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General-Anzeiger

AmMches Organ für Sladl- und Landkreis Sana«

Erschein! kaglich mit Ausnahme d« Sonn- und Feiertags

Verlagsleitung: Ad. Jndermuhle.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil Rich. öultsch: für lokalen und provinziellen Teil sowieTvort i.V.: R. öultsch; für Anzeigen und Reklamen Ä. Brodt. alle in Hanau a. M. Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei Sanau Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238

Nr. 163

Mittwoch den 14. Juli

1920

Das Neueste.

Der Verhandlungsbericht von Spa läßt eine jehr ernste Wendung in der Lage erkennen.

Der deutsche Reichsernährungsminister hat der Spaer Konferenz ein Exposve über die Er- pährungslage Deutschlands überreichen lassen.

Die Marschälle Fach und Wilson sind tele­graphisch nach Spa zurückgerufen worden.

Der polnische Außenminister richtete an die Spaer Konferenz eine Note, in der er um moralische und materielle Unterstützung im Kampf gegen Rußland ersucht.

Das englisch-japanische Bündnis ist für ein Jahr verlängert worden.

Spa - ein deutscher Erfolg?

Die Verhandlungen von Spa, die seitens der Entente wesentlich nur dazu bestimmt waren, die wirtschaftlichen Vorteile aus dem Blankowechsel, iwa wir in Versailles willenlos unterschreiben mußten, zu realisieren, hat durch Zufälle eine Bedeutung gewonnen, die sie bei richtiger Aus­wertung der so offenbarten Möglichkeiten zu Mem geschichtlichen Ereignis von größter Trag­weite, gestalten kann.

Die Angst der französischen Rentner vor allem, was östlich des Rheins in Europa lebt, über deren Berechtigung zu streiten wir uns nach Spa vielleicht nicht mehr zu schämen brauchen, eröffnete die Konferenz mit den militärischen Verhandlungen mit einem viel zu hoch einge- LMten. Siegervo-rspiel, das uns die nötige Will-

d« Programms fönte.

r:ge, der den Wert der deutschen Soldaten England aus der Geschichte viel zu gut kennt er besuchte vor Beginn der Konferenz bekanntlich noch das Schlachtfeld von Waterloo, ruf dem die Preußen einst England vor Frank­reich retten mußten, hatte den Franzosen in den Vorverhandlungen zu Spa diese erste Pro­grammnummer unter Zeitumständen zugestanden, die ihm den militärischenTriumph" als eine billige Konzession an den für England so opfer- froh gewesenen Bundesgenossen ziemlich belang­los erscheinen lassen mochten; die Vorgänge öst- lich der Weichsel, die überraschende Intermezzos in das Konzert von Spa brachten, haben ihn sicher mit stiller Wehmut, die er nur schwer ver­borgen haben mag, an die schönen deutschen Re­gimenter denken lassen, die kaum ein Jahr nach Versailles England wieder gerade gut genug waren, um sie gegen den gefährlichen russischen Feind zu Englands Nutzen verbluten zu lassen. Die Repräsentationspflicht für den drängenden Bundesgenossen Millerand, zu der man aus Lon- wn nach Spa gekommen war, wurde unter dem rnerwarteten russischen Eindruck wenigstens wrübergehend von Lloyd George vergessen. Die Hunnen Stinnes und Hu«, die von ihren schein- »ar ganz entgegengesetzten Standpunkten so über- «rschend einig den deutschen Bekennermut gefun- »en hatten, die versammelten Ententediktatoren unzweideutig auf die Grenzen ihrer Macht hin­zuweisen, wurden plötzlich für den englischen Gentleman wieder gesellschaftsfähig und bekamen Komplimente zu hören, während die zwischen triefen Polen von Rechts und Links sitzende deut- 'che Regierung der goldenen Mitte recht passive Bedeutung anzunehmen schien. Die Episode ring schnell vorüber; die Konzertgeber mögen wohl bald wieder bedenklich geworden sein über tag unter den russischen Eindrücken etwas spon­tan geäußerte Wohlgefallen an den urdeutschen Leitmotiven von Stinnes und Hue.

England ist immer klug genug gewesen, um rinen großen Gedanken besonders einen sol­len, der ihm unangenehm war, nicht zu über- iehen; ein Volk von so geschulten politischen Fähigkeiten wie England begreift schnell frü­her vielleicht, als wir selbst uns bewußt gewor­ben sind, daß die Konstellation Stinnes-Hue in Spa nach den furchtbaren Erniedrigungen des letzten Jahres das erste Zeichen des Nochdaseins »er alten deutschen Märke ist. Oswald Speng­ler vergleiche das gestrige Feuilleton, der berühmte Pessimist schrieb in einer optimistischen Anwandlung: der Frage der Weltzivilisation JdÜ in Zukunft der Handel den Staat oder der Staat den Handel regieren?",gegenüber sind Preußentum und Sozialismus dasselbe. . . . Preußentum und Sozialismus stehen gemeinsam Hegen das innere England, gegen die Weltan­schauung, welche unser ganzes Leben als Volk burchdringt, lähmt und entseelt. Die Gefahr ist ungeheuer. Wehe denen, die in dieser Stunde »US Eigennutz und Unverstand fehlen! Sie Wer­

den andre und sich selbst verderben. Die Ver­einigung bedeutet die Erfüllung des Hohen- zollerngedankens und zugleich die Erlösung der Arbeiterschaft. Es gibt eine Rettung nur für beide oder keinen. Die Arbeiterschaft muß sich von den Illusionen des Marxismus Befreien. Marx ist tot Der Sozialismus als Daseinsform steht an seinem Anfang, der Sozialismus als Sonderbewegung des deutschen Proletariats aber ist zu Ende. Es gibt für den Arbeiter nur den preußischen Sozialismus- oder nichts. Die Kon­servativen müssen sich von der Selbstsucht be­freien, um deren willen schon der Große Kur­fürst dem Hauptmann v. Kalckstein den Kopf vor die Füße legte. Demokratie, mag man sie schätzen wie man sie will, ist die Form dieses Jahrhun­derts, die sich durchsetzen wird. Es gibt für den Staat nur Demokratisierung oder nichts. Es gibt für die Konservativen nur bewußten Sozialis­mus oder Vernichtung. Aber wir brauchen die Befreiung von den Formen der englisch-fran'ösi- schen Demokratie. Wir haben eine eigne. Der Sinn des Sozialismus ist, daß nicht der Gegen­satz von reich und arm, sondern der Rang, den Leistung und Fähigkeit geben, das Leben be­herrscht. Das ist unsere Freiheit, Freiheit von der wirtschaftlichen Willkür des einzelnen. Was ich erhoffe, ist, daß niemand in der Tiefe bleibt, der durch seine Fähigkeiten zum- Befehlen ge­boren ist, daß niemand befiehlt, der durch seine Begabung nicht dazu berufen war. Sozialismus bedeutet Können, nicht Wollen. Nicht der Rang der Absichten, sondern der Rang der Leistungen ist entscheidend. Jich wende mich an die Jugend. Ich rufe alle die.auf, die Mark in den Knochen und Blut in den Adern haben. Erzieht euch selbst! Werdet Männer! Wir brauchen keine Ideologen mehr, kein Gerede von Bildunn und &teifbii^ Hüb ÜlÄüiBr

legen Wir brauchen Harte, wir brauchen eine tapfre Skepsis, wir brauchen eine Klasse von fo= zialistischen Herrennaturen. Noch ' einmal: der Sozialismus bedeutet Macht Macht und immer wieder Macht. Pläne und Gedanken sind nichts ohne Macht- Der Weg zur Macht ist öorgezeich- net: der wertvolle Teil der deutschen Arbeiter­schaft in.Verbindung mit den besten Trägern des altpreußischen Staatsgefühls, beide ent­schlossen zur Gründung eines streng sozialisti­schen Staates, zu einer Demokratisierung im preußischen Sinne,- beide zusammengeschmiedet durch eine Einheit des Pflichtgefühls, durch das Bewußtsein, einer großen Aufgabe, durch den Willen, zu gehorchen, um zu herrschen, zu sterben, um zu siegen, durch die Kraft, ungeheure Opfer zu bringen, um das durchzusetzen, wozu wir ge­boren sind, was wir sind, was ohne uns nicht da sein würde. Wir sind Sozialisten. Wir wollen es nicht umsonst gewesen sein."

Die Spenglersche Botschaft ist wie in der gestrigen Nummer gesagt ist nicht neu, nur die Form des Ausspruches macht sie in der Not der Zeit zur bedeutungsvollen Tat. Die friede- rizianische Zeit hatte Dank der Führung des weisen Königs eine bessere sozialistisch« Einsicht, als wir sie seitdem in Preußen und Deutschland wiedeverlebt haben; wir zehrten noch im Welt­krieg an dem Samen der großen Männer jener Zeit und ernteten davon den unvergleichlichen Schlartztenruhm, daß wir fast 4 Jahre einer gan­zen Welt von Feinden Stand hielten. Stinnes und Hm in Spa haben aber bewiesen, daß dieser deutsche Geist noch lebt, der uns alle von rechts bis links wieder einigen kann und muß, der uns endlich von der englischen Infektion der letzten Jahrzehnte erlöst und uns wieder zu Deutschen macht.

Spengler hat die Frage als Zivilisations- frage bezeichnet, während sie in Wirklichkeit die Kulturfrage der Welt ist, von der Sein oder Nichtsein aller europäischen Völker abhängt; nicht das Verhältnis von Staat und Gewalt, sondern die viel weitergehend« Frage des Ver­hältnisses von Mensch zu Mensch, von Volk zu zu Volk, die Frage, ob die deutsche Kultur, die feit dem Ende des Mittelalters die praktische Umwertung des Christentums anstrebt, fähig ist, ihr Ziel auch über die Grenzen Deutschlands hinaus durchzusetzen, wird jetzt entschieden. Nicht nur der episodische Materialismus von Rechts und Links, den wir der Engländerei ber letzten Jahrzehnte verdanken, findet hier seinen Aus­gleich; die Unternehmer und Fabrikarbeiter allein sind nicht das Deutschtum, Stinnes und Hue sind in ihrem Bekennermut von Spa nur auf dem Boden der deutschen Geisteskultur möglich ge­worden. Wir Deutsche sind alle Arbeiter und nicht nur materiell, sondern auch in tiefster reli­giöser Durchdringung Preußentum ist nicht nur Sozialismus, sondern auch praktisches Christentum davon überzeugt, daß die Mensch­heit nur dann wieder glücklich werden kann, wenn jeder sein Teil mitschafft. wenn jeder ein

Arbeiter, ein Diener des Ganzen wird. Unser ganzes überlebtes Parteiwesen mit seinem all­täglich fühlbaren Unheil wird überflüssig, wenn wir uns endlich wieder als Arbeiter, als Deut­sche im Sinn Friedrichs des Großen, der auch nur ein Diener seines Voleks sein wollte, zusam­menfinden. Das ist die neue innere Front, die jeden Unternehmer, jeden Hand- und Kopf­arbeiter und vor allem auch jeden Frommen, dessen Religion auch außerhalb der Kirche und diesseits des Todes fruchtbar in ihm ist. in sich aufzunehmen vermag, in der jeder Deutsche, der frei ist von der inneren Selbstsüchtelei der Eng­länder, der nicht ein Verräter seines Volkes sein will, jetzt zwischen den mutigen Flügelmän­nern Stinnes und Hu« seinen Platz suchen muß. Das Evangelium des Profits, für das England den Weltkrieg gegen uns heraufbeschworen hat, hat durch diesen Krieg bei uns jeden Kredit ver­loren; wir lassen jeden gern leben, aber wir wollen auch leben! Diesem Gedanken wird sich auch England beugen müssen, wenn es weiter die Früchte deutscher Kulturarbeit mitgenießen will. Sklavenarbeit für England oder sonstwen leistet kein Deutscher sowenig wie Stinnes und Hue, auch wenn ganz Europa darüber in Schutt ver­sinken sollte.

Die Wucht. dieses Gedankens, dieser neuen inneren und äußeren Front, ist es allein ge­wesen, die dem weitschauenden Volitiker Llovd George die Achtung abnötigte, die seinen engli­schen Stolz so plötzlich durchbrach. Sind wir nur stark genug in dieser Front, so- werden bessere Erfolge nicht ausbleiben. England konzediert seinen nirbtenglischen Militarismus; der eng­lische Militarismus beugt sich nur vor Gedanken, die er nicht besiegen kann:Sozialismus bedeu­tet Macht, Macht und immer wieder Macht!"

AM AvNMkHÜ^ tÄtt ®M E well birtch den Friedensvertrag für Fxank- reich, Italien und Belgien eine Art intet« Der Streit um die schwarzen Diamanten Eine nationaler Hypothek auf das deutsche Kohlen-

Unmöglichkeit der deutschen Regierung Auf­

Hebung der Sitzung Ein Exvosee des Reichs­ernährungsministers.

Das erbitterte und schicksalsschwere Ringen um die wichtigste Kraftquelle von Technik und Industrie, das sich in Spa seit vergangenen Samstag abspielt, ist noch nicht entschieden. Kein Wunder, daß trotz gewisser Annäherungen in den äußeren Höflichkeitsformen die sachlichen Gegensätze bei Behandlung dieser Frage hart aufeinanderquollen. Dreht es sich doch hierbei um nichts Geringeres als um eine wirtschaftliche Existenzfrage Deutschlands. Die deutsche Dele­gation konnte deshalb auch gestern nicht auf die Vorschläge der Alliierten eingehen, da diese Vor­schläge nicht die Zustimmung der Bergwecks­unternehmer wie Bergarbeiter gefunden haben. Dr. Simons entwickelte dagegen einen bersten Vorschlag, der aber bei den Alliierten absolut keinen Gefallen land, im Gegenteil Mißfallen, sodaß sich der Präsident veranlaßt sah, die Sitzung auszuheben. Ob die Besprechungen wieder aus­genommen werden, konnten wir bisher noch nicht in Erfahrung bringen.

Aus Spa liegen heute folgende Meldungen vor: Gestern vormittag 11 Uhr tagte die ge­mischte Kommission, die am Montag nachmittag von der Konferenz eingesetzt worden war, um die Vorschläge der deutschen Regierung in der Wiedergutmachungsfrage erläutern zu lassen. Die deutsche Delegation war durch Finan^mi- nister Dr. Wirth. Dr. Karl Melchior als wirt­schaftlichen Beirat des Ministers des Aeußern, Geheimrat Wiedfeld als Beirat des Wirtschafts­ministers, Staatssekretär Bergmann als Vertre­ter des Wiederaufbauministeriums und der Kriegslastenkommission und einem Sekretär ver­treten. Der Präsident der Kommission stellte fest, daß es sich nur um eine Enquete, nicht um eine Beratung handle und richtete an die deutschen Delegierten eine Reihe von Fragen, durch die verschiedene Punkte der deutschen Vorschläge aufgeklärt wurden. Sodann bat er die deutsche Delegation um eine bestimmte Auskunft über die Höhe des finanziellen Angebots, insbesondere der Jahreszahlung. Reichsminister Dr. Wirth stellte eine solche Antwort für den späten Nach­mittag in Aussicht. Inzwischen hatten die deut­schen Sachverständigen in der Kohlenfrage mit den Sachverständigen der Gegenseite über ein neues Angebot monatlicher Tonnenlieferung an d'e Alliierten verbandelt und das Angebot in schriftliche Form gebracht. Eine Einigung war nicht zustande gekommen. In dem am Nachmittag beim Reichskanzler abaebaltenen Minillerrat wurde infolgedessen belchlossen, die gewünschte Auskunft an die gemischte Kommission zunächst zurückzuhalten, big.in ber Nachmittagssitzung des «maere» Rates der Konferenz die Koblenlieke-

rung, die dem wirtschaftlichen Angebot zur Basis dienen müsse, festgestellt worden sei. In bei Sitzung des engeren Rates forderte der Präsi­dent der Konferenz die deutschen Delegierter sogleich zur Abgabe ihrer

Erklärung in der Kohlenfrage

auf. Reichsminister Dr. Simons entnadelte die Gründe, aus denen es der deutschen Re­gierung unmöglich sei, eine Zusage wegen der Kohlenlieferung zu machen, die nicht die Zu­stimmung der Bergwerks Unternehmer und ins­besondere der Bergarbeiter gefunden habe. Er machte auf den durch die Blockade geschwächten Gesundheitszustand der Bergarbeiter aufmerksam; der es ihnen ohnehin erschwere, Ueberschichte« zu leisten und der eine weitere Steigerung bet Produktion nur gestatten könne, wenn man d!« Ernährung verbessere und für eine größere Zahl Bergarbeiter angemessene Wohnungen schafft. Unter dieser Voraussetzung könne man zusagen, das Tageslieferquantum vom 1. Oktober 1920 ab um 12 000 Tonnen, also auf 56 000 Tonnen und vom 1. Oktober 1921 ab um weitere 12 00k Tonnen auf 68 000 Tonnen zu erhöhen. D» Minister erklärte, daß eine weitere nicht unto hebliche Steigerung möglich wäre, wenn in Oberschlesien für Ruhe gesorgt werd«, so- daß Ueberschichten geleistet werden können. Dazu sei erforderlich, den Abstimmungstermin sobald als möglich anzusetzen, weil bis dahin die friedliche Arbeit durch Agitation aller Art gefährdet werde. Noch besser würde es sein aber damit gebe er nur eine Anregung, ohne einen Antrag zu stellen wenn man bte Abstimmung überhaupt aufhebe und über die Kohlenlieferung an Polen und an die änderen auf die oberschlesische Kohle angewiesenen Län-

der unter Zustimmung der Alliierten eine Der-

vorkommen unter gewissen Bedingungen ge­schaffen sei. Nach seiner Ueberzeugung würde auf diese Weise Polen von der deutschen Berg­werksverwaltung mehr Kohlen erhalten können, als wenn es die Verwaltung selbst in die Hand bekäme. Die Abstimmung in Oberschlesien sei zwar zweifelhafter als die in Schleswig und Allenstein. Sie werden aber von uns nicht ge­fürchtet. Was wir fürchteten, sei nicht die Ab­stimmung, sondern die mit ihr verbunden« Un­ruhe und Verfeindung. Der Minister bat daher diese Anregung zur Gewährung einer neuen Verhandlungsgrundlage in Erwägung zu ziehen. Präsident Delacroix erwiderte, daß dieft Antwort die alliierten Regierungen mit größtem Bedauern erfülle und eine sehr ernste Lage schaffe. Wir haben gehofft, in Spa zu einem wirk­lichen Abkomnien zu gelangen. Der deutsche Außenminister habe das Vorrecht der Alliierten aus die deutsche Kohle anerkannt- Das Recht sei sehr maßvoll geltend gemacht worden, aber die deutsche Delegation lasse es unberücksichtigt. Unter diesen Umständen müsse er die Sitzung aufheben und behalte sich vor, den Delegationen einen Beschluß über ein«* neuen Termin mitzuteilen.

Aus den KvmmWonen.

WB Spa, 13. Juli. Nach der Sitzung der deutschen Koülensackwerständigen. trat die gellern ernannte. Kommission zur Berichterstattung über die deutschen Angebote unter dem Vorsitz bei belgischen WiederantbanministerS Jarpär zusammen Die deutschen Delegierten wurden eingeladen, näben Angaben über ibr Wiederaufbauprojekt zu machen Die Herren Wirtb und Melchior legten dar, daß Deutschland seine Schuld durch Jahresraten zu tilgen wünsche. In diesein Sinne verlangen sie, daß ein Minimum festgesetzt werde. Die deutschen Delegierten nannten hierbei jedoch keine bestimmte Suwine.

WB. Spa, 13. Juli. Die deutschen Koblensach» verständigen hielten heute vormittag eine Sitzung ab, der die alliierten Vertreter in offiziöser Form bei» wohnten. Die deutschen Sachverständigen machten den Vorschlag, monatlich 1100 000 Tonnen zu liefern, diese Lieferung ab 1. Oktober auf 1400 000 Tonnen zu e> höben und, falls eine Besserung in der wirt­schaftlichen Lage Deutschlands eintrete, schließlich auf eine Lieferung von 1 700 000 ab 1. Oktober zu kommen. Ihrem Angebot fügten die deutschen Sachverständige» die Drobnng bei: Nehmen Sie unser Angebot willig an Wenn nicht, ist es wahrscheinlich, daß die Ziffer n«ch dem Kongreß von Genf noch herabgesetzt wird

50 Milliarden?

WB. Spa, 13. Juli. Der Sonderberichterüatte» derAgence Havaö" meldet, daß nach den auf ein offizielle« deutsches Schreiben «»gezogenen Erkun­digungen die deutsche ReichSregierung folgende Au> taben über den Plan der Wiederzutmachnngen und Gablungen machen werde: Eine Entschädigung vov 50 Milliarden zahlbar in 50 Jahresraten, davon 2Q Milliarden zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiets l die in Naturalien zahlbar sein sollen.

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