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Sauauer M Anzeiger

Einrü ckunssg eb u b t: DieSaeiv.Kolonelzeileod. deren Raum 1. Mt die 4gew. Zeile i. Reklame­teil 3. Mk.. 25°lo Teuerungszuschl. Offertgebübr 30 Pfg. Bezugspreis: Vierteljährlich 12.90 Mk monatl. 4.30 Mk für Postbezug viertenährl. 12.W Mark, monatl. 4.30 Mk. Die Nummer 20J3fg.

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General-Anzeiger

AmMches Organ für Slaöl- mS Landkreis Sana«

Erscheint täglich mit Ausnahme bei Sonn« und Feiertags

Verlagsleitung: Ad. Indermüble. Verantwortlich: für politischen und allgenieinen TeilRich. bultsch^iür lokalen und provinziellen Terl sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle in Hanau a. M. Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei Hanau Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238

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Nr. 178

Samstag den 31. Juli

1920

Das Neueste.

Der Reichstag hat gestern die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht und die Beseitigung der Militärgerichte in allen drei Lesungen be­schlossen,

Der Unterausschuß des Reichswirtschafts­rates sprach sich für Beibehaltung der Fleisch- tarts und Freigabe der Herbstkactoffelernte aus.

Fürst Wolfgang zu Dsenburg-Büdingen ist im Alter von 43 Jahren an Herzlähmung gestorben.

Die französische Kammer hat die Kohlenvor- schüssc für Deutschland angenommen^

Die russischen Vorhuten streifen an der ost- -rer fischen Grenze enüang, ohne die Grenze zu Liberschr-eiten.

Warschau wurde als Operationsgebiet «r- k!ärt.

Der Landarbeiterstreik in Braunschweig hat sich weiter ausgedehnt.

Pole«.

Gestern abend um 8 Uhr sollten sich die pol­nischen Parlamentäre auf der Straße nach Brest den roten Vorhuten nähern. Ob sie die russische Abordnung erreicht haben, darüber liegt bis zur Stunde noch keine Nachricht vor. Die Energie, mit der die Russen in den letzten Tagen vor der Waffenruhe die Waffen führen, sorgt dafür, daß die Bedingimqen, die Polen auferlegt werden, IMM^ -r-.W-.Mi- ^WH das ist im Interesse Rußlands ebenso notwendig wie für andere Staaten, die irgend eine Grenzgemeinschaft mit Polen haben. Offenbar glauben die Warschauer Politiker, daß sie sich als Herren Osteuropas zu fühlen und danach zu handeln haben. Der pol­nische Staat ist nach dem Willen des Verbandes nun einmal Rußland vorgelagert und bisher hat es indessen nicht so ausgesehen, daß die Po­len irgendwie Verständnis für die Notwendig­keit eines Völkerverkehrs besitzen. Ihr unbeft'e- digter Territorialismus hat sie hier zum Gegner aller Grenzstaaten gemacht. Gegensätze bestehen nicht nur zu Rußland, sondern auch zu der Ukraine, zu Lettland und zu den Weißruthenen. Daß auch Deutschland unter den internatio­nalen Verkehrsformen Polens zu leiden hat, das wird Tag für Tag durch neue Beispiele und Erfahrungen belegt. Eben erst wieder wird eine amtliche Denkschrift veröffentlicht, die zeigt, wie die Polen den deutschen Eisenbahn- und Post- verkehr im polnischen Korridor gewaltsam abzu- schneiden suchen. Dieser Korridor besteht aus Teilen Westpreußens und Posens und ist wider und Billigkeit zu Polen geschlagen wor­den, das einen eigenen Weg nach Danzig haben wollte, obwohl es sicher ist, daß der wirtschaftliche Verkehr Polens sich unter normalen Verhält­nissen hauptsächlich über die Landgrenze bewegen wird. Wir müssen unablässig darauf dringen, daß die rein deutschen Gebiete des sogenannten Korridors wieder Anschluß an das Reich fintiern Die Polen sind einstweilen unfähig, sich so aufzu- führen, daß ein erträgliches und verstüichiges Nebeneinander möglich ist. Was die Polen/durch die AbschnürUng Ostpreußens vom Reich beab­sichtigen, ist ja mit der Hand zu greifen. Diese Provinz soll durch wirtschaftliche und politische Widerwärtigkeit für die Wegnahme durch Polen reif gemacht werden. Das geht schon aus den Ankündigungen hinsichtlich des Schicksals Dän- zigs hervor, das nach polnischer Auffassung nur vorübergehend Freistaat bleiben soll. Ist Dan- zig aber erst ein Teil des polnischen Staates, dann ist auch das Schicksal Ostpreußens besiegelt. Nun hat der Kampf gegen Rußland gezeigt, was iatsöchlich an Lebenskraft in Polen steckt. Im Vertrauen auf französische Hilfe haben die Polen den Freibeuterzug in die Ukraine gewagt. Sie glaubten, mühelos l is Odessa Vordringen zu können und so noch alle strittigen Grenzprobleme zu lösen. Die Nationalpolen von der Art Paderewski und Korfanty waren die Einpeit­scher. Sie glaubten durch die Eroberung der IHraine und durch die Niederwerfung der Bol- schewisten auch die Abstimmungsergebnisse in Ostpreußen und Oberschlesien beeinflussen zu können. Dieser Größenwahn hat sich geräAt. Darüber eitel Genugtuung und Freude zu emp­finden, wäre nach nüchterner und politischer Ueberlegung nicht geboten, es blieb dann zu erwägen, was nach dem militärischen Zusam- Wenbruch Polens folgt. Die bolschewistische Uinpflügung Polens ist kein Zustand, den wir «Klasse» Mntiimto Mim. MM^e rMW

Sowjetrepublik sich darauf beschränkt, das ehe­malige Zarenreich wirtschaftlich und politisch wieder auszubauen, so brauchen wir uns um die Entwicklung der innerpolitischen Verhältnisse Rußlands nicht mehr zu flimmern. Aber die Sowjetregierung wird versuchen, die bolsche­wistische Wühlarbeit durch tausend Kanäle nach Westeuropa abströmen zu lassen. Selbst wenn die Sowjetregierung in Moskau feierlichst ver­kündet, ihre Heillehrs für sich behalten zu wollen, braucht das ihre Jünger nicht zu hindern, auf eigene Faust die Heillehre weiterzutragen. Als der Verband den polnischen Staat schuf, hat er in keiner Weise die wirtschaftliche und soziale Festigkeit des Landes berücksichtigt: und das ist ja der Grundfehler dieser ost- und südeuropä- ischen Staatenschöpfungen. Daß sie wohl über nationale Triebkraft, aber nicht über wirtschaft­liche und soziale Lebensmöglichkeiten und Sicherheiten verfügen, das gilt vornehmlich für Polen, das internationalen Imperialismus mit tatsächlicher Lebenskraft verwechselt. Wenn die Londoner Verhandlungen etwas mehr sein wollen, als nur eine Zusammenkunft von Staats­männern, die trachten, eine ärgerliche Geschichte ins Reine zu bringen, so müssen sie die Ostprob­leme nicht nur aufrollen, sondern so schlichten, daß ein Dauerzirstand verbürgt wird. Was in Versailles geschaffen wurde, war nicht ein neues Staatsgebilde, sondern ein Durcheinander von ReibuuaZsläcben, deren verbängnisvolle Brond- gesahr sich dann auch sofort zeigte.

Polnische Truppen auf deutschem Gebier.

Die russischen Vorhuten an der ostpreußische» Grenze.

D. 8 h es, 30. Juli. Gestern überschritten die ersten polnischen Truppen die deutsche Grenze. Bei ssmctt trat eine polnische BaNabteilung, die sich auf Suwalki zurückziehen wollte, und von russi­scher Kavallerie verfolgt wurde, über die Grenze. *

NL. Berlin, 31. Jnli. Wie derBossi- schen Zta." aus Marienburg gemeldet wird, haben abgrschnittene polnische Truppen in Stärke von 8000 Mann nud 40 Offizieren bei Prosken die deutsche Grenze überschritten. Es schweben Verhandlungen über ihre Ent­waffnung. Die übergetretenen Truppen sollen in das Lager von AryS übergeführt werden. Die rnssifchen Vorhuten streifen an der ostpreußischen Grenze ent­lang, ohne die Grenz.« zu über« schreite,».

Warschau Operationsgebiet

--- Basel, 80. Juli. DerWarschauer Kurier" meldet: Die Festung Warschau und die umliegende Zone wurden als Operationsgebiet erklärt. Eine bolschewistische Annee nähert sichMdlich von Grodno dem Bug und bedroht Warschau. Die Regierung trifft Vorbereitungen, ihren Sitz von Warschau nach Kalisch zu verlegen.

Forlöauer des Kampfes gegen Wrangel.

Jpa. Warschau, 31. Juli. Russischerseits wird angenommen, daß sich der Waffenstillstand nur auf Polen beziehe und nicht gegen den General Wrangel in der Krim. Der bolichewistische General Budenny, der sich mit seiner Armee auf Lemberg bewegt, erhielt den Auftrag, sich mit einer andern russischen Armee zu bereinigen und nach Südrußland zu ziehen, wo er den General Wrangel ungefährlich machen folL

*

WB Kowno, 30. Juli. Eine Abordnung der Bewohner der Stadt Suwalki ist beim Kommando der Armeegruppe Mariampol der litauischen Heeres ange- kommen und teilt mit, daß die Polen die Stadt aus- geraubt hätten. Sie bitten dringend um die Besetzung Suwalkis durch litauische Truppen.

WB Rotterdam, 30. Juli. Kraffin sagte in einer von derDaily Mail" veröffentlichten Unter­redung, Sowjelrußland werde keine Einmischung be­züglich der Regierung oder der staatsrechtlichen Stellung irgendeines Teiles des früheren russischen Reiches einschließlich Mittelasiens und des Kaukasus dulden. Er erklärte ferner, die russischen Delegierten müßten auf der Konferenz in London gleichberechtigt behandelt werden.

WB. Paris, 30. Juli.Havar" veröffentlicht einen Bericht aus Moskau in dem es heißt: Wir haben die Festung Ossowiccz eingenommen und Ge­fangene gemacht. Wir, verfolgen den Feind weiter in der Richtung auf Lomza. In der Gegend von Bialistöck haben unsere Truppen verschiedene Eisen- bahnpunktc genommen. Der Feind leistet nur noch schwachen Wiederstand. In der Gegend von Tarnopol kam es zu einem Gefecht. Unsere Truppen haben den Sereth überschritten.

Churchill über Polen.

WB. London,.30. Juli. In oerEvening New»" verbreitet sich Churchill über die Lage Polens:Westlich Polens liegt das schreckliche Deutschland, halb betäubt und halb gefesselt, aber noch immer im Besitz von urchtbaren Fähigkeiten, die ei ihm ermöglicht haben

beinahe allein so ziemlich die ganze Welt zu bekämpfen. 3m Osten liegt ebenfalls in schrecklicher Verwirrung die ungeheure Masse des wunden, vergifteten und ver­pesteten Rußlands. Zwischen beiden von Krämpfen geschüttelten Ländern steht Polen schwach und klein im Verhältnis, unerfahren und ohne Organisation, knapp an Geld, Lebensmitteln und Waffen." Churchill kühlte weiter aus, daß ein boBcheiinftikher Friede für Polen vielleicht nur die Fortsetzung des Krieges in anderer Form bedeuten würde. Er sagte: ..Kein Schuß braucht abgefeuert, kein Bajonett ansgepflanU, kein Bataillon vorgeschickt zu teerten und doch kann die Invasion schnell und rastlos fortgeben. Der Ruin und die Zer­störung PolenS durch Gewalt von außen oder eine innere Umwälzung und die Einverleibu .g des Landes in das bolschewistische System würden eine wichtige Barriere zerstören, und Rußlaud und Deuischland in direkte Berührung bringen." Churchill schließt, das deutsche Volk habe zwischen zwei Wegen zu wählen. Es könne das Unglück Europas erneuern und ver­doppeln oder der Zivilisation einen großen Dienst er­weisen, es könne sein eigenes soziales System in den allgemeinen bolschewistischen Wirrwarr versetzen und ein Chaos weit und breit über den Kontingent herauf­beschwören, oder es könne durch Liebe zum Frieden den gesetzlichen Zuständen einen gestärkten Damm gegen die Flut der roten Barbarei errichten, die vom Osten her sich heranwälze.

Anfrage bei Amerika.

Jpu. London, 31. Juli. Ein Telegramm aus Washington meldet, daß die Entente sich an die Re­gierung der Vereinigten Staaten wandte, um deren Ansicht über die mit Rußland zu führenden Friedens- verhandlungen zu hören. Man glaubt hier in amt­lichen Kreisen, daß Amerika daran teilnehmen werde. Es ist der Plan Lloyd Georges, die Verhandlungen auf breiter Grundlage zu führen, um mit Rußland alle Streitfragen zu lösen, damit ein endgültiger Frieden zu Stande kommt. Die Anerkennung Sowjet- Rnßlands bietet keine Frage mehr, welche die Be­sprechungen scheitern lassen könnten. Auch Frankreich sucht man zu einem Kompromiß zu bestimmen, unter der Bedingung, daß die Sowjetregierung sich bereit Teil auzuerkennen. Dies wird nach LAyd Georges Ansicht zu erwarten sein, da er bei den Besprechungen mit Krassin die Frage bereits vorbereitet hat und eine günstige Ant­wort erhielt. Krassin wird noch in dieser Woche in London erwartet.

Die Verluste der Polen.

Ipu. Warschau, 31. Juli. Die Polen haben bei der russischen Offensive feit Beginn derselben an Ge­fangenen 31000 Mann verloren, an schweren Artillerie­geschützen 67, an Feldgeschützen 392, an Maschinen­gewehren 1627. Die Verluste an anderem Kriegs­material und Vorräten waren sehr erheblich. Be­sonder» viel Eisenbahnmateria haben die Polen im Stiche lassen müssen, das den Russen äußerst ge­legen kam.

Nach einer Meldung derMorgenpost" wird in der früheren Provinz Posen' die Einziehung der Jahrgänge 18901895 rücksicht slos durch geführt. Die Leute werden, auch wenn sie für Deutschland optiert haben, auf der Straße verhaftet und in die Armee gesteckt.

TruPpeulransPorle durch Deulfchlaud.

WB. Berlin, 30. Juli. Das Reichswehrimni- sterium teilt mit: Die aus Sibirien über Amerika kommenden, in Hamburg gelandeten tschecho-slowa- kischen Transporte werden im Einverständnis aller Reichsbehörden durch Deutschland nach der Tschecho- Slowakai befördert. Die Transporte sind demnach nichtgeheim" und nichtverdächtig". Da entsprechend den seinerzeit mit einem Vertreter der Tschecho- Slowäkai getroffenen Abmachungen bett Transporten noch vor ihrer Landung in Cuxhaven alle Waffen und Munition abgenommen und diese in betonteren plombierten Wagen befördert worden sind, war die Entwaffnung" unterwegs nicht mehr gut möglich. Eine telegraphische Anordnung des Reichswehrminr- steriums in diesem Sinne ist daher niemals ergangen Vom Reichsw ehrmin isterinm erging lediglich am 26. Juli abend» ein telephonischer, am 27. Juli durch Telegr-mm bestätigter Befehl, daß die Transporte, da ihre Durchführung durch Sachsen nach Bovenbach bei den sächsischen Eiienbahnbetricbsrcucn auf Widerstand stieß, von Hall« über WeißenfelsSaalfcldNürnberg Regensburg weiter in der Richtung Pilsen umzu- leiten seien. Sie wurden heute nacht an die Tschecho- Slowakai übergeben. Nach einer gleichfalls schon vor mehreren Monaten mit der Tschecho-Slowakai getroffenen Abmachung treffen heute zwei weitere Dampfer mit rund 5000 tschecho-flowakischen Soldaten als letzte Rate in Hamburg ein. Die Weitcrleitung durch Deutschland ist in gleicher Weise wie bei den früheren Transporten in Aussicht genommen.

Ostpreutzifche Verlrelung in Berlin.

D. Berlin, 30. Juli. Auf Anregung des Ober- präsidciiten der Provinz Ostpreußen ist in den letzten Tagen in Berlin eine besondere ostpreußische Ver­tretung unter Leitung von Dr. Hertz geschaffen ivorben, die ihre Arbeitsräume in der Wilheuustraße 89 hat. Der Zweck dieser Neueinrichtung ist auf der einen Seite das Reich und bie preußische Regierung jeder­zeit über alle ostprcußischcn Angelegenheiten auf dem Laufenden zu halten, auf der anderen Seite nach Ostpreußen alle diejenigen Informationen gelangen zu lassen, die bei der Angelegenheit Ostpreußens auf andere Weise dem Oberpräsidüim nicht rechtzeilig be­kannt werden könnten. Ziel der neuen Vertretung ist kcmrSwrüS etwa oüvreußijche SeparationSLelustr an

Vsiegen, vielmehr soll sich die Verbindung zwischen Ostpreußen und dem übrigen deutschen Vaterlande U eng als möglich gestalten.

Die -eulschen Kohlenoorfchüste.

?«r Gesetzentwurf angenommen.

WB. Paris, 30. Juli. In bet heutigen Nach« mittagSsitznng der Kammer wurde über den Gesetzent­wurf, der die französische Regierung autorisiert, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um das Proto­koll von Spa vom 12. Juli 1920 zur Ausführung zu bringen, beraten. Der Berichterstatter Bekanowsk» erklärte, es sei unmöglich, daß Frankreich irgend eine» Teil der Verpflichtungen übernehme, die der Vertrag von Versailles Deutschland auferlege. Man dürfe in finanzieller Hinsicht nicht weitergehen, als man mit den jüngst bewilligten Steuern gegangen sei, ohne bie Lage Frankreichs zu gefährden. Man dürfe Frankreich nicht noch mehr Lasten auferlegen. Anstelle der im Friedensvertrag vorgesehenen Milliarden, bie Deutsch­land zahlen solle, komme es nunmehr zu einer neuen Leere in den französischen Kassen. Der Ausschuß fei der Ansicht, daß die Garantien für die Rückerstattung oer Vorschüsse, die man leisten solle, nicht genügend seien. Frankreich, das während des Krieges sehr ge­litten habe und das auf eine Transaktion eingegangen sei, durch die es auf einen Teil seiner Rechte ver­zichtete und das der Gläubiger Deutschlands für mehr als 200 Milliarden fei, könne die Vorschüsse nicht leisten. Deshalb könne die Finanzkommission der Kammer nicht anraten, den vorgelegten Gesetzentwurf anzunchmen.

Für den Kammerausschuß für auswärtige Ange­legenheiten berichtet alsdann der Abg. R o l l i n. Nach seiner Ansicht erläuterte das Abkommen von Bonlogne in glücklicher Weise das Abkommen von Spa. Milleran» habe feine patriotische Pflicht erfüllt. Sie, Tatsache, daß Frankreich Deutschland Vorschüsse leisten solle, verletze das Gefühl der Gerechtigkeit stark. Frankreich habe mit der englischen Allianz zu rechnen. Sie Dürfe allerdings nicht mit dem Verzicht auf Recht» bezahlt werden Die Zurückweisung der Kon­zessionen würde unberechenbare Folgen haben. Deshalb fei es notwendig, bett Ministerpräsidenten tät die noch, kommenden Verhandlungen bur h das Vertrauen der Ka nmer zu unterstützen. Die Kam. mer trat nach dieser Rede in die Diskussion ein Nach kurzen Bemerkungen der Abgeordneten Peyroux" und Ossola, die vor fast leeren Bänken sprachen, ergriff Ministerpräsident WMhTanb das Wort. Er erklärte, die Regierung hätte in voraussehender Weise Frank­reich für den kommenden Winter bie Kohlen sicher, stellen müssen. DaS sei eine der ersten Notwendigkeiten für die Prosperität des Landes gewesen. Das Abkom­men von Spa stelle die Kohlenversorgung im Verhaltn!» von 80 Prozent zu der normalen Zeit und zu einem um ein Fünftel höheren Preise, als er augenblicklich fei, sicher. Nachdem Millerand die einzelnen Punkte des Abkommens von Spa nochmals er­läutert hatte, ging er zur Besprechung der Finan­zierung der Vorschüsse über. In Bonlogne fei es ihm gelungen, eine Besserung der Lag« her» ei zu führen. Deutschland habe nicht di« Möglichkeit gehabt, über die notwendigen Fonds zu verfügen, um feine Ernährung bei den Neutralen sicherzustellen. Aber bie Alliierten hätten Deutschland nicht nur an die Ausführung des Vertrage? erinnert, sie hätten es auch verpflichtet, um Vorschüsse zu er­langen, ihre Vermittelung in Anspruch zu «hüten. Sie hätten damit Deutschland in erster 5?mir an seine Verpflichtung der finanziellen Hüter- ordnung erinnert. Das sei einer der ersten Vor­teile des A b ko m m cus vo n Spa. In Bon« longne sei ein zweiter Vorteil erzielt ivorben: Man habe die Befugnisse beS Wieoergut« m achungSausschusseS gerettet, der bie finan* feilen Operationen regeln solle. Wenn man jetzt sich weigere, den Gesetzentwurf anzunchmen und die fran­zösische Verpflichtnng, Vorschüsse zu leisten, verneint. Dann werde auch da» Kohlcuprotokoll hinfällig, durch das sich Dcutschlaud verpflichtet, monatlich 2 Millionen Tonne» Sohlen zu liefern, und damit falle auch die Klausel, durch die Deutschland bedroht sei, wenn es bis zu einem gewissen Zeitpunkt nicht sechs Millionen Tonnen Kohlen abgeliefert habe: die Besetzung teS RuhrgebietS. Durch die Verwerfung des Protokoll« entziehe man auch Belgien und Italien bie Kohle. Man sagt, man solle sich an den Vertrag von Versailles halten. Man habe aber gesehen, zu was das geführt hätte. Er erinneC an den 6. April. DainalS habe man bie Regierung getadelt, weil sie, die Allianz kompromitücrt hätte. Jetzt aber habe man Gesanumaßnalunen der Alliierten erlangt. Sie Regierung habe geglaubt, für Frankreich sowohl tote für Deutschland bei der augenblicklichen Lage uW anders handeln zu können. Millerand schloß mit Den Worten, daß er bie Kammer fest vor die Verantwort, lichteit stelle. Hierauf ergriff Maurice Barrdo da» Wort, der von den politischen Interessen Frankreich» sprach. Sodann wurde Kapitel 1 des Gesetzenwu es, der einen sechsmonatlichen Vorschuß bis zu einer. Betrage von je 200 Millionen FrancS Vorsicht, mit 393 gegen 83 Stimmen angenommen.

Aus dem Aeichsrar.

Der gleichstes genehmigte dgö vorläufige Abkommen über die Wiederaufnahme der Beziehungen zw üim beut deutschen Reiche und Lettland und über den freien Transithandel Smfdjlanbs mit Rußland durch Bett« land.' Unverändert angenommen wurde eine Abänderung des PostgebührengesetzcS, demzufolge die ErböhunT der ZeitungSgebüaren statt am 1. Oktober erst am 1. Januar 1921 in Kraft treten kann.

^Weite« jwWiw&e dhaMn^n Sei^ t^.