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AmMchss Organ für Stadt- und Landkreis Sana«

Erschein! täglich mit Ausnahme der 'Samt* und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen TeilRich. Hultsch: für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt, alle tn Sanau a. M.

Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei vanau , Fernivrechanschlüsse Nr. 1237 und 1238

Nr. 182

Donnerstag den 5. August

1920

Das Neueste.

Der Nstetat wurde gestern im Reichstag ange­nommen.

Die Ruhe im Bezirk Zittau ist wieder hergestellt. Einige Rädelsführer wurden verhaftet.

Die Verhandlungen zur Schaffung einer neuen Landarbeitertarifes haben in Sachsen zu einer Eini­gung geführt, sodaß mit der Beendigung des Streikes zu -rechnen ist.

' Die bolschewistische Armee hat den Bug über­schritten Polens Lage wird als sehr ernst bezeichnet.

Nach einer Pariser Meldung 'will England Polen seinem Schicksal überlasten.

PolenRußland.

Unaufhaltsamer Vormarsch der Russen auf allen Fronten. Der Bug, das letzte Hindernis, das die roten Stufen ernstlich vor Warschau wushielt, ist überschritten, sodaß die Lage Polens allgemein als äußerst ernst bezeichnet wird. Französisch ewie englische Blätter beurteilen die Lage pessimistisch und drücken übereinstimmend die Ansicht aus, daß, wenn nicht sehr schnell eine Aenderung eintritt, den Alliierten nichts anderes übrig bleiben wird, als die Polen versprochener­maßen mit allen zur Verfügung stehenden Mit- tekn zu unterstützen. So Täglich ist wohl noch nie ein Heer zusammengebrochen, das als In­strument eines schrankenlosen Imperialismus gedacht war. Es dürfte sich lohnen, den Polen ins Gedächtnis zurückzurufen. was ihre Zeitun- Mu «u Äruul Griebe«. als Bilsudski und V^t- juva in die Ukraine entfielst. Kiew Mhmen tmb auf Odessa marschierten. Im Vergleich dazu ist die Tonart heute mehr als gedämpft. Die Ver­handlungen zwischen den polnischen und russischen Delegierten sind abgebrochen worden, da die Sowjetregierung die Waffenruhe gleich in den Friedenszustand übergehen lasten wollte. Wie sich die Verhandlungen der beiderseitigen Waffen- Mstandskommissionen gestaltet haben, läßt sich bloß vermuten. Aber offiziöse und offizielle polnische Mitteilungen geben eine ziemlich sichere Grundlage für solche Vermutungen. Die pol­nische Regierung hat erklärt, daß als Demar­kationslinie für den- Fall des Waffenstillstandes entweder die von der englischen Regierung vorge­schlagene oder diejenige Linie gelten solle, welche die polnischen Truppen am Tage, an dem der .Waffenstillstand zustande käme, besetzt halten würden. Da man weiß, daß Sowjetrußland mit der von Llohd George vorgeschlagenen Demar­kationslinie einverstanden war, ist wach der pol­nischen Erklärung leicht zu erraten, was die Polen verlangt haben: Sie haben offenbar die Forderung gestellt, die Rüsten sollten dort, wo sie wie bei Bialystok die Lloyd Georgesche Demarkationslinie bereits überschritten hatten, wieder zurückgehen; während sie selbst in Ost- galizien das Gebiet von Lemberg behaupten wollten. Es ist ja bekannt, daß, wie wir bereits berichteten, der Vizepräsident Dasczhnski schon bei Antritt sSines Amtes die PreiSgebung Ost- Mliziens als unmöglich bezeichnet hat. Und mese Versicherung haben Dasczhnski und der Ministerpräsident Witos einer Abordnung der von den Polen eingesetzten Lemberger Stadtver­waltung wiederholt. Tatsächlich haben die Po- »en. anstatt Anstalten zur Räumung Lembergs zu treffen, die Stadt befestigt, woraus sich ergibt, sie nicht ernstlich auf einen Waffenstillstand hniarbeiten, der sicherlich nicht billiger als um

Preis zu haben war, den die englische Re- Mrung als gerecht bezeichnet halte also nicht vhäe Preisgabe Lembergs.

Werden die Verhandlungen nicht bald wie- ver ausgenommen, so wird Polen von den Bol- fchewisten überflutet. Und weder England noch Frankreich, auch nicht beide zusammen, werden m der Lage sein, mit militärischen Mitteln diesen Vormarsch aufzuhalten.

Der Vormarsch auf Warschau. Der Bug überschritten.

Paris, 4. August. Die Pariser Abendpresse Mdert aufgrund von Nachrichten aus RegierungS- Lage in Polen sehr düster. DerTemps" teilte eingetroffenen Nachrichten seien von

Ernst, den man nicht leugnen könne. Die Roten Gruppe» hätten in einer Breite von mehreren Kilo- ciern sich ^ Uebergang über den Bug erzwungen, k. rmarsch auf Warschau vollziehe sich bem5entr*J^- Das polnische Heer scheine N,^°l,alisiert zu sein. Die Polen hätten die über den Bug nicht zerstört. Die bolschewisti- wn^ rntkräfte, die man auf 40 000 Mann schätze, Ll^^tcn längs der polnisch-preußischen Grenze nach um die einzige Eisenbahnlinie, die Danrig

mäßiger Zustände ist das Ziel der Regierung erreicht. Soweit der Zivilkommissar Anlaß zu Verhandlungen vorfindet, wird er nur mit den zuständigen Bebörden und den berufenen Organisationen der Arbeiterschaft verhandeln. Die Aufhebung deS Belagerung?iusiaxdeS, zum mindesten für den Bezirk LSban, ist nur eine Frage der nächsten Stunden.

Beendigung

-es sächsischen Lan-ar-eiterstreiLs?

WB. Dresden, 4. August. Die heute unter dem Vorsitz eines Vertreters des Reichswirtfchasts- ministeriums geführten Verhandlungen zur Schaffung eines neuen Landarbeitertarifs haben zu einer Einigung beider Parteien über die Löhne der erwachsenen männlichen und weib­lichen Arbeiter geführt. Daraufhin haben die Vertreter der beteiligten Arbeiterorganisationen es übernommen, die Arbeiter unverzüglich 311t Wiederaufnahme der Arbeit aufzurufen.

Eine Kabelverbindung mitOstpreuhen.

WB. Berlin, 4. August. Nach demAchtuhr- Abendblatt" fand heute vormittag in der Stadthalle in Königsberg eine Feier zm Eröffnung des Kabels von Ostpreußen nach dem Reich statt, wobei der Reichspostminister Giesberts die Grüße der Regierung überbrachte und erklärte, die Reise nach Königsberg solle beweisen, daß die Reichsregierung das oft« preußische Volk nicht vergesse. Nach dem der Ober­präsident der ReichSregierung den Dank Ostpreußens ausgesprochen hatte und Ministerialdirektor Bredow das Kabel in die Obhut der KönigSberger Behörde« übergeben hatte, wurde eine Verbindung über das neue Kabel hinweg mit Reichspräsident Ebert in Berlin hergestelt. Neben dem Rednerpult war ein Sprechapparat und ein Schallverstärker aufgestellt. Nachdem der Reichspostminister Eiesbett dem Reichs­präsidenten die Fertigstellung des Kabels nach Ost­preußen gemeldet hatte, antwortete der Reichspräsident, dessen Motte überall z« hören waren, indem er den Reichspostminister ersuchte, der Provinz Ostpreußen seine Glückwünsche und seinen Gmß zu übermitteln. Dev «eue ba-ksche Skaalspräsidettt.

D. Karlsruhe, 4. August. In der heutigen NachmittagSsitzung des badischen Landtags wurde an­stelle des zurückgetretenen Staatspräsidenten Geiß der bisherige Justizminister Trunk mit 67 von 75 abge­gebenen Stimmen gewählt. Das Justizministerium übernimmt der seitherige Minister des Innern Remmele (Soz.) Trunk stammt aus WaldbrechtS- weiler und steht im 42. Lebensjahr. Er ist von Be­ruf Rechtsanwalt und fiihrendes Mitglied der Zen­trumspartei. Dem badischen Ministermm gehört er seit dem 10. September 1918 an. Er war zunächst Minister des Ernährungswesens und seit April 1919 Justizminister.

Nichts recht zu mache«.

Kaum hat der deutsche Reichstag auf Verlang« der Verbandsmächte die allgemeine Wehr­pflicht abgeschafft, so zeigt sich bet den Franzosen auch schon die Unzufriedenheit darüber. Wenn unsere Lage nicht so traurig wäre, könnte man herzlich lachen ob der Ungereimtheiten einer Friedenspolitik, der nichts recht zu machen ist: erfüllen wir ihre Forderungen nicht, so sind wir bösartig, vertragsbrüchig und der­gleichen ; erfüllen wir sie, dann entdeckt man, daß doch nur wir den Vorteil davon hätten. Element lautet sagt das im Journal wie folgt:

Die jungen Franzosen werden der Annehmlichkeiten der Wehrpflicht nicht beraubt. Sie werden zwei oder drei Jahre lang Soldaten sein..... Die jungen Deutschen werden sich ohne Unterbrechung auf den wirtschaftlichen Krieg einfteUen können, in dem sie die Gelegenheit zur Revanche zu finden hoffen. Sie werden zwei oder drei Jahre vor den Franzosen Aerzte, Jngeniere, Chemiker, Hand­werker. Sie gehen aus die Universität oder in die Fabrik, während jene in die Kaserne gehen . . . Das ist die Lage. Ich erlaube mir, sie nicht nur paradox, sondern beunruhigend zu finden. Wie sollen wir unter solchen Bedingungen dem deutschen Wettbewerb stand» halten?

Auch abrüsten!

Kurze Melöungen.

* Mlllec-and statt etc dem Präsidenten Deschanek einen Besuch ab und hatte mit ihm eine mehr als einstündige Unterredung über die auswärtige Lage und über die zu treffenben Maßnahmen.

* Wie derVorwärts" meldet, ist in Jüter» bog ein großes Waffenlager, das aus Maschinen, gewehren, Gewehren und Munitionsvorräten be. steht, entdeckt worden. Es soll dem Blatte zu­folge von deutschen Offizieren angelegt worden sein, die sich jetzt in russischen Diensten befinden.

* Wie derBecl. Lokalanzeiger" aus Braun- schwerg meldet, kam es im Kreise Wolfenbüttel zu blutigen Ausschreitungen ftreifenber Land- arbeiter gegen Arbeitswillige. Vor dem Ritter­gut Jalchter erschienen bewaffnete Streikende und hinderten die Arbeitswilligen an der Arbeit.

* Aus Teschen wird gemeldet: Die Teschener Deutschen verlangen, daß auf dem Polen zuer» kannten Gebiete entweder ein Plebiszit durch­geführt oder die Entscheidung dahin abgeändert wird, daß die Stadt Teschen der Tschecho-SIo» wakei einverleibt wird.

(Weitere volittsche Nachrichten Seite 5 und <Jf

mit Warschau verbindet, abzuschneiden. Die polnische Regierung fasse die Räumung von Warschau inS Auge. Die Regierung selbst würde in eine westlich gelegene Stadt verlegt werden, aber nicht nach Posen, weil in Posen zu "zahlreiche deutsche Elemente seien. Von jener Stadt wolle die Regierung die Verteidigung des Landes organisieren.

Meldungen verschiedener Blätter von der ost- preußischen Grenze bestätigen die Einnahme von Brest-Litowsk durch die Sowjettruppen. LautBer­liner Morgenpost" haben die Roten Truppen den Bug in einer Breite von 100 km überschritten und stoßen in der Richtung auf Sjedlez vor, das nur 85 km von Warschau entfernt liegt. Einer Meldung des 9. zufolge spielt sich der Kampf bereits im Raume von Praschyz, also fast im V o r f e l d v o n Wa rsch au, ab.

WB. Paris, 4. August. Havas berichtet aus Warschau: Der bolschewistischen Armee ist es gelungen, den Bug zu überschreiten, welcher das letzte Hindernis war, das sie ernstlich vor Warschau aufhält. Bolsche­wistische Streitkräfte werden auf der Straße von Augustowo «ach Grajewo auf dem Marsche nach der Eisenbahnlinie SoldauWarschau gemeldet.

Polnischer KeeresSerichl.

WB. Warschau, 4. August. Polnischer Hee­resbericht vom 3. August: An der Nordfront in der Gegend von Kolno sowie im Bereiche der Sakwa Geplänkel der Anfklär^ngstcuppen. Die Besatzung der Festung Lomsha wehrt alle bol­schewistischen Angriffe heldenmütig ab. (Nach einer russischen Meldung solle« die Bolschewisten Lomsha bereits besetzt haben. D. Red.) Nord­westlich Lomsha schlugen Abteilungen der Grichpe des Generals Buczynski die 18. Sowjet­division, die bei Brozdow den Narew überschrit­ten hatte. 500 Gefangene, 6 Geschütze und 400 Wagen sind die Beute. Zwischen Narew und Bug finden auf der Linie Zambrow-Jablonki- nowice erbeutete die 1- litauische weißrussilche Division in einem heldenmütige« Gegenangriff 8 Maschinengewehre und Train und machte 200 Gefangene.

Am Bug finden zwischen Drohiczyn und Brest-Litowsk heftige Kämpfe statt. (Nach dem Russischen Bericht soll auch Arest-Litowsk gefallen­sein. D. Red.) Bei Janowo griffen unsere Ab­teilungen, denen es gelungen war, das Südufer des Flusses zu erreichen, heftig an. Weiter süd­lich ist das Bugufer in unseren Händen. Oest- lich von Kowel bei Sokale wehrten unsere Ab­teilungen Angriffe des Feindes ab. Bei Brody dauert die Schlacht mit der berittenen feindlichen Armee an. Nach unserem Flugnachrichtendienf ist der durch unsere Abteilungen eingeschlossene Feind bestrebt, sich in der Richtung auf Krze- Hienice zurückzuziehen. Bedeutendes Kriegs­material ist in unsere Hände gefallen, Einzel­heiten fehlen noch. Am Serct findet in der Gegend von Mikludine eine Schlacht statt, da der Feind um jeden Preis bestrebt ist, westwärts vorzudringen. Die von dem Obersten Janus- zajtis geführten heldenmütigen Gegenangriffe entwickelten sich für uns günstig. Im Verlaufe des gestrigen Tages erbeuteten unsere Abtei­lungen dort 23 Maschinengewehre und machten zahlreiche Gefangene.

WB. London, 4. August. Moskau übermittel funkentelegrophisch folgenden Bericht: Westlich von Bialystok und Bjelsk schreitet unsere Offen­sive erfolgreich fort. In der Gegend von Sjedlce haben unsere Truppen den Bug erreicht und ihn nach heftigen Kämpfen überschritten. Wir haben Gefangene gemacht.

Die Sszialiftsu für Verteidigung . Polens.

WB. Rotterdam, 4. August. Nach einer War­schauer Meldung hat das Zentralkomitee der pol­nischen Sozialiften den Beschluß der Parteilei­tung, sich an einer Koalitionsregierung für die nationale Verteidigung zu beteiligen, gutge­heißen. Das Komitee fordert in einer öffent­lichen Erklärung zum Widerstand gegen den bolschewistischen Einfall in Polen auf.

Die Stellungnahme Englands.

WB. London, 4. August. (Havas.) Durch ein drahtloses Telegramm hat die englische Re­gierung der Sowjetregierung mitgeteilt, daß an­gesichts der Tatsache, daß die Sowjetregierung mdjt allein Waffenstillstandsverhandlungen mit Polen, sondern die Friedensverhandlungen auf­nehmen will, auf den Plan einer internationalen Konferenz in London verzichtet wird.

Keine Kilfe für Polen.

WB. Paris, 5. Aug. Die Panier Ausgabe des New-Porker Herald erfährt von ihrem Londoner Korrespondenten, daß bie englische Politik gegenüber den Sowjets darauf hinausgehe, Polen seinem Schicksal zu überlassen und gegenüber der Regierung von Moskau die wirtschaftliche Blockade «nzuwcnden. ES sei un­

möglich, den Polen zu helfen. Ihre Stärke zu der russischen Armee verhalte sich wie 1 : 3.

(Diese Nachricht dürfte den Parisern weniger an­genehm in die Ohren klingen. Da auch Bonar Law erklärt hat. daß bie englische Regierung niemals die Absicht gehabt habe, die deutsche Regierung um ihre Mithilfe gegen Rußland zu bitten, so darf man wohl annehmen, daß England eine französische Politik, die auf den Bruch der deutschen Neutralität abzielt, nicht ohne weiteres mitmacht. England, das ja zu unge­zählten Malen versichert hat, es sei nur zur Wieder­herstellung der belgischen N e u t r a l i t ä t in den Krieg getreten, hat ja auch allen Anlaß, in dieser Frage besonders feinhörig zu sein. Die Red.)

Aeberwachung -er

TruPpenlransKvrlzüge.

D. Frankfurt a. M., 4. Aug. Nach einem Be­schluß der im Deutschen Eisenbahnerverband »rgani- sierten Eisenbahnern des Direktionsbezirks Frankfurt findet von heute ab im genannten Be­zirk eine peinlich genaue Kontrolle aller Transpottzüge statt. Der Bezirksbetriebsrat der Eisenbahndirektion Frankfurt ist dahin vorstellig geworden, daß ihm das zuständige Dezernat über alle alliierten Transporte, die nicht nach dem Friedensvertrag unbedingt zuge­lassen werden müssen, Meldung zu geben, mit dem Hinweis, daß in allen weiter im Inneren liegenden Eisenbahndirektionsbezirken Kontrollkommissionen ans Eisenbahnern gebildet sind, die alle Durchtransporte streng kontrollieren. Züge, die nicht fahrplanmäßig fahren, werden sofort dem Bezirksbetriebsrat gemeldet. Die Eisenbahndirektion hat sich mit diesen Maßnahmen einverstanden erklärt.

Der polnische Korridor.

Jpu. London, 4. August. Laut Nachrichten aus Danzig sind die Entente-Missionen mit der polnischen Regierung übereingekommen, daß eine schärfere Bewachung des polnischen Korridors notwendig ist, um die Entente-Transporte, die in Zukunft alle durch dieses Gebiet nach Polen 'E^^^l^^ Agenten in Deutschland die Verkehrswege in dem polnischen Korridor zer­stören wollen und die Transporte durch Sabo­tage unmöglich machen. Ob diese Absichten von deutscher Seite unterstützt werden, konnte die Entente-Mission nicht feftfteüen. Wahrscheinlich werden schon in den nächsten Tagen die Truppen in diesem Gebiete verstärkt.

Wilna den Lilauern.

WB. Kopenhagen, 4. August. Nach einer Kownoer Meldung wollen die Bolschewisten Wil­ma den Litauern überlassen. Ein Vertteter des Sowjetheeres ist in Kowno eingetroffen, um mit der litauischen Regierung zu verhandeln. Die Räumung Wilnas soll sofort anfangen, sobald das notwendige Eisenbahnmaterial zur Ver­fügung ist, und im Laufe von etwa 3 Wochen be­endet sein.

Die Ausschreitungen -er Schwarzen.

DasB. T." veröffentlicht über Ausschreitungen der schwarzen Truppen im belebten Gebiet furchtbare Einzelheiten aus einem amtlichen Aktenstück, das die Aussagen und die behördlichen Feststellungen über 44, von schwarzen Truppen begangene NotzuchtSverbrechen enthält. Die unglücklichen Opfer, meist Mädchen und junge Frauen, aber auch Knaben im schulpflichtigen Alter, wurden nicht nur in bestialischer Weise genot­züchtigt, sondern auch ihrer Habseligkeiten beraubt. In mehreren Fällen lehnten die französischen Offiziere die strafrechtliche Verfolgung der Täter mit der Be­gründung ab, daß die Leute 2'/- Jahre von Hause weg wären und was haben müßten.

Ruhe in Zilkau.

. Zittau, 4. Aug. Heute vormittag um 4 Uhr rückten Recchswehttruppen mit einer Abteilimg Sicher­heitspolizei unter der Führung des Obersten v. d. Busche ein. Zu irgendwelchen Zwischenfällen ist es nicht ge= komme«. Einige Rädelsführer wurden von der Lan- dessicherbeitspolizei verhaftet.

Dresden, 4. Aug. Die Ruhe ist heute im Be­zirk Zittau wieder hergestellt. Soweit bie Mitglieder des aus 15 Köpfen bestehenden terroristischen Aktions­ausschusses nicht flüchtig gegangen sind, oder sich ver­steckt halten, sind sie heute morgen von der Landes- sicherheitspolizei verhaftet worden. Die von den Terror sten nach Pirna, dem Plauenschen Grunde und anderen sächsischen Jndustrieorten entsandten Kuriere, die dort die Arbeiter aufwiegeln und sich der Waffen bemächtigen sollten, hatten gar keinen Erfolg, da die Arbeiter selbst ihnen entgegentraten. Die Aufhebung des Belagerung Zustandes im Bezirk Löbau wird wahrscheinlich noch heute erfolgen.

WB. Dresden, 4. Aug. lieber die Erledigung des Zittauer Putsches veröffentlicht die Nachrichten­stelle der Staatskanzlci eine Mitteilung, in der es heißt: Der von Unabhängigen und Spartakisten in Zittau vom Zaune gebrochene Generalstreik mit an­schließendem Putsch ist schnell zusammengebrochen. Rtorgens rückten Abteilungen der Reichswehr und der Landessicherheitspolizet in Zittau ein und besetzten widerstandslos das Kraftwerk in Hirschfelde. Die Terroristen des FünszehnerausschusseS, soweit man ihrer habhaft werden konnte, ivurben hinter Schloß und Riegel nefeht. Mit der Wiederherstellung aesed-