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Sir. 187

General-Anzeiger

LAllichrs Organ für Etaöl- und Landkreis Sana«

Erlcheinl täglich mit Ausnahme der Sonn* und Feiertags

Mittwoch den 11. August

Berlagsleituns: Ad. Snbermüble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil Rich. d u l t i ch ^für lokalen und vrovinziellen Teil iowie Soort W. Moritz: kür Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle in öanau a.M.

Rotationsdruckd.Waisenbausbuchdruckerei Hanau Fernivrechanichluiie Nr. 1237 und 1238

1920

Das Neueste.

Die Einkreisung WarschonS nimmt itren Fortgang. Die Russen stoßen in der Richtung auf Thorn vor.

Da« Arbeiter - Komitee in Warschau fordert die Proletarier auf, sich den Bolschewisten mit Gewalt zu widersetzen.

Nach französischen Blöttermeldungen haben die Ver­einigten Staaten sich gegen Polen erklärt.

Auf der lettisch-russischen Friedenskonferenz in Riga wurbe über alle Fragen eine Einigung erzielt.

Der Rückzug von Äylhe.

Die Ententekonferenz von Hythe ist zu Ende. In Pariser amtlichen Kreisen wird die Lage als ernst bezeichnet. Man hält fogwr, so meint der offiziöse TempS, einen Bruch für unvermeidlich. Die bolschewistische Mission, die über die Wie­deraufnahme der Handelsbeziehungen zu Sowjet­rußland und den Westmächten verhandeln sollte, rüstet sich angeblich zur Rückreise. Die Herren Kamenew und Staffln sollen ihre Koffer gepackt und am Sonntag abend acht Uhr, so läßt sich der TempS" melden, London verlassen. Das klingt alles furchtbar kriegerisch und erschreckend. Merk­würdig ist, daß derTempS" heute schon wissen will, was am Sonntag abend ausgerechnet acht Uhr geschieht. Die Regie, die Bolschewisten ein- zuschüchtern, durch Theaterdonner und Kolo­phoniumblitze auf die Welt zu wirken, ist hier zu theatermaßig und offenkundig. Die erwünschte Wirkung dürste sich nicht einstellen.

Was jetzt über die Beschlüsse von Hvthe be­kannt wird, ist nicht geeignet den Ernst dor MEdAWÄMMK auf nichts anderes heraus, als auf eine moralische Unterstützung PolenS, auf eine Blockade, die nicht wirksam ist, auf Absenkung von Waffen, Mu­nition und Offizieren, die den Polen nicht mehr helfen können, auf Stärkung des Generals Wrangel, also durch eine indirekte Offensive von Südrußland aus, deren Aussichten für Volen ungemein erhebend und tröstlich sein dürsten, wenn sie an das traurige Schicksal von Koltschak, Judenftsch und Denikin, der Leidensgefährten des Generals Wrangel denken. Das sind nichts als faule Wechsel, die die Entente dem bedrohten Polen ausstellt. Wenn aber die Sowjetregierung die Unabhängigkeit Polens anerkennt und dessen geschichtliche Grenzen respektieren will, dann will die Entente sich damit begnügen und sogar auf ihre Versprechungen für Polen, auf ihre faulen Wechsel verzichten. Dann will sie die Dinge über­haupt laufen lassen. Das ist mehr als begreiflich- Denn weder die englischen noch die französischen Arbeiternilassen bekunden auch nur die geringste Lust, ihre Knochen für ein nebelhaftes Abenteuer im unwirtlichen Osten zu riskieren.

Wie ist nun die tatsächliche Lage? Die Ententedrohung der wirksamen Unterstützung Polens ist ein Bluff, über die Tschitsch-crin und seine russischen Freunde nur lachen werden. Die .Bedingungen", die die Konferenz von Hythe den Russen übermitteln will, sind nur Komödie. Denn erstens haben die Bolschewisten ihre Frie­densbedingungen für Polen in großen Zügen schon bekannt gegeben, zweitens dürften Ruß­land und Polen unter den gegebenen Umständen die gleichen Interessen haben, sehr schnell zu einem Uebereinkommen zu gelangen, wie die Be­schlüsse von Hythe es wünschen. Drittens dürfte auch der Veröffentlichung des Verhandlungsbe- tichteg nichts im Wege stehen. Das sind alles Förmlichkeiten, deren Erfüllung den gewandten Bolschewisten keine Kopfschmerzen bereiten dürf- ien. Die Russen haben ja ausdrücklich erklärt, daß die Unabhängigkeit Polens anerlennen und ihnKi sogar günstige Grenzen zu bewilligen be- ^it sind, wenn sie unter Ausschluß der Entente unmittelbar verhandeln. Diese Bedingungen hat die Entente angenommen und den Polen geraten, doch Minsk zu gehen. Die russischen oder viel- dichr bolschewistischen Trauben sind der Entente iu sauer. Die Tatsache, daß die Westmächte auf Me Teilnahme an den russisch-polnischen Frie- dOlsverhandlungen verzichten, ist der Beweis lwr militärischen und politischen Schwäche. Da­rüber wird auch die Sowjetregierung vollständig Klaren sein. Die Taktik des Entgegenkommens Wen Polen inbezug auf seine Unabhängigkeit ebenfalls recht durchsichtig. Die Bolschewisten schneit damit, daß Polen, wenn die russischen Friedensbedingungen angenommen sind, ihnen reife Furcht von selbst in den Schoß fällt, daß damit die nächste Etappe der bolschewistischen 3deen und Regierungsmethoden eingerichtet wird, die Rechnung kann möglicherweise stimmen. Wird Wen als Ergebnis seiner Niederlage bolsche­

wistisch, dann muß es in der Tat völlig gleich­gültig sein, ob Polen unabhängig ist und wie die Grenze verläuft. Das Unglück Europas wäre dann ausschließlich auf die Rechnung der west­lichen Staatskunst, des Hasses und der Gewalt, zu buchen.

Der Vormarsch der Russen auf Thorn.

Verschiedene Vers. Abendblätter melden von der ostprenstischen Grenze: Die Rnffen flohen an der Nordfront, nachdem eS ihnen gelans, die direkte Bahnverbindnnq War­schau Mlawa Danzig zn unterbrechen, Wei'cr in der Richtung aus Thor» vor, um auch die andere Eisenbahnverbindung zwi­schen Danzig unb Warschau über Bronberg und Thorn zu unterbinden. Zu diesem Zwecke wurde der russische Nordflügel durch neue Truppen außerordentlich verstärkt. Der polnische Nordflügel, der an arostem Muui- t'onbmangel leidet, befindet sich in völliger Auflösung. Zwischen Ostrolenka und dem Bug brachen die Polen eine große Schlacht ab, nachdem ihr kurzer Widerstand bei No- strow gebrochen war. Auch auf der Sud- front, wo die Polen sich noch am besten ge­halten hatten, scheint ihr Rückzug haltlos zu werde».

WB. Kopenhagen, 10. Aug. Nach einem Tele- gramui aus Warschau wird amtlich gemeldet: Feind­liche Reiterabteilungen üben fcrtdauernd einen Druck auf die Polen in Richtung Mlawa aus. Ciochanow wurde heute besetzt. Nördlich von Brody greift der Feind in westlicher Richtung an. Die Polen warfen den Feind aus Radziwillowo und erbeuteten eine Batterie Geschütze, sowie Maschinengewehre. Bei Salto» wice und KoSzatkow brachten polnische Abteilungen dem Feind eine Niederlage bei, machten dabei 400 Gefangene und erbeuteten Maschinengewehre und ein Regimentsarchiv. LemissowSki ist zurückgetreten und wurde durch General SotnokowSki ersetzt.

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Wichtige Verteidigungsmaßnahmen.

Nach demLokalanzeiger" berichten polnische Blätter, daß Polen zum Endkampf entschlossen sei. Gleichzeitig weist daS Blatt darauf hin, daß von Pol-- nischer Seite in letzter Zeit aus allen erdenklichen Schleichwegen versucht werde, in Deutschland Waffen, Munition und HcereSgnt ansznkanfcn.

WB. Warschau, 11. Aug. Der nationale Ver­teidigungsrat hatte in seiner gestrigen Sitzung sehr wichtige Maßnahmen zur Verteidigung der Hauptstadt inS Auge gefaßt. Der General W e i- gand soll dazu ausersehen sein, von dem Rate der nationalen Verteidigung den Oberbefehl über die polnischen Truupen angeboten zu bekommen. Man glaubt, daß Weigand annehmcn wird unter der Bedingung, daß Ostgalizien zeitweise ge­räumt wird und ebenso die Gegend von Lublin, um die verfügbaren Kräfte mit Rücksicht auf eine große Offensive zusmmnenzichcn M können. Die polnischen leitenden Stellen fdicüRn ein solches Opfer nicht bringen zu wollen. l^rneral Weigand soll die Entscheidung von der -Mtwort der Sow­jets auf die letzte Note abhängig gemacht haben.

WB. Paris, 10. Aug. HavaS berichtet aus Warschau: Das Arbeiterkomitee zur SBerteibigung Warschaus veröffentlicht einen Ausruf an das pol­nische Proletariat, gegen die Bolschewisten vorzugeben und fordert die Proletarier auf, sich mit Gewalt zu widersetzen.

WB. Berlin, 11. Aug. Wie verschiedenen Blättern aus Tauzig gemeldet wird, dauert die Massenflucht aus Polen fort. Bisher sind über 10 000 Personen aus Polen in Danzig allgekommen. Inzwischen wird der allgemeine Angriff auf Warschau von der russischen Nordarinec vorbereitct.

Ms Konferenz von Kylhe.

Erklärungen Lloyd Georges.

= London, 11. Aug. Lloyd George hat gestern nachmittag im Unterlaufe die angelünbigtc Er­klärung über die polnische Krise abgegeben. Die russischen Delegierten Kamenew und Staffln be­fanden sich während der Rede auf der Tribüne. Lloyd George ersuchte das Haus, seine Zustim­mungen zu den Schrillen zu geben, die die bri­tische Regierung zu unternehmen sich unter Um­ständen für berechtigt halte. Mit Recht trage die Sowjetregierung bei den Friedensver- Handlungen der Tatsache Rechnung, daß Polen den Angriff auf Rußland unternommen habe. Ebenso müsse berücksichtigt werden, daß Polen diesen Angriff trotz der Warnungen der Alliier­ten unternommen habe. Die Sowjetregierung sei daher wohl b e r cch t i g t, Garantien zu verlangen, wie sie jede Regierung gegen der- artige Angriffe verlanoen würde. Nicht gerecht­fertigt dagegen sei es, Repressalien oder eine Be­strafung zu verlangen mit der Absicht, dem natio­nalen Bestände Polens ein Ende zu bereiten. Der Friede müsse auf der Grundlage der Unabhänc>sn- keit des ethnogravhischen Polens herbeigeführt werden. Die Alliierten hätten der Sowjetreaie- rung vorgeschlagen, für Montag Mitternacht den Waffenstillstand zu erklären. Dieser Vor­

schlag sei im Zusonmlenang mit der Konferenz am Mittwoch in Minsk nicht angenom­men worden. Man habe Polen nahegelegt zu versuchen, über einen Waffenstillstmrd zu verhan­deln und Frieden zu schließen, wenn die Unab­hängigkeit des ethnographischen Polens aner­kannt werde. Der Sowjetregierung sei davon Mitteilung gemacht werden. Würde Rußland diese Bedingungen stellen, die der erwähnten Unab­hängigkeit ein Ende bereiteten, so würde ein schwieriger Zustand und eine Gefahr für den Frieden Europas entstehen, wemn man ein großes aggressives Sowjetreich erhalte, das an Deutsch-' land grenze. Es sei natürlich, daß, wenn die Polen ihre Freiheit verteidigen müßten, sie die Ratschläge und die Führung eines Volkes anzrl- nehmen guttäten, das vier Jahre Erfahrungen in dem großen Kriege gesammelt habe. Alliierte Truppen würden nicht nach Rußland geschickt werden, und das sei auch nicht nötig, wenn die polnischen Hilfsquellen richtig organisiert und verwaltet würden. Falls die Konferenz In Minsk ergebnislos verlaufe, werde ein wirtschaft- licherDruckaufSowjetrußland aus­geübt werden. Die Aktion würde in diesem Falle international und eine solche zur See sein. Vor­räte zur Versendung nach Polen seien genügend vorhanden.

Schließlich betonte Lloyd George:Wenn wir die revolutionäre russische Regierung blockie­ren, so ^sschieht es nicht wegen ihres revolutio­nären Charakters, sondern weil sie nicht mit uns Zusammenarbeiten will, um den sieben zu sichern. Wenn Rußland den Frieden mit uns nötig hat, so kann es ihn erhalten. Die Lon­doner Konferenz ist ja gerade vorgeschlagen wor­den in der Absicht, einen solchen Frieden herbci- zuführen."

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Agenve Hovas meldet aus Hythe, die beiden Mi­nisterpräsidenten hätten die Zwangsmaß­nahmen gegen S o w j e t r u ß l a n d ge­billigt, jedoch würden diese Zwangsmaßnahmen nicht zur Anwendung gelangen, bevor nicht den Bolschcivisten eine letzte Gelegenheit gegeben werde, ihre angebliche Mäßigung zu beweisen. Am Miftwoch werde in Minsk die erste Zusam­menkunft der russischen und polnischen Unterhänd­ler stattfinden. Wenn die Bolschewisten Polen Bedingungen anbieten würden, die jie terri­toriale Integrität und seine politische Unab­hängigkeit antafteten, dann werde die Haltung der Alliierten notwendigerweise davon beein­flußt weiden. Als Maßnahme soll nach dem Berichterstatter die effektive Blockade Rußlands namentlich im Baltischen Meere in Aussicht genommen sein. Amerika und die Ruß­land benachbarten neutralen Staaten wie Schwe­den, Norwegen und Dänemark würden aufgcfor- bert werden, keine Produkte, Nahrungsmittel und keine Muntton nach Rußland zu senden; nötigenfalls würden die Alliierten auch Deutsch­land zur Mitarbeit auffordern, um Rußland auch von der Landseite her zu isolieren. Eine andere Maßnahine werde darin bestehen, gegen Sowjetrußland mit Hilfe der vom ehemaligen russischen IRcid) getrennten Staaten, wie Lettland, Litauen, Kaukasien und Aserbeidschan eine De­fensivfront gegen Rußland aufzuricht^n. Das Heer des Generals Wrangel, das von der fran­zösischen Regierung unterstützt werde, solle von England Kriegsmaterial erhalten. Polen werde ferner materielle und moralische Unterstützung von den alliierten Regierungen erhalten, damit es seine Unabhängigkeit aufrecht erhalten könne. Wenn der Korridor durchschnitten würde, werde das Kriegsmaterial über die Tschecho-Slonmkei befördert werden. Die Entsendung französischer und englischer Trupen nach Polen sei nicht beab­sichtigt. Wenn die Sowjetregierung in ihrem Widerspruch verharre, würben Kamenew und Staffln aufgeforbert werden, innerhalb acht Ta­gen London zu verlassen. Die Konferenz habe auch einen Augenblick darüber unterhandelt, ob man die Regelung des polnisch russischen Strei­tes dem Völkerbund zuweisen solle, aber man habe festgestellt, daß diesem noch die notwen­digen Aktionsmittel fehlen und daß man vielleicht zu einem für die Zukunft des Völkerbundes un­angenehmen Mißerfolg kommen könne.

Die -Pariser Presse.

Die gestrige Pariser Morgenpresse faßt das Ergebnis der Konferenz von Hythe dahin zu­sammen, daß man nicht kriegerisch in Polen ein* greifen und die Blockade nicht anwenden werde, wenn der Friede, worüber in Minfl verhandelt werden solle, nicht zustande käme, daß aber Frank­reich und England Polen weiter helfen wollten. DerMatin" sagt: Die Blockade Sowjetruß- bands sei ins Äuae ceiaht. Aber würde sie mög­

lich sein? Wenn die Bolschewisten die Eisenbahn Danzig-Warschau besetzen, der Verekhr nach bet deutschen Seite zu aber frei sei, müsse man bann die Mitarbeit Deutschlands verlangen. Frank­reichs Ansicht sei, daß man Deutschlands Mit­arbeit auf dem Fuße der Gleichstellung nicht ver. langen könne. Man müsse bedenken, daß die Sowjets Vorschlägen würden, Deuffchland Danzig, Posen und Schleswig zurückzugeben. Dann aber sei das Gleichgewicht Europas zerstört. Marschall Foch habe gestern einem Vertreter desMatin'' auseinandergesetzt, welche Ausstchtep sich für Frankreich ergeben würden, wenn Deutschland, mit den Menschen und dem Rohstoffvorrat Ruß­lands hinter sich, wieder erstünde. Millerand habe nachdrücklichst auf die Notwendigkeit hingewiesen, sich Deutschland gegenüber nicht schwach zu zei­gen. Zugleich aber habe er sich gemäßigt über die Poliftk ausgesprochen, die man Deutschland gegenüber würde verfolgen können, wenn, feine Regierung Haltung bewahren und sie auch seinen Generälen, seinen Kaufleuten und feiner Presse auferlegen> könnte. Die Frage der Blockade habe also auch die FrageDeutschland" wieder auf. gerührt. Man sei dahin übereingckommen, die Verhaltungsmaßnahmen fbäfer zu erwägen, wenn Deutschland sichtbar verstehen sollte, eine Ver­geltung vorzubereiten. Deutschland werde über­wacht. Von ihm allein werde bte Haltung der Alliierten ihm gegenüber abhängen. Saint Brice sagt imJournal": In Hythe habe Englands Ansicht gesiegt. Zum mindesten sei aber ejn Kompromiß geschlossen worden, das einer Ver­tagung gle-chkomme.Petit Parisien" schreibt: Jede Entsendung alliierter Truppen nach dem polnischen Gebiet sei ausgeschlossen. DasO euvc e" meint: Ein Mitarbeiter Mor­schall WilsonS habe gestern die Ausgabe so ge« stxlft, zr.an müsse Polen gegen seinen Willen, ohne ihm Truppen zu fenben. retren. Das ^c itidjl leichr Enrente sei zur Rocke des Zuschauers verurteilt. Das habe man schon vor der Kon- fcrcn;i gewußt. Italien habe ftd> gegen die Blockade ausgesprochen. Einige russische Rand- ftaaten würden dasselbe tun. In Hvthe scheine niemand mit Ueberzeugung von militärischen Maßnahmen gesprochen zu haben. Verstäringen durch Deutschland senden, heiße die deutsche Neu­tralität brcchen und Deutschland in Rußlands Arme treiben. Ueber Donna marschieren, fei zu spät. Die Nachbarländer Rußlands zu Hilfe ant fitbern, sei nutzlose Verzögerung.

Die Vorschläge der Alliierten.

WB. ermflerbam, 10. August.Daily News" erfährt, daß gewisse Vorschläge der Alliierten im Zu­sammenhang mit der Konferenz in Hythe an die Kowjet"egierung gesandt worden sind. Nach dem Blatte bntm sie in der .e-auptsache wie folgt: Die KrlcbcnSbebinqnugrn Rußland« muffen sofort voll- standw veröffentlicht werden. Die Konferenz bat die arundleornden Fragen, von denen der Abschluß deS Woffenstillstande« abhängt, zu besprechen und el muß nach Kräften darnach gestrebt werden, innerhalb 24 stürben ein Uebereinkommen zu erreichen, daS die sofortige E-nckellung der Ftindkel^gkeiten ermöglicht. Der genaue Wortlaut der B-spreckumgen auf de» Konferenz in MinSk muß veröffentlicht werden.

Die russischen Schulden.

D. Berti», 11. Aug. Die ,Voff. Ztg." meldet ane Kopenhagen: Aus London verlautet, daß 5kanwnew zu der Erklärung ermächtigt ist, die Schulden« Verpflichtung bc« zaristische» Rußland gegenüber Frank­reich anzuerkennen.

Amerika gegen Polen.

WR. PariS, 10. Aug. Nach einem Telegramm desEcko de Paris" au« Washington wurde als Er. gebni« der Beratungen bei Wckfou eine Erklärung ver­öffentlicht, worin gesagt wird, die russische Armee sei nicht eine bolschewistische, sondern eine russische Armee, deren Generalstabrchef General Brussilow einer bei bedeutendsten Offizier« des alten Regimes sei. Tie Russin hätten kein Begehren nach polnischem Gebiet und wollten die polnische Souveränität nicht antasten. Die nm-ritaulidic Politik wünsche das russische Geb et sicherzustelltu, b « das russische Volk seine inneren An« gcleornbeitcn geregelt habe. Dadurch hoffe Amerika, Cic W eecrvcrstellung des Frieden« und der Ordnung in Rußland zu beschleunigen. Mach demEcho d« Pari«" nahmen also die Vereinigten Staaten gege» Polen Stellung.

Die Tschecho-Slowakel neutral.

D. Berti», 11. Aug. DieVoss- Ztg." meldet auf Pr«g, daß im gestrigen Mimstecrat die strikte Neutralität der Tichecho-Slowakei beschlossen wurde. Eine von Masaryk selbst verfaßte feierliche Kiindgebung wird den Mächteil notifiziert.

Die letlisch-ruflischen Friedens- verhanolungen.

WB. Kopenhagen, 10. Aug. Nach einem Tele- gramm au« Riga wurde auf der lettffch-rublichen r edrnskon'erenz in Riga über alle Fragen eine Em gung erzielt. Die Unterzeichnung des Frieden«. Vertrages zwifchen Rußland und Lettland wird für deute ober morgen erwartet.