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AmMches Organ für SlaS!- und Landkreis Sans«

Erschein! täglich mit Ausnahme der -Sonn- und Feiertags '

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.

Verantwortlich: für volitischen und allgemeinen TeilRich. Hultsch'für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt, alle in Hanau a.M.

Rotationsdruckd.Maisenhausbuchdruckerei Hanau Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238

Nr. 82

Donnerstag den 8. April

ääBääÄSMis^ii^^ä^

1920

Erscheint mit Genehmigung der Besatzungs- behörde.

Dir in unserer Dienstag-Nummer ange- Mdigte Besetzung Hanaus durch französische Truppen erfolgte noch am gleichen Tage. So» Zeitungsverbot, das sofort erlassen vurde, verhinderte das Erscheinen desHa- itanet Anzeiger" am gestrigen Tage. In­zwischen ist uns zur Herausgabe des Anzeigers die Genehmigung erteilt worden; er steht je­doch unter Vorzensur, sodatz wir bis auf wei­teres Redaktions- und Inseraten-Annahme- Echlutz bereits auf nachmittags 5 Uhr für den nächstfolgenden Tag festsetzen müssen. Im übrigen beschränken wir uns, außer einer Re- zistrierung der Ereignisse von Hanau auf die Wiedergabe der hier eingelaufenen zensierten flachrichten.

Das deutsche Eommunique.

Der französische Ministerpräsident bat in der Nacht tont Montag zum Dienstag dem deutschen Geschäftz- träger in PariS folgende Note übergeben:

In meinem Schreiben vom 2. April hatte ich Sie gebeten, bei Ihrer Regierung darauf zu dringen, daß die deutschen Truppen, die unrechtmäßiger Weise in die durch Artikel 42 festgesetzte neutrale Zone eingedrungen waren, unverzüglich zurückgezogen werden. Da bis­her die Antwort auf dieses Ersuchen ausge- blieben ist, bringe ich Ihnen zur Kenntnis, daß der Oberbefehlshaber der Rheinarmee den Befehl erhalten hat, die Städte Frankfurt am Nain, Homburg, Hanau, Darmstadt und Vieburg sofort M besetzen. Diese Besetzung Mrs aufhören, sobald nrs Seutichen KruppM Die neutrale Zone vollständig geräumt haben werden."

MMeranö über die französische AMon.

WB. Paris, 7. April. Der Botschafterrat heute nachmittag um 5 Uhr zusammengetreten. Die Tagesordnung bildeten die deutschen Noten vom 3. und 6. April. Der Präsident der Konferenz gab eine Note bekannt über die Besetzung Frankfurts und über die Gründe, die dar Vorgehen der französischen Regierung veranlaßt haben. Millerand teilte dann folgende Note in den deutschen Geschäftsträger mit: Vor der Be­setzung der Städte Frankfurt, Darmstadt, Homburg, Hanau und Dieburg bat die französische Regierung großen Wert darauf gelegt, ihre Verbündeten zu be­nachrichtigen und bei ihnen Rat einzuholen. Ver­schiedene Vorfälle seit dem Inkrafttreten des Friedens- »ertrageS haben bewiesen, daß Frankreich gewillt ist, das enge Bündnis zwischen den Alliierten ausrechtzu- rrhalten und eines Tages, 'wenn es sich einer Ver­letzung der Friedensvertrages gegenübersieht, aus igener Kraft zu handeln, umsomehr, als er infolge einer geographischen Lage besonders gefährdet ist. Am $. März erklärte der Kammerpräsident, daß Frankreich, das immer noch auf die,dringlichsten Wiedergut­machungen warte, nicht wisse, welche endgültigen Be­schlüsse er fassen solle. Am 29. März erklärte Göppert der französischen Regierung, daß seine Regierung keine Möglichkeit sehe, ohne vorherige Genehmigung der staxzösischen Regierung Hilfstruppen in das Ruhr- gebiet zu entsenden. Millerand bestätigte dem deutschen Geschäftsträger in Paris die Antwort,- die er ihm schon am 28. März gegeben hatte, daß die französische Regierung die Ermächtigung nur geben könne, wenn die französischen Truppen -gleichzeitig die Städte Frank­furt, Darmstadt, Homburg, Hanau und Dieburg be- setzen dürften. Am Abend des 3. April bekannte Göppert, daß Reichswehrtruppen in größerer Stärke, als durch den Beschluß vom 9. August 1919 erlaubt, in daS Ruhrrevier eiumarschiert seien und bat im Namen der deutschen Regierung um die notwendige formelle Genehmigung. Er bekam sie aber nicht.

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Eme AMierlen-Note über die EwWvhnerWLhren.

WB. Berlin, 7. April. General Rollet hat in keiner Eigenschaft als Präsident der interalliierten Militärischen Kontrollkommission der deutschen Re­gierung eine Note überreicht, in der es heißt: Es ist Vermerk genommen worden von dem Datum (20. April 1920) für die Auflösung der Reichs- ^ehrfteiwilligen. Was die Einwohnerwehren an= ^trifft, so legt die interalliierte Kontrollkom­mission Wert darauf, die folgenden Punkte zu pcä- risieren: Die Einwohnerwehren können, trotzdem sie sich mit dem Charakter als rein zivile Organi- sationen zu umkleiden versuchen, nicht mehr ge­stattet,werden, welches auch immer ihre Rolle für die Aufrechterhaltung der Ruhe im Innern sein Nag, da ihre Bewaffnung und ihre Eingliederung Unbestreitbar eine Mobilisation begünstigen würde and da die Einwohnerwehren im.Widerspruch zu ben Bestimmungen der Art. 156, 166, 175, 177 und 178 des Friedensvertrages stehen. Die Note sagt dann weiter, daß der 10. April 1920 als Oberste Grenze für die Ausführung der Be-- ünmmmaep vom 1. Dezember 1920 bestimmt ist.

Neuwahlen am C. Jum.

Die Neuwahlen zum Reichstag sind, wie wir hören, vom Reichsministerium des Innern nunmehr endgültig auf Sonntag, 6. Juni, fest­gesetzt. Der Reichsminister des Innern hat die Landesregierungen um Anweisung an die Ge­meindebehörden gebeten, alle Vorkehrungen für sofortige Aufstellung der Wählerlisten zu treffen, sodaß die Wählerlisten^ bis Ende Mai fertig gestellt sind. *

Der neue MsLchsftnanzMmisker über seine Mufgaben.

Der neue Reichsfinanzminister Dr. Wirth äußerte sich zu einem Mitarbeiter desBadischen Beobachters" über seine Aufgaben als Reichs- finanzminister u. a. folgendermaßen: Wir sind in der Steuergesetzgebung noch nicht am Ende angelangt. Die Grundlagen für die Bedarfs- berechnung haben sich seit dem Sommer wesentlich verschoben. Den in unserem Geld­wesen und unserem Wirtschaftskörper erfolgten Umwertungen entsprechend muß die Besoldungs- reform ganz andere Ausmaße annehmen. Neben der Lösung dieser dringlichen Aufgabe erscheint als nächste die Durchführung der geschlossenen Steuern. Es bedarf auch des Neuaufbaues unfeeer Anleihepolitik, um die schwebenden Schulden zu vermindern. Wir können nur hoffen, daß es bald gelingt, Ordnung und ruhige Weiterarbeit wiederherzustellen und zu sichern. Daraus ergibt sich dann vielleicht die Grundlage zur. Anbahnung internationaler Finanzabkommen. Von großer Bedeutung wird die Wechselwirkung zwischen Finanzpolitik und Wirtschaftspolitik sein. Nur wenn wir alle volks­wirtschaftlich unnötigen Arbeiten ausschalten, die .Parasiten an mlserenWMchajtstvrper beseitigen, und über die Rationierung und den techmschen Fortschritt zur Steigerung des ökonomischen Nutzeffetts gelangen, schaffen wir eine sichere Unterlage für unsere Finanzpolitik.

Das Prsgrsmm des neuen Ernährungsministers.

Der neuernannte Reichsernährungsnnnister Dr. Hermes äußerte sich übet die Linien seines Programms, das er in Uebereinstimmung und mit Billigung der Nationalversammlung durchzu- führen beabsichtigt, einem der Verbraucherver- tretec Groß-Berlins in den Fesfftellungskom- mifsionen in folgender Weise:

Als früherer Leiter der landwirtschaftlichen Abteilung im Reichswirtschaftsministerium habe ich immer den größten Wert darauf legen müssen, die Förderung der landwirtschaftlichen Produk­tion zu ermöglichen. In allen Fragen der Be­wirtschaftung, die eine gewisse Freiheit ^lassen, will ich der Landwirtschaft die nach­drücklichste Unterstützung angedeihen lassen. Schon in der neuen Bezeichnung des Ministeriums, dasReichsministerium für Er- nährung und Landwirtschaft" heißen soll, kommt zum Ausdruck, daß wir die Sicherung der Volks- ernührung nicht nur allein durch die Erfassung, sondern auch durch die Mehrung der inländischen Produktion anstreben wollen. Insofern wird es sich vom bisherigen Ernährungsministerium un­terscheiden, als dieses nicht die Möglichkeit der Produktionsförderung besaß und ihm durch Blockade und Einfuhrschwierigkeiten die Hände gebunden waren. Es ist früher vielfach starke Kritik an dem Ernährungsministerium geübt wor­den, und ich lege Gewicht darauf, daß die sach­lichen Gründe für die gerechte Beurteilung der früheren Tätigkeit des Ministeriums zum Aus­druck kommen. Heute bieten sich. Wenn auch Ba- lutaschwierigkeiten und andere Hemmungen noch bestehen, doch schon b e s s e r e M ö z l i ch k e i - t e n- Wir können jetzt dazu übergeben, eine ver­nünftige Produktionspolitik im ureigensten In­teresse der Volksernährung zu treiben und mehr auf heimischer Scholle die Politik der zwei Getreide Halme" zu führen.' Da­runter verstehe ich, durch entsprechende Behand­lung und Düngung des Bodens zu versuchen, dort zwei Halme zu gewinnen, wo bisher nur einer wuchs. Wem das gelingt, der hat nach einem bekannten Zitat mehr getan als der größte Staatsmann und Politiker. Für mich steht also die Sicherung der Volts ernährung im Vorder­gründe und sie muß ihre gesunde Grundlage in der Schaffung Aller Möglichkeiten für eine ver­mehrte Erzeugung finden, um das Quantum an Lebensrnitteln, das wir dauernd aus dein Aus­lande einführen müssen, auf ein entsprechendes Maß beschränken zu können. Wird die Landivirt- schaft unterstützt, tommen wir ihr dadurch, ent­gegen, daß, wir die Gelegenheit zur Pro- duktionSer Hebung schaffen durch Einfuhr von Hilfsst offen. Herstellung von tünjtlicbem Dünner. Beschaffung und Zu­

weisung landwirtschaftlicher Maschinen, Rege­lung der Arbeiterfrage, dann wird es ihr möglich sein, in umfassenderer Weise als bisher an der Lösung der Aufgaben der Volksernährung mit- zuwirken.

Diese Mitarbeit muß gleichzeitig getragen sein vom festen Willen, alles für die behörd­liche Bewirtschaftung herzugeben, was irgendwie entbehrlich ist. Ich halte daher daran fest, daß nach der Förderung der Produktion mit allem Nachdruck die Erfassung der bewirtschafteten wichtigen Lebensrnittel und ihre Zuführung im Wege behördlicher Ver- teilung an die Verbraucherkreise erfolgt. EKtann niemand, der es mit seiner Ver­antwortung ernst nimmt, heute die Frage zur Erörterung stellen, ob die Zwangswirtschaft auf- zuheben fei Die Notwendigkeit der behördlichen Bewirtschaftung muß anerkannt werden. Der Landwirtschaft müssen wir auch dadurch entgegen- tommen, daß wir ihr eine vernünftig gerichtete Preispolitik gewähren. /

Werden die festgesetzten Garantiepreise dabei für ausreichend gehalten oder beabsichtigt man darüber Hinauszugehen?

Die garantierten Preise sind auf gebaut auf den Produktionskostenstaild von An­fang 1920. Sie waren nach den damaligen Vec- hältniffen als eine Preisgarantie gedacht und mittlerweile ist eine weitere Verteue- ru.ng der Produktionsmittel ein ge­treten und deinentsprechend müssen diese Mindestpreise eine neue Berech­nung erfahren. Ueber das Maß der Erhöhung kann man heute noch nichts sagen.

Aus die Frage: Beabsichtigt der Herr Reichs­minister alle sich bei der Zwangsbewirtschaftung bewcchrieii Einrichtiuigen unb besonders die F e fr st eiln ngskommissio n e m Mvert he als Organe der Erfassung^ gelten Vorbei?, zu belassen? antwortete der Minister:

Ich mochte ganz allgemein sagen: Alles, was zur Durchführung unseres öffentlichen Bewirt- fdyaftung§^rogrammS notwendig und nützlich ist, müssen wir bei behalten. Ich werde die Frage der Feftstellungskommission zum Gegenstände einer eingehenden Beratung mit den maßgeblichen Stellen machen und der Verbraucher­schaft die Möglichkeit der Kritik und Mitarbeit an unserem Programm, für das ich in den nächsten acht Tagen die Unterlagen zusammenstellen lasse, geben. Bei meinem Ziel, eine gerechte und vorurteilsfreie Politik zu ver­folgen und unser Volk wieder möglichst satt zu machen, wird mir das Material der Feststellungs­kommission um so willkommener sein, wenn es zeigt, daß noch mehr zu erschöpfen und zu erfassen ist, als bisher erfaßt werden konnte.

Schsttern der rusftsch-ftnnischsn WMenBWrrKö^VsrhaKölungLsr.

Stockholm, 6. April. Die zwischen, der finnischen Regierung und dem VolkSkovmiissar Tschit'cherin ag- gebahnten Verhandlungen über den Abschluß eines Waffenstillstandes sind gescheitert, nachdem die finnische Regierung auf ihre Forderung der Räumung Pctscheu- gaS durch die Sowjetftuppeu nicht verzichten wollte. Tschitscherin hat daraufhin dem finnischen Ministerium mitgeteilt, daß Sowjetrußlaub die Feindseligkeiten von neuem eröffnen werde.

Die VerfvrgllKg Oesterreichs.

Zürich, 5. April. Die schweizerische Re­gierung hat sich bereit erklärt, Oesterreich als Vorschuß für seine von anderer Seite zugesicherten Lebensmittelmengen 200 Wagen Weizen. 100 Wagen Mais und 200 Wagen Roggen zu leihen, deren Rückzahlung im Mai erfolgen soll. Oesterreich wäre ohne Hilfe der Schweiz gegen­wärtig ganz ohne Zufuhr. Für den Rest des Monats 9(pril ist es auf 50000 in Rotterdam lagernde Tonnen Lebensmittel angemiefen. Im Mai erwartet es das von Amerika zugesicherte Mehl.

Lokales.

Hanau, 8. April.

* Das Sumserkonzert findet heute abend nicht statt. Es ist verschoben worden auf nächste n Dienstag. Der Beginn des Konzertes hängt von der zukünftigen Fest­setzung der Feierabendstünde ab. Weitere Mitteilung, ob das Konzert um halb 7 oder 7 Uhr anfangen wird, ergeht rechtzeitig an dieser Stelle.

* Ausgabe von neuen Kohlenkarten. Wir verweisen besonders auf die Bekanntmachung der hiesigen Kohlenverreilungsstelle über die Ausgabe der neuen grauen Kohlenbezugskarten und machen auf die genaue Einhaltung der in dieser Bekanntmachung vorgeickriebenen Termine aufmerksam.

Kanau besetzt.

Am Dienstag wurde Hanau durch die Fra» zosen besetzt. Nachdern schon in den ersten New Mittagsstunden einige französische Flieger übet der Stadt gekreist, und aus der Richtung Frank­furt anmarschierende Truppenteile schon längere Zeit vor den Toren Hanaus gelegen hatten, er­schienen gegen 2 Uhr mittags unter Führung von Offizieren Kavallerie- und Radfahrerabteilungen, die den folgenden, in deutscher und französischer Sprache gehaltenen Befehl der Einwohnerschaft durch Mauecanschlag bekannt geben ließen.

An die Bevölkerung!

Die Berliner Regierung hat, unter dem Druck der Militärpartei, eine plötzliche Offensive der Reichswehr gegen die Arbeiterschaft des Ruhr- gebietes angeordnet. Dadurch hat sie eine der wesentlichsten und feierlichsten Bestimmungen des Friedensvertrages verletzt.

Im Verlaufe der bis heute währenden Ver« haüdlungen war die ftanzösische Regierung stets bemüht, die deutsche Regierung von diesem mili­tärischen Vorgehen, das mit einiger Vorsicht hätt- vermieden werden können, abzuhalten.

Nichtsdestoweniger sind die Reichswehrtruppenf in das Ruhrgebiet eingerückt.

Die Regierung der franz. Republik sieht sich daher gezwungen, sich ein Pfand zu sichern, damit die Berliner Regierung ihrer Unterschrift Nach­komme.

Deshalb habe ich den Befehl erhalten, die Städte Frankfurt, Homburg, Hanau, Dacmstadt und Dieburg sofort zu besetzen.

In biefem Augenblick halte ich für notwendig zu erklären, daß diese Besetzung keine feindselige Handlung gegen die arbeitende Bevölkerung bie* feg Gebiets bedeutet- . r

Sie hat lediglich den Zweck, die Ausführüns des Vertrages zu sichern und wird aufhören. so­bald die Reichswehrtruppen -die neutrale ZoM vollständig geräumt haben.

Für gleichlautende Abfchriftr

Der Genrralstabs-Chef;

gez. General Michel. -

Der Oberkommandierende General bet Alliierten Besatzungstrupven: gez. Degoutte.

Der Einzug der ftanzöstschen Truppen er* folgte über die Frankfurterlandstraße, kleinere Abteilungen hatten ihren Weg über die Offen« bacherlandstraße genommen und rückten über die Mainbrücke in unsere Stadt ein. Main-, Kinzig- Brücke und -Steg wurden bald durch Posten be­setzt, der Verkehr über die Brücken aber nicht ge­sperrt, auch der Straßenverkehr nicht beschränkt Das Postgebäude wurde mit Posten umstellt und der gesamte Postbetrieb unter französische Be­wachung gestellt, auch das Rathaics wurde besetzt. Die Polizisten der grünen Sicherheitswehr unb auch die Einwohnerwehr wurden entwaffnet. Bald nach dein Einmarsch, der sich ohne jede Rei­bung vollzog, erklärte die Besatzungsbehörde in einem an die Anschlagssäulen angeklebten Befehl, daß die- Franzosen nicht als Eroberer, sondern lediglich als Besatzung- getommen wären. Der Verkehr auf den Straßen wurde von 9 Uhr abends bis 5 Uhc morgens verboten; wer während dieser Zeit auf der Straße angetroffen würde, sollte verhaftet werden. Verboten wurden auch Ansammlungen von mehr als 5 Personen. Der Reiseverkehr zwischen dem besetzten Gebiet wurde eingeschränkt, nur Güterverkehr sollte zu gelassen werden, soweit er zur Aufrechterhaltung der Le­bensmittelversorgung notwendig fei. Im übrigen sollten Pässe mit Ausweisen von den Gemeinde­behörden ausgestellt werden. -Der Bevölkerung wurde die Auftechterhaltung von Ruhe und Ord­nung. zur Pflicht gemacht, Streiks wurden ver­boten. Der .Befehl der französischen Besatzungs­behörde forderte Weiterführung aller Gesckmst­und Betriebe- Das Erscheinen der Zeitungen dagegen wurde-verboten- Die Proklamation ent­hielt'dann noch die Zusicherung, daß die fran­zösischen Truppen Hanau verlassen würden, w« halb die Truppen der Reichswehr das von ihnen besetzte Gebiet im Ruhrrevier geräumt hätten.

Die Besetzung hat in der Bevölkerung Ha» naus^begreiflicherweise eine große Aufregung hervorgerufen, die aber nirgends zu Zusammen­stößen mit den Truppen geführt hat. Die von den Franzosen besetzten Stellen bildeten im Laufe des vorgestrigen und auch des gestrigen Tages das Ziel vieler Neugieriger. Von ihnen allen ivurde bis auf einige unbesonnene Elemente, die sich am gestrigen Nachmittag vor bem Rathaus geradezu skandalös benommen haben, die Mahnung zur Ruhe und Besonnenheit und Würde, zu der Herr Oberbürgermeister Hild am Dienstag nachmittag vom Balkon des Rathauses aus die Menge auf dem Marktplatz aufgeforbert, und zu der auch wir die hiesige Einwohnerschaft bereits in unseres