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Sanauer 1 Anzeiger

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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Skabl- und Landkreis Kam»

Erscheint täglich mit Ausnahme der-Sonn- und Feiertags

Verlagsleitung Verantwortlich: für i TeilRich.Sultich^fi Teil sowie Evort 33. Reklamen A. Bro Rotationsdruck d. War FernIvrechanschli

Nr. 83

Freitag den 9. April

1920

Erscheint mit Genehmigung der Besatzung» " behörde.

Eine deutsche Protest-Note.

Der dentsche GeschLftSträqer in Paris hat bei ftanzösischen Regierung eine Not« übergeben, in der die Reichsregierung energischen Protest gegen die Be­setzung der Städte Frankfurt, Darmstadt, Hanau usw. «hebt.

Eine neue franzSstsche Note.

WB. Paris, 8. April. Millerand überreichte dem dcutfchm Geschäftsträger folgende Note:

Bor der Besetzung von Frankfurt a. M., Hanan, Darmstadt, Homburg und Dieburg hat die franzöfische Kegierung pflichtgemäß ihre Alliierten benachrichtigt und ihre Meinung eingeholt. Seit dem Inkrafttreten der Friedensvertrages hat sie zn wiederholten Malen den Willen bekundet, mit ihren Verbündeten ein enges Einvernehmen aufrecht zu erhalten, indem fie manch­mal ihre« Standpunkt demjenigen ihrer Alliierten untergeorbnet hat. Sie war an dem Tage gezwungen zu handeln, an dem sie sich nicht nur einer Verletzung der allgemeinen Klauseln de» Vertrage» gegenübcr- jefteHt sah, die alle Alliierten angebt, und die für die durch die hervorgerirsene Lage besonder» fühlbar ist, sondern an dem auch da» Wort gebrochen wurde, das ihr die deutsche Regierung mit den von ihr einge-

Sm Verhandlungen gegeben hatte Am 26. März

der französische Ministerpräsident in der Dcpu- liertettkmtntr, es sei z« hoffen, daß die für den Beginn der brmgenbften Wiedergutmachungen notwendigen Beschlüsse nicht lange auf sich warten ließen. Am U. März erklärte Herr Göppert der ftanzösischen Regierung, seine Regierung habe die Möglichkett der Entsendung von Srfatztrnppe» in das Ruhrgebiet ohne vorlwrgchendt Ermächtigung durch die französische Regierung in keinem Fall m Aussicht genommen. Am L Avril bestätigte Herr Millerand dem deutschen MgtzSftrtrSgrr in Pari» «- Maruag, b« er am

zSsifchen Truppen ermächtigt würden, gleichzeitig die Städte Frankfurt, Darmstadt, Homburg, Hanau und Dieburg ja besetzen. Am 8. April abends gab Herr Göppert zu, daß ReichSwehrtruppen die durch den Beschluß vom 9. August 1919 festgesetzte Höchstgrenze überschritten haben und in das Ruhrgebiet einge­drungen seien. und verlangte gleichzeitig im Namen der deutschen Regierung, baß die zu diesem Zweck not­wendige formelle Genehmigung nachträglich der deut­schen Regierung gegeben werde. Gleichen Tage» teilte UnterstaatSsekretär im Auswärtigen Amt v. H a n i e l m Berlin dem Stellvertreter des Generals Rollet, dem General Berthelench, mit, die deutsche Regierung habe

dem Reich-kommissar Severing volle Handlungsfreiheit über die angtstcht» der Opcratione» im Ruhrgebiet konzentrierten Truppen gegeben und nehme die Ver- anitoorhmg für ihre Tätigkeit in der neutralen Zone euf sich. Die französische Regierung setzte unverzüg-

uns sich. Die französische Regierung setzte unverzüg­lich die Alliierten von dieser Lage in Kenntnis. In­dem die ftanzösische Regierung ihren Alliierten an« zeigte, daß die deutsche Regierung durch ihr Vorgehen den Art. 44 des Friedensvertrages von Versailles btr« ■ letzte, dessen Verletzung den cxans belti bedeute, sprach sie die Hoffnung aus, daß die anderen Regierungen gleich wie sie die Rotwendigkcft einer unverzüglichen Emschreiken» erkennen und der ftanzösischen Regierung wirksame Mithilfe in der Ausführung der militärischen Maßnahmen leisten würden, die jetzt weder umgangen «»ch aufgeschoben werden könnte.

Er. war dies übrigens nicht das erste Mal, daß tie französische Regierung ihren Alliierten diese Not- »enbigteit darlegte. Am 23. März hatte Frankreich auf der Londoner Konferenz den Vorschlag ein­

gebracht, Frankfurt und Darmstadt zu besetzen. Diese drückte aber am 25. März ihre Ansicht dahin aus, daß der Zeitpunkt unpassend sei. Die deutsche Regierung wandt« sich direkt an die französische Regierung, um die Bewilligung zum Einmarsch von Truppen in das Ruhrgebiet zu erhalten. Die französische Regierung hatte keinen Grund, sich zu Verletzungen des Ver­trages hinzugeben, da alle ihre Erkundungen mit denen der Alliierten übereinstimmten und alle Alliier­ten einmütig die militärische Besetzung des Ruhr- Sebiets als unnötig und gefährlich betrachteten. An­dererseits wiesen alle Vorkommnisse darauf hin, daß die Initiative zu diesen Operationen der deutschen Militärpartei zugeschrieben werden müsse. SS war die Militärregierung von Kapp, die sie ergriffen hatte, und es war die Militärpartei, die trotz der starken Umwände, die selbst im Schoße der deutschen Regie- r»ng gegen die vorgesehene Intervention erhoben tvurdcu', darauf Scharrte, daß er unmöglich sei, ohne Erhöhung der Kräfte die Ordnung im Ruhrgebiet wieder hcrzustcllen. Frankreich sah sich somit einer Maßnahme gegenüber, die nach einstimmiger Ansicht der Alliierten nicht ohne vorhergescheue Ermächtigung ihr Ausführung gelangen durfte, die keineswegs durch bie Umstände gerechtfertigt war, und für die die deutsche i Regierung Frankreich gegenüber die formelle 33er- Pstichtung eingegangen war, sie nicht ohne Ermächtigung ^szuführen. Diese Maßnahme war durch den Um- : Hand besonders schwer aufzunehmen, daß die Alliierten ^otz ihrer beständigen Bemühungen die Ausführung Klauseln bezüglich der Abrüstung Deutschlands uoch nicht erreichen konnte.

.Die französische Regierung handelte so- Alt gleichzeitig im allgemeinen und im Interesse Frankreichs. Er ist übrigens nicht xötig, in Er- ^Uung .u ruscu, da!» sie' entschlossen ist, die

freien, sobald die deutschen T r u p p e n die neutrale Zone vollständig verla ssen haben. Die Haltung der französischen Regierung ist durch das Vorgeben der demschen Regierung gerechtfertigt. Die französische Regierung wird übrigens ihre. An- schaumig in bezug auf Deutschland, mit dem sie auf­grund der wirtschaftlichen Zusammen­arbeit i« Handelsbeziehungen eintreten will, von denen die Situation Europas nur gewinnen kann, nichts ändern. Am 26. März sprach sich der srauzösische Ministerpräsident in diesem Sinne im Parlament «u», wenn er sagte: „Ich meinerseits schließe den Gedanken eines wirtschaftlichen Zusammen- arbeitenS nicht an». Ich habe schon gewisse Möglich­keiten im Auge. Die Grundbedingung, die aber vor- angebt, ist, daß die deutsche Regierung, mit der ich — ich wiederhole eS — bereit bin, wirtschaftlich zusammen zu arbeiten, zunächst den Beweis ihres guten Willens erbringt, indem sie ihren Verpflichtungen nachkommt.

Am 29. März bestätigte Herr Millerand Herrn Mayer seine Absicht, eine Aera neuer Beziehungen zu Deutschland auf dem Wege wirtschaftlicher Zusammen­arbeit zu beginnen. Als die französische Regierung am 4. April ihren Vertretern im AuSlande die Be­schlüsse mitteilte^ die sie gefaßt hatte, bat sie, wissen zu lassen, daß, wenn sie diese Haltung eingenommen hätte, sie keinem feindlichen Gedanken Deutschland gegenüber gehorche. Sie wiederholte die Versicherung, Frankreich wünsche bald wieder die nor­malen Beziehungen zu Deutschland aus der Grmdlage wirtschaftlichen Uebereinkommens zu haben. Sie fügte bei, daß die Anregungen, die in diesem Sinne unternommen würden, bei ihr günstigste Auf­nahme finden würden, und «achte die Mitteilung, daß unter gewissen Umständen die Initiative von Frankreich au» kommen würde.

Auch Belgtsn?

Brüffel, 8. April. Der Ministerrat trat heute unter dem Vorsitz des Königs zusammen und prüfte die durch die letzten Ereignisse geschaffene Lage. Um den Grundsatz der Solidarität der alliierten gegenüber Deutschland zu bestätigen und Frankreich ein Zeugnis der Freundschaft yt geben, beschloß der Ministerrat, die französische Regierung wissen zu lassen, daß er bereit fei, sich an den infolge der Lage im Ruhrgebiet ergriffenen Besetzungsmaßnahmen durch Entsendung eines Detachement» zu beteiligen.

L«M8

Die Lage im Ruhrgebrel.

Zur Beurteilung der Lage im Ruhrgebiet stehen uns nur Berlin er Blätter zur Verfügung, denen wir folgendes entnehmen:

Von zuverlässiger Seite wird der „Voss. Zig." aus dem Industriegebiet mitgeteilt, daß die Lage dort durchaus zuversichtlich beurteilt werde. Die rate Front ist überall zusammengebrochen. Das Verhalten der Reichswehr wird als im wesent­lichen korrekt geschildert. Vereinzelte Ausschrei- tungen sind maßlos übertrieben und auf gebauscht worden. Man hat die zuversichtliche Hoffnung, daß die Zustände bald wieder ins Gleichgewicht kommen werden. Schwierigkeiten macht nur noch der aus Essen geflüchtete Vollzugsrat, der sich in Bannen Befugnisse anmaßt, die ihm nicht zu- stehen. Bemühungen des Banner Oberbürger­meisters, ihn zur Einsicht zu bringen, waren bis­her erfolglos. Man hofft, daß die sozmldemo- kratische Partei nunmehr ihren Einfluß geltend machen wird.

Nach den behördlichen Meldungen ist in So­lingen infolge des Zustroms von Flüchtlingen Lebensmittelmangel eingetreten. Die Flücht­linge werden deshalb nach Köln abgeschoben, wo die deutschen Behörden für Unterbringung sorgen wollen. Ein Teil der Flüchtenden, Bergarbeiter, verlangen angeblich, nach dem Saargebiet ver­bracht zu werden. Für Hamm, wo die Lebens­mittelnot ebenfalls bedrohlich ist, befindet sich holländisches Mehl im Anrollen. In Barmen haben die Flüchtlinge der Waffenabgabe sich zum Teil mit Gewalt widersetzt- Die Lebensmittel­lage dort ist äußerst schlimm. Die Milchzufuhr stockt fast völlig, Brot konnte in der vergangenen Woche nur noch 3 Pfund »erteilt werden; Kar­toffeln fehlen gänzlich.

Der „Lokalanz." meldet aus Duisburg: Durch die im Industriegebiet gebildeten Stand­gerichte wurden bisher 10 Rotgardisten, die sich an den Kämpfen gegen die Regierungstruppen nach Ablauf der in Münster beschlossenen Amnestie beteiligten, zum Tode verurteilt. _ Es wurden jedoch nur zwei Todesurteile vollstreckt, da ein Telegramm der Regierung eintraf, weitere To­desurteile nicht zu vollstrecken. — Das große Militärlager in Friedrichsfeld ist von ,den Rot­gardisten völlig ausgeplündert und zerstört wor­den. — Die Verhandlungen des noch weiter tagenden Standgerichts in Duisburg ergaben, daß sich tatsächlich Ausländer in großer Anzahl in der Roten Armee befunden haben, was bisher stets abgestritten wurde, 3wet in Warschau ge­borene Polen erklärten bei ihrer Vernehmung, daß in Duisburg Laar eine besonderc^Kompagnis gebildet worden sei, die nur aus Russen bestand.

russischer Offizier gewesen. Er habe als ehe­maliger Kriegsgefangener die Gegend hier kennen- gelernt. Ein großer Teil der Roten Armee bestand auch aus Obdachlosen. Die weiteren Verneh­mungen ergaben, daß selbst ein großer Teil der Kommunisten schon lange vor den Zusammen­stößen mit den Reichswehrtruppen sich aus der sogenannten Roten Armee entfernt hatte, da sie die zum Raubzug ausgeartete Aktion nicht mehr mitmachen konnten. Ein Angeklagter, der einge- stand, einen Offizier hinterrücks erschossen zu haben, und der ferner den Befehl erhalten hatte, den Oberbürgermeister Dr. Jarres und einen Polizeikommissar zu erschießen, wurde zum Tode verurteilt, die übrigen wurden nach Wesel zur weiteren Aburteilung gebracht.

Dem „Lokalanz." zufolge verlautet, daß heute oder morgen auch in Düsseldorf Reichswehr- truppen einrücken. Hierbei scheinen strategische Gründe des Gesamtplanes maßgebend gewesen zu sein, da hier Unruhen nicht vorgekommen sind und die hierher geflüchteten Rotgardisten mühelos ent­waffnet werden konnten.

GMents - Abgeordnete im Ruhr- gebiek.

Der „Voss. Zig." zufolge sind im Ruhrrevier bereits Abgeordnete der Entente eingetroffen, um die Räumung der neutralen Zone zu überwachen. Wie das Blatt weiter hört, haben die Bürgermeister der großen Städte, mit Essen an der Spitze, beschlossen, eine Abordnung nach Paris zu entsenden, um dort die trostlose Lage zu schildern, die eintreten würde, wenn das Ruhrgebiet geräumt würde, ehe eine ausreichende Sicherheitswehr organisiert sei.

Der Reichskanzler über die Ver­handlungen mil den Gewerkschaften.

mit dem Reichskanzler. Das Mitglied brächte dem Kanzler gegenüber zum Ausdruck, daß innerhalb der Koalitionsparteien, insbesondere beim Zen­trum, Sorge bestände, über die am Mittwoch ge­führten, mit den Vorgängen im Industriegebiet sich beschäftigenden Verhandlungen zwi­schen der Reichsregierung und den Gewerkschaften. Der Reichskanzler be­merkte, daß ihm diese aufgetauchte Besorgnis nicht entgangen sei, daß aber eigentlich ein Grund für sie nicht vorliege. Die Besprechungen hätten in erster Linie informatorischen Charakter gehabt. Es sei falsch anzunehmen, daß die Reichsregie- rung auf den Vortrag der Gewerkschaften Be­schlüsse gefaßt oder Konzessionen gemacht habe. Im Laufe der Besprechungen habe die Reichs­regierung mitgeteilt, was sie zu den einzelnen Beschwerdepunkten in den letzten Tagen bereits beschlossen habe. So sei z. B. .inbezug auf die Aktion im Ruhrrevier wiederholt worden, daß die Regierung, ftic sie bereits in Paris habe wissen lassen, innerhalb sieben Tagen ihre Unterneh­mungen durchzuführen gedenke. Bezüglich des Einmarsches südlich der Ruhr sei den Behörden in Elberfeld, Barmen und Hagen bereits seit einigen Tagen zugesichert worden, daß in diesen Bezirken nicht einmarschiert werden sollte, da dort die verfassungsmäßigen Zustände bereits wie- derhergestellt seien. Inbezug auf die Frage der Auflösung der Zeitfreiwilligen- und Einwohner­wehren feien die Beschlüsse mitgeteilt worden, die auf Grund der Note der interalliierten Mi­litärkommission gleichfalls bereits gefaßt waren. Zu den Verfehlungen in Wilhelmshaven erklärte die Regierung, daß sie in das Gerichtsverfahren nicht eingveifen könne. Die Darlegungen der Re­gierung halten sich in den Bahnen der program- matischon Erklärung, die die Regierung der Na­tionalversammlung abgegeben habe und die Ge­werkschaften hätten nichts gewünscht, was dort nicht vereinbart gewesen wäre. Es verstehe sich von selbst, daß die sozialdemokratischen Dttnister ebenso energisch wie die bürgerlichen jede Art von Nebenregierung ablehnen wür­den. Bei den bisherigen Verhandlungen, mit den Gewerkschaften sei aber ein solcher Anspruch nicht zutage getreten. Auch die sozialdemokra­tischen Minister wüßteü, daß selbst d e r k l e i n st e Schritt abseits von derDemokratie ins Bodenlose führen müßte. Wenn nun hier und da im Zusammenhang mit den zwischen der Regierung und den Gewerkschaften gepflogenen Aussprachen von einer Berliner D i k t a t u r gesprochen worden sei, so müsse da­rauf verwiesen werden, daß erstens, ausgenommen die Berliner Gewerkschaftskommission, die in Frage kommenden Gewerksebastsorganisattonen nicht auf Berlin beschränkt sind, vielmehr ganz Deutschland umfassen, daß zweitens die Regierung genau wisse, daß in Süddeutschland auch nur der g e - r i n g st e V e r s u ch e i n c r B e r l i n e r D i k -

vergesse 'm keinem Augenblick, daß sie nicht nrK für Berlin, sondern für die Gesamtheit des Rei­ches da zu sein habe und daß sie nicht mir die Interessen eines einzelnen Landes, sondern viel­mehr die aller Klassen und Parteien wahren müsse.

Ein PatronMerrzusammenstotz.

WB. Berlin, 8. April. Zur Feststellung der vordersten französischen Postenliiaie wurden gestern von der zuständigen mflitärischen Stelle drei Osfizierspatrsuillen entsandt. Der mittleren Pa­trouille wurde in Oberwöllstadt von einem Zivi­listen gesagt, in Niederwöllstadt bestich« sich eine ftanzöstsche Patrouille. Der Patrouillenführer Leutnant Graf Kalnetn erklärte hierauf, er wolle zur Klärung der Lage wenn irgend möglich mit dem ftanzösischen Offizier selber sprechen. Als die Patrouille durch die Unterführung kurz vor Nio- derwöllstadt ritt, wurde sie von einem französischen Posten angerufen, worauf der Patrouillenführer Leutnant Graf Kalnein sofort antwortete. Wäh­rend dieser Antwort drangen mehrere ftanzöfifchc Posten vom Bahndamme auf die Straße, so daß das Pferd des Leutnants Graf Kalnein scheute und Kehrt machte. Ohne weiteres gaben nun die ftanzösischen Posten ungefähr 12—15 Schüsse ab. Die Patrouille des Leutnants Graf Kalnein machte Kehrt und ritt in der Richtung nach Ober­wöllstadt zurück. Hierbei wurde der Führer Leut­nant Graf Kalnein durch 2 Schüsse in den Unter­leib und Rücken schwer verletzt. Er ist später seinen Verletzungen erlegen.

Zur Auflösung der Einwohnerwehren.

WB. Berlin, 8. April. Der Reichsmiaister des Innern teilte den deutschen Landesregierungen die gestern veröffentlichte Note des Generals Nollet über die Einwohnerwehren mit und fügte folgendes hinzu:

Wenn auch die Ausführungen der Note, tue von einem militärischen Charakter der Einisoh- nerwehcen sprechen, größtenteils auf unzutreffen­den Voraussetzungen beruhen, so sieht sich die Reichsregierung zu ihrem Bedauern doch nach Lage der Verhältnisse gezwungen, von erneuten aussichtslosen Gegenvorstellungen abzusehen und die Regierungen der Länder zu ersuchen, die Aus­führung des Verlangens alsbald in die Wege zu leiten. Andererseits muß aber anerkannt werden, daß die Verhältnisse sich infolge der letzten Er­eignisse vielerorts so verschärften, daß es heute mehr denn je unmöglich ist, der Bevölkerrmg den Selbstschutz zu verweigern- Auch wird in den Städten die Rücksicht auf die großen vorhandenen öffentlichen Vorräte unb wirtschaftlichen Werte sowie auf dem Lande die Sorge für die Erhal­tung der Nahrungsmittel zu^ der Prüfung nö­tigen, wie die erforderliche Sicherung gewähr­leistet werden kann. Es wird deshalb anheimge- gebert, dort, wo ein genügender Schutz durch die Reichswehr und die Sichecheitspolizei und andere Polizeiorgane nicht gegeben ist, gleichzeitig für Ersatz durch eine nach örtlichen Verhältnissen zu gestaltende anderweitige Schutzorganisation zu sorgen. Hierbei ist genau darauf zu achten, daß jeder Anschein vermieden wird, der auf eine Ver­letzung der in dem Schreiben Nollets angeflihrten Bestimmungen des Friedensvertrages schließen lassen könnte. Insbesondere ist die Bewaffnung mit Militärgewehren, die nach dem Friedensver­trag abzuliesern sind, unzulässig imb auf eine an­dere Art von Bewaffnung Bedacht zu nehmen Jede militärische Uebung ist unter allen Umstän­den zu unterlassen. Auf Erweiterte Zuziehung au4 den Kreisen der arbeitenden Bevölkerung wird, wo dieses bisher nicht geschah, besonders Bedachi zu nehmen sein.

Auflösung der Wehren in Preußen.

Das preußische Staatsministerium hat be­schlossen. die Einwohnerwehren auf» zu lösen. Im Abschluß an einen - hierauf be-. züglichen Erlaß der ReichZregieruug wurden bis Oberpräsidenten sofort entsprechend angewiesen-

Eine Weiße Internationale?

Rom, 6. April. Die Katbolische Volkspart« Italiens beabsicbtigt, in diesem Sommer ihr verwandte Parteien anderer Länder zu einer Zusammenkunft in Italien einzuladen, bei der die Frage der Gründung einer Weißen Internationale besprochen werden soll. __ Die Partei hat in dieser Angelegenheit bereits An­fragen an die Leitungen der katholischen Parteien m verschiedenen Ländern gerichtet; aus Fran.reich, Deutschland, Oesterreich, Polen und Spanien sollen bereits grundsätzlich zustiinmende Antnwrten «nge» gangen sein. Es wird daran gedacht, bn internationale Zusammenkunft und die Gründung der Weinen >U^' nationale mit dem Kongreß der Katholuchen Vol». Partei Italiens, der in Neapel statrnndcn soll, zu ver« binden. Zu den Hanpivrogrammpunkten der Weigcv Internationale sollen zählen: Annäherung und Vep söhnung aller Völker uub internationale Eest^ebi-a-