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Sanauer 1 Anzeiger

Nr. 161

euerungszuschl. Offertgebühr ; i s: Vierteljährlick 12.90 Mk.. r Postbezug vierteliährl. 12.90 0 Mk. Die Nummer 20Hfs. Nr. 26659. Frankfurt a. M.

General-Anzeiger

AmMches Organ für Stadt- und Landkreis Sana«

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertags

Montag den 12. Juli

Verlagsleitung: Ad. Jndermuhte.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen Teil Rich. Hul ts ch: für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport i.V.: R. Sultsch: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle in Sanau a. M. Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei Sanau Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238

1926

Das Neueste.

Dr. Simons überreichte gestern in Spa den deutschen Wiedergutmachungsplan.

Die Entscheidung in der Kohlenfrage wurde ««schoben, da Lloyd George erkrankt ist.

Der polnische Ministerpräsident Grabfli hatte mit Lloyd George und Millerand eine wichtige Unterredung..

Nach Blattermeldungen verlangen die polnischen Sozialisten sofortigen Frieden.

Die Abstimmung im Osten ist ruhig ver­laufen und stellt sich als ein neuer Sieg für Deutschland dar.

Wiedergutmachung.

Don den Kriegs Ursachen zu den Kriegszielen: Das war die Forderung, die Asquith lange vor unserem Zusammenbruch aufstellte! In gemein verständliches Deutsch übertragen, lautete diese britische Forderung: Mr müssen zuerst die S ch u ldDeutschlands festesten um Rechts­titel für unsere Kriegszielforderungen in die Hand zu bekommen. Bei der Feststellung dieser Schuld fanden unsere Feinde die denkbar weit­gehende Unterstützung im eigenen Lande. Mr haben das Schauspiel erleben müssen, daß ein deutsche» Parlament unseren Feinden Beihilfe ^l^li^^ie't^t, iu^i der parlamentarischen Unter- fuchungskommission eine Instanz schuf, die die deutsche Schuld feststellen sollte. Mit großem Eifer - E dÄrser Husgabe gedient worden ^ dabei kon-

W und »rit allen Mtteln alle Schuld auf Deutschland zu werfen. Man hat damals die Reichswehr als «reaktionär" und monarchisch aus geschrien, man hat die Einwohnerwehren und spater die Sicherheitswehc als ein neues nieder­trächtiges SriegSmittel den Feinden denunziert, hat so lange geschrieben und geschrien über das Treiben von Reaktion und Monarchismus im Reiche, bis sich die Entente entschloß, unserem gequälten Dolle die Daumenschraube immer mehr und mehr anzusetzen. Die Entente konnte sich bei all ihren Forderungen mit gutemEecht auf diese Kronzeug-u berufen. HvynlSchelnd ver­sicherten uns unsere Gegner: Solange das deutsche Voll noch so reaktionär, so monarchisch und incherialistisch gesinnt ist, wie Ihr uns be­zeugt, solange muß das Schwert des Verban­des über Eurem Haupte hängen.

Auf Schuld folgt Wiedergutmachung! Wiedergutmachung ist das Zauberwort, mit dem die Entente bisher jede Forderung begründete. Was sollen wir nicht alles wieder gutmachen? Durch französtsch-britisch-amerikanische Granaten sind, worauf in den deutschen Generalstabsbe- richten wieder und immer wieder hingewiesen worden ist, Städte in Nordfrankreich, wie Rethel, Laon, Cambrai, Douai, Lille, Roulers usw. völlig zwecklos zusammengeschossen worden- Der Feind hat sein Zerstörungswerk planmäßig auf das ganze Gelände hinter den deutschen Linien sinnlos ausgedehnt, hat seine eigenen Kohlen­bergwerke zerschossen, eigene Landeskinder ge­tötet. Heute ist dies alles unbestritten deutsche Schuld. Deutsche Schuld, die vonAuch-Deut- schen" anerkannt worden ist, nur um viel Lieb­kind zu machen. So ist es soweit gekommen, daß unser Voll zum Alleinschuldigen am Weltkriege gestempelt werden konnte. So nur war es mög­lich, daß unsere Feinde in Versailles, San Remo und jetzt in Spa Forderungen über Forderungen wieder uns erheben konnten und noch erheben, wie sie noch niemals einem großen und freien Volle gestellt worden sind. Doch damit, nicht ge­nug. Deutsche Parteien begnügen sich nicht allein mit der Feststellung der deutschen Schuld am Weltkriege und an den Zerstörungen sie trei­ben ihr frivoles Spiel weiter. So hat für Spa die U. S. P. eine Art von Festschrift herausge- geben, die dem Nachweis gewidmet ist, daß es einzig und allein Deutschlands Schuld sei, wenn Frankreich noch nicht völlig wiederaufgebaut sei; nur der böse Wille der deutschen Regierung ver­hindere die restlose Ersüllung des Versailler Vertrages. So ist seither gehetzt worden und wird weiter gehetzt, trotzdem gerade diese Leute, die sich ihre Würdelosigkeit nicht schämen, ein groß Teil der Schuld trifft, daß wir uns bisher noch nicht erholen konnten. Es wird weiter ge­hetzt, trotzdem wir seit der Unterzeichnung in Versailles zur Erfüllung derFri«dens"-Beding- ungen gut anheben, was einem niedergebroche­nen, hungerndem Volke zu tun möglich war. Un- Wgliches möglich zu machen, gelang scailich nicht

und es wäre auch den Unabhängigen nicht gelungen. Doch was schadet dieses wird gehetzt', bis wir den Purpurmantel der Macht tragen". Wahrlich, bessere Begründungen kann sich Millerand für seine Forderungen in der Entwaffnungsscage und den Mrtschaftsfragen (Medergutmachung, Kohlenlieferung usw.) nicht wünschen.

Schuld Wiedergutmachung SchuldknechtschafH! Unter dem Titel einer Medergutmachung von Schäden, die Deutschland nur zum kleinsten Teile verschuldet hat, soll dem deutschen Volke eine Schuldenlast aufgelegt werden, die eine dauernde Schuld- knechtschaft in einer so barbarischen Form bedeutet, wie sie selbst das finstere Mittelalter nicht kannte. Und diese Schuldknechtschaft soll nach dem Programm der Alliierten dauern viel­leicht bis zu 100 Jahren oder auf gut deutsch gesagt: es soll ein Jahrhundert lang aus Deutsch­land herausgeholt werden, was Herauszupressen ist. Es war deshalb höchste Zeit, daß in Spa endlich Männer austraten, die sich ganz energisch gegen das bisherige Herauspressen, Aussaugen des deutschen Volkes und die Form des Diktats wanden, Männer, die sich nicht scheuten, ihre Meinung offen zum Audruck zu bringen. Und diese Worte scheinen nicht ohne Wirkung verhallt zu sein, denn seit jener Stunde ist ein ünver- kennbarer Umschwung in Spa eingetreten. In­zwischen ist der deutsche Wiedergutmachungsplan übereicht worden, dem hoffentlich bald eine rest­lose Ausrechnung unserer bisherigen Leistungen an die Entente folgen wird. Unsere Handels­flotte, unser Kriegsmaterial, das beschlagnahmte deutsche Eigentum im Auslande, Kohlen, Kali, Maschinen, Vieh und nicht zu vergessen die ungeheure Schädigung der deutschen Welt- in Gegenrechnung gestellt werden. Verlust gegen Verlust, Auge um Auge, Zahn um Zahn! Dies müssen sich unsere Vertreter in Spa vor Augen halten. rh.

Die Konferenz von Sxa.

Die Kohlenfrage Eine heftige Rede Stinnes Die Kohlenfrage verschoben Lloyd George erkrankt Der deutsche Wiedergutmachungsplan.

Die Samsragsitzungen.

Die Beratungen über die Kohlenfrage wurden am Samstag fortgesetzt. Nach einigen Bemerkungen Simons ergriff Herr Stinnes das Wort zu einer heftigen Rede. Er sagte u. a. etwa: Er sehe den alliierten Vertretern ins Auge, um festzustellen, ob sie noch immer nicht vom Siegeswahnsinn geheilt seien und bezeich- nete als ein Ziel der Ententepolitik, deut­sches Gebiet durch schwarze Soldaten besetzt zu halten. Der politische Teil der Rede war so heftig gehalten, daß der Präsident, der belgische Ministerpräsident Delacroix, es für notwendig fand, den Redner zu unterbrechen und ihm eine gewisse Mäßigung seiner Ausdrucksweise im In­teresse der Verständigung zu empfehlen. Stinnes führte daraufhin tu eilet aus, daß es verfehlt sei, das wichtige Kohlenproblem nach Schema regeln zu wollen. Sowohl in der Wiedergutmachungs-, wie in der Kohlenfrage hätten wir bestimmte Pläne vorzulegen, die eine möglichst vollständige Befriedigung der Gegner ermöglichte. Es wür­den neben der WiedergutnmchunHskommission, der Kohlenkommission, drei Sonderkommifsionen auszustellen sein und für die wirtschaftlichen Fra­gen Finanzräte heranzuziehen sein. Die Kohlen- frage sei ein Problem von zentraler Bedeutung. Stinnes führte darauf aus, was im Bergbau- bezirk und Frankreich nötig sei und was man noch zur weiteren Förderung der Urzeugung in Aussicht habe. Er wandte sich scharf gegen die Methode der Drohungen und wies darauf hin, daß der Einmarsch in das Ruhrgebiet die Er­zeugung zur Zeit zum Rückgang bringen würde. Die Bemühungen des Bergbaues seien durch die militärischen Bedingungen vom 7. Juli er­schwert. Da die Forderungen der Alliierten nur unter schweren Unruhen durchgesetzt werden können, würde

eine Verminderung der Produktion eintreten, die für die Alliierten nicht förderlich sein könnte. Nach Stinnes nahm H u 6 das Wort und führte aus, daß die Bergarbeiterschaft zwar entkräftet durch Hungerblockade und unter un­günstigen Lebensbedingungen sich trotzdem ent­schlossen habe, die Mehrproduktion an Kohlen durch Ueberstunden zu ermöglichen. Aber die Arbeiterschaft Deutschlands würde ebenso wie die Frankreichs. Englands und Amerikas an sich für die sechsstündige Arbeitszeit eintreten. Die Kohlenftage fei ein internationales Problem

und nur durch internationale Verständigung könne sie gelöst werden. Die Vertreter der deut­schen Bergarbeiter wären gern nach Spa gekom­men, um an dieser internationalen Lösung teils zunehmen und hoffen, in sachlichen kommissari­schen Besprechungen am Wiederaufbau Europas herangezogen zu werden. Ohne die Arbeiter kann am grünen Tisch nichts entschieden werden.

Bei Eröffnung der Samstag-Nachmittags­sitzung ergriff zunächst M i l l e r a n d das Wort. Er erklärte aus die Ausführungen der deutschen Sachverständigen in der Vormittagssitzung mit Rücksicht darauf, daß sie nicht die verantwort­lichen Sprecher Deutschlands seien, nicht ein­gehen, sondern sich auf die Darlegungen der amtlichen Vertreter der Reichs regierung be­schränken zu Krollen. Deutschland habe die Koh­le n l i e f e r u n g e n, zu denen es verpflichtet sei, nicht erfüllt, sondern

willkürlich vermindern

Die Entente habe das Recht, von Artikel 18 Anhang 2 des Friedensvertrages Gebrauch zu machen, sie begnüge sich aber mit den Siche­rungen für die Zuunft. Millerand gab darauf die Erklärung ab über die Tragweite in dem Be­schluß des von den Alliierten festgesetzten Prio­ritätsrechtes Frankreichs an der gesamten deut­schen Kohlenförderung, wobei er versicherte, daß Deutschlands eigener Bedarf gerecht bemessen und seine Bevölkerung ausreichend mit Lebens­mitteln versorgt werden solle. Gleichzeitig er­klärte er, daß die Entente bereit sei, ihre Sach­verständigen zusammentreten zu lassen, um den deutschen Kohlenförderungsplan zu prüfen.

Darauf traten die beiderseitigen Sachver­ständigen sofort zur' Prüfung des deutschen Koh- lensörderungsprogcamms zusammen. Dann ergriff Reichsminister.Dr. Simons das Wort. Er betonte, nach einem Dank für die freund­lichen Worte Millerands, daß die Entente, ehe sie im Falle von Verletzungen des Friedensver- tcages zu den vorgesehenen Strafmaß nahmen greife, billigerweise die deutsche Regierung aus­fordern müsse, die Vertragsverletzungen einzu- stellen. Dr. Simons erklärte alsdann, daß der von der deutschen Regierung entworfene Kohlen- bewirtschaftungsplan mit Rücksicht auf die von den Alliierten gefaßten Beschlüsse abgeändert werden müsse und deshalb erst Montag früh, wennmöglich schon Sonntag abend vorgelegt werden würde. Daneben regte der Minister eine internationale Aktion zur Neubesiedelung der zerstörten Gebiete

an, die als geschäftliche Unternehmung aufge­baut, übermäßige Untecnehmergewinne aus­schließen und unter gemeinsame soziale Kon­trolle gestellt werden müsse.

Der gestrige Sonntag.

Bei Beginn der gestrigen Sitzung teilte der Vorsitzende Ministerpräsident Delacroix mit, daß der britische Ministerpräsident Lloyd George unpäßlich sei und daß daher die Entscheidung in der Kohlenfrage, über die die beiderseitigen Sachverständigen seit gestern beraten hätten, bis zur morgigen Sitzung verschoben werde. Ec richte daher an die deutschen Delegierten die Frage, ob sie bereit seien, die von ihnen für heute nachmittag zu- gesagten

Wiedergutmachungsvorschläge vorzulegen. Reichsminister.Dr. Simons ent- gegnete, die deutschen Wiedergutmachungsvor­schläge seien fertiggestellt und hätten der Kon­ferenz im Laufe dieses Nachmittags * zu gehen sollen. Ee habe indessen unmittelbar vor der Sitzung erfahren, daß bei den Koinmissionsver- Handlungen zwischen den beiderseitigen Sach­verständigen für die Kohlenftage keine Einigung erzielt worden sei. Wegen der grundlegenden Bedeutung der Kohlenindustrie für das deutsche Wirtschaftsleben sei die deutsche Delegation nicht imstande, Vorschläge für die Wiedergut­machung vorzulegen, solange die Kohlenftage unerledigt fei. Ministerpräsident Millerand erklärte, daß ihn diese Mitteilung beunruhige. Er verlas den Bericht der alliierten Sachver­ständigen, betonte indessen, daß die ©ntfAeibung der alliierten Regierungen erst morgen erfolgen werde und ersuchte erneut um Uebereichung der deutschen Wiedergutmachungsvorschläge. Reichs- minifter Dr. Simons führte daraus. aus, daß nach dem von Herrn Millerand verlesenen Be­richt von Deutschland monatlich das Zweiein- Halbfache des im deutschen Kohlenwirtschaftsplan angesetzten Kohlenquantums verlangt werden, wonach der deutschen Industrie nur ein Drittel ihres notwendigen Kohlenbedarss verbleiben werde. Auf sein Ersuchen wurde die Sitzung für den Zweck einer internen Bespcechuna der

deutschen Delegierten auf kurze Zeit vertagt, Nach Wiederaufnahme der Sitzung erklärte Reichsminister Dr. Simons, daß die deut­schen Delegierten angesichts der Versicherung d« Herren Millerand und Delacroix, daß die ^Ent­scheidung in der Kohlenftage erst morgen falle« werde, beschlossen habe, die deutschen W ia> dergutmachungsvorschlägezuübe^ reichen und händigte mehrere Exernplare der­selben dem Generalsekretär der Konferenz ein. Er ersuchte dabei die Konferenz, die Gesamtheit der deutschen Verpflichtungen aus dem Friedens- vertrage an der Hand dieser als ei« unteil­barer Plan anzusehender Vorschläge zusammen» mit der Kohlenftage zu prüfen und vorläufig eine Entscheidung in letzterer auszusetzen. Wei­ter betonte der Minister, daß nmh Auffassung der deutschen Delegierten der Zweck der Kon­ferenz von Spa der fein sollte, anstelle der ein­seitigen Festsetzung der deuffchen Leistungen^ aus dem Friedensvertrage in Gemäßheit des Art. 233 durch die Medergutmachungskommission eine Fest setz ung auf Grund neuer gegen» fertiger Aussprachen treten zu lassen. Ministerpräsident Millerand entgegnete unter Verlesung des in San Remo gefaßten Be­schlusses, daß der Vertrag von Versailles ein­schließlich des Artikels 233 die Grundlage der Beziehungen zwischen Deutschland und den alliierten Mächten bleibe. Die Sitzung wurde daraus aus Montag vormittag 11 Uhr vertagt.

Der deutsche Plan.

Der am Sonntag oocgelegte Plan für dir sachlichen Leistungen gemäß Artikel 236 und Anlage 4 zu Teil 8 des Friedensvertrages besagt:'

a) Deutschland ist auf Grund des Artikels M und der Paraaraphen 14 der Anlage 4 zu Teil 8 des Friedensvertrages verpflichtet, zum Zwecke der unmittelbaren Wiederhefftellung der vom Kriege betroffenen Gebietsteile der Alliierten und Assoziierten diesen nach näheren Bestimmungen Wiedergutmachungsmaterial zu liefern, dessen Wert in die Wiedergutmachungs­schuld angerechnet wird. Der Wiedergutmachung^' ausschuß hat diese Lieferungen noch nicht fest­gesetzt. Der deutschen. Regierung sind bisher lediglich die Anforderungslisten der beteiligten Staaten zur Aeußerung mit geteilt worden. Dies« Listen, die die verschiedensten Gegenstände, vom Fischlaich an über jede Art von Rohstoffen, in­dustrielle Erzeugnisse bis zu ganzen Fabriken, umfassen, haben eine eingehende Durchprüfung erfahren, die im Augenblick beendet ist, sodaß die darüber mit dem Medergutmachungswus- schuß zu führenden Verhandlungen demnächst beginnen können. Dabei wird genau feftzustellen sein, welche Lieferungen im Rahmen der Lei­stungsfähigkeit Deutschlands endgültig angesor- dert werden und welche mit Rücksicht auf feine Wirtschaftslage infolge Mangels an Rohstoffen ganz oder zum Teil unausführbar sind. Um eine möglichst beschleunigte und reibungslose Durchführung der Lieftrungen sicherzustellen, er­scheint folgender Plan zweckmäßig:

1. Deutschland schafft eine umfassende Orga­nisation der gesamten Industrie einschließlich des Handwerks für die Durchführung der Liefe­rungen. Die Organisation ist zweifacher Art:, a) Soweit die Bestellungen speziell Material be­treffen, das hauptsächlich von der Großindustrie hergestellt wird, erfolgt die Vergebung durch die Fachverbände der Industrie. Die Liste der be­reits bestehenden Fachverbände ist aus der als Anlage beigefügten Uebersicht über den Aufbau des Reichsverbandes der deutschen Industrie zu ersehen, b) Soweit es sich um Massenartikel, so­genannte Katalogware handelt, an deren Her­stellung auch Handel und Kleingewerbe beteiligt ist, werden die Lieferungen durch eine AuS- gleichsftelle an die einzelnen Länder des Reiches verteilt. Die Länder vergeben die Lieferunge« durch besondere Austragsämter an die Industrie und Handwerk. Solche Auftragsämter sind er­richtet oder in der Bildung begriffen in Preu­ßen, das außerdem Zweigstellen für die ein­zelnen Provinzen einrichten wird, in Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen, Thü­ringen und in den Hansestädten. Sowohl die Länder als auch die Fachverbände werden auf Grund des Ausführungsgesetzes zum Friedens­vertrag von: 31. August 1919, Reichsgesetzblatt 11 (1530) zu Lieferverbänden bestimmt und können als solche im Notfalle im Zwangs woge zur Be­wirtung der angeforderten Leistungen angehalten werden. Außerdem übernehmen sie die Haftung für die tatsächliche Ausführung.

2- Die Sachlieferungen sind zum Wettmackt. preise zu beschaffen, damit die Auftragsämter und die Fachverbände den gestellten Anforde- runaen gerecht werden können. In welchem Um«,