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General-Anzeiger

AmMches Organ für ElM- « Landkreis Lauan

Erschein! täglich mit Ausnahme bekrönn- und Feiertags

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Verlagsleitung: Ad, Jndermüble. Verantwortlich: für pohtiimen und allgemeinen Teil Rich. H u l t f ch: für lokalen und provinziellen I Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und l Reklamen Brodt. alle in Hanau a.M.

Rotationsdruckd.Waifenhausbuchdruckerei Sanau ' , Fernfprechanschlime Nr. 1237 und 1238

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M. 142

Samslag den 10. Juni

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1920

Das Neueste.

Zu der Berliner Krise ist noch immer keine Ent- ßMg gefallen.

Zu MavigShasen wird heute ein eintägiger Ee- Mstreik ÄS Demonstration gegenüber der Besatzungs- Mde durchgeführt.

Dir mffisch« Sowjetregierung fordert dar alte MierkorpS auf, sich Sowjetrußland zur Verfügung p stellen.

Zur Lage.

' r Noch keine Entscheidung.

Ammer wieder erweist sich die Hosnfung, daß Mt Kabinettskrise, die nun schon 12 Tage dwert, als überwunden gelten könne, als ein

Ä Optimismus. Die bisherigen Be- Fehrenbachs find auf die alten Wider- Me gestoßen. Das Volk sieht mit immer mehr Mb mchr zunehmender Gleichgültigkeit diesem -rrlamentarischeuSpiel der Kräfte' zu, es sieht * die größte Partei ängstlich laviert und sich d ihren Meinungsäußerungen und in chren Aeu einzig und allein von der Abbröckelungs- Hcht ketten läßt. Es ist eine yevadezu jämmer- fy Tatsache, daß die 5krise durch engherzigen Perteiksmigel verlängert wird. Wir, und wohl k größte Teil unserer Volksgenossen können 8 nicht verstehen, daß die gewählten Volksführer hre Ausgabe, die Wiederaufbau, Zusammen- «M und nicht G^eneimandettvirken kleinlicher MrEemMtriMutW bedeutete über kleinliche Whtsprmkft vernachlässigen ^Mr bedauern Hr Krise, die uns be^^euRefi^^^Nchtuich Wien wird, verfolgt. Die Bilder auf dem Krisen- IMme ivechfelri von Moment z« Moment. Etzreud es iu diesem Augenblick aussteht, als »6 ein Kabinett der Mitte mit wohlwollender Neiüralltat der Mehrheitssozialdemokraten zu- totbe kommen werde, wird im nächsten Augen- ilick diese Ansicht dementiert. Die Demokraten toten gestern eine Aussprache, die sehr lebhaft

Einer ihrer Vorschläge ging lautB. £/ toauf hinaus, daß sie die Demokraten selbst in das Kabinett eiutreten,-dafür aber ich verpflichten, einem aus Zentrum «.Deutscher siolkrpartei gebildeten Kabinett ihre parlameu- Mische UntÄstützung zu leihen. Dieses Vor- w erklärten die Herren Fehrenbach und Lümborn unter keinen Umständen annehmen zu Mnen. Die Demokraten sind, was zusammen-

aus den bisherigen Stimmen dieser Putei hervorgeht, der Ansicht, daß sich eine Regierung der Mitte ohne Sozialdemokratie nicht ixilkn kann. Dadurch dürfte die ganze KabL- ^ttsbildung wieder ins Ungewisse gestellt sein.

,Voss. Ztg " erwartet nicht, daß die end- kEge Konstituierung des Kabinetts vor Mitte Zachster Woche (am Donnerstag tritt der Reichs- zusammen) erfolgen wird. DerVorwärts"

hervor, daß, weil Zusammensetzung und -Programm der neuen Regierung nicht sestgestellt werden können, solange sich die Demokraten nicht snischieden haben, auch noch kein letztes Wort . Ct die Haltung der Sozialdemokraten ge- !^ochen werden könne.

Dss amlliche Ergebnis

der Reichslagswahlen.

. T» »Reichsanzeiger" veröffentlicht jetzt das anit- M Ergebnis der ReichstazSwahlen. Danach wurden ..San$en 26 017 590 Stimmen abgegeben. Davon - "stelen auf die Sozialdemokratie 5 614 452, auf das Mrum 3 54o 830, auf die Deutsch - Demokraten ^34, auf die Deutschnationalen 3 736 778, auf ? Deutsche Volkspartei 3 606 316, auf die Nnab- °"S>M 4 894317, auf die Deutsche Mittelstands- ^rtei 11920, auf die Kommunisten 441 995, auf die »f.W Wirtschafte- und Arbeitspartei 43, auf die ^'wnaldemokratische Partei 3938, auf den Bayerischen Q«mibunb 218 884, auf die Hannoversche Landes- 319 ioo, auf den Deutschen Wirtschaftsbund für und Land 88 652, auf die Christliche Volks- , s^> 6k> 219, auf die Bayerische Volkspartei 1 171722, £ w Deutsch-Sozialistische Partei 7216 und auf die Wtzer Volkspartei 4052 Stimmen; die übrigen Ginnten zersplitterten sich. Demnach besteht der «uystag aus 466 Abgeordneten: 112 Sozial- Wotraten, 68 Zentrumsleuten, 45 Deutsch-Demo- 66 Deutschnationalen, 62 Deutsch - Volks- Mtcilern, 81 Unabhängigen, 2 Kommunisten, 4 Ver- des Bayerischen Bauernbundes, 5 Hannove- «netn und insgesamt 21 Angehörigen der Bayerischen S der Christlichen Volkspartei. In diesen Ziffern ^o^"'bate der Sozialdemokratie, 9 der Zentrums der Demokraten aus den A b st i m m u n g S - 1 e t e n einbegriffen, ferner ein Sozialdemokrat ^ em Demokrat, die aemäü § 38 Absatz 2 des

Wahlgesetzes für den Rest des biSberigen Wahlkreises II übernommen worden sind. Die Stimmen, die auf die Vereinigten Landwirtschaftlichen BernsSvereinigungen Thüringens, auf die Hessische Volksvartei, auf den Hessischen Bauernbund sowie auf den Württembergischen Bauern- und Wemgärtnerbund entfallen sind, sind den Deutschnationalen zugerechnet.

Zum Abbau -er ZWangSVirlschaf!.

Allmähliger Abbau.

Die Abendausgabe derVossischen Zeitung" bringt in auffälliger Weise unter der UeberschriftAllgemeine Aufhebung der Zwangswirtschaft" völlig unzutreffende Angaben über die Pläne, welche das , Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft in dieser Hinsicht verfolgt. In Anknüpfung an Besprechungen, die in den letzten Tagen in diesem Ministcrium stattgefunden haben, wird als Ergebnis mitgeteilt, daß eine allge­meine Aufhebung der Zwangswirtschaft bevorznsteben scheine. ReichSminister Hermes habe sich grundsätzlich auf den Standpunkt gestellt, daß die Zwangswirtschaft für alle Nahrungsmittel mit Ausnahme von Milch und Getreide möglichst umgehend beseitigt werden müsse, Alle Fesseln sollen spätestens bis 1. Oktober dieses Jahres gefallen sein. Demgegenüber wird bemerkt, daß das Reichsministerium für Ernährung und Land­wirtschaft an eine Aufhebung der Zwangswirtschaft ab 1. Oktober nicht gedacht bat und nicht denkt, und daß auch Reichsminister Dr. Hermes eine Auffassung, wie sie ihm zugeschrieben wird, nie geäußert hat. Da­gegen sind in inneren Besprechungen im Ministerium entscheidende Beschlüsse über den beschleunigten Abbau einer Reihe von Kriegsgesellschaften gefaßt worden. An einer die obige Notiz rechtfertigendeu Auffassung ist jedoch nicht der geringste Anlaß gegeben worden. Das Ministerium hält vielmehr nach wie vor daran fest, daß für die wichtigsten Nahrungsmittel vorläufig an eine Freigabe nicht gedacht werden könne. Das gilt nicht nur für Getreide und Milch, sondern auch für Fleisch. Gerade hierüber ist in diesen Tagen eingehend verhandelt worden, und eS wurden auch scharfe An- griffe gegen die Zwangswirtschaft gerichtet. Schließ- SSTr ÄW Ä>WsW der ZpangSwirtschaft geltend gemachten Einwendungen anerkannt und während einer Uebergangszeit sich mit einem bloßen Umbau der Zwangswirtschaft einverstan­den erklärt, bis durch den Wiederaufbau unserer Vieh- Wirtschaft die Vorbedingungen für die Freigabe von Vieh und Fleisch geschaffen worden sind. Das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat wiederholt erklärt, daß eS einen planmäßigen Abbau der Zwangswirtschaft erstrebt und den freien Handel wieder in seine Rechte einsetzen will, wo seine Zu­lassung die Ernährung des Volkes nicht gefährden, sondern eine Verbilligung der Nahrungsmittel zur Folge haben würde. Besonders soll soweit als mög­lich wieder die freie Einfuhr zugelassen werden, zu­nächst für Fische, Eier, Gemüse und Obst, später auch für andere Lebensmittel. Bei der heutigen Ernah- rungslage wäre eS unverantwortlich, wenn nicht alles geschähe, was unsere Ernährung durch reichliche Zu­fuhr auS dem Ausland verbessern und verbilligen kann. Als weitere Folge dieser Wiederherstellung deS freien Handels ergibt sich dann auch die seit langem durch das Volk gewünschte Auflösung der Kriegsgesellschaften. Für diejenigen Nahrungsmittel, die die Grundlage der Enrähmng bilden, kann jedoch eine Aufhebung der Zwangswirtschaft erst dann in Frage kommen, wenn Sicherheit besteht, daß bei freier Wirtschaft für jeden die Deckung des Bedarfs zu erträglichen Preisen mög­lich ist.

Die Lohnforderungen in -er Industrie.

Die LanLesstelle Bayern der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, der in 33 Verbänden nahezu sämtliche Industriellen und Gewerbetreibenden Bayerns angeschlossen sind, erklärt, daß es ihr nicht mehr möglich ist, ihren Verbänden eine weitere Lohnerhöhung zu empfehlen. In allen Zweigen des bayerischen Gewerbes und der Industrie würden Aufträge in großem Umfang rückgängig gemacht. Neue Aufträge kämen gar nicht mehr oder nur langsam und dann zu den herabgedrückten Preisen. Wei­tere Lohnerhöhungen würden den Arbeitnehmern nichts nützen, sondern letzten Endes nur schaden, da Entlassungen in größerem Umfang oder voll­kommene Stillegung dieser Betriebe die unaus­bleibliche Folge der Lohnerhöhung sein müßten. Außerdem erfordere der Vollzug der Gesetze eine fortwährende Vermehrung der Beamten, Ange­stellten usw., so daß diese Lasten beim Danieder­liegen unserer Wirtschaft und dem Rückgang unserer Steuerkraft aus die Dauer nicht mehr erträglich seien. ®ie. Vertreter der bayrischen Arbeitgeberverbände haben die maßgebenden Stellen, Behörden und Volksvertretung dringend gebeten, zur Vermeidung weiterer schlimmerer Folgen der bisherigen Entwicklung Einhalt

zu

tun.

Die Lage in der Pfalz.

Neue Verhaftungen Generalstreik.

WB. Ludwigshasen, 18. Juni. Heute früh wurden von der frankösischen Besaßungsbehörde

neue Verhaftungen von Arbeiterführern vorge­nommen. Verhaftet wurden Stadtrat und Är- beitersekretär Rauschert (SPD), Stadtrat und Metallarbeiterverbandsbeamter Fischer (SPD), Stadtrat und Eisenbahnverbandsbeamter Baum (USPD). Sie wurden in einem Auto aus der Stadt weggeführt. Heute früh rückte eine größere Kavallerieabteilung mit Maschinenge­wehren ein. Die Lage hat sich hiernach weiter zugespitzt.

WB- Ludwig-Hafen, 18. Juni. Der Aktions­ausschuß der Arbeiter- und Angestelltenschast der Pfalz weist in einem Aufruf an die Bevölkerung der Pfalz infolge der erneuten durch nichts be­gründeten Uebergriffe der Besatzungsbehörde darauf hin, daß für die Pfalzbewohner es gar nichts anderes geben könne, als durch eine ein­heitliche geschlossene Demonstration gegenüber den Besatzungsbehörden zum Ausdruck zu brin­gen, daß sie nicht mehr gewillt sind, derartige Älaßnahmen Widerstandslos Hinzunehmen. Die Arbeiter- und Angestelltenschaft habe demzufolge beschlossen, ab Freitag Nacht 12 Uhr bis ein­schließlich Samstag Nacht 12 Uhr die Arbeit ruhen zu lassen. Diese Demonstration solle den Zweck verfolgen, nicht mit die Augen Deutsch­lands, sondern ganz Europas auf die unerträg­lichen Verhältnisse, wie sie durch die Besetzung besonders in der Pfalz hervorgerufen sind, hin­zulenken. Das Verhältnis der Pfälzer zur Be- satzungsbehörde habe durch das erneute Vor­gehen einen schweren Stoß erlitten. Der Auf­ruf mahnt am Schluß die Bevölkerung, wer die Demonstration unterstützen wolle, solle nicht auf die Straße gehen, sondern in seinem Heim bleiben.

wb. Ludwigshafen, 18. Juni. In einer heute an den Plakatsäulen angeschlagenen Be­kanntmachung weist der französische Komman­deur nochmals darauf hm paß öle von ser ranzostschen Mllltarbehorde vorgenommenen Verhaftungen keinen politischen Charakter trü­gen. Das eingeleitete Verfahren verfolge Spionagetätigkeit und die Organisation eines Aufstandes gegen die Besatzungstruppen, wofür das Militärgericht die Beweise in Händen habe. Dieses gerichtliche Verfahren werde sich ord­nungsgemäß ab wickeln. Ferner hätten gewisse Personen die außerordentliche Duldsamkeit bei der Erteilung von Genehmigungen zu öffent­lichen Versammlungen mißbraucht, indem sie sich zu heftigen Angriffen gegen die ftanzösischen Behörden und ihre Vertreter hinreißen ließen. Derartige Vorkommnisse würden unterdrückt und die Schuldigen vor ein Militärgericht gestellt werden. Die französischen Behörden hofften, daß die beteiligte Bevölkerung künftighin von jeder feindlichen Kundgebung gegen die Be­satzungstruppen sich fernhalte. In den Straßen würde selbstverständlich keinerlei Unruhe ge­duldet.

(Letzte Meldung.)

WB. Ludwigshafen, 19. Juni. Der General streik ist nur zum Teil durchgefübrt worden. Alle lebenswichtigen Betriebe müssen auf Anordnung der französischen Behörde arbeiten, ebenso die städtischen und staatlichen Beamten, denen im Weigerungs­fälle die Abschiebung auf das rechte, Rhein­ufer angedroht ist. Die Läden in her Stadt sind geschlossen. Die Straßenbahn verkehrt nicht, dagegen wird der Eisenbahnbetrieb zum Teil aufrecht erhalten. Einzelne Züge sind ausgefallen, während andere gefahren werden. Wie sich die Lage während des heutigen Tages gestalten wird, ist noch unbestimmt. Die Ruhe in der Stadt wurde nirgends gestört. Die Zeitungen können, da die Setzer sich gleichfalls an den Generalstreik angeschlossen haben, nicht erscheinen.

Eine erfundene Meldung über deulfÄ)e KriegspLäne. WB. Berlin, 18. Juni. Neue deutsche Kriegspläne. Durch die Auslandspresse Morning Post" nom 2. Juni und nunmehr auch2ntransigeant"; sowieStraßburger Neueste Nachrichten" geht folgende Nachricht: Die deutsche Regierung wird unmöglich die Genauig­keit der nachfolgenden Informationen leugnen können: Vor einigen Wochen fand in Berlin ein geheimer Rat statt, dem einige Minister beiwohnten. Im Verlaufe der Beratung wurde die Möglichkeit eines bewaffneten Konfliktes zwischen Deutschland einerseits und Frankreich und Polen andererseits erwogen. Der Reichs­wehrminister war gegenwärtig. Der Chef des Generalstabs erklärte die militärische Lage. Gegen Frankreich könnte Deutschland 700 000 Mann ins Feld stellen und gegen Polen 200 000 Mann. Diese militärischen Kräfte werden als genügend betrachtet, denn man könnte auf gewisse Hilfsdienste rechnen, sowie auf die rasche Veroollstäudigung der Effektiv- destände durch die gleichzeitige Einberufung mehrerer ReLerveklassen. Eine äußerst schwieriüe

Beratung entwickelte sich darüber, ob Deutschland» auf die Neutralität gewisser Staaten rechne« könne. Doch sei die Haltung eines gewissen Staates nicht sehr sicher. Außerdem befürchte man auch innere Wirren. DerJntransigeant" erklärte sich bereit, die Wahrhaftigkeit der Be- hauptungen zu beweisen, indem er die Namen und Daten jederzeit zitieren könne.

Nach Rücksprache mit gutunterrichteter Seite ist hierzu folgendes zu sagen: Wie Dr. Geßler schon am 5. Juni in einem Jnteroiev an Siunders, einem früheren Korrespondenten derTimes", erklärte, ist die Nachricht von Anfang bis zu Ende in das Reich der Fabel zu ver­weisen. Insbesondere wohnte kein Minister einer Besprechung bei, in der auch nur indirekt oder bedingt solche Erörterungen gepflogen wurden. Einen Chef des Generalstabs gibt es nicht mehr. Wer den seelischen Zustmü» des deutschen Volkes kennt, und wer weiß, wieviel Waffen und modeme Geschütze auch nur zu d« kleinsten aggressiven Unternehmungen nötig wären, der muß staunen, daß diese gnadezu unsinnige Meldung in Anbetracht des von d« Entente ständig kontrollierten Bestandes der deutschen Waffen in ernsten ausländischen Blättern Aufnahme finden konnte.

Frankreichs Wahn.

wb: Paris, 18. Juni. In der Kammer» sitzung erklärte bei der Beratung des Kriegs­budgets der Abgeordnete Oberst Tabryin in Bezug auf Deutschland, daß die deutsche Militär­partei durch die Niederlage ein Einfluß ver­loren hätte, daß das deutsche Volk einen Krieg nicht mehr wolle und daß auch Deutschland be­züglich seines Materials nicht mehr in der Lage sei anzugreifen, solange die Alliierten die Brückenköpfe ant Rhein besetzt hielten.^ 2n diesem Augenblick ruft Abg. Beruuüotte: or>W verbindliche Reden sind widerwärtig. Als Abg, Tabryin erklärte, er glaube an den guten Willen des deutschen Volkes, ruft Abg. Duudet, er verkenne die Wahrheit! Der Kriegsminister erklärte, daß er nicht so optimistisch sei wie der Abg. Tabryin, In Deutschland gebe es eine Anzahl Leute, die sich nicht unterwerfen wollten und es gebe Fabriken, die noch immer für den Krieg arbeiten, sogar neue Fabriken, die Kriegs­material herstellen. Er habe als Kriegsminister nicht das Recht, optimistisch zu sein und solange er die Verantwortung trage, habe er keine Be­rechtigung, optimistisch zu urteilen. Deutschland mache nicht den Eindruck eines besiegten Landes. Der Kriegsminister wies auf die großen Schwierigkeiten hin, der die Kontrollkommission begegne und den schlechten Willen Deutschlands hinsichtlich der Vernichtung des Kriegsmaterials. Frankreich müsse so gerüstet sein, dctß der Mann, der ihm gegenüberstehe, wisse, daß, wenn es etwas von ihm verlange, sich auch in der Lage sehe es durchzusetzen. Unter dieser Bedingung könne man den Friedensvertrag zu einer Realitäi machen. Eine Minute Schwäche zeigen hieß« später Jahre hindurch blutige Tränen meinem

(Es ist ein erprobter Grundsatz der französischen Taktik, unmittelbar vor wichtigen Verhand­lungen und folgenschweren Entscheidungen Be­schuldigungen gegen die Verhandlungspartner zu erheben, um dadurch für die französischen Wünsche eine günstige Atmosphäre zu schaffen. D. Red.)

Ein Wamfesl -er Sowje?-Regierung.

wb. Kopenhagen, 18. Juni.Berlmgste Tidende" meldet aus Helsingfors: Lenin, Trotzki und der Justizminister Kurski fordern in einem Manifest das alte Offizierskorps auf, die Kämpfe in der Krim, dem Kaukasus und Sibirien ein- zustellen und sich Sowjetrußland für den Kamps gegen das iinperialistische Polen zur Verfügung zu stellen. Wenn sie zum Siege Rußlands beitrügen, würde man ihnen Amnestie für ihre frühere Tätigkeit in den Heeren Koltschacs, Denikins und Wrangels gewähren. Ein ähm licher Aufruf, sich dem Vaterlande zur Ver­fügung zu stellen, wird an die Marineoffizier« und die russische Intelligenz gerichtet.

Für die Abschaffung der Kriegs.

WB. London, 17. Juni. (Reuter.) Lloyd George empfing eine Abordnung des Bundes zur Abschaffung der Kriege, die den Vorschlag machte, dem Völkerbund möchte eine Internat** nale Polizeimacht zugeteilt werden, die bis Sicherheit aller Grenzen verbürge, um auf dieß Weise eine allgemeine obligatorische Abrüstung und ein vollständiges Verbot der privaten Hev stellung von Munition für die Kriegführung z» ermöglichen. Morgen wird ein amtlicher Be­richt über den Empfang ausgegeben.

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