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Nr. 84
Samstag den 19. April
1926
Erscheint mtt Genehmigung der Besatzungs- behörde.
Es wkrd uns gemeldet:!
Dendenziöse oder falsche Nachrichten werden zur Zeit verbreitet, offenbar zu dem Zweck, die öffentliche Meinung zu erregen. Eine davon gibt an, daß von Seiten Amerikas eine Intervention erfolgt sei, durch welche die französisch« Regierung ersucht wird, ihre Truppen aus dem neubesetzten Gebiet zurückzuziehen; diese Behauptung entbehrt jeder Grundlage. Die andere berichtet über einen Zwischenfall, welcher sich in der Gegend von Friedberg (nördlich Frankfurt) zwischen einer französischen Kavallerie-Patrouille und 'einer deutschen Kavallerie-Patrouille ereignet hat und gegen welchen von deutscher Seite Protest erhoben worden ist. Dieser Borfall beschränkt sich auf einige Schüsse, die in der Tat gegenseitig abgegeben worden sind, übrigens ohne Erfolg. Dieser Fall hat sich aber in dem von französischen Truppen neubesetzten Gebiet zugetragen. Er wäre nicht sorgekommen, wenn nicht ein deutsches Truppen- rbtoil dieses Gebiet betreten hätte.
Das Neueste.
Die Reichsregierung hat an die französische Regierung eine neue Note gerichtet, in der Frankreich für alle Schaden aus der Besetzung haftbar gemacht wird.
Zum Minister des Auswärtigen wurde Dr. Adolf Köster, der besonders als Kriegsbericht- rrstatter bekannt ist, bestimmt.
wen östreichisch« SrüLtzrt-nzter Keime: wurde vom italienischen König empfangen.
Eine neue -ratsche Note nach Paris.
WB. Berlin, 8. April. D« ftanzösischen Regie» rung ist folgende Note übergeben worden:
„Dre durch den FriedenSvertrag nicht gerechtfertigte und vorher nicht angekündigte Besetzung deutschen Gebiete» hat pr zahlreiche» Zwischenfällen geführt. Dab« hat u. a. eine Anzahl Deutscher den Tod erlitten, eine größer« Anzahl ist verwundet wor- bex. Unter Wahrung aller weiteren Ansprüche, bie ter deutschen Regierung au» bem ftanzösischen Vor- gehen erwachsen, erklärt sie schon jetzt, daß sie die fran- ■ zöstsche Regierung jedenfalls für alle Schäden h a ft- b a r m « ch 1, die Deutsche» durch die jüngsten Vorkommnisse «stande» find oder noch entstehen können. Eine weitere Mitteilung behält sich die deutsche Regierung bis nach Erledigung der Emzclfälk« vor.
Eine englische Note.
WB. Paris, 9. April. Vormittags fand ein Dtiniifterrat unter dem Vorsitz des Mnifterpräfi- denten Milleccmd statt Millenrud unterrichtete ferne Kollegen über die Sage in Deutschland und über die Derbatnate der engKscheu Rogievumg über die Besetzung rechtsrheinischer Städte. Da die offizielle Note der englischen Regierung noch nicht in Paris eingetroffon war, vertagte sich der Ninffterrat auf den späten Nachmittag.
WB. Paris, 10. April- Wie Havas-Agentur berichtet, wird Millerand am Montag vor der Sommersommiffitm für auswärtige Angelegenheiten gehört werden. Willerand wird auch zur gegebenen Zeit in der Kannner eine öffentliche Erklärung abgeben.
Wetter nuldet Havas, daß der' französische Botschafter in London beauftragt wurde, der britischen Regierung die Antwort der französischen Regierung auf die ihr, am Donnerstag zu- ?egangene Note zu übermitteln. Millecand hat dieses Dokument gestern- nachmittag dem englischen Botschafter in Parts zur Kenntnis gebracht.
WB. Paris, 10- April. Wie das „Echo de Paris" meldet, wird die Antwort Millecands auf die englische Note, die gestern nachmittag dem englischen Gesandten mitgeteilt wurde, durch Paul Cambon Lord Curzon selbst übergeben ®erben. Sie versichert die Ergebenheit Frank- ceichs seinen Verbündeten gegenüber und erklärt, Frankreich habe niemals die Absicht gehabt und ü'crde niemals daran denken, sich von seinen alliierten zu trennen- Es hoffe, daß ber Vertrag dvn Versailles so schnell wie möglich ausgeführt Erde. Weiter meldet das genannte Blatt, daß sämtliche Minister, die an dem Ministerrat teil» genommen hätten, einstimmig das. Exposee Mille- mnds über den Inhalt der Antwort, die eine Stunde später dem englischen Botschafter überleben wurde, billigten. Millerand gab zu er= kennen, wie mehrere Zeitungen, besonders der -Petit Parisien", melden, das Parlament so schnell wie möglich über die Lage in Kenntnis Meu »u maßen. Seine Erklärmm im Parlament.
Vor dein Abschluß der Polizeiaktion.
Berlin, 8. April. Die Polizeiaktion Ruhrgebiet, die am 8. April ihren Anfang „ nommen hat, steht vor ihrem Ende. Der allergrößte Teil des Ruhrteviers ist bereits von den Banden gesäubert, und es ist nur noch die Frage, ob sich die Besetzung von Elberfeld und Barmen, wohin sich ein Teil der Banden vor den vordringenden Reichswehrtruppen zurückgezogen hat, ohne größeren Widerstand von den Reichsmehrtruppen wird durchsetzen lassen. Geht auch die Besetzung dieser beiden Städte ohne größere Kämpfe vor sich, und das ist nach den Erfahrungen, die bisher bei der Polizeiaktion aemackt worden sind. zu erwarten, dann
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werde wahrscheinlich am Montag erfolgen, falls die Unterhandlungen zwischen den Alliierten dies erlauben.
Eine SymNakhiekun-gebunZ Gelgreus.
wb. Paris, 9. April. (Havas.) Der „Pettt Parisien" erfährt, daß die belgische Regierung die Handlungsweise Frankreichs einstimmig billige und der Ministerrat beschloß, der französischen Regierung die belgische Hilfe bei ihren Unternehmungen auf dem rechten Rheinufer anzubieten. Diese Lösung der Angelegenheit gelte als Sympathiekundgebung für Frankreich. Das „Petit Journal" fügt hinzu: „Es bereitet dem König große Freude, daß seinem Lande sobald die Gelegenheit gegeben werden sollte, sich Frankreich gegenüber erkenntlich zu zeigen." Außerdem teilt der „Pettt Parisien" mit/ daß der Ministerrat ebenfalls beschlossen habe, die in der Schwebe befindlichen äußeren Angelegenheiten erledigen zu können. Zu allererst würde der Wunsch laut, die Verhandlungen betreffs der belgisch-sranzösischen Allianz weiter fortgesetzt zu sehen. Es scheine auch, daß gerade in dieser Frage ein bedeutender Fortschritt gemacht worden sei. Millerand habe bereits der belgischen Regierung seine Vorschläge betreffs der Eisenbahnen unterbreitet, und es sei bereits zu einer Einigung gekommen dahin gehend, daß Belgien sein gesamtes Eisenbahnmaterial zur schnelleren Gestellung von Truppen nach den besetzten Gebieten zur Verfügung gestellt hat. Diese Entscheidung habe in der Bevölkerung großen Jubel heroorgerufen.
Auslan-sstimmen über -as Vorgehen Frankreichs.
WB. Christiania, 9. April. Zur Lage wt *** neutralen Zone sagt „Morzenblaabt" in 'einem Leitartikel, die französische Mion habe das weit« .gesteckte Ziel, einen Keil zwischen Süddeutschland unb Preußen zu treiben. Dies sei alte französische Tradition. Beim Entstehen einer kommunistischen Republik Frankreich könne Frankreich besser im Drüben fischen. „Verdensgang" schreibt im Seit« artikel, daß die übrigen Alliierten einer revisionistischen Friedensttaktatpolitik zuneigten. Die Besetzung deutscher Städte durch Frankreich werde sicher wenig Mderhall bei seinen großen Alliierte finden. Amerika werde als Alliierter eines engst W fron z 5 sisch-amerikan ischen Defensivbünd- nisses wohl verloren gehen. DaS Regierungsorgan „Jntelligenssedler" erklärt in einem Leitartikel über die Rechtsgrundlage des Stteiffalles, daß Deutschland zwar forwell ben Friedensvertag verletzte, daß ihm aber in der Arffruhrbewegung ein schuldaufh eben des Notstandsnwment zur Seite stehe. Klug und zuftiedenstellend sei der Hinweis der deutschen Note auf den Artikel 13 des Völkerbundstraktats. wodurch Deutschland sich dem Spruch des Rates unterwerfe.
■ Stockholm, 8. April. Der französische Einmarsch wird in der schwedischen Presse ziemlich hart kritisiert. „Stockholms Dagblad" schreibt, weim der französische Standpunkt auch auf stärkere formale Grundlage Hinweise. so habe die deutsche Regierung doch eine stärkere realere Gnmdlage. Der Versuch, die Aufruhrbewegung im Ruhrgebiet zu unterdrücken, diene ebenso den fran» zäsischen wie den deutschen Interessen. „DagenS Nyheter" meint, Frankreich« Schritt sei in erster Linie eine Demonstration nach zwei Seiten. Sie fort eine Warnung an Deutschland sein, die Verpflichtungen des Versailler Friedens einzuhalten,, und ein Wink für die Alliierten, daß Frankreich nicht davor zurück- schrecke, mit eigener Hand die Durchführung des Vertrages zu überwachen.
London, 9. April. Die britische Regierung hat Cambon mitgeteilt, daß sie die Frage der französischen Intervention von einem ander«» Gesichtspunkt betrachte wie die französische Regierung.
Nach einer weiteren Meldung aus London wird Lloyd George am Freitag früh abreisen und sich direkt nach San Remo begehen und nicht, wie ursprünglich gemeldet, erst nach Paris. Die Nachricht, daß Belgien eine Truppenabteilung in das Ruhrrevier senden wolle, httt in London großes Aufsehen erregt. -
Die Lage im Ruhrrevier.
ist die größere Attion im Ruhrgebiet damit beendet. Das dürfte schon morgen, jedenfalls aber übermorgen, am 10. April, der Fall sein. Die ursprünglich von der Legierung in Aussicht genommene Dauer der Aktion wird also nicht überschritten werden.
Die Oberbürgermeister des Ruhrgebiets über die Besetzung.
Die in Düsseldorf versammelten Oberbürgermeister und Landräte des Regierungsbezirks Düffeldorf beklagen es auf das Tiefste, daß die französische Regie- rnng die infolge der Unruhen im Ruhrgebiet not wendig gewordenen RegierungSmaßnabmen zum Anla nahm, weiter« Teile des deutschen Vaterlandes zu be setzen. Die niederrheinische Bevölkerung schmerzt eS bitter, daß auf diese Weise unbeteiligte Volksgenossen neue Opferlasten auf sich nehmen müssen. Die Land- räte und Oberbürgermeister deS Regierungsbezirks erklären jedoch aus amtlicher Kenntnis der Verhältnisse, daß nach verantwortungsvoller, pflichtgemäßer Beurteilung der Lage der ReichSregierung nur diese Art des angewandten staatlichen Zwanges übrig geblieben sei, um Plünderungen, Gewalttätigkeiten und Anarchie im Ruhrkohlengebiet zu cmterdrücken. Nur so konntest d Lebensbedingungen deS Staates gerettet und die Richt erfüllung wichtiger Friedensbedingnngtn verhindert werden.
Effen, 9. April. (Wolff.) Abends waren Vertreter der Entente hier, um sich über die Lage im Industriegebiet zu informieren. Von den zuständigen Stellen konnte ihnen leicht nachgewiesen werden, da bei der Besetzung der Rührgrbiets die Versailler Frie denSvertragSbestimmungen hinsichtlich der Kopfstärke nicht übertreten wurden. Auch überzeugten sich die Vertreter, daß die Reichswehr vom größten Teil der Bevölkerung mit Freuden empfangen wurde und wie sinnlos die Behauptung ist, das Einrücken der Reichswehr sei ein neuer Ausbruch bei Militarismus.
Duisburg, 9. April. Da die Frist für die Forderung des Verbandes auf Abzug der Reichs- wehr bald abläuft, und da der Verband sich durch besondere Abgesandte, die bereits im Industrie- gebiet eingetroffert sind, über die Durchführung dieser Forderung unterrichtet, wird mit aller Beschleunigung an der Neugestaltung des Sicher- heitsdienfteS auf der Grundlage der Bielefeld« Beschlüsse in den einzelnen Städten gearbeitet. In Oberhausen, Hamborn und Sterkcade haben bereits Besprechungen in ben Verfassungsausschüssen stattgefunden, und die Bildung von Sicherheitswehren, die aus den Mitgliedern der vier Gewerkschaften bestehen, und zu denen die Angestellten, Beamten und Bürgerkreise hinzugezogen werden, ist in die Wege geleitet. Die Entlohnung wird von der Stadt-vvrgenommen, geschieht aber in der Weise, daß die Wehrmitglieder von ihren Arbeitgebern beurlaubt und von diesen wie bisher entlohnt werden. Wo staatliche Sicherheitswehr vorhanden ist, wie in Duisburg und Dinslaken, wird diese vorläufig zum Polizeidienst verwandt.
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Der neue Minister des Auswärtigen.
Zum Reichsminister des Auswärtigen ist Reichskommissar Dr. Adolf Köster in Aussicht genommen. Köster entstammt einer Fischer faimlie in der Nordmark, wurde am 8. März 1883 als Sohn eines Zollbearnten in Verden an der Aller geboren und besuchte nacheinander die Volksschule, die Realschule und das Gymnasium in Hamburg. Köstey widmete sich dann dem Studium der Philologie und bezog nacheinander die Universitäten Hamburg, Halle, Marburg und Zürich. In der wissenschaftlichen Welt bekannt machte sich Köster mit einem Werk über die Ethik Pascals, einer Schrift über den jungen Kant sowie einer Darstellung der Entstehung der modernen Pädagogik. Daneben machte sich ^Köster auch mit einem Novellenband „Die zehn Schornsteine" und einem Roman „Die bange Nacht", der 1913 erschien, einen guten Namen. Ausgedehnte Studienreisen, die Köster durch ganz Europa, nach Asien, Afrika und Amerika führten, gaben iHn hinreichende Gelegenheit, sich mit frein den Völkern und fremden Verhältnissen vertraut zu machen. Politisch schloß sich Köster schon in früher Jugend der sozialdemokratischen Partei an. Nach der Revolution war er zuerst in der Reichskanzlei tätig. Danach würd >: zum Reichs- koimmssar für die Abstimmungsgeblete in Schleswig-Holstein ernannt. Auf diesem wichtigen Posten erwarb sich Köster durch sein entschlossenes
geschicktes Eintreten für die deutsche Sache das Vertrauen der gesamten Bevölkerung. Es ist ihm und seiner organisatorischen Tätigkeit mitzuver- ranken, daß die Abstimmung in der zweiten Zone für Deutschland ein so überaus günstiges Ergebnis hatte. Durch die Verhandlungen mit dem internationalen Ausschuß in Schleswig-Holstein formte Küster den Beweis diplomatischer Be- ühigung erbringen. Zur Zeit befindet sich Köster n Kiel, um die durch den Kapp-Putsch geschaffenen Zustände wieder in geordnete verfassungs- mäßiae Bahnen «u [eufcru
Der „Vorwärts" berichtet von dem neuen Minister des Auswärtigen Adolf Köster, daß er sein Mitarbeiter gewesen sei. Nach der „Dosfifche» Zeitung" ist er Kriegsberrchterstatter gewesen, Hai dann als Sekretär bei dem Chef der Reichskanzle Kurt Bake gearbeitet und in Weimar enge B» Ziehungen zu dem Grafen Drockdorff-Rantzra gehabt.
Die Spaltung in der K. P. D«
Berlin, 8. April. Ueber die Spaltung in bei K. P. D., die zur Bildung einer neuen kommunistische» Partei, der kommunistischen Arbeiterpartei Deutsch- landS, führte, berichtet der Vorwärts: Die Meldung« von der jüngst erfolgten Spaltung in der R. P. D erfuhren eine deutliche Illustration in der am Mittwoch vom Spartakusbund (Alte R. P. D-i einberufen« öffentlichen Versammlung. Die feindlichen Brüd« kamen fich so erbittert in die Haare, daß mehrmals bii Sprengung der Versammlung drohte. Der Referent des Abends, Eberlein, von der Zentralstelle bei R. P. D-, gab eine historische Entwicklung der Revo» lntion seit dem 9. November; diele hätte zwar poli. tisch manches — nicht viel allerdings — geändert toirtschaftlich gar nichts. Daran trage vor allem „du MebrheitSpartei unter ihren trottelhaften Führern" schuld, die nur Strohpuppen waren in der Hand der Reaktion. Der Streikabbruchsbefehl sei durch deu Verrat und die Unfähigkeit der U. S. P. D- gelungen. Die Massen der Unabhängigen wanderten jetzt in dichten Scharen zur R. P. D- Der Referent forderte: revolutionäre Arbeiterräte, Generalstreik, Generalausstand, Diktatur des Proletariats, Räteherrschaft. (Lebhafter Beifall.) In der folgenden Diskussion zeigte sich, daß diese Ausführungen den meisten Anhängern viel zu milde waren. Besonders wurde Sturm ge» laufen gegen die Wahl der revolutionären Arbeiter- räte, die genau wie die Betriebsräte nur eine unverständige reaktionäre Bildung wären. Alle Redner wandten sich ferner gegen die Gewerkschaften, die sabotiert und zertrümmert werden müßten. Der Jubel der Menge gebührte dem schärfsten Redner, der da rief: „Raus aus den Betrieben, auf die Straße, bewaffnet Euch, in den Kampf zum Sieg!"
Eine Finanzwelkkvnferenz.
WB. .Haag, 9. April. Der „Ricuwe Eoirant* meldet drahtleS aus London, daß 40 der führenden Staaten der Welt zur Teilnahme an der Anfang Mai in Brüssel statt findenden Finanzweltkonferenz aufgefordert werden sollen. Man hofft, daß Amerika M ebenfalls beteiligt. ES soll über die Handelskrediti und die Währungrfrage beraten werden. „Evenmz Standart" zufolge werde jedes teilnehmende Land verpflichtet, der Konferenz seine Bilanz, sein Budget, seine vollständige Dvbct- und Ärebitlage sowie seine besonderen Finanzschwierigkeiten mitzuteilen.
Deulschlan-s Ruin muh verhAer wer-en.
Ipu. London, 9. April. (Eigenmeldung M „Han. Anz.") Der frühere englische Auslands. minister schreibt in amerikanischen Blättern über die wirtschaftliche Lage der europäischen Staaten u. a.: Schlachten gewinnen ist nicht länger das Weltproblem. Die wichtigste Frage ist jetzt, wie Europa sich wieder aufbauen läßt; denn, wenn Mitteleuropa zusammenbrechen sollte, würde die Zivilisation der ganzen Welt vom Verderben bedroht sein. Alle europäischen Nationen stehen am Rande eines wirtschaftlichen Abgrundes, unter ihnen ist Deutschland die be- deutenste und der Ruin dieses Landes muß daher verhütet werden. Eine gründliche Revision des Vertrages ist nicht durchaus notweirdig, doch verschiedene Puntte müssen klarer bestimmt werden. Die Summe, welche Deutschland zahlen kann und soll, muß schnell vereinbart werben. Es ist unmöglich, zwei politischen Richtungen zu folgen. Die eine sucht Deutschland ohnmächtig zp machen, und die andere fordert, daß es Milligr- den hergeben soll. Deutschlands Wiedergeburt kann eine Gefahr bilden,.welche abzuwenden d« Völkecliga geschaffen würde. Wollte indessen Frankreich das linke Rheinufer behalten, so würd» ihm nur eine Last ausgebürdet sein. Die Völker liga besteht, obwohl sie durch Abwesenheit bei Vereinigten Staaten geschwächt ist. Doch seW in ihrer jetzigen Form bildet sie eine wirksamer« Bürgschaft des Friedens als irgend eine teilweise Mianz.
Studium -er wirtschaftlichen Wer* Hallnisse Zentraleuropas.
WB. Wien, 10. April. In den nächsten Tagen treffen hier zum Studium der wittschaft- lichen Verhältnisse Zentraleuropas eine Anzahl amerikanischer Finanzleute ein unter Führung des dem Morgan Konzern angehörenden Finanz, nannes Morphy, der der Leiter einer der größten und angesehensten Handelsorganisationen ist, die ihre Tätigkeit Lbdr ganz Europa ausdehneu will.
(Weitere Polttische Nachrichten auf Seite 5^