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deren Raum 80 Pfg.. die 4gesv. Zeile i. Reklame­teil 2.50 Atk., 25 AyTeuerungszuschl. Offertgebuhr 30Pfg-Bezuasvrets: Vierteljährlich 10.50 Mk monatl. 3.50 Ätt.. für Postbezug viert eljährl. 10.50 Mark, monatl. 3.50 Mk. Die- Nummer 1öHfg.

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General-Anzeiger

AmMches Organ für EkaHl- und Landkreis Kanon

Erscheint täglich mit Ausnahme der'Sonn- und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.

Verantwortlich: für politischen und allgemeinen TeilRich. Hultsch - für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz; für Anzeigen und Reklamen A. Brodt, alle in Sanou a. M.

Rotationsdruck d. Waisenhausbuchdruckerei 5 an an Fernsvrechanschlüsse Nr. 1237 und 1238

Nr. 78

Donnerstag den 1. April

1926

na

Das Neueste.

5m Industriegebiet ist der Generalstreik allgemein durchgestihrt.

Der Landesverband der französischen Arbeiter­organisationen beschloß am 1. Mai einen 24stündigen Generalstreik durchzuführen.

Die Reichsregierung sieht nach wie vor in dem Bielefelder Abkommen eine geeignete Grundlage für 1 die Regelung der Verhältnisse im Ruhrrevier und für die Wiederherstellung verfassungsmäßiger Zustände. Sie hat auch ihrerseits die aus dem Bielefelder Ab­kommen sich ergebenden Verpflichtungen zu erfüllen, im Gegenteil: Wesel ist unausgesetzt angegriffen worden, erpresserische Eingriffe in Bankdepots nnd in die Bestände der Reichsbank haben sich ereignet, Lebensmittel usw. sind gewaltsam weggenommen worden. Pflicht der Regierung ist, wie von jeden: Einsichtigen anerkannt werden muß, dieser Not ein Ende zu machen nnd wieder für alle Bewohner im Ruhrgebiet geordnete Zustände herzustellen. Dies soll auf der Grundlage des Bielefelder Abkommens ge­schehen, bei dessen Abschluß die Abberufung deS Ge­nerals Walter nicht nur nicht bekannt, sondern aus­drücklich gemeinsam abgelehnt wurde. Im übrigen wird die Durchführung der notwendigen Maßnahmen unter Beteiligung von zivilen Vertrauensmännern und in der Form erfolgen, daß die Bevölkerung mehr als achtundvierzig Stunden Zeit haben wird, von sich aus geordnete Zustände herzustellen, sodass die etwa not­wendig werdende Anwendung von Gewalt nur auf Aufruhr und Verbrechen beschränkt wird.

Der preußische Staatshaushalt.

Der preußischen Landesversammlung ist der Staats­haushaltsplan für 1920 zugegangen. Danach wird der Haushaltplan in Einnahmen und Ausgaben auf 5 623 728 845 Mark festgesetzt. Die ordentlichen Ein- nahmen betragen 5 617 716 545 Mark, die außerordent­lichen 6 012 300 Mark, die dauernden Ausgaben stellen sich auf Mark 4 716 406 815 Mark, die einmaligen und außerordentlichen Ausgaben auf 907 322 030 Mark. Bei gefügt ist dem Entwurf der Haushalt der preußi­schen ZentralgenossenschaftSkasse für da» Jahr 1920. Die Einnahmen betragen 3 000 000 Mark, die Aus­gaben 4 485 921 Mark. Für daS Rechnungsjahr 1920 können auf Anordnung deS Finanzministers Schatz- anweisungen oder Wechsel in Höhe von 20 Milliarden Mark ausgegeben werden, die aber vor dem 1. Januar 1922 verfallen müssen.

Verhandlungen über Las Loch im Westen.

Die Internationale R-heinlands-Komnnsston hat die deutschen Verordnungen über die Rege- lung der Einfuhr vom Standpunkt der ihr oblie- : genden Sicherung der Besatzungsarmee geprüft. ; Sie Hat mitgeteilt, daß mit Ausnahme etwaiger ' Verfügungen über die Einfuhr von Lebensmit- , teilt oder sonstigen Materialien, soweit sie für ; den militärischen Bedarf bestimmt sind, keine Einwendungen dagegen zu erheben seien. Gleich- ; zeitig hat die Rheinlandskommissron die Derord- nung vom 20/Dezember 1919 über die Ausfuhr- ' kontcolle genehmigt. Es ist zu hoffen, daß die ; Rheinlandskommission in Verfolg dieser Erklä- 1 rang ihre Organe baldigst anweisen wird, den deutschen Grenzbeamten nunmehr' die Hand­habung der deutschen Ein- und Ausfuhrverbote ; zu gestatten.

Eine vollständige Schließung des Loches im Westen ist aber auch Hann noch nicht erzielt, weil die Maßnahme durch allzu weit gefaßte Einfuhr vonMilitärgut" für die Befatzungsacmeen mehr oder weniger illusorisch gemacht werden kann, und weil ferner über Elsaß-Lothringen, das Saar-gebiet und Luxemburg nach wie vor für uns unerwünschte Waren in einem für unsere Valuta unerträglichen Umfange hereinkommen können. 1 Bekanntlich hat Franfteich, das seit Juli vorigen Jahres die von uns gewünschte Aussprache über : die Einfuhrfrage hinaus gezögert hat, sich jetzt zu einer solchen bereit erklärt. Eine erste Bespre­chung hat bereits in Paris stattgefunden. Wei­tere Sitzungen werden bald folgen. Es ist zu hoffen, daß sich aus diesen Besprechungen eine tatsächliche Schließung des Loches im Westen und damit eine ernste Möglichkeit zur Wieder­herstellung unserer Valuta und damit zur Besse­rung der französischen Valuta ergeben wird, und daß auch diese Besprechungen im übrigen einem : geregelten deutsch-französischen Ein- und Aus­fuhrverkehr die Wege ebnen werden.

Rücktritt des sächsischen Fmnnz- i Ministers.

Der sächsische Finanzminister Nietzschke hat wegen ' Erkrankung endgültig fein Amt nicdergelegy Als fein Nachfolger für das sächsische Finanzministerium bar die demokratische Fraktion der sächsischen Volkskammer den Abgeordneten Dr. Reinhold der Regierung präsen- . tiert. ,

Dr. Reinhold ist der Verleger derLeipziger ^.age- ; blatts" und derLeipziger Zeitung." Er gilt als guter Kenner des inländischen und internationalen Finanzwesens. Publizistisch ist er mehrfach mit wirt­schaftlichen und finanzpolitischen Broschüren und Auf­sätzen hervorgetreten.

Iur Lage in ©änemarfc»

WB. Kopenpaacn, 1. April. In Uebereinstim­mung mit dem Erlaß der Gewerkschaften hat der Generalstreik bereits gestern abend begonnen, indem hit Gesellen in hm aiA&m SLwariLrot-Bäckuertw.

Die Lage im Industriegebiet.

Me aus den uns vorliegenden Meldungen aus dem Industriegebiet hervorgeht, ist der Generalstreik im ganzen Industriegebiet, mit Ausnahme von Düssel­dorf, durchgeführt worden. Dabei entfalten die Ak­tionsausschüsse überall den größten Terror, der Mangel von Lebensrnitteln bringt Zusammenstöße und Plün­derungen mit sich und schließlich auch eine Zersetzung der Roten Armee. Darüber, wie weit die Verhand­lungen zwischen den in daS Ruhrgebiet entsandten RegierungSvertretern und den Aufständischen gediehen sind, ist bis zur Stunde noch nichts bekannt, doch wird in RegierungSkreiseu die Sachlage ziemlich optimistisch beurteilt.

Hier liegen folgende Meldungen vor:

Münster L Wests., 31. März. Fast im ganzen Jndustriebezirk herrscht Generalstreik. Nur im Hagener und Hammer Bezirk wird nicht gestreikt. Die Sprengung der Eisenbahnbrücke bei Dorsten gelang nicht; er wurden nur unerhebliche Beschädigungen ver- ursacht. Die Gefangenen, die die Rote Armee machte, sind zumteil entlassen worden, doch befinden fich noch tn Essen 200, im Bochumer und Remscheider Bezirk noch viele Gefangene in den Händen der Roten Armee. Bei dem Staatskommissar laufen Notschreie ein, die M8 Einrücken des Militärs sehnsüchtig fordern. vorgestern morgen 8 Uhr wurde dieUnion" bei Dortmund zwangsweise stillgelegt. Der Akrionsaus- schuß erpreßte von der Dortmunder Stadtverwaltung SO crndspäffe und M COO Mark. An ReckUng-

hausen wurden von den Privatbanken 46 000 Mark erpreßt. In Buer erschien vorgestern eine Bande aus Essen mit zwölf unterschriebenen Todesurteilen gegen Führer der Mehrheitssozialisten nnd Unabhängige.

Esten (Rubr), 31. März. Der VollzugSrat in Essen hat die Massen nicht m^r fest in der Hand. In den nordöstlichen Vororten von Essen wurde mit der Waffenabgabe begonnen.

Gelsenkirche«, 31. März. Hier herrscht General- strnk. In den lebenswichtigen Betrieben wird ge­arbeitet. Der Aktionsausschuß löste sich auf. Die einzelnen Mitglieher legten ihre Aemter nieder. Bisher ist in Gelsenkirchen alles ruhig. Diese Woche konnten nur zwei Pfund Brot auSgegeben werden. Für die stimmende Woche ist überhaupt kein Brotmehl und keme Kartoffeln vorhanden.

Elberfeld, 31. März. Hier herrscht General­streik. Bisher wurden 1000 Gewehre abgeliefert. Der Aktionsausschuß ist noch in Tätigkeit. Der Verkehr innerhalb der Stadt wird aufrecht erhalten. Auch in Remscheid herrscht Generalstreik, dort verkehren auch nicht die Straßenbahnen. Die Bürgermeister von Oberhaufen, Remscheid und Mülheim (Ruhr) wurde« chre, Amte« entsetzt und verließen die Städte. In Duisburg hat sich der Oberbürgermeister in den Stadt­teil bcgrbe», den die Belgier besetzt haben.

Mülheim, (Ruhr), 31. März. Der Generalstreik dauert an. Bisher erhielten die Roten Truppen, die N noch in der Kaserne- und in der Stadt befinden, »50 000 Mark von der Stadt.

Düsseldorf, 31. März. Gestern abend wurde in der Gegend von Dinslaken noch gekämpft, auch mit Artillerie. In Düsseldorf und Dinslaken wurden Flug­blätter verteilt, die aufforderten, in die Rote Armee mizutreten. Vorgestern drangen 250 Mann rote Truppen in Düsseldorf ein, bemächtigten'sich der Stadt­verwaltung und erpreßten von den Banken etwa V0 000 Mark, wurden aber wieder aus der Stadt Hmausgedrängt. Heute ist es in Düsseldorf ruhig. Man bemerkt, daß die roten Truppen auch dort sich von der Front zurückziehen.

Frankfurt a. M., 31. März. In mehrstündiger Atzung befaßte sich heute nachmittag eine Versamm­lung der gewerkschaftlichen Vertrauensleute auch sie Betriebsobleute der Beamtenorganisationen waren freien mit der Frage dcS Generalstreiks. Nach Ablehnung weitergehender Anträge wurde folgender Entschließung zugestimmt:

Die versammelten Betriebsobleute erklären ihre Bereitwilligkeit zum Generalstreik bei gegebener Pa­role vom Aktionsausschuß.

Berlin, 31. März. Die freute in Essen versammelten Vertreter der Hauptverwaltung und der Bezirke des GewerkvereinS christlicher ^crgar&eifcr haben der Reichsregierung ein jeicgrutnm gesandt, worin es heißt: Die Vertreter des Gewerkvereins christlicher Berg­arbeiter fordern namens ihrer 100 000 Mit- öltebct, daß die Regierung mit aller Ent- fchledenheit für die Brechung der Pöbclhere- und die Schaffung von Ruhe und Ord- .; "h in Deutschlands größtem und wich- "guem Antzustriegebiet schafft. Insbesondere fic Genera: Matter jetzt nicht abberufen.

Eine neue NLgierungserkMMrtg.

Im Anschluß an die Besprechungen, die gestern ormittag zwischen den Vertretern der GewerkschastS- ?ff"susationen, der sozialdemokratischen Parteien und ^olchsregierung stattgefunden haben, hat die "^chsregicrung auf die dort vorgetrageneu Wünsche F® «Um jSäreiütii SLimdoct. w dem e» Leiht r

sowie die Mannschaften der zur Abfahrt bereit liegenden dänischen Dampfer die Arbeit einstellten. Die Partei der radikalen Linken des Reichstages stellte den übrigen Parteien ein Schreiben zu, in dem es heißt: Da die Sozialdemokratin erklärt habe«, daß der Generalstreik beendet werden kann, wenn der Reichs­tag einberufen und die Wahlgesetznovelle angenommen würde, fordert die radikale Linke die übrigen Reichs­parteien auf, am SamStag vormittag Vertreter zu einer Konferenz zu entsenden, um über das Wahl, gesetz und die eventuelle Einberufnng der Reichstages M verhandeln. Die Sozialdemokratin geben diesem Vorschlag ihre Zustimmung.

WB. Kopenhagen, 81. März. In einer Er- klänrng deS neuen Ministeriums beißt es: Die Minister haben sich in der Ueberzeugung zusammenge­funden, daß der König vollkommen berechtigt war, daran zu zweifeln, daß die Folkething unter den gegenwärtigen Umständen den getreuen Willen der Volkes barstelle und daß es daher das konstitutionelle Recht der Königs war, eine klare Lage zu schaffen. Unter diesen Umständen hielten eS die Minister als ihre Pflicht, dem Rufe der Königs Folge zu leisten und ein Geschäftsministerium zu bilden, um aus­schließlich die Geschäfte zu führen, bis das Volk in der Lage sei, seinem Willen entsprechende Vertreter in die Folkething zu entsenden. Sobald die Wahlen stattgefunden haben, wird daS Ministerium sein Man­dat als erfüllt betrachten.

Maifeier in Frankreich.

WB. Paris, 31. März. Der Landesverband der Arbeiterorganisationen nahm eine Resolution an, in der für den 1. Mai d. I. in Ueberein­stimmung mit den Gewerkschaften der Inter­nationale eine Demonstrationsfeier in Form eines 24stündigen Generalstreiks zu Gunsten der Sozialisierung der Revolutionsmethode vorge­sehen ist.

Die FoLgea der SrsZsrttngsfrtch? Frankreichs.

Jpu. Rom, 31. März. Frankreichs PoNtik sei durch seine Eroberungssucht in Asien doppelt bankerott geworden, schreibt dieJdea Nazio- nale". Der König von Syrien schließe Frank­reich von Syrien aus, der König von Irak von Mesopotamien, die türkische Reaktion yon Cilicien. Da ein politisches Bündnis zwischen Frankreich und Italien nicht bestehe, so sei Frankreich 'am Bosporus und Rhein isoliert.

Revolukisaars Amkriebs in Amerika.

WB. Haag, 1. April. Wie derNieuweCourant" aus Washington meldet, veröffentlichte das amerikanische Staatsdepartement revolutionäre Dokumente, die einem bolschewistischen Kurier abgenommen wurden. Darin wird zum revolutionären Aufstand in den Vereinigten Staaten und zur Errichtung einerDiktatur des Prole­tariats und zur Bildung von geheimen Werbeorgani- sationen aufgefordert.

Der ProstlrBNcher in Amerika.

New Aoek, 31. März. Der Arbeiterführer Gom» pers ermähnt in seinem Blatte die Regierung an ihre Versprechungen, die Teuerung zu bekämpfen, womit im vergangenen Jahre soviel Humbilg getrieben worden fei. um das Volk ruhig zu halten. Gompers stellt nun fest, daß die Preise nicht gesunken seien, sondern ganz rapide in die Höbe gingen. Der Profitwucher fei heute stärker als 1918 und 1919. Um die Anschuldigung, die hoben Preise seien durch hohe Jndustriegewinue verursacht, zu erhärten, weist GomperS auf den Bericht bin, wonach von 506 Mehlmühlen 84 einen Gewinn von mehr als, WO Proz. gemacht haben. Eine Mühle soll ihren Gewinn mit 2626 Proz. angegeben haben. Andere Nahrungs - Jndnstrieeu haben ähnliche Ver­dienste gehabt. Daher, sagt Compcrs, der Wuche­rer sei ein Feind der Gesellschaft, die Drohungen der Regierung hätten ihn nicht eingeschüchtert. Es müsse in einer Weise vorgegangen werden, die die Axt an die Wurzel des Wncher-Gift- banmeS lege. Doch muß bei der Betrachtung unserer Prcishöbeu immer berücksichtigt werden, daß zu jeder Ware und zu jedem Dienste, wofür wir in die Taschen greifen müssen, in der einen oder andern Weise die Kosten des Kriege» zugeschlagen werden. Der Krieg, für den schon in Wirklichkeit so­viel- geblutet haben, ist es letzten Endes, für den wir auch in Friedenszeitenbluten" müssen.

Preußische LundesVersamMlung.

Berlin, 31. März.

Präsident Seiners eröffnet die Sitzung vormittags 11 Uhr. Zur 2. Lesung steht ein.Nachtrag zum Eisen­bahnhaushalt für 1919.

E i s en b ah n m i n i ster Oeser: Es ist erfreu­lich, daß wir noch die Möglichkeit haben, eine Reihe von HilkSbeamten in etatsmäßige Beamtenstellcn über- zuführen und ferner in den neuen Eisenbahn-Inspek­toren da» Bindeglied zwischen den oberen und Mittleren jStytlint 41t f&offcttl

Der NachtragSetat wird in 2. und 3. Lesung am genommen, ebenso ein Antrag des Abg. Gräf-Frank- kurt (Soz.) auf Annahme eine» Gesetzentwurfes zu, einstweiligen Regelung der StaatshaushaltsauSgabe» für 1920, und der Antrag Graf-Frankfurt auf Ge­währung von Teuerungszulagen an die Mitglieder dv Landesversammlung.

Darauf wird die Besprechung der gestrigen Regie- rungSerkläruna fortgesetzt.

Äbg. Dr. Rasenfeld M. S. P.): ES ist alle? so gekommen, wie wir es vorauSgesagt haben. Aber die Regierung war blind gegen alles, was auf der Rechten vorging und gefiel sich lieber darin, die Unab­hängigen und ihre Presse zu unterdrücken. Eiyk Re­gierung, die mit Gewalt arbeitet und im orgebiet Trupven aufbietet, muß den geschlossenen Widerstand der Arbeiterschaft finden. Wir verlangen Verhand- limgen nnd wenn sie scheitern, neue Verhandlungen. Vor allem muß General Walter entfernt werden, dessen reaktionäre Gestnnung außer Zweifel steht. Meine Partei wird in der Opposition bleiben. Wir werden den Kampf weiter führen und uns durch nichts beirren lassen. sBeifall bei der U. S. P.).

Hierauf wird das Vertrauensvotum für die neue Regierung gegen die Stimmen der Rechten und der Unabhängigen angenommen.

Es folat die Beratung deS GeschästsordnungsauS- schusseS aus Erteilung der Genebmnug zur Einleitung eines Strafverfahrens und zur Verhaftung des Abge­ordneten von Kessel (Deutschnational) wegen Hochver­rats. Abg. L ü d e ck e (D.-Natl.): Es handelt sich höchstens um eine Amtsanmaßung, aber nicht um Hoch­verrat. Ich beantrage Rückverweisung an den Aus­schuß. Abg. Bayer (Ztr.): Es handelt sich um ein Scbulbeifpiel von Hochverrat. (Sehr richtig). Im Interesse des Vaterlandes ist die Strafverfolgung des Abg. v. Kessel geboten. (Beifall). Abg. Leid (11 S. P.): ES ist eine Feigheit wenn sich Herr von Kessel hinter die Immunität verkriecht, da er ja bit Kappregierung anerkannt hat. Gleichwohl werden roh auS grundsätzlichen Erwägungen den Antrag ablehnen, Die Genehmigung zur Verhaftung und Strafver­folgung des Abg. jo. Kessel wird gegen dke Stimmen der Rechten und der Unabhängigen angenomm:*?»

E» folgt die erste Beratung bei Gesetzentwurfes über den Staatsvertraa betreffend die U e b e r t r a - gung der preußischen Staalsbahnen a u f d a » R e i ch. Preußischer E i s e u b a b n - m i n i st e r O e s e r: Preußen hat von jeher einer Vereinheitlichung der deutschen Eisenbahnen vorgear- beitet. Aber in anderen Ländern machten sich Wider­stände geltend. Der traurige AuSgang des Krieges hat die Notwendigkeft geschaffen, ein neuer Band der Einheit um die Länder zu schlingen. Slbg. Dr. Frentz el (Dem.): Es ist erfreulich, daß auch du Beamtenftage in dem Staatsoertrage eine befriedigende Lösung gefunden hat. - Abg. Dr. Seelmann (D. Vp.) bezweifelt, daß Preußen? Einfluß auf die, künftige Tarifgestaltung gesichert ist.

Die Vorlage aeht an den Hauptausschuß.

Präsident Seinert erbittet und erhält die Er­mächtigung, den Tag und die Tagesordnung der nächsten Sitzung der Landesversammlung zu bestimmen. Falls die ReichstagSwahlen noch vor der Ernte stattfinden sollen, würde der 20. April, sonst der 27, April ir Betracht kommen.

ZZtndenSnrg-TrinnsrMgsn.

DemB. T." wird auS dem Haag gemeldet: Am Donnerstag beginnt derDaily Telegraph" mit der Veröffentlichung der Erinnerungen deS Feldmarschalls von Hindenburg. DerDaily Telegraph" stellt fest,- daß biete Memoiren mit einerwahrscheinlich un­bewußten Aufrichtigkeit geschrieben seien, die eS dem Leser ermöglichen, selbst festzustellen, wo die Wurzeln der vielen unerfreulichen Dinge lägen, obwohl Hinden- burg versucht habe, mit charakteristisch deutschem Nach- druck auf die guten Seiten des heutigen Systems auf. merksam zu machen." In den ersten sechzig Seiten gibt Hindenburg feine Jugendgeschichte bis zu seinem Austritt aus dem KadettenkorpS im Alter von neun« zehn Jahren und seine Erlebnisse in den Kriegen von 1866 und 1870/71. Was den Weltkrieg angeht, so sind die Sümpfe im Osten sehr genau beschrieben, nicht ohne Seitenhiebe auf Oesterreich und auf die Politik FalkenhaynS, besonders hinsichtlich der Verwendung östlicher Truppen durch Falkenbayn zur Eroberung von Calais. Hindenburg hebt hervor, wie groß der Fehler ReunenkanipfS war. seine Erfolge nicht gründ- lich auiznnutzen. Daß sich die beiderseitigen Operationen zuletzt völlig totl-efen. scheint Hindenburg hanptiachlich mit "dem Boden Rußlands und Polens zu erklären, in dem alle Bewegungen buchääblich stecken blieben Hindenburg kritisiert scharf die Belagerung von Verdu, und gibt eine Anzahl von eigenen Eindrücken übei Betbinann-Hollweg, Tirwy, Enver-Pascha, Czernin, Tisza und andere Persönlichkeiten. Der Kaiser und Kronprinz werden nur selten und ohne eine andere persönliche Note als mit dem Ausdruck der Ergeben- heit erwähn». In dem Buche ünb längere Ausführungen über die innere und äußere

Politik Deutschlands, den Wert der mit Deutschland verbündeten Armeen und den U-Bootkrieg enthalten. Das Buch ist in ' fünf Teil» geteilt: Hiiidenburg? Leben und Deutschlands Mschichte bi3 1914, der Oberbefehl im Osten, die Uebernahme deS gewmten Oberbefehls bis zum Zusammenbruch Rußlands der EntscheidnngSkampf im Westen und Deutschland in der Defensive.