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AmMches Organ für Sla-l- und Landkreis Sana«

Erscheint kagsich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertags

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen TeilRich. H u l t s ch ifür lokalen und provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz; für Anzeigen und Reklamen A, Brodt. alle »n Sanau a.M.

Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei Sanau Fernsvrechanschlusse Nr. 1237 und 1233

ir lokalen und vrovinrielle« Moritz; für Anzeigen und

Sr. 137

Monlag den 14. Juni

1920

Das Neueste.

$tr Frakttousführer der Deutschen Volkspattei, Dr. Heinze, dem der Auftrag zur Kabinettsbildung Sdertrage» worden war, hat den Auftrag in die Hände ' xi Reichspräsidenten zurückgelegt, nachdem die Mehr- Msozialdemkratir eine Beteiligung an einer erweiter- I tat Koalition abgelehnt hat.

30000 Belgier protestierten gestern gegen die Mehr deutsch« Staatsangehöriger nach Belgien.

An Rußland soll dke Gegenrevolution auSgebrochen fätti

Zur Kabinettsbildung.

Nachdem der erste Versuch der Mehrheitssozial- kemokratie.rnit den Ancckhäugigen zusammen unter Aybezug der bisherigen Koalition eine Regierung zu bilden, mißlungen war, Hat der Reichskanzler schien Auftrag rnr Kabinettsbildung in die Sande der Reichspräsidenten zurückgelegt. Die Sozial- demokratte verzichtete also ihrerseits darauf mit der Deutschen Volkspartei direkt in Verbindung K treten. Sie konnte letzteres auch nicht, da sie to jedenfalls bereits am Samstag über den am irrigen Sonntag gefaßten Beschluß — keine Be­teiligung der Mehrheitssozialdemokraten an einer Koalition mit der Deutschen Volkspartei — im Katen war. Reichspräsident Ebert trat daraufhin w die Deutsche Volkspartei heran und Übettrug dem Fraktionsführer Heinze die Kabinetts­bildung. Ursprünglich war in Aussicht genommen, «lch dem Scheitern der Verhandlungen mit den Unabhängigen zunächst an das Zentrum heran- rotteten und Dr. Trimborn zu berufen. Von dieser Absicht 8t Abstand genommen worden. Nachdem nun die gestrtgesoztaldemokratisöbePartei- Aiteiner der beiden Rechtmmrteten^abMke^ren. ubittt Heime die offizielle Mitteilung von der Alebnung der Mehrheitssozialdeunckrate». worauf Seinze den Auftrag zur Kabinettsbildung in die Mide des Reichspräsidertten zurücklegte. — Was Mn frügt steht noch dahin. Zur Stunde ist alles noch in der Schwebe, aber es besteht die Gefahr^ wir in eine schleichende Krisis geraten. Von Möglichkeiten einer Kabinettsbildung bestehen Mn. nachdem die Einigung der Sozialdemokratie und die Verbretterung der Koalttion nach rechts ge- Mitttt ist. noch drei. Erstens die Beibehaltung der Koalttion, zweitens eine Kombination aus den bürgerlichen Parteien und drtttens die Bildung 5?Es Geschäfts- und Wirtschaftsministeriums, 'eines Amisteriums der Köpfe und Fachleute. Aller fEicheinlichkeit nach wird jetzt zunächst der Zen- nnmsMbrer Trimborn den Auftrag zur Kabinetts- ff^urg erhalten, der mit den rechtsstehenden Par- verhandeln dürfte, da ja die bishettgen Be­mühungen des Zentrums, die Koalition durch Erwetterung nach rechts auf die einet tragfähigen Mehrbett zu stellen, nun- gegenstandslos geworden sind. Das Zentrum ^ offiziell zur Lage noch nicht Stellung ge-

: die Fraktion wird morgen Dienstag zu- ammentreten. Es kann deshalb heute noch nichts "litgeteilt werden. Bemettenswert aber daß aus Süddeutschland der Ruf nach einem urgerlj cheu Kabinett ergeht. Namentlich die Mensche Volkspartei und die rheinische Christ- Bolksvattei scheinen das Zusainmengehen mit bu Sosialbemotraten nicht in Erwägung zu ziehen. E^t Mehrheitssozialiste« lehnen die Deutsche Bolkspartei ab.

' Berlin, 13. Juni. Der Reichpräsident m^ x^ute vormittag den Abgeordntten Dr. Heinz«, s"°^ßtzenden der Deutschen Volkspartei, ihn. i ^Esprcchung und übertrug ihm im Laufe der ”««rtbHng die Bildung des neuen Kabinetts. Dr. * bat den Auftrag angenommen.

Berlin, 13. Juni. Der Reichs- .Müller nnb der Abgeordnete Höbe dtttte abend bem Abgeordneten Dr. "lsiziett mitgeteilt, daß die Mehrheits- »laldcmorraten nicht in der Lage seien, "«er durch den Hinzntritt der Deut- b/».;,. "skspartei erweiterten Koalition zu Der Abgeordnete Heinze hat 1)6,1 Bnftrag zur Bildung eines Mückgcleg? ^" Hände bei Reichspräsidenten

^gemeinsamen Sitzung deS Patteivorstandes kam ^f ReichStagSfraktion ber Mehrheitssozialistm 11 c h^ie Blätter berichten, ein st i m «»g die Lart-i ^."auug zum Ausdruck, daß für die ai 5 b»e Beteiligung an einer Re- t: r u n 8, die Elemente der .Rechtspar- lcn enthalte, ausgeschlossen fei.

Das Wahlergebnis von Äessen-Naffau.

Ke>^>^^ 12. Juni. Bei der endgültigen amtlichen 1 1 Heilung des Ergebnisses uu 21, Wahlkreis eraab

sich, daß das Zentrum und die Mehrheitssozialdemo- krattn je einen Sitz mehr erhalten als bei der vor­läufigen Ermittlung. Der Zuwachs des Zentrums gleicht fich dadurch aus, daß für das Zentnrm die AuSficht auf einen weiteren Sitz durch die Wahlkreis­verbindung mit dem 22. Wahlkreis Hessen-Darmstadt nunmehr entfällt. Der socialdemokratische Gewinn von einem Sitz hingegen verschafft dem Schriftsteller Gustav HochinHanau ein Mandat. DenDeutschnationalen ist ein weiterer Sitz aus der Wahlkreisverbindung ge­sichert. Es entfallen also anfdie Deutschnationalen 2 Sitze, Deutsche Volkspartei 3 Sitze, Zenttuin 3 Sitze, Demo­kraten einen Sitz, Mehrheitssozialdemokraten 5 Sitze, Unabhängigen 2 Sitze.

Spa.

WB Amsterdam, 13. Juni. „Daily Chronicle" bemerft in einer Besprechung der deutschen und W italienischen Kabinettskrise, in erster Linie werde durch diese das Dat»»m der Konferenz von Spa beeinflußt. „Wir wollen armehmen", s» schreibt das Blatt, „daß diese doch noch stattfindet, aber ein weiterer Aufschub erscheint unvermeidlich. Die internationale Finanz- konferenz von Brüffel war ursprünglich ganz unab­hängig von der Zusammenkunft in Spa gedacht, war aber dann aufgeschoben worden, um Spa den Vorrang zu lassen. Muß sie nun aufs neue verschoben und von allen Risiken, denen Spa cursgesetzt ist, abhängig gemacht werden? Wir vermögen nicht recht einzusehen, ümnrm dies notwendig wäre. Vieles spricht dafür, die Brüsseler Konferenz erforderlichenfalls vorausgehei» zu lassen. Der Stand der internationalen Wechsel­kurse, womit sie sich in erster Linie zu befassen hat, ist besser als im Vorjahr, aber noch immer ernst."

Internationale Anleihen zur Abtragung bet -rutschen Schuld?

WB. Paris, 14. Juni. Der Korrespondent des „Pttit Parisien" meldtt, daß die Zusammenkunft zwischen Lloyd George und Millerand immer noch im Prinzip für den 21. Juni feststehe, daß aber mög- ücherweise in dieser Woche die Vertagung beschlossen werde. Diese Vertagung werde nach der Ansicht einer enMen MMnl'M^tauven, 4W WM,M,2Üt russischen Angelegeuhttten zu sehen. Andererseits müsse man die Beendigung der Arbeiten der Sachverständigen hinsichtlich der deutschen Schuld abwatten. Hin­sichtlich des letzteren Punktes glaubt der Korre­spondent zu wissen, daß man ein System erfunden habe, das den Alliierten die Zahlung der deutschen

~ Schuld verbürgen mit Vorzugsbehandlung Frank- rnchS und das gleichseitig Deutschlands dem Wieder- anfbau gestatten werde. Das System bestehe darin: Auf Grund der von Deutschland zugestandenen Ent­schädigungen wird die Wiedergutmachnngskominis- sion internationale Anleihen ausgeben, deren größte» Teil Frankreich als Vorschuß auf die deutsche Entschädigung zufallen wird, bamit eS unverzüglich an ben Wiederaufbau der zerstörten Gebiete herangehen kann; andererseits soll Deutsch­land Mittel zum eigenen Wiederaufbau erhalten, ©er Wiederaufbau der beiden Länder würde also ge­wissermaßen parallel laufen.

(Ob Amerika sich mit diesem System einverstanden erklären wird, steht noch dahin. Nach der bisherigen Stimmung geurteilt, dürfte eS sich auf einen ab­lehnenden Standpunft stellen. D. Red.)

Die Verhanörrtngen mit Krasim.

Ipu Sonbon, 13. Juni. Krassin hat neue An­weisungen von der Räteregicimng erhalten, in denen Lenin ernste Bedenken gegen die Aufnahme der Han­delsbeziehungen äußett, falls es nicht 31t einem all­gemeinen Frieden kommen sollte, der znr Ausnahme der politischen Beziehungen führt. Mit der einseitige»» Aufnahme des Handels, dessen Zulassung die Alliierte»» von Rußland jetzt zu erzwingen suchen, werden nach Slnsicht Lenins die innerpolitischen Verhältnisse Ruß­lands zu untergraben versucht, so daß die Räteregie- rung die Macht und Kontrolle über den auSländiscyen Handel und der baran beteiligten Personen und Ein­richtungen entzogen werden soll. Das bedeute aber das Ende des Sowjet-Systems. Krassin wird ersucht, diese Bedenker» bei den Verhandlungen zu berücksichtigen und die Gefahr auSzuschalter». Die Rüteregierung sei nicht geneigt, auf die englischen Vorschläge emzugehen, wie sie jetzt vorliegen. .

WB Paris, 13. Juni. Nach einer „Temps- Meldung aus London soll Krassin, wenn die Sowjet­regierung nicht die Einstellung des VormaricheS der bolschewistischen Truppen in Persien veranlasse, auf- gefordert merben, England zu verlas; en. Die Sowjetregierung habe behauptet, daß sie lebe ^.erant» »vortung für bie Besetzung von Enzeli und Boscht ab« lehnen müsse.

GegenrevolMon in Autzland?

WB. Tokio, 12. Juni. 3n Wladiwostok wurde ein Moskauer Funkspruch aufgefangen, wonach in Rußland die Gegenrevolution aus« gebrochen sei. Trotzki soll ermordet worden sein. Leiiin befinde sich auf der Flucht. Eine neue Re­gierung soll sich unter Brussilow gebildet haben. ' (Diese Meldung muß mit Vorsicht aus­genommen werden.)

WB. Paris, 13. Juni. Havas meldet, daß man in offiziellen Kreisen keine Kenntnis hin­sichtlich der gemeldeten Gegenrevolution in Rußland erhalten habe. Andererseits geht aus der Umfrage der Agentur Havas in den hiesigen offiziellen Kreisen hervor, daß seit dem 11. Juni die UanMMc Funkstation aus Moskau nur

unvollkommene Radiotelegramme erhalten habe. Am Samstag wurden unentzifferbare russische Funksprüche aufgefangen.

Die Räumung Kiews.

WB. Warschau, 13. Juni. Der polnische Generalstabsbericht von 12. Juni meldet u. a.: In der Unkraine haben sich unsere Truppen befehlsgemäß in die neue Verteidigungslinie zurückgezogen und begonnen Kiewzuräumen. Die Brücke über den Dnjepr wurde zerstött. Die Umgruppierung wurde in voller Ordnung vollzogen. Der Feind griff unsere Nachhut an, wurde aber mit großen Verlusten zurückgeschlagen.

Das Kabinett Gioltttt.

WB. Rom, 13. Juni. Das Ministerium ist noch nicht endgültig gebildet. Jminerhin hofft Giolitti, morgen seine Liste bekannt geben zu können. Nach den letzten Informationen scheint es, daß Bonomi, ob­wohl er ins Kabinett eintreten wird, das Portefeuille des Auswärfigen nicht zu übernehmen beabsichtigt, das wahrscheinlich einem Berufsdiplomaten, dem Grafen Sforza, anvertraut werden wird.

AnrubeK in Valona.

WB. Rom, 12. Juni. (Stefani.) Der „Epoca* wird aus Valona gemeldet: In ber Nacht vom 10. Juni griffen die Rebellen die Stadt an, wobei sie die Italien am 6. Juni abgenommenen Geschütze und Maschinengewehre gebrauchten. Sie näherten sich auf 800 Meter der Stadt, wurden aber durch einen Gegen­angriff der Alpini zurückgeschlagen und ließen 200 Tote und eine Batterie auf dem Kampffeld zurück. Einige Albaner von Valona schössen hinterrücks auf die Truppen. Etwa tausend mohamincdanische Albaner mürben verhaftet und das muselmanische Viertel ge­räumt.

Effad Pascha ermordet.

WB. Parts, 13. Juni. Sexte mittag kurz nach

Mistast- auf Essad Dasyv, den ehemaligen Gouverneur Albanien? und jetzigen Vorsitzenden der albanischen Delegation in Paris, in dem Augenblick, als dieser da? Hotel Continental verließ, zwei Revolverschüsse ab. Essad Pascha wurde getötet. Der Mörder wurde ver­haftet. Er erklärte, er habe die Leiden, die Essad Pascha den Albanern zugefügt habe, rächen wollen.

Mesopotamien.

WB. Paris, 12. Juni. Der .Temps" bringt eine ausführliche Darstellung über die Verhandlungen in der Dtossalfrage auf Grund von zwei Dokumenten, die gestern im Kammerausschuß für auswärtige An­gelegenheiten vorgelegt worden sind. Danach habe England in der Sitzung des Obersten Rates vom 21. Mai 1919 Mossul für sich beansprucht, das nach den früherm Verträgen zur französische»» Einflußzone ge­hören sollte. Clemenceau setzte sich für eine Regelung in diesem Sinne ein trotz des Widerspruchs am Quai d'Oriay. Letzterer habe dann wenigstens einen Teil der Petrolenmauellen im Mossuler Gebiet für Frank­reich erhalten wollen. Bevor aber das diekbezügliche Abkommen von der englische»» Regierung angenommen werden konnte, habe Clemenceau den Abschied genommen. Millerand sei dann auf einen gewissen Widerstand gestoßen, habe jedoch bei Lloyd George durchgesctzt und erreicht, daß Frankreich 25 Prozent der britischen Petroleumausbeute in Persien erhalte.

Preissturz in Frankreich.

Ipu. Paris, 12. Juni. Die LebenSmittclpreisc fallen fortwährend und die Zufuhren nehmen stark zu. In den Pariser Markthallen kosteten heute: Rind­fleisch : 8—9.50 Franks per Kilo; Kalbfleisch: 7.50 bis 9 Franks per Silo; Hammelfleisch: 6.90—7.40 Franks per Kilo; Schweinefleisch: 8—10.50 Franks per Kilo; fette Hühner: 12—13 Franks: Kalbshaxen: 1—1.40 Franks; Kartoffeln: 0.45—0.65 Franks: Mohren: 1.20—1.80 Franks; Schweizerkäse: 6—8 Franks per Kilo.

Ipu. Paris, 13. Juni. In Marseille gingen gestern au der Börse die Preise derart stark zurück, daß Befürchtungen für eine ernste Handelskrise auf- tauchten. Kaffee fiel von 294 auf 272 Franken, Erbsen von 205 auf 170, Linsen von 230 auf 115, Ricinuso. von 160 auf 140, Palmöl von 450 auf 350, Alge­rischer Wein von 146 auf 130, Baumwolle von 630 auf 580 Franks. Aus Bordeaux wird über das Sinken der Weiiiprcise gemeldet, daß trotz der sehr stark gei fallenen Preise die Käufer noch zurückiialteii, weil ver­lautet wird, baß die Abwärtsbewegung der Preise noch nicht zu Ende ist. Auch die Bwhpreise sind um 20 Proz zurückgegangen.

115 RuhrreLellen begnadigt.

WB. Münster i. W., 13. Juni. Von 451 durch die außerordentlichen Kriegsgerichte im Ruhrge- b'.ct verurteilten Personen wurden Gnadengesuche ein« gereicht. Bisher wurden 141 dieser Gesuche erledigt, und zwar hat der Reichspräsident in 115 Fallen von dem Bcenadigungsrecht Gebrauch gemacht und in 26 Fällen das Geluch abgelehnt. Die Entschccdimg über die übrigen Gnadengesuche wird von dem Reichs- Nistfzministermm «it aller Beschleunigung berbereftet und ist ebenfalls binnen kurzem zu erwarten.

Von den zahlreichen während der Unruhen im Ruhrgebiet verhafteten, im Scnnclager und anderen Gefcmgenensaminelstellcn untergebrachten Personen wurde inzwischen der größte Teil wieder auf freien»

Fuß gesetzt. Nur die gemeiner oder schwerer Der» gehen Verdächtigen werden weiter ix Hast behalten.

Gegen die Rückkehr

der Derrischen nach Belgien.

WB. Antwerpen, 14. Juni. In gewaltigen Kundgebungen, an denen sich 30 000 Personen betei­ligten, wurde gegen die Rückkehr der Deutschen protestiert. In einer Erklärung an den König werden die Be­fürchtungen der Manifestanten dargelegt und die Be­hörden gebeten, Maßnahmen zur Vermeidung einer neuen Jnvention zu ergreifen.

Eine Demonstration der Saarbevötkernng.

Saarbrücken, 13. Juni. Ein großer Gewerk- schaftstag der dem Landesausschuß des Deutschen Ge- wcrkschastibundeS bei Saargebiet« angeschlosseneu Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenorganisatione« hat heute hier stattgefuuden. Zehntausende von Au- gehörigen des Bundes veranstalteten einen Festzug und demonstrierten, indem sie sich aufden Boden des Friedens» Vertrages stellten, u. e. für folgende Forderungen: Ausreichende Löhne und Gehälter, Beschaffung ge- »rügender Lebensmittel, Fortführung der sozialen Gesetzgebung im Rahmen der deutschen sozialen Ver­sicherungen, Einführung einer gerechten Steuersystems mit besonderer Erfassung des Besitz, Freilassung und Rückführung jener Bewohner des SaargebieteS, die während der Besetzungszeit wegen geringfügiger Vergehen mit Freiheitsstrafen belegt und ausgewiesen wurden.

Was Deutschland einsuhren muß.

Wir sind sehr bescheiden geworden. Nicht im entferntesten können wir daran denken, Güter und Waren in einem solchen Maße einzuführen, wie wir uns dies vor dem Kriege erlauben konnten. Eine Denkschrift der deutschen Regie­rung, die in den Verhandlungen mit der Eu-

d^Au^eferuflg de^TchifftraumeS serviertet wurde, bat den Ver »ick» gemacht, un-

feren nunmehrigen Gesamtbedarf zu fixieren. In dieser Denkschrift wird der dringendste deutsche Einfuhrbedarf mit 21^ Millionen Tonnen für ein Jahr veranschlagt. Die deutsche Einfuhr an den entsprechenden Rohstoffen und Nahrungsmitteln im Jahre 1913 betrug dagegen 72,8 Millionen Tonnen. Der von der Regie­rung veranschlagte Mindestbedarf an Einfuhr verteilt sich auf die wichtigsten Gruppen von Rohstoffen und Nahrungsmitteln in folgender Weise: Für Nahrungs- und Futtermittel wer. den an Mindesteinfuhr für die Zeit vom 1* August 1920 bis zum 31. Juli 1921 zirka 5,5 Millionen Tonnen veranschlagt, während die Ge­samteinfuhr im Jahre 1913 zirka 16,8 Millionen» Tonnen betrug. An Düngemitteln sollen nur 300 000 Tonnen eingeführt werden gegen 2,23 Millionen TonnM vor dem Kriege. Stein- und Braunkohle weist die Zahl zwei Millionen aufs gegen 18,3 zuvor, Mineralöle 550 000 gegen 1,5 Millionen, Erze und Metalle 8,5 Millionen gegen 18,6 Millionen, Holz 2.5 gegen 8,1, Textilroyj stoffe 500 090 gegen 960 000, Leder, Häute und Felle 150 000 gegen 280 000, endlich die sonstige Einfuhr 1,5 Millionen gegen 5,98 Millionen. In diesen Ziffern liegt' die ganze Verarmung Deutschlands ein geschlossen. Besonders bemer­kenswert für die Schiffsraumfrage ist, daß von» diesen» Mindcfbeinfuhrbedacf ein großer Teil auf dem Seewege eingeführt werden muß. Sg von den Nahrungs- und Futtermitteln 4,5 Millionen Tonnen, von den Düngemitteln! 300 000, von den Mineralölen 500 000, den

Erzen 5,6 Millionen, Dom Holz eine Million, den Textilen 500 000, den Häuten, Fellen und Leder 150 000, und dem sonstigen Einfuhrbe» darf 1 Million Tonnen. Daraus geht klar her­vor, daß Deutschland unbedingt darauf ange­wiesen ist, eine Handelsflotte zu besitzen, die wenigstens diesem geringen Einfuhrbedarf ent­spricht. Andernfalls sind wir auf ausländische Schiffe angewiesen wie auch auf deren Valuta, wodurch gleichzeitig abermals unsere Handels­bilanz verschlechtert wird.

Kurzr Meldungen.

* Der »Temps" meldet aus Mailand, daß bet ehemalige König von Griechenland dort auge» kommen sei und nach der Sckweiz Weiterreisen werde.

* Aus Rom wird berichtet, daß am 20. Jum Ull höhere Offiziere und Hauptleute zur DU» positiv»» gestellt werden. . .

* Nach Berechnungen des Ackerbauminillernim» wird SSumäiüen Getreide im Werte von 3 Mil- liarden aulfübren können.

* In dem Entwurf eines Wahlgesetzes, der von der sächsischen Regierung für den Landtag verb-reUet wird, ist an einer bestimmten Anzahl Abgeordneter festgehalten worden und eine andere Wahlkreiseinteilung vorgesehen.