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G«§M-WzMW AmMches Organ für Eladk- md Landkreis Saturn Erscheint täglich mit Ausnahme bei Sonn- und Feiertage
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Rotationsdrucks. Waisenhausbuchdruckerei öamm
Fernivrechanichlüll« Nr. 1237 und 1238
Nr. 109
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Das Neueste.
§in drahtloser Moskauer Bericht versichert, ^ englisch-russische Friedensverhandlungen be- prstehen.
Stittt spricht der Konferenz in Spa große plittsche Bedeutung zu.
Die italienische katholische Volkspartei Se- Kifet sich für den Eintritt in die Regierung vor.
Der Streik in Frankreich scheint sich zu ver- Wffen.__
Die Konferenz in Spa.
Die Zufriedenheit, welche die führende ftnzSsische Presse und ihre Sekundanten in der nichschen Presse über das Ergebnis von San Sbto zeigten, ist schnell einer Unruhe, um ,icht zu sagen einem Mißtrauen gewichen, und man sucht angesichts der kommenden Konferenz in Spa nicht nach Mitteln, welche die Arbeit jenseitiger Versöhnung und Verständigung auf dieser Konferenz fStiern, sondern die eher tat Geist, in dem man in Versailles mit den Kutschen Vertretern und ihren Vorschlägen verfuhr, aufrechterhalten würden. Wir haben in unserer Freitagsnummer die Voraussetzungen «ähnt, unter denen Pertinax im „Ccho de lnis* nur die Zusammenkunft in Spa vollzogen sehen will und die nach seinem Wunsche Nillecand bet seinem kommenden Besuche in London nachdrücklich vertreten soll. Sie laufen irrsuf hinaus, daß eigentliche Verhandlungen mit den deutschen Vertretern möglichst vermie- MWb^UttliMrMrfeste Abmachungen zwi- *tn den Verbündeten gestellt werden, zu denen knur AuSführungSvorschläg« zu machen hätten.
Es wird von Bedeutung sein, nachzuprüfen, »ie sich die englische Presse gegenüber diesem Verlangen des Verbündeten verhält. Die »Times* behauptet, daß die deutsche Presse die Anladung nach Spa als einen deutschen Triumph Hinstelle und sich bereits zu Drohun- M gegen Frankreich versteige. „Dürfen deutsche Abgesandte,* fragt das Blatt, „die solch« An- fäten vertreten, auf dem Fuße der Gleichbe- icchtigung in Spa zugelassen werden?* Die Parlamente und die Böller der verbündeten Achte müßten verlangen, daß ihnen genaue Aufklärung gegeben werde über die Bedingungen, unter denen man die Deutschen zuziehen tolle. Es ist jedoch anzunehmen, daß die „Ti-
in diesem Falle nicht nur in Opposition gegen die Regierung, sondern auch gegen den größeren Teil der öffentlichen Meinung steht. H daß ein Blatt wie die „Daily News* we» ">ehr dem Standpunkt des Durchschnittsenglän- °ers gerecht wird. Das Blatt will im Gegensatz W den ftanzösischen Stimmen, daß man in den Porbesprechungen vor Spa nicht zuviel bindende Abmachungen treffe und sagt, andern- Ms wäre die in der Not« von San Remo an die deutsche Regierung gerichtete Aufforderung, bestimmte Erklärungen und Dorschlage zu unter- weiten, eine „ausgesuchte Heuchelei*. In der wage der Entschädigungssumme erinnert die -Daily News* die Franzosen daran, daß sie be- ssits zweimal der Aufforderung an Deutschland, fne runde Summe anzugeben, die es zahlen ye, zugestimmt haben. Theoretisch sei die Möglichkeit zwar vorhanden, daß der Auf- Mung Deutschlands so unerwartet schnell vor
gehe, daß es in etwa 10 Jahren bedeutend W zu zahlen vermöge, als man ihm jetzt zu- "lliten könne. Aber es sei doch zuerst einmal 'wtwendig, daß Deutschland überhaupt wieder Mr Arbeit angefeuect werde, und weder Deutschland noch irgendeine andre Nation ^rde sich in die Riemen legen, wenn sie wüßte, M der einzige Erfolg ihrer erhöhten An- Mngungen der wäre, ihre Schuldzahlungen in
Höhe zu treiben. Das sei der durchschlagende wund, warum eine bestimmte Gesamtsumme ^gefetzt werden müsse, und niemand habe bis- einen Weg angegeben, wie man an dieser Folgerung vorbeikommen könn«. Das Blatt Wt, daß man schließlich zu einem Kompromiß ^sschen den beiden entgegenstehenden Auf- Mungen, der. festgesetzten Höchstsumme und der Agesetzten Mindestsumme, gelangen werde.
solle {1$ doch an die einfachen Tatsachen "alten, und die bestünden darin, daß Deutsch-
in dem Friedensvgrtrag Entschädigungen einer Höhe auf sich genommen, die es niemals werde bezahlen können. Jetzt komme es darauf an, festzustellen, was Deutschland fahlen könne, und Schritte zu tun, um dieft iu fastetCn zu dem frühest möglichen Zeitpunkt
Montag den 10. Mai
Diese AuZsührungen sprechen für sich selbst, womit leider nicht gesagt ist, daß sie den französischen Standpunlt erheblich beeinflussen werden. ®<i§ Unglück ist eben, daß man immer noch nicht erkennt, daß Deutschland zu viel geschwächt worden ist, um den siegreichen Nationen in irgend einer Fonn von Nutzen sein zu können. Wer Geld oder Waren von ihm will, muß ihm erst die normalen Lebensbedingungen eines Millionenvolkes wiedergeben; wer sich davor fürchtet aus Besorgnis, die Rückkehr eines geregelten Blutkreislaufes könne die Wiederkehr einer gefährlichen und verhängnisvollen Kraft bedeuten, kann wohl dies oder jenes Stück aus dem Chaos herauszerren, wird aber nie eine wirkliche, dauernd« Wertleistung von dem zerstörten Organismus empfangen. Zwischen beiden Möglichkeiten muß man sich in Spa entscheiden, und wenn man unsere Vertreter nur anhören wollte, sollte es ihnen nicht schwer werden, nachzuweisen, daß das deutsche Volk an nichts weniger denkt, als die Rückkehr gesunder Kraft zur Schädigung anderer Völker und zur Bedrohung des Friedens zu verwenden, sondern um leben zu können, und daß es durchaus willens ist, jede Bürgschaft hierfür zu geben, die man billigerweise von ihm verlangen kann. Wir haben ein großes Interesse an der Konferenz in Spa, d. h. nur dann, wenn wir als ebenbürtige Verhändler zugelassen werden.
Die Frage des Zeitpunktes.
Die in den Samstagsblättern, auch von uns veröffentlichte Brüsseler Meldung, Deutschland habe in Paris vorgeschlagen, die Konferenz in Spa zu verschieben, weil Wahlrücksichten dies erforderlich machten, entspricht, wie amtlich mit- geteilt wird, nicht den Tatsachen. Richtig ist aber, daß gleich bei der Uebermittlung der Ein- worden ist, dEuns der ü^^n^weBn seines engen Zusammenfallens mit den Neuwahlen nicht s^r willkommen sei. Nichtsdestoweniger ist die Einladung aber ohne weiteres angenommen und es ist kein Antrag auf Verschiebung gestellt worden. Ob die Entente Interesse daran hat, daß eine solche Verschiebung bis nach den Wahlen eintritt, ist in Berlin nicht bekannt. Nach dem amtlichen Dementi steht also fest, daß es sich bei der Vertagungsmeldung lediglich um Kombinationen der ausländischen Presse handelt.
Wir würden es selbstverständlich tief bedauern und es als einen großen Fehler der deutschen Regierung hinstellen, wenn sie tatsächlich um Vertagung der Konferenz nachgekommen wäre. Andeoerseits aber müssen wir von der Teilnahme an der Konferenz abraten, wenn wir nur «rscheinen dürfen, um neue Weisungen und Forderungen entgegenzunehmen. Die deutsche Regierung sollte sich deshalb nochmals vergewissern, ob tatsächlich Verhandlungen in Spa auf Grund der Gleichberechtigung Deutschlands geführt werden sollen.
Ritti übrr Spa.
WB. Rom, 10. Mai. Bei der Besprechung der Interpellation über die auswärtige Politik sagte der Ministerpräsident Ritti über die Konferenz von Spa, dieser Konferenz komme große politische Bedeutung zu. Die Alliierten würden jetzt zu prüfen haben, welche von Deutschland übernommenen Ver- pflichiungen aufrechterbalten werden könnten. Jn- bezug auf die Wiedergutmachungen würde man Deutschland Gelegenheit geben, eine runde Summe zu nennen, die von feiten der Alliierten mit Unpartei. lichkcit geprüft werden würde. Dem deutschen Verlangen auf Ueberlaffung von schweren Geschützen und Flugzeugen würden die Alliierten aber nicht entsprechen können, dagegen würden alle deutschen Wünsche zur Hebung seiner Produktion wohlwollend und eingehend berücksichtigt werden, denn ganz Europa hab" ein Interesse daran, daß das deutsche Wirtschaftsleben sich wieder erholt.
WB. Paris, 9. Mai. Wie der „Temps* mitteilt, wird Ministerpräsident Milftrand jedenfalls nächsten Freitag nachmittag sich in Begleitung des Finanzministers Marsal nach Folkestone begeben, zur Begegnung mit Lloyd George. Der französisch« Finanzdelegierte in London Avenol wird der Beratung beiwohncn. Millerand fährt jedenfalls nächsten Sonntag nach Paris zurück.
Zrrr ErUfchsdigungssrage.
Ipn. Paris, 10. Mai. Innerhalb der französischen Regierung wird bereits wieder befürchtet, daß Frankreich- Vorschläge mit denjenigen Englands in der Entschädigungs- frage Deutschlands nicht übereingehen. Die ... „ . .
fränzöfische Auffassung zu der Ent->EinstellungderFeindseligkeitenimKrim-Abichnitt
schädigungsfrage ist noch stets dieselbe geblieben,und geht dahin, die Entschädigungssumme noch nicht endgültig festzusetzen, vielmehr soll Deutschland mit jährlichen Abzahlungen beginnen, deren Höhe aber nach der zunehmenden Leistungsfähigkeit Deutschlands heraufgesetzt werden soll. Der Gedanke, der dieser Auffassung inneliegt, ist klar ersichtlich der, bag es verhindert werden soll, daß Deutschland sich in einigen Jahren wieder aufrichten kann. Auch in der französischen Regierungspresie kommt diese Darstellung unumwunden zum Ausdruck. U. a. ist es der frühere Präsident Poincars, der im „Matin" bereits yrehrere Artikel in diesem Sinne veröffentlicht hat und -die Regierung zu stärken versucht, an dieser Auffassung festzuhalten. Trotzdem erklären die Diplomaten, daß es äußerst zweifelhaft ist, ob sich die Verbündeten der ftanzösischen Ansicht diesmal anschließen werden. Von Italien sei dies keinesfalls zu erwarten. Englands Interessen seien zweifelhaft, obwohl an der baldigen Gesundung des deutschen Wirtschaftslebens England stärker interessiert ist, als irgend ein anderes Land. Von Lloyd George wird behauptet, daß er auf seinem Standpunkt stehen bleibt, daß die Festsetzung der Entschädigungssumme mit der letzte Akt des Friedens mit Deutschland sei, nach dessen Erledigung sich erst eine wahre Friedensstimmung in der Welt entwickeln könnte.
Wiederaufbau Aordfraukreichs.
Ipn. Paris, 9. Mai. In den von den Deutschen besetzt gewesenen französischen nördlichen Provinzen sind von den 50 Metallfabriken wieder 29 in Betrieb gesetzt, die etwa 900 Arbeiter beschäftigen gegen 37Os 0 vor dem Kriege. Von 717 Gießereien und Maschinen- sabriken, die vor dem Kriege bestanden, sind wieder 552 mit 40 000 Arbeitern künftig in Betrieb.
Die StreikSeWeguug in Frankreich.
In der ftanzösischen Streikbewegung scheint eine Verschärfung eingetreten zu fein. Der -Allgemeine Arbeiterverband (C.G. T.) beschloß am Samstag abend, den Streik auf die Bauarbeiter, Metallarbeiter und Transportarbeiter auszu- dehnen. Zur letzten Kategorie gehören die Angestellten der Untergrundbahn, Straßenbahnen, Autobusse, Kraftdroschken. Spedition und Binnenschiffahrt. Die C. G. T. wendet sich gleichzeitig in einem Aufruf an das Publikum, in dem sie erklärt, die Weigerung der Regierung, die Forderung der Arbeiterklasse in Erwägung zu ziehen, zwinge dazu, der Streikbewegung eine weitere Ausdehnung tu geben. Der Widerstand der Regierung werde die Aktion der Arbeiter nicht brechen. Das Ziel der Bewegung sei, die Herrschenden zur Anerkennung der sozialen K>aft der Arbeit und der Notwendigkeit zu zwingen, den Arbeitern den Platz emzuräumcn, auf den sie bei der unumgänglich notwendigen Reorganisierung der wirtschastlichen Tätigkeit des Landes Anspruch haben. Die C. G. T. fordert die Arberter auf, die Bewegung in Ruhe und Ordnung fortzusetzen
Wie aus Paris gemeldet wird, nahm am gestrigen Sonntag die Gewerkschaft der Postbeamten in Anwesenheit von etwa 1000 Personen eine Tagesordnung an. in der gesagt wird, man werde die Streikenden unterstützen, falls es verlangt werden sollte. Einige Blätter glauben allerdings, daß mit einem baldigen Streik der Postangestellten trotz dieser Tagesordnung nicht zu rechnen ist.
WB. Paris, 9. Mai. Havas meldet über die Streiklage: In Craniac und in Decazeville haben die Bergarbeiter die Fortsetzung des Streiks beschlossen. In Montpellier haben 800 Arbeiter heute vormittag besch offen, von Donnerstag ab zu streifen, um sich mit den im Ausstand befindlichen Arbeitern zu solidarisieren. In Lorient haben die Arbeiter des Arsenals die Wiederaufnahme der Arbeit beschlossen, da die Streikbewegung wenig Aussicht auf Erfolg habe.
Englisch-russische Friedens- verhandlungen.
WB. Amsterdam, 10. Mai. Laut West- minster Gazette versichert ein drahtloser Moskauer Bericht, daß englisch-russische Friedensverhandlungen bevorstehen. Curzon habe Tschitscherin den Vorschlag gemacht, direkte Verhandlungen mit dem General Wrangel zu beginnen. Curzon schlägt vor, daß englische Offiziere an diesen Verhandlungen teilnehmen sollen. Das einzige Mittel zur Wiederherstellung des Friedenszustandes sei Sicherheit gegen fernere Angriffe, «und wenn England diese Garantie erhalte, so sei eine wesentliche Bedingung erfüllt und die Verhandlungen könnten in freundschaftlicher Weise fortgesetzt werden. Der Funkspruch meldet weiter, daß Tschitscherin in seiner Antwort erklärte, die Sowjetregierung sei durchaus bereit, dem Wunche der englischen Regierung entgegenzukommen. Die Sowjet- regierung sei damit einverstanden, mit der englischen Regierung oder mit irgend Jemand, den sie bezeichne, Verhandlungen über die
1920
zu beginnen. Die Sowjettegierung sei bereits General Wrangel und britische Offiziere zu diesen Verhandlungen zuzulassen.
WB. Am rerdam, 9. Mai. Westminster Gazette zufolge haben an der KaukafuSftont die Feindseligkeiten aufgehört; die Sowjetregierung hat den verschiedenen Staaten den Vorschlag gemacht, sofortige Frieden-verhandlungen zu beginnen.
Wilson und die türkische Frage.
WB. Paris, 9. Mai. Der Exchange-Telegravh meldet aus Washington, in auf unterrichteten Kreise» alaube man, bah Präsident Wilson sich entschieden habe, sich von jeder Regelung der türkischen Frage durch die Alliierte» fernzuhalten.
Die mohameöanische Bewegung gegen England.
Ipn. Kairo, 9. Mai. In Delhi (Dritifch-InbltM hat laut Nachrichten an» Indien die mohamedanisch« Bewegung gegen England einen .derart heftigen Charakter angenommen, daß der Vizekönig von Jndie« die Regierung warnen muffte uns um VerhaltungS- mahnabmen ersuchte. Tausende junge Mobamesana wandern als Freiwillige nach Klein-Asien und Afghanistan, um dort auf der Seite der.Türken und der Bolschewisten geaen England zu kämpfen. Obwohl her religiöse Einfluß vollkommen genügt, stehen da Agitation auch noch erhebliche Geldmittel zur Vcr. fügung, womit die Reisekosten der Freiwilligen gedecki werden. , ,
Ipa. London, 9. Mai. Die Abordnung bei indischen Kalisator, die sich in England befindet, wurde von der mohainedanitchen Vereinigung im Cambridge empfangen, bei welcher Gelegenheit Mohamed Ali auf die Ziele der Delegation hinwieS. Sie hätten ihr« naticnalen Stolz abgelegt und feien nach London ge- fommen, um bei der englischen Regierung ein Wort für die unterdrückten Mobamedaner cmzulegen. Dieser Versuch fei jedoch bet letzte, der unternommen würde. Der englischen Herrschap gegenüber seien die Mobamedaner stets treu geblieben. Von der Lönigm VLoria hätten sie die religiöse Freiheit erhalten. Während des Kneges wurde von den Engländern versprochen, die heiligen Stätten in Palästina nicht' anzugreisen, was ab« doch geschehen fei. Lloyd George verspreche viel, aber er halte nichts. Der Islam fei alarmiert und tu Indien warte das Volk mit Spannung auf die Enl- fcheibnng Englands, weil e» nicht länger als Sklave leben wolle. Wenn England warte, bis das Blut geflossen fei, bann komme alle Verantwortung auf England selbst. Diese Erklärung der Delegierten machte auf die Anwesenden einen starken Eindruck.
Eine italienische Kabinettskrise?
Jpa. Rom, 10. Mai. Das Kabinett des ita« lienischen Ministerpräsidenten befindet sich wieder ein. mal in Schwierigkeiten, deren Ursachen in der Haltung der katholischen Volkspartei und andererseits ja der stark gemäßigten Haltung des Kabinetts gegenüber den neuen Sozmlsemökralen zu suchen sind. Die katdo- lische Volkspartei, die bisher von bet Regierung aus- geschloffen war, fühlt sich seit längerer Zeit bermen, den Kampf gegen d e n B o l s ch e w i r m u s in Italien auf$u nehmen und mit Hut« der katholischen Arbeiterichast zu einer mächtigen Volk-parte, zu gelangen. Wahrscheinlich wird die kalholnchc Partei dem gegenwärtigen Kabinett in den ersten Tagen das Vertrauen entstehen, wodurch der Bruch vollkommen wird., Die Minister des kommenden Kabinetts stehen - schon bereit, .um da» Erbe zu übernehmen. Außer Luzzatti wird noch der Katbolikensührcr Leba und der Leiter der gemäßigten Soziald-mokratie Bononu genannt Die kommende italienische Regierung wird der jetzigen deutschen Regie- ntna gleichen, da die Katholiken mit den gemäßigten Sozialdemokraten die Mehrheit der Bevölkerung bilden.
Berliner Kundgebungen.
In Berlin haben am Sonntag verschiedene Kundgebungen stattgefunden, außer derjenigen der Turner und Sportsleute' für ein Spielplaßge etz auch eine solche der am Kunstleben Interessierten gegen dre Lustbar- keitssteuer, der Versuch einer Kommunisten- Kundgebung im Lustgarten mit einem Umzug die Linden hinunter bis zum Königsplatz und eine Massenversammlung von Be. triebsraten im Zirkus Busch, in welcher als Vertreter der russischen Sorojetrepublil Schlapnick, Mitglied der russischen Gewerkschaftsleitung, französisch sprach, während Daumig dolmetschte. Eine Entschließung der Verjamm- lung sprach die Sympathie des deutschen Prolip tariats für Sowjetrußland aus. Dann sprach Däumiq über Sozialisierung und Rätesystem, zum Schluß Richard Müller für dre Einheit des Proletariats durch Zusammenschluß de, Betriebsräte, die auch in den politischen Kamps eintreten müßten.
Kurze Meldungen.
. * Weckst) Dirpatch meldet aus Jerusalem: 4000 Araber mit 21 Maft inengewehren und zwei Ge, schützen haben bie Franzosen im Bannjas-Distnkt a»> gegriffen. Die Franzosen standen einer zehnfache» Uc be> macht gegenüber. Die Verluste auf Helden Seiten sind schwer.