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AmMches Organ für SlaLl- und Landkreis Zsr.au
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Nr. 94
Donnerstag den 22. Axrll
1920
Das Neueste.
Der Staatsvertrag über denUcbergang der Eisen - j«hnen anf das Reich wurde in der gestrigen Sitzung dn preußischen Landesversammlung in zweiter und Hüter Lesung angenommen.
Der sächsische Ministerpräsident Dr. Gradnauer ge» tast heute fein RiicktrittSgesuch zu überreichen.
Die Entente wird in den nächsten Tagen der tatldjcn Regierung eine Liste der nichterfüllten Verdichtungen überreichen.
Die Sowjetregierung richtete an Japan eine Note nid ersticht um Slufklärung über daS militärische Vor- * in Sibirien.
San Remo.
Der oberste Rat hat sich zur Erörterung des musischen Einmarsches im Maingau noch nicht schließen können, da man den Gegenstand außcr- «dentlich ernst beurteilt und nicht glaubt, ihn leichter Sand erledigen zu können. Jedenfalls steht fest, daß JÜtti die französischen Absichten nach wie vor ablebxt md gegen Anwendung irgendwelcher Gewaltmittel M Deutschland vorauSsetzungSloS Stellung nimmt, ka italienische General Dachglie äußerte sich mit Mmmtheit dahin, Italien würde nicht einen einzigen Meten gegen deutsches Gebiet entsenden. England »stritt dieselbe Ansicht. Von gut unterrichteter Seite »irb versichert, daß England und Italien eine Milderung der Versailler FriedenSbestimmungen durch- Btzen sich bemühen. Nach wie vor setzt jedoch Frank- »Ä diesen Bestrebungen schärfsten Widerstand ent- M mit der Begründung, daß eine milde AuSlegung N!> FriedenSvertrageS ohne weitere» mit dessen Won grciÄücdentcno sein würde.
Ein deutscher Berichterstatter wurde von demitaki'e- «Wen Ministerpräsidenten Nitti zu einer Unterredung mpfangen. Nitti ging in liebenswürdigster Weise Mif Fragen ein und betonte einleitend, daß da» Bc- iürfni» Europa» nach einer raschen Konsolidation der smcdenSzvstandc» mehr denn je lechze. „Wir hoffen/ I» lagt« der italienische Staatsmann, .daß eS unS in San Remo gelingen wird, die noch schwebenden inter- «eiwnalen Fragen einer endgültigen Lösung entgcgen- Mhren. Italien legt großen Wert darauf, die kindschaftlichen Beziehungen zuDeutschland zu festigen. Wir wünschen uns nichts besseres, als daß die Gesin- Dcutschlanv» Italien gegenüber ebenso herzlich wird, »vie die unserige gegenüber der jungen, hastig aufstrebenden deutschen Republik. Der Bericht- «ftatter fragte dann Nitti über Italien» Absichten IM Deutsch-Oesterreich. „Italien/ so antwortete ,r „wird Oesterreich im Rahmen des Möglichen und Wer Anwendung aller ihm zur Verfügung stehenden Wel bchilslich sein und für feinen Teil nach Kräften •litt besagen, daß Oesterreich nach den schweren "ntschaftliche» und politischen Erschütterungen der letzten Ähre bald restlos gesundet/ Auf die inneren Verhältnisse Habens eingehend, bemerkte Nitti, daß im AuSlande Verhältnisse oft im Widersprüche mit den Tat- Wn geschildert werden. Die Verhältnisse im Innern Ladens seien günstiger als die der übrigen Länder. '/Nichten Sie", so sagte Nitti, „daß wir die feste Adersicht, ja die Gewißheit haben, Mittel und Wege linden, um der gegenwärtigen Schwierigkeit durch» °sg Herr zu werden/
San Remo, 21. April.
Immer deutlicher tritt auf der Konferenz eine eng- M Tendenz in die Erscheinung, den altbewährten Zündsatz des „Teile und herrsche / zu praktischer An- “tnbitng zu bringen. Besonders in der türkischen 'W glaubt England am ersten seinen Interessen fsskcht zu werde», wenn es die Araber, Perser und ^»rken sowohl in politischer wie in wirtschaftlicher Be- Miinz streng scheidet. Frankreich und Italien setzen 1,1 englischen Bestrebungen erheblichen Widerstand fwgegm, da beide Länder gerade in Kleinasien von einen Angelpunkt ihrer Mittelmeerpolitik gesehen ™ftt» Die finanziellen Bestimmungen des Friedeus- /üagcs mit der Türkei sind vom obersten Rat cnd- Eig gebilligt worden. Die Sonderkomiuilsion zur Überwachung der türkischen Finanzen wurde mit der Mhcndcn Prüfung dcs Bagdad-Problems beanftraat.
11 ben Beratungen über die türkische Frage wird sich der griechische Ministerpräsident VcnigloS im Hin- U auf das besondere'Interesse seines Lande» am ^ckial SmyrnaS beteiligen. VenizeloS äußerte sich, / hoffe, die Konferenz werde die gerechtfertigte» An- »llche Griechenlands in ernsthafte Erwägung ziehen.
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„ ^B. Paris, 21. April. Nach einer Meldung des • »celftor" auS London, begibt sich Lloyd George M Schluß der Konferenz in San Remo nach Rom. Besuch stehe in Beziehung zu der finanziellen / wirtschaftlichen Lage Italiens. Anfang Mai solle Mondon eine englisch-italienische Konferenz statt- ^bcn, um über Licsernngcii von Kohlen und Nohmate- ^'wn an Italien zu beraten.
Die EMWaffnung Deukschlands. l. ^B. Paris, 21. April. Der KaniincranSschliß / auswärtige Angelegenheit bat gestern eine Reso- ^wu angenommen, in der er nochmals völlige E»t- Mung Deutschlands verlangt.
8, VB. Am lerdaitt, 21. April. Die „Westminster M-ltc" schreibt: Da» Problent der Entwaffnung ^uüichlmrd» werde nickt aelükt werden, wenir die
Alliierten wie bisher fortführen, die deutsche Regierung in Schwierigkeiten zu bringen und die Gegenrevolittionär e zu ermutigen. ES müsse zunächst untersucht werden, ob die Entschuldigung der deiitschen Regierung, daß sie nicht genügend Macht besitze, um mit den Militaristen fertig zu werden, auf Wahrheit beruhe. Wenn sie sich als wahr beweise, sollte der deutschen Regierung für bestimmte Zeit gestattet werden, eine genügende Streitmacht zu unterhalten, um jeden Widerstand zu überwinden. Während dieser Zeit sollten die Alliierten sorgfältig jede» Vorgeren vermeiden, welches die öffentliche Meinung in Deutschland an den Rand der Verzweiflung 'bringe. Das Problem, die große Nation zu entwaffnen, werde nur endgültig gelöst, wenn alle anderen Nationen dieselbe Medizin nähmen.
Eine neue Warnung?
Ipu. Paris, 22. April. Die Entente wird in den nächsten Tagen der deutschen
Regierung eine Liste der nichterfüllten Verpflichtungen übergeben und daran die Warnung knüpfen, daß die Sllliiertrn enischroffen seien, Deutschland von internationalen Kredite«, Rohstoffen und Lebensmitteln abzu- schneiden, wenn eS den Bedingungen deS FriedenSvertrages nicht pünktlich nachkommt.
Drei SeMche Avlen.
WB. Paris, 21. April. Die deutsche Delegation hat der Friedenskonferenz drei Noten zugehen lassen. Die erste ersucht um die Ermächtigung, den Bestand der in der Uebereinkunft vom 3. 8. 1919 für die neutrale Zone zugest an-enen Truppen babin abzuändern, daß statt einer gewissen festen Anzahl Einheiten ein gewisser Gesamtbestand zugebilligt werde. Weiter wird verlangt, daß in diesen Truppen- beftänd elf Batterien statt zlvei integriffen werden. In der zweiten Note übermittelt die deutsche Delegation der Friedenskonferenz ein Memorandum de» Kriegsministerium», das dahin geht, die Ermächtigung zu erlangen, den Bestand der ständigen deutschen Armee von 100000, wie der FriedenSvertrag Vorsicht, auf 300 000 Mann zu erhöhen. Das Meniorandum macht Angaben über die Anzahl der Infanterie- und Kavalleriedivisionen, sowie über die Zahl der schweren Batterien und Fliegergeschwader, die da» Kriegsministerium beizubehalten wünscht. Die dritte Note übermittelt dcy Text der deutschen Antwort an die interalliierte Kontrollkommission bezüglich der Auflösung der Einwohnerwehren. Hier ist eine Abschrift deS Schreiben» beigefügt, in welchem die dentschen Bundesstaaten «»'gefordert wurden, dem Begehren der Entente um Auflösung der Einwohnerwehren zu entsprechen.
LebensrnMeMeserungen aus Lrolland.
Jpn. Amsterdam, 22. April. Für die 25 Will. Gulden, welche Holland an Deutschland als Vorschuß auf die kvmmende Anleihe gewähren will, sollen Kartoffeln und Viehfutter in Höhe von 7 Millionen Gulden und für den Rest Fette, Oefe, Fleisch und Fische bezogen werden. Es wird jetzt über die Lieferung von 100 000 Tonnen holländischer Heringe verhandelt..
Der neue Meichstag LeKmmr den Termin der Präsidentenwahl.
Berlin. 21. April. Eine Berliner Korrespondenz glaubt berichten zu können, daß die Wahl deS Reichspräsidenten fast gleichzeitig mit derjenigen deS Rcichr- tages stattsinden soll. Diese Auffassung ist, wie nur von zuverlässiger Seite erfahren, durchaus irrig. Es ist anzunehmen, daß das Gesetz über die Wahlen zuni Reichstag einen Abiatz erhalten wird, der von der Wahl des Reichspräsidenten bestimmt, daß ihr Termin durch den Reichstag festgesetzt werden soll.
«Rücktritt des tächMchen
MiuistsrNkästdsntTN.
Der sächsische Ministerpräsident Dr. Gradnauer wird heute znrncktretcn, da er sich gesundheitlich geschwächt fühlt und Unzufriedenheit im Lande bemerkt.
WB. Paris, 21. April. Der Sonderbericht- erstattcr des Jntransigcaut in San R e m o berichtet, VenileloS habe, hon England und Italien unterstützt, bei der A u f t e i l il u g der Türkei einen großen Teil erhalten. Griechenland werde die gesamte europäische Türkei mit AuSnnhuie der Bamimeile von Konstantinopel zugesprochen.
Die tschechoftoWaki?chen Wahlen.
WB Prag, 21. April. Birber wurden in daS neue tschecho-slowakische Abgeordnetcii''auS 50 Deutsche 148 Tschechen und Slowaken gewählt. Von den deutschen Mandaten lallen 26 auf die sozialdemokratische, 8 ausdieidentscheWahlge'meinscha't, 8 auf die cbrilt« lich-soziale Partei, « Bund der Landwirte und 2 auf die deutsch-demokratische Partei. Von den tschechischen und slowakischen Piandaten entfallen 65 auf die Social
demokraten, 21 auf die agrarische, 17 auf die national» soziale, 23 auf die klerikale, 12 auf die national- demokratische, 1 auf die freie sozialistische Partei, 1 auf die Gewerbepartei und 8 auf tue nationale und Bauernpartei: zusammen 148. Bisher wurden 198 Mandate besetzt, 83 sind noch zu besetzen. Van den Abgeordneten sind 89 bürgerlich-agrarisch, 109 sozialistisch.
Eine Note an Japan.
Ipu. Tokio, 21. April. Die russische Sowjet- Regierung sandte an Japan eine Note, in der um Aufklärung ersucht wird, welche Ziele Japan mit dem militärischen Vorgehen in Sibirien habe. Bis jetzt sind 70 000 Mann japanische Truppen in Wladiwostok und Sibirien und 28 000 Mann in Korea. 22 00" Mailn sollen aus Japan in den nächsten Tagen nach Sibirien transportiert werben, um südlich des Amur die Bolschewisteii zu vertreiben. Japan wird die Noten wahrscheinlich nicht beantworten, sondern dem japanischen Kommandanten in Wladiwostok die weiteren Ntaßnahmen überlasse«.
Die Entente gegen Mustaxha Kemal.
Ipu. Konstantinopel, 21. ApÄl. Aus Ana- tolien kommen Nachrichten, wonach M u st a p h a K e m a l Pascha dort die Unabhängigkeit von Anatolien erklärt habe und mit der Zusammenstellung einer Regierung beschäftigt sei. Gro^- westr und Kriegsminister will der Pascha selbst bleiben. Die Stadt Brussa ist von Truppen geräumt und alle Vorbereitungen weisen darauf hin, daß sehr bald von der Entente gegen das Heer des Paschas vorgegangen werden soll. Die Armee des französischen Generals G o u z a u d befindet sich in einer schwierigen Lage, da sie von den tückischen Truppen sehr leicht angegriffen rtrerden ian^-M^ -^ MWerg^MtPP e ^ hat von dem Sultan die Bildung eines türkischen Regierungskorps gefordert, doch es ist nicht anzunehmen, daß die Regierung in Konstantinopel darauf eingehen wird, denn man begreift hier nicht, zu welchem Zwecke diese Truppen dienen sollen. Gegen die Armee Mustapha Kemal lassen sich türfische Truppen nicht verwenden. Vielfach wird vermutet, daß die Regierung die Truppen einberufen und zusammenziehen soll, worauf die Entente die Truppen entwaffnet und vielleicht internieren wird, um sich vor einer Aufstandsgefahr im Rücken zu sichern. Die Entente- kommandanten hielten vor einigen Tagen einen Kriegsrat ab, wobei sie zu der Erkenntnis gekommen sind, daß ihre Truppenmacht für ein Vorgehen gegen Mustapha Kemal nicht ausreicht. Der französische General Frachet d'espere hat sich nach dem Kriegsrat sofort nach Paris begebm, um mit der Regierung über die weiteren Maßnahmen zu deraten.
Der als militärischer und diplomatischer Föh- rer der türkischen Nationalisten in Anatolien oft genannte Mustapha Kemal ist ein Mann von etwa vierzig Jahren, wohlbekannt in Sofia, wo er Militarattachee war. als Fethi Bei 1913 den Posten des Gesandten innehatte. Auch Fethi war MilÜcrattach:r gewesen, in Paris, von wo er sich 1911 nach Tripolis begeben hatte, um die Verteidigung öes Landes gegen die Italiener zu organisieren, so, wie Enver Bei es in Beng- Hasi unternommen hatte. Während des Balkan- krieges 1912/13 waren sowohl Fethi wie Kemal Major im Generalstabe des Kommandierenden der türkischer: Dardanellenarmse Fachri Pascha, die »sich damals der Angriffe der Vierten bulgarische» Armee zu erwehren hatte. Bei Ausbruch des Weltkrieges wünschten beide von ihren diplomatischen Posten in Sofia abgelöst zu werden und eine Stelle im Feldheere zu erhalten. Nur Kemal sah 1913 diese Hoffnung erfüllt, als wieder an den ^Dardanellen, diesmal gegen Engländer und Franzosen, gefochten wurde. Er erhielt dort sehe bald das Kommando einer Division und hatte hgrvoprcaevden Anteil an den Krregstaten der Türken. Kemal ist echt anato- lischer Türke, ruhig und zurückhaltend, zuverlässig und ausdauernd. Den Hauptanhang wird er im westlichen Anatol^n haben, wo der türkische Staimn in dichten Maßen sitzt, nur an der Küste mit Griechen unrermischt. Das Ziel der Bewegung, die ihn als Führer anerkcnnt, ist, Freuirde und Feinde zu überzeugen, daß das Türkenvolk, dessen Sultan die ganze sunnitisch mohammedanische Welt als Kalifen, als Nachfolger des Propheten, aNerkenrn. sich sein Daseinsrecht auch dort nicht schn'Llexn lasten will, wo dank der Duldsamkeit der Tücken sich neben und unter ihnen andre Völker und andre Bekenntnisse erkalten haben und heute, durch fremde politische Einflüsse getrieben, sich an dein Sturmlauf gegen den Halbmond beteiligen. In fremden mohammedanischen Lagern wächst die Erkenntnis, daß Kemal die Sache des Jfiams verteidigt.
Verkehrsstreik und Angestellten- streik in Wien.
Wien, 2'.. April, ©er ?istnbahnerstretk hat bereits auf b‘c Westbahn/ übn gegriffen, wo das Personal der Stationen Pm»:en und Amstetten aus eigener Machtvollkommenheit fast den gesamten Zugverkehr unterbrochen hat. Dabei kam es zu argen Ausschreitungen gegen die Reisenden, die schivcr belästigt und sämtlicher Lebens- Mittel beraubt wurden. An tun Plünderungen nahm auch die Poeltener Volkswehr teil. Infolge des Streiks auf der West bahn konnte der heute fällige Kinderzug mit 300 Kindern nach der Schweiz nicht abgesehen werben, auch die Länderkonfercnz in Linz ist durch den Eisenbahnerstreik geftert. Die Teilnehmer mußten die Fahrt -ur Konferenz im Krastwagen antreten. Auf der Ostbahn ist die Streikst mmung ebenfalls groß, wenngleich der Verkehr augenblicklich noch aufcechterhalten wird.' Durch den Eisenbahner- streik ist die Lcbenem'tle.'zufuhr nach Wien gefährdet. und Wien wird abermals von einer Ernährungskatastrophe bedroht Die Gewerkschaften richten daher einen Flugb'a^appell an die Arbeiter. die Lebensmittelzüge drrchzulasten. Ob die Aufforderung erfolgreich sein wird, bleibt ab- zuwarten. Auf den Bahnen herrscht Anarchie. Die Geiverkschaften haben bereits die Fühlung mit der großen Mäste vollkommen verloren. Auf der Südbahn ist schon ein Kampf zwischen den ''ozialistisch und den kommunistisch organisierten Arbeitern ausgebrochen. Der Streikeinstellungsbeschluß der sozialistischen Gewerkschaften wurde von einem großen Teil der Angehörigen der Südbahn nicht befolgt. Die streikenden Südbahner haben ihre eigenen Vertrauensmänner abgesetzt. Ein wildes Streikkomitee beherrscht augenblicklich die Lage. Die sozialistische.Partcihejrung sucht stellenweise den Lokalverkehr auf der Süd- bahn mit Gewalt durchzuführen. Hier droht der Streik der Jndustriebeamten, der 60 000 Angestellte betrifft- Da nach den Forderungen des Bundes das Durchschnittsgehalt 40 000 Kronen betragen würde, hätte die Industrie an Beamten- geh ältern allein, ohne Arbeiterlöhne, 2% Milliarden Mark aufzubringen. — Auch ein Kanal- räumerftrei! sieht bevor. Als Wochenlohn verlangen die Kanalräumer 800 Kronen. Der Streik der Friseurgehilfen dauert fort. Die Gehilfen suchen durch Einschlägen der Fensterscheiben und anderen Tercorismus ihre Forderungen durch- aufefen.
Die Identifizierung von LZölz.
Wie uns zu der Mitteilung über die Identifizierung von Holz noch ergänzend mitgeteilt wird, wurde durch einen nach Eger entsandten Kriegsgerichtsrat des Wehrkreiskommandos 4 endgültig und einwandfrei feftgefteHt, daß der in Marienbad auf gegriffene Verbrecher tatsächlich der Bandit Max Hölz ist.
Eine konkrete Erwiderung der Präger Regre- rung auf das Auslieferungsbegehren der sächst- schen Regierung liegt an zuständiger Stelle noch nicht vor. Die Auffassung bet sächsischen Regierung geht aber dahin, daß die Präger Regierung. da es sich in diesem Falle um gemeine Verbrechen handelt, sich einer Auslieferung nach internationalen Grundsätzen nicht entgegenstellen wird.
Guten Morgen, Max • . •!
Plauen, 20- April. Jener Chauffeur, der Hölz wiederholt fuhr, ist mit einer Kommission, bestehend aus einem Kriegsgerichtsrat, einem Leutnant und einem Regierungsbeauftragten, von Plauen über AM nach Eger gebracht und dort Hölz im Preisgericht gegenübergestellt worden. Der Chauffeur berichtet darüber folgendes:
In dem Verhandlungszimmer befand sich ein Kommunist, den ich kannte. Es war der angebliche Weber und söll Hölz' Adjutant gewesen sein. Der Gerichtsrat sagte zu dem vermutlichen Hölz:
„Sie sind doch der Kommunistenführer Holz?*
Der Angeredete anwortete: „Ich habe Sie auch noch nicht gefragt, wer Sie sind." Darauf trat ich vor und sagte:
„Guten Morgen, Max, wie geht es bir denn? Hölz ist sehr erschrocken, gab darauf zu, daß er Hölz sei und fragte mich, wie ich dazu käme, ihn hier aufzusuchen. „Dich hat wohl die TsckiLchoslowakei zur Feststellung meiner Pecson bierhergeholt?" Ich antwortete: „Jawohl, so ist es." Hölz fragte weiter: „Wie steht es denn mit den andern? Sind viele gefangen?" Ich erwiderte: „Das weiß ich nicht." Darauf bat mich Hölz, seine Frau und seine Scknvicgermutter zu grüßen und zu bcnochrichtiaen. daß er sich in Eger befinde. Hölz trug einen blauen Cheviotanzug, sein Begleiter, den ich ebenfalls kannte ' doch weiß ich feinen Namen nicht — trug ebenfalls einen blauen Cheviotanzug. Er bat sich