Verlaasleitung: Ad. Jndermstble.
Verantwornick: für volitischen und allgemeinen TeilNich. Hultsch^für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle in Hanau a. M.
Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei vauau Fernspreckanicklüffe Nr. 1237 und 1238
General-Anzeiger
AmMches Organ Wr Skadl- «uS Landkreis Sana»
Erschein! täglich mit Ausnahme derSonn- und Feiertags
Nr. 74 Samswg den 27. März 1828
Das Neueste.
Das Kabinett Bauer ist gestern zurückgetre- ten. Der bisherige Außenminister Müller ist nit der Neubildung beauftragt.
Zm rheinisch-westfälischen Industriegebiet ist Me Beruhigung eingetreten.
Die deutsche Regierung soll ihr Begehren m die Alliierten um Entsendung von Truppen bis Ruhrgebiet erneuert haben. '
Das Repräsentantenhaus verlangt von Wilson Auskunft über die Notwendigkeit des amerikani- chen Besatzungsheeres.
Menschen der Pflicht.
Ein Geleitwort für die jugendlichen Lebenspilger.
„Wir sind nicht auf der Welt, um glücklich zu sein, sondern, um unsere Pflicht zu erfüllen." Kant.
Morgen Palmarum! Welche Erinnerungen steigen beim Aussprechen oder Hören des Wortes „Palmarum" in jedermanns Herzen auf? E'm Tag froher, frühester, jugendlicher Hoffnungen war es, der schönste Tag im Leben! Wie ist hat man sich ihn noch einmal gewünscht — »och vergebens, der Tag der Konfirmation kehrt nicht wieder. Heute freilich haben die Glocken des Palmsonntags in den deutschen Landen einen zar ernsten Klang und dem Vater, der Mutter, die das SHnb hinaus schicken sollen in die wilden Stürme des gegenwärtigen Lebens-Chaös, ist k^iMmute, als sollten sie er in eine sturmdurch-
Höchste
Wer wollte es nicht dem Vater- und Mutter- Herzen nach fühlen, daß ihnen in solcher Zeit besonders daran gelegen ist, als Antwort auf die stumme Frage des KindeSaugeS: Was müssen wir tun, um unseren Weg zu finden? ihren Liebling ein gut Geleitwort mit auf den Weg zu geben. Das Geleitwort für unsere Zeit lautet: „Seid Menschen der Pflicht!" Pflicht! Für manches Eltern ohr ein Wort mit kaltem Klang. Bor allem die Mutter möchte dem jungen Lebens- wanderec einen wärmeren Spruch mit auf den Weg geben, einen Spruch, der ihm den sonnigeren Weg des Glücks weist. Aber sind wir denn auf der Welt, um glücklich zu sein? Nein; sondern um unsere Pflicht zu erfüllen! Das sagt uns Kant. Je ernster die Zeit, desto zeitgemäßer dieses Wort.
Doch wäre es schlimm bestellt, wenn Kants Wort so verstanden werden müßte, daß der Mensch zu wählen habe zwischen Glück und Pflichterfüllung. Genau das Gegenteil ist vielmehr der Fall: Erst aus treuester Pflichterfüllung und nur aus ihr erblüht wahres Glück. Das Glück kommt nicht von außen, niemals; es wohnt im Innern und kommt von innen, aus der Persönlichkeit heraus. Kant will nur mahnen: Jage nicht dem Glücke nach. Tue deine Pflicht. Was senseitS der Pflichterfüllung liegt, ist Schicksalsfügung. Aber in den meisten Fällen kann selbst das Schicksal gemeistert werden durch die Erfüllung der Pflicht. Für viele freilich ist das Wort „Pflicht" heute ein recht mißtönendes Wort. Millionen, leider ziehen in Leichtfertigkeit ihr« Straße, um nur dem Glück zu leben. Nar bald aber, der eine früher, der andere später, Meiden sie Ueberdruß ernten. Sie werden sich chließlich todunglücklich fühlen, ©innen freube st. wenn sie zunächst auch noch so herrlich erscheint, der größte Betrüger. Die ihr folgen, sind die ärmsten Betrogenen. Deshalb müssen wir dem Leben und ganz besonders dem Leben un= Aer Tage, einen völlig anderen Inhalt geben: Treue Pflichterfüllung! Das ist Eein das Zeichen, in dem das deutsche Volk Glück von neuem ausrichten kann. Carmen Tylva prägte das Wort: „Pflichttreue ist eines der schönsten Wörter der lieben deutschen Sprache. Sie kann stolz fein, es zu besitzen." Wie tief schmerzlich berührt uns heute dieses Wort. Besagt es doch, wieviel an wahrem Deutschtum das deutsche Volk verloren hat.
Darum gilt es, sich zurückzufindon auf den Weg der Pflicht; gilt es, unseren diesjährigen Konfirmanden, die morgen an den Altar treten um in die große Lebensgemeinde ausgenommen ?u werden, tief einzuprägen, daß die Pflicht der ' Einzige Weg ist, der uns hinausführen kann aus dem Unglück und hinaufführen später zu einem Neuen Glück. Mag das Leben, das ihrer wartet, auch sorgenbeschwert, ja kümmerlich sein, äußerer ®Ianj des Erfolges ist nicht der wahre Maßstab für die Wertuna eines Menschenlebens, sondern
dieser Maßstab ist allein gegeben in der Pflichterfüllung. Seiner Pflicht, sei es auch nur im Verborgenen, gelobt zu haben, ist das größte Glück, weil es innere Harmonie mit sich bringt- Und jeder sollte sich hüten durch Versuchungen oder Nörgeleien diese Harmonie zu zerstören. „Hülle dich in deine Jugend und suche dir einen Freund und dein tägliches Brot! Und wenn du in deiner redlichen Sache mit Ehren grau geworden bist, dann segne Gott und stirb!" Wer möchte nicht dieses Wort einem jeden unserer Konfirmanden mit auf den Weg geben? In einer redlichen Sache mit Ehren grau werden! Das ist Pflichterfüllung. Merkst du wohl, junger Freund, daß zwar das Wort Pflicht bisweilen ein Wort kalten Klanges ist, das Wort Pflichterfüllung dagegen ein Wort warmherzigen Menschentums sein kann, durchpulst von allen guten Regungen- die das Leben erst lobenswert machen. In der Pflichterfüllung ist die Krone des Lebens gegeben.
„Wer seine Pflicht erfüllt, ist ein getreuer Kn^ht, hat aber keinen Anspruch auf Dank." So sprach Bismarck im Alter von 36 Jahren. Als Greis wählte er sich die Grabesaufschrist: „ein treuer Diener seines Herrn." In diesen beiden Aussprüchen zeigt sich der ganze Bismarck. Wollte Gott, daß das Leben eines jed^n Deutschen soviel Pflichterfüllung aufweisen könnt«, dann brauchte uns nicht bange zu sein, denn solange das Pflichtgefühl in einer Nation lebendig ist, ruht 'chre Zukunft auf Felsengrund.
Palmarunl-Glocken klingen! Sie läuten die Leidenswoche ein in Deutschlands Leidenszeit! Doch die Hoffnung darf nicht sinken, denn noch immer ist für unser Vaterland die Zeit der Bedrückung zu einer Seit neuer Erstarkung gewor- den. Eine Voraussetzung aber muß erfüllt sein, Auferstehung des Deutschtums folgen soll/JÄer junge Lebenspilger, der morgen zum Altar schreitet, wie jeder einzelne des gesamten deutschen Volkes muß sein Tun und Lassen 'in das Zeichen der Losung stellen: „Menschen der Pflicht'" rh.
Rücktritt des Reichskabinetts.
Die neue Ministerliste.
Kaleidoskopartig wechselten seit dem Tage, an dem die Regierung von Stuttgart nach Berlin übersiedelte, die Bilder. Anstatt sofort vollkommen zu demissionieren, hielt das Kabinett an feinem Bestehen fest; es wurden Verhandlungen über Verhandlungen geführt, die Schwierigkeiten wurden immer schwieriger und schwieriger, neue Situationen ergaben sich, so daß sich das Gesamt- Kabinett schließlich doch noch entschließen mußte, zurückzutreten, was gestern geschehen ist. Der bisherige Außenminister und frühere Pacteifunk- tionär Hermann Müller wurde mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragt Wie die „Vossische Ztg." mitteilt, wird unter dem Vorsitz Hermann Müllers aus den drei Mehrheitsparteien ein Koalitionsmini sterium gebildet in dem die Sozialdemokraten '6, die Demokraten 4 und das Zentrum 4 Sitze erhalten sollen. Von den bisherigen Ministern bleiben im Kabinett Bauer als Ressortminister, David, Giesberls, Geßler, Koch und Robert Schmidt. Sicher ist, daß das Reichswirtschaftsministerium geteilt und damit ein 14. Reichs- ministerium geschaffen wird. Das neue Ministerium soll die Fragen der Ernährung und der Förderung der landwirtschaftlichen Produktion bearbeiten und wird vom Zentrum besetzt.
Ein« Wolff-Depesche besagt: Hinsichtlich der neuen Kabinettsbildung ist die Lage noch völlig ungeklärt geblieben. Immerhin wird auch noch in den Abendstunden in den Kreisen der Nationalversammlung daran festgchalten, daß Hermann Müller Reichskanzler werde. Es wurde eine Ministerliste in Umlauf gesetzt, die Bauer als Reichsarheitsminister, den Demokraten Hach als Reichswegrnrinister und Cuno als Reichsfinanzminister nennt. Schmidt soll Wictschaftsmi- nister bleiben, wahrend das Ernährungsministerium mit einem Sozialdemokraten besetzt werden soll. Koch behält das Reichsministerium des Innern. Als Reichsschatzminister wird wiederum der Zentrumsabgeordnete Wirth genannt
Das preußische Kabinett.
Auch das preußische Kabinett ist zurückge- treten. Die Sozialdemokraten präsentieren folgende Minister: Präsidium: Graf, Landwirtschaft: Braun, Unterricht: H a e n i s ch, Jnne-. res: Krüger, Finanzen: Lüde m a n n.
Wieweit diese Liste durch demokratische und Zentrumsmitglieder vervollstündiat werden wird,
hängt von den Ereignissen im Reich ab. Ministerpräsident Hirsch hatte seiner Fraktion bereits vor fünf Tagen den Rücktritt angeboten, wurde aber damals gebeten, zu bleiben. Trotzdem verfaßte er ein schriftliches Rücktrittsgesuch, hielt es jedoch auf die Vorstellungen besonders seiner demokratischen Mlnisterkollegen zurück.
Die Lage im Muhrgebiet.
Auch in der Lage im Ruhrgebiet scheint nunmehr eine leichte Entspannung ein getreten zu sein, sodaß man hoffen kann, daß auch dort bald wieder Ruhe und Ordnung herrschen wird. Die ErnährungSlage wird, wie man meldet, im ganzen Industriegebiet von Tag zu Tag kritischer. Kartoffeln sind überall aufgezehrt und statt des fehlenden Brotes werden Hülsenftüchte und Nährmittel an die Bevölkerung ausgegeben. Wenn nicht unverzüglich eine ausreichende Be- lief-erung des Industriegebietes mit Nahrungs- mitteln «insetzt, so könnte noch eine neue Kata- strophe eintreten, deren Folgen sich im Augenblick nicht ab sehen lassen.
Die Reichsregierung hat an die Bevölkerung des Rheinlands und Westfalens «inen
Aufruf
gerichtet, in dem die Arbeitertruppen aufgefordert werden, jetzt, nachdem der Anschlag der Reaktion zurückgewiesen sei, sofort zur Arbeit zurückzu- kehren und die Waffen wieder abzuliefern. Noch jetzt weiterkämpfende Arbeitertruppen schädigen das Volk und Vaterland aufs schwerste. Sie müssen deshalb, wenn nichts anderes hilft, mit »militärischen Mitteln zur. Ordnung zurückgebracht werden. Arbeiter und Bürger des Ruhrgobiets! Wir rufen Euch zur Besonnenheit und zur Rück- kehr zur Arbeit auf; denn nur so schützt Ihr
In H agenlcheinrnmnendlich zurVernunst zurückzukehren, wie aus folgender Erklärung des
Aktionsausschusses in Hagen,
die dem Reichskommissar zugegangen, ersichtlich ist: Der Aktionsausschuß in Hagen erkennt die von der Waffenstillstandskommission in Bielefeld gegebenen Richtlinien an. Sämtliche Aktionsausschüsse werden aufgefordert 1. eine gleiche Erklärung abzugeben, 2. für die Durchführung dieser Bedingungen Sorge zu tragen, 3. die wilden ungesetzlichen Beschlagnahmungen, insbesondere von Lebensmitteln, im Interesse der Aufrechterhaltung der Lebensmittelversorgung zu unterlassen. Nur so wird es möglich sein, weiteres Blutvergießen zu verhindern und entsetzliches Unheil von dem Industriegebiet und dem ganzen Reich abzrrwenden.
Hoffentlich wird die Erklärung allgemein gehört und befolgt
WB. Aachen, 27. März. Da mehrere Granaten in die Umgebung des von belgischen Truppen besetzten Forts Blücher gefallen waren, sandte der belgische Kommandant einen Parlamentär nach Duisburg mit dem Auftrage, der Roten Armee ein Ultimatum zu übereichen. Der Kommandant der Roten Armee erklärte, daß es sich um einen Irrtum handele, und daß der Befehl gegeben sei, das Schießen einzustellen. Er gab seinem Bedauern Ausdruck und entschuldigte sich.
Zur LrM^esrsenÄurrg ins Sommer»
WB. PariS, 27. März. Wie verkantet, soll bic deutsche Regierung ihr Begehren an die alliierten Ne- aikrungen um Entsendung von Truppen nach dem Ruhrrevier erneuert haben. Die Alliierten hätten über dieses Begehren noch nicht beraten. Man glaubt aber, daß sie schweigen werden.
Das Anlerhaus über die Lage in Deustchland.
„Telegraaf" meldet aus London: Asguith eröffnete gestern im Unterhaus die Debatte über die allgemeine Lage in Dcutsch'and. _ Hierauf besprach er die türkische Frage. Er erklärte, seitdem der mohammedanischen Welt bekanntgegeben worden sei, daß der Sultan aus KonstantinopU vertrieben werden solle, sei es aus politischen Gründen, schwierig diesen Beschluß zu widerrufen. Asguith befaßte sich dann m t der furchtbaren Lage in Oesterreichs wo die Krankenhäuser seit Monaten'obue Medizin, die Wohnungen ohne Brennstoff und die Kinder ohne Schukwerk seien. Zum Schluß verwies Asguith aus die Notwendigkeit, den vormaligen Feinden. Deutschland Inbegriffen, wirtschaftlich auf dieBeine zu helfen, damit sie in der Lage seien, die angerichteten Kriegs- icpiiben zu vergüten.
Clynes «Arbeiterpartei) schloß sich den Darle- gungen Asguiths an. Er erklärte, die rea tionäre Bewegung in Deutschland habe bewiesen, wie gefährlich es sei, ciu. ganzes V»lk ohne die notwetwigen Lebensbedürfnllle ru laffeue
Lloyd George ging ausführlich auf a® Punkte ein. Er sagte, es sei ein Glück, rmd zwar nicht allein für Deutschland, daß der monarchistische Putsch mißglückt sei. Die Verzögerung in der Lösung der türkischen Frage erklärte er mit der Tatsache, daß Präsident Wilson im vergangenen Sommer darum ersucht habe, mit der Lösung |u warten, bis er die Amerikaner befragt habe. Lloyd George sagte, es fei schwierig, Konstantinopel unter internationale Verwaltung zu stellen. Das Versprechen, daß der Sulta» im Besitz der Stadt bleibe,- wenn die Ebristenmorb aufhörten, würde einen großen Einfluß ausübew. Hieraus befaßte sich der Premierminister mit der L a g « in Mittelenrova. Er führte an3, man habe Deutschland mehrmals mit Krediten geholfen. So lange aber keine Ruhe und Ordnung in diesem Land« berrfebe, habe das keinen Zweck. Zm weiteren Verlauf seiner Rede setzte sich Lloyd George, ausdrücklich füi Frankreich ein, das diesen Krieg nicht gewollt, aber im Verhältnis mehr Söhne verloren habe, als alle an* deren Staaten, das seine Industriegebiete verloren, und für seine Wiederherstellung trotzdem so viel bezahlen müsse, als wie Deutschland verpflichtet worden sei. Warum Frankreich aus reiner Menschenliebe feint Rechte auf Entschädigung aufgeben solle, sehe er nicht ein. Es bestehe gar kein Grund dafür, eine Revision des FriedensverttageS zu Verlangen. Er sagte, dem Versailler Vertrag zufolge könnte Deutschland selbst die Festsetzung des ,anaerid)teten Schadens und bei Entschädigungssumme, die es zu vergüten imftanbi sei, vornehmen. Bisher habe Deutschland dies jedoch noch nicht getan. Es liege im Interesse aller, daß bet Industrie Deutschlands wieder geholfen werde. Wenn Deutschland Kredite nötig habe, so soll, e3 angeben, wie viel. Wenn die Sache Deutschlands gerecht sei, werde sie erwogen werden. — Lloyd George erklärte ferner, Großbritannien beabsichtige das Mandat für Mesopotamien einschließlich Moffut zu beanspruchen. Mit Bezug auf die von Deutschland zu zahlende Entschädigungssumme erklärte der erste Minister, weder Frankreich noch Belgien würden irgendeinem vernünftigen Vorschläge im Wege sieben, durch den Deutschland in die Lage versetzt werde, feines reäumLruseu Beraruwortlichkcii.cn uachjukommen Aber c? müsse der klar? Bewe-5 bestehen, daß man die Absicht hat, seinen Verpflichtungen nachzukommen.
Barlhsu über öis mrsWZrttgs Politik.
Aus der Re8e, die der Abgeordnete und ehe» malige Ministerpräsident Barthou in der fran» zöjischen Deputiertenkammec hielt, brachten wir bereits gestern einen Auszug, trotzdem der Anfang der Rede noch nicht vorlag. Wie nun gemeldet wird, ging Barthou zu Beginn feina Rede auf Deutschland und Rußland ein. Dann erklärte Barthou, daß das ftanzösische Volk nicht militaristisch sei, nachdem es 43 Jahre lang das gesetzliche und heiligste seiner Rechte geopfert habe, um nicht den Frieden zu stören. Frantteich besitze weder eine Dittatuc der Bourgevisse, noch eine Militärdiktatur. Die höchste Entscheidung sei der Kammer in die Hand gegeben. Barthou hebt dann gewisse Mängel des FriedensverttageS hervor und verlangt, daß das Minimum der in dem Vertrage enthaltenen Gacantten auch ange- wendet werde. Er stellt fest, daß her Friedens- verttag Deutschland in einem Maße verpreußt habe, wie man es selbst nach 1871 nicht gekannt habe, und daß selbst Staaten wie Bayern keine diplomatischen Vertteter mehr besäßen. Der Vertrag habe die militärische und diplomatische Einheit Deutschlands gefestigt. Es fei jedoch eine Dummheit und eine Unmöglichkeit. Deutschland vernichten zu wollen. Er bestätigt die Notwendigkeit, Deutschland gegenüber ein« Politt! be§ Ausgleichs, wie der von ihm unterzeichne/e Vertrag vorschreibt, anzuwenden, was unsere Pflicht sei und in unseren Interessen liege. Die Alliierten haben durchaus nicht die Absicht, Deutschland zu erdrosseln, wenn es von seiner Eroberungspolitik abläßt. Die Alliierten wünschen, daß Deutschland von seiner Produktivität Nutzen ziehe wie andere Völker, jedoch unter der Bedingung, daß es die von ihm verursachten Schaden wieder gutmache. Barthou stellt dann fest, daß die Regierung, die den Vertrag im Namen Deutschlands unterzeichnete, alles tue, um sich der Ausführung zu entziehen und bedauert andererseits, daß gewisse Alliierte zu Milderungen des Vertrages bereit seien.
Weiter führte Barthou aus: Alle Delegier, ten und in Frantteich alle Parteien können di« Aburteilung des Kaisers verlangen. Die moralische Notwendigkeit dieser Gerechttg- keitspflicht sei nicht zuerst von Frantteich betont worden, sondern von jenseits des Kanals. Bar- thou erinnert 'dann an die Wahlreden Lloyd Georges und sagt, die englischen Zeitungen hätten sich über Frankreich und Belgien luftig gemacht, weil sie die Aburteilung und Auslieferung von etwa 100 Generalen und Statsmännern verlangt hatten. Hatte nicht England die Ab« Erteilungen von Admirälen wie Tirpitz und v- Capelle.verlangt? Sei England allein eS gewesen, das die Folaeu des Unterseebootkrieg«!^