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General-Anzeiger

AmMches Organ für Stadt- und Landkreis Sanau

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Fernivrechanfchluiie Nr. 1237 und 1238 j

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Bt. 188

Donnerskag den 12. August

1920

RSM

Das Neueste.

Das russische Umgehungsmanöver im Norden inb Süden gegen Warschau entwickelt sich mit aroßet Schnelligkeit. Die Polen sind bereits si« Soldau zurückgegangen.

Die russischen Waffenstillstandsbedingungen fordern u. a. die Entwaffnung Polens.

Die Frist für die Abgabe der Reichsnotopfer- imb Besitzstsusrerklärung ist bis 30. September verlängert worden.

Reichsfinanzminister Dr. Wirth äußerte sich über die 'wirtschaftliche Lage Deutschlands und über unsere Leistungsfähigkeit.

In der Streiklage im Saargebiet ist bisher noch keine Entspannung zu erkennen.

In Memel kam es zu kommunistischen Demon­strationen, die eine Arbeitsniederlegung zur Folge hatten. Der Generalstreik ist heute all­gemein. '

Der Wiener Telegraphen- und Telephon- angestellten-Streik ist beendet.

PolenRußland.

Die Einkreisung Warschaus.

Große Not in Warschau.

WB. Berlin, 18. Aug. DaS Umgehung?, Manöver im Norden und Süden von War- schau soll, wie den Morgenblättern berichtet wird, sich mit überraschender Schnelligkeit entwickelu. Im Norden find die Polen be- ^LLilL^viL Loidau zurückgeganaen. Die Not dir Warschaner BevSttcruna ist auf ihrem Höhepunkt angelangt, ebenfalls der Wucher. Sie SebeuSmittel wurde« restlos beschlag­nahmt. Die Eisenbahnfahrkarten befinden sich in den Händen von Schiebern, die fich für eine Fahrkarte WarschauDanzig bis zu 1000 Mark bezahlen lassen. Ostpreußen wird von bolschewistischen Propa- gandisten überflutet. Die auf War­schau marschierenden roten Truppen st-,» gegenüber den polnischen Verteidigung krästen angeblich in etwa fünffacher Meter* na dit.

WB. Königsberg, 11. Aug. Ueber die Lage tuf dem russisch-polnischen Kriegsschauplatze an der Grenze Ostpreußens wird hier berichtet: Mlawa ist endgültig von den Bolschewisten g e- n c> m m e n. Die Polen zogen sich auf Soldau zurück, m dessen Umgebung sie Befestigungen ausheben.

, O. Amsterdam, 12. Aug. Die Times bringen emen Funkspruch au» Moskau, nach dem die Rote Armee auf allen von Norden und Osten nach Warschau führenden Straßen die Verbindung ausgenommen hat and daß der große Angriff auf die Festungswerke Warschaus nunmehr unmittelbar bevorsteht. Nach anderen Meldungen fühlt die russische Kavallerie be« teils im Vorgelände von Praga vor. Die Russen ollen gegenüber den Polen in fünffacher Uebermacht 1er». Die Durchbrechung der Eisenbahnlinie Warschau Danzig, als der wichtigsten Ziisnbrstraße Polens, be­deutet eine ernste Verschlimmerung der Lage Warschaus

Eine Aufforderung an die amerikanischen Bürger.

WB. Amsterdam, 11. Aug. Nach einer War- ichauer Meldung wies die amerikanische Gesandtschaft alle amerikanischen Bürger, die nicht aus dringenden Gründen zum Bleiben gezwungen sind, an, Warschau peute nacht zu verlassen.

Die russischen Bedingungen.

. Wb. Paris, 11. August. Die gestern abend in der Sitzung des Unterhauses Lloyd George von Kamenew übermittelten Waffenstillstands- bedingungen der Sowjetregierung an Polen, lauten nach demDaily Herold" wie folgt: Die polnische Armee darf in Zukunft ein Jahreskontingent von 50000 Mann nicht über- n^gen. Der polnische Eeneralstab, die sämt- "chen Offiziere und alle Verwaltungsbeamten «urfen zusammen höchstens 10000 Mann stark s^n. Die polnische Armee wird sofort nach der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrages demobilisiert. Alle Waffen und die Munition, für die Armee nicht erforderlich find, werden in Sowjetrußland und die Ukraine ausgeliefert, vie Waffen- und Munitionsindustrie wird sofort Mgelegt und weder Waffen noch Kriegsmaterial aus dem Auslande in Polen eingeführt «erden. Die Eisenbahn Wolkowisk ^ialistockCrajewo wird Rußland zum ^weck heg Handelsaustausches von und nach Baltischen Meere zur Verfügung gestellt.

~c Familien aller in diesem Kriege verwundeten gefallenen Soldeten erhalten vom Staate "nd. Gleichzeitig mit der Demobilisation des ^mischen Heeres ziehen sich die russischen und ulrainischeu Imunen au« Bol-n zurück. Die

Waffenstillstandslinie wird die sein, die in der Note an Lord Curzon am 20. Juli an­gegeben wurde. Die polnische Armee zieht sich 50 Werst von dieser Linie zurück. Die end­gültige Grenze des zukünftigen unabhängigen polnischen Staates wird-ungefähr dieselbe sein, die in der gleichen Note festgesetzt worden ist, doch soll Polen besonders im Osten neues Ge­biet erhalten, besonders in der Gegend von Bialistock und Cholm. Die Bolschewisten verpflichten sich dagegen zu folgendem: 1. Zu gleicher Zeit mit der Demobilisation der polnischen Truppen werden die ruffischen und ukrainischen Truppen vom polnischen Gebiet zurückgezogen. 2. Sofort nach Durchführung dieser Operation wird der Effektivbestand der russischen Tmppen, die an der polnischen Grenze zurückbleiben, bedeutend vermindert werden. 3. Die Truppen sollen auf diejenige Linie ge­bracht werden, die Lord Curzon am 20. Juli in seinem Telegramm an die Sowjetregierung festgelegt hat. Ferner sehen die Friedens­bedingungen die Errichtung einer neutralen Zone zwischen Rußland und Polen vor.

WB. Amsterdam, 11. Aug. Nach der Ver­lesung der bolschewistischen^ Friedensbedingungen bemerkte Lloyd George: Sofort nach Empfang der Bedingungen brächte ich die Note Frankreich und Italien zur Kenntnis. Wir haben der pol­nischen Regierung unsere ersten Eindrücke mit­geteilt. Ich halte es aber nicht für angebracht, darüber hinaus weitere Bemerkungen zu machen, da dies bedeuten würde, daß wir der polnischen Regierung die Verhandlungen aus der Hand nehmen. Ich bin aber der Meinung, daß eine neue Lage entstanden ist.

*

Nach diesen russischen Friedensbedingungen erübrigen.sich Drohungen durch die Entente gegen Sowjetrußland. Die Grenzfrage wird von »er Sowjetregierung gemäß einem Versprechen, dessen Einhaltung man kaum erwartet hat wirklich großmütig behandelt- In der Gegend von Bialystock und Cholm soll die Grenze gün­stiger für Polen verlaufen, als der Oberste Rat sie vorgezeichnet hatte, und darin liegt ein Ent­gegenkommen, das man richtig würdigen kann, wenn man sich erinnert, daß der Abfall der Polen von Oesterreich, denen sie bis dahin günstig gesinnt waren, sich endgültig im Herbst 1917 entschied, als Graf Czernin das Cholmer Gebiet im Brester Frieder: der Ukraine überließ. Dieses Gebiet, das erst wenige Jahre vor dem Kriege durch einen Entschluß der Zarenregierung, der das polnische Nationalgefühl tief verletzte, von Kongreßpolen losgelöst worden war, soll nun offenbar zum größten Teil den Polen wie­dergegeben werden. Und dieser unerwartete Er­folg könnte sie, ,wenn sie bereit sind, ihren impe­rialistischen Träumen zu entsagen, wohl für den Schmerz entschädigen, der ihnen durch die russische Forderungen betreffs der Entwaffnung zugefügt wird. Für Deutschland ist die Entwaff­nung von großem Wert. Bei der Ohnmacht Deutschlands wäre das polnische Heer für uns eine noch viel größere Gefahr als für Rußland. Weder Ostpreußen noch Oberschlesien wären je vor polnischen Raubzügen sicher. Wird diese ständige Bedrohung aus geschaltet, so erwerben sich die Russen ein »Verdienst um die Ruhe in Mitteleuropa. Ebenso wichtig ist für uns, daß die Eisenbahn WolkowiskBialystockGrajewo Rußland zum Zwecke des Handelsaustausches mit Deutschland zur Verfügung gestellt werden soll. Das bedeutet ohne Zweifel, daß diese Bahn in ruffischen Besitz und Betrieb übergehen soll, denn sonst wäre eine Sicherheit gegen polnische Schi­kanen, wie sie gegenwärtig im polnischen Korridor gegen Deutschland ausgeübt werden, niemals zu erreichen. Aber Rußland verlangt eben bloß e;nc Bahn, keinen Korridor, und gerade daraus müssen wir den höchsten Wert legen. Im übrigen sind die ruffischen Bedingungen dem erhabenen Müller des Versailler Vertrages entnommen und die Ententemächte haben absolut keine Ursache, sich darüber zu empören oder Widerstand zu linsten.

Zu den Erklärungen Lloyd Georges.

Telegraaf" zusolg'e sind die englischen Blätter in ihren Artikeln über die Rede Lloyd Georges optimistisch gestimmt. Sie nennen die russischen Friedensbedingungen zwar streng, halten sie aber für eine geeignete Grundlage, worauf ehrliche Friedensverhandlungen geführt werden können. Allgemein wird die Hoffnung ausgesprochen, daß eine Einigung zustande kommen möge durch eine endgültige Regelung her europäischen Fragen an einem Konferenz- ti ch, woran die Alliierten, Rußland und die anderen Staaten Plibe haben. DieTi mes" lobt die Darlegung Lloyd Georges und nennt Seine Verteidiauna des Gtanhminltes her Alliier­

ten offen und klar. Das Blatt gibt zu, daß Sowjetrußland das Recht habe, Bürgschaften zu d erlangen, um gegen die Möglichkeit eines neuen polnischen Angriffes geschützt zu sein. Es fügt jedoch hinzu: Rußland hat aber kein Recht, das freie unabhängige Polen von der Erde zu vertilgen.

WB. London, 11. August. Der Aktionsaus­schuß der Arbeiter, der von der Rede Lloyd Georges nicht befriedigt ist, beschloß, für Freitag eine nationale Konferenz der Gewerkschaften einzuberufen, um über die von der organisierten Arbeiterschaft zur Bekämpfung desGegen- krieges mit Sowjetrußland zu befol­gende Politik, die nötigenfalls auch die Pro- klamierung des Generalstreiks umfassen wird, zu beraten.

Don Moskau noch keine Ankvork

WB. Paris, 11. Aug. Wie die polnische Ge­sandtschaft in Pari» mitteilt, hat die polnische Rc. giernng bis gestern abend nm 10 Uhr noch keine Antwort auf ihre telegraphische Mitteilung nach Moskau vom 5. August erhalten, wonach sie der Sowjetregierung witteUte, daß sie Bereit sei, in be­schleunigte Friedensverhandlungen einzutreten. Der TempS" schließt hieraus, bah die polnischen Unter­händler Warschau noch garnicht verlaffen haben.

Angarische Truppen für Polen.

D. Posen, 12. Aug. Wie polnische Blätter bc- richien, sind jetzt 15^00 Mann ungarischer Truppen auf dem Wege nach Polen, um unmittelbar gegen die roten Truppen eingesetzt zu werden. Der polnische Staatspräsident hat dem ungarischen Reichsverweser Horty bereits sein Danktelegramm übersandt.

DaMpfer am Ausfuhren dehtnderl.

Ipn. Rotterdam, 12. Aug. Der deutsche Dampfer ^Echo" mit Maschinengewehren von einer holländischen

Auffahren behindert, well sich dir Bemannung weigerte, die Ladung zu transportieren. Jetzt ist die Ladung irr eher gelöscht worden.

Die DergeuraMgung des Saargeblets.

WB. Mainz, 11. August. Ueber den Streik im Saargebiet wird direkt aus Saarbrücken gemeldet: Der Streik ist am 6. August auSgebrochen. Bisher ist die Stadt völlig rühm gewesen, Unruhen sind nicht vorgekommen. Französische BesatzungStruppen durch­ziehen in großen Trupps mit Kavallerie, Infanterie und Maschinengewehren, sowie Tanks und Panzer- autoS die Stadt. Die Eisenbahner sind als requiriert erklärt worden. Diejenigen, die nicht zum Dienst er­schienen, wurden in ihrer Wohnung ausgesucht, doch wurden nur sehr wenige vorgesunden. Immerhin i> es den französischen Behörden gelungen, emi-e Kolllen- züge zusanimenzustellen, während auch die mter- nationalen Exvrctzzüge ohne Unterbrechung passieren. Der Post-, Telephon- und Telegraphendienst rubt immer noch vollständig. Die Bergwerksbeamten, die Sonntag dem Streik beigetreten sind, kehrten Montar an ihre Arbeitsstätte zurück. Im Lause be? Sonntag? wurden verschiedene Verhaftungen in Verbindung mit dem angeblichen Komplott vorgenommen. So 'wurde der Chefredakteur der »Saarbrückeuer Landc?:eitrlng". Bretz, und der Redakteur derSaarbrücker Zeitung", Thoma verhaltet. Bretz wurde schon am nächsten Tage freigelaffen, während Thoma sich nächster Tage vor dem französischen Kriegsgericht zu verantworten haben wird. Die Hauptangeklarten sind sämtlich ge­flüchtet, darunter der Verleger derSaarbrücker Zeitung", Hafer. Auch verschiedene Bergwerksbeamten gehören zu den Angeschuldigten. DieSaarbrücker LandeSreitung" und dieSaarbrücker Zeilung" wur­den auf 4 Wochen verboten. Im Saargebiet erscheint nur noch die sozialdcmokratischeVolksstimme", wahr­scheinlich fürchten die Franzosen die Arbeiter bei einem Verbot der Parte>prrsse. Die Franzosen veranstalten von Zeit zn Zeit Razzia? und bringen die auf­gebrachten Beamten an ihre Arbeitsstelle. Die Nah- rungSmittelversorgung ist im Saargebiet vorläufig gänzlich gefiebert

WB. PariS, 12. August. Havar meldet an? London, bah in den Wäldern um Saarbrikfen herum 60 Eisenbahner festgenommen wurden. Sie verwe gern die Arbeit und erklären, nur den von Deutschland zugehrnden Befehlen zu gehorchen. Seit Mittwoch tagt da? Kriegsgericht.

Bürgerkrieg in Alhen.

D Berlin, 12. August. Nach einer Meldung des B. T " aus Genf herrscht in Alben der offene Bürger- trieg. Die Bürger sind in Constantinisten und Veni- zelisten geschieden, ne sich in den Stratzen und Tbealern Revolverschlachten liefern. Venizelos w r» von feinen Än.,cingern erwartet, die ihm einen festlichen Empfang bereiten wollen. Aber er wagt seit drei Monatcii nicht in die Stadt zurückzukrhren.

Das verallele Erfurter Programm.

Die deutsch« Sozialdemokratie schickt sich an, ihr bisherige? Credo neu aufzubügeln. Das mag dem streng Gläubigen wie eine Dogmenschändung Vorkommen, aber die Zeit und ihre Bedürfnisse schreiten über solche Eefühlsanmandlung roh binwea. Der Vorstand der deull^>e» Tarial'-

demokratie hat eine Reihe von bekannten Partei­genossen aufgefordert, ihm Gutachten über eine Neugestaltung des Parteiprogramms einzurei- chen, die möglicherweise vom Parteitag in Caffel beschlossen werden könnte.

Diese Gutachten liegen, wie derVorwärts" meldet, bereits vor und werden in den nächsten Tagen im Druck erscheinen. Das Blatt gibt vor­läufig einige Absätze aus dem Gutachten Eduard Bern st eins wieder, der sich mit der allgemeinen Gestaltung des Parteiprogramms beschäftigt inib dabei sagt, die Umwandlung sei aus zwei Gründen eine unüberwindbare Not­wendigkeit geworden. Einmal hätten der Welt­krieg und die in seinem Gefolge eingetretene politische Revolution neue oder bisher unge­nügend berücksichtigte Fragen der Theorie und Methode des sozialistischen Kampfes in die Ar­beiterbewegung geworfen. Dann aber seien be­sonders in Deutschland durch die Revolution Forderungen des derzeitigen Parteiprogramms ganz oder teilweise zur Verwirllichung gelangt so daß die auf sie bezüglichen Sätze des Pro­gramms nicht mehr in der bisherigen Form auf­recht erhalten bleiben könnten, sondern einer an­dern Formulierung bedürften, wie sie auch an eine andre Stelle des Programms gebracht wer­den müßten. Das neue Programm müßte in stärkerer Weise konkteten Charakter an­nehmen. Was 1891 für die Sozialdemokratie noch in gewisser Ferne lag, politisch betrachtet noch einen jenseitigen Charakter hatte seit vom Kaisertum mit allem, was daran hing sei für sie nun diesseitig geworden, in unmittelbare Nähe gerückt und wolle daher ^ent­sprechend berücksichtigt sein. Das Programm Tonne Fragen nicht unberücksichtigt lassen, deren Erörte­rung 1891 spekulativer Natur war, nun aber ins Gebiet der Gegenwart gehöre, von den Frage» oeL LELU ei.^k^^^^^UJa.£^

bis zu den Fragen der S o z i a l i sr e t ü n s von Wirtschaft und Recht. Ebenso würden die Sondergebiete berücksichtigt werden^ denen die Sozialdemokratie in der Zwischenzeit in zunehmender Stärke ihre Ausmerksamkeit und Arbeit zugewandt habe; auch müsse mit der Stel- Iimg der Sozialdemokratie zu den w i c t s ch a f t« ließen Organisationen der Arbei­terklasse, Gewerkschaften und Genossenschaf­ten, auch ihre grundsätzliche Stellung zu bestimm, ten Formen des wirtschaftlichen Kampfes gekenn­zeichnet werden. Das Parteiprogramm könne so. nach seine bisherige Form nicht beibehalten, son­dern müsse mit der Erweiterung seines Inhaltes auch eine anbere Stoffgruppierung erhalten. Es handle sich jetzt weniger um Aufzählung von For­derungen, als um Bestimmungen von Aufgabe« und Zielen der Politik der Sozialdemokratie. Am Geist des Parteiprogramms sei gründ'ätzllch nichts zu ändern. Die Sozialdemokratin siehe nach wie vor auf dem Boden der soziologischen Ent­wicklungslehre, wie Marx und Engels sie aus ge­arbeitet haben, aber die Form dieser Stütze könn« nicht aufrecht erhalten werden. In ihrer bis­herigen Fassung schilderten die Einleitungssätze des Erfurter Programms in markigen Sätzen unleugbare Tendenzen der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, aber durch ungenügend« Berücksichtigung der ihnen «ntgegenwirkende» Kräfte stellten sie die voraussichtlichen Ergebnisse dieser Entwicklung in einer Gestalt hin, die mit dem tatsächlich Gewordenen in verschiedener Hiru si^t nicht übereinstimme. Das, worauf es jetzt tatsächlich ankomme, sei die D a r st e l l u n g d e i Wicklichkeitan bet Hand der Leitgedanke« der marxistischen Entwicklungslehre. Zu de« Fragen, die nach Bernsteins Meinung eine befoit, dere Behandlung erheischen, gehören die Stellung zu den deutschen VerfassungSfrage«. die Frage der Demokratie und des poli­tischen Rechts, des Parlamentaris. mus und des R ä t e s Y st e m s usw.

Sollte der Caffeler Parteitag es wiMch u*r ternehmen, an eine Aenderung des Erfurter Pro­gramms heranzugehen, so würde er eine Fräst« auftollea, die schon längst überreif geworden ist Die Entwicklung innerhalb der Kreise, die bis, her in dem Programm Stecken und Stab für ißt Mn-es bürgerliches Verholten erblickt Habec». macht eine Auseinandersetzung darüber gerade ts die>em Augenblick zu einer Notwendigkeit, wen« auch zu einer Fährlichkeit, da die Scheidung ds Geister schon säst einer Zersetzung nahe^kommer ist. Die erwähnten Gutachten werden einen So» geschmack davon geben, tvas der Parteitag ver« beißt. Sollte die Aussprache stoltfinden, so würdH Caffel einen Markstein bilden in der Geschick, 1 der Sozialdemokratie und mchr als da? eint Tot!

' (Weitere politische NoLriLten Sett» « )