Sanauer 1 Anzeiger
Generat-Anzeiger
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AmMches Organ für SlaSl- und Landkreis Lamm
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Nr. 99
MMwvch den 28. April
1920
Das Neneste.
Rational« wiePreußenversammlnna haben in ihre» gestrigen Sitzungen die Anträge auf Ststsetzung deS 1. Mai als staatlichen und gesetzlichen Feiertag abgelehnt.
Die Konferenz in San Remo ist beendet, die Teil- «thm» sind abgereist.
Frankreich beabsichtigt, einen neuen Schritt zu «nter- echmen, um die Kohlnüieferungea Deutschland» an Frankreich zu sichern.
Aeichrverkehrrminister Dr. Dell hat sein Abschiedsgesuch eingereicht.
Unterstaatssekretär Graf wurde zum Bürgermeister o»n Frankfurt gewählt.
Unser FinanzelenS.
»Es gehört ein reiche Maß von Optimismus md ein gewaltiger Mut dazu, an die Möglichkeit einer Sanierung des deutschen Wirtschaftslebens md der deutschen Finanzen zu glauben/ Mt die- sm Worten begann der ReichsfinanMinister Dr. Wirth seine Einfiihrungsrode als Finanzmi- nister in der Montagssitzung der Nationalversammlung. Wahrhaftig nicht zu viel gesagt, wenn mm das Elendsbild unserer Finanzen, das der NnanMinrster dann aufrollte, nah« betrachtet. Es gehört auch ein gewaltiges Maß von Optimismus dazu, an die Möglichkeit der Sanierung unseres Elends durch das neue Steuersystem, M die enge Verbindung mit den wirtschast- iiHey Vorgängen fehlt, zu glauben. Mut, Lebens- mut erfordert die Erklärung, daß wir in Zukunft ein Viertel, wenn nicht fast ein Drittel des gesamte« Einkommens in Steuern abliefern werden müssen. Trotzdem ist, wie der Finanzminister am Muß seiner Rede erklärte, kein Anlaß zum Ver- Mifeln gegeben. Immerhin sollte sich die Oeffentlichkeit über den Ernst unserer Finanzlage klar werden; es ist, wie auch Dr. Wirth betonte, nichts in Deutschland geringer verbreitet, als die Kenntnis der Lage unserer Finanzen. Weite Kreise unseres Volkes leben in den Arglosen Tag hinein und gedenken nicht der schweren Sukunft, denken nicht daran, wie die Schulden- umme des Deutschen Reiches, die fast 200 Mil- narben beträgt, getilgt werden soll. Die neue Steuerreform ist die einschneidenste Reform in der Fmanzgeschicht« der ganzen Welt, sie stellt MeO in den Schatten, was jemals an Finanz- reformen geschaffen wurde. Sparsamkeit, Selbst- »eschrankung auf das wahrhaft Notwendige von °ben bis unten, erfordert die Zukunft. Selbstbe- Mänkung ist heute mehr als eine schöne Tugend, man üben oder lassen kann; sie ist heute die M Bürgerpflicht, eine eiserne Notwendigkeit. .Eme Lebenshaltung wie vor dem Kriege wird der größte Teil des Volkes auf Jahre hinaus W mehr führen können." Wir möchten diesem
des Finanzministers noch hinzufügen, daß großer Teil des Volkes auch die heutige Le- Mshaltung nicht mehr fortführen wird können, laMt mehr fortführen darf. Es ist wohl niemals so verschwenderisch gelebt worden als § dieser Zeit. Aber nicht nur im Volke, auch im Mate. Es sind zahllose Posten und Pöstchen ge- Mffen und besetzt worden aus parteipolitischen «runden. Auf Stellen, die vordem ein Mann füllte und meist gut ausfüllte, stehen heute oft Mi oder drei, die häufig genug neben- und weinanber regieren. Es wird sich deshalb Mer dem Gesichtswinkel äußerster Sparsamkeit genaue Prüfung unserer ganzen Verwaltung ”n oben bis unten notwendig machen und zwar bald, damit das Volk sieht, daß der Staat der Sparsamkeit mit gutem Beispiel vorangeht. Sparsamkeit, Beschränkung auf das Notwendigste y >ur uns alle, der Staat eingeschlossen, die Hier bietet sich für jene Leute und Kreise, ?e ich zu den führenden rechnen, Gelegenheit, Em Volke die strenge Tugend der Sparsamkeit "^ulebcn. In einer Zeit, in der die große Masse J Mittelstandes unaufhaltsam in das „zweite ^oletariat" hinabsinkt, in der die Aermsten der , ^den kaum Mittel finden, die Blöße decken und "Hunger stillen zu können, in dieser Zeit Wt zur Schau getragener Ueberfluß wie ein M in das Gesicht des Volkes. Sparsamkeit , allen Dingen. Die ungeheure Täuschung, der agpche Volksbetrug mit den Massen Papier- ° ldes, das die Dcucknmschinen unausgesetzt aus- ^,muß aufhören. Die Regierung wie die Mächtigen Führer des Volkes sollten endlich dem Liberi ein Ende machen, daß man unserem ^> das nach Nahrung und Kleidung schreit, l ^’-em weinenden Kinde statt des Begehrten
hat immer weitere Kreise, immer größere Teile des Volkes in feinen wahnsinnigen Wirbel gezogen. Hunderttausend e der kleinen Sparer, die in jener Zeit, wo das Zusammensparen von Groschen noch kein Verbrechen war, Groschen auf Groschen zmüölegten, um mit diesen sauer gesparten Notpfennigen ihren Lebensabend bescheiden zu verleben gedachten, sind heute durch die ungeheure Geldentwertung infolge der Zettel- wirtschaft in die bitterste Not gedrückt, jetzt wo sie am Ende ihrer Strafte und ihres Lebens ange- langt sind. Wer hilft diesen Armen? Wir müssen der Wahrheit endlich ins Gesicht sehen und dir Wahrheit ist, daß die Fülle des Papiergeldes gar keinen Einfluß auf die Vermehrung der Waren im Lande hat, daß man heute mit hohem Lohne weniger kaufen kann, als früher mit einem geringeren, obwohl wir heute im Frieden leben und alle Grenzen für Nahrung und Notdurft unseres Volkes weit offen stehen. Wir müssen endlich damit aufhören, Forderungen auf Forderungen zu stellen, denn alle Bewilligungen haben keinen Zweck, solange keine Deckung für diese Bewilligungen vorhanden ist. Und das war bisher immer der Fall, weshalb unser Geld immer mehr und mehr entwertet wurde. In dem Maße, in dem sich das Papiergeld häuft, wird es entwertet, in demselben Maße werden die Preise der Lebensrnittel automatisch in die Höhe getrieben. Damit müssen wir aufhören — es bleibt uns nur die Erhöhung der Produktion durch Steigerung der Arbeitleistung übrig. „Wenn wir nicht so viel produzieren, als wir verbrauchen und wenn wir nicht den Luxus auf ein Minimum reduzieren, dann wird eine Besserung der Lebensbe- di-ngungen des deutschen Volkes in unendlich weite Ferne gerückt/^.Btzir-MyM.. des .MUM.. Ministers sind treffend, sie enthalten die Forde- rungr „Arbeiten mit zusammengebissenen Zähnen! Sparsamkeit! Selbstbeschränkung!" Diese Forderung steht vor uns unerbittlich wie der,Tod!
Vor einigen Tagen legte auch Chamberlain im Unterlaufe das Buch Englands für Soll und Haben auf den Tisch. Dies sah freilich anders aus als das unfrige und dennoch meinte Chamberlain, daß es einer energischen Kraftanspannung bedürfe, um den Kredit Englands zu verbessern. „Energische Kraftanfpan- nung!' Das Wort ist typisch für den angel- sächsischen Volkscharakter. Durch eine ungeheure Anspannung seiner Kräfte hat England, das mehrmals nahe vor dem Zusammenbruch stand, den Krieg gewonnen und es wird mit dieser Kraftanstrengung auch jetzt „den Krieg nach dem Kriege" gewinnen. Eifern wir diesem Grundsatz nach. Nur „die intensive Arbeit aller", aber auch aller, „kann die Grundlage unseres Auf- stieges sein". Alles vermeiden, allem und jebenv energisch entgegentreten, der unser Volk von der Arbeit abhalten will, der sich zwischen uns und unser täglich Brot drängt. Und im übrigen Schluß mit dem Volksbetrug der Papiergeldmacherei! rh.
Der MaZNMÜ MeM ZeseU.
WB. Paris, 28. April. „Daily Mail" meldet aus San Remo, die Konferenz habe entschieden, die französischen Truppen, die Frankfurt besetzt halten, wurden nicht nur bleiben bis die deutschen Dtrriti'rLfte das Ruhrgebiet geräumt hätten, sondern bis Deutschland die EntwaffnungSbestimmungen auSgeführt und 12000 Geschütze abgeliefert habe, die es entgegen dem Friedensvertrag noch besitze. (Mit Frankfurt bürste der gesamte Maingau gemeint sein. D. Red.)
Ein ErfsLg MrlLsrsndS.
WB. Paris, 27. April. Die gemeinsame Erklärung der Allierten an Deutschland wird in der Pariser Presse als ein persönlicher Erfolg des Ministerpräsidenten Millerand hingestellt. Nach dem „Matm" bedeutet die Erklärung die vollkommene Billigung der französischen These und den Beginn einer neuen Weltpolitik. Aber diese neue Politik könne nur insofern praktisch werden, bis Frankreich durch sie Genugtuung erlange. Der Sonderberichterstatter des Blattes glaubt auch feststellen zu können, daß zwischen der Sprache, die Lloyd George am Freitag vor den amerikanischen Journalisten und der, die er gestern geführt habe, ein sensationeller Kontrast b»steht. Das „Echo de Paris" sagt, Marschall Foch und Marschall Wilson hätten schon alle notwendigen Pläne aufgestellt für eine eventuelle Besetzung des Ruhrgebiets. Diese sei für den Fall vorgesehen, daß die in der Erklärung ausgesprochene Drohung notwendig werde. Nach diesem Blatt bedeutet die Erklärung einen großen Sieg MMrandsmrd der stanzöstschen PoNtit.. Von
gewisser Seite habe man gesagt, der Vertrag müsse in dem Maße gemildert werden, daß Deutschland ihn annehmen könne. Gegen diese unheilvolle Tendenz habe der französische Ministerpräsident mutig reagiert.
Im „Journal" sagt Samt Brice ebenfalls, Millerand habe durch die einmütige Bestätigung seiner Bemühungen einen unantastbaren Erfolg erzielt. Um dessen Bedeutung zu verstehen, müsse man sich daran erinnern, welches die Dispositionen Lloyd Georges und Mttis gewesen seien, als sie in San Remo angekommen seien; man müsse auch ferner die begründeten Hoffnungen der Deutschen auf eine Verrmeinigung der Alliierten in Betracht ziehen. Man werde in Berlin merken, daß die unkluger Weise aus- gebeutete Geduld Grenzen habe. Das werde eine große Enttäuschung sein. Werde die Benachrichttgung genügen?
Der Sonderberichterstatter des „Joumal" in San Remo (stellt fest, daß es Ritti war, auf dessen Veranlassung in der Erklärung gesagt wird, daß die Alliierten nicht die Absicht hätten, Deutschland eine allzu engherzige Interpretation des Friedensvertrages aufzuzwingen.
Der AuhsKMrnLster übe? Sie Erklärung der AMerten.
WB. Berlin, 28. April. Der Reichsminister des Aeußern Dr. K ö st e r äußerte sich einem Vertreter der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" gegenüber über die von Havas verbreitete Erklärung der Alliierten aus San Remo und begrüßte die in Aussicht genommenen mündlichen Besprechungen in Spaa. Deutschland wolle seinen freien ehrlichen Willen bekunden, den Frie. densverlrag bis zur Grenze seiner Leistungsfähigkeit zu erfüllen. Von Deutschlands begründeten Klagen über Vertragsverletzungen der Gegenseite jetzt zu reden, halte er nicht für richtig, müsse aber auch die in der Erklärung nicht erivähnte Besetznng von Frankfurt a. M. nnd des Maingaues erwähnen. Da in der neutralen Zone deutsche Truppen jetzt nur in der durch das Abkommen vom 8. August 1919 zugestandenen Köpfst arte ständen und die Verlängerung des Abkommens mit Aussicht auf Erfolg nachgesucht sei, habe die deutsche Friedensdelegatiou bei der Botschafterkonferenz angefragt, wann die nach heute scher Ansicht widerrechtliche Besetzung des Maingaues aufgehoben würde. Gleichviel wie die Besprechungen endete», würde Deutschland unter der Last des Friedensvertrages auf Jahre hinaus nur ein Existenzminimum haben. Die deutsche Regierung habe die Aufgabe, der Gegenseite ihre Aufklärungen und Vorschläge in aller Offenheit zu machen.
Der türkische MeZSK.
In der türkischen Frage hat der ^Oberste Rat in San Remo die griechischen Ansprüche auf Ost- Thrazien und Smyrna anerkannt, während in einer späteren Konferenz zwischen Italien und Griechenland die Streitfragen über Nord-Epirus und der Dobehaneus geregelt werden , sollen. Die Mandatsfrage über die strittigen Gebiete der ehemaligen Türkei ist auch von der Konferenz nicht zur Erlediguug gebracht worden, sondern mußte aufgeschoben werden, bis die Frage geregelt ist, welches Land die Mandate übernehmen will. Da nach Ueberreichung des türkischen Frie- densvectrages in Kleinasien Unruhen zu erwarten sind, so beschloß bet militärische Rat, außer den im Orient vorhandenen alliierten Truppen^ noA einige Verstärkungen zu senden und die Armee der Nattonalisten in Anatolien einschließen zu lassen. Sollten die Ereignisse es mit sich bringen, daß die 160 000 alliierten Truppen im Orient den Verhältnissen nicht gewachsen seien, dann kann nur der Oberste Rat weitere Verstärkungen beschließen. Dieser letzte Passus ist speziell auf Vorschlag Frankreichs angenommen worden, um M Verbindern, daß England, ohne den Verbündeten davon Mitteilung zu machen, eigenmächtig vorgehen kann. In Kurdistan soll inzwischen durch eine gemischte Kommission die Unabhängigkeitsbewegung von der Türkei gefordert werden, damit Kurdistan unter eine eigene Regierung gestellt werden kann, deren Selbständigkeit jedoch noch abzuwarten ist. Die Annektion von CMcien und Syrien ist auf der Konferenz nicht öffentlich ausgesprochen. Es bleibt bei der Besetzung, der später weitergehende Pläne folgen sollen. Das auf Grund dieses Friedensvertrages der Türkei noch übrig bleibende Gebiet ist ttngS- um von neu gebildeten Randstaaten umgeben, so- daß ein ähnliches Bild zutage tritt, wie bei dem Frieden mit Deutschland. In verschiedenen diplomatischen Kreisen wird die Lösung als sehr gefährlich für die Zukunft bezeichnet, da zwischen allen benachbarten Staaten vom Balkan bis zum äußersten Orient wrtereinmch« hcMe Fedch*
schaff herrscht, die sich schon sehr baff» Supern werde. Kurdistan wird aller Ansicht nach eine englische Kolonie werden, da da» englische Handelsinteresse im Kaukasus wegen der riesigen Ort- selber für die Politik der englischen Regierwkg ausicklaggebend ist.
WB. Amsterdam, 27. April. „Allgemeen Handels blad" schreibt:^ Trotz des TriumphyeschrriA der ffimzösischsn Presse über die unter den Bundesgenossen hergestellte Einigkeit und loch beS scharfen Tone», in dem einige Teile der Erklärung der Regierungen der MNectea abgefaßt sind, erhält man doch den Eindruch daß in der ruhigen Atmosphäre von San Remo Mllerand zu einer nüchternen Auffassung gekommen ist. Der Beschluß, mit Deutschland direkt zu verhandeln, daß der Standpunkt des unerbittlichen Sieger», der nur vorzuschrei.be» und zu befehlen hat, verlassen wird, und daß ein Weg betreten wird, der zum Verttauen und zur Zusanimenarbeit führen kann.
WB. Amsterdam, 27. April. Nach einer Meldung des „Temps" aus San Remo erklärte Lloyd George gestern abend bei einem Empfang italienische: Journalisten, die Alliierten würden bei der de vorstehenden Zusammenkunft in Span die deutschen Vertreter als gleichberechtigt behandeln. Ein italienischer Mplomat bezeichnete die Konferenz als einen großen Sieg d er n eu en P o litrk Nittis.
Nach einer Privatmeldung der „Information" aus San Remo soll Lloyd George italienischen Journalisten erklärt haben, der deutsche Kanzler werde in Spaa als Minister mit anderen Mni- stern verhandeln, mit dem Recht vorzuschlagen und zu erörtern, was die Ausführung des Frieden»«
Sicherurrg der KshlsMeferrmgen
DeuMlemHs an Urankreich.
Ipn. Paris, 28. April. Wie verlautet, wird sofort nach Beendigung der Konferenz in San Remo seitens Frankreichs ein neuer Schritt unternommen werden, um die Kohlenlieierungen Deutschlands an Frankreich zu sichern. Wahrscheinlich wird man die Kontrolle an den Bersandstellen der Kohlen ausdehnen.
Dle KspfMrks des -eulsche« Kesres.
WB. Berlin, 27. April. Durch die ausländische Presse gehen zurzeit wieder fasche Zahlenan- gaben über die Kopfstärke deS d e u t s ch e n S eereS. AmtlicherseitS wird mitgeteilt: Am 5. Februar betrug die Gesamtstärke der Reichswehr 254234 Köpfe. Der Stand im März konnte wegen der Unruhen nicht voll- ständig ermittelt werden. Nach allen vorliegenden Meldungen ist jedoch die Zahl der ReichSwehrtruppen andauernd g e s n n k c n. Wenn aud, zunächst keine endgültigen Ziffern angegeben werden können, so kann nach dem bisher gewonnenen Ueberblick die Stärke der Reichswehr Anfang April auf nicht mehr als 200 000 geschätzt werden. Diese Zahl sollte aber erst Mitte Mai erreicht werden.
MurklrM Dr. Brlls.
WB Berlin, 28. April. Nachdem die Derreich« lichung der Eisenbahnen nunmehr svon der Nationalversammlung verabschiedet worden ist, hat Minister Dr. Bell seine Aufgabe als erledigt angesehen und den: Reichspräsidenten sein Abschiedsgesuch ein. gereicht. Gemäß der bei der Bildung deS gegenwärtigen Kabinetts getroffenen Abrede übernimmt der jetzige Reichsschatzminister Bauer dasReichSverkehrS- ministerium. Die Uebernahme erfolgt auf Wunsch aller drei die Regierung bildenden Parteien. Dabei war die Erwägung maßgebend, daß Reichsminister Bauer bereits während feiner Kanzlerschaft Veranlassung gehabt hat, sich mit den organisatorischen Auf. gaben des VerkehrSministeriumS auf das hingehendste vertraut zu machen und wiederholt die schwierige« Verhandlungen über die für unsere sehr bedeutungs- vollen Verkehrsprobleme leiten mußte. Auch wird ihm seine langjährige Erfahrung in der Bchandlimg von Be«mten-, Angestellten- und Arbeiterfragen bei bei Bewältigung der neuen Aufgabe sehr zu statten kommen. Das RcichSschatzministerium wird vor den Wahlen nicht mehr neu besetzt. Minister Bauer hat sich bereit erklärt, behufs Erledigung der die Entscheidungen eines MinisterS erfordernden Angelegenheiten daS Amt kommissarisch zu verwalten.
Kurze Meldungen.
* Der „Messagero" meldet aus Volegna: Der Zentralausschuß des Eisenbahnersyndikats beschloß, daß die Eisenbahner dieses ^zahr an her Feier des 1. Mai teilnehmen werden.
* Der Beamtenstreik in Dresden ist nach zweiwöchiger Dauer beendet. Die^ Dresdener Börse wird am 3. Mai wieder eröffnet.