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General-Anzeiger
AmMches Organ für Sladl- und Landkreis Kanon Erschein! tSglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage ic. 193 Montag den Hai *
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1920
Das Neueste.
Die Feier des 1. Mai nahm ist Reiche einen nligen Verlauf.
An öberfdjlefien kam e* gestern durch Umzüge der pl« anläßlich des polnischen Nationalfeiertages zu llutigett Zusammenstößen.
Der Arbests minister Le Troeguer erklärte, daß der jl«nzSfische Eisenbahnerstreik ein vollständiges Fiasko jedeute.
Wilson hat den FriedenSvertrag nochmals durch- jearbeitet und wird ihn dem Senat abermals vorlegen.
Arbettsruhe — Internationaler Wirtfchafts-Kongretz.
Der 1. Mai ist gefeiert worden, trotzdem Mona!- und Preußenversammlung die Ein- fihrung dieses Tages als allgemeinen Feier- tag mit der Begründung abgelehnt hatten, to§ eine allgemeine Arbeitsruhe eine ge- mltige Schädigung des deutschen Volkes in weltwirtschaftlicher Hinsicht bedeuten würde unb daß die wirtschaftliche Lage des deutschen Reiches tatsächlich keine weitere irgendwie eermeidbare Einbuße ertragen könne. Trotzdem stellte die Arbeiterschaft die Arbeit gewissermaßen demonstrativ ein und be- Imdete damit, daß man die Gründe, die p dem Nein der Parlamente geführt haben, nicht als stichhaltig betrachtet. Wenn die Arbeiterschaft in verschiedenen Orten, so «ch in manchem Hanauer Betriebe beschlossen sei, die versäumte Arbeitszeit in den nächsten T-gen nachzuholen, wird mancher geneigt sein, die durch die Feier des 1. Mai verur- !«chte Schädigung nicht allzu hoch zu ver- enschlagen. Das ist aber—abgesehen davon, daß dieser Beschluß alle» andere als konse- Went genannt werden kann, wenn auf der einen Seite gefeiert wird als Protest dagegen, daß sich das Bürgertum zusammenschließt, litt den Kampf für den Kapitalismus auf der ganzen Linie aufzunehmen, und man auf der anderen Seite beschließt, die versäumte Arbeitszeit nachzuholen, nur um den mpsindlichen Lohnausfall zu vermeiden — Ein geradezu verhängnisvoller Trugschluß. Fest steht, daß die Mindererzeugung ein- ietreten ist, daß zahlreiche Aufträge nicht »ledigt werden konnten, daß Post und Eisenbahn Mindereinnahmen zu verzeichnen haben, ilnd diese Mindererzeugung ist in einem Augenblick eingetreten, wo jede Minute Arbeit wertvoll ist, denn sie bedeutet Nahrung wb bedeutet Kleidung. Den Ausfall an deidem tragen alle; es fühlen ihn am weiften die, die schon ohnedies Mangel !’tten. Aber nicht genug mit dieser unmit- dalbaren Folgen. Jede Arbeitsunterbrechung liebet heute dem Wirtschaftskörper, dem ®inft so blühenden Wirtschaftsleben unseres Kalkes, das heute als ein wüster Trümmerhaufen vor uns liegt, auch in anderer Hin- W. Just am 1. Mai, an dem die deutsche Arbeiterschaft unter der Devise: „Nun erst W!“ die Arbeit ruhen ließ und das Wort »Kampf» hinausschrie, obwohl das Volk aus taufenden von Wunden blutet, begann
der benachbarten Großstadt Frankfurt der ^ternationaleWirtschaftskon- ^eß, auf dem der erste Versuch zur An- "uhnung wirtschaftsfriedlicher Beziehungen Äschen Deutschland und dem Auslande un= Kommen werden soll. Zahlreiche Vertreter p Auslandes, die zu diesem Kongreß er Mnen waren, mußten sehen, daß der deutsche .^beitswille trotz eines gegenteiligen Be- Wfes der Parlamente zum Erlahmen gesucht wurde. Glaubt die deutsche Arbeiter- daß diese Handlungsweise in einem ^genblick, wo das gesamte Ausland mit gespanntester Schärfe jeden einzelnen 93or= unseres Wirtschaftslebens beobachtet, uns zum Vorteil gereicht? Oder glaubt "u mit einem Aufruf „An die Arbeiter Welt!" eine Besserung unserer Verhält- pc herbeizuführen.? Wo waren die „Ar- her Welt", als dieselbe Welt Deutsch- p würgend zu Boden rang? Wo waren / „Arbeiter der Welt", als man dem Ischen Volk »vor Jahresfrist das Sklaven
joch des Schandfriedens auferlegte? Wo waren die „Arbeiter der Welt", als ein bis aufs^ Blut gepeinigtes Volk dieses Joch wenigstens einigermaßen erleichtert sehen wollte? Wo waren die „Arbeiter der Welt" am vorgestrigen 1. Mai? Es. wurden zwar auch hier und da Feiern abgeholten, aber weder in Frankreich; noch in England, noch in Amerika war von einem allgemeinen Feiertag die Rede; auch hatte sich dort kein Parlament mit dieser Frage zu befassen gehabt, nur das deutsche Volk, das die wenigste Veranlassung dazu hatte, machte sich einen Feiertag. . . . Auf dem Internationalen Wirtschaftskongretz wurde am 1. Mai u. a. von dem schweizerischen Vertreter, Professor Schmidt (St. Gallen), der treffende Satz ausgesprochen: „Es ist hohe Zeit, daß der Geist des Krieges, der Glaube an die Gewalt, aus den Köpfen verschwindet, nur der Arbeit ruht eine schöpferische Kraft inne. Wenn die Kultur Europas noch gerettet werden soll, dann gibt es nur eines: Alles, was arbeiten kann, einspannen zum
rh.
gemeinsamen Seil.“
Ueber den Kongreß liegt uns folgender Bericht vor:
Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung auS dem Reich und dem Ausland wurde am Samstag früh in Frankfurt a. M. in der Nula der Universität der Internationale Wirtschaftskongreß durch Oberbürgermeister Voi'gt eröffnet, der in seiner Begrüßungsansprache darauf hinwieS, daß die Messen berufen sein sollen, die gerissenen Fäden zwischen den Ländern der Welt wieder herzustellen. Uiiterstaat?- s e kr e t ä r Dr/ Paul H r r ich erörterte die Schwierigkeiten/' die sim seit dem Kriexsende in wirtschaftlicher Beziehung im Reich geltend gemacht hatten, und legte nach ailtführkicher Erörterung der Ursachen bet Niedergänge» dar, daß nur eine gemeinsame Aktion der Weltstaaten den europäischen Zusammenbruch verhüten könne. — Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand der Vortrag von Unter st aatrsekretär Dr. August Müller über die
internationale Regelnng der Rohstoffversorgung.
Der Redner sagte, daß eS in biefer Frage für Europa nur eine Alternative gäbe rWiederherstellung der alten Avparates der verkehrStecknisch glänzenden Rohstoffversorgung, wie sie vor dem Kriege beflanb, ober Verringerung der Bevölkerungszahl Eirro- pas. Die Rohstoffversorgung müsse international geregelt werden- und zwar müßten für die europäische LebenSmittel- und Rohstoffversorgung in, erster Linie die geographisch weit liegenden Ucberichußländer heran* gezogen werden. Das größte Bedenken errege der Rückgang der europäischen Landwirtschaft. Der entscheidende Rohstoff sei und bleibe für Europa die Kohle. Die Menge her vorhandenen Rohstoffe genüge nicht zur zufriedenstellenden Deckung der Weltbedürf- nisses. Ein großer PessimisninS fei aber auch nicht berechtigt. Die Preisentivicklung allein fei kein ausreichender Regulator für die Rohstoffversorgung. Wenn der Völkerbund wirklich existiere, hätte die Verteilung der Rohstoffe durch diesen erfolgen können. Die organisatorische Regelung der Rohstoffragen durch ein internationales Syndikat beim Völkerbund fei zu erwägen. Die Zahlungsfrage lasse drei Wege offen : eine internationale Anleihe, die die Rohstoff- und Valutafrage zugleich regele, ein Kredit, den Banken. Industrie uno Kommunen zusammen auf-, brächten und eine Veredelung der Sto 6 ft o f f» Versorgung im Wege des Treuhandels und der Bekämpfung des Rodstofftrustes durch öffentlich-rechtliche Regelung der Rohstoffverteilung ohne Ausschluß der privaten Initiative.
Es folgte nunmehr ein Vortrag des Redakteurs F e-i l e r über die V a l u t a f r a g e. Das Valuta- problem sei ein Wirtschafts- und kein Währungs- problem, ein Welt- und kein Lokalproblem. Nach einer eindrucksvollen Schilderung des wirtschaftlichen Elends Deutschlands zeigte. Redner Wege zur Abhilfe. Das Ausland müsse in erster Linie die Ungeheuerlichkeit des Versailler Vertrages zugestehen und die Konsequenzen daraus ziehen. Hinsichtlich fremder Finanzhilfe käme für Deutschland in Betracht, daß die Vereinigten Staaten den Erlös aus der Liquidation des deutschen Eigentums in Form von Krediten zur Verfügung stellten und die deutschen Noten im Ausland in Industrie- schuldverschreibungen umwanbelten, oder daß der deutsche Grundkredit für die Allgemeinheit verwandt werben würde.
Die Nachmittagsverhandlungen brachten zunächst einen Vortrag von dem Vertreter der niederländischen Handelskammer, Dr. van Saher, über die Aufgabe der neutralen Länder bei der Wiederanknüpfung des Handelsverkehrs. Er führte aus, daß auch in Zukunft der Rhein seine Bedeutung für Holland behalte. Die Wiederaufnahme des Handelsverkehrs sei für die zentraleuropäischen Länder wegen des schlechten Standes der Valuta fast unmöglich. In der Frage von Krediten habe Holland mit seinem 200 Millionen-Kredit die Initiative ergriffen aus seinen eigenen wirtschaftlichen Bedürfnissen heraus. Der Redner führte Klage
über häufig vorkommende Vertragsbrüchigkeit der deutschen Kaufleute. Professor Dr. Schmidt, St. Gallen, sprach über die Stellung der Schweiz im internationalen Handelsverkehr. Die wirtschaftliche Lage der Schweiz sähe glänzender aus, als fie in Wirklichkeit sei. Die Schweiz sei an Amerika stark verschuldet. Am Schluß der Verhandlungen sprach der Direktor des bulgarischen Lloyds, Max Rosenbauck, Sofia, über die Aussichten des bulgarischen Wirtschaftslebens. Infolge der starken Nachfrage während des Krieges stieg der Tabakbau in Bulgarien. In diesem Jahre dürfte dort für 1 p Milliarden Mark Tabak geerntet werden. Zur Zeit liegen 25 000 Kilo Tabak zur Ausfuhr bereit, und die diesjährige Getreideernte dürfte einen Exvort-Ltberschuß von 1 Mill. Tonnen ergeben. Der Waffenstillstand bedeutete die vollständige Absperrung von Deutschland und Ssterreich- Ungarn für Bulgarien, aber ohne Blockade. Amerika lieferte vor allem Lebensmittel und landwirtschaftliche Maschinen, Italien Textilwaren, aber der Bedarf Bulgariens ist noch lange nicht gedeckt. Redner hofft auf eine Revision des Bulgarien aufgezwungenen Friedensvertrages.
Die Maifeier.
Berlin, 2. Mai. Die Maifeier ist hier ohne jeden Zwischenfall verlaufen. Alle Betriebe, in denen Arbeiter und-Angestellte beschäftigt sind, standen still. Auch auf der Straßenbahn, der Hoch- und Ringbahn ruhte der Verkehr vollständig. Die beiden sozialistischen und die kommunistische Partei hatten weit über 100 Versammlungen einberufen, die sehr stark besucht waren.
Berlin, 2. Mai. Die Maifeiern sind im übrigen Reiche ohne besondere Zwischenfälle verlaufen.
Der 1. Mal im Ausland.
WB. Amsterdam, 1. Mai. Der 1. Mai wurde in Holland in der üblichen Weise durch Versammlungen und Umzüge gefeiert, ohne daß es zu irgendwelchen Zwischenfällen gekommen ist In den Umzügen in Amsterdam wurden Schilder getragen, auf denen für den 5. Mai zu einem Proteststreik gegen da? vom Ministerium eingebrachte MW gegen revolutionäre Bestrebungen anfgefordert wird.
WB. Wien, 1. Mai. Die Maifeier ist in ganz Oesterreich ohne Störungen verlaufen. ES fanden festliche Veranstaltungen und Umzüge statt. Die Behörden, Theater und Geschäfte blieben geschlossen.
WB. London, 1. Mai. Anläßlich des Maifeiertages waren Tausende von Fabriken und Werkstätten geschlossen. Die Bautätigkeit ruhte. In London und den Hauptorten der Provinz wurden Kundgebungen veranstaltet. In einer Massenversammlung im Hyde- park wurden Reden in englischer, jiddischer, russischer, polnischer und französischer Sprache gehalten. In einem Beschlußantrag wurden soziale Reformen und Friede mit Rußland verlangt.
Wß. Paris, 1. Mai. (HavaS). Das Pariser Straßenbild hatte bereits in früher Morgenstunde ein feiertägliches Gepräge. Alle Läden und.CaisS, bis auf einzelne kleinere Betriebe, baben geschlossen. Straßenbahn und Omnibusse versehen teilweise den Dienst. Die Wasser- und ElektrizitätSwerke arbeiten regelmäßig. Der Eisenbahnerstreik ist nur ein teil* weiser. Auf dem Nordbahnhof ist der Betrieb regelmäßig. Auch auf der Ostbahn kam der Exv.eßzug regelmäßig an. Nur den Werkstätten von Billette, Noisy und Le See sind die Heizer auf dem Posten. Der Dienst wird während der ganzen TageSdauer regelmäßig aufrecht erhalten. Auf der OrleanSbabn sind einzelne Züge eingestellt. Der Vorortverkehr geht ordnungsmäßig von stakten. Auf dem Bahnhof St. Lazare^schcint der Streik größeren Umfang angenommen zu haben, .dagegen nimmt der Dienst auf dem Bahnhof Montvarnasse.seinen regelmäßigen Verlauf.
Da? Eisenbahnpersonal erschien um 10 Uhr abends auf dem Nord- und Ostbahlihof und nahm die Arbeit wieder auf. Auch die Beamten des Nachtdienstes erschienen zur Arbeit. Der Zugverkehr ist regelmäßig, doch ist die Zahl der Reisenden nicht groß. Die Post-, Telephon- und Telegraphenarbeiter haben ebenfalls ihren Dien st wieder ausgenommen, so daß der Abgang der Post nach der Provinz wieder regelmäßig von statten geht. Die Postzüge verkehren wie gewöhnlich. Die Eisenbahner, die um 10 Uhr den Dienst ausgenommen hatten, sind im Dienst geblieben, so daß die Züge auch nach 12 Uhr regelmäßig verkehren konnten.
Mrllerand über den E!senbahner- strerk. *
WB. Paris, 2. Mai. Millerand äußerte sich einem Vertreter der Agentur Havas gegenüber, das siegreiche Frankreich müsse arbeiten. um zu erzeugen. Dieienigen. die von Verstaatlichung reden, sind unfähig eine klare und und praktische Formel aufzustellen. Die Regierung werde getreu ihren Versprechungen bei der Wiederaufnahme der Kammersitzungen einen Gesetzentwurf einbringen betreffend die Reorganisation der Eisenbahnnetze. Die öffentliche Meinung steht völlig feindlich der Agitation gegenüber, wie sie durch den Aufruf zum Streik geschaffen wurde und nur den einzigen Zweck verfolge, eine revo-
lutionäre gierung und den
Bewegung vorzubsreiten. Die Re- vertraut auf den Patriotismus guten Willen der Arbeiter, um
verbrecherische Anschläge «u vermcidenr Sie wird ihre Pflicht erfüllen, die Ordnung aufrechterhalten und den Schutz der Arbeiter sichern.
Der Arbeitsminister Le Trocauer erklärte gestern einem Mitglied des „Jntransingeairt", daß der Eisenbahnerstreik ein vollständiges Fiasko bedeute. Die Mitteilungen, die er gestern bekomme« habe, zeigten die Schwäche der ganzen Bewegung.
L?oyb George über San Remo.
Wie wir bereits berichteten, gab Lloyd George im Unterhaus eine Erklärung über die Verbandlungen von San Remo ab. Außer den bereits veröffentlichten Ausführungen sagte Llood George noch:
Wie kann Deutschland eine Entschädigung zahlen, wenn es hungert? Das ist wahr, aber Deutschland wird nicht immer hungern,. . . Was wir wissen wollen, ist, welchen Schritt Deutschland tut, um seine Verbindlichkeiten zu schätzen und klarzulegen und welche Vorschläge es für die Liquidierung seiner Verbindlichkeiten machen wird. Wir wissen sehr wohl, daß es in seinem gegenwärtigen Zustand nicht zahlen kann. Aber was wir zu sehen wünschen, ist, daß Deutschland wirklich seine Verbindlichkeit anerkennt und über die besten Akethoden zu ihrer Einlösung nachdenkt.... Ich wünsche es im besonderen klar zu machen, daß wir am 25. Mai in Sva nicht akademische Fragen zu erörtern wünschen. Deutschland muß dorthin mit etwas Endgültigem kommen. Die deutschen Delegierten, die nach Sva kommen, müssen endgültige Vorschläge mit sich bringen in Bezug auf die Summe, die gezahlt werden kann, auf die Methode, unter der sie vorschlagen zu zahlen, auf den Jahresbetrag, den sie vorschlagen zu geben, wber in der Tat in Bezug auf irgendwelchen andern Vorschlag, den sie für die Einlösung ihrer Verbindlichkeit vorzubringen haben. Eine sehr anständige. unparteiische und gerechte Erwägung aller Vorschläge, die sie vorbringen mögen, ist ihnen sicher, aber sie müssen dorthin als Leute kommen, die ihre Sache ernst aunaü&n auf. her. (^unblase der Annahme des Friedensvertrages.
Preffsftrminen.
Notterdanr, 1. Mai. (Wolff). Laut „Nieuwe Rotterdamsche Courant" beurteilt die „Times" die Rede Lloyd Georges ziemlich skeptisch. Die Debatte habe wenig über die Ereignisse von San Remo gebracht. Insofern das Bündnis mit Frankreich fester geworden sei, könne man sich freuen. Aber Zweifel blieben bestehen, bevor nicht der Inhalt der englischen Noten an Frankreich bekannt sei. Der Plan für die Konferenz in Sva findet nicht die Zustimmung der „Times". Das Blatt erinnert daran, daß der Premierminister im Juli sagte, wenn die Deutschen bei den Besprechungen der Alliierten zugelasten würden, sei ein Feld für Intriguen. Hetzerei und Zwiespalt geschaffen. Das Blatt sagt, die wirklichen Ergebniffe von San Remo würden sich erst zeigen, wenn die Beschlüsse, die dort gefaßt worden seien, in die Tat umgesetzt würden. Auch die „Morning Post" will erst abwarten. welches die Wirkung von San Remo sein wird. „Daily Chronicle" ist sehr zufrieden und spricht von einem Triumph Lloyd Georges in San Remo. „Manchester Guardian" schreibt, daß die Konferenz mehr Grund habe mit ihrer Arbeit zufrieden zu sein, als es bei solchen Gelegenheiten gewöhnlich der Fall ist.
Wie aus London gemeldet wird, schreibt General Maurice in der „Daily News": Die Gefahr des polnischen Angriffes ist, daß Lenin und Trotzki nun von neuem Gelegenheit bekommen, die Losung Rußland für die Rusien auszugeben. Wenn dies geschieht, besteht die ernste Gefahr, daß die Polen, wie groß auch ihr anfänglicher Erfolg fein mag, den Streitkräften, die gegen sie geworfen werden, keinen Widerstand werden bieten können.
WB. Amsterdam, 2. Mai. ASqnith sagte in feiner Rede im Unterhaus noch: Er hoffe, die Ausführungen des Premierministers über die Aktionen der deutschen Regierung im eigenen Lande würden sich als zu pessimistisch erweisen. Der Widerstand gegen den Staatsstreich in Berlin habe gezeigt, daß die Regierung in Wirklichkeit demokratisch sei und einen größeren Teil der öffentlichen Meinung und der Lolksstimmung hinter sich habe, als die Engländer glaubten. Gegenüber Lloyd SeorieB Bemerkungen über das Dokument vom Juni 1919 halte er es für eine Frage, ob man damals vernünftigerweise von Deutschland einen Vorschlag erwarten konnte. Jetzt habe sich die Lage ge- ändert und er hoffe, daß die Deutschen in Spa einen durchführbaren Vorschlag machen würden, den die Alliierten kritisieren, abändern und annehmen könnten.
Der Friedensverlrag ein Kampfobjekl
der amerikanischen Wahlen?
Ipa. Washington, 2. Mai. Wilson hat den FriedenSvertrag nochmals dnrchgcarbeitet und zu den einzelnen Artikeln besondere Reserven angegeben. Der Präsident will den Vertrag in der nächsten Woche nochmals dem Senat zusenden, um eine neue Verhandlung zu ermöglichen. — In republikanischen Blättern wird zu dieser Absicht des Präsidenten erklärt, daß Wilsost damit nur bezwecke, die FriedcnSvcrbandlung mit Deutschland auszuschieben, um den FriedenSvertrag ium Sampfobiekt der Wähle» au machew