Einzelbild herunterladen
 

BIBLIOTHEK MARBURG/LAFfN

Hauaue

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Zausn

Erschein! täglich mit Ausnahme der >2onn- und Feiertags

Donnerstag den 1. Juli

Verlagsleitung: Ad. Judermüble.

Verantwortlich: für volitischen und allgemeinen Teil i.V.:W.Moritz: Hr lokalen».provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz; für Anzeigen und Reklamen A. Vrodt. alle in Hanau a. M.

Rotationsdruckd.Waisenbausbuchdruckerei Hanau FernspreLanschlüffe Nr. 1237 und 1238

1928

Das Neueste.

Der päpstliche Nuntius Pacelli wurde vom ReichS- präfidente« Ebert zur Ueberreichung seines Beglau- di,u«gSschreibmS empfangen. Der Empfangsakt trug einen herzlichen Charakter.

Vo« "polnischen Blättern wird bestätigt, daß in Westpreußen von den Polen sechzehn Unabhängige und ein MehrheitSsozialist ohne Angabe rechtlicher Gründe verhaftet, nach Thor» gebracht und dort erschossen worden sink

Der DersaffungSauSschuß der Preußischen Lan- deSveftammlung beschloß, die Berufung der Minister wie bisher dem Präsidenten bei Landtags zu über« lassen, aber festzulegen, daß der Präsident deS Land­tages keiner Frattion angehör« und an den Abstim­mungen nicht teilnehmen darf.

I» der gestrigen Schlußsitzung der Landesver­sammlung deS Freistaates Soburg gab der bayerische Ministerpräsident Sahr im Ramm der bayerischen Regierung der Freude Bayerns über den Anschluß SoburgS Ausdruck, tooranf der Präsident die Auflösung des Landtags avsfprach.

Zm italienischen Senat hob der Kriegsminister her­vor, daß die Regierung einen Kommissar nach Albanien senden werde, der ausdrücklich erklären soll, daß Italien die Unabhängigkeit Albaniens anerkenne.

Die türkischen Gegenforderungen gegen die Friedens- bedinguugeu der Entente werden bekannt gegeben.

Schweder: hat an Finnland eine dringende Note 'm der Alsndsfrage gerichtet.

Präsident DeSchanel empfing gestern Millerand, Art dev er nur längere Besprechung hatte und will Heute vormittag den Vorsitz im Ministerrat führen.

^"«-»«»<~-

wirlschafisral.

Drne neue historisch«$i« n be in Deutschlands Geschichte, die Geburt des Parlaments der Arbeit. Mt einer Rede des Reichskanzlers hat es seine Tagung ausgenom­men. Es nennt sichder vorläufige Reichswirt- schaftsva-tt' und verdankt dies Beiwort dem Um­stände, daß es durch den eigentlichen ReichS- rvictschastsrat ersetzt werden wird, sobald die Körperschaften geschaffen find, auf denen er der Verfassung gemäß aufgebaut werden soll. Ueber Zweck und Aufgaben der heute eröffneten Tagung äußerte sich der Reichskanzler in seinen Begrü­ßungsworten. Die Reichsverfassung, so führte rc aus, hat sich das ideale Ziel gesetzt, die Gleich- derechügung aller in der Wirtschaft tätigen Kreise an der Entwicklung der prodickttven Kräfte der Nation herbeizuführen. Der vorläu­fige Reichswirtschaftsrat ist ein wichtiges Glied zur VerwirMchnng dieses Zieles. Nach seiner Zusammensetzung und seinen Aufgaben stellt er eine Neuerscheinung unter den Parlamenten der Welt dar. Der organisierte Zusammenschluß innerhalb der gleichen Klassen oder der gleichen Interessentreife ist eine alte Erscheinung, die uns Deutschen besonders im Blute liegt. Mark­genossenschaften, Gilden und Gewerkschasten haben sich aus diesem Gedanken int Lause der Jahrhunderte entwickelt. Aber dieser Zusam­menschluß hat sich in manchen Beziehungm als Sackgasse erwiesen, aus der man einen Ausweg in anderen Dimensionen suchen mußte. Von allen ' eifert drängte die Entwicklung zu einer Verbin­dung der verschiedenen Zweige und Klassen zu - inheitlichen Interessengemeinschaften. Der Ge­danke hat sich Bahn gebrochen, daß der Arbeit­nehmer Gelegenheit zur Einwirkung auf die Prodrttion nehme, um seine Sachkenntnis bafür fruchtbar zu machen und Freude an seinem Schaffen zu gewinnen. Neu sind auch die Auf­gaben. Die Verflechtung der wirtschaftlichen Fragen untereinander hat einen Grad erreicht, daß es ein zwingendes Bedürfnis geworden ist, von der Beantwortung dieser Fragen, so gut es geht den Reichstag zu entlasten durch eine Kör­perschaft, in der nicht rein zufällige Vectreter der einzelnen Berufe sich zusammenfinden, sondern in der die beteiligten Kreise organisch vertreten sind. Der Reichswirtschaftsrat, wie ihn die Ver­fassung vorsieht, sollte auf einer Reihe von Köc- pecschaften sich ausbauen, die heute noch nicht bestehen, deren Einrichtung vielmehr zu den Aufgaben der nächsten Monate gehöre. Er kann erst nach der Errichtung dieser Körperschaften gebildet werden. Die wirtschaftliche Lage ließ es aber geboten erscheinen, nicht so lauge zu Harten. Die Reichsregierung hat daher für die einstweilige Lösung der Aufgaben diesen vorläu­figen Reicksivjrtschastruat aetoasten und hofft >

auf seine wirksame Hilfe bei den schweren Be- lastungsprobesi, die in den nächsten Monaten der deutschen Wirtschaft auferlegt werden. In der Bedeutung, die der Reichswirtschaftsrat sich für seine Tätigkeit zu geben weiß, liegt seine Stellung fester verankert als in Artikeln und Paragraphen. Wenn alle Beteiligten durchglüht sind von dem Bewußtsein, daß heute weniger denn je die Wirtschaft Sache des Einzelnen ist, wenn alle Beteiligten das natürliche eigene In­teresse in das des Ganzen einhüllen, dann wird, so hoffe ich, der Reichswirtschaftsrat das erste WirtschaftZporlament der Welt, der Grundstein werden, auf dem wir weiterbauen können zum Wohle des Vaterlandes. Lebhaftes Bravo schallte dem Kanzler für diese Worte entgegen.

Die Leitung hatte zunächst der Kommerzien- rat Hermann Bamberg, der mit seinen 74 Jah­ren br unbestrittene Senior der Versammlung war. Er berief die vorläufigen Schriftführer, den Landwirt Karl Hepp, den technischen Angestell­ten Siegfried Aufhäuser, weiter als Delegierten der Verbraucherschaft den Direktor Hugo Beft- tein und als DeiftrÄer der presse Chefredakteur Georg Bernhardt. Die Wahl der Präsidenten füllte dir nächste Stunde. Das Los bestimmte, daß ein Arbeitgebervertreter in erster Linie das Präsidium, in zweiter ein Arbeitnehmervertre­ter es aus zuüben habe. Vorgeschlagen wird als Arbeitgebervertreter der Landwirtschaft der Edle von Braun, Unterstaatssekretär a. D-, das be­kannt: Mitglied des Neichsausschusses der deut-, scheu Landwirtschaft. Von 296 abgegebenen Stim­men entfallen auf ihn 228, 63 bleiben weiß, 5 zersplittern sich. Von letzteren weisen drei trotz der durch das Los erfolgten Entscheidung für den Arbeitgeber den Namen des Gewerkschasts- führers Legten auf. Mit dem, Versprechen unpr-c- lÖnÄ^^ L. so mahnt er die Versammlung, wollen wir an unsere Aufgaben herangehen, in der Ueber­zeugung, daß es gilt, wirtschaftliche Fragen nach Gesichtspunkten zu behandeln und zu lösen, und wir wollen suchen, in unsern Reden die bestehen­den Gegensätze möglichst auszugleichen, um den Gedanken im Volke zu kräftigen, daß nur durch gemeinsame Zusammenarbeit im Wirtschaftsleben auf eine Lösung zu hoffen ist.

Bei der Wahl des Präsidenten aus Arbeit- nehmerkreisen werden 287 Stimmen abgegeben, davon 243 für Legion, 2 zersplittert und 42 un­beschriebene. Während diese beiden Wahlen namentliche find, wird bei den übrigen summa­risch verfahren. Danach erhält das Haus weitere 7 stellvertretende Vorsitzende und zwar den Ver­bandsvorsitzenden Otto Urban und den Tischler Friedrich Baltrusch als Arbeitnehmervertreter, den Generaldirektor Vögler und den Geschäfts­inhaber der Diskontogesellschaft Dr. Salomonsohn als Arbeitgebervertreter sowie den Regierungs­rat Lehmann, Geschäftsführer des Deutschen Be- amtenwirtschaftsbundes, den Geheimen Baurat Dr. von Rieppel, der sein Makidat dem Reichs­rat verdankt, und als Vertreter der Verbraucher- schaft den Oberbürgermeister Mitzlaff, geschäfts- führendes Vorstandsmitglied des Deutschen und des Preußischen Städtetages. Als Schciftfiihrer werden berufen Obermeister Hansen, General­direktor Wussow, Regierungsrat Dr. Mater, für die Arbeitgeber, Adolf Cohen, Georg Schmidt und Franz Neustedt für die Arbeitnehmer sowie Prof. Jäckh und Prof. Schmalenbach für die übrigen Gruppen. Auch die Bildung der Aus- schüsse vollzieht sich in summarischem Verfahren. Es wird ein sozialpolitischer Ausschuß von 30 Mitgliedern, ein wirtschaftspolitischer von glei­cher Stärke und ein Geschäftsordnungsausschuß von 12 Mitgliedern gewählt. Vier Mitglieder des Hauses werden das Wahlprüfungsgericht gemäß Kapitel 7 Absatz 4 der Regierungsverordnung delegiert. Die Ausschüffe traten sofort nach Schluß der Sitzung zusammen, die nach kurzen geschäftsordnungsmäßigen Mitteilungen um 5 Uhr erfolgte. Die nächste Sitzung findet am Donnerstag vormittag 11 Uhr statt. Auf der Tagesordnung steht ein Anttag Wissell und Ge­nossen, in dem es heißt:Die Beschränkung der Produftion birgt volkswirtschaftliche und soziale Schädigungen solcher.Act, daß die Wege der Abwehr zu erforschen sind. Der Ausbau der Erwerbslofenfürsorge zu einer produktiven er­scheint unumgänglich notwendig. Der wirtichafis- politische Ausschuß wird dahc^ beauftragt, die hier in Bettacht kommenden Gefichtspunfte w prüfen und dem ReichSwirt^ffaftsrat SBo^Iäge zur Beschlußfassung zu unterbreiten " Weitexe Punkte der Tagesordnung bilden Beratungen über den Ausfuhrabgabenausfchuß und über einen BetriebSriiteauSfrirufiz

285 WMarösR KrichsfchuLÄen.

WB. Verkin, 1. Juli. Im Haushaltungs- ausschutz des Reichstags gab beider Beratung des Notetats Finanzminister Dr. Wirtb die gesamten Schulden des Reiches auf 26a Milliarden an.

Die ErschrstzNugest irr Lhsrn.

DD. Berlin, 30. Juni. Auch polnische Zeitungen bestötiaeu jetzt die von der deutschen Presse gebrachte Mitteilung von der Erschießung 17 deutscher Staats­angehöriger inThorn. Als Grund der Verhaftungen und des Urteils wird von ihnen angegeben, daß ein in Graudenz zur Veröffentlichung gelangtes Plakat, das von allen vslitischcn Parteien unterzeichnet war, in scharfer Weise gegen das Polentum in Ostpreußen Stellung nahm. Daraufhin seien etwa 30 Mitglieder der beiden sozialistischen Parteiesi am 2. Mai ver­haftet und nach Thorn geschafft worden. Am 25. Mai wurden 17 davon standrechtlich erschaffen, die übrigen zum Teil nach Kongreßpolen abtransportiert.

DenseiSsn Feind.

WB. Wien, 30. Juni. Nach Zeitungs- meldungen aus Prag hielt bei dem Präger Sokolfest der als Gast anwesende ehemalige französische Ministerpräsident Barthou eine Rede, in der er sagte:Die Tschechen und Franzosen haben denselben Feind. Wir müssen uns bemühen, diesen Feind zu ent­waffnen, damit er nie wieder einen Angriff gegen uns unternehmen kann. Das ist unser Interesse und das Interesse der gesamten Menschheit."

WB. Wien, 30. Juni. Die Blätter befassen sich mit den jüngsten Noten an Deutschland und heben besonders die schroffe Haltung der Entente in der Frage der Entwaffnung hervor. Die Haltung sei eine Bestätigung des von dem ReichskanzlerFehrenbach erwähnten Mißtrauens. Die Zeitungen weisen darauf hin, daß die Ver- mindernna der Reichswehr auf 100000 Mann angesichts der inneren Beryättnrsfe Deutschlands von katastrophalen Folgen schließlich auch für Europa sein müßte. DieReichspost" schreibt: Man kann nur annehmen, da man in London und Paris trotz aller Reden über die Not­wendigkeit der Wiederaufrichtung Deutschlands sie doch nicht wünscht, sondern eine ohnmächtige deutsche Regierung und ein fortwährend von inneren Wirren geschütteltes und zerwühltes Deutsches Reich vorzieht. Denn darauf laufen die Forderungen hinaus, die die Entente an Deutschland stellt. Es ist eine Entwaffnung nach innen, nicht nur eine solche nach außen, eine Wehrlosmachung gegenüber dem inneren Bolschewismus.

Französische SelösWberhedung.

WB. Paris, 1. Juli. In der Kammer sprach p Abgeordnete Laffont über die, den Alliierten abge­tretenen deutschen Kolonien und bedauerte, daß in dieser Frage noch keine endgültige Regelung erfolgt sei. Be­züglich der deutschen Kolonien Togo und Kamerun, die an Frankreich kämen, sei eS notwendig, daß die Re­gierung in Spa die Rechte Frankreichs zur Geltung bringe. Er habe für den Frieden gestimmt und halte die Klauseln bezüglich der Kolonien für genügend, ver­lange aber von der Regierung, daß diese Bestimmung auch durchgeführt würde (Beifall). Deutschland sei unwürdig erachtet worden, die Verwaltung seiner Kolonien zu behalten. Frankreich wird demgegenüber durch eine weitherzige Verwaltung be­weisen, daß eS seinen alten Satzungen de§ Wohl- w o I l e n s und der Menschlichkeit (?) noch nicht untreu geworden ist.

Spa.

WB Paris, 30. Juni. Nach demJntran- figeant" hat die englische Regierung zur .Kon­ferenz von Spa den Chef der englischen Militär­mission in Berlin, Generalmajor Malcolm, den englischen Vertreter in der interallierten Kon­trollkommission 5, General Bingham, und den Kommandanten der englischen Truppen in Ost­preußen, Generalleutnant Haking, berufen.

Die türkische An?WVrlKVte aufdieFriedcnsvorschlägewird nach demTempS" vierzig Seiten umfassen. Die türkische Regierung erkenne die neugegründeten Staaten, w c Polen, Südilawien, die Tschechoslowakei an, ferner als unabhängige Staaten Syrien, Mesopotamien, sowie Armenien und Hedschas uns das Protektorat Frauire-chs über Tunis und Marolko. Die türkische Regierung verzichte auf alle Rechte und Privilegien in LybieN und den Inseln des Dodckanos. Sie erkenne das englis.be Protektorat über Aeghpten an, ferner die freie Schiffahrt auf dem Suczkanal, die englisch-ägyptische Oberherrschaft über den Sudan und die Annexion von Unsern durch Eng­land an. Die Türkei verzichte fernerhin auf ihre Rechte auf die großen Inseln im Aegäffchm Meere. Um die Sicherheit KousiaprmopctS zu gewährleisten, verlanoe die türkische Regierung u. a. die Begier zung der Zahl der auTüurischcn Kriegsschiffe. Sie verlange, daß Oßthracien- ut den Greuzm, die es vor dem Kriege hatte, unter türkischer Oberherrschaft verbleibe, daß Smvrna und die »»grenzenden Gebiete von den arie»

chischen Truppen geräumt werden sollen. Sie wolle aber zugestehen, daß drei Jahre hindurch die Truppe« der alliierten Großmächte diese Gegend besetzten. Die Maßregeln zum Schutze der Minderheiten ist die tüv» kische Regierung bereit anzuerkennen.

DeMsch-Tschecho-Slowak. Abkomme«

WB. Praa, 1. Juli. (Meldung bei tschecho­slowakischen Presse-Büros. Auf Grund her in in zwffchen-siaatlichen Kommission, die von der tschecho­slowakischen und deutschen Regierung eingesetzt wurdl und der in Prag abgehaltenen Beratungen wurden vorläufig unter Vorbehalt drei Abkommen getrost«, uud zwar: 1. Ein Wirtschaftsabkommen, 2, Ein Der trag betreffend die Staatsbürgerschaft, 3. Ein Ab­kommen über die Durchführung des Artikel? 297 bei Friedensvertragek von Versailles. Es wurde für du deutsche Regierung von dem Ministerial-Direftor von Stockhammer unterzeichnet. Für dir ischecho-flowakische Regierung unterzeichnete das Wirtschaftsabkommen Staats-Seftetär im Handels-Ministerium Dr. vor Schuster, den Vertrag über die Staatsbürgerschaft in Chef der Justiz-Sektion im Ministerium für aus­wärtige Angelegenheiten Prof. Dr. Hodza und das Abkommen über die Durchführung des Artikels 29« des Friedensvertrages von Versailles, Oberst Fritdinger.

Eine schweb. Jnttiattvnole an Finnland

DD. Stockholm, 30. Juni. Die Verhaftung der beiden Aaländer Sundblom und Björkmann dürste den zwischen Finnland und Schweden bestehenden Konflikt noch mehr verschärfen. Die beiderseitigen Zeitungen entwickeln eine heftige Preßfehde. Halbamtlich wird mitgeteilt, daß die schwedische Regierung dem finnischen Gesandten in Stockholm gestern eine Note überreicht hat, in der sie die finnische Regierung etiuM das ge­richtliche Verfahren gegen die beiden verhafteten Aa- länder einzustellen und sie in Freiheit zu setzen. Be­gründet wird die Forderung mit dem Hinweis daraus, daß die Aalandsrage der Entscheidung des Völker­bundes unterbreitet worden sei. Der schwrdiiche ok» sandte in Helsingsors ist ferner angewiesen worden, von der finnischen Regierung die umgehende Beant­wortung der Note zu verlangen.

Der Boykott gegen Angarn.

DD. Wien, 30. Juni. Ueber den Stand bet Verhandlungen zwischen der internationalen Gewerk- schaftskommission und der ungarischen Regierung wird aus gut informierten Kreisen mitgeteilt, wenn die Verhandlungen bisher auch zu keinem positiven Er­gebnis geführt haben, so ist doch ersichtlich, daß eS in allerkürzester Zeit zu einem Abbau des Boykotts kommen wird. Die Stimmung in den tnter« nationalen Gewerkschaftskreisen geht dahin, daß durch die Tatsache der Veröffentlichung, des Boykotts nnd dessen wirksame Durchführung für,die internationalen Gewerkschaften ein moralischer Ersolg erzielt wurde. Die internationale Gewerkschafts- kommission wird sich damit begnügen, diese Tat>ach< in einer Veröffentlichung zum Ausdruck zu bringen; sie wird ferner aber auch den Völkerbimd anrufen uns ihn ersuchen, die kulturwidrigen Zustände in Ungarn zum Gegenstand einer Untersuchung zu wachem

Die Vorgänge in China.

Ipu Peking, 1. Juli. Die Militärporter üs Norden treibt alle Fremden aus den Nord-Provrnzeo aus und trifft Vorbereitungen um die' Regiei ung in Peking zu stürzen. Die antijapaniscke Stimmung soll int Süden durch Agitation verschärft werden, um um die Pekinger Regierung zu Fall zu bringen. Hau weiß, daß Japan nur darauf wartet, um in China einzugreifen, wozu bereits seine Flotte mobilisiert ist und teilweise in den chinesischen Hasen wartet, bi? der Zeitpunkt dafür gekoninien ist. Die Regierung er» ließ einen Aufruf, in dem die Bevölkerung, besonders die Studenten ersucht werden, sich öffentlichen Kund- gebungen gegen Japan zu enthalten, auch die Fremden, besonders die Amerikauei nicht zu belästigen, da du amerikanische Regierung in einem scharfen Protest d« chinesische Regierung für alle Ereignisse verantwortlich macht. Synerifauifcbe Kriegsschiffe seien ebenfalls nach China unterwegs und es bleibt abzuwarten, was aus den Drohungen der Militärpartei für Folgen^ ent­stehen können, wenn sich die Bevölkerung im Süden ebenfalls zu feindlichen Kundgebungen verleiten laßt

Kurze Meldungen.

* Das Württembergische Staatsimmstermm wird sicherem Vernehmen nach folgendermaßen zusammen, gesetzt sein: Aus dem bisherigen Minister Dr. Hieber. Staatspräsident und Kultus; Graf, Inneres; Bolz, Justiz; Lieschins, Finanzen; dem früheren Dkmsterial, rat und jetzigen Direktor bei Daimler Dr. schall Arbeit und Ernährung., ~ , _ , ... o

* Deutschland hat für Frankreich bereits für 810 Milliard. M. Aufbauarbeit geleistet. Dafür haben drc Franzosen den Gefangenen 20 Centimes für den Tag versprochen, aber bisher nicht bezahlt. DieTägliche Rundschau" wünscht, daß die deutschen Vertreter in Spa auf diese Milliardenleistung mit aller Deutlichkeit aufmerksam machen. ~

* Der UeberdreadnougbtTennesee, den die Amerikaner mit seinen 32 500 Tonnen als daß größte und stärkste Schlachtschiff der Welt bezeichnen, ist aus der Brooklyner Marw.e-Werft in Dienst gestellt. Da- Schiff hat 20 Millionen Dollar gekostet, führt aber einstweilen nur eine Besatzung von 631 Mann. Es soll noch im Laufe des Sommers Probeiahrten unter­nehmen, um seine Gebrauchsfähigkeit zu beiveisen.

* Der Streik der städtischen Arbeiter in Dusseldorf, der über 14 Taae währte, ist beendet.