische Nützlich­keitsethik wieder auswärmten und, nachdem sie sich mit ihrer Hilfe die Weltherrschaft gesichert hatten, behaupteten, es fei eine Sünde gegen den heiligen Geist, wenn ihnen irgend jemand dieses liberal erstrittene Gut streitig machen wolle; der Liberalismus proklamierte den Kampf ums Dasein, nachdem er ihn bereits gewonnen hatte. Mit der Predigt des Liberalismus sicherte sich England für alle Zeiten den Rechtstitel, wonach es jedem Nichtengländer, der es wagte, auch seinen Nutzen zu erstreben, schließlich sogar jeden, der gegen den Nutzen Englands, der mit der Zeit außerordentlich anspruchsvoll wurde, irgend ein Bedürfnis hatte, mit. dem Zorn des Gerechten zu Boden schlagen konnte; nach den Anschau- geschieht ihm 'bann immer nur GerechtkykeÜ. England ist sonach, solange es seinen Nutzen wahrt, immer im Recht, und jeder andere, der es wagt, dasselbe zu tun, immer im Unrecht. Da­ran ändern alle anglo-amerikanischen Schauspiele wieDie 14 Punkte" oderDer Völkerbund", mögen sie auch selbst innerhalb Deutschlands mit noch so großem Erfolg aufgeführt sein, nichts. England hat auf dem Umweg über Sokrates dem alten asiatischen Despotenanarchismus unter dem schönen TitelLiberalismus" eine neue Blüte er- cffnrt. Der augenfällige Vorteil, den es dabei hatte, war der, daß es einen neuen Sokrates nicht zu fürchten brauche; denn England war, seitdem es die Weltherrschaft für sich gesichert hatte, nie so illiberal, die Richtigkeit der sokratischen Lehre zu bestreiten. Diese große Geste sicherte ihm auch immer nicht nur eine beifallsfrohe Claque, son­dern in allen kritischen Augenblicken auch tätige Arme, die sich für den Liberalismus zu Nutz und Frommen Englands opferten, darunter das deutsche Volk an allererster Stelle, als es den illiberalen Gewaltmenschen Napoleon Bonaparte den Helden der französischen libert6 ums Leben zu bringen galt. Wie liberal sich England für solche Dienste großmütig erweist, beweisen die Ereignisse von 1870/71. Was aber 1871 gerecht war, ist. seitdem wir napoleonische Allüren an­genommen haben, schreiende Ungerechtigkeit ge­worden. Wenn der Spieß wieder einmal umge- dreht wird, dürfen wir Elsaß-Lothringen viel­leicht wieder einmal erobern; dann sind wir wie­der die gerechten mit England, und letzteres hat bei diesem schönen Spiel immer die Rolle des großmütigen Schenkels, ohne sich erheblich in Un­kosten stürzen zu müssen.

Unsere geschmacklose napoleonische Gebärde ist erledigt; der Krieg gegen uns geht aber weiter. Das große Schuldbekenntnis der Sünde gegen den heiligen Liberalismus fehlt noch: das preußische Suum cuique" jedem das Seine, das sich nicht unter die Anarchie der Nützlichkeitsethik und damit nicht unter den englischen Liberalismus beugen will, ist eine Sünde gegen den heiligen Geist Englands Nur die deutsche Arbeiterschaft beziehungsweise Leute, die bisher als Führer der­selben angesehen wurden, haben es jetzt in Genf fertig gebracht, auf Verlangen von englischen Ar­beiterführern. denen die Anarchie des Liberalis­mus viel zu tief in den Knochen sitzt, als daß sie dem sozialen Geiste der Ordnung eine Konzession machten, ein schmähliches Schuldbekenntnis ab- zulegen, das nur ihr völliges Unverständnis für englische Weltanschauung beweist. Schreitet man auf dieser Bahn fort, so kann man erleben, daß auch der Sozialtsmus nach dem Muster der so- kratischen Ethik zu Nutz und Frommen der/eng­lischen Plutokratie zur englischen Domäne «klärt wird. Es gehört ein '"aßlosts Unverständnis da- -u, in einem Augenblick, in dem England rerfe von ihm eigens gegen Rußland gedungenen pol­nischen Näubeckohor'en aus Geschäftsrücksichten im Stick läßt. au verkennen. daß die uuä in Ver­

sailles ob gepreßte Wiedergutmachung für Zer­störungen, die England mit seiner liberalistischen Räuberpolitik allein verschuldet hat, lediglich das Mittel ist. mit dem der Weg der Sozialisierung der deutschen Arbeitskraft zu Nutz und Frommen Englands bereits erfolgreich beschritten wird.

So sozialisiert England, während die deut­schen Arbeiter von amerikanischen Schmalzstullen leben und in einer durch englische Schuld auf den zehnten Teil ihres Wertes gedrückten Valuta entlohnt werden. Quisquis is est, timeo Danaos! Wir sollten uns vor englischen Anbiederungsver­suchen hüten, gleichviel ob sie mit der Gönner­miene des plutokratischen Gentlemans oder von Liberalisten in der Arbeiterjacke angetragen werden.

Französische Seilensprünge.

Anerkennung des General Wrangel.

Die französische Regierung hat ihrerseits den General Wrangel anerkannt und hat ihren Beamten in London verboten, mit Kamenew und Krassin, trotzdem sie von Lloyd George als bevollmächtigte Vertreter anerkannt wurden, zu verbandeln. Diese Nachricht bat in Eng­land wie eine Bombe eingeschlagen und eine starke Mißstimmung zwischen England und Frankreich her- vorgerufen. Der britisch: Geschäftsträger in Paris hat gestern eine ernste Note seiner Regierung über­reicht. Der amtliche sranzösische Bericht darüber bc- mübt sich, eine freundliche Miene anfzustccken, um den Eindruck zu erwecken, daß allenthalben eitel Wonne berrscht und das schönste Einvernehmen zwischen Eng­land und Frankreich besteht, daß nur ein kleiner Unter­schied der Unterschied der Anschauungen vorhanden ist, wie es auch unter Brüdern einmal vorkommt. Wir glauben, daß der jetzt hervorgerufene Meinnngsunter- schied doch nicht so leicht zu nehmen ist,' wie ilm da? französische Eommnmqnö hinste^t, zumal es 6e: l? der zweite weithin sichtbare Seiteniprung ist den sich ÄrrudwA i&L .uut .seiner, amtlichen Anerkennung

Politik in den RüKn 'fällt. Die krste Eigenmächtig-' keit Frankreichs war bekanntlich der unter einem nichts­sagenden Vorwand vom Zaun gebrochene Vormarsch in den Maingau, den besonders wir zu svüren be­kommen haben. Diesmal handelt es sich aber, vom englischen Gesichtsvuntte und vom Standpunkte der polnischen Interessen Englands betrachtet, um einen noch Diel gröberen Verstoß. Wie sich nunmehr die Dinge gestalten werden, wird die allernächste Zukunst lehren. Gelingt es der Kunst und der Willenskrast Lloyd Georges, die siranzosen wieder zurückzupseifen wie seinerzeit aus dem Maingau, dann kann allenfalls noch einmel da» Gesicht gewahrt werden.

Ueber die durch die Anerkennung WrangelS ge­schaffene Lage liegen folgende Meldungen vor:

WB. Paris, 12. Äug. Die Pariier Presse be­richtet, daß in der gestrigen Sitzung bie franzö­sische Regierung beichloffen habe, die Regierung des Generals Wrangel in Südrußlaud an- zuerkcnncn. In London habe diese Meldung eine große Erregung hervorgerufen. DerMatin" erklärt, memals sei Millerand auf den Gedanken gekommen, daß einer der Ministerpräsidenten allein Polen einen Rat erteilen und ihm die Äiinahme irgend einer Be­dingung empfehlen könnte, ohne die anderen befragt zu haben. Nachdem die französische Regierung be­stimmte Nachrichten aus Warschau erhalten habe, fei sie zu der Ansicht gelaugt, daß die polnische Regierung energische Anstrengungen machen werde, deren über­zeugende» Symptom ' die Ernennung beS Generals Weygand znm Oberbefehlshaber fei. Deshalb habe man geglaubt, nicht das Recht zu yaoen, zu mgen, die Alliierten gaben Polen den Rat, die rasten unter unheilvollen Bedingungen zu strecken-it ZUin Ausdruck zu bringen, daß Frankreich seinen früheren Verhaltungslinien treu geblieben sei, habe man sich dazu entichloffen, die Regierung WrangelS in Süd- rustland anzuerkennen. DerMatin" gibt zu, daß diese Tatsache zu einer höchst bedauerlichen Mei­nungsverschiedenheit genihrt habe die einen recht lebhaften Meinungsaustausch zwischen London unb Paris zur Folge haben werde. Dieser werde dadurch erschwert, daß gerade in diesem Angenblick Millerand zu einer Besicktigungsreise in das ehemals besetzte Gebiet abgereist sei.

D. Paris, 12. August. Der englische Geichästs- träger in Paris, Heuderion, hat heute dem General­sekretär deS Viinisterinms des Neuern einen Bestich abgestattet. Die Unterredung wälnte ungefähr 20, Stunden. Im Anschluß an die'e Unterredung, die in sehr freundichaftlicher Weise geführt wurde veröffent­licht das Ministerium des Aeußern folgendes C o m- m n n i q u e: Der englische Geschäftsträger hat heute vormittag den Generalsekretär im Ministerium des Aeußern eine Botickait seiner Reüernng überbracht. An» der zwischen Henderson und Palcologne geführten Unterredung ergab sich, daß beide Regierungen im Begriff sind, die ansemandergebenden Me.nnvgen der beiden Rcgieriingen, die indes den engen Ziisammen- hang nicht bindern, freuubidiaftlirh zu prüfen. Der Mimstcrvräsidcnt, bet gegenwärtig die ehemals be­setzten Gebiete bereist und mittags in Montdidier ein» traf, wurde sofort von der Besprechung unterrichtet. Der englische Geschäftsträger hat seiner stgierung über die Be'vrechung berichtet. Eine neue Note ist seitdem aus London nickst eingetrossen.

Lo so , 1-. An «Wo ff Reuter: U t .ha hur tue V uhege bet .ffcnv die Barster cloung. da' die sranzösi che Regierung besch ossen iahe, Wrangris Neuerung" anzuerkenne«, sagte Lloyd George, er habe hur «Qlzlhixxa mit lieb errat (bunt und ScümiuI «eleieu.

Eine Mitteilung dieser Art sei ihm nicht zugegangen. Er könne kaum annehmen, daß dir Meldung korrekt sei, Weil er sicher sei, daß Millerand ihm bie Absichten der französischen Regierung bekannt gegeben haben würde, wenn etwas Derartiges beabsichtigt gewesen wäre. Ein Vorschlag auf Anerkennung WrangelS sei auf der Konferenz in Hythe nicht gemacht worden. Lloyd George fügte hinzu:Wir beabsichtigen nicht, Wi augel anzuerkennen außer in dem Fall, auf den ich gestern hingewiesen habe.

WB. London, 12. Aug. Im Unterhaus führt» Maclean aus: Wenn die Pariser Melonng über die Anerkennung der Regierung WrangelS tatsächlich den Beschluß der französischen Regierung »iedergzbt. so ist eine neue Lage entstanden. Maclean sagte sodann: Dann muß Frankreich seinen Weg allein weiter gehen. Er fragte, ob es die Ansicht der Regierung sei, daS Haus morgen in die ©omwerferieii gehen zu lassen. Bonar Law erwiderte: So war el ursprünglich beabsichtigt. Die Regierung hält Kboä jetzt dafür, daß es besser ist, wenn da, Haus am Montag wieder Zusammentritt. Ich hoffe, daß bis Lage bis dahin klarer geworden ist und bei Haut dann in die Sommerferien gehen kann.

D. Paris, 13. Aug. Um die Anerkennung bei Generals Wrangel zu rechtfertigen, besieht sich die französische Regierung auf die Note der Vereliiigtrs Staaten, welche in Uebereinstimmung mit dem fran« Sönfchen Ministerium des Auswärtigen die bolsche« wistilche Regierungsweise verwirft und nur eine, dem russischen Volkrwille» entsprechende Regierung axer» kennen will. Wrangel nennt die Moskaner Regie- rung eine Regierung der Vergewaltigung. Eine solch« Regierung habe keine moralische Bedeutung und ihn Versickeruogcn und Garantien können nicht ernst g» nommen werden. UeberbieS unterstützt die bolsche» wistische Regierung den Internationalen Bund, ckei bewirkt, die Umwälzung aller Länder ix da, boliche< wistische Su'stm zu organisieren. Es näht da^er kei­nen Boden für eine Verständigung mit einem 'tWn RegiernngS'y 1 emV Die -Vereinigt«« Staaten drücken bie Hoffnung aus, daß bie Russen zunächst b;e Mittel tMM iperbest,. eine A^PeriuiL »u, faLben^ welche ihren Willen nnb ihre Aufdrücke auf Freiheit" enstvrcch», werden. Unter diesen Voraussetzungen habe Frank­reich bie Regierung des General, Wrangel anerkannt

D. Paris, 12. Ann. DemTelegraph- Zufolg« soll in Kreisen, die mit der bolschewistischen Regierung in Verbindung stehen, baS Gerücht umgehen, daß bie Anerkennung der Wrangsticken Regierung seitens Frankreichs von den Bolschewisten mit der offenen Er­klärung des Kriegszustandes zwischen Sowjetrußland und Frankreich beantwortet werde. (Eine Bestäligung bie'er Nachricht ist noch nicht eingetrossen, sodaß fU mit Vorsicht aufznnchmen ist D. Red.)

NvttfiZierunq

-er Anerkennung WrangelS.

WB. London, 13. Aug. Der französische Ge» schäststräger hat am Donnerstag vormittag im An?« würstgen Amt die Anerkennung des Generals Wrangel durch" bie französische Regierung notifiziert. Las Telegramm mit den Instruktionen deS französischen Ministers des Aeußern an die französische Botschaft in London, daS sich auf diese Notifizierung bezog. traf infolge eines Irrtums bei der Uebermittlung mit großer Verspätung ein.

Pressestirnmeu.

DieTimes" schreibt: In die gegenwärtige kri« fische unb delikate Laze schlug die französische Mit- teilung betreffend die Anerkennnna WrangelS wie eine Bombe ein. Mt bem französischen diplomatischen Manöver wird den Teutschen und den Bolschewistim in die Karlen gespielt. Unsere französischen Freunde, sagt daS Blatt, wissen, mit welchem Nachdruck wir für ihre Forderungen eintraten, wenn wir bet Ansicht waren, daß ihnen seitens unserer Landsleute keine Gcrcchtiokeit wider uhr. Heute ist eS unsere Bfficktz mit gleichem Freimut und gleichem Ernst darauf hin» zuweisen, daß ein isoliertes Vorgehen dieser Art nicht zu dem von jedem verständigen Bürger Englands oder Frankreichs erwünschten Ziele führen kann.

DerPetit Parisien" sagt, der englische Wüstev< Präsident sei für Zugeständnisse an die Sowjets, bi< französische Regierung nicht. Es bestehen also, zwü Grundsätze, die sick widersprechen. Es sei unmöglich, die Meinungsver duebenheiten zu vcrbeimüchen. Das Petit Journal" sagt, Millerand habe gefunden, daß es unmöglich fei, den General Wrangel zu opfern. Frankreich habe geglaubt, vor feinen Alliierten eine klare Stellnna zu der Regierung von Slidruß and ein» nehmen zu müssen. Das habe in London große Er» regung hervorgcrustn, man dürfe aber erwarten, daß Lloyb George unb überwiegend auch die öffentlich« Me.nung in England ihre Interessen nicht gefährden würden durch Konzessionen, bie übrigens schwere <?»e« rapren für den europäischen Frieden nach sich siehe« könnten. DieHnmanitä" spricht von einer Provo» zierung. Es gebe in Paris Seine, bie den von den Sowjets vorgeichlazenen Frieden unmöglich mache» und Polen zugrunde richten wollten.

Eine neue Besprechung in Douloguer

V. Londou 13. Aug. In politischen Streifen rechnet man damit, daß bereits am Sonntag in Boulogne eine neue Konferenz zwischen Millerand nn^ Llovd iGeorge vattänbet. Man erwartet weiter, daß V ov» o eor über baS Ergcbn-S im Unterhauie bt» ilch.cn wird.

(Weitere bnlitiiche gLaArühicn Seite 41.