Zanauer K Anzeiger
Nr. 147
General-Anzeiger
Aurlkches Organ für EkM- und Landkreis Zanau
Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertags
Freitag den 25. Juni
■*M»«g™wi™»»i^™»*™»ffi8a»CT^ ......■—'s »l■■lll^■^ «l»r<
Verlagsleitung: Ad. Jndermuble.
Verantwortlich: für volitischen und allgemeinen Teili.V.:W.Moritz: fürlokalenu.vrovinziellen Teil sowie Sport W. Moritz; für Anzeigen und Reklamen A. Stobt, alle in Hanau a.M.
Rotati onsdruck d. Waisenhausbuchdruckerei Hanau Ferniprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238
1920
Das Neueste.
Der Reichstag ist gestern zu seiner ersten Sitzung jefammtttsttrdcn.
Die Neuwahlen zur preußischen LandeSversamm- Mg werden virauSsichtlich im OÜeber stattfinden.
Bitter dem Vorsitz des preußischen LandeSökonomie- Megimvs fand gestern eine Sitzung der Vorsitzenden da preußischen LandwirtschaftSkammern statt. Man beschloß einstimmig, Protest gegen die Ausschaltung der LaÄwirtschafSkammern bei der Beratung des Gesetzes Her die Neugestaltung der Landwirtschaftskammern zu erheben.
Der Laudurbeiter-Streik im Regierungsbezirk Kettin umsaßhungefähr 150 bisLOO Güter, davon allein im Kreise Stolp 100. Seit gestern hat der Streik «ich auf den Kreis Rummelsburg übergegriffen. Auch find Plünderungsversuche in den Kreise» Stolp und Echlaoe vorgekommen.
In Soulogne hat Millerand alle» erreicht, war er vollte, »eil die Not England» Lloyd Georg« zwang, «achzugeben.
Entente-BlStter machen gegen die von Amerika ge- dotene Hilfe gegen Deutschland mobil.
Der Reichstag.
Berlin. 24. Juni. Das Haus ist vollbesetzt, desgleichen die Tribüne. Im übrigen deutet nichts im äußeren Ansehen des Saales auf die Bedeutung dieser ersten Sitzung des ersten Mchstags nach der Umbildung hin.
Der Alterspräsident Abg. Rieke (Soz.) eröffnet die Sitzung und «nennt die Wgg. Malkow, F«m Agnes, Frau Bohm-
GeschästsordnungSmäßig wird sodann zum
Namensaufruf
der Abgeordneten geschritten, der sich im allgemeinen eintönig vollzieht, und in dessen Verlauf sich ergibt, daß die meisten Minist« im Plenum Platz genommen haben, so z. B. die Abgg. Wirth, Giesberts, David, Mimik und Bauer. So erklärt es sich auch, daß auf der Wnisterbank ReichZmrnffter Koch das gesamte Neichskabinett vertritt.
Beim Aufruf des Namens des Abg. Mitt- voch (Ü S. P.) ruft Abg. Ledebour unter schallend« Heiterkeit des Hauses: „Er sitzt!" Zu einer ähnlichen Szene kommt es beim Auf- mf des Abg. Stianes. Hi« ruft Adolf Hoff- mana: „Wenn das Geld im Kasten Wngt, der Etinnes in den Reichstag springt!"
D« Namensaufruf ergibt die Anwesenheit Mit 432 Abgeordneten. 34 Abgeordnete fehlen.
Unter den wenigen Abgeordneten, die Wen, war Erzberger, mit dessen Stellung m feiner Partei der Reichs aus schuß des Zentrum am Mittwoch beschäftigt war. Der Ab- Mordnete Erzbergec war dabei selbst anwesend wld gab die Erklärung, daß er gegen das Ur- teil des Moabit« Gerichts Revision eingelegt ^obe, sodaß der Fall nicht erledigt sei.
D« Mterspräsident konstatiert die Beschluß- sähigkeit des Hauses und setzt die nächste Sitzung auf Freitag, nachmittags 3 Uhr, mit der Tagesordnung der Wahl des Präsidiums fest tob schließt gegen 4 Uhr.
Der Aeltestenrat des Reichstags hat heute dormittag getagt. Es wurde Uebereinstimmung Aielt über die Wahl des Präsidiums- Die Fiktionen sollen nach ihrer Stärke am Präsidium beteiligt werden. Dementsprechend wird her Präsident von den Mehrheitssozialdemo- iraten gestellt werden, die drei Vizepräsidenten tot gleichen Rechten von den Unabhängigen, ^n Zentrum und den Deutschnationalen. Als Schriftführer im Präsidium sollen gestellt werden zwei Sozialdemokraten, zwei Deutsche Volks- Harteiler und je ein Vertret« des Zentrums, bto Deutschdemokcatm, der Unabhängigen und b^r Deutschnationalen. Die Wahl des Präsidenten und der Schriftführer soll durch Zettel, tote Wahl der Vizepräsidenten durch Zuruf er- togen. Die Freitagssitzung soll sich lediglich mit der Präsidentenwahl beschäftigen. Dann wird voraussichtlich eine Vertagung bis zum Mitt- ^och eintreten, wo sich dann das neue Kabinett dorzustellen hätte. Es wurde noch beschlossen, den Aeltestenrat zusammenzusetzen aus den vier Präsidenten und aus 6 Sozialdemokraten, 4 Un= abhängigen, 3 Zentrumsleuten, 3 Deulschnatio- tolen, 3 Volksparteilern, 2 Demokraten und 1 Baherischen Volksparteiler.
Der im Sitzungsbericht erwähnte Abg. Re- »Mkteur d« Königsbergex „Freiheit", Haus
Mittwoch, ist wegen versuchten Landesverrats und Beleidigung des Reichswehrministeriums sowie des Auswärtigen Amts zu 2 Jahren Festungshaft verurteilt worden. Mittwoch hatte ein gefälschtes Protokoll, das er aber als wahr an sah, über eine Sitzung im Auswärtigen Amt veröffentlicht. Darin wurde behauptet, daß die Regierung amtliche Dokumente über die Schuld Deutschlands am Weltkriege verbrannt und an ihre Stelle andere Aktenstücke untergeschoben habe.
Die vermuMche MinLsierLrfte.
Nach den Berliner Abendblättern kann als feststehend angenommen werden, daß das Kabinett Fehrenbach auf der Grundlage einer bürgerlichen Mitte zustande kommt. Die endgültige Ministerliste steht noch nicht fest, dürfte aber folgendermaßen lauten:
Reichskanzler: Fehrenbach,
Stellvertreter des Reichskanzlers und Justiz:
Dr. Heinze,
Reichswehrminister Dr. Eeßler,
Inneres: Koch, Auswärtiges Amt: Dr. v. Simons,
Finanzen: Dr. Wirth,
Post: Giesberts,
Ernährung: Hermes,
Verkehr: General Gröner,
Arb eitsministerium: Braun,
Reichsschatzministerium: v. Räumer.
♦
Preußische Lan-esversammZung.
WB. Berlin, 24. Juni. Zur Beratung steht ein Antrag der Geschästsordnungskommission, die Regierung wolle die Haftentlassung des Abg. Kilian (U. Soz.) bewirken. Der Ausschußantrag wird gegen die Stimmen der Rechten ange-
allen drei Lesungen ohne Erörterung angenommen.
Es folgt die Beratung eines Antrags des Verfassungsausschusses, die Regierung möge auf eine Aenderung der Reichsverfassung betreffend preußische Stimmen im Reichsrat hin- wirken. Es handelt sich um eine Fristverlängerung, die der Art. 168 der Reichtzverfassung vorschreibt, wonach die sämtlichen preußischen Stimmen im Reichsrat bis zum Erlaß eines besonderen Landesgesetzes, höchstens auf die Dauer eines Jahres, von Mitgliedern der Regierung abgegeben werden können. Weiter fordert der Ausschuß, daß die Weiterberatung des Gesetzentwurfs über die Bestellung von Reichsratsmitgliedern durch die Provinzialver- waltungen solange vertagt werde, bis die Entscheidung über die angeregte Aenderung der Reichsverfassung vorliegt. Der Antrag wird angenommen.
Nächste Sitzung Montag den 5. Juli, 11 Uhr vormittags. Uebergang der standesherrlichen Bergregale auf den Staat. Schluß gegen 4 Uhr.
Kohlenverssrgung Sslöösulschlands.
WB. Mannheim, 24. Juni. Unter dem Vorsitze des Regierungsrats L. v. Bodenstein vom Reichsarbeitsministerium und unter Teilnahme von Angehörigen des Reichsverkehrsministeriums und des bayrischen Arbeitsministeriums fand eine Versammlung der Arbeitgeber- und Ar- beitnehmerorganisationen der Rheinschiffahrt statt, um eine Verbesserung der Kohlenver- sorgung Süddeutschlands durch Hebung der Beförderung auf dem Wasserwege ermöglichen zu können. Nach längerer Debatte wurde folgender Beschluß gefaßt:
„Die Arbeitnehmer der Rheinschiffahrtsgesellschaften verpflichten sich während der Beförderung von Kohlen auf dem Rhein täglich zwei Stunden Ueberarbeit zu leisten. Außer der tariflich festgelegten Entschädigung erhalten sie dafür, gleich den Nuhrbergleuten, eine Extrazuwendung von wöchentlich vier Pfund Fett zu dem ermäßigten Preise. Die Verteilung der Sonderzuwendung von Fett soll einer sofort zusammentretenden Kommission, die sich paritätisch zusammensetzt, übertragen werden. Die Abmachungen sollen für alle Mitglieder der vertragschließenden .Verbände verbindlich sein, soweit bei den Umschlagsarbeiten Ueberstunben notwendig sind. Das llebereintommen bedarf nur noch der formellen Zustimmung der beiderseitigen Verbandsversammlungen."
Die Entwaffnung Deutschtands.
WB. Berlin, 24 Juni. Von den drei, dem Vorsitzenden der deutschen Friedeusdclegaiiou in der Frage der Entwaffnung feiten» der alliierten Regierungen zu- gegangenen Noten zäblt die erste die verschiedenen Verstöße gegen die militärischen Bestimmungen der
FriedensvertrageS auf, die Deutschland von den Alliierten zur Last gelegt werden. Es wird denn im einzelnen darauf hingewiesen, die Alliierten seien darin einig, daß die Bestimmungen des FriedensvertrageS über die Entwaffnung Deutschlands sowohl was die Heeresstärke, als auch das KriegSgerät betreffe, restlos durchgefübrt werden müßten. Daber müsse es bei der Herabsetzung der deutschen Heeresstärke auf 100 000 Mann verbleiben. Die Sicherheitspolizei sei innerhalb dreier Monate aufzulösen. Dafür könne schon die vor dem Kriege bestandene OrdnungSpolizei auf 150 000 Mann, somit um 70 000 Mann gegen ihren Stand von 1913 erhöbt werde«. Ferner fordern die Alliierten daß die deutsche Gesetzgebung ausdrücklich in Einkla ng mit den militärischen Bestimmungen des FriedensvertrageS gebracht werde, womit, wie aus der zweiten Note hervorgeht, insbesondere die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht durch das Gesetz gemeint ist. Ferner werden in der Note gesetzliche Maßnahmen gegen die Ausfuhr von Kriegsmaterial verlangt: endlich wird auf wirksamen Maßnahmen zur Auflösung der Einwohnerwehren bestanden. Die zweite Note gibt insbesondere Einzelheiten über den Ersatz der Sicherheitspolizei durch 150 000 Mann Ordnungspolizei. Die dritte Note fordert mit Rücksicht auf die unvollkommene Ausführung der Auslieferung des militärischen Luftfabrmaterials, daß die Anfertigung von Luftfahrmaterial in Deutschland, die an sich am 10. Juli wieder hätte beginnen können, erst drei Monate nach der vollständigen Durchführung der Ausliefer«ngs- Pflicht wieder ausgenommen werden darf.
Gegen Deutschland mobil.
Ipa. Paris, 25. Juni. Entente-Blätter machen gegen die von Amerika gebotene Hilfe in Deutschland mobil, durch die Deutschland in die Lage versetzt werde, sich den Verpflichtungen des Versailler Vertrages zu entziehen. Die gemeldete Luftschiff-Nachricht, wonach Amerika in Deutschland einen Zeppelin bestellt habe und auch geneigt sei, die internationale Luftschiffahrt mit den in Deutschland gebauten Lustkreuzern in Verkehr zu bringen, bat die Blätter so aufgeregt, daß sie behaupten, daß die amerikanischen Maßnahmen nichts anderes bedeuten, als den Friedensvertrag künst-
Abfindung des Fürsten von Waldeck.
WB. Wildlingen, 24. Juni. Die Waldeck- Pyrmontsche Landesvertretung nahm den Antrag des Gefetzgebungsausschusses betreffend die Abfindung des Fürsten von Waldeck mit 15 gegen 5 sozialdemokratische Stimmen an. Für den Antrag hatten auch zwei Sozialdemokraten gestimmt. ' Der Fürst erhält danach die Domäne Hüninghausen bei Arolsen mit 1200 Morgen Wald,' das Schloß in Pyrmont mit Hofgarten sowie das fürstliche Erbbegräbnis Rhoden mit dem zugehörigen Grundstück. Ferner gewährt der Staat dem fürstlichen Hause die Nutznießung an dem Residenzschloß in Arolsen. Die Unterhaltungskosten desselben hat zum größten Teil der Waldecksche Staat übernommen. Der Fürstinwitwe wird auf Lebenszeit der Nießbrauch im neuen Schloß in Arolsen und der dazu gehörige Park überlassen. An Barabfindungen erhält der Fürst 3y, Millionen Mark, die zum größten Teil für die Reichsvermögenssteuer verwendet werden.
GwlrtLr über VtMsns PsMik.
WB. Rom, 25. Juni. Stefani. Ministerpräsident Eiolitti führte in seiner am Donnerstag in der Kammer gehaltenen Rede über die Politik der Regierung aus, das Hauptziel der auswärtigen Politik sei, Italien und Europa den völligen und endgültigen Frieden zu sichern, weshalb mit den Alliierten engste und herzlichste, aber auch mit den anderen Ländern und ebenso mit Rußland freundschaftliche und normale Beziehungen notwendig seien. Eiolitti kündigte eine Verfassungsänderung in dem Sinne an, daß internationale Vertrüge der Genehmigung des Parlaments und ebenso Kriegserklärungen dessen vorheriger Zustimmung unterliegen sollen. Er schlägt' die Schaffung von Kommissionen in Kammer und Senat zur parlamentarischen Kontrolle der auswärtigen Politik vor. Auf dem Gebiete der inneren Politik wird sich die Regierung mit der Teuerung, dem Preisabbau und mit der Hebung der Produktion befassen. Eiolitti bezifferte die Staatsschuld auf 05 Milliarden, wovon 20 Milliarden an das Ausland geschuldet rverden. Um den Bankerott zu vermeiden, seien große Ersparnisse, vor allem aber neue Einnahmequellen notwendig. Eiolitti kündigte Cesetzesvorlagen an über die Ablieferung der außerordentlichen Kriegsgewinne an den Staat, über die Kontrolle der Kriegsausgaben und Revision der Kriegslieferungsverträge, über die Erhöhung der Erbjchafts- und der Automobil- steuer sowie über die Besteuerung der Werttitel. Italien, so erklärte Eiolitti zum Schluß, steht jetzt vor dem Beginn seiner Wiedererstehung oder seines Verfalls. Jeder Italiener müsse sich für das Land opfern. Auf Zwischenfragen einiaer Extremisten antwortete Eiolitti, es fall*
ihm nicht schwer zu erklären, daß die Regiemng einem Protektorat über Albanien nicht günstig gesinnt sei und Albaniens Unabhängigkeit wünsche.
MMerand hak alles erreicht.
Jpu. London, 25. Juni. In Soulogne hatte Millerand alles erreicht, was er wollte, da die Not Not Englands diesmal Lloyd George zum Nachgeber zwangl Eingeweihte Kreise versichern, daß Lloyl George niemals so ernst gewesen sei, wie während der letzten Verhandlungen. Geradezu nervös verliefe» die Beratungen zwischen den beiden Mnisterpräsidenten und den Generälen, die den Ernst der Lage für England vollauf erkennen. Lloyd George konnte kein Hebl «ehr daraus machen und mußte jede Hilfe, auch wenn sie noch so teuer erkauft wurde, annehmen: darüber ist man in England sehr besorgt. Der Streit in der Presse ist ganz verstummt. Weder Frankreich noch England haben zur Zeit Veranlaffun, sich gegenseitig amnschwärzeu, denn was in Hythe festgesetzt wurde, war mehr als manches Krieg»opfer. In Bau« logne sind die festgelegten Pläne, an denen Nicht» mehr zu rütteln ist, nur den kleineren Verbündeten zur Begutachtung und Annahme vorgelegt worden, soweit sie nicht ausschließlich zwischen Frankreich und England ein Geheimnis bleiben. Gestern wurde au» Boulogne gemeldet, daß Frankreich den Auftrag erhalten habe, die weiteren Verhandlungen mit Deuych. land zu regeln, während England einstweilen freie Hand haben muß, um seine eigenen Verhältnisse m der Welt zu übersetzen. Die deutsche EntschädigungS- frage ist im Sinne Frankreichs entschieden, während der Frieden mit Rußland außer Sicht ist, wenn Rußland sich nicht beugt, wie Frankreich e» will.
Von einer Revision keine Rede.
WB. Brüffel, 25. Juni. Die von Boulogn« zurückgekchrten Minister des Auswärtigen und Innrer erklärten sich über die in Boulogne gemachten • schlüsse befriedigt. Sie fügten hinzu, ^daß entgegen t ^r Ansicht gewisser Persönlichkeiten in DeuiichltuK von einer Revision des FriedensvertrageS auf der Koirfercnz in Spa nicht die Rede sein könne. Wie «Etoile Belge ilV MEÄ'der alliierter Länder t-ilmbmen
Rücktritt des ungarischen Kabinetts«
DD. Wien, 24. Juni. Nach Mitteilungen, die bei der hiesigen ungarischen Gesandtschaft aus Budapest eingetroffen sind, wird die ungarische Regierung am 26. Juni dem Reichsverweser Hortby ihre Demission überreichen. Der Rücktritt des Kabinetts Simonyi bangt, wie von ungarischer Seite behauptet wird, formell mit der Boykottaktion gegen Ungarn nicht zusammen- Es ist natürlich klar, daß nur durch bei Boykott die Stellung der Regierung derartig geschwächt wurde, daß ste sich genötigt sieht, zurückzutreten. — I, Deutsch-Oesterreich ist der Boykott dadurch straffer am gezogen worden, daß die Arbeiterschaft der Ost bahnen auf der bereits gestern ein Teilstreik auSgebrochen ist, nun vollständig die Arbeit niedergelegt hat, und zwar ist die» auf Zwischenkälle zurückzuführen, die sich heute vormittag auf der Offbahn ereignet haben. Auch die tschecho-slowakischen Gewerkschaften haben uch, wie von dem Wiener Permauenzkomitee mitgeteilt wird, dem Boykott vollständig angeschlossen und, kein Verkehr vo» und nach Ungarn ist zugelassen, bloß auf dem Weg« über die deutsche Gesandtschaft wird ein Kurr-rdlenj! durchgeführt, den zu verhindere,, die tschecho-slowakischc, Gewerkschaften sich außer Staude erklären. Auf die,e» Wege werden auch Telephongespräche nach und «bei Prag abgewickelt, die hauptsächlich dem diplomatische, Verkehr dienen. Weiteren beim Pennanenzkomitee ein« gelaufenen Nachrichten zufolge, wird auch von Rumänie» und Jugoslawien die Absperrung vollständig euren geführt.
Gegen den Bsykotl.
DD. Wie«, 24. Juni. Der Hauptverband bei Industrie Deutsch-Oesterreichs bat eine Resolution ge- faßt, in der der Regierung die Entrüstung darüber ausgesprochen wird, daß sie den das Wirtschaftsleben schwer schädigenden Verkehrsboykott gegen Ungarn nicht verhindere, die Haltuna der Regierung komme bei Uebergabe der Staatsgewalt an unverantwortliche Elemente und der Senktionierung der Anarchie gleicht
Kurze Meldungen.
* Der durch die Frühjatzrsunruhen in den Stadt«» Duisburg, Mülheim, Oberbaustn und im Kreise Dins. lasen verursachte Sachschaden w rd amtlich auf einund achtzig Millionen Mark angegeben.
* Der durch die Plünderungen in Krefeld ange richtete Schaden wird auf mehrere Millionen Mack geschätzt. Die städtische Lebenömittelkommissio« muj Lebensrnittel in großen Mengen einfaufen und sie zim Selbstkostenpreis an die Bevölkerung abgeben.
* Das französische Kriegsgericht in Landau neu urteilte die Redner der Protestversammlung yom Dien» tgg in Ludwigshafen zu folgenden Strafen: Ba» 6 Monate Gefängnis und 10000 Mk. Geldstrafe Fischer 9 Monate Gefängnis und 10 000 Mk. Gelt« strafe, Rauschert 8 Tage Gefängnis und 2000 Mark Geldstrafe. .
* Die dänische Regierung erhielt au» Parts dr^ Mitteilung, daß die endgültige Uebertragung deß Souveränität über die erste Zone kommenden Samstatz stattfinden werde. An diesem Tage werde zwischen der Entente und Dänemark ein Vertrag unterzeichnet, durch den die erste Zone endgültig an Dänemark übergeben t^