Seife 2
Mai:tag den 3. Mai
9b, 103
Lokales.
Hanau, 3. Mai.
Die Mmlagung des Kreis- bauernvereins in Kochstadt.
Vom prächtigsten Wetter begünstigt, fand am 1. Mai die 2, Jahreshauptversammlung des BauernvereinS für den Landkreis Hanau in Hochstadt statt. Schon lange vor Beginn der Versammlung war der geräumige Saal „Zur Krone" gedrängt voll und immer noch kamen Hunderte an, die den Tag als machtvolle Kundgebung für die Bauernsache mitmachen wollten. So mußte eine Paralellversammlung in dem gegenüberliegenden Saale des Gasthauses Weber abgehalten werden.
Der Vorsitzende, Herr H. Ph. Schmidt- Windecken. Gegrüßte herzlich die Erschienenen, die es sich nicht nehmen ließen, den Geburtstag des KreiSbauernvereinS mitzufeiern. Zugleich teilte er mit, daß das Kornhaus Hanau dem Verein aus Anlaß seines einjährigen Bestehens den Setrag von 1000 Mark gestiftet ha b e.
Der Vorsitzende der Ortsgruppe Hochstadt, Herr Rauch, sprach namens dieser Worte der Begrüßung und wünschte den Verhandlungen guten Verlauf.
Der nunmehr erstattete Kassenbericht schließt am 31. Dezember 1919 ab und weist in Einnahme 23181.20 Mark und in Ausgabe 22 802-37 Mark, auf, sodaß ein Kassenbestand von 378.83 Mark verbleibt.
Zur Prüfung der Bücher wurden die Herren Hauptlehrer S ch u m a^r n-Bruchköbel und Rechner K r «s s e l-Kilianstädten gewählt, die die Richttgkeit der Bücher bekundeten.
Der 2. Vorsitzende des VereinS, Herr Bürgermeister Lind, Niederissigheim, hielt dann eine kernige Ansprache, zu deren Beginn er aus- führte, daß die Bauernschaft dadurch, daß sie ihre Jahresversammlung auf den 1. Mai legte, nicht Sympathie mit einer gewissen Volksklasse zeigen wollte, denn die Maifeier sei kein Tag des Aufbaues, sondern des Zusammenreißens. Viel eher hätte der Bauernstand Veranlassung, den 1- April zu feinern, an dem einst Bismarck geboren wurde, der die deutsche Wirtschaft groß gemacht habe. Der Bauer sollte an diesem Tage nach dem Sachsenwalde pilgern und fielen, daß aus der Asche deS großen Recken ein Mann erstehen möge, der die Geschicke Deutschlands machtvoll in die Hand nehme. Der Wille zur Arbeit, der in der Landwirtschaft nie ruhte, muß überall stetig Platz greifen. Das Deutschtum zu vertreten, braucht sich niemand zu fürchten, deshalb müssen wir Bauern stets für einen Ausstieg Deutschlands eintreten. Es ist uns Bauern oft der Vorwurf gemacht worden, daß wir an der Teuerung der Lebensmittel Kbnfb sind, dagegen müssen wir uns entschieden wehren, denn nur die Schieber und Schleichhändler, die Parasiten am Volkskörper, tragen die Schuld hieran. Wir wollen nicht, daß das Erträgnis unserer Scholle den Schiebern zunutze kommt, sondern daß dieses restlos unserem hungernden Volke wird. Es ist ein Unrecht, daß die Getteidestellen Brotwucher treiben und man uns dafür verantwortlich macht. Es geht nicht ohne weiteres, die Zwangswirtschaft aufzuheben, doch können durch die Mitwirkung des Kreisbauernvereins deren Folgen gemildert werden, dies kann aber nur dann vollkommen geschehen, wenn in uns allen der Organisationsge- danke fest Fuß gefaßt hat. Mit dem Einsetzen der neuen Ernte muß dem Bauern eine entsprechende Mitkontrolle an der Erfassung zugesich ert wer- rem erst dann gelingt es, unserem Volke das zu- zuführen, was es zur Ernährung braucht. Wir werden uns den Platz zu ettämpfen suchen, der
Zweites Konzert des Oratorienvereins.
Hanau erlebte gestern abend in der Marienkirche die Erstaufführung des Oratoriums „Israel in Egypten". Die Marienkirche ist der für solche Zwecke allein in Frage kommende Ort, 'her eine übersichtliche Aufstellung des Chores und Justrumentallörpers auf der stufig aufsteigenden schönen Empore mit dem prachtvollen Orgelprospett im Hintergründe und die Aufnahme einer großen Zuhörermenge in seinem übrigen Teile gestattet. Nur schade, daß der große Steinbogen zwischen Chor und Kirche viel Klangfrische verschluckt.
Ueber das Wett selbst hat in diesem Blatte der Dirigent des konzertierenden Vereins, Herr Dr. Limbört, an der Hand des käuflichen Chry- sandecschen Textbuches führend und aufklärend gesprochen. Es braucht dem Gesagten kaum etwas zugefügt zu werden. Man neigt unter dem ftischen Eindruck einer guten Aufführung mehr oder weniger dazu, jedes Werk oder, seinen Schöpfer als etwas Besonderes, Außergewöhnliches hinzustellen. Wie oft hatten wir nach einem Symphoniekonzert Beethovens die Meinung, so etwas sei schlechterdings nicht zu überbieten. Wagners gewaltige Musikdramen beanspruchten wieder dasselbe Urteil. Und Bachs gewaltige Schöpfungen? Und Mozarts liebliche Anmut? Chopins« duftige, feinnervige Klavierpoesien, Schumanns tiefe Romantik, der überquellende Melodienreichtum Schuberts, Brahms Schaffen in Lied und Symphonie und alle die anderen Gottesmenschen? Das Fluten eines modernen Männerchores, die reiche polyphone Sprache der Königin der Solo- instrumente: der Orgel, das moderne Orchester? Vermag nicht jede Kunstart und Kunstsprache uns zum Superlativ im Werturteil zu führen?
Wir tuen ganz recht, wenn wir uns über- mannen, unser Gefühl überfluten lassen von dem, was diese Höhenmenschen uns zur Weihe gaben. Es war jeder in seiner Art ein Großer! Falsch
uns auf Grund unserer positiven Arbeit gebührt. Nachdem Redner noch darauf hingewiesen hatte, bei den kommenden Wahlen dafür zu sorgen, daß d i e Männer gewählt würden, die für die Nöte der Landwirtschaft ein offenes Ohr haben, schloß er seine mit lebhaftem Beifall aufgenommene Rede.
Hierauf sprach der Geschäftsführer des Kreis- bauernvereins, Herr Direktor Vielen, über den Wiederaufbau des Wirtschaftslebens. Die ganz hervorragend aufgebaute Rede spiegelt sich in der nachfolgenden Resolution wieder, die einstimmige Zustimmung fand: Der Bauernverein des Kreises Hanau stellt folgende Richtlinien für den Wiederaufbau der Landwirtschaft auf: Das landwirtschaftliche Grundkapital ist von der Besteuerung freizulassen. Auch das im Betriebe stehende Kapital muß freibleiben, um weiterer Erzeugung zu dienen Den landwirtschaftlichen Berufsvertretungen ist maßgebender Einfluß bei allen Maßnahmen, die die Landwirtschaft betreffen, ein? zuräumen. Gesetze und Verfügungen sind erst nach Anhörung dieser Organisationen zu erlassen. Die Durchführung im Verwaltungswege ist vor- zunehmen durch landwirtschaftlich berufstechnisch gebildete Leute. Eine Aufteilung größeren Grundbesitzes ist nur dort vorzunehmen, wo nach Lage der Dinge durch eine solche eine Vermehrung der Produttion erreicht wird. Sonst ist landwirtschaftliches Eigentum auf alle Weise zu schützen. Der Grundsatz: Der freie Bauer auf freier Scholle, muß maßgebend sein. Die Bewirtschaftung der Aecker und Wiesen ist zu unterstützen durch großzügige Zurverfügungstellung von Düngemitteln und geeignetem Saatgut zu Preisen, die eine Produktion lohnend erscheinen lassen. Die Schweinezucht ist tatkräftig zu fördern, da durch diese auf dem schnellsten Wege Fleisch und Fett produziert wird. Eingriffe in die Rindviehhaltung sind zu vermeiden, um die Milchproduktion aufrecht erhalten zu können. Die landwirtschaftlichen Betriebe sind vorzugsweise mit Brennmaterial zu erschwinglichen Preisen zu versorgen. Dem Holzwucher ist energisch entgegenzutreten. Die Bildungsmöglichkeiten für die bäuerlichen Besitzer sind zu vermehren und so auszubauen, daß auch möglichst praktische Ergebnisse den bäuerlichen Besitzern gezeigt werden können. Staatsmittel sind hier im weitesten Umfange zur Verfügung zu stellen. Ein Abbau aller Kriegsgesell- schaften, die landwirtschaftliche Produtte und Bedarfsgegenstände verteuern, ist so schnell wie möglich vorzunehmen. Den Berufs-Organisationen ist Einfluß in alle rechtlich öffentlichen Körperschaften und Verwaltungen, soweit sie die Landwirtschaft betreffen, zu sichern.
Herr Bürgermeister Clauß, Ravolzhausen, als Versammlungsleiter, dankte den Rednern für ihre prachtvollen Worte, die allen aus der Seele gesprochen seien.
Herr Kornhausdirektor T h y l m a n n gab dann ein Bild über die TWKett des Ks^WffeS, das lediglich im Dienste der Bauernschaft stehe und nicht verantwortlich gemacht werden könne für Fehler, die von der Regierung nicht nachhaltig bekämpft wurden.
Die Vorstandsergänzungswahl ergab die Wiederwahl der Herren Philipp B a u m a n n 3.- Bruchköbel, Heinrich Hartenfeller-Ostheim und Philipp W o h l f a r th-Großauheim.
Der Sei trag wurde auf 30 Pfg. pro Morgen erhöht.
Die Diskussion war recht fruchtbringend und zeigte, daß allgemein ein frisches und kräftiges Leben innerhalb des Kreisbauernvereins pulsiert.
§§
n. Verliehen. Dem beim Reichswerk Wolfgang bei Hanau beschäftigten Vorarbeiter Johann Ruppert aus Altengronau wurde das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen.
ist es, sie tabellattsch oder katalogisch zu werten. Nebeneinander wird man ihnen gerecht, wobei persönliche Vorliebe für den einen oder weniger Hinneigung zum anderen auf geistiger Verwandtschaft oder auf Wesensfremdheit der Seele und des Gemütes beruhen.
Ein solcher auf der Höhe des menschlichen Geistes Wandelnder war auch der Hallenser Georg Friedrich Händel. Auge und Stirn zeugen seine lebenschaffende Kraft in der Kunst. Wie vom Himmel auf die Erde geschleudert, wandelte damals (1685—1759) und noch heute sein Geist unter uns, Ehrfurcht gebietend, uns erschauern machend, erhaben, wie der gewaltige Dom unter Dorflapellen. Der Höhepunkte seines Willens sind viele. Aus den Julitagen seiner Geistesreife ragt „Israel in Egypten" hervor: Das Oratorium unter den Oratorien. Man vermißt die grandiose Jnstrumentaleinlettung und eine wohltuende Abwechselung zwischen Chor und Sologesängen. Der Chor steht im Vordergrund, ist an Zahl und Umfang überreich bedacht, was eine Gefahr bedeuten kann. Mit trorfenen Worten lassen sich nur dürftig die vielen Tongemälde rühmen, die nach Händel auch Haydn so geschickt in der „Schöpfung" und „den Jahreszeiten"»anbrachte. Man muß sie hören.
Der Oratorienverein hatte sich eine kolossale Aufgabe gestellt. Wohl bei keiner Chorvereinigung ähnlicher Verhältnisse gehört das Oratorium „Israel" zum eisernen Bestand. So war es auch hier und so mußte vom ersten bis letzten Takt neu einstudiert werden. Zur eindrucksvollen und würdigen Aufführung bedurfte der Chor der numerischen Verstärkung, die wohl ersichtlich immerhin in den Männerstimmen noch stärker hätte sein dürfen- Es ist verwunderlich, daß sich am hiesigen Orte nicht mehr interessierte Männerstimmen zum Eintritt und zur gelegentlichen Mitwirkung bereit finden lassen. An werbender Bitte fehlt e§ nicht. Aber auch so kam oas Werk allgemein und speziell chorisch sehr eindrucksvoll und tongewal- tig heraus. Es war vom Chor offenbar fleißig.
* Die Besserung unserer Valuta bat neuer? vings vielfach die Meinung auflommen lassen, eine wesentliche Senkung der Preise, insbesondere auch für T e x t i l w a r e n, müsse die Folge sein. Um zu einer Klärung über diese für die gesamte Geschäftswelt höchst bedeutsame Frage nach Möglichkeit beantragen, hat die „Deutsche Konfettion" sich an eine Reihe namhafter Firmen aus der Industrie, dem Groß- und Einzelhandel mit einer Umfrage gewandt, auf die u. a. der Inhaber einer bekannten Weberei und Spinnerei in Ebersbach sich folgendermaßen äußerte: „In Erwiderung Ihrer Anftage vom 17. ds. Mts. teilen wir Ihnen mit: Nach unserer Ansicht ist an billigere Preise für Textilwaren für absehbare Zeit nicht zu denken. Die Spinner und auch die Weber haben ihre Schlüsse auf viele Monate hinaus gemacht, und es ist ganz ausgeschlossen, daß irgendeine Partei einen Nachlaß infolge der augenblicklich scheinbar veränderten Konjunktur gewähren kann. Selbst wenn sich die deutsche Mark noch weiter verbessern sollte, so sind wir immer noch der Ansicht, daß für absehbare Zeit keine billigeren Preise zu erwarten sind, da die Spinner ihre Garne auf keinen Fall verschleudern werden. Es ist sodann noch zu berücksichtigen, daß infolge der bedeutenden Lohnsteigerungen, die überall stattgefunden haben und noch stattfinden, weitere Zuschläge zu den bereits bestehenden Preisen gemacht werden müssen. Durch die allgemeinen Lohnerhöhungen werden andererseits wieder selbstverständlich Betriebs- und Hilfsmateria- lien, wie Kohlen, elekttische Kraft, Farbstoffe, Chemikalien, Oele usw. wesentlich teuerer, und selbstverständlich müssen auch diese Mehrausgaben auf die Fertigfabrikate draufgeschlagen werden."
* Tanzkonzert. In dem am Donnerstag den 6. Mai in der Centralhalle stattfindenden Tanzkonzert wirkt außer Herrn Haas Fräulein Hildegard Wanecke, Konzert- und Solotänzerin von Frankfurt a. M., mit. Der jungen Künstlerin geht ein guter Ruf voraus, so daß mit einigen genußreichen Stunden zu rechnen ist. Außer den Solo- Charaktertänzen werden noch einige moderne Tanz-Duos zur Aufführung gelangen. Ebenso wird Herr Obermusikmeister Möller ein feines künstlerisches Programm zu Gehör bringen. Der Besuch des Abends ist auf das Beste zu empfehlen.
* Die Maifeier der Hanauer Arbeiterschaft ist ruhig verlaufen. Die K. P. D. und die S. P. D. hatten gesonderte Veranstaltungen getroffen, erstere hielt am Vormittag im Saalbau eine Versammlung ab die stark besucht war und an die sich ein Rundgang durch die Stadt schloß, letztere veranstaltete am Vormittag im Schloßgatten ein Volkskonzert bestehend aus instrumentalen und vokalen Vorträgen, das bei dem herrlichen Maiwetter eine große Anziehungskraft ausübte. Am Nachmittag fand in der „Terrtralhalle" eine Zusammenkunft mit Fest- vottM^KanM rinb Gesang
* Der frühere Obstbautechniker des Kreises Hanau, Walther, welcher vom 1. Januar d. J. ab im Auftrage des sächsischen Wittschafts- ministeriums als Obstbaubeamter die Kreise Zwickau, Werdau, Auerbach, Plauen und Oelsnitz bearbeitete, wurde ab 1. Mai auf Grund seiner Tätigkeit vom Landerkulturrat anstelle des außer Dienst gehenden Landesgattenbauinspektors Lindner in Dresden gewählt. Herr Walther übernimmt damit das Dezernat fürWein-, Obst- u. Gartenbau im sächsischen Ministerium und gleichzeitig die Geschäftsführung des Landesobstbau- nerbanbes, dem 20 000 persönliche und 600 korporative Mitglieder angehören.,
* Silberne Hochzeit feiern morgen Dienstag Herr Edmund Schmidt und Frau Anna, geb. Stein.
* Iahen revkirch u hor. Heute abend halb 8 Uhr Probe im Laichen.
ernst und eingehend studiert worden. Physisch anstrengende Stunden waren viele vorausgegangen. Auch bei der reichlich zwei Stunden überdauernden Aufführung durften Müdigkeit und Unlust nicht auflommen. Es hieß Nerven und Muskel straffen. Nun die Ausführung gut verlief, sind alle Strapazen und Mühen entschädigt. Die Chöre klangen sicher, rein, tonschön, zart und überwältigend. Was das heißen will, hat wohl jeder Zuhörer empfunden, sonst kann ein Blick in die Noten über den Schwierigkeitsgrad belehren. Die Tonmalereien gelangen gut. Zog zunächst elegisch und schwermütig in Moll der erste Chor dahin, so war der mit seinen ungewöhnlichen Tonschritten die Unmöglichkeit des Trinkenkönnens des Wassers andeutende Chor eine harte Probe für sicheres Treffen und reine Jntonierung. Der Doppelchor „Er sprach das Wort" brächte in seinen gedämpften 32stel Geigen- figuren die entsetzlichen Fliegenschwärme zur Anschauung, wie das machtvollste Fortissimo in allen Stimmen und Instrumenten Hagel, Feuer, Donner erschauernd zum Ausdruck brächte. Auch in allen übrigen Chören waren Deklamation, Abtönung und Ausdruck sinngemäß (ich verweise auf die schon erwähnte Erläuterung, da eine Re- pitition langweilig würde), die Entfaltung der Stimmen restlos.
Die Solisten waren stimmlich gut disponiert und seelisch im Vortrag. Frau Anna Marie Lenzberg interpretierte mit ihrer hellen, gut- geschulten Stimme und stilgemäßer Deklamation die Partien der Sopranistin. Die große „Alle- luja"-Arie bot ihr Gelegenheit, in reicher Koloratur ihre hohe stimmliche Fertigkeit zu zeigen. Die Altistin Frau Agnes Braunfels verfügt über einen satten, sympathischen Ton, welcher der Arie „O Herr, dem aus der Engelchor" vortreffliche Gestaltung und ästhetische Ausbeute verlieh. Herr Carl R e h f u ß lieh den Rezita- tiven und Baßgesängen seine bewährte Kunst, die schon öfter hier gebührend gewürdigt wurde und wieder tiefen Eindruck hinterließ. Er faßte außer-
* Die Wiederverwendnng von Briefs schlügen eingeschränkt. Briefumschläge werden bei der heutigen Teuerung häufig wiederholt verwendet. Das Reichspostministerium hat au» seine Zustimmung ausdrücklich dazu erflärt. Dj, Wiederverwendung benutzter Briefumschläge iz aber jetzt eingeschränkt worden. Man hat M Bedingung gemacht, daß die alte Aufschrift Dom Leser durchs Durchstreichen unleserlich gemacht worden ist, und daß die neue Aufschrift sich ebenfalls auf der Vorderseite befindet. Bisher genügte es, wenn die erste Aufschrift durchkreuzt war. Das Durchkreuzen läßt die alte Aufschrift noch immer lesbar. Im Betrieb des Abferti- gungsbeamten lenkt sie deshalb die Aufmerksamkeit des Abfertigungsbeamten ab und stört ihn bei seiner Arbeit. Es wird deshalb jetzt verlangt, daß die alte Aufschrift richtig durch strichen und unleserlich gemacht ist. Voraus, setzung bleibt immer, daß die zweite Aufschrift deutlich ist. Sie muß so angebracht sein, daß weder die Stempeläbdrücke. noch die postdiensi. lichen Vermerke, noch auch das Aufkleben bei Freimarken beeinträchtigt werden.
♦ Das Jnsettenhaus des Zoologische» $O) tens, das durch die jahrelange Absperrung lange Zeit in seinem Betrieb arg gestört war, kann endlich wieder eine Anzahl ausländischer Kerbtiere den Besuchern vor Augen führen. Ein großer Behälter zeigt die heiligen Soarabaeen der alten Aegypter bei der emsigen Arbeit; es sind die Sisyphus-Käfer, auch „Pillendreher" genannt, obwohl die „Pillen", die sie mit staunenswerter Geschicklichkeit fertigen, fast die Größe von Fleischklößen (wie diese jetzt find) aufweisen. Man hat ihnen einen regelrechten Berg in ihrem Sfäfig gebaut, auf den sie ihren Kloß rollen, unverdrossen und mit überraschender Schnelligkeit. Me Schub- karren drücken sie die Dungballen vor sich bet, oder spannen sich davor und ziehen sie hinter sich her. — Ein anderer Käfig zeigt die Zucht des Tussa-Seidenspinners, der die vierfache Größe des Maulbeerspinners hat. Seine Zucht wird immer wieder von neuem grade für Deutschland empfohlen und bei den gegenwärtigen fast unerschwinglichen Stoffpreisen dürste es für manchen von Interesse sein, sich das Tier und seine ZiHt anzusehen.
* Stadttheater. Am heutigen Montag gelangt um 7'/, Uhr das Schauspiel „Dir Judasglocke" zur AuMhrung. Da die Wünsche nach der Wiederholung dieses Werkes wiederholt laut geworden sind, ist diese Aufführung noch einmal angesetzt worden. Am Dienstag 7*/* Uhr Vereinsvorstellung. Mittwoch gastiert der ehemalige Hofschauspieler und Vottragskünstler Ftttz Schlotthauer am Stadttheater. Er wird aus seinem reichen Repertoire die besten Stürke zum Vortrag bringen. Wo auch Herr Schlotthauer auftrat, hat Publikum und Presse ihm reichsten Beifall gezollt, sodass man diesem. Abend mit Interesse entgegensehen darf. Für Donnerstag ist ein einmaliges Gastspiel von Künstlern des Frankfurter Opernhauses vorgesehen, die die komische Oper „Die schöne Galathee" von Suppe und die einaktige Operette „Brüderlein fein" von Leo Fall zur Aufführung bringen. Für diese Aufführung gelten erhöhte Singspielpreise. Neueinstudiert unter der Spielleitung des Direttors wird das Trauerspiel „Der junge König" von Raoul Konen, das am Schauspielhaus in Köln sensationellen Erfolg erzielte. In der Rolle der Gräfin Frmigipam verabschiedet sich Margarete Lanner nach dreijährigem Wirken.
* Festgenotttmen wurde von der Polizei ein auf dem Gefängnis in Büdingen entwichener, wegen schwere« Diebstahl» in Haft gewesener 32 Jahre alter Mann von hier und ein auf der Wanderschaft von Dresden nach Frankfurt sich befindender, vollständig mittelloser 26 Jahre alter Schweizer.
ordentlich energisch und dramatisch an und gestaltete vornehm. Herr Heinrich A p p u n n erledigte sich mit gutem Gelingen mit seiner baritonal gefärbten Stimme seiner leider beschränkten Aufgabe. Da seine künstlerische Betätigung sonst ausgesprochen instrumental ist, so bedarf seine gesangliche Leistung einer besonders auszusprechew den guten Bewertung. Herr M ack an der Orgel u. Herr K a r l A p p e l jr. am Cembalo (Klavier) gaben mit der verstärkten Möllerschen Kapelle dem gewaltigen Werke Fundament, glanzvollen Rahmen, harmonische Stütze, subjektive Reize, bis orchestrale Färbung; kleinere rhythmische Uw ebenheiten blieben ohne besonderen Nachteil. Die Hauptarbeit hatte Herr Dr. L i m b e c t geleistet und noch während der Aufführung zu leisten- Kühn war der Gedanke, mit seinem Chor sich an solche Höhepunkte musikalischen Schaffens zu wagen. Mit der ihm eigenen Sorgfalt in musikalischer Betätigung und seiner speziellen Vorliebe für die Oratorien war an gutem Gelingen nicht zu zweifeln. Mit körperlicher und seelilcher Spannttaft zeigte er sich unermüdlich <lutreibni^ musikalisch außerordentlich geschickt und lw führend, Chor und Orchester zusammenrafsenv' eine hohe Linie anstrebend, die Gipfelpunkte des geistvollen Werkes seine zahlreichen Zuhörer gerp voll genießen zu lassen. Man wir ihm und Oratorienverein den Abend Dank wissen. — gebe zu erwägen, ob die Generalprobe in Zukuhl nicht öffentlich sein kayn. J^,
Spielplan der Frmrkftrrler Thealer. Neues Theater. Montag, 3 Mai, 7 Uhr: Und das Licht scheinet in der' Finsternis- Dienstag. 4. Mai, 7 Uhr: Der Arzt am Scheideweg. — Mittwoch, 5. Mai. 7 Und das Lickt scheinet in der Finsternis- Donnerstag, 6. Mai, 7 Uhr: Maria lenc. — Freitag, 7. Mai, 7 Uhr: Das ho^ Leben. — Samstag, 8. Mai, nachm. ' Frühlings Erwachen. Abends 7 Uhr:
Lette,