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Sr. 93

GeAeral-Mzeiger

AEches Organ für Stahl» unb LanZkreis Sanau

Erschesirl täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

MMMDch den 21. AM! 1926

Vsrlaasleitung: Ad. Jndsrmühle. Derantworrlich: für volitischen und allgemeinen TeilRich.Hultich: für lokalen und vrovinziellen Teil sowie Sport W.Moritz; für Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle tn Hanau a. M.

Rotationsdruckd.Walfenhausbuchdruckerei Hanau Fernivrechanschlüffe Nr. 1237 und 1238

Das Neueste.

4>te Entente hat an die deutsche Regierung ine Erklärung gerichtet, wonach sie die Unter- sttzmg, die sie beim Wiederaufbau Deutschlands leisten, zmnckziehen würde, falls abermals revo- lchonäre Bewegungen oder Unruhen eintreten pürde«-

Nach Mitteilung Donar Laws im Unter- Hause hat Holland zugesagt, Kaiser Wilhelm den Aufenthalt innerhalb der Provinz Utrecht an- jiimism-

Außenminister Dr. K ö st e r protestierte in da gestrigen Nationalversammlung gegen die Dergewaldigung der deutschen Volksgenossen in kn Kreisen Eupen und Malmedy.

Die beginnende Gesundung der Mark.

Mt der deutschen Valuta geht es wieder tag [am aufwärts, daran ist kein Zweifel mehr möglich. Trotz Kappiade, Kommunistenherrschaft und Einmarsch der Franzosen gilt der Dollar, frei noch im März mit 100 Mark bezahlt wurde, heute nur mehr 52 Mark. Das englische Pfund ist in der gleichen Zeit von 340 auf 214 Mark, der schweizerische Frank von 16,2 auf 9,8 Mark, der holländische Gulden von 37 auf 20,2 Mark, die italienische Lire von 5,4 auf 2,1 Mark und der französische Frank von 7 auf 3,4 Mark zurück- regangen. Woraus ist dieser Umstand zu er- Kren? Unsere innerpolitische Lage würde die

Besserung der Valuta wahrlich nicht erklären, jedoch in Betracht'gezogen werden, was

Auslande ereignet bat, türme r^n stiebest , »Mt von

in der letzten Zeit im

m sogleich die Valutarevolution zu verstehen.

Da ist vor allem Amerika, wo in Newyork eigens tue Bank ins Leben gerufen werden soll, die sich die Aufgabe gestellt hat, Gelder zu beschaffen, mit freiten man das Wirtschaftsleben der Zentral- ^lächte bessern könne. Von privater amerika- 'cher Seite soll am Ende des Monates mit der leutschen Regierung ein Abkommen betreffs Aellung bedeutender Mengen von Lebensrnitteln zeschlossen werden. Gewaltiges Aufsehen hat ruch in der Schweiz das Vorgehen amerikanischer Geschäftsleute und Kapitalisten erregt, die dort große Posten von französischen Franken anboten, An sie gegen Mark umzutauschen. In der Schweiz beschäftigt man sich überhaupt recht viel mit der Besserung der deutschen Wirtschaftsverhältnisse, ta§ sich schon daraus zur Genüge erklärt, daß das kleine Land mit seiner hochwertigen Valuta Sswaltig unter der geringen Aufnahmefähigkeit Deutschlands zu leiden hat. Schon seit einigen Monaten besteht so im Lande der Eidgenossen- shast eineVerwertungsstelle für ausländische Währung", und jetzt wird ein ähnliches Unter- tthmen ins Leben gerufen, das ebenfalls dazu ^stimmt ist, deutsche Mark aufzukaufen und mit ihnen deutsche Aktien zu beschaffen. Durch solche Bindungen von Markbeträgen, die bereits jetzt chon nach Milliarden zählen, wird natürlich eine Besserung unserer Valuta Hand in Hand gehen. Ä den Niederlanden hat man ebenfalls einge- Mn, daß die deutsche Wirtschaft wieder auf die Beine gestellt werden muß, da unsere Valuta be. Es so weit herabgegangen war, daß die deut­schen Geschäftsleute nicht einmal mehr imstande ^ten, die Transportkosten holländischer Pro­dukte zu bezahlen. Man hat sich deshalb im Haag 'utschl'ossen, uns einen 25 Millionen-Gulden- ^ebif zu gewähren. Allerdings schweben jetzt ^ Verhandlungen, doch ist es zweifellos, daß ^se zu einem günstigen Abschluß führen werden. ? er deutsche Grundstücksmarkt erregt in den Nie- b-rlanden ganz: besonderes Interesse, und aus diesem heraus ist man ja auch vor noch nicht enger Zeit an die Gründung ^erholländisch- Än Hypotheken- und Grundbesitz-G. tn. b. v- gegangen.

Die deutschen Konsumenten, und nicht zuletzt Ae die Kreise, die an einer besseren Ernährung ?« produktiven Kräfte interessiert sind, werden fu>r vor allem erwarten, daß die Besserung un- !^r Valuta auch eine Senkung der Preise der ^notwendigsten Bedürfnismittel nach sich ziehe. 13 " nun leider festgestellt werden, daß die Mvartete Preisermäßigung, die bei einem wei- Steigen der Mark unzweifelhaft eintreten noch einige Zeit auf sich warten lassen wird. Man bedenke, daß sowohl Groß- als auch Klein- dnidler in nicht geringen Mengen Waren auf «»rrat liegen haben, die sie zu den jetzigen Vban- ^Nchreisen erstanden. Sie werden demnach das Nvßte Interesse daran haben, die teuer gekauften Wate wieder teuer loszuschlagen. Allerdings

Angebot und Nachfrage den Markt, Und °°enn vom Auslande wieder mehr Produkte ein­

strömen werden, so müssen die Preise sinken. Vor­läufig herrscht jedoch noch eine riesige Knappheit in allem, und trotz großer Zurückhaltung der Käufer, die sich zunächst abwartend verhalten und die weitere Entwicklung der Valutabesserung ver­folgen, ist im großen und ganzen das Bedürfnis nach den meisten Produkten ungeheuer viel grö­ßer als die tatsächlich vorhandenen Mengen von Waren Es wäre absolut verfehlt, von der Besse­rung der Mark sofort Großes und Größtes zu erwarten. Jedenfalls scheint es, daß wir den größten Tiefstand unserer Valuta hinter. uns hadern

San RZMD.

Offizielle Behandlung der deutschen Frage morgen Donnerstag.

WB. Paris, 21. April. Nach Blättermeldungen aus S a n R e m o nimmt man an, daß heute dir Beratungen über die Türkei beendet werden können, sodaß morgen Donnerstag die deutsche Frage offiziell behandelt werden kann-

Der Sonderberichterstatter desEcho de Paris" erklärt, Sonntag abend hätten Lloyd George und Nitti dem Ministerpräsidenten Mille- rand erklärt, eine Politik der völligen Versöhnung mit Deutschland sei notwendig. Die beiden Mi­nisterpräsidenten hätten erklärt, es handle sich nicht darum, den Friedensvertrag zu revidieren, sondern nur darum, ein für allemal die Höhe der deutschen Schuld fest;tHetzen. Der Betrag müsse so Bemessen sein, daß Deutschland diesen in einer gewissen Zahl von Jahren begleichen könne. Wenn Deutschland nicht mehr ent­mutigt sei, dann würde es seine Hal­tung ändern. Milletand erklärte nach Mel­dung des Sonderberichterstatters, Frankreich

trennen und sich nicht zu einer Handlung

geben, die von Kon-cssion zu Konzession führe. Millerand habe außerdem erklärt, daß das den Alliierten gegebene Versprechen, keine eigene Initiative mehr zu ergreifen, untergeordnet sei von dem Abschluß eines allgemeinen Abkourmens, das die-Ausführung des Versailler Vertrages zum Gegenstand habe.

WB. Amsterdam, 20. April. DieTimes" meldet aus San Remo: Die ersten Besprechungen

der Mnisterpräsidenten am Sonntag abend, die sich auf den Versailler Vertrag bezogen, ergaben hrei verschiedene Auffassungen. Die Franzosen

wollen den Vertrag voll und ganz anwenden, die Italiener sind für eine weitgehende Abänderung

und Lloyd George willchie Ausführung des Ver­trages jeweils der gegebenen Lage anpassen. Laut Times" handeln Lloyd George und Nitti in vollkom'.nener Uebereinstimmung.

WB. Paris, 20. April. Der Sonderbericht­erstatter desFntcastsigeant" meldet aus San Remo, die Drei, hätten sich dahin entschieden, den Friedensvertrag nur insoweit abzuandern, daß sie -die sofort von Deutschland als Entschädigung zu zahlende Summe festsetzen. Die Arbeit sei schwierig. Die Frage werde Mittwoch vor den Obersten Rat gebracht werden Zahlreiche Sach­verständige seien telegraphisch berufen worden. Diese Nachricht wurde von keiner anderen französischen Zeitung gebracht. An anderer Stelle meldet der gleiche Berichterstatter, ein Einver­ständnis über die- Entwaffnung Deutschlands sei nicht erzielt worden. Nitti scheine sich mit Lon­don verbündet zu haben und die Belgier.fürch­teten, sich die Engländer ganz auf den Hals zu hetzen- Das könne eine Schlappe der von Mille­rand gegenüber Deutschland eingeleifeien ener­gischen Politik befürchten lassen.

WB. Paris, 20. April. Wie der Sonderbe­richterstatter desMatin" meldet, steht die demsche Frage auf der Konferenz in San Remo im Vordergrund. Lloyd George und Nitti hätten nach dieser Richtung Ansichten, die sich sehr nahe konnsten. Eine von diesen sei, daß der Geist der Vei-söhnung wieder in der Welt Geltnng haben müsse, was Frankreich akzeptieren könne. Ihr Mittel bestehe aber darin, Deutschland Ecleichte- rungen in Bezug auf die ihm durch den Frie­densvertrag auserlegten Verpslichtun-gm zu ver­schaffen. Das könne Frankreich nicht annehmen, ba ja jede Erleichterung auf seine Kosten geschehe. Pertinax sagt imEcho de Paris" in seinem Bericht aus San Remo, daß die Entwaffnung Deutschlands sich erst dann vollziehen werde, wenn man Deutschland mit der Entziehung der wirtschaftlichen Unterstützung drohe. Nitti ist der Meinung, daß die Abrüstungsinaßnahmen, die her Völkerbund treffe, auf die deutsche Regierung einen gewissen Einfluß ausüben werbe. Millerand habe am Sonntag um eine Unterredung gebeten, und hinter den Kulissen die Verhandlungen über die deutsche Frage fortgesetzt. Nitti werde dem Obersten Rate eine wirtschaftliche Resolution vorlegen» die nach der Ansicht Pertinar eine

überwindbare Widerstände entgegen stellen, müssen wir trachten, unter Vermeidung allzu häufiger Protestnoten durch offene Aussprache einen Ausweg zu finden. Auf den Hinweis der Miiarheit-rs desVorwärts", daß Scheidemann am vorigen Mittwoch .in einer offenen Aussprache mit den französischen Sozialistenführer Renaudel unter dessen lebhafter Zustimmung ähnliche Gedankengänge ent« wickelte, die in der Formel gipfelten: Revision durch Erfüllung, meinte Koller, so sehr er an die Zukunft der französischen Socialisten glaube, so wenig könn« man auf sie als auf einen positiven Machtfaktor in der gegenwärtigen Situation zählen. Unser Ziel aber müsse sein, die Zustimmung zu dieser Formel Scheide» manns, die auch meine Formel ist, auch von den regierenden Faktoren in Frankreich zu erlangen.^ Wir müssen die Mißtrauischsten unserer Gegner über­zeugen, daß wir den Friedensvertrag erfüllen wollen. Wenn auch Millerand von dieser unserer Absicht überzeugt fein wird, dann wird der Tag der Revision nicht mehr fern sein.

Der AeichsfmrmzMMyter über den Etat.

WB. Berlin, 20. April. Im Haubtausschuß bet Nationalversammlung wies ReiDssinauunmiller Wirtb dipauf hin, daß der Etat für 1920 ein reiner Ueber» gaugsetat sei, dessen zahlenmäßige Voramchlagmigea von der Gestaltung unserer zukünftigen bolittühen und wirtschaftlichen Verhälmisse abhängig seien. I er neue Etat weist im ordentlichen und außerordentlichen Etat eine G e sq.mta ns ga be von rund 40 Mi l- darben auf, wozu noch der Fehlbetrag aus der Reichspost und Eisenbahn von 12,9 Milliarden Mari Hinzutritt. Im Ordinarium stehen an laufenden Eui- nadmen von 25 Milliarden fortdauernde und ein­malige Ausgaben von 27,95 Milliarden gegenüber, sodass ein Defizit von 2^5 Milliarden verbleibt. Aus bireUen Steuern und Verkehrs- abgaben steht ein Betrag von 13,8 Milliarden für 1920 zu erwarten. Hiervon bringen die einmaliger Kriegssteuern noch etwa 3 Milliarden. WeiterhinsiN " ZMe, .HertzzauchMuern zmdLisnopoleiynMmeu mit 9,1 Milliarden veranschlagt. Bon dieser Stimme nehmen die Zölle 2,5, die Fohlewreuer 4,5 Milliarden in Anspruch.' Von den weiteren Einnahmen sind noch die Tabalstener unb Anssuhrabgaben mit je einer Milliarde hervorznhebcn. Die Ausgaben des Reiches sind in fortdauernde Ausgaben in Höhe von 23,8 Milliarden und eine einmalige ordentliche Ausgabe von 4,1 Milliarden geschieden. Stur rein ziffernmäßig seien hervorgehoben u. a. die schweren Posten bei ReichSschuld. Ihre Verzinsung ist mit 12,4 Milliarden in Ansatz gebracht. An zweiler Stelle stehen Pensionen n. a. mit 3,2 Milliarden. Für Heer und Atarim sind 1,9 Milliarden eingestellt. Die allgemeinen Aer waltnngsausgaben sind mit 6,4 Milliarden heran, schlagt. Dazu tragen noch einmalige Ausgaben in Rahmen des Ordmariums, so zur Verbilligung der Lebcnsmittrl 8 Dtilliardcn. Die Ausgaben des außer» ordentlichen Haushalts beziffern sich auf 11.6 Mil. liarden, dazu sind aus dem-Rechnungsjahr 1919 noch etwa 10 Milliarden verfügbar. Znr Ausführung bei FricscnSoertiager sind 5 Milliarden aus geworfen, für Tumultschäden 1 Milliarde, für die Abwickelung bei Heeres und der Marine 2,5 Ptilliardm. Im außer­ordentlichen Haushalt stehen an zweiter Stelle bie Fehlbeträge der Betriebsverwaltung. Sie sind für Reichspost unb Eisenbahnen auf 12 Milliarden ver­anschlagt. Es wurde mir bei dieser Ziffer die Frag» vorgelegt, ob ich in der Lage sei, für den nuanzielleii Teil des VerrcichlichungsveArageS der Eisenbahnen die Verantwortung zu übernehmen. Die Frage ist nur im Zusammenhang mit dem allgemeinen Haushalt zu beantworten, wie er jetzt vorliegt. Er zeigt deut- sich, vaß die Uebernahme solcher Defizite auf die Reichskasse und damit die Steuerträger unmöglich ist. Das Augenmerk ist mehr als je auf neue Steuer« quellen zu richten. Es treten heute die großen sinanz- politischen Ueberlegungen in den Vordergrund, die zu den Monopolen führen. Darüber hinaus werden in bet nächsten Zukunft neue Formen der Besteuerung zu finden fein, nicht s» sehr im Steuersystem selbst, als in der Verbindung des Steuersystems mit der Wirtschaft. Die Reichsfinanzverwaltung wird in ab­sehbarer Zeit an die Teilkonsolidierung der schwebenden Schuld heran treten. Sie glaubt als nächstes Mittel hierfür wieder die S p a r p r ä m i e n a n l e i h c aus- sprechen zu können. Auch der K r e d i t im A u s- l a n d bedarf der sorgfältigen S e a di t u n g. Es steht zu erwarten, daß mit der Konsolidierung unserer volitischen und voirtschastlichen Verhältnisse die kavitalkräftigen Auslandsstaaten geeigneter sein werden Deutschland Kredite zu gewähren.

Dsr zukünftige SZaal Thüringen.

In der zweiten öffentlichen Sitzung der Reichsrats, die am Dienstag nachmittag stattfand, wurde der Ge­setzentwurf über da? Land Thüringen und der Gesetz- entwarf über die Bereinigung Coburg? mit Bayern angenommen. Das Land Thüringen wirb preußisch« Bestandteile nicht umfassen. Sieben bisherize Klein­staaten t Sachscn-Weimar E!scnach, Sachsen-Meining«ll. Reuß, Altenburg, Gotha, Schwarzburg-Rndolüadt^ un» SchivarzburL-Sonderbansen bilben zukünftig den Staat Thüringen,ber 1 584 324 ©inwobner jählt- 3m Reichsrat wird dieser Staat durch zwei Stimmen ver­treten sein, während bisher jeder Kleinstaat eine beson­dere Stimme hatte. Dadurch verkleinert sich auch bis Zahl der preußischen Stimmen im ReichSrat, die nach der -Verfassung nur/» betragen dürfen. Das Gesetz über Thüringen wird voraussichtlich schon am 1. Mai in Kraft treten- Für die Angliederung Coburgs a» Bayern sind noch gewisse Verhandlungen erforderlich-

zweite Auflage des Londoner Manifestes 'seien. Der Sonderberichterstatter desPetit Pa- risten" ist zwar nicht der Ansicht, daß über die deutsche Frage schon ein Einverständnis erzielt sei, jedoch glaubt er, daß die Alliierten einig seien in der Notwendigkeit, Deutschland zu cnt- waffnen, und daß sogar die völlige Räumung der neutralen Zone für notwendig befunden worden sei. Allerdings gibt auch dieser Korrespondent zu, daß, wenn man schon im Grundsätze einig sei, sich doch viele Meinungsverschiedenheiten zeigten, wenn man über die praktischen Forderungen spreche.

WB. Paris, 20- April. Der Spezialbericht- erstatter desTemps" in San Remo bemängelt die Gerüchte und Indiskretionen aus dem Obersten Rat So hätten englische Korrespon­denten telegraphiert, daß über die deutsche Frage eine offenkundige Meinungsverschiedenheit zwi­schen Lloyd George und Millerand bestehe, an­dere hätten sie sogar unlösbar genannt. Auch gegen die deutschen Korrespondenten in Sau Remo wendet sich der Berichterstatter und er­klärt, man müsse frag«!, wie die deutsche Presse da-u komme, ein englisch-italienisches Zusammen­arbeiten anzukündigen. Frankreich und Minister- vräsident Millerand, der in.seinem 91 amen spreche, hatten über diese Frage keine Geheimpolitik; sie Tönnfen von ihrer Politik offen reden.

Tan Remo. 2d April, Ter oberste Rat hat beschlossen, zu den Sitzungen keine Zeiiungsvertrewr znzüWe», sondern nur amtliche Mitteilungen'üb"r den Verlauf der Beratungen zu veröffentlichen. Dieser Beschluß bat unter den hier weilenden zahlreichen fremden Berichterstattern große Entrüduna bervor- gerufen und sie zu einem Bratest bei der Konferenz veranlaßt. Man durfte nicht fehl gehen, wenn man in die>er Maßnahme des obersten Rates den Versuch sieht, event!. Reibungen und Zwistialeiten innerhalb oer-Komcrenz -E»m ur^^MLM^QLMUÄ langen zu fabelt. Auch die internationale.Kohlen- versoraung wird Gegenstand eingehender Besprechungen der Staatsmänner bilden. Lloyd George bat _ den englischen Kohlenkommissar Duncan nach San Siemo gerufen, um sein.fachmännisches Urteil über die Mög­lichkeiten einer internationalen Regelung der Kohlen- frage einzuhoten.

Ems WarANNZ Dsr AlliisrlSN.

WB. S an Remo, 22. April. Der fran­zösische Geschäftsträger in Berlin, hat gestern abend dem Gesandten von Haniel folgende Note überreicht: Angesichts der Gerüchts, die seit sattem über die Möglichkeit eines neuen militärischen Staatsstreiches int Umlauf sind, haben die Regierungen von Frankreich, Bel­gien, Großbritannien und Italien, die jeden Versuch, die Demokratie zu stürzen» ablehnen, ihre Geschäftsträger beauftragt, dem Minister des Auswärtigen zu erklären, daß sie auf keinen Fall dulden würden, daß die deutsche ,Regierung an der Ausführung des Friedens- vertrages verhindert würde und daß jedes Zurüäkshren einer revolutionären Bewegung wie eines Aufstandes nur den Erfolg haben werde, die von den alliierten Regierungen ins Auge gefaßten Maßnahmen zum wirt- schaftlichsn Wiederaufbau und zur Versorgung Drnt'chlands unmöglich zu machen.

KWer Wer die oswärHae

Der neue Außenminister Dr. Küster äußerte zu einem Redaktion-mitglied desVorwärts" über sein Programm u. a., mehr denn je sei eine Rare energische demokratische Politik im Innern die Vorbedingung für erfolgreiches Wirken nach außen. Das Aus land habe nnr Vertraucn in das Deutschland der Koalition. Ebensowenig die Entente eine Kappregiernug erduldet hätte, ebensowenig würde sie eine Diktatur des Proletariats gestattet haben. Wenn also einige Sonaldemokiaten die Idee einer rein sozialistischen Regierung, die sich auf keine varla- mentaristbc Mehrheit stützen könne, mit ihren Grund­sätzen zu herein hären vermöchten, müßten wir doch diesen Gedanken aus außenpolitischen Gründen zurück- weiseu, denn wir brauchten mehr denn ie Kredit. Als eine seiner nächsten Aufgaben betrachtete der Minister möglichst baldige Herbeiführung der Räunmng der Maingaustädte. Dazu müsse aber auf der äußersten Rechten wie der äußersten Linken alles vermieden werden, was geeignet sei, den Scharfmachern links des Rheins neue Vorwände in die Hand zu spielen. Der Minister fuhr fort: Mehr denn je brauchen wir das Vertrauen des A»s la nd es. Dieses ist eine Vorbedingung für die ' Revision des I r i e d e n ? v e r t r a g e ?. Ich erblicke im Versailler Jricdensv rtrag eine Tatsache, die wir durch unsere Unterschrift feierlich anerkannt haben. Wir müssen der Versuchung widerstehen,, im Hinblick auf gewisse darin enthaltene glatte Unmöglichkeiten eine Rekla- Wationspolitik zu verfolgen, die ihren Zweck gänzlich verfehlt. Wir müssen uns fest entschließen, den Ver­trag zu erfüllen und da, wo sich uiricrem Willen un-