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M. 128
Donnerstag den 3. FuÄ
1928
Das Neueste.
Die englisch-russischen Verhandlungen neh- «ihren Fortgang und haben nach Blättermel- jmtgtn bereits zu Resultaten geführt.
Die englische Arbeiterdelegation in Rußland Ät gegen Englands Unterstützung der t Regierung bei der Offensive.
Die Nachricht, daß um Berlin reaktionäre Gruppen versammelt seien, wird an amtlicher Stelle als haltloses Gerücht bezeichnet.
Dir Untersuchung des Falles Paasche i-stab- Messen. ,
Die Frau entscheidet!
Bei den am Sonntag stattfindenden Reichs- I tügttoühlen entscheidet die Fr a u, weil die weib- I ititen Wähler die Mehrheit des Volkes bilden. I & deutschen Frauen werden daher heute von I alten Parteien umworben wie eine reiche Erbin. I $t allen Versammlungen wird das Lob der I Frau gesungen, wird mit der Hand auf gedruckte I neue Rechte geschlagen, werden Schlösser ver- I Krochen, die im Monde liegen. Gar mancher I Frau wird es schwer fallen, bei der diesjährigen I Wahl das richtige zu treffen, die richtigen Män- I Hit und Vertreterinnen ihres Geschlechtes zu I mhlen. Und dennoch muß sie wählen, und I M richtig wählen, denn von ihr hängt die I Frischeidung ob. Dabei wird sie sich bewußt I sein müssen, was Familie und Vaterland von ihr I verlangen. Der Frau und-Mutter sind kostbare I Melen anvertraut, für deren Heil sie verantwort- I li^ ist. Die Frage der Kindererziehung ist eine I Ä bei der man des höchsten Ideals der jr Ä^lh«»r iux. R.L lä a l o N. nicht Lutraten j taii. Man kann ein sehr moderner Menlch fein, I tan allem wirklichen Fortschritt mit Begeiste- I rung huldigen und muß doch schließlich zu der I Ansicht kommen, daß man um der ant) erfreuten I Seelen willen „He Kirche im Dorf lassen muß". I Das Gefühl der heiligen Verantwortung der I Mutter für das Seelenheil der ihr anvertrauten I Lieben kann niemand und nichts von ihr neh- I ton. Wir haben in der Pflichterfüllung für I unser Vaterland ein blutteures Vermächtnis der I dielen, vielen Toten, die für ihr Volk und Land 1 Scharben sind. Deutsche Frauen, dieses Der- I mächtnis muß erfüllt werden! Ihr seid die I Testamentsvollstrecker Eurer lieben Toten! I Schauen wir -uns um in der Welt! I Sehen wir auf die polnische und tschechische I Mutter, die ihren Kindern und damit ihrem I Bolle das Volks- und Stammesbewußtsein so I tief ins Herz gepflanzt hat, daß es Jahrhun- I tote überdauerte. Hier liegt die große und hohe I Aufgabe der deutschen Frau und Mutter für die I Zukunft, die sie nur erfüllen kann, wenn sie sich I unseres Volkstums bewußt bleibt, wenn sie es I Neulich pflegt, ohne Haß, ohne Chauvinismus, I ^er auch ohne Furcht. Die deutsche Frau ist | Stufen/ als Priesterin unseres Volkstums an I unseren Kindern und an unserem Volke ihres | «mtes zu walten, wo andere Kräfte versagen, I ta> alles um uns wankt und stürzt. Nichtswürdig I chs Volk, das seiner selbst und seiner Toten ver- I gißt!. In Treue fest! Das sei die Losung.
Es ist nicht Aufgabe der Frau, Haß zu säen, I M Kampf der Klassen gegeneinander aufzu- | Nett, sondern ihre Mission besteht darin, mit I Hinterhänden zu versöhnen, Wunden zu lindern. | '^shalb muß sie jeden Klassenhaß und Klassen- I Ampf ablehnen. Treu und fest nicht zu einer I Masse, sondern zum Volke in seiner Gesamtheit, treu und fest zum Vaterlande, treu und fest zu unseren Kindern, treu und fest zu alten unver- I ^Wichen Idealen, mit denen wir stehen oder lallen!
I Deutsche Frau, deutsche Mutter, denke bei I Abgabe deiner Stimme an deine Pflicht, die i u dem Vaterlande, dem Volke und deinen Kin- »etn gegenüber zu erfüllen hast! rh.
Dieenglisch-rufs. Verhandlungen.
Lenin bündnisfähig?
. ^pu. London, 3. Juni. Das Interesse, das ^ englisch-russischen Verhandlungen in Lon- ."^ entgegengebracht wird, ist in allen Kreisen ! groß, daß es als eine Niederlage für die Regierung bezeichnet wird, wenn die Berhand- | ^gcn scheitern sollten und nicht zum Ziel führ- I Stan kann, wenn man von einigen Blättern Jiortljcliffe^onjern ab sieht, von einer Volks- ^hrheit sprechen, die nichts dringenderes ver- ^gt.^als daß die Regierung mit Sowjet-Ruß- IFrieden macht, und sich in Beziehungen ^nläßt, bie bis jetzt noch jedes andere Land ^tliltrt. England muß also den Versuch machen.
und der Regierung erwächst keine leichte Aufgabe, das Problem zu lösen. Sie bleibt sich ihrer Verantwortung bewusit, das geht schon daraus hervor, daß sie alle nur in Betracht kommenden Personen, die über Sawjetrußfand irgend etwas aus- zusagen hatten, letzter Tage durch alle möglichen Regieruugsbüros hat auSfragen lassen, um orientiert zu sein. Die Aussagen widersprechen sich auch jetzt noch, je nach dem die betreffenden Personen politisch überzeugt sind. Neben Warnungen sind Empfehlungen vorhanden, die doch auf eine Aufnahme der Beziehungen drängen. Krassin hat ein: gleich schwierige Aufgabe, denn ihm werden alle die Fragen, die von der englischen Regierung nicht gelöst werden konnten, zur Beaniworttlnz vorgelegt, ehe sich He Regierung zu irgend welchen Entschließungen herbeiläßt. Dazu ist Krassin aber nicht geneigt, wie aus seiner Umgebung mitgeteilt wird, da er nur befugt ist, bestimmte Erklärungen abzugeben. Es wird deshalb für wahrscheinlich erachtet, daß während der Besprechungen ein Resultat nicht erzielt wird, da Krassin sich erst in Moskau weitere Vollmachten besorgen muß, nachdem er die Wünsche der englischen Regierung kennen gelernt hat. Nun geht aber aus den Vorbesprechungen, welche die Regierungsvertreter mit englischen Handelssachverständigen hatten, deutlich hervor, daß die Regierung es durchaus im Interesse der englischen Politik liegend erachtet, unter allen Umständen mit Rußland jetzt zu einem Vergleich zu kommen, wodurch sich in mancher Hinsicht die ganze Weltpo-litik und die Verhaftungen der Alliierten untereinander wesentlich ä n = b er n können. In Paris sieht man mit Bangen den Verhandlungen entgegen, wie englische Korrespondenten melden. Die Annäherung Englands zu Rußland"wird im Gefolge haben, daß Deutfch- land in Rußland einen neuen Partner findet,
wenn dMes NieWreN"wieder" im Konzern der Mächte mit zu Tische sitzt. Frankreichs Politik wäre damit abgetan. Aber auch in englischen Handelskreisen wird mit aller Energie geröstet, um, falls es zum klappen kommt, sofort in Rußland festen Fuß zu fassen. Allein vier Schiffahrtsgesellschaften stehen bereis einen direkten Dienst mit Petersburg, Odessa, Archangel aufzunehmen. Dazu kommen die Interessen bot Banken, die schon weit verbreitet sind und einige der Banken haben bereits durch russische Vermittler in Petersburg Bankpaläste und Lagerhäuser erwerben lassen. Lloyd George, auf den alle Augen gerichtet find, hält sich im Hintergründe, leitet aber die ganze Operation, die viel Geschicklichkeit und diplomattsche Kunst fordert. An Verhandlungen mit Frankreich wird er in den nächsten Tagen kaum denken können. Wie verlautet, wird die englische Arbeiterkommission in Rußland im Laufe der nächsten Woche zurückerwartet.
(Es braucht nicht besonders betont zu werden, daß die Besprechungen, die Krassin mit den leitenden Männern Englands pflegt, von großer allgemeiner Bedeutung sind. Wenn sie tatsächlich zu einem Abschluß in irgendwelcher Richtung führen, so wird Lenin damit- einen entscheidenden Erfolg zu verzeichnen haben. Es würde üch damit des ferneren zeigen, daß die englische Politik entschlossen ist, den russischen Braten als erster an^uschneiden, und neben den wirtschaftlichen Plänen hinsichtlich einer M-edecer- schließung des russischen Riesengebietes bürste man an der Themse noch einen zweiten und wahrlich nicht weniger wichtigen Gedanken ver- folaen: die Aktion Sowjetrußlands in Richtung auf Indien stillzulegen, was ja auch aus ben Forderungen, He Krassin gestellt worden sind, und die wir nachstehend »um Abdruck bringen, hervorgeht. Für Lloyd George handelt es sich also darum, Indien, Persien usw. aus der Ge- fahrzone zu rücken. Wenn er daher den Umweg wählte, sich Mit dem Wirtschastsbeauftcagten der Sowjetrepublik zu unterhalten, so gehört es zu den diplomatischen Kulissen. Lloyd George nimmt eben He Gelegenheit wahr, bie die Sowjets in Moskau mehr als einmal geboten haben. Sie wollen Frieden, weil sie ihn brauchen, denn der ewige Krieg an allen Grenzen muß das ausgesogene Land völliger Verarmung und völligem Zerfall entgegen führen. Frieden können die Vol- schewisten nur in London erhalten. Viele!ck' war der Porstoß nach Persien überhaupt nur ein Druckmittel, das denn auch in London schnell seine Wirkung getan hat.)
Unter jeder Bedingung.
WB. Amsterdam. 3. Juni. Der „Daily Mail" zufolge erhielt Krassin He Erlaubnis, ein Handelsbüro zu errichten, das mit bem Amt für überseeischen Handel zusammenarbeiten wird. Die „Daily Mail" sch^oeibt ferner, eine ihr nahet
stehende Persönlichkeit habe sich gestern dahin geäußert, Staffln habe den Auftrag, in England guf alle Fälle und zu jeder Bedingung die Lieferung von Eisenbahnmaterial, landwirtschaftlichen Maschinen und Textilwaren abzu- schließen. Das Blatt fügt hinzu, es habe Grund zu der Annahme, daß der Entschluß Lloyd Georges, die Handelsbeziehungen zwischen Sowjet-Rußland zu eröffnen, im Widerspruch zu den Ratschlägen flehe, die ihm von anderen Mitgliedern des Kabinetts gemacht wurden. Endlich will die „Daily Mail" in Erfahrung, gebracht haben- daß Staffln vor seiner Ankunft in London folgenden Bedingungen zugestimmt habe:
Sofortige Freilassung der englischen Ge- fancenett in Rußland,
Verzicht auf die Propaganda und Eingriffe in Indien, Palästina, Bersten usw.,
Verflicht auf jede weitere Einmischung des nahen Ostens.
WB. London, 3. Juni. Reuter erfährt: Ver- troter der anderen Alliierten haben neben denen von Großbritannien an allen Verhandlungen mit Krassin teilgenommen. .Geldsendungen von Rußland kommen nicht in Frage, vielmehr ist der Grundsatz des Zieles der A u s t a u s ch mit Ware n.
Die englischen Arbriterdelegiertem
WB. Kopenhagen, 3. Juni. Ein Telegramm der „Berlingske Tidende" aus Kowno gibt dne Meldung des bolschewistischen Regierungsorgans in Moskau wieder, daß die engkischen^Arbeite abordnungen in Rußland in einem Funkspruch nach London auf bie schädlichen Folgen des polnischen Feldzuges gegen Rußland für die ganze internationale Arbeiterbewegung hinge- wiesen hat, der auch die Arbeit des russischen Volkes und die wirtschaftliche Wiederherstellung unterbreche. Die Delegatton protestiert gegen Englands Unterstützung bet polnischen Regierung
Wie sie mit unserem
Gelde wrEchaftsn.
Die Bezüge der Mitglieder derVerbandsänsschüsie, die in Ausführung des Friedensvertrages, in Tcntscb- land tätig sind, werden von fetten des Verbandes, wie mir hören, nenerdingS erhöbt. Ein General- VrMdent erhielt jährlich 228 000 Mark; er soll jetzt 342 000 Mark erhalten. Znm Vergleich fei bemerkt, daß ein deutscher General jährlich 38 000 Mark erlist ein deutscher Staatssekretär ebenfalls 38 000 Mark. „Gsnöranx - PresidentS" der Unterausschüsse: bis''?'- 168 000 Mark, jetzt 252 000 Mark —, ein deutsch r OfeneraUenthant 30 000 Mark, ein Botschatter 30 000 Mark. Ossiciers - Gsnsranx" 108 000 Mark, i'-n- 252 000 Mark — ein deutscher Generalmajor 25 000 Mark, ein Ministerialdirettor 28 000 Mark Obersten und Oberstleutnants: 90 000 Mark, setzt 180 090 Mk. — ein deutscher Oberst 20000 Mark, ein Wirklicher Legationsrat 20 000 Wart Bataillonschef und Masor 84 000 Mark, jetzt 162 000 Mark — ein deutscher Major 16 200 Mark, ein OberrecherungSrat 16 500 Mark. „OfficierS subalternes" : 70 000 Mark, jetzt 152 400 Mark — ein deutscher Hauptmann 11100 Mark, ein Vnekonsnl 11 100 Mark. Unteroffiziere 39 600 Mark, jetzt 69 300 Mark — ein deutscher Unter 6ffhier 5200 Mark, ein AmtSgehifle 5200 Mark. Mannschaften: 24-000 Mark, ieat 42 009 Warf — deutsche Mannschaften und Hauswarte 4800 Mark. Es bleibt m beachten, das; die ZahreSbezüge der Ausschußmitglieder ledialich Verpflegungsgelder barftafsen: und daß sie außerdem noch Unterkunft und Gebalt empfangen. Die Unterkunft z. B. für General Rollet im Hotel Kaiserhof kostet Nils jährlich ettva 144 0-00 Mark für Zimmerrechnnug. So müßten wir lebiglu für Hotelnuterkunft der Ansschußmitglwder nur in Berlin jährlich 14'/- Millionen Mark bezahlen.
Im englischen Unterhaus teilte der ^Vertreter deS Kriegsamts mit, in Polen befänden sich,keine englischen Truppen, dagegen standen un Allcnftemer Ab- ftimntnng?aebiet nnd in Dayzig 1t ein Bataillon, zu- fammen etwa 1500 Mann. Man hoffe, daß das Allensteiner Bataillon bald nach Abhaltung her Abstimmniig am 15. Sult zurückgezogen werden könne. Dagegen sei es gegenwärtig nicht möglich zu sagen, wann das Besatzungsbataillon von Danzig nach England wirückkehren werde. Der Ver freier deS Schatzamts teilte in Erwiderinig einer Au- ?rane mit, daß für den Unterhalt der BÄatznnaStrupPcn in Deutschland deutsche Lieferungen^ im Werte von ungefähr 4 Millionen Pmud isterling erfola seien. Die englischen Ersatzansprüche betrugen Ende Mai 1920 noch etwa 45 Millionen Pfund, wozu führn Rest des Finanzjahres 1920'21 schätzungsweise noch 2 750 000 Pfund Sterling kommen würden.
-Mrbegrlinöeke G2rüch§e.
WB. Berlin, 2. Juni. Das Berliner Tageblatt veröffentlicht unter der Ueberschrift: „Ansamm-lmig no: reamonären Putschtruppen vor Berlin" Nachrichten nach denen in einigen Vororten Berlins die bef hls? widrige Ansammlung von Truppen festgestellt und be= hauptet w'rd, daß in der Nähe von Erknor nnd der Fangschleuse, ferner in Fürstenwalde und Potsdam süddeutsche Truppen, besonders auch solche bayerischer Kolicingente eingeriteft seien. Amtlich wird festgestellt.
daß alle diese Behauptungen in vollem Umfang unbegründet sind. Es befinden sich im ganzen Bannkreise von Berlin keinerlei Truppen, die nicht befehlsgemäß sich dort anfznhalten haben. Wen« im besonderen behauptet wird, daß der Bürgermeistel von Fürstemvaide vergeblich dagegen protestierte, da? die Krankenhäuser dieser Stadt geräumt würden, an« scheinend um mit Truppen belegt zu werden, so fet amtlich festgestellt, daß der Bürgermeister aur das entschiedenste erklärt hat, daß an dieser Behauptung auch nicht ein wahres Wort ist. Die um Berlin liv gerben Truppen flehen geschlossen hinter ihren Führern, die erst vor wenigen Tagen mit Nachdruck erklärten^ sich unter allen Umständen der verfassungsmäßige« Regierung gegen jeden etwaigen Putschversuch zur 33 er» fügung zu halten. Wenn schließlich behauptet wird, daß Prinz August Wilhelm in Potsdam die Führunf der angeblichen putschistischen Truppen übernommen hat, kann mitgeteilt werden, daß Prinz August Wil> Helm sich zur Zeit nicht in Potsdam aushält, sich vielmehr auf Reisen befindet.
Die AnLerfuchnng -es Falles Paasche.
Das preußische Ministerium des Innern vev öffentlicht einen Bericht des von ihm zur,Untersuchung der Angelegenheit Paasche entsandten Polizeirats, worin es u, a- heißt: Nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen kann es als erwiesen angesehen werden, daß 1. die Verhaftung Paasches weder von dem Regierung?- Kommissar verfügt, noch von dem Militär ober dem mitwirkenden Beamten ausgesprochen worden ist, 2. der mit der Durchführung der Untersuchung beauftragte Offizier vor der Durchsuchung mit dem Besitzer des Gutes hat sprechen wollen und die Gendarmen ersuchte, Paasche zu
ihm zu bitten, 3- der Gendarm, dem Paaschs sagte, er möchte mit ihm weiter zu Hause gehen, wo ihn einige Herren erwarteten, 4. Paasche mit dem Gendarmen auf dem Waldwege zu Hause gegangen ist und die in der Nähe des Hauses aufgestellten beiden Posten aus einer Ent- tAMUMvon 10—20 Meter erblickte und daß er darauf sich sofort umwendeie und r:n D^zutziis. und um den Schuppen herum in den Wald gelaufen ist, 5. Gendarm und Soldaten, die aus dem Weglaufen folgerten, daß Paasche^von dem Gendarmen festgenominen sei, wiederholt „Halt" gerufen haben, 6. der eine der beiden Soldaten in dieser Annahme, eingedenk der ihm erteilten Jnsttuktion, nach der er schießen dürfe, wenn ein Festgenommener sich durch Flucht^ feiner Festnahme zu entziehen fuchs und auf dreimaligen Haltruf nicht stehe, hinter Paasche zwei Schüsse abgegeben hat, ohne ihn zu treffen, 7. Paasche durch das Gehölz und den Abhang hinunter etwa 150 Meter weit gelaufen ist und beim Austritt aus dem Felde von einem anderen Posten
gesichtet wurde, 8. dieser Posten angenommen hat, daß Paasche, hinter dem der Gendarm und die beiden Soldaten herliefen und hinter dem Halt gerufen wurde, dem Gendarm nach der Festnahme entflohen sei und zur Verhinderung der weiteren Flucht und nach erfolglosem Anruf auf Paasche zwei Schüsse abgegeben hat, von denen der zweite tödlich war.
Zu den in der „Volkszeitung" und in bet „Freiheit" erhobenen Vorwürfen ist nach bem Ergebnis der bisherigen Ermittelungen zu sagen: Es ist unzutteffend, daß die Solbatri den Leichnam im Walde liegen ließen. Es ist unzutreffend, daß die Leiche erst auf das wieder holte Bitten der Hausdame, Frau Lars, inS 5-aus rebraebt wurde. Es ist nach Angabe bei Frau Lars unzutreffend, daß sie durch terroristische Maßnahmen eingeschüchtert wurde. Es ist unzutreffend, daß die Gutsarbeiter beim Waschen der Leiche Spuren von Gewalttätigkeiten anscheinend von Kolbenschläge, feftgcftellt hatten. Am 24. Mai stellte der Gerichtsaczt fest, daß der Körper außer dem Ein- rmd Ausschuß sonstige Verletzungen nicht aufwies. Frau Lar? ist Kommunistin, stand zur Zeit der Münchener Räteherrschaft der Regierung nahe und burf^ selbst für die Links radikalen eine einwandfreie Zeugin fein. Sie bezeichnet He von dem „ö'rem denlegionär" Kirsch herrührenden Artikel als Uebertreibung, Entstellung und Phantasien.
Daß Paasche krankhaft veranlagt war, ist in einem seinerzeittgen Verfahren gegen, ihn, festgestellt worden. Er war unter dem Einfluß jener Verarrbagung und seines täglichen Umgangsund weiteren Freundeskreises zu einem Verächter allen Rechts geworden und betrieb beispielsweise He Wilddieberei geradezu gewohnheitsmäßig. Als Frau Lars, die von Paasche zur Vormünderin seiner Sinber eingesetzt ist und ihm durch Freundschaft eng verbunden mar. omch den Kriminalkommissär, der die -rurch- suchung vornahm, der Tod Paasches mitgeteiU wurde, sagte Frau Lars unvermittelt: Daß es früher ober später ein solches Ende nehmen, würde, dachte ich mir immer, und später: ®r hat fünf 23ertonen auf dem Gewissen,