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General-Anzeiger.

AmMches Organ für Stadt- und Landkreis Sana«

Erschein! täglich mit Ausnahme der-Sonn- und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble. Verantwortlich: für politischen und allgemeinen | Teil Rich. H u l t s ch: für lokalen und vromnriellen Teil Sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle in Sanau a. M. Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdrucker« Hamm Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238

Nr. 72

Donnerstag den 28. März

1920

Das Aeuesle.

Fm westlichen Industriegebiet wurde eine längere Vereinbarung über die Beilegung des Konfliktes sestgolegt. Die Kämpfe dauern fort, Wesel-ist in die Hände der Roten Armee gefallen.

Der Reichspräsident erließ an die deutsche Beamtenschaft eine Dankeskundgebung.

Der Reichsrat stimmte bet Verweichlichung der LtaatZeisenbahnen zu.

Im Erzbergerprozeß haben beide Parteien Berufung eingelegt.

Die Sitzung der Nationalversammlung ist auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Lage.

Fortdauer der Dämpfe im Industriegebiet.

Die schwere Erschütterung, die das aus Vahnwitz und Dummheit geborene Unternehmen her Kapp- und Lüttwitz-Gesellschaft dem deutschen Vaterlande gebracht hat, ist immer noch nicht aus- Leglichen. Dir Führer des Putsches haben sich durch die Flucht rechtzeitig in Sicherheit gebracht, ohne auch nur den Versuch zu machen, die Ver- antoortung für das von ihnen angerichtete Un­glück zu tragen. Das Unglück ist groß, denn noch ist es nicht gelungen, die Kommunisttschen Brand­herde in Mittöldeutschland und im westlichen Jn- buftriegebiet zu dämpfen. Ob es der Regierung gelingen wird, der kommunifttschen Bewegung in ahfchbcE^Nr Herr zu werden, ist heute noch

^ndustricge

Waffenstillstandes haben die Kommunisten in ver­schiedenen Orten den Kampf fortgesetzt. Die Auf­rufe der Führer der Roten Armee, die seit gestern vollständig fommuniftifch ist,' atmen eine Kampf­lust, wie sie nur durch die Gewißheit des Sieges gegeben werden kann. Doch dieser Sieg wäre in seinen Folgen unübersehbar. Zunächst für die deutsche Wirtschaft, sodann für die deutsche Kultur und schließlich für die nationale Zukunft des deutschen Volles. Inzwischen sind von der Konferenz zur Verständigung über die Lage im Industriegebiet Vereinbarungen über die Bei- legmg des Konfliktes festgelegt worden, deren Wittung aber erst abgewartet werden muß.

In Berlin scheint allgemein gearbeitet zu werden, auch in Sachsen ist die Lage ruhiger ge­worden, abgesehen von einigen vogtländischen Orten, in denen Bandengefechte stattfinden. In Dresden wurde gestern der bekannte Kommu­nistenführer Frenzel verhaftet. In Gotha hat gestern die Rote Armee die Waffen bedingungs­los gestreckt, auch der Ohrdrufer Truppenübungs­platz wurde von der Roten Armee freiwillig ge­räumt.

Essen, 24. März. Die Kampfleitung der Roten Armee hat den gestern in Bielefeld Zwi­lchen den Vertretern der Regierung und den Ver- Mtern der Arbeiterschaft abgeschlossenen Waffen- Mftanb äbgelehnt. Die Kämpfe nahmen heute ganzen Tag ihren Fortgang. Im Laufe des Vormittags gelang es der Roten Armee, Fried- rchsfeld zu nehmen und ihre Linie an die Lippe forzutreiben. Die Rote Armee befindet sich M heute vollständig unter kommunistischer »uhrung. Die Oberste Kampfleitung wird nunmehr ausschließlich vom Roten Soldatenbund, riNtzr rein kommunistischen Gründung, die schon den Märzunruhen in.Berlin eine Rolle ge- hat, ausgeübt.

~ Essen, 25. März. Die Kampfleitung der 'uoten Armee ließ gestern abend auf den Straßen "^ Straßenredner bekanntgeben, daß Wesel ^fallen sei und die Rote Armee dort bereits chren Einzug gehalten habe.

= Essen, 24. März. Ueber die Befreiung der ^langenen aus dem Essener Gerichtsgefängnis urch die revolutionären Truppen und die Wie- erembringung befreiter Gefangener teilt der

Anzeiger folgendes mit: Im Essener N^chisgefängnis befanden sich insgesamt 950 ' qangene, die sämtlich befreit worden sind. Zur- l beherbergt das Gerichtsgefängnis 250 Per- f^. darunter etwa 170 Sicherheitswehrmann- Wllen, die von den Revolutionären zu Ge- ;J^ncn gemacht worden sind, die übrigen 70 o ^dfangenen, die befreit wurden und die sich i cf Zwischenzeit zum großen Teil wieder ge- «rM Eine geringe Anzahl ist wieder er- jUp worden. Von den befreiten Schwervec- mern hat man keinen wieder bin afeft machen

können. Wie festgestellt worden ist, hat sich ein erheblicher Teil der befreiten Gefangenen,^ na­mentlich auch solche, die in den großen Spar­takid enprozessern abgeurteilt wurden, zur Roten Armee begeben.

Vereinbarungen im Wuhrgebiel.

WB. Bielefeld, 24. März. Nach einacbenden Verhandlungen, die gestern im Anschluß an die Kon­ferenz der Arbeitervertreter und Stadtverwaltungen des rheinisch-westfälischen Industriebezirks über die Kämpfe zwischen Arbeiterschaft und Regierungstruppen stattkanden, legt heute der Redaktionsausschuß dieser Kouferenz eine Erklärung fest, in der ausgeführt wird, daß die Vertreter aller beteiligten Parteien und Er­werbsgruppen erklären, daß sie ihre Forderung, zur Entwirrung der durch den Kapp-Putsch entstandenen Lage mit der Verfassung aufgrund derjenigen Ver­einbarungen in Einklang bringen wollen, aufgrund deren die Vorstände der deutschen Gewerkschaften, der S. P. D. und der U. S. P. D. gestern in Berlin die Beendigung des Generalstreiks beschlossen haben. Weiterhin wird insbesondere bestimmt, daß die Korps Lützow, Lichtschlag und Schulz aufgelöst und die be­stehenden Vollzugsausschüsse in Gemeinschaft mit den zuständigen Gemeindeorganen die Ortswehr ausstellen und die Waffenabgabe zu regeln haben. Dies muß spätestens innerhalb 10 Tagen geschehen. Danach tritt an die Stelle jener Ausschüsse ein aus der organi­sierten Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenschaft und den Mebrbeitsparteien gebildeter Ordnungsausschuß, der im Einvernehmen mit der Gemeindebebörde bei der Durchführung des Sicherheitsdienstes mitwirkt. Zur Unterstützung der ordentlichen Sicherheitsorgane wird, soweit erforderlich, eine Ortswehr in Stärke bis zu 3 auf 1000 Einwohner aus den Kreisen der republi­kanischen Bevölkerung, insbesondere der »rganisierten Arbeiter, Angestellten" und Beamten gebildet. Die sämtlichen Beteiligten verpflichten sich, ihren ganzen Einfluß dahin auszuüben, daß die Arbeiterschaft so schnell wie möglich zur Arbeit zurückkehrt. Es er­folgt die sofortige Abgabe der Waffen und Munition.

All enen sind sofort

der Reichswehr" in das rheinisch-westfälische gebiet nicht erfolgen. Der Reichskommissar erklärt, daß er einen Vertrauensmann der Arbeiterschaft be­rufen werde, der bei allen militärisch-politischen Wand­lungen, über die der Reichskommissar mitzubefinden hat, gehört werden soll. Der verschärfte Ausnahme­zustand soll sofort aufgehoben werden. Reichsminister Giesberts wird die Frage der Versorgung der Hinter­bliebenen und Verletzten dem Reichskabinett vortragen mit dem Bestreben, daß die Kosten vom Reich über­nommen werden. Weder den Arbeitern, die an den Kämpfen teilgenoinmen, noch den Mitgliedern der Polizei- und Einwohnerwehren und den Mitgliedern der Reichswehr dürfen Nachteile und Belästigungen wegen ihrer Teilnahme erwachsen.

Wenig Hoffnung auf eine friedliche Lösung.

In einem Bericht, den Oberbürgermeister Cuno über die von ihm und anderen Vertretern aus dem Industriegebiet mit den Berliner Regierungsstellen in der Lebeusniittelfrage geführten Verhandlungen gab, betonte er, daß Holland jede Lcbensmittclzufuhr nach Deutschland ablehue. solange in irgendeinem Gebiet die Räterepublik bestehe. Der holländische Gesandte habe erklärt, man verstehe darunter - jedes außerhalb der Verfassung stehende, eine Gewalt ausübende Organ, möge es sich Aktionsausschuß oder sonstwie nennen. Die französische Kohlenkommission sei von Essen nach Frankreich abgereist, um ihrer Regierung über die Zu­stände im Judustriebezirk zu berichten. Der Verband fordere sofortige Entwaffnung der Arbeiter. Seine in Deutschland weilenden Vertreter seien äußerst ungehalten über die ungeheuren Mengen Waffen, die sich in den Händen der Arbeiter befänden. Sie hätten bündig er­klärt: Wir rücken in Westfalen ein, wenn dort nicht sofort Ordnung geschafft wird. Aus den Mitteilungen des Reichskanzlers sei zu entnehmen, daß er nicht ge­willt sei, den bkiederrhein und Westfalen von Eng­ländern und Franzosen besetzen zu lassen, ohne vorher zu versuchen, mit bewaffneter Macht die Ordnung wiederherzustellen. Oberbürgermeister Cuno besprach auch mit Minister Bell und anderen Sümftern die furchtbare Lage und sagte, die Entwaffnung der zur­zeit siegestrunkenen Arbeiterniassen sei kauni durchführ­bar, ohne daß ein schrecklicher Bürgerkrieg entfesselt werde. Es werde erwogen, eine neue Sicherheits­polizei von Arbeitern aller Parteien aufzustellen. Oberbürgermeister Cuno bemerkte weiter auf Anfrage: Württembergische Truppen seien bereit, zum Schutze der Verfassung in Westfalen einzurücken. Im demo­kratischen Württemberg sei man empört über die heil­losen Zustände in Westfalen. Auch in Kölner maß­gebenden Kreisen herrsche die Auffassung, daß die Eng­länder die Vorgänge scharf beobachteten und sofort einmarschieren würden, wenn die Räterepublik ausge- rufen werde oder etwas Aehnliches sich ereignen sollte. Oberbürgermeister Cuno verhandelte auch mit dem Aftionsausschuß. Die dort vorhandene Auffassung läßt wenig Hoffnung, daß sich die Verhältnisse noch friedlich glätten lassen. Man wolle, so wurde dort erklärt, keine Unterwerfung unter irgendwelche mili­tärischen Stellen, was einer Unterwerfung unter Ost- elbien gleichkomme. Die Rote Armee in einer Stärke von 120 000 Mann (?) rücke zurzeit auf der Lippe- linic gegen Münster vor. Man werde alle waffen­fähigen Männer zum Kampf gegen die Reaktion auf- riifen.

Keine Zufuhr an Levensmitteln.

--- Dortmund, 24. März. DaS Stadtwirtschafts- amt erklärt in einer öffentlichen Bekanntmacbuna über

die Ernährungslage n. a.: Die Kartoffelzufuhren aus Holland werden seit gestern an der holländischen Grenze angehalten, die Viehtransporte aus Süddeutschland werden nicht durchgelassen, Mehltransporte erreichen uns nur in ganz ungenügender Menge. Die eingeleitete Lebensmitteläktion mit Holland wird nach den vor­liegenden verbürgt n Nachrichten nicht zustandekommen.

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Cassel, 24. März. Die Reichswehrbrizade 11 teilt über die Lage in Thüringen mit:

Die Truppen des Generals Remschettel er­reichten die Gegend halbwegs Eisenach-Gotha. Der Vormarsch ging im allgemeinen ohne Störung vor sich. Patrouillen erhielten aus Mechterstedt Feuer. Einige Verluste sind zu beklagen. Ueber die Auslieferung der in Suhl gefangen genomme­nen Reichswehrleute schweben Verhandlungen-

Erfurt, 24. März. DieThüringer Allgem. Zeitung" meldet: Heute morgen 8 Uhr hat die Rote Armee in Gotha bedingungslos die Waffen gestreckt. Die Regierung verlangte um 10 Uhr die Abgabe der Waffen- Gegen 1 Uhr mittags wer­den sich Abgesandte der Stadt Gotha nach Eise­nach begeben, um dem dortigen Truppenkom- mando die Abgabe bet Waffen mitzuteilen. Da­nach rücken die Regierungstruppen in Gotha ein- Die Führung der Roten Armee ist aus Gotha geflüchtet. Heute nachmittag 3 Uhr findet die Be­erdigung von 173 Toten statt.

Halle a. d. S., 24. März. In zahlreichen Ver­sammlungen der Arbeiter sprach sich die Mehrheit trotz Abmahnens seitens der Streikleitung für die Fortsetzung des Streiks aus, bis die gestern und heute wegen der Kämpfe Verhafteten auf freien Fuß gesetzt worden sind.

Leipzig, 24. März. Die Lage in Leipzig ist unverändert. In der Frühe des 23. März mar­schierten Teile der Brigade 19 von allen Seiten in Taucha ein, besetzten die Stadt und nahmen die Hauptcädelsführer fest. Nach Durchsuchung

Rückmarsch na

Borne (Sachsen), 24. März. Die Lage ist ruhiger geworden. Auf Grund von Verhand­lungen wird am 24 März die Arbeit wieder aus­genommen. In ®ri;nma, Leißnitz und Döbeln herrscht Ruhe.

Chemnitz, 24. März. In einer Konferenz der Arbciterräte wurde ein Antrag angenommen, der der sächsischen Regierung das Vertrauen aus- spricht und sofortige Zurückziehung und Entwaff­nung der Reichswehrtruppen fetale der Zeitfrei­willigen aus Leipzig fordert. Der Hauptbahnhof Chemnitz ist von den Arbeitern besetzt. Bewaff­nete Arbeiter mit blauer Binde mit der Abfschrift Rätesystem Chemnitz" durchsuchen die Züge nach Reichswehrangehörigen. In Planen und Zwickau ist die Lage unverändert-

Planen i. Vogtl-, 24. März. DerVogtland. Anzeiger" berichtet aus Markneukirchen: Der Kommunist Max Holz, auf dessen Ergreifung die Staatsanwaltschaft Planen 5000 Mark Beloh­nung ausgesetzt hat und der in der Nacht zum Sonntag vierzehn Strafgefangene des Falken­steiner Schwurgerichts aus dem Landgecichtsge- fängnis Planen befreite, erschien gestern abend mit einer bewaffneten Bande von etwa 200 Mann. Die Mannschaften besetzten alle Straßen und ließen niemand aus den Häusern heraus. Hölz selbst begab sich mit mehreren Leuten vor das Rathaus und verlangte vom Bürgermeister 100 000 Mark, die er auch erhielt-

Braunschweig, 24. März. Gestern nachmittag wurde beschlossen, den Generalstreik abzubrechen.

Der Reichspräsident an die Beamtenschaft.

Amtlich. Der Reichspräsident hat folgenden Auf­ruf erlassen:

An die deutsche Beamtenschaft. In den schwere» Tagen, da einige freventliche Abenteurer und ein kleiner Teil irregeleiteter Volksgenossen versuchte, die Reichs- regierung zu stürzen und die Grundlage von Recht und Gesetz, die Verfassung, zu beseitigen, bat sich die deutsche Beamtenschaft in Reich, Ländern und Ge­meinden in entschlossener Abwehr zur Verteidigung des Rechts und der Demokratie gegen Gewalt und Macht­willkür zusammengefun»cu. Die deutsche Beamtenschaft hat dadurch einen neuen Beweis ihrer Treue zur be­schworenen Pflicht und ihres verfassungsmäßigen «e- porsamS gegenüber der Reichsrcgicrnng gegeben und ihrer ehrenvollen Geschichte damit ein neues Dokument selbstloser und zielbewußter Arbeitstreue eingefügt. Durch ihre entschlossene Absage an die Männer deS Staatsstreiches und der Reaktion, durch ihr treues Festhalten an der verfassungsmäßigen Regierung und den Gesetzen hat die deMsche Beamtenschaft und in erster Linie die Beamtenschaft des ReiSsws, in hohem Maße dazu beigetragen, daß der wahuvKtzige Staats­streich der Kapp und Lültwitz so rasch in sich zm'ammen- brach und Recht und Gesetz gesiegt haben. Ich spreche den deutschen Beamten und Beamtinnen meine be­sondere Anerkennung und,meinen und des Vater­landes tiefempfundenen Dank aus und bin überzeugt, daß noch mehr als es bisher der Fall war, auch das volle Vertrauen des aesamten Volkes diese Dienste der

Beamtenschaft belohnen wird. Nun gilt es, die schweren Wunden, die das Verbrechen des 13. März dem deut, schen Volke und dem deutschen Wirtschaftsleben ge> schlagen haben zu heilen, dar so freventlich Zerstört« wieder aufzubauen und die ruhige wirtschaftliche und soziale Entwicklung fortzusetzen. Ich bin überzeugt, daß auch hierbei die deutsche Beamtenschaft mit allen Kräfte» mithelfen und noch hier ihre Dienststelle und Vaterlandsliebe neu bewähren wird.

ge». Bauer.

gez. Ebert.

Neubildung des Reichskabinetls.

Der Stand der Reichskabinettskrisis ist durch die schwebenden Verhandlungen noch nicht ge« klärt. Es wird aber angenommen, daß die Lösung der Frage innerhalb der nächsten 24 Stunden erfolgt. Ueber eine mögliche Betei­ligung der Unabhängigen an der Regierung sind verschiedene Versionen verbreitet. Während der Vorwärts" mitteilt, die Unabhängigen hätte« schon am Montag eine Anfrage des Reichskanz­lers, ob sie grundsätzlich bereit seien, in die Re­gierung einzutreten, verneint, wird in anderen Abendblättern die Frage in Zusammenhang ge­bracht mit der Stellung der bisher an der Re­gierung beteiligten bürgerlichen Parteien- Da­nach sollen die Demokraten sich mit dem Eintritt der Unabhängigen abfinben, während das Zen­trum sich ablehnend verhalte. DieFreiheit" äußert sich zu der Frage nicht, beschränkt sich viel­mehr auf die Feststellung, daß die Bildung einer Arbeiterregierung auf große Schwierigkeiten stoße. Da weder eine rein sozialistische noch eine rein bürgerliche Regierung von den Blättern für möglich gehalten wird, tritt in den Mitteilungen der Zeitungen wiederum der Gedanke einer Um­bildung der bestehenden Koalitionsregierung in den Vordergrund. Auch derVorwärts" meint, daß gegenwärtig diese Lösung Gegenstand bei Verhandlungen sei. Nach derVossischen Ztg." bildet den Mittelpunkt der polittschen Erörte-

Die neun Punkte her Vereinbarung knit den Ge-' Werkschaftsführern, über die eine völlige Einigung zwischen ben Mehrheitsparteien noch nicht erzielt zuffein scheine.

LautVoss. Ztg." ist im Laufe des gestrigen Tage? im Schoß der Regierung und der Mcbrheiksfraftion im wesentlichen eine Einigung über die 9 Punkte er­zielt worden, die zwischen den Gewerkschaften und den Vertretern der Bkehrheitsparteten in der Nacht zum Samstag vereinbart worden waren. Zentrum und Demokraten werden im Prinzip ihre Zustimmung er­klären. Wie das Blatt weiter meldet, hat sich der Wiederaufbauminister Dr. Geßler nach anfänglicher Weigerung bereit erklärt, das ihm angetragene Aint des Reichswehrministers anzunehiven. Zur Besetzung des Reichsfinanzministeriums heißt es, daß der bis­herige Direktor der HamburgAmerika-Linie Guno seine frühere Weigerung zurückzichen werde. Das Schatzministerium ist dem Zcntrnmsabgeordnetcu Amts­richter B o l tz (Rottenburg a. Neckar) angeboten wor­den, der am Nachmittag abgelehnt hat, schließlich aber anuehmen wird. Das Wiederaufbauministerurw, das übrigens zum Abbau bestimmt ist, wird die Sozial- bentofratie im Austausch mit dem Reichswe prmmlstcn um beietzen. Als Stanbibaten für das Wiederaufbau- ministerium nennen dieP. P. N." den GcwcrkschastS- 'sührcr S ilb er s ch m idt.

Ueber die bevorstehende Umbildung der ReichSregie» tung teilt dasBerliner Tageblatt" mit: Die Nec> Handlungen des Reichskabinetts mit den Medrheits- Parteien über dir Umbildung der Regierung stehen un­mittelbar vor dem Abschluß. DäS Kabinett dürfte in seiner Zusammensetzung nur wenige Veränderungen erfahren. Neu besetzt werden dürften lediglich die drei zurzeit vakanten Posten des Reickssinanz-, deS Reichs- schätz- und des ReichswebnuluisterS werden. Alle übrigen Ministeiposten sollen unverändert bleiben. Der Reichswirtschaftsminister Schmidt verläßt seinen Posten nicht. DieSozialistische Korrespondenz", das Organ der Mchrheitssozialdcnlokratie, macht aus ihrem Unwillen über diese Art, die Regierungskrise zu ver­schleiern, kein Geheininis. Diese Umbildung der Re­gierung, heißt es, dürfte in den weitesten Kreisen schroffste Ablehnung erfahren. Man hat nach den Vorgängen der letzten Tage erwartet, daß die Re- gierungspolitik einen heftigen Ruck nach links machen würde. Es scheint aber das Gegenteil einzutreten.

UmbilSung des preutzischen Kabinetts.

Der Ältestenausschuß der Preußischen Landes« versammlung beschloß mit Rücksicht auf die unge­klärte Lage int Reich die für gestern nachmittag anberaumte Sitzung ausfallen zu lassen. Der Präsident wurde ermächtigt, die nächste Sitzung anzubcraumen. Sie soll einen Tag nach dem Zu­sammentritt der Nationalversammlung stattfinden.

In der gestern abgehaltenen Konferenz der Mehrheitsparteien der Landesversammlung ergab sich Uebereinstimmung darüber, daß die Frage, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmaß eine Um­bildung des preußischen Ministeriums stattfinden soll, erst nach der Klärung der Verhältnisse im Reich der Lösung zugeführt werden kann. Die Fraktionen haben demgemäß zu bieier Frage bis»' her keine endgültige Stellung genommen.

(Weitere Polittsche Nachrichten auf Seite 5.)