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General-Anzeiger

AmMches Organ für Slaöl- und Landkreis Satten

Erscheint täglich mit Ausnahme ds Sonn- und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen TeilRich.Sultsch: für lokalen und provinziellen Teil sowie Svort W. Moritz: für Anreigenund

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MN

Nr. 88

Donnerstag den 15. Aprll

1920

MBMWWM

Das Neueste.

Millerand erklärte gestern im Senat, daß bet französische und britische Kriegsminister in Paris zusammengetreten seien, um über die Entwaffnung Deutschlands zu beraten

Lord Derby nimmt wieder an der Bot- schasterkonferenz teil.

Die deutsche Regierung erhebt Einspruch ge­gen die Ausliefemng der Handelsflotte.

Der Unterausschuß des parlamentarischen Untersuchungsausschusses der Nationalversamm­lung hat gestern seine Tättgkeit wieder ausge­nommen.

Der parlamentarische Unlerfuchungsausschutz.

Der parlamentarische Untersuchu-ngsausschuß schlug im November vorigen Jahres seine Türm zu und hat bis gestern auf seinen Lorbeeren aus­geruht. Er war zunächst so von dem unerwarte­ten Ausgang der Zeugenaussagen verschlagen, daß er sich überhaupt nicht mehr zu rühren wagte und es bedurfte bekanntlich einer sehr energischen Bemerkung aus der Presse der Linken, um wenigstens aus diesem Ausschuß dieVerlaut­barung" herauszulocken, daß er zu gegebener Zeit seine öffentlichen Vernehmungen wieder sortsetzen werde. Darüber sind nun fünf Monate vergangen, in denen sich so mancherlei ereignet ist. Nicht zuletzt ist es jetzt sicher, daß die Ählm in einigen Wochen erfolgen sollen, daß M^^^eub:/-WAÜl^.cher. Arbeiten des Aus- fWeg nicht mehr zu benten ist. Im allgemeinen scheint man den Verhandlungen in diesem Aus­schuß nicht mehr das Interesse entgegenzubrin- qcn, was vor der Vertagung vorhanden war. Damals im November war der Ausschuß das Tagesgespräch in Berlin heute warm die Tri­bünen leer, ja, nicht einmal die Richter waren vollzählig erschienen. Von dm Zeugen war nur Graf Dernstorff zur Stelle.

Der Vorsitzende, Abg. Gothein, eröffnete die Sitzung um 10% Uhr vormittags und er­klärte, daß der Ausschuß eine lange Pause in seinen Sitzungen habe eintreten lassen, damit die Akten inzwischen veröffentlicht werden konn­ten. Der Ausschuß hat es für notwendig ge­halten, dem ©rasen Vernstorff Gelegenheit zu geben, auf verschiedene Angriffe, besonders des Generals Ludmdocff, zu antworten. General Ludendorff hat sich nicht eingefunden.

Hierauf ergriff Graf Vernstorff das Wort und erklärte, daß er eine allgemeine Aut- Mrf auf die Aeußerungen Ludendorffs nicht zu geben habe, da es eine rein subjektive Auffassung H ob durch die Fried ensvermittlung Wilsons ein Friede herb ei geführt worden wäre, und daß "hne dm U-Bootkrieg ein Stieg mit Amerika Ächt entstanden wäre. Auf Siefragen gibt Gras Bernstorff an, daß Wilson ursprünglich nur die Absicht gehabt hätte, die kriegführenden Parteien an dm Verhandlungstisch zu bringm. Auf eine Bemerkung des Abgeordneten Warmuth erklärte

Vernstorff: Wilson sagte im Senat: Ich 8-rube, wir wärm in den Krieg gekommen, auch Deutschland keinen feindlichen Akt gegen W unternommen hätte, nach dem, wie sich die Dinge entwickelten. Diese letzte Bemerkung be­ruht sich auf die Abblehnung der Friedmsvcr ^ittlung Amerikas, die zu einem Frieden ge­ehrt hätte. Ich habe niemals geleugnet, daß Wuson einen sogenannten deutschen Frieden ^cht wollte, aber er wünschte auch nicht einen vollen Sieg der Entente. Auf eine an mich ge= ^kete Frage, ob sich die Forderung Wilsons emez freien Zuganges zum Meere, sich aus- 'Meßlich auf einenPolnischen Korridor" be« ?Wvn habe, kann ich mit Bestimmtheit sagen, daß nicht der Fall war. Ich glaube nicht, daß Mk in Amerika an eine Gebietsabtretung in ^Itpreufien an Polen dachte, sondern an zwi- staatliche Abmachungen. Pros. Bonn: ^ Passus in Wilsons Botschaft über die ein- ^UlichLn und selbständigen Staaten kann sich ur auf Polen beziehen. Graf B e r n st o r f.f: ,." ist niemals die Lostrennung deutschen Ge- zugemutet worden. Immerhin hieß es, !«e Einigung mit Polen sei notwendig, um ihm wen Weg nach Danzig zu geben. Abg.

r in u t fj: Gibt es irgend eine positive Tat- daß man in der Reichsregierung daran Mte, diese Servitudenbelastung des Deutschen ^4ez (freier Zugang zum Meer auf Kosten Mutschlands) zuzulassen? ' Graf Bern- »Ol f f: Ich habe niemals Instruktionen aus ^stn tn tiefer Richtung erhalten. Prof.

Bonn: In Hamburg und anderen Orten sollte der Tschecho-Slowakei ein besonderer Freihafen errichtet werden? Graf Bernstorff: Wil­son hatte niemals die Absicht, sich in Einzelheiten der europäischen Gebietsfragen zu vertiefen. Mir ist niemals über Polen auch nur ein Wort amt­lich mitgeteilt worden. In allen meinen Be­richten habe ich mich auf den Standpunkt gestellt, daß der U-Bootkrieg Amerika in den Krieg zie­hen werde, und ich habe leider recht behalten. Für mich handelte es sich nicht um die Person Wilsons, sondern um die Tatsache, daß uns die Entente ohn'e die amerikanische Hilfe nie besiegt hätte. Dieser Ansicht bin ich heute mehr denn je. Ich habe in zwei Jahren nichts anderes nach Berlin geschrieben, als daß wir die amerika­nische Friedensvermittlung hätten annehmen müssen. Eine weitere Frage weist darauf hin, daß der englischen Propaganda nicht genügend entgegengetreten werde. Gr. Bernstorff: Ich habe zuerst durch Interview die ameri­kanische Presse unterrichtet. Durch diesen Kampf wurde aber meine diplomatische Stellung unter­graben. Ich begrüßte es daher, als Deinburg die Leitung der Propaganda übernahm. Wir haben eher zu viel, als zu wenig Propaganda in Amerika gemacht. Abg. Schücking: Wäre es nicht besser gewHen, wenn hinter der Propa­ganda höhere Ideen gestanden hätten, z. B. die des gesicherten Rechtsfriedens? Gras Bera­st o r f f: Man hat uns nicht geglaubt, daß wir einen Verständigungsfrieden wollen. Abg. Cohn: Waren die sogenannten deutschen Ver­schwörungen nicht hindernd? Graf B e r n - st o r s f: Ein hervorragender amerikanischer Richter hat festgestellt, daß von den sogenannten deutschen Verschwörungen 99 Prozent einfach erfunden sind. Eine weitere Frage, die an mich

Behauptung aufrecht erhalte, General Lu- dendorff habe die Friedensvermittlung Ameri­kas nicht gewollt, da der U-Bootkrieg den Krieg in drei Monaten beendet haben würde. Ich habe die Aeußerungen Ludendorffs so aufgesaßt, als ob diese Ansicht die Kollektivauffassung der maß­gebenden Kreise in Berlin sei. Dies wurde mir auch hier von allen Zeugen bestätigt. Meine An­sicht, daß es sich bei meinem Besuche bei der Obersten Heeresleitung um einen reinen Höf­lichkeitsbesuch handele, halte ich auftecht. Eine Aufforderung zum Besuche habe ich nicht er­halten. Was die Frage von Privatberichten an das Auswärtige Amt anlangt, so weiß ich heute noch nicht, ob solche erfolgt sind. Auf eine Frage des Abg. Cohn erklärt ein Vertreter des Auswärtigen Amtes, daß zwischen dem General­konsul in Newyork und Herrn Geheimrat Grun- wald im Auswärtigen Amte Privatbriefe ge­wechselt worden seien. Gcheimrat Grunwald habe diese Briese, soweit sie politischen Charakter trugen, in Abschrift ben betreffenden Stellen zur Verfügung gestellt. Auf eine weitere Frage des Abg. Dr. C o h n. ob ein Briefwechsel zwi­schen dem Generalkonsulat und dem damaligen Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes Zimmermann ftattgefunben habe, erklärt Graf Vernstorff, das könne er nicht glauben. Prof. Bonn fragt, wer in Amerika darüber zu entscheiden habe, ob ein Bericht eines General­konsuls politisch von Bedeutung fei oder nicht. Graf Vernstorff: Darüber entscheidet er selbst. (Heiterkeit.) In den Berichten, die durch meine Hände gegangen sind, waren öfters Gegensätze zu benen der Botschaft. Diese betrafen aber zumeist die Tätigkeit des Geheimrats Albert in wirtschaftlicher Beziehung. Vorsitzender G oth ei n: Der Generalkonsul von Newyork soll noch bei der Ueberfahrt nach Europa gesagt haben, Amerika werde wohl die Beziehungen ab- brechen, aber niemals den Krieg «'klären. Graf Vernstorff: Er hat gesagt: Ehe die Amerikaner Deutschland den Krieg erklären, würden sie Wilson davonjagen. Weitere Fra­gen liegen nicht vor. Die Verhandlungen her­ben wieder abgebrochen. Nächste Sitzung: Frei­tag den 16. April, vormittags 10 Uhr.

Die Säuberung öes Dsgßlanöes.

Hölz geflohen. Aufruf zur» Generalstreik?

Die Reichswehr ist, wie wir bereits gestern mel- deien, in das Vogtland eingerückt, um es von dem roten Schreckensregiment zu befreien. *?51j bat Klingental vor der Besetzung durch Reichswehrtruppen plötzlich verlassen, nachdem er die geforderte eine Million von den scstgcnommenen Geiseln erhalten hatte. Gegen 4. Uhr morgens erschienen Hölz und Genossen in 6 Automobilen in Auerbach im Vogtland, wo die Wageninsassen von der dortigen Polizei und Einwohnerwehr fofi rt erkannt und festgehalten wurden. Es entwickele sich eine Schießerei, bei der niemand verletzt wurde. Die Polizei hielt 4 Automobile fest und verhaftete 10 Insassen, während Holz mit den beiden anderen Automobilen entkommen ist.

In amtlichen Berichten aus dem Vottlande heißt c8: Falkenstein und Klingenthal wurde heute (Mitt- woch) früh von Reichswehrtnwpm des tzt. Hölztzle Banden, die von Klingenthal nachts in Kranwagen über Auerbach anlamen, wurden in Rautenkranzen, südöstlich Auerbach, von den Reickswehrtruppen in einen kurzen Kampf verwickelt, 80 Mann wurden gefangen genommen, 2 Personenkraftwagen und 4 Lastkraftwagen erbeutet, Hoelz entkam, anscheinend in der Richtung Johann-Georgenthal. In Schönbeide wurden drei Hoelz-Gardisten verhaftet, welche angabeu. Hoelz habe nach den: Zusammenstoß bei Auerbach 5 seiner Anhänger bei Schönheide entlassen mit einem Fluchtgeld von 500 Mk. für jeden. Der Kommunist Radier verließ gestern nachmittag gegen die ihm von den Glauchauer Arbeitsgebern angebotene Zahlung von 25 000 Mk. die Stadt mit 30 Mann seiner An- t'änger. Ein Teil seiner Roten Garde sagte sich von ihm los und blieb in Glauchau. In Oelsnitz wurde ein Bankbeamter bei dem Einmarsch der ^eickswebr verhaftet, in dessen Besitz sich achthunderttauseud Mark vorfanden. Es steht noch nicht fest, ob es sich um einen Teil der in Klingenthal von Hoelz erpreßten Millionen handelt.

Weitere Meldungen aus dem Vogtlande besagen:

In ^ägerSgrün rückte gestern Mittwoch die Flieger­autokolonne des Detachements Hausel ein, die die Verfolgung der in den umliegenden Wäldern umber- streifenden Rotgardisten aufnahm. Es kam zwischen den Truppen und Rotgardisten zu vereinzelten Schie­ßereien, wobei einige Rotgardisten getötet und ver­wundet wurden. Bis mittags waren 72 Rotgardisten gefangen, darunter der Führer des Aktionsausschusses namens Fork. Unter den Gefangenen befanden sich auch zwei Russen. Alle Rotgardisten hatten bedeu­tende Geldbeträge bei sich. Die Reichswehrtrupven erbeuteten außerdem ein Auto mit 200 Gewehren. Auch in Falkenstein ist heute vormittag die Reichswehr eingernckt. Hölz ist seit dem Vormittag verschwunden, er soll sich nach Gottcsberg begeben haben. Die Reichs­wehr verhaftete in Falkenstein eine größere Anzahl Spartakisten, darunter die rechte Hand des Hölz, den ehemaligen Sprachlehrer und Kinolebrer Kurch.

hLeute deL Hölz., die

über Nutersachsenberg und Iägersgrün nach Auerbach flüchteten, zerstörten bei Zweiental die Effenbahnbrücke und sprengten die Gleise. In Schöneck wurden heute früh von durchmarschierenden Reichswehrtruppen eine Anzahl Rotgardisten festgenommen und ihnen größere Geldbeträge abgenommen.

Die AklionscrusschWe und die social» demskrakischen Parieren ZAM Fall äZöiz

(Letzte Meldung.)

WB. G«ra (Reuß), 14. März. Die heute hier ftattgcfuttdcne Konferenz der Älttio»ts- ausschüffe und soziaidenrokrütischetr Parteie-r, welche zu Pem Fall HSlz urrd der daraus errtstchenden nrilitärifcher» Nkiio» Ltellung nahmen, war von 90 Delegierten beschickt. Die Regiernnge»» Van Lachsczl-Vltcnbnrg und Sachsen-Weimar waren durch mehrere Staats- rate vertreten. - Ferner waren anwesend der Präsident des Thüringisäpen Voltsrats, der 2» Borsisttttde des GrwctDschastshrrudcs Ber­lin, ein Vertreter des Deutschen E:sci:bahnrr- bundes und der Zivizkon»»n»ffar dexProvinz Sachse«. J»r einer mehrfriindigen Debatte wurde einstimmig auf dir Gefahr eines nenen Militärputsches hingcwiese»» und folgeirde 3tid)tlimc!t einstimmig angenommen:

1. Znrückzichnng der Reichswehr aus dem Boztla:,d auf Verlangen der Vrbeitcrorgani- satronen.

2. Unter der Reichswehr und den Ar­beitern Aufklärurrgsarbeit im Sinne des sozialiftischeit Klasse-karupfcs zu leisten.

3. Auflösung der Reichswehr und Bewass- »nug der Arbeiterschaft unter Kontrolle der Arbeiterorganisationen.

4. dir Arbeiter ganz Mitieldelttschlands aufzurufen mit Hirse drr Betriebsräte den Gcncrarstreik in ganz Deulfchiarrd zur Durch- setzung obiger Ziele zu propagieren.

Ein SoziaröSmokrak über die Lage im Muhrgebie!.

Die Reichswehrbrigade 13 (württembergifchc) hat in das Ruhrgebiet ben sozialdemokratischen Abgeordneten Öfter abgesandt. Dieser hat an die Brigadeführung folgenden Bericht geschickt:

Die Kampfhandlungen sind so gut wie be- enbet, die Rote Armee befindet sich in voller Auf­lösung. Der größte Teil versteckte feine Waffen und ging wieder als Privatmann an seine Ar­beit. Die übrigen, di.e begründete Ursache haben, vorläufig zu verschwinden, gingen in das besetzte Gebiet, um dort bessere Zeiten abzuwarten. Die Arbeit ist überall mit wenigen Ausnahmen wie­der ausgenommen worden. Aeußerlich betrachtet ist die Ruhe und Ordnung wiederhergestellt, doch nur scheinbar. Das Feuer glimmt unter der Asche weiter, und jeder Tag kann neue Ueber« raschungen bringen. Zumal die Ablieferung der Waffen ist sehr geringfügig, noch keine 10 v. H. sind abgeliefert. Es herrscht deshalb eine sehr gedrückte Stimmung darüber, daß die Reichs­wehr wieder abrücken soll, ehe die Entwaffnung durchgeführt ist. Nicht etwa nur in bürgerlichen Kreisen sondern auch in Arbeiterkreifen fürchtet man eine Wiederholung der Schreckensberrsrbaft

der bewaffneten Banden. Hatte man zwar in den ersten Tagen bei der Abwehr des Kapp- Putsches auf Ordnung und Disziplin in der Ro­ten Armee gehalten, deren Führer in der Mehr­zahl aus U. S. P.-Leuten bestanden, so änderte sich das sehr -schnell. Die zahl- und wahllose Be­waffnung aller sich Z«drangenden rächte sich bit­ter. Die Leiter der Organisation verloren sehr schnell die Führung. Anstelle der anfänglich straf­fen Oberleitung trat die Bandenbildung, die auf eigene Fault vorging. Beichlagnahmungen aller möglichen Gegenstände, nicht nur Lebensrnittel wurden unter Bedrohung mit der Waffe durchge­führt. Der unabhängige Führer eines 10 000 Mann starken Heeres, das nach Dortmund mar­schierte, warnte selbst die Dortmunder Stadtver- walttrng telephonisch. Er meldete den Anmarsch eines Haufens und teilte mit, die Stadt möge sich vorsehen, er habe die Leute nicht mehr in der Hand. So ging es bei der ganzen Roten Armee. Wer heute Führer war, war morgen ab gesetzt. Das Wort Verräter, das von dunklen Existenzen in die bewaffneten Haufen hineingeschleudert wurde, tat immer seine Wirkung. Das, was die U. S. P. D. seit Jahr und Tag gegen die S. P. D. anwandte, wandte sich in diesen Tagen gegen sie selber. So kam es, daß sie nach wenigen Tagen gezwungen war, mit den übrigen starteten zu­sammen sich hilfesuchend an die Regierung zu wenden. Die Arbeiter eines Kohlenbergwerks bei Dortmund nahmen die Verteidigung des Bergwerks selbst in die Hand. Sie warfen regel­rechte Schützengräben aus, ebenso die Zehn- tausende von Arbeitern in den Gruben eines Hüttenwerks Union. Ein bitterernstes und über­aus trauriges Bild! Arbeiter schienen sich gegen­seitig über den Haufen; einige Führer, U. S. P,- Leute, mürben als Verräter an die Wand ge­stellt. Mißtrauen, Haß und Neid gewannen rasch üie Overygich. Dabei _ift das Ende nicht voraus, -usehön. Unter bet Decke wird weiter geschirrt und gehetzt. Jeder Tag kann eine neue Auflage bringen. Mancher, der seither für Diktawr schwärmte, ist in den wenigen Tagen gründlich geheilt worden

M?llerand im Senst.

In der gestrigen Senatssivnna gab Millerand die­selbe Erklärung ab wie gestern in der Kammer. Er schloß mit den Worten:

In demselben Augenblicke, in dem Donar Law int Unterhaus im Namen feiner Regierung seine Er­klärung abgab, sind der französische und der britische Kriegsminister in Paris jmammengetreten, um, indem sie ihren Worten gleich die Tat folgen ließen, mit den militärischen Sachverständigen zu beraten über die Entwafsnnng Dentschlands. Dieses heb! den Wert und die Festigkeit unseres Bündnisse? bervor

Lord Derb» wieder in der Botschafter- Konkerenz.

WR. Baris, 14. April. Lord Derb» hat vor seiner Regierung Weisung erhalten, am Donnerstag wieder an der Botschalterkonferenz teilzunehmen uni sich an der Diskussion zu beteiligen.

Bslgische Truppen in Frankfurt

WB. Frankkurt a. M 14. April. Ein Bataillon belgischer Soldaten traf gegen 4 Uhr zur Verßärknng der französischen Truvvcn im hiesigen GSterbabxbos ein «nd wurde unter Entfaltung reicher milttiriidien Gepränge? von der gesamten hiesiger französischen Garnison, die auch Spalier in der Dnrch-wngSstraßen vom Güterbahnhof bis zum Overn- platz bildete, empfangen. Nach einer Begrüßung bxrd die hier anwesende französische Generalität wurden die Belgier von den Franzoffn nach ihrer Komman- bentnr im Jmperial-Hotel geleitet. Im Anschluß an den Empiang fand eine Darade der Belgier uni Franzosen auf dem Opernplatz statt.

Entweder Oder.

WB. Amsterdam, 14. April. Westminster Gazette schreibt: Die Alliierten können entweder die Be­setzung auSdebncn und die wirtschaftlich« Schraube gegen Deutschland gebrauchen mit dem Er­gebnis, daß sie die Unorbmutg in diesem Lande ver­größern und in diesen inneren Kampf hweingezogen, werden oder sie können gemeinsam überlegen welche? die wirklich wichtigen Punkte bc 3 Friedensvertrages sind, die unbedingt dura>- geführt werden müssen und in welchen nicht wichtigen Punkten Zugeständnisse gemacht werden können. Das Blatt weist "darauf hin, daß die schwierige Lage der deutschen Regiening nicht verbessert werde, wenn die 31 (liierten den Militaristen in die Hände spielen, indem sie Unmögliches verlangten, und fährt dann fort: Wenn wir vernünftig handeln wollen, müssen wir uns darüber klar werden, was Deutschland leisten kaun und war es nicht leisten kann. Wir müssen den Friedensde- bingungen so viel wie möglich von ihrer Schärfe nehme».

13 MiMonen Mark Lumullschäden.

WB. Duisburg, 14. April. Die Anmeldun­gen von Tumultschäden bei der Stadtver­waltung habe« zurzeit 13 Millionen Mark erreicht.