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General-Anzeiger

AmMches Organ Me SlaSk- mS Landkreis Kanon

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertags

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Fernivrechanschlüss« Nr. 1237 und 1238

Nr. 177 Freitag den 30. Juli

1920

Das Neueste.

Der Reichstag hat gestern in zweiter Lesung Den Gesetzentwurf betreffend die Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit angenommen.

Die Bolschewisten setzen ihre Offensive gegen Polen in verstärktem Maße fort.

Die deutsche Regierung hat die Abreise Bela Kuhns' und seiner Begleiter in das von ihnen selbst gewählte Ausland genehmigt.

Das Finanzabkommen betreffend die Vor- schüffe an Deutschland sieht einen Kredit von monatlich 200 Millionen Frank vor.

Im Kreise Wolfenbüttel (Braunschweig) ist ein politischer Landarbeiterstreik ausgebrochen, der grötzeren Umfang anzunehmen droht.

Der Krieg im Osten.

Die Russen setzen ihren Vorm rrsch fori.

Trotz Zustimmung der Sowjetregierung zum Eintritt in Verhandlungen über einen Waffen­stillstand, setzen die Bolschewisten ihre Offensive fort. Das amtliche russische Nachrichtenbüro in Stockholm erklärt, daß die Sowjettruppen keines­wegs den Befehl zum Rückzug oder zur Ein­stellung der Feindseligkeiten vor Abschluß des Waffenstillstandes erhalten hätten. Dafür ent­wickeln die roten Truppen sich weiter fächer­förmig auf Warschau, das von den russischen Reitern vielleicht eher erreicht wird, als die IÄI^iM^ Ort

Md Stunde für den Abschluß der Waffenruhe bekanntgeben.

4 Kilometer vor der -eulschen Grenze!

D. Berlin, 29. Juli. DemAchtuhr-Abend­blatt" wird gemeldet, daß die russische Kavallerie bereits im Rücken der polnischen Nachhuten Sczyszin erreicht habe, also schon auf 4J4 Kilo- meter an die deutsche Grenze östlich Biala her­angekommen sei. Szcyszin ist bereits durch Sow­jettruppen besetzt. Zwischen Grajewo und Lomza ist die telephonische Verbindung unterbrochen. Kunterbunt durcheinander marschieren die abge­kämpften polnischen Jnfanteriebataillone, Ar­tillerie- und Trainabteilungen. Alle Straßen sind verstopft. Die höhere Führung scheint voll- lommen zu versagen. Die Truppen leiden unter schrecklichem Munitionsmangel. Es ist bezeich­nend, daß die Russen fast vollkommen ohne Ar­tillerie vorgehen, da ihnen die Polen bei der Aufgabe der Njemenlinie nirgends starken Wi­derstand entgegenfetzen konnten.

Polnischer Generalslabsberichr.

WB. Warschau, 29. Juli. Generalstabsbericht vom 28. Juli: Am nördlichen Frontabschnitt be­setzten unsere Abteilungen planmäßig die Linie Grajewo Ossowiec Kamienieg Litowski Kobrin Das Zentrum der Polesischen Truppen geht ohne stärkeren Druck des Feindes nach Ab­wehr örtlicher Angriffe des Gegners an der Kobriner Chaussee mit dem linken Flügel nach Westen zurück, um die Verbindung mit den nörd­lichen Armeen nicht zu verlieren. Südlich der Stochodlinie herrscht Ruhe. Am Styr und Sereth gruppieren sich unsere Truppen zur An­griffsaktion um.

Ane gegenrevoluliormre Bewegung?

Jpu. Warschau, 29. Juli. Sehr beunruhigende Nachrichten für die Kommunisten werden aus Sowjetrußland gemeldet, die auf das Einsetzen einer gegenrevolutionären Bewegung schließen lassen. Die Zusammensetzung der Truppenfüh- rung aus bürgerlichen und Sowjet-Offizieren, auf welche Gefahr von Anfang an besonders ge­achtet wurde, hat dennoch ihre Wirkung auf die Truppen nicht verfehlt- Der Plan eines sieg­reichen Rußlands hat die Gemüter im natio­nalen Sinne beeinflußt, zumal viele Arbeiter durch den Arbeitszwang, der kürzlich eingeführt wurde, genug von dem Sowjet-System bekommen haben. Sie ließen sich lieber für die Front be­stimmen, als unter dem Zwangssystem in den Fabriken zu arbeiten. Während der kriegerischen Tätigkeit ist diese Stimmung unter den Truppen nicht verborgen geblieben und auch die Ver­räter schliefen nicht, sodaß fortwährend die von dem neuen nationalen Geist erfüllten Soldaten und Offiziere abgelöst und hinter die Front ge­bracht wurden Dort zeigte sich aber ebenfalls der Einfluß, den die fortwährenden Siege über die polnischen Truppen aus übten und. dig Gefahr

ist so groß geworden, daß die Moskauer Regie­rung über die WaffenstillstandsMigebote von England und Polen in Konflikt geraten ist. Lenin und Trotzy halten es für notwendig, bald mit den Polen zum Frieden zu kommen, damit die Truppen wieder unter strenge Kontrolle komnren und der Moskauer Regierung die Zügel nicht aus der Hand gleiten. Verschiedene Volks- kommissare sind dagegen für eine Fortsetzung des Kampfes, bis Polen niedergerungen ist, und sich Gelegenheit bietet, mit anderen Staaten in engere Fühlung zu treten, um den Bolschewis­mus zu verbreiten. Keineswegs dürfe setzt ein Ende gemacht werden. Die bürgerlichen Offiziere und Personen, welche zur Mitarbeit herange­zogen waren, darunter auch General Brussilow, vertraten den Standpunkt der letzteren Richtung, um den Kampf fortzusetzen, was das Mißtrauen von Lenin und Drotzky noch vergrößerte. Am Freitag voriger Woche erließ Trotzky einen Ar­meebefehl, um die bürgerlichen Offiziere größten­teils unter Dank für ihre Tätigkeit abzuberufen. Diesem Befehl ist fast nirgends Folge geleistet worden, bo* hat er die Sammlung dieser Kreise veranlaßt, die sich nun auf die Bauern und die dem Bolschewismus untreu gewordenen Ar­beiter stützen wollen. Von Moskau sind Volks­redner ai^esandt, welche die Soldaten über die Zukunftsaussichten im bolschewistischen Rußland unterrichten sollen, in Wirklichkeit aber g e - heiwe nationalistische Propa­ganda treiben. Eingeweihte Kreise neigen zu der Auffassung, daß eine Gegenrevolution nicht ausgeschlossen sei, wenn sich bei den Frie­densverhandlungen Schwierigkeiten ergeben, die eine Wiederaufnahme des Kampfes erforderlich machen. Viel hängt von den Ereignissen im Süden ab, wo General Wrangel noch immer -Verstärkungen, erhält, wc' von dort aus den Beginn der Umwälzung zu erwartn i^

Deuffchlands Neutraltt«!.

Reichsminister des Auswärtigen Dr. Si­mons veröffentlicht im Augustheft derDeut­schen Nation" einen Aufsatz über Deutschlands Neutralität im Osten, aus dem wir folgendes wiedergeben:

Die Krise im Osten ist über die Grenzen Polens und über die unseren hinweg zu einer ge­samteuropäischen Frage von allergrößter Bedeu­tung geworden. Wohin das Schicksal auch die Folgen der Krise lenken mag, eins steht für Deutschland fest: Die durch die Erklärung des Reichspräsidenten vom 20. Juli feierlich verkün­dete Neutralität.

Die Erklärung der Neutralität schafft an sich sachlich keinen neuen Zustand, sondern gibt nur eine rechtsverbindliche Bestätigung mit beiden der kriegführenden Parteien, die sich an seiner Ostgrenze gegenüber stehen, im Frieden.

Für Deutschland wird die Frage der Stel­lungnahme der Entente in dem Augenblick akut, in dem diese den Gedanken einer militärischen Hilfeleistung für Polen zur Ausführung zu brin­gen versucht. Es entsteht die Frage: Dürfen oder müssen wir eine solche Hilfsaktion, die deut­sches Gebiet berühren würde, zulassen? Die geographische Lage Deutschlands läßt keine Zwei­fel daran, daß es das natürliche Etappen- und Aufmarschgebiet für derartige Zwecke wäre. Ver­pflichtet sind wir in keiner Weise, Wünsche der Entente, die in dieser Richtung gehen, zu er­füllen. Es steht uns zwar frei, Waffen und Munition zu liefern, doch sind wir hierin, ab­gesehen von Ausfuhrverboten des Friedensver- trages, von nichts anderem abhängig, als von unseren eigenen Entschlüssen. Den Durchmarsch von Truppen zu gestatten, sind wir nach unserer Neutralitätserklärung nicht berechtigt; denn eine solche einseitige Vergünstigung für einen der beiden Gegner würde einen Neutralitätsbruch unsererseits bedeuten. Desgleichen wäre es eine Verletzung unserer Neutralität, wenn man uns durch Druckinittel irgend eines Zwanges dazu veranlassen wollte, einen Durchmarsch zu er­lauben.

Wir Deutsche haben keinen Grund, eine der kriegführenden Mächte schlechter zu behandeln als die andere. Unser Lebensinteresse als Nation erfordert es, daß wir den klar umgrenzten Boden unserer strikten Neutralitätserklärung nicht ver­lassen. Hieran muß mit allem Nachdruck und «Her Entschiedenheit festgehalten werden. Ver­fehlt wäre es, sich in dieser Hinsicht in eine leicht­gläubige Sicherheit wiegen zu lassen. Die Lage ist nach jeder Richtung gespannt."

Truppentransporle durch Deutschland.

Eine Erklärung.

WB. Berlin, 29. Juli. Zu den zahlreichen, die Bevölkerung beunruhigenden Gerüchten über

die Beförderung von Truppen und Kampfmate­rial der Entente auf deutschen Eisenbahnen, die im Kriege Polens gegen Sowjetrußland ver­wandt werden, - erfährt das W- T. B. von, zu­ständiger Seite folgendes: Es gehen regelmäßig Nachschübe zu und von den in den Abstimmungs­gebieten Ostpreußens, Westpreußens und Ober- schlesiens stationierten Besahungstruppen. Die Transporte -laufen von Bischof^Mm nach Sa- gan über die Strecke Frankfurt-Süd. Hanau-Ost, Blankenheim, Erfurt, Weißenfels, Leutzsch, Taucha, Eilenburg, Falkenberg, Kottbus, Sagan in der Weise, daß an die regelmäßigen am Sonntag, Dienstag, Donnerstag und Samstag verkehrenden Züge sowie an die Montags, Mitt­wochs und Freitags verkehrenden Kurierzüge einige Wagen mit Mannschaften und Material, darunter die für die Schießübungen der Truppen erforderliche Munition, angehängt werden. Die Transporte gehen von Sagan weiter nach Op- peln für Oberschlesien über die Stationen Lieg- nitz, Maltzsch. Mochborn, Brockau und Carls- markt, während von den am Sonntag und Don­nerstag verkehrenden Zügen eine Wagengerippe für West- und Ostpreußen nach Deutsch-Eylau abgezweigt wird. Dementsprechend verkehren regelmäßig Rückzüge über dieselben Strecken. Die Transporte dienen dem Zweck, die Be­satzungstruppen abzulösen und mit Material zu versehen. Sie werden daraufhin von den zu­ständigen deutschen Stellen regelmäßig kontrol­liert. Die Bevölkerung der Ortschaften, welche diese regelmäßigen Transporte passieren, kann nicht nachdrücklich genug gewarnt werden, von irgend welchen alarmierenden Gerüchten über den Charakter der Transporte sich beeinflussen oder zu einer bnbelonnenen Haltung ihnen gegenüber sich verleiten zu lassen. Die Trans­porte erfolgen durchaus in Uebereinstimmung mit lich der östlichen MUmmungSgebiete, und zwar bereits seit Monaten. Sie stehen "in keiner Be­ziehung zu den polnisch-russischen Kriegshand­lungen und können nicht im geringsten die von der deutschen Regierung erklärte Neutralität be­einträchtigen.

Der Vorschuß an Deutschland.

Monatlich 200 Millionen Fres.

WB. Paris, 29. Juli. Der Finanzausschuß der Kammer hörte heute betreffend des finanziellen Teiles des Koblenabkommens von Spa Ministerpräsident Millerand an. Der Finanzausschuß beschloß sodann mit 14 gegen 12 Stimmen entgegen seinem gestrigen Entschluß, nicht in Einzelberatungen des Gesetzes ein- zutteten, dies nunmehr doch zu tun. Das Finanz­abkommen sieht einen Kredit von monatlich 200 Mill. Fres. für die Dauer von 6 Mouatcn vor, die an Deutschland zu zahlen sind. Man darf nunmehr an­nehmen, daß über die Angelegenheit morgen in der Kammer die Entscheidung getroffen wird, nachdem der Berichterstatter dieses Gesetzes Doumer sei e Demission cingereicht hat.

Zur Kohlenpreisfrage.

Im Anschluß an eine Sitzung des Reichs- kohlenrates fand eine Tagung des Reichskohlen- verbandes und des Reichsa-usschusses des Reichs- kohlencates statt, die insbesondere über den An­trag auf eine am 1. August wirksame Kohlen- preiserhöhung des rheinisch-westfälischen Kohlensyndikats von 25 Mark für die Tonne ausschließlich Kohlensteuer Beschluß fassen sollte. Diese 25 Mark setzen sich aus folgenden drei Posten zusammen: 1. 14 Mark für verstärkten Heimstättenbau, 2 9 Mark zur Uebernahme der seit Juni anläßlich einer Lohnsteigerung einst­weilen vom Reich kreditweise hergegebenen Zulage von 4^ Mark pro Schicht für Lebens­mittelbonds, 3. 1.80 bezw. rund 2 Mark zur Rück­zahlung der zu Ziffer 2 genannten schon aus ge­gebenen Beträge an das Reich. Staatssekretär Dr. Hirsch teilte dazu mit, daß das Kabinett sich mit dieser Frage beschäftigt habe und zu folgen­dem Ergebnis gekommen sei: Das allgemeine wirtschaftliche Interesse läßt zurzeit eine Kohlen- preiserhöhung nicht zu. Wird sie beMossen. b ist gegen diesen Beschluß der gesetzliche Ein­spruch zu erheben. Indessen entart die Reichs­regierung sich bereit, für den Bergarbeiterheim- stältenbau sofort 300 Millionen Mark im Wege des Kredits bereitzustellen und auf die Rück­zahlung der oben zu Punkt 3 genannten Be­träge zu verzichten. Die verbleibenden 9 Mark des Antrages würden die Zechen ab 1. August selbst ohne Preiserhöhung tragen können aus drei Gründen: 1. Weil die Matcrialpretse in den letzten Monaten stark gesunken seien und sich da­durch die Selbstkosten ermäßigen würden, 2- weil die Förderung steigen und auch dadurch die Selbstkosten sinken würden, 3, weil die meisten

Zechen bisher schon gute Gewinne aus Neben- betrieben erzielt hätten. Nach eingehender Aus­sprache wurde angenommen, daß die Preiser­höhung zu Punkt 3 von 2 Mark durch das An­gebot der Regierung hinfällig sei. Ein Antrag, hiernach nur 23 Mark pro Tonne Preiserhöhung zu beschließen, wurde abgelehnt. Ein weiterer Antrag, angesichts des Angebots des H<fim- stättenkredits nur die noch verbleibenden 9 Mark Preiserhöhung zu fordern, fand Annahme. Staatssekretär Dr. Hirsch legte gegen die Er­höhung im Auftrag der Reichsregierung Ein­spruch ein. Es wurde ein kleiner Ausschuß aus Arbeitnehmern, Arbeitgebern und einem Ver­braucher gewählt, der dem Reichskabinett den Standpunkt der Bergbauinteressenten morgen barlegen soll. Schließlich fanden Verhandlungen statt, die auf eine Ermäßigung der Braunkohlen- preise hinzielen. Diese Verhandlungen dauern noch an.

1022Aeregsverbrecher".

WB. Leipzig, £9. Juli. Wie dasLeipzig« Tageblatt" von zuverläsüger Seite erfährt, und beim Reichsgericht bisher insgesamt 1022 Strafsachen auf Grund des Geleges ,ur Verfolgung von Krieosver- brechen anhängig geworden. Hervon entfällt die überwiegende Anzahl, insgesamt 886 Strafsachen, auf die Anklageliste der Entente. Der Oberreichsanwalt ist in allen Fällen eingeschritten, in denen die An­gaben der Listen über oie Person der Be'chnldigteu ein Einschreiten überhaupt ermöglichte. In 27 Fällen mußte die Einstellung der Verfahrens erfüllen, weil die Beschuldigten gestorben waren. Im übrigen be­finden sich von den obengenannten 886 Fällen 857 int Stadium des Ermittlungsverfahren'. Die Be­mühungen des Oberreichsavwaltes, da? Ermittlungs- vermhren mit möglichster Beschlenni ung zu Ende zu führen, scheitert an Umständen, die von seinem Willen unabhängig find. Der Fortgang des ErmittelungSv^rfahrenr _ wird ins- be'orwere bGvvtqj »«ordentlich a^ x^Ä^* < 5S" sowohl die früheren als anck die neuen NiiSl'bcnmiW listen ausreichende Angaben über die den Beschul­digten zur Last gelegten Taten, insbesonderc aber über das für die Beschuldigung erforderliche Be- weismaterial, vermissen lassen. Das Bestreben des Oberreichsanwalts muß deshalb in erster Linie darauf gerichtet sein, den Tatbestand der Beschuldigung aus­reichend klarzullellen, um Entschließungen über die Er­hebung einer öffentlichen Klage fassen zu können. Zu bn sein Zweck hat er sich, da die Anzeigeerstalter rnb ein großer Teil des BeweismaterialS sich in den En- kenteländern befinden, durch Vermittiung der Aus­wärtigen Amtes an die ehemals feindlichen Regierungen mit dem Ersuchen um genaue Bezeichnnng der strafbaren Handlung und Aufllarung von Wider­sprüchen sowie Beschaffung von BciveiSmaterial ge­wandt. Von dem Ergebnis dieser Erhebungen wird der Fortgang der Erledigung der Verfahren abhängen.

LanHarbetterstrerk.

WB. Braunschwcia, 29. Juli. Im Steil Wolfenbüttel sind die Landarbeiter in den Streik ge­treten. Wie dieBraunschweigischen Neuesten Nach­richten" berichten, liegen bis jetzt Meldungen aus etwa 20 Ortschaften über den Ausbruch des Streiks vor. Die NuLdchnung des Streiks auf die Landkreise Braunschweig u..d Helmstedt ist nicht unwahrscheinlich.

OxposMorr gegen Millerand.

(Letzte Meldung.)

Ipu. Paris, 30. Juli. Die Opposition gegen Millerand wird immer stärker. Er wird beschuldigt, daß er sich in Spa wieder durch Llond George zum Nachgeben habe verleiten lassen, sodaß jetzt Frankreichs Ansprüche eigentlich nur noch auf dem Papier stehen, während sie praktisch wohl kaum noch Aussicht haben, jemals erfüllt zn werden. Zu den neuen Gegnern Millerands rat sich jetzt auch der frühere Minister Präsident Ribot gefeilt, der im Senat ^eme auf sehen« erregende Rede hielt. Nibot ging die SWW erigierten der Außenpolitik Frankreichs durch und laut zu dem Ergebnis, daß Frankreich noch nie sich solchen Zuständen gegenüber gesehen habe als jetzt. Ins­besondere klagte Ribot über die Lasten welche dir deutschen Kohlenliekcrungen für Frankreich mit sich bringe. Werde man jetzt auch noch hie deutieue Ent­schädigungssumme sestäellen, dann würde sich die Lage noch mehr zu ungunften Frankreichs ergeben. Ribot vcrlaiigtc daher, daß man die Konferenz in Genf vertagen solle. Er bat am Schlich Arauireid) diese nächste Niederlage zu ersparen. -< Millerand suchte feine Politik zu verteidigen, inbem er erklärte, er könne alles, was der Bow rebner gesagt habe, uuterschrübcn. müsse aber Freiheit int Handeln haben, weil er sich bezüglich der AuSiübrung deS FriedensvertrageS nach den Ve^ bünbeten richten müsse. Senator Löwy, der RibE unterstützte, erklärte, daß man es bedauein werde wenn jetzt die Enlschädigung festgestellt ivcrde. Teutnh' land verfüge über viel mehr Hilfskräfte, als man tfr Frankreich vermute. D>e biete Rivots wird & Franlrelch öffentlich angeschlagen.

(Weitere politische Nachrichten auf Seite 3.)