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6 Nummer 15 Vfg. Frankfurt a. M.

LmMches Organ für Slaöl- und LrmSLreis Saar»

Erschein! kägüch mit Ausnahme bekrönn- und Feiertags

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen TeilRich, tzultsch: für lokalen und vrovinziellep Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und

Reklamen A. Brodt. alle in Hanau a.

Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerer Sasau

FernivreLanschlMe Nr. 1237 und 1238

Nr. 79

Samslag den 3. AKril

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1920

Das Neueste.

Dir Lage im Ruhrgebiet wird als äußerst tatst bezeichnet; die Rote Armee löst sich in plün- öMtdr BaudLu auf.

Die ReichSregrerung hat sich abermals an die stanzöfische Regierung wegen Einmärsche in dre nelldale Zone gewandt.

Die Rote Armee.

Wann ist der Aufstand im Rnhrgebiet geplant worden?

Dorr UnWehender Seite, selbst von höchsten RegieruLgSstellen, wird mit der Behauptung operiert, daß der Bolschewismus im Ruhrgebiet echt durch bat Kapp-Putsch hervorgerufen sei; wäre dieser Putsch nicht erfolgt, so wäre angeb­lich im Rlchrgebiet äffe» ruhig geblieben und es Nie zu der Bildung einer Roten Armee gekom­men! Gegenüber dieser Behauptung sei mst die Ausführungen tzeS ReichSmillifierZ Gies- bertS hingewrefeu, der über seine Eindrücke im Ruhrgebiet kürzlich in der offiziösen „Deutschen Allgemeinen Zeitung* w a. berichteten

„Nach der Ueberzeugung der militärischen Steifet ist die Won der Roten Armee nach einem vorher fest-gestellten, strategisch gut ausge- führten Plane geführt worden. Ein solcher Plan muß nach den Zeichen Quellen branden haben.

Zange bevor der Kapp-Prrtsch in Berlin erfolgte. Dir Feststellung von Einzelheiten wird einer

Untersuchunig herüber dorbehalten bleiben. Es ist anMtaehmen, daß der vorher gefaßte Plan zur

Ausführung samt, nachdem die Kapp-Regierung

sich in Berlin etzaMert hatte." ___,,___________________ u_v____________ .

' ^ W »®«9««i W« J&BS&fc K ^Lprüni sie N vorhanden, trotzdem aber ist

seiner Nummer vom 30. März W den angeführ- “ ten AuMhrunMr des Reic^Mnisters GieZ-

bette 3

„Das gibt jenen recht, die unter dem ärgsten Widerspruch von links behaupten, der sonst so unsinnige Kapp-Putsch habe wenigstens den einen älerdings nicht beabsichtigten Erfolg ge­habt, die im Aufmarsch begriffenen Linkskolon­

neu zur vorzeitigen Entwicklung zu veranlassen. Der Schlag van Gute wäre gekommen mit und ohne Kapp, nur einige Wochen später nach Ab­schluß aller Vorbereitungen. Die Darstellung bes Herrn GiesbertS widerspricht dem sicher nicht."

In diesem Zusammenhang dürfte es auch Son Interesse sein, aus das Hinzuweifen, was über die bolschewistische Regierung im Ruhrge­biet bereits i m I u l i 1919 in den in Ruß­land erscheinenden Blättern berichtet wurde. Fu dem Organ des Exekutivkomitees der Kom­munistischen Internationale, das gleichzeitig in russischer, dänischer, französischer und englischer Sprache erscheint, schrieb der deutsche, nach Rußland geflüchtet« Kommunist Hans Kennet in einem „Die Entwicklung der deut­schen Revolution" betitelten Aufsätze u. a.:

„Ein außerordentlich wichtiges Kapitel in der Geschichte der deutschen Revolution ist die Bewegung in dem industriellen Ruhrgebiet, als dem Sitze des zahlenmäßig stärksten und am meisten klassenbewußten Proletariats. Unter Führung des Genossen Karski sind dort fortwäh- vend Streiks im Gange, teilweise wirtschaftlicher, hauptsächlich aber politischer Natur, ohne daß die Regierung imstande wäre, ihnen anders als mit schönen Worten und Lebensnnttellieferungen bei- zukommen, da die Arbeiter im Fall eines gewalt­samen Einrückens der Truppen mit sofortiger Sabotage der unersetzlichen Maschinen und Be­triebe drohten."

Der von dem bayerischen Kommunisten Ken­net erwähnte „Genosie Karski" hört auch auf den Namen Marchlewski und ist ein bekannter russischer Bolschewist und Mitglied des Allrussi­schen Zentralen Exekutivkomitees. Der Aussatz des Konnnunisten Kennet ist in Nr. 3 der Zeit­schrift „Die Kommunistische Internationale" (Organ des Exekutivkomitees der Kommunisti- lchen Internationale) erschienen.

©ie Sage.

Die Lage im Ruhrgebiete ist nach den Nach- r op en. die im Laufe des gestrigen Tages und heutigen Morgens eingelaufen sind, eine sehr ernst e. Die rote Armee hat sich größtenteils in Banden aufgelöst, die Männer, die die auf eine friedliche Beilegung des Konfliktes gerichteten Abkommen abgeschlossen haben, haben die Gewalt nicht mehr in den Händen. Plündernd streichen; die Banden im ganzen Lande herum, stürmen • Gefängnisse und Zuchthäuser und lassen die SS er ; brecher auf die Welt los. Die Reichsbank wird erpreßt, andere Banken werden gestürmt. Es handelt sich Bier nicht mehr um Arbeiter- und ^LamsationÄrwaeu. sondern die Realer u m steht

einer Bande von Verbrechern, Meuterern und Plünderern gegenüber, die ganz gefährlich sind. Die Gefahren, die sich aus der unhaltbaren Si­tuation im Westen ergeben, brennen uns auf den Fingerspitzen, so daß es höchste Zeit wird, ein- zugreifen. Die Arbeiter- und Bürgerschaft schreit geradezu nach militärischer Hilfe, wie aus den unten stehenden Hilferufen an die Regierung zu ersehen ist. Reichskanzler Müller äußerte sich am gestrigen Freitag Pressevertretern gegenüber: Wir dürfen uns nicht verhehlen, daß die Lage dort außerordentlich ernst geworden ist. Die Persönlichkeiten, mit denen man Abkommen abgeschlossen hat, haben in die­sen Orten die Gewalt nicht mehr in ihrer Hand. Vertreter der Essener Mehrheitssozialisten haben uns gegenüber bestätigt, daß der Generalstreik er­zwungen worden ist. Die roten Truppen halten die Eingänge zu den Schächten besetzt und auch diejenigen geschlossen, wo man arbeiten wollte. Die gesamte Bevölkerung würde ein Einrücken der Reichswehr als eine Erlösung betrachten. Bisher war es mir trotz allem Drängen nicht möglich, von der französischen Regierung und den Alliierten die Zustimmung zu verstärkten Trup- Pensendungen zu erhalten. Die Kohlenproduk- tion war während der Aufruhr-Periode wenig beeinträchtigt, jetzt dagegen liegt sie völlig dar­nieder. Kommt sie nicht bald wieder in Gang, muß man sich auf die allerschlimmsten Folge­erscheinungen gefaßt machen. Ich fürchte, daß Severing zu Maßnahmen mich schreiten müssen, die schärferes militärisches Vorgehen notwendig machen. Indessen handelt es sich lediglich um eine Polizeiaktion,

nicht um einen militärischen Feldzug. Unter den

Aufftändischen sind zahlreiche russische

die Bewegung nicht als eine bolischewistifche am zusehen. Bezüglich der Abberufung des Generals

von Matter erklärte Müller, er halte sie jetzt für ganz unmöglich. Mit der Entente werde un­

unterbrochen verhandelt.

Ein Situationsbericht»

WB. Berlin, 2. April. Nach den aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet vorliegen­den Meldungen macht sich die durch die befrie­digende Erledigung der vom Reichskommissar Severing geführten Verhandlungen eingetretene Entspannung leider an vielen Orten noch nicht geltend. Es trat im Gegenteil sogar an einzel­nen Stellen eine Verschärfung der Lage ein, die sich daraus erklärt, daß die linksradikal-en Ele­mente fühlen, wie die gesamte Entwicklung im Ruhrrevier eine für sie ungünstige Wendung ge­nommen hat. Sie versuchen daher, mit nach schär­feren Mitteln als bisher ihre Macht zu befesti­gen, Auch ist zu.berücksichtigen, daß an vielen Orten durch längere Andausr des Generalstreiks, und im besonderen durch die verheerende Lebens- mitteKnappheit eine natürliche Verschärfung der Lage sich bemerkbar machen muß. Nach überein­stimmenden Meldungen ist jetzt schon im ganzen Gebiet die Mehrheit der Arbeiterschaft gegen eine Wetterführung des Streiks, jedoch werden viel­fach Arbeitswillige mit Gewalt an der Arbeit be­hindert. So wurde z. B. die Belegschaft des Georgs-Marien-BergweM in Herne durch Be­waffnete gewaltsam von der Einfahrt abgehal- ten- Bewaffnete Banden drohten, die Zeche Her­mann in Vork zerstören zu wollen. Die Disziplin der roten Horden scheint sich mehr und mehr zu lockern- Ausschreitungen und Plünderungen sind an der Tagesordnung; zum Teil wird sogar ein Zwang auf die Einwohner ausgeübt, in die rote Armee einzutreten oder Schanzarbeit für sie zu verrichten. Vielfach wurde der Eisenbahnverkehr durch Aufreißen der Gleise unterbrochen. Aus dem Kreise Lüdinghausen werden einige Fälle von Plünderungen von Bauerngehöften und von Brandschatzungen gemeldet.

Wie in manchen anderen Orten wird auch in Essen die Lage von bewaffneten Banden be­herrscht, die nicht mehr in der Hand des Voll­zugsrates sind. Diese Leute haben das Rathaus besetzt und mit Gewalt b^t Generalstreik, erzwun­gen. Die Stadtverwaltung wird mühsam auf­recht erhalten. Die Banken sind geschlossen, Eisenbahnen und Straßenbahnen liegen still. Von bewaffneten Banden wurden einige Ver­suche gemacht, die Werkdirektoren zu verhaften, in manchen Fällen mit Erfolg. Vielfach erzwingen bewaffnete Kommunisten die Löhnungsauszah­lung bei den Stadtkassen. Dies geschah u. a. in Gelsenkirchen und Düsseldorf, wo die Stadt einige 50 000 Mark und die Banken 100 000 Mk-, der Gewalt weichend, ausbezahlten. In Düssel­dorf verursacht die sogenannte Rote Sicherheits wehr der Stadt eine tägliche Ausgabe von 26 000 Mark. In Hamborn bewilligte die Stadtverore- netenberfammlung auf Grund einer kommunisti­schen Erklärung 290 000 Mark Löhnung für die

Krefeld, 2. April. Deutzerst bedrohlich« Lage. Willkürakte und Terror machen schleunigstes weiteres Eingreifen und rückhaltlose Durch« führung der Entwaffnung zur Wiederherstellung der Ordnung tytb Staatsautorität unbedingt notwendig. Der Oberbürgermeister vonMülherw a. d. R. Lembke.

Munster, 2. April. Soeben in Münster eingetroffen, wohnten wir sofort einer dringenden Besprechung der maßgebenden Personen und Zivilbehörden der Provinz bei. Es ist unbebiitgt sofortiges Eingreifen erforderlich. Nur Kamms, nisten, Bolschewiffen und Gesinde! halten den Widerstand unter blutigstem Terror aufrecht. Unsere Kabinettmitglieder und die Zentrums- parier können die Verantwortung nicht langer tragen, wenn jetzt immer noch durch Verhand, lungen, Fristverlängemng und unbegreiflich« Amnestie gezögert wird. Ersuchen um umgehend« drahtlose Anweisung an das Generalkommando, dem ganz allein völlige freie Hand zum sofortigen Eingreifen unter unverzüglicher Aufhebung der bis Samstag laufenden Fristverlängerung zu geben ist. — Oberbürgermeister und Land rät« der bedrängten Gebiete, in deren Städten und Kreisen bereits geplündert wird, verlangen inständigst sosortiges kraftvolles Handeln, um die schreckliche Leidenszeit abzukürzen. Herold. Mausbach und Eilfing.

Ein neuer Schritt der Herrischen Regierung.

WB. Berlin, 2. April. Da die cm< dem Rudr« gebiet kommenden Nachrichten sich ständig verschlechter- ten, ist der deutsche Geschäftsträger in Lach», in der Nacht vom 31. März zum 1. Lpnl durch dringliche Snftruftion amaefordert worden, nochmals bei der französischen Regierung wegen des Einmarsches in di« ) neutrale Zone vorstellig zu werden. Die Justruktum. weist zunächst Satans hm, daß durch das Liurüaftch-- verbot die deutsche Regiermrg in seine überaus schwie- rige Lage versetzt worden sei. Es wird feftgcfMlt, daß nach dem Telegramm des GelchLststrägerSZw» 30. März über die schriftliche Bestätigung seines Tele- Phonats mit dem Botschafter Paleologne die deutsche Regierung mit Bestimmtheit annehmen mußte, daß die grundsätzliche Zustimmung der Alliierten zu dem Vor­gehen erteilt worden sei und er lediglich noch non Formalitäten abgehangen hätte, die Einzelheiten fest- zusctzen. — ES wird weiterhin darauf hingewiesen, daß in PariS eine Aenderung in der Auffassung der Lage stattgefunden haben müsse.

Die Instruktion enthält dann eine genaue Dar­legung all der Umstände, die eS der deutschen Regie­rung zur Pflicht machen, ihr dringliches Ersuch« um sofortige Einmarscherlaubnis nochmals zu wiederholen. Im besonderen wird geschildert, wie durch die den Führern immer mehr entgleitenden bewaffneten Ban« den das Industriegebiet, von dessen Arbeit-fähigkeit nicht nnr Deutschlands LebruSm öglichkeft ab hangt, aufs äußerste gefährdet fei und daß diesen «arsdicren- ben Banden durch die Verweigerung des Einmarsches geradezu Vorschub geleistet und ein Asyl geschaffen werde. Es wird ferner darauf hingewiffen, daß bi« NahrungSmittelnot des ge'rmten Ruhrgebiers ffch inS unerträgliche gesteigert habe, daß aber die Zufuhr von Nahrungsmitteln sich nicht ermögliche« lasse, wenn nicht ein entsprechender militärischer Schutz verhindere, daß die NahrungsmUtel in die Hände der genannten Banden fallen. Der deutsche Geschäftsträger ist er­sucht worden, die französische Regierung ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, daß das Schicksal deS gefährdeten Gebietes von Stunden abhängig sei. Der Geschäftsträger hat seinen Auftrag Donnerstag mor­gen ausgeführt.

Inzwischen haben sich die Nachricht« aus bem Ruhrgebiet noch verschlechtert. Der LuflösungsprozeR der roten Banden steigert sich von Stunde zu Stunde und ist eine verheerende Bedrohung der gesamten Be­völkerung. Die Hochösen stehen vor dem Erlösch«, die Gasanstalten sind nur noch auf wenige Tage ver­sorgt. Hebers alle und Gewalttaten mehren sich. Aus allen Kreisen der Bevölkerung des Ruhrgebiets kommen ständig telegraphische Aufforderungen um Hilfe.

WB. Berlin, 2. April. Eine Havasnote berich­tet: Paris, L April. Ministerpräsident Millerand empfing heute morgen den deutschen Geschäftsträger, der ihn über die Lage im Ruhrgebist uuterr'.cht«e. Der Ministerpräsident empfing hierauf Marschall Foch. — Der ,^cmp3* fügt hinzu: „Die Auskünfte, die die französische Regierung ihrerseits über die Lage im Ruhrgebiet vormittags erhalten hat, bestätigen nicht die Befürchtungen der deutschen Regierung. Unter diesen Bedingungen konnte sich der Ministerpräsident nur an die Entschließung halten, die er gestern de» deutschen Geschäftsträger nutgcteilt hat, das heißt, daß er nicht in der Lage sei, den Einmarsch weiterer Truppen als die bereits im August 1919 zugestandr- nen gutzuheißr». Die ftanzöfische Regierung feigere sich aber nicht, die vom deutschen GeschäftSrräger üb«* brachten Informationen nachprüfen zu lassen.'

Der Terror in Sachsen.

Nach dem „Berl- Lokalanz." hat im Vogtland der Vollzugsausschuß des Arbeiterrats in OeU a i tz eine Bekanntmachung veröffentlicht, in der zur Erhöhung der Arbeiterwehr auf gesäubert wird und von zehn bekannten Oelnitzer Fobrika«- ten je 100 000 Mark zum Unterhalt der Arbeiter- wehr verlangt wrrh^

bewaffneten Aufrührer. Der Hamborner Doll- zugsrat hält zurzeit noch verhältnismäßig gute Ordnung. Führer der Roten Armee im Ham- borner Abschnitt ist ein gewisser Dedo, wahr­scheinlich ein Milcheimer Zuchthäusler. In der Gegend von Dinslaken wird gesümpft In der Stadt selbst ist Geld- und Lebensmittelnot aufs Höchste gestiegen. Bezeichnend ist, daß mehr- heitssozialistische und unabhängige Arbelterfüh»- rerducch die Konnnunisten mit Gewalt gehindert wurden, nach Münster zur Verständigung mit den Reichsbehörden zu fahren. Mindestens neunzig Prozent der Arbeiterschaft des Jndustriebezirks sind für die Wiederkehr der Ordnung und Weiter­führung bezw. Wiederaufnahme der Arbeit-

Dem militärischen Lagebericht ist folgendes zu entnehmen: Bei Wesel griff der Gegner vor­gestern abend in Starke von etwa 150 Mann an der Straße Dinslaken-Friedrichsfelde an. Er wurde unter schweren Verlusten abgewiesen. Der Brückenkopf bei Huenze wurde erweitert. Dacsien wurde vorgestern abend von der bolschewistischen Artillerie heftig beschossen. Die Stadtverwaltung bittet dringend um sofortigen militärischen Schutz. An der Lippe wurde während bet Nacht und im Morgengrauen eine Sprengung vereitelt. Die Lippebrücke südlich von Haltern wurde nach heftigem Kampf genommen. Der Gegner verlor etwa 80 Tote. Die Straßenbrücke südlich Haltern wurde durch Sprengung leicht beschädigt. Die Eisenbahnbrücke ist unbeschädigt. In Reckling- Haufen haben die Aufrührer am Nachmittag das Postamt gestürmt und mit Handgranaten furcht­bare Zerstörungen angerichtet. Alle Postbeamten wurden mobil gemacht, um das dort lagernde Geld zu bewachen, da mit einem zweiten Angriff gerechnet wird. Das Landratsamt wurde eben­falls angegriffen. Es wird verteidigt von Be- amien/ani\.i;fdg^ der früheren Einwohner­wehr. Bei Pellum gab der Gegner dauernd hef- tigLs Maschinengewehrfeuer ab und sprengte die Brücke beim Bahnhof. Daraufhin wurde der Ort gestern nachmittag von Reichswehrtruppen ge­nommen. Die Eisenbahnlinie Unna-Harmn soll am Kreuzungspunkt Dortmund-Welver gesprengt sein. In Jserlohn wird die Diktatur des Prole­tariats von einer Minderheit ausgeübt, die Gei­seln festsetzte. Aehnliche Zustände sind in Westig, Hemer, Voßwinkel und Froendenberg. Ein Bei­spiel für die Art der bolschewistischen Propa­ganda ist, daß sie die Leichen ihrer eigenen Ge­fallenen in der gemeinsten Weise selbst verstüm­meln, sie in diesem Zustand photographieren'' und -die Photographien als Flugblätter oder Post­karten durch ihre Krankenschwestern verbreiten lassen, unter der Angabe, daß die Verstümmelun­gen durch Reichswehrsoldaten erfolgten.

^ilferAse an Sie Legierung*

Berlin, 1. April. Wie die „P. P. N." an zu­ständiger Stelle erfahren, ist am 31. März von Duisburg solgendes Telegramm an den Reichs­kanzler Müller eingetroffen:

„Bürgerschaft und christliche Arbeiterschaft sind in größter Sorge, daß Regierung Reichs­wehr am Einmarsch und Ordnungschaffen hin­dert. Schnelles und entschlossenes Handeln ist dringend notwendig, sonst Vertrauen zur Regie­rung erschüttert und das Ende nicht abzusehen. Melefelder Abkommen darf nicht durchlöchert werden. Christl- Metallarbeiterverband, Herzog."

Darauf hat die Reichsregierung am 1. April mit nachstehendem Telegramm geantwortet: „Reichsregierung hat mit RüMcht auf vorange- gangenes Kappunternehmen äußerste Geduld an- gemenbet, um friedliche Niederlegung der Waf­fen auch im nordwestlichen Ruhrgebiet zu er­reichen. Sie läßt sich aber nicht zum Narren halten und wird, wenn die Vernunft nicht noch im letzten Augenblick siegt, so Vorgehen, wie es ihre verfassungsmäßige demokratische Pflicht ist."

Der Reichsregierung gingen weiter folgende Telegramme zu:

Duisburg, 2. April. Nach unserer einmütigen Auffassung der Lage ist ein sofortiges nach­drückliches Vorgehen der Reichswehr das einzige Mittel, um Duisburg und llmgegenb vor äußerster Not und Elend zu schützen. Wird unserem dringenden Notschrei nunmehr nicht sofort entsprochen, so lehnen unterzeichnete Parteien die Verantwortung für die weitere Entwickelung der Dinge ah. Ein gleiches Telegramm ging an Münster und Severing ab. Die sozialbemokratische Partei, die unabhängige sozialdemokratische Partei und die Stadtve:- waltung Duisburg.

Ein weitstes Telegramm liegt von der gesamten Beamten- und Lehrerschaft Croß- Duisburgs vor.

Dorsien, 2. April. Gestern abend starke plrtiüeriedeschießung derStadt Dorsten durch Rote Armee. Erbitten dringend sofortigen wirksamen niilitärischen Schutz. Stadtverwaltung Dorsten.