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MWtSK den 31. M

Schwurgericht. Am Montag den 14. Juni

ich das hiesige Schwurgericht zu einer MUllgsperlode zufammentreten, für die etwa Lei Wochen in Aussicht genommen sind. Bei L am Samstag stattgefundenen Auslosung V'Udsn folgende Herren als Geschworene be- Itimint: Krönung, Magnus, Buchhalter in Wba, Anthes, Friedrich, Rentner in H an au, Aealer, Johannes, Bohrmeister in Altengronau, Zchmidt, Wilhelm, Landwirt in Vellings, staut, August, Glasermeister in Fulda, Simon, geter, Landwirt in Marjoß, Wiltheis, Karl, Kaufmann in Hanau, Schreiber, Eduard, Bürgermeister in Bad-Orb, Damm, Leonhard, geschäftsführer in Fechenheim, Köppel, Philipp, Bürgermeister in Mittelbuchen, Rüüfam, Karl, Mikbesitzer in Fulda, Schröter, Otto, Kauf- MN in Hanau, Bauer, Karl, Oberassistent Hanau, Hess n., Gottlieb, Bauer in Burg- saun, Grün, Ludwig, Fabrikant in Bad-Orb, Kohlmann, Andreas, Maurer in Grotzentaft, Mmmich, Otto, Kammerdirektor in Meerholz, koch, Heinrich, Uhrmacher in Wächtersbach, Lruhns.Karl, Zollinspektor in Hanau, Jffert, Nois, Fabrikant und Schreiner in Salmünster, Mng,Jakob, Landwirt in Wehrda, V i e h m a n n, Jean, Diamantschleifereibesitzer in Hanau, UM III., Peter, Landwirt in Bischofsheim, Schäfer, Karl, Fabrikant in Schlüchtern, Kirchner, Johannes, Landwirt in Vollmerz, Schreiber, Johannes, Bauer in Gundhelm, Ufer, Franz, Fabrikdirektor in Kohlhaus, Rat^, Gustav, Buchdrucker in Fechenheim, Saget, Robert, Schreiner in Steinbach, Kleszer, Louis, Brauereidirektor in Fulda.

* Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe ist dem Kaufmann Herrn Charles Ferdinand Zofeph verliehen worden.

* Feuer. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag gegen 2 Uhr morgens ist im Ueber- nichtungsgebäude des Ostbahnhofes ein Brand msgebrochen, dem neben anderen Sachen eine Anzahl Seegrasmatratzen zum Opfer fielen. Die das Feuer entstanden, ist noch nicht auf- zcklart, jedenfalls aber sind die Seegrasmatratzen, die in unmittelbarer Nähe des Kamins auf dem Speicher lagerten, durch irgend einen Zufall in Brand geraten. Die im Ueber»achiungsgebäude wohnhaften zwei FlüchtlingSfanrUien aus Elsaß- Lothringen entgingen mit knapper Not schwerem Schaden, da sie das FeUer nicht merkten, sondern erst von einem in der Nähe stehenden Posten der Einwohnerwehr geweckt werden mußten. Der Schaden an Mobilien und Immobilien ist noch nicht zu schätzen. Die Feuerwehr, die infolge der [toten Rauchentwicklung schwere Arbeit hatte, konnte erst gegen Morgen abrücken.

* Aufgegriffen wurde ein Mittel-, arbeits- M wohnungsloser Belgier von bet Polizei wessen falscher Namensangabe und Zureise ohne

M Freunde und Gekannte auszusuchen.

Meldepflicht bei der Ortskrankenkasse. Die Arbeitgeber versicherungspflichtigen Personals bis zur Einkommensgrenze von 15 000 Mark ge­mäß der Verordnung vom 30- April 1920 sind ab 10. Mai zur Neuanmeldung verpflichtet. Die Erhöhung der Grundlöhne und Klassenände- nmgen tritt ab 3. Mai in Kraft und macht als- baldige Ummeldung (durch Lohnlisten oder BeränderungSschein) notwendig, soweit dies nicht bereits geschehen ist.

* Professor Schücking kommt! Der bekannte Staatsrechtslehrer und Mitglied der deutschen Friedensdelegation Professor Walther vchücking kommt morgen (Dienstag) nach vanau, um nachmittags 5 Uhr in derCentral- Halle" in einer öffentlichen Wählerversammlung ier Deutschen Demokratischen Partei zu sprechen.

und zeitgenössischen Literatur, Gestalten, die aber den folgenden Jahrhunderten nicht wieder dttschwunden sind und weit über das Altertum Maus, unabsehbar gewirkt haben und heute noch wirken" (Bethe, Einleitung in die Alter- tumswiflenschaft), Goethe hat Euripides hoch schätzt. In einem Brief des Jahres 1831 an Zelter betont er seingroßes und einziges Ta­lent" unddas so grenzenlose als kräftige Ele­ment, worauf er sich bewegt". Alles sei ihm zur h«nd. Ex werde den ganzen Winter hindurch nicht von Euripides Massen. Erinnern wir weiter zur Kennzeichnung der griechischen Glanz- an die Leistungen der bildenden Kunst, dmken wir daran, daß die Griechen einen Histo- wrr vom Range des Thukydides Hervocgebracht haben. Wir wollen auch nicht vergessen zu er* bahnen, daß die Griechen erst die Mathemafik Rang einer Wissenschaft erhoben haben.

Kant wußte, daß es bei den Aegyptern nur bei einemHerumtappen" geblieben >var. »Bmundornswürdig" nennt Karrt das Volk der Ziechen, weil es den sicheren Weg der Wissen- Nsft gegangen sei. Damit sind wir wieder zur Philosophie hingeführt. Auf Sokrates folgten Platon und Aristoteles. Sie sind Höhepunkte Ästiger Kultur, die allein es rechtfertigen wür- S' bon einer griechischen Glanzzeit zu sprechen.

die Neuzeit hat das Werk dieser Großen '^Wen und umbilden können.

Der Mann, der Platon den Weg bereitet hat, ^s Sokrates. Platon dankt es einmal den Ottern, daß er als Bürger Athens zu Sokrates geboren sei. Weshalb hat nun Sokrates einen ".großen Einfluß auf seine Zeitgenossen aus^ Mbt? Es muß durch die Methode seines Philo- ^h^lerens gekommen sein, durch die Art, wie er ^ philosophische Frage anfaßte. Er ließ nicht her ab, als bis er die Grundlagen jeder Frage [gelegt halte, ihr« Begriffe, aus denen sie er-

Die Begriff« stellten sich Sokrates als Z^fäütterlidj geltend dar. So setzte er dem alles wankend und unsicher machenden Verlabren

* Deutsche Vollspartei. Von den bon den Bauernschaften für - den Verhältniswahlkreis Hessen-Nassau ausgestellten Kandidaten ist der­jenige, welchen die deutschnationale Bolkspartei, in ihrer Liste an zweiter Stelle ausgenommen hat, Herr Bürgermeister Lind, durch seinen Wohn­sitz im Landkreis Hanau allgemein bekannt. Weniger bekannt dürfte der von der deutschen Volkspartei nach Vereinbarung mit dem Vor­stand des Landbundes gleichfalls an zweiter Stelle der Kandidatenliste dieser Partei stehende Landwirt/Herr Hepp, Seelbach, sein. Er ist der erste Vorsitzende des Landesverbandes Nassau und durch seine rege Tätigkeit in der Bauern­schaftsbewegung stark hervorgetreten. Am Mitt­woch den 2. Juni, abends 8 Uhr, wird er in Hochstadt in der Gastwirtschaft Strahl über die landwirtschaftlichen Fragen sprechen. Eine recht zahlreiche Beteiligung auch von außerhalb wäre erwünscht, um diesem sicheren Vertreter der Land­wirtschaft, der von den Bauernschaften unter­stützt wird, im kommenden Reichstag ebenfalls kennen zu lernen.

* Preutz. Klaffenlotterie. Am 16. Ziehungs- tage 5. Klasse wurden u. A. folgende Gewinne gezogen (ohne Gewähr): mit je Mk. 1000 Nr. 110877 122056, mit je Mk. 240 Nr. 7267 63567 79637 79658 80129 80152 80154 80190 80235 80299 80365 80441 80487 97766 105809 108011 123904 123952 137296 140486 186428 222743 222745 232707.

* Kartoffelversorgung. Auf die Lebensmittel­marke 312 werden sechs Pfund Kartoffeln aus­gegeben. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß die Marke im Laufe dieser Woche unbedingt einzulösen ist, da sie bis Ende dec Woche verfällt und in nächster Woche nicht mehr ant Einlösung gelangt.

Landkreis Kanan.

Fechenheim, 30. Mai. (Das goldene Jubiläum der Cafsellawerke) wurde am Samstag vormittag durch einen Festakt feierlich begangen. Eine besondere Ehrung wurde dem Gründer Geh, Rat Gans bereitet und ihm sowie den Herren v. Weinberg eine k instlerische Plakette von den Beamten, Ange­stellten und Arbeitern überreicht, die ihre Na­men auf einer Glückwunschadresse alle vereinigt hatten. Hierfür und für die treue Mitarbeiter­schaft am Werke sprachen die Herren Gans und v. Weinberg ihren herzlichen Dank aus. Gleich­zeitig erhielt jeder bei der Firma tätige Ar­beiter und Angestellte eine Geldanweisung, die sich nach der Höhe der Arbeitsjahre berechnet und zwar bis zu 5 Jahren 500, für jedes wei­tere Jahr 100 Mark mehr, sodatz Beträge von über 3000 Mark an einzelne Arbeiter zur Aus­zahlung gelangen.

Dereine» Versammlungen.

Johattneskirchenchoe. Heute 7/* Uhr Probe und anschließend Vorstandssitzung.

* Brandwache und Rettungskorps. Die nächste Monatsversammlung findet heute Montag den 31. Mai, abends 8 Uhr, im GasthausZum Elefanten", Franksurterstraße, statt. Einer wichtigen Besprechung wegen ist vollzähliges Erscheinen erforderlich.

Turnverein Hanau. Heute abend 6 Uhr Zusammenkunft auf dem Turnplatz zwecks wichtiger Bespreckning.

* Wartburgverein. Heute abend V-8 Uhr Posaunenchor und Singen.

Vcrbandstaa Babelsberger Stenographen. Heute abend 8 Uhr Sitzung des VergnügnngsauZschusses in der Brauerei Kaiser.

* Mariantsche Jünglings-Kongregation. Heute abend 8 Uhr Turnstunde.

* H. D. B.Hanovia" (Theat. Abt.) Heute, morgen und Donnerstag, abends V-8 Uhr, Probe im VerbindungSlokal GasthausMohr".

der Sophisten ein Festes entgegen. Indem aber Sokrates auf die Begriffe zurückgeht und in ihnen Wahrheit sieht, nimmt sein Denken um einen modernen Ausdruck zu gebrauchen diekri­tische" Wendung zur Erforschung des Werkzeugs hin, mit dem wir erkennen, zur Erforschung des Wesens der Erkenntnis. Sokrates lehrte wissen­schaftliche Gründlichkeit dadurch, daß er zeigte, daß das Operieren mit bloßen Meinungen und ungeprüften Anschauungen zum Widerspruch führt. Durch Sokrates hat deshalb das mensch- lichs Denken nach der Seite hin, die man Wissen­schaft nennt, die für immer entscheidende An­regung erhalten.

Daß Sokrates die Macht der Vernunft über­schätzt, die Grenzen zwischen Erkennen und Han­deln verwischt, wenn er den Satz aufstelltTu­gend ist Wissen", das hat schon Euripides er­kannt, wenn er seine Phaidra sagen läßt:

Woher des Menschenlebens Elend stammt, darüber habe ich manche lange Nacht auch früher schon gegrübelt, und ich finde, es liegt nicht an der menschlichen Vernunft, wenn Menschen sündigen. Denn die Einsicht haben

ja viele. Sondern so muß man es ansehn.

' Was gut ist, weiß man wohl und sieht es ein, allein man tut es nicht. Bald ist man träge; dann wieder tut man lieber was man mag, als was man soll. Ach dazu baut das Leben soviel Versuchung! Die Gesellschaft nimmt für ihr Geschwätz uns in Beschlag. Die Muße entnervt uns durch Genuß."

(Nach Wilamowitz.)

Wir vermögen es aber nicht, uns zugänglich zu machen, daß Sokrates das Haupt der griechischen Lehre des Pantheismus gewesen sei. Und neben­bei bemerkt: Sind Beiwort« wietheistische Fratze" undegoistischer Größenwahn" für den Pantheismus nicht etwas zu herb, wenn man bedenkt, daß ein Mann wie Goethe sich zum VantbeiSmuS bekannt bat?

Wsr den Wahlen.

Deutsche Bolkspartei.

Im großen Saale der Centralhalle sprach am Samstag abend Herr Prof. K ü n tz e l vor einer stattlichen Zuhörer schar. Der mit Recht auch von seinen politischen Gegnern geschätzte Gelehrte ging in seinen glänzenden Darlegungen von dem Mißverhältnis aus, das zwischen den Verspre­chungen der jetzt führenden Parteien und ihren Leistungen besteht. Dieses Mißverhältnisses seien sie sich selbst auch bewußt. Das beweist die Tat­sache, daß heute niemand mehr an der Revolution die Schuld haben wolle. Eine alte bewährte Hausordnung kann man aber nicht durch HauS- mittelchen ersetzen. Der Redner weist dann an den Führern der Revolution nach, daß sie, was Militarismus, Internationalismus, Soziali- sierung und dergl. mehr betrifft, schnell und gründlich umgelemt haben. Scheidemann habe erklärt, daß er zunächst am Internationalismus genug.habe und ihn erst einmal von den.Fran- zosen und Engländern verwirklicht sehen will. Noske konnte nicht auf die Ernennung der Offi­ziere verzichten. Ebert, der früher den Klassen- kampf gepredigt, rufe heute zur Sammlung der Geister auf. Köster erklärt resigniert, das Recht könne nur durch die Macht gestützt werden. Aus dieser Lage der Dinge zieht der Redner zwei Ergebnisse: 1. Es bricht sich die Erkenntnis Bahn, daß mit einer reinen Demokratie zur Zeit wenig zu machen sei; und 2. er betrachtet es als ein großes Unglück für Deutschland, wenn die Mehrheitssozialisten aus der Reichsregierung alSgeschiede» würden. Diese Erkenntnis wurde von dem Redner noch mehrmals unterstrichen. Ueberhaupt rief er zur Sammlung auf. Der Feind stehe nicht rechts, wie Reichskanzler Herm. Müller ruft, er stehe draußen, man solle das Tisch­tuch nicht zerschneiden, sondern zu flicken suchen. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführurrgen be­schäftigte sich der Redner mit Karl Marx und dessen Theorien. Er legte dar, wie dieser Prophet des Sozialismus auf dem ganz unwissenschaft­lichen Wege der Verallgemeinerung englischer Jndustri«)erhältnisse zu seinen Lehren gekommen sei und wie mit Hilfe der Geschichte, nicht zuletzt der der Gegenwart, ihre Unhaltbarkeit bewiesen werden könne. Redner gibt zu, keinen Anhänger von Marx überzeugen zu können, da es sich hier um einen heiligen Glauben handle. Im Zu­sammenhangs damit wirst der Redner die Frage auf, ob es denn noch Proletarier gebe, ob Schei­demann noch ein Proletarier sei. Eigentum und Bildung hebt aus dem Proletaviertum heraus in die Sphäre des Bürgertums. Wenn Arbeit und Talent über Geburt und Besitz den Sieg davon trägt, so sei das auch Sozialismus. Die geschicht­liche Entwicklung drängt auf Abschleisung imb Ausgleich hin. Es geht nicht ohne Fehlschläge, .Hemmungen oder Rückschläge ab, aber es geht vorwärts. Viele soziale Reformen sind geschaffen ohne die Angst vor einer Revolution. Hauptsache ist, den kalten Egoismus in Bande zu schlagen, das Böse im Menschen zu fesseln und durch ge­eignete Organisationen das Gute zu entbinden- Das stetige Appellieren an die starke Faust muß vergessen werden. Heute dürfen weniger als je alle Räder still stehen, sie müssen alle laufen. Ueberall handle es sich um Menschen und Men­schenwerte, die alle gleichmäßig geachtet und ge­weitet sein wollen. Die Ausführungen des Red­ners fanden starken Beifall.

In der Diskussion nahm zuerst Herr Dr. Stahl (Dem.) das Wort. Er bedauert, daß der Wahlkampf nicht überall so sachlich und vornehm wie vom Redner geführt wird und wandte sich dann dem Wesen und den Zielen der Deutschen Bolkspartei zu. Er bezeichnete sie als Partei des Schwankens und der Unzuverlässigkeit, verwies auf ihre Gchnnungsgemeinschaft mit den Deutsch-

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Auf Sokrates folgte die weltentsagende Stoa, wo es doch um das Glück der Menschen gegangen war", so schreibt -s". Wir kommen damit zu dem Schluß unsrer Ausführungen, zur Berührung der Frage: Sind die Menschen durch die Leistungen der Griechen nicht glücklicher ge­worden? Eine Unmenge von Problemen wird durch diese Frage aufgerollt. Die Frage nach dem Glück ist ja so uralt und so brennend und gleichzeitig so unklar. Man müßte sich erst einmal deutlich machen, was Glück überhaupt ist. Vielleicht tun wir bann besser, einen ganz an­deren Ausdruck für das zu setzen, was wir eigentlich meinen. Um das, was uns Her in­teressiert wenigstens ein klein wenig zu beleuch­ten, wollen wir von Erlebnissen ausgehen, die Höhepunkt« im Dasein des Menschen darstellen. Wohl ein jeder Mensch hat Stunden der Hoch­spannung somes Gefühls erlebt, die ihn weit über das tägliche Dasein hinausgetragen haben, ihn sich befreit fühlen ließen von der Qual des Daseins. Ganz verschieden sind die Erlebnisse, in denen der Mensch zu diesem höchsten Gipfel feines Bewußtseins gelangt. Der eine findet in der Wissenschaft, der andere in der Musik solche Stun­den der Ergriffenheit, bet Gläubige hat im Gebet die Erlösung, die ihn hinausträgt über die Schranken der alltäglichen Gebundenheit. Un­endlich mannigfaltig sind diese Erlebnismöglich­keiten. Der eiinfachste Mensch kann die Kraft solcher Erlebnisse empfinden in der Liebe zu einem anderen Menschen oder auch in einer ge­lungenen Arbeit. Welche Werte die regelmäßige Arbeit in sich birgt, hat der Schweizer Dichter Gottfried Keller überzeugend künstlerisch darge­stellt. Was ist nun das Gemeinschaftliche all dieser Erlebnisse, das den einfachsten Menschen mit dem gebildetsten verknüpft? Wie wollen wir den Kern nennen, der in allen diesen verschiede­nen Erlebnissen steckt und ihnen ihre Bedeutsam­keit gibt? Wollen wir das, was wir da empfin­den, Glück nennen? Vielleicht sagen wir besser, wir empfinden da. daß unter Menschenleben

nationalen, wie sie auch beim Kapp-Putsch zu Tage getreten sei und fragt nach ihre» bisherigen Leistungen. Herr Backes (M.-S.) bedauert, daß Herr Prof. Küntzel nichts von den Zielen seiner Partei gesagt habe. Er wirst der Deutschen Bolkspartei vor, daß sie die Arbeiter zum Klassenkampf getrieben, alle Fortschritte in der Beamtrnbesoldung gehemmt habe und durch dauernde Kritik di« Arbeit der Regierung er-:, schwere. Herr Spinger (Rom.) sagt, es- gäbe keine kommunistischen Führer, die die Lohn­forderungen der Arbeiter ablehnen. Erst wenn das Proletariat-in dem Besitze der Produttions­mittel gekommen sei, könne der Lohnftage end­gültig näher getreten werden. Bis dahin müsse der Lohn den Lebensmittelpreisen angepaßt wer­de». Herr Schramm (M.-S-) betont die Notwendigkeit, die Führer aus dem Volke zu nehmen. Herr Günther (Dem.) erkennt die berechtigte» Forderungen der Arbeiter an, zeigt, daß die Demokratische Partei Deutschland vor einer sozialistischen Regierung bewahrt habe und verweist auf die große Gefahr, den Regierungs- wagsn den Händen der äußersten linken oder rechten Parteien zu überlassen.

Im Schlußwort betont Prof. Küntzel die Ähnlichkeit der Anschauungen feiner und der demokratischen Parier. Das Fehlen eines starren Programms erklärt er aus dem Wunsche, zu lernen und echte Politiker zu sein, die keine Prin­zipien teilen. Dem Vorwurf des Hinneigens zur Monarckfi- begegnet er mit dem Hinweis, daß die Mehrrahl der Deutschen bis 1918 Manar duften gewesen seien. Er wünscht, daß die geistige Arbeit auch richtig geweitet werde und betont noch einmal die Notwendigkeit, die Seele des Mitmenschen kennen und achten zu lernen.

Großauhtim, 29. Mai. In einer int Gafihan^ zum Stern" abg^baltenen Versammlung der Demo- EatisLen Partei sprach etad. phil. Horst- Hanau über die Ausgaben her Demokratie im neuen Reichstag. In sachlichen, markanten AuSfilhrungen gab er einen verfasfungSgeschichtlichen Uebcrblicf, beleuchtete den Geist der Stein - Hardenbergsschen Rciorm. bezeichnete als größten politische» Fehler der vreuß. Geschichte, daß Friedrich Wilhelm HL das Versprechen vom 22. Mai 1815, dem Volke eine Repräsentativ-Verfassung zu geben, nicht einlöste, und geißelte scharf das preuß. Dreiklafleu» spstem und die Reaktion in der inneren Verwaltung. Ausgehend von diesen Erwägungen, bezeichnete er als wichtigste Aufgabe des neuen Reichstages, die Demo­kratie in allen politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Fragen zur Tiefe durchgreifen zu lassen, welcher Geist insbesondere auch in die StrafrechtS- reform einziehen müsse. An die beifällig aufgenommenen Worte schloß sich eine interessante Aussprache, in der Herr Zin ke das BetrickSrätegesetz in seiner unge­nügenden Vorbereitung und die Haltung der Gewerk­schaften geißelte, worauf die Herren K a n f h o l d unt Müller- Hanau erwiderten. Im Schlußwort wie; der Referent auf die Notwendigkeit hin, für bit Demokratie zu wirken, da ihr Zusammenbruch beg Untergang unseres schwer geprüften Vaterlandes be­deutete.

Bischof-heim, 30. Mai. In einer sehr gut be­suchten Versammlung der Demokratischen Partei, die einen glänzenden Verlauf nahm, sprachen Frau Dr. E p p st e i n»Frankfurt und stud. phil. Horst- Hanau überDie Demokratie im neuen Reichstage". Eingehend Würben Vergleiche zwischen der früheren und der heutigen Reichsverfassung angeftent, die ehe­malige preußische Verfassung beleuchtet, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechtsfragen erörtert, die Not­wendigkeit, auf demokratischer Grundlage weiterzu- arbeiten, stark unterstrichen. Den mit größter Auf­merksamkeit angebörten Ausführungen folgte lebhafter Beifall. Nach kurzer Diskussion wies Herr H o r st un Schlußwort darauf hin, daß die gegnerischen Par- teieir leicht kritisieren sonnten, aber erst einmal den Nachweis erbringen sollten, wie nach einem solchen katastrophalen Zusammenbruch besser regiert werden sollte. Mit dem Hinweis, daß ein Zusammenbruch der Demokratie unser schwer geprüfter Vaterland in noch größeres Unglück stürze, schloß er unter lebhaftem Bei­fall die Versammlung.

einen Sinn hat. Und selbst wenn wir ein solches Erlebnis nur einmal gehabt hätten. es wird, wenn es nur tief war, in uns die Ueberzeugung nicht mehr sterben lassen, daß wir nicht umsonst gelebt haben. Beweisen läßt sich das nicht, waS wir eben angedeutot haben. Man muß es er­leben, jeder für sich.

Und nun beantwortet sich auch unsre Aus» gangsfrage sehr einfach. Das waS die Griechen geschaffen haben in Kunst und Wissenschaften, hat unzähligen Menschen vor uns das Leben nicht nur bereichert, sondern sie an den höchsten Punkt hingeführt, von dem aus man die letzten Geheimnisse des Daseins zu empfinden bet« meint und viele, viele der Heutigen werden das­selbe Erlebnis haben und die künftigen Gene­rationen werden immer wieder neue Lebenskraft auch aus dem Griechentum zu schöpfen wisse».

LZolde Sonne.

Lache, holde Sonne, lache Lieblicher als alles Sagen!

In die Gründe, in die Weiten Sollst du Glanz und Wärme tragen, Sollst dein Lichtgold in die Wasser Der verschlaf'n«n Quellen mengen, Sollst die starre Eisesrinde Harter Herzen siegreich sprengen, Sollst in alle Räume bringen, D'rin die Kranken, Siechen liegen, " Deinen wundersamen Schimmer Still in ihre Riffen schmiegen!

Auf den Gram, den tiefen, stummem Sollst du deinen Balsam legen Ueberfchütte alle Lande Reich mit deinem Strahlensegen,

Daß zu ParadiejeSgürten Deine Huld die Fluren mache. Daß die Menschheit wieder hoffe - Holde Sonne, lache, lache!! m

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