Sanauer K Anzeiger
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ück« n g« a eb Ü 61: Die 8aesp.Kolon«l,eil«od.
Raum 80 Pfa.. die taeiu. Zeile i. Reklame- SOjKL 25"s«Teuerunas»uschl. Offertaebiihr s. Bezugspreis: Vierteljährlich 10.50 Mr_ H. 3.50 ^L für Postdema vierteljährl. 10.50 , monatl. 3.50 Mk. Die Nummer 15 Jßfg. ftscheck-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. M.
M. 90
General-Anzeiger
Amtliches Organ für ElaSl- und Landkreis Kanau
Erschein! täglich mit Ausnahme Hermann- und Feiertags
Samstag den 17. April
„ Verlaasleitung: Ad. Jndermühle.
ltwortlich: für politischen und allgemeinen iich. Su l tsch: für lokalen und provinziellen - U sowie Sport W. Moritz; für Anzeigen und Reklamen A, Brodt. all« in S^anau a. M. Rotatronsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei Hanau Fernsprechanschlusse Nr. 1237 und 1238
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Teil sowie Sport
1920
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Das Neueste.
Ja bet Nationalversammlung ist ein Antrag wegen Strafverfolgung bei U. S. P.-Abgeordneten Braß gegen Landesverrat» eingegangen.
Die Alliierten beabsichtigen einen gemeinsamen Schritt gegenüber Deutschland zu unternehmen.
Die amerikanische Schiffahrt»behörde hat 30 deutsche Magierdampfer an einen Schiffahrtskonzern verlaust.
Senerallandschafttdirektor Kapp wurde in Schweden
Die baldige Enlwaffnung Deutschlands.
Ei« gemeinsamer Schritt?
WB. Paris, 16. April. Havas melbct:. Der ^«mMsch-englische Zwifchenßall hat Deutsch- pgd nur in seinem Widerstand gegen die AuS- jtynstifl des Friedensvertrages bestärkt. Er geigte eine völlige Mißachtung gegenüber den oberen Miturtterzeichneri des Vertrages. Wem, so wirb aus London berichtet, soll Lord linzon «nerMche Schritte beim deutschen Ge- Pfttttäger in London getan haben, um eine Zurücknahme der überzähligen Truppen aus dem Ruhrgebiet zu erreichen. Heute kommt in Paris •ine neue Nachricht an, in der die englische Rv- lleruttg bie anderen Alliierten zur Mithilfe bei •her Gestmrkinitiative auffordert, bei welcher « der Berliner Regierung die strenge Dcfol- Wg der Vertragsklauseln bezüglich her Ent- »affnung verlangt werden soll. Falls diese For- tang nicht angenommen werde, werde die ge- He Lebensmittelversorgung für Deutschland M>stellt. Ueber dies« Punkt hatte Lord Derby iistMllerand eine lange Unterredung. Zu der istschasteckonferenz, in der auch diese Angelegen- tit diskutiert wird, hat auch die italienische egicrung einen Vertreter entsandt. Trotz des Schweigens, in das sich die politischen Kreise Wen, scheint eS doch, als ob Lord Derby dazu stimmt wäre, die französische Regierung aufzu- orbern, an dem Schritt Englands teilzunehmen. )ie französische Antwort hann ja hier nicht zwei- chast sein. Diese Initiative der alliierten lächle muß angesichts des bösen Willens Deutschlands nur gebilligt werden. Alliierte De- 'M)tcr, die aus dem Ruhrgebiet zurückgekehrt M>, sagen aus, daß die Bewegung dort niemals inen bolschewistischen Charakter angenommen Bit Andererseits wird uns mitgeteilt, daß die M die Berliner Regierung in das Ruhrbecken ncsrnbtea Truppenabteilungen beträchtlicher sind, Ä? Me den Alliierten angegebene Zahl. Das erste Problem, das die alliierten Staatsleiter G zu lösen hätten wäre die baldige Entwaff- hotg Deutschlands.
Di« „Jpu" meldet aus P ariS: In der Militär-Konferenz der Entente, an der außer
>« Kriegsministern mich die Gesandten teil- "ahmen, sind alle Informationen von Marsch all M> die zu dem Vorgchen in Deutschland Ver- vrlassung gegeben haben, untersucht worden. & wurde festgestellt, daß die Gründe, die Frankreich für sein Vorgehen angegeben hat, auf Tatschen beruhen^ sodass dem Gesandtenrat das ge- Mte Material unterbreitet werden soll, bamit gemeinsame Schritte gegen Deutschland erfolgen Lilien. Es ist Deutschland gestattet einstweilen w laut' Friedensvertrag bewilligte Truppen- W von 17 000 Mann in der neutralen Zone halten, da diese Truppen für ausreichend ee- ^rt wurden, um etwaige Unruhen oder Auf- !iwde jederzeit unterdrücken zu können. Sobald ^ überzähligen Truppen zurückgezogen sind, ®kb Frankreich die Räumung von Frank- ^rt, Hanau und der anderen besetzten btüdte vornehmen.' In dem von Marschall Foch “gelegten Material heißt es, dass zu erwarten ^r> daß es selbst der deutschen Regierung nicht gältet) gewesen wäre, die Reichswehcttnppen, ^ von gewisser Seite in die neutrale Zone ge- ^^t wurden, jemals wieder zucückzubringen.
Kapp - Putsch sei mißlungen, weil
A rheinisch-westfälischen Industriegebiete sich ^ Bewegung nicht anschlossen. Jetzt wolle man ^suchen, diese Gebiete erst mit willigen Reichs- ^hrtruppen zu besetzen, um dann den Putsch zu '"Ederholen. Darin lag die Gefahr für Frank- 'A, da zu befürchten war, daß das preußische Militär den Friedensverttag für null und nichtig ^ürt hätte. Die KouftrenL stimmte dem Be
schluß zu, daß seitens der Alliierten gemeinsam darüber gewacht werden müsse, daß sich in Deutschland solche militärischen Zentrums nicht bilden können. Die Konferenz in San Remo wird über die Ausführung der an Deutschland zu richtenden Forderungen beschließen. Unter liefen befindet sich auch die weitere Auslieferung von Waffen unb Munition, sowie eine schärfere Kontrolle des in Deutschland verbleibenden Kriegsmaterials.
WB. Paris, )5- April" Major Civrieux schreibt in der „Rcpubliqne Francaise": „Stellt Marschall Foch auf der Mainlinie eine Armee von 200 000 alliierten Soldaten zur Verfügung, 120 000 Franzosen, 50 000 Engländer und 30 000 Belgier, laßt in Berlin wissen, daß bei der geringsten Weigerung, abzuliefevn, auch bei der kleinsten Versteckung, die festgestellt wird, diese Armee gegen den Thüringer Wald und Franken marschieren und Süddeutschland von Norddeutschland trennen wird, während andere Kräfte das Ruhrgebiet besehen. Erst dann können ohne Zweifel Offiziere in aller Ruhe an die Ein- sammlung der deutschen Waffen gehen."
Der Palrouillenzufammenslotz bei Friedberg.
Zu dem Zwischenfall, der sich bald nad) der Besetzung in der Nähe von Friedberg zwischen einer französischen und deutschen Patrouille ereignete, veröffentlichte der französische Kommandant der 37. Division eine Bekanntmachung, in
dec.eS u. a hieß:
Dieser Vorfall beschränkt sich auf einen Kugelwechsel, der tatsächlich stattgefunden hat, im übrigen aber bei Heiden Patrouillen nichts weiter
in der von MN- hiltnt
zöfischen Truppen neu besetzten Zone ereignet und würde im übrigen nicht stattgefunden haben, wenn dort nicht eine deutsche Abteilung einge
drungen wäre.
Das Hessische Ministerium des Innern gibt jetzt der „Frankfurter Zeitung" eine Darstellung des SachverhaltS, wie er auf Grund von beeidigten, vor dem Richter gemachten Zeugenaussagen von dem Jnfanterieführer 11 in Bad Nauheim übermittelt worden ist. Der Bericht lautet:
Der Leutnant Graf Kalnein von der 4- Eskadron des Reichswehr-Kavallerie-Regiments 11 hatte am 7. b. M. den Auftrag, den Verlauf der ftanzösischen Besetzung festzustellen und ritt deshalb mit einem Vizewachtmeister und drei Mann im Schritt von Ober-Wöllstadt nach Rieder-Wöll- stadt wo sich nach Mitteilung der Landbevölkerung Franzosen befanden. Als diese Patrouille die Eisonbahnunterführung vor Nieder-Wöllstadt erreicht hatte, wurde sie von dem Führer einer zehn Mann starken französischen Patrouille mit vorgehaltener Pistole arigerufen. Fast gleichzeitig sprangen andere Franzosen von dem Bahndamm herab, wobei einer einen Schuß abgefeuert hat. Dies alles, während Graf Kainein hielt und durch Hochheben der rechten Hand auch seine Patrouille zum Halten veranlaßte. Auf den Schuß und das Hinzuspringen der Franzosen scheuten die Pferde der Patrouille und diese ritt in scharfer Gangart gegen Ober-Wöllstadt zurück. Hinter der Patrouille schössen die Franzosen 10—12 Schuß her- Bei der am Wege liegenden Mühle hielt Graf Kalnein und mußte von seinen Leuten schiver verwundet ins Haus gebracht werden. Er hatte den Einschuß im Rücken und den Ausschuß im Bauch. An dieser tödlichen Verletzung ist Graf Kalnein am gleichen Tage in Friedberg gestorben. Durch die beeideten Aussagen aller Zeugen des Vorfalls ist nachgewiesen, daß die deutsche Patrouille keinen Schuß abgegeben hat. Es kann sonach nicht, wie von französischer Sette behauptet, von einem Kugel- Wechsel die Rede sein; auch nicht von einem Eindringen der an, Zahl der ftanzösischen Patrouille weit unterlegenen deutschen Patrouille (keiner Abteilung!) in die von französischen Truppen neu besetzte Zone, indem diese Zone am 7. April gerade so wenig feststand, wie an den folgenden Tagen, und die deutsche Patrouille, wie sie durch ihr Verhalten uninißverstandlich zum Ausdruck brächte, sich lediglich bei den Franzosen über die derzeitige Abgrenzung der neuen Zone unterrichten wollte. Der Zwischenfall bei Nieder-Wöllstadt hat der hessischen Regierung sofort zum schärfsten Protest Anlaß gegeben.
‘ Zum Schluß beehren wir uns, Ihnen mit- zuteilen, daß eingehende, obiger Darstellung entsprechende Schilderungen des fraglichen Vorgangs von der ftanzösischen Zensur unbeanstandet in den Darmstädter Blättern erschienen sind, und daß die französische Zensurstelle in Darmstadt die eingangs aemrrmtL Deräffenttichung des
Kommandanten der 37. Division aus Darmstädter Zeitungen hecausgestrichen hat.
Kapp in Schweden festgenommen.
WB. Stockholm, 16. April. Nach einer Meldung der „Aftontidningen" ist Dr. Kapp im Badehotel in Sbbertälje angebeften worden. Er war mit einem Flugzeug nach Schweden gekommen, das in Schone« landete, worauf er die Reise mit der Bahn in nördlicher Richtung fortsetzte. Seitens be8 Hotels wird mitgettilt, daß Kapp am Mittwoch in Stockholm an- kam und in einem Hotel unter dem Namen Dr. von Konitz auf der Reife von Deutschland über Malmö, Wohnung nahm. Den Zweck der Reise habe er nicht angegeben. Heute mittag kamen zwei Detektive aus Stockholm in Södertälje an. Der angebliche Dr. bon Kanitz erklärte ihnen, wer er sei. Gegen 3*/, Uhr nachmittags begaben sich bie Detektiv« zusammen mit Kapp im Automohil nach Stockholm.
Als die Polizei in Tödertälje den Paß de« Dr. Kapp untersuchte, stellte sich heraus, doß er gefälscht war, weshalb Dr. Kapp um 2 Uhr festgenommen wurde. Während de« Verhör« gab er sich zu erkennen und wurde dann im Auto nach Stockholm gebracht, wo er dnrch die Kriminalabteilung einen Verhör unterzogen wurde. Die Polizei will sich jedoch noch nicht über das Ergebnis ««»sprechen. Der Polizeimeister könn sich noch nicht barüber lasiern, inwieweit von einer Einlieferung in? Gefängnis oder einer Aurweisung die Rede sein kann.
Mommuniskische Offiziere?
WR. Berlin, 16. Avril. Im Reichswehr» minifterinm versammelten sich gestern die Hauptlente V i e h a h n und B o h n st ä d t, Kapitäuleutnant A l t v a t e r nnb Leutnant Vieb « hn mit drei Kommunisten zur Beratung eines Zusammenschlusses auf national - kommunistischer Gruudlage. Die Sitzung wurde entdeckt. ReichSwehrminister G e st l e r vernahm sofort die Teilnehmer, ließ sie fellnehmen und dem Polizeipräsidium juführen. Heute Vormittag wurde
die Vernehmung fortgesetzt.
16. April. An» dem VolizeiprSsi-
Der Polizeipräsident 1 u t a ip e k u la t i o N. Plan sann vom fificift al? R^ieruna?- tonten nicht verlangen, daß er allein das
ieilt
Richter, dem in keiner ^inenschakt ,..-, ,...,,.„„...,.- kommissar für den Sande»volizeibezirk Berlin die Entscheidung über Scbntzlwftangclegenheitcn znstebt, bat es a b g e l e b n t, die Scyiitzbaft gegen die vom Reichs- wehrminister in der Nacht tum Freitag früh im Anschluß an eine Besprechung im Wstwministernnn f e st» genommenen Offiziere und Zivilpersonen
in verbringen. In den einnehrnben Verneinungen, die im Polizeipräsidium stattgefunben haben, ill keinerlei Beweis dafür erbracht, daß die im Reickrwcürministe. rium stattgehabte Zusammenkunft der festgenommenen Personen einen Umstnrz der Regierung zum Ziel hatte, oder daß sie sonst in irgend einer Weise geeignet gewesen wäre, die öffentliche Ordnuna, Ruhe - oder Sicherbeit zu gefäbrden. Der Polizeipräffdent bat ba« her die Freilassung der Festgenömmenen veranlaßt.
Die Berliner Blätter bringen zu diesem VorsaN allerlei Kommentare, auf deren Wiedergabe wir infolge Platzmangels verzichten müssen. Im übrigen scheint die Angelegenheit durch die Untersuchung durch das Polizeipräsidium, die nichts Positives ergeben hat, au? dem sich nmstürzlerische Absichten der Verhafteten ergeben könnten, sowie durch die Freilassung der Verhafteten erledigt zu fein.
Die Vorfälle im Solei Adlon.
Das Urteil.
WB. Berlin, 16. April. Heute wurde von der 6. Strafkammer des Landgerichts 1 wegen der bekannten Vorfälle im Hotel Adlon da? Urteil gefäftt. Entsprechend dem Anträge des EtaatSanwaltS wurde Prinz Joachim Albrecht wegen versuchter Nötigung zu 500 Mark Geldstrafe, Rittmeister v. P taten, ebenfalls wegen versuchter Nötiguug, zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt. Da» Urteil gegen den Prinzen Gottfried zu Hoben- lohe-Langenbnrg. gegen den der Staatsanwalt vier Monate Gcfäugni» beantragte, lautete auf 1000 Mark Selb strafe wegen Körperverletzung.
In der Begründung der Urteile bemt es, er siebe fest, daß Prinz Joachim Albrecht aufgestanden itnb „heraus!" gerufen, ein Weinglar unb mit Lichtern geworfen habe. Er habe sich der versuchten Nötigung schuldig gemacht. Rittmeister Platen habe sich des gleichen Verbrechens schuldig gemacht, indem er von seinem Tisch gerufen unb drohend bie Faust geballt habe. Der Prinz zu Hohenlohe-Langenburg sei der Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werkzeuges schuldig. Als ein solches sei der Schuh, mit dem er auf den französischen Offizier eingeschlagen habe, an- zuschen. Nicht erwiesen sei, daß er gewußt habe, einem Mitglied der französische« Mission gegenüber^ zusieben. Was die Strafbemessung betreffe, so wurde das Gericht e« ablelmen, einen Avslaiider ander» zu bestrafen als nach dem Gesetz, weil er ein Ausländer sei. Ebenso (ebne das Gericht es ab, gegen sein Gewissen und seine Ueberzeugung irgend lemanden zuliebe sein Urteil zu sprechen, ganz gleich um wem es sich handele.
Bestrafte Beleidigung Scheidemanns.
WB. Berlin, 10. April. Die Strafkammer verurteilte gestern den Journalisten Kurt Rbodin wegen Betrugs und verläumderischer Beleidigung bet früheren Ministerpräsidenten Scheidemann zu 9 Monaten Ge- sänznis. Rbodin, der belgischer Untertan ist, hatte in Zeitungsartikeln „NeneS zum Fall Sklarz' Scheide- mäntt, Graf Brockdorff-Rantzau usw. beschuldigt, große Terrtin» m NordschleSwia erworben und rweck» beffe«
rer Verwertung die Verewigung diese» Gebiet» mit Dänemark betrieben, sowie an SchiebergeschSiten teil* genommen zu haben. Der Angeklagte vermochte nicht den geringsten Beweis zu erbringen unb mußte zugebe«, daß er die von ihm niedergeschriebenen Beschuldiguuge«, die Scheidemann seinerzeit dem sotialdemokratischen Untersuchung»« urschuß vorgelegt hatte, in der Wohnung seine» Verleger» Banermcister in die Schreib' Maschine diktiert habe. Bauermeister wurde wegen bei Verdacht» der Teilnahme an einer strafbaren Handlung nicht vereidigt. Die Verurteilung Rhodin» erfolgte, obwohl Scheidemann die Strafkammer au»- drücklich bat, den unglücklichen Menschen nicht zu hart zu verurteilen.
Neudeursche WirrschaflspoUliK.
Valutagesnndnng nur von innen heraus.
Der Reichsverband der deutschen Industrie behandelte in einer Sitzung am Mittwoch big Regelung der Ein- und Ausfuhr. Geh. Kommerzienrat Deutsch, Generaldirektor der A. E. G-, wandte sich dabei dagegen, daß verschiedene deutsche Industriell« ihre mit ausländischen Firmen abgeschlossenen Lieferung? - Verträge einfach nicht innegehalten hätten. Gewiß sei anzuerkennen, daß Löhne und Materialien- Preise sich außerordentlich geändert hatten, feit» dem der Vertrag abgeschlossen war, aber bis zum Kriege habe man es für selbstverständlich gehalten, daß ein deutscher Fabrikant Vertrags- und Lieferungsbedingungen peinlich innehält. Gerade das habe dem deutschen Unternehmer auf dem Weltmarkt eine bevorzugte Stellung verschafft Pflicht eines gewissenhaften Unternehmers sei es, sich vor Abschluß des Vertrages über die Ausfuhrbewilligung zu unterrichten. UcbrigenS ist in der Elektrotechnik kaum ein Fall zu verzeichnen, wo die Ausfuhrgenehmigung untersagt wurde.
DaS ganze Geschäft ist heute nur eine Da-
Lte
der Valuta trägt. Eine vernünftige Preisgestaltung lasse sich vielleicht dadurch erzielen, daß die Hälfte des Preises bei der Bestellung in ausländischer Währung bezahlt wird, der Rest wäre in deutscher Mark zu entrichten. Dadurch würde die nicht scharf genug zu verurteilende Nachfor derung von Preiserhöhungen bei Ablieferungen verhindert werden. Infolge der andauernden Verteuerung stehen wir bereits jetzt an der Grenze der Weltmarktpreise. Jede Industrie solle mit Genehmigung der Regierung Selbst- verwaltüngskörper bilden, in die einzutreten jeder Fabrikant verpflichtet sei- Diese hätten mit einem gewissen Ueberpreis an das Ausland zu liefern, Volt dem Ueberschuß sei eine gewisse Abgabe an das Reich zu entrichten. Diese Verbände dürften aber nicht staatliche Organisationen werden, sonst würden sie kaum gewinn« bringend arbeiten.
Ebensowenig Aussicht hätten die Sozi ali' sierungspläne des Reiches. Staatliche Fabrikbetriebe könnten auf keinen großen Absatz im Auslande rechnen. Dann wandte sich der Redner den Maßnahmen zur Verbesserung unserer Valuta zu. Eine Sanierung durch ausländische Kredite wäre ein großes Unglück für das deutsche Wirtschaftsleben. Schon heut« fabrizieren wir sehr teuer. Die Inlandspreise müssen abgebaut, die Arbeitszeit erhöht werden. Wir müssen viel mehr produzieren, viel mehr ausführen. Nur so kann eine Besserung eintre* ten. Arbeit ist das einzige Mittel unsere Lage zu verbessern. ' z
In der sehr ausgedehnten Aussprache der» tritt Unterstaatssekretär Hirsch die Wirtschaftspolitik der Regierung und fordert die Jndu- sttiellea auf, nicht nur in Worten^ sondern auch in Taten mit den Arbeitern zusammen zu gehen. In der Sozialisierungskommission, die jetzt wieder Zusammentritt, sollen auch U n - te r n e h m er gehört werden. Wenn der Reichswirtschaftsrat richtig organisiert wird, so wird er für den nötigen Ausgleich der Interessen der verschiedenen Erwerbsgruppen sorgen. Die deutsche Wirtschaftskraft ist vorhanden. Es fehlt nur ihre zweckmäßige Organisation. Nach Schluß der Aussprache wird folgende Entschließung einstimmig angenommen:
„Die Mitgliederversammlung des Reichsverbandes der deutschen Industrie bat von dem Plan des Herrn Dr. Jordan, Mallimkrodt, zum Wiederaufbau des deutschen Auslandskredits mit lebhaftem Interesse Kenntnis genommen Bei der überragenden Wichtigkeit des Problems für die deutsche Wirtschaft gibt die Versammlung dem Präsidium des Reichsverbandes den Auf- trao, alsbald den Jordanschen Plan in Verbindung mit den übrigen zum selben Zweck gemachten Vorschlägen einer kleinen Kommission von Sachverständigen zur eingehenden Prüfung vorzulegen und sobald aHh möglich dazu Stellurrg zu nehmen."