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Sauauer

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General-Anzeiger

AmMches Organ Mr Sladl- und Landkreis Kanan S&J^

Fernivreäanschlüsss Nr. 1237 und 1238 I

Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage----------------------------------*

Nr. 71 Mittwoch den 24. März 1820

; Einrückungsgebuhr: Die8gesp.Kolonelzefi deren Raum 60 Pfg^ die 4gefp. Zeile i. Rekb teil 2.00 Mk^ 2S°!oTeuerungszuschl. Offertge 25Ms. Bezugspreis: Vierteljährlich 6.60 monatl. 2.20 Mk» für Postbezug vierteltährl. Mark^ monatl. 2.20 Mk. Die Nummer 10

Postscheck-Konto Nr. 26659. Frankfurt a. 5

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Nummer 10 Pfg. krankfurt m M.

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Berlagsleitung: Ab. Indermühle. Verantwortlich: für volitischen und allgemeinen TeilRich. Hultsch^für lokalen und orovinziellen Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle in Sanau a.M.

Rotationsdruckd.Waisenhausbuchbruckerei Sanau

Fernsvrechanschlüsss Nr. 1237 und 1238

Das Neueste.

Die Neuwahlen zum Reichstag sollen im Mai M Anfang Juni stattsinben.

Fm rheinisch-westfälischen Industriegebiete -vurde ein zweitägiger Waffenstillstand abge- ichloff«n.

Die für heute anberaumte Sitzung 'her Na­tionalversammlung wurde aus morgen Donners­tag festgesetzt.

Die Abtrennungspolitik im besetzten Gebiete «immt wieder eine große Ausdehnung an.

Unter der mohamedanischen Einwohnerschaft wn Tunis machen sich zahlreiche Zeichen vom Ssginn des Heiligen Krieges bemerkbar-

Die deutsch-dänische Grenze.

Auch der verbohrteste Däne wird nicht be­streiten. daß, wenn die Abstimmung in den bei- dm nordschleswigschen Zonen eine wirkliche Be- fragung der gegenwärtigen Einwohnerschaft ge­nesen wäre, die Zahl der deutschen Stimmen sich um viele Tausende vermehrt hätte. Die Aus­schaltung aller derer, die sich in den letzten 20 Jahren dort ansässig gemacht haben. mußte und das war ja die Absicht vornehmlich die Scharen der Arbeiter und Beamten treffen, die rus dem Deutschen Reiche zugewandert waren. Und so bleibt es dabei: die Abstimmungszahlen geben ein beträchtlich zugunsten der Dänen Ver- schjbeneS Bild des deutsch-dänischen Kräftever- man das AbstimnkMgsergebiW? als Ausdruck des VevMerungswillens gelten läßt, ergeben sich wichtige Folgerungen fiir die Festlegung der künf- ägen Grenze, denen sich die Internationale Kom­mission so wenig wie der Däne verschließen sollte. Die deutsche Regierung hat diese Folgerungen bereits in einer Denkschrift gezogen, die sie nach Nensburg geschickt hat; sie kommt darin zu dem Schluß, daß die Tiedjesche Linie die allein mög­liche Grenze sei. Wir kennen die Einzelheiten der amtlichen Beweisführung nicht, vermögen aber auch ohne sie zu zeigen, wie sich die Dinge vor der nüchternen Logik darstellen.

In der ersten Zone wurden 75151 Stimmen für Dänemark und 25 231 für Deutschland abge­geben, in der zweiten Zone 13183 Stimmen für Dänemark und 51 075 für Deutschland. Ließe man die Elausensche Linie als Grenze gelten, so bliebe also im dänischen Norden eine deutsche Minderheit von 25 000 Stimmen, im deutschen Duden aber eine dänische Minderheit von nur 13 000 Stimmen. Eine dauernde Befriedigung Nordschleswigs sie liegt im Interesse beider Staaten ist bei der Unmöglichkeit einer sau­beren Scheidung der beiden Nationalitäten nur da­durch zu erzielen, daß auf beiden Seiten d «Grenze möglichst kleine und zugleich möglichst zahlen­mäßig gleiche Minderheiten bleiben. Darum muß unbedingt die Elausensche Linie nach Norden derschoben werden, und zwar so weit, bis dieses Gleichgewicht kleinster Minderheiten erreicht ist, und das dürfte bei der durch Johannes Tiedje ^rechneten Linie der Fall fein. Sie nimmt Ton- d^ru und Hoher mit ihren starken deutschen Mehr­heiten mit herein in das deutsche Gebiet, ebenso ~mglef und Umgegend mit ihrem überwiegenden ^utschtum. Für eine» solche Regelung, die eine ungültige Beruhigung in den national umstrit­ten Gebieten herbeizuführen verspricht, läßt sich überdies der Wortlaut des Friedensvertrags stlbst als Stütze heranziehen. In Artikel 109 Mt es:Die Grenze zwischen Deutschland und ^unemark wird in Uebereinstimmung mit den Punschen der Bevölkerung festgesetzt. Zu diesem ^wcae werden die Bewohner .. . berufen, ihren ^'llen durch eine Abstimmung kundzutun, die unter den nachstehenden Bedingungen stattfin- >* Bei der Festsetzung der Grenze hat die »"Irrationale Kommissiondas Abstimmungs- ^Sebnis zugrunde zu legen und die besonderen »tgrrvhischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Ortschaften zu berücksichtigen". Der beherr- l rtt'dc Gedanke ist also der, daß Wunsch und ute der Bevölkerung entscheiden soll. Die Zo- -uinnteilung ist diesem Gedanken untergeordnet "d lediglich ein Punkt der praktischen Durch- wyrung der Volksbeftagung. Nichts kann die nationale Kommission, sofern sie einer ge- 'Acn, endgültig Ruhe schaffenden Grenzführung witrebt, daran hindern, die Gesamtabstimmung r ersten Zone in ihren Teilergebnissen zu prü- ^f, um so zu einem billigen Ausgleich zwischen «Sitten blauen m fnmmm Erleichtert wird ihr

eine solche Haltung durch die ihr vorgeschriebene Berücksichtigung der geographischen und wirt­schaftlichen Verhältnisse der einzelnen Orte, eine Bestimmung, die natürlich für die erste Zone ge­nau so gut gilt wie für die zweite. Da wird sich dann wohl Herausstellen, daß man das Sorbits er der Flensburger Förde, wo die Villenvororte der Stadt liegen, nicht gut vom Südufer abtrennen kann, daß im besonderen das Entwässerungs­system der Marschen der Westküste, das in Hoher seinen Abfluß zum Meere hat, nicht durch eine Grenzlinie zerschnitten werden darf, ohne die ganze kostspielige Anlage, die der dauernden ein­heitlichen Pflege bedarf, ernstlich zu gefährden. Aber diese und andere Einzelheiten der Grenz- führung ließen sich wohl ohne allzu große Schwie­rigkeiten erledigen am besten durch unmittel­bare Besprechungen zwischen der deutschen und der dänischen Regierung, sobald auch auf der Gegenseite der grundlegende, in seiner Logik un­anfechtbare Satz anerkannt ist: auf beiden Seiten möglichst kleine und dabei gleiche Minderheiten. Lehnen die Dänen und ihre hohen Gönner in Verblendung und Haß einen Ausgleich auf sol­cher Basis ab, so bleibt ihnen vor der Geschichte die schwere Verantwortung für die bösen Folgen.

Die Vorgeschichte öes KayN-

* PMches.

DDP. Berlin, 24. März. DasB. T-" erhält von unterrichteter Seite folgende Darstellung von der Vorgeschichte des Militärputsches: Der Putsch vom 13- März ist im Baltikum vorbereitet wor­den- Der Stab der Eisernen Division sowohl wie baltische Magnaten sind daran in gleicher Weise beteiligt. Leutnant v. Borris beim Stäbe der Eisernen Division trat in Beziehungen zu einem bekannten baltischen Magnaten, der im von Preußen angeboren hatte. Dieser stellte nach Verhandlungen mit der Eisernen Division Unter­stützung für eine monarchistische Bewegung in Preußen-Deutschland in Aussicht- Als dann die Truppen das Baltikum verließen, begab sich auch der baltische Magnat nach Deutschland und traf sich in Berlin mit Herrn v. Borris- Hier wurde nun eine große monarchistische Propaganda ins Werk gesetzt. Die Truppen der Eisernen Di­vision, die gemäß dem Befehl der Reichsregierung demobilisiert werden sollten, wurden nur zum Schein demobilisiert, d. h. man löste zwar die militärischen Verbände, ließ aber die Mannschaf­ten als solche zusammen und gvariierte sie auf dem Lande, hauptsächlich in Pommern bei Groß- grundbesttzeen ein. Die Leute blieben im Besitze ihrer Waffe. Sie wurden von ben Großgrund­besitzern beköstigt und sogar entlohnt. V. Borris arbeitete gemeinschaftlich mit dem aus den Bal­tikumunternehmungen bekannten Major Bischof. Dieser gab die näheren Anweisungen, die dann v. Borris ausführte. Major Bischof hat auch Beziehungen zum Hauptmann Papst unterhalten und Ende Januar machte v- Borris eine Reise in die Provinz, um dort Agitationsreden zu hal­ten. Im Januar 1920 trafen dann auch die Baltikumleute in Verbindung mit der Marine- brigade Ehrhardt ein. Man bewog Ehrhardt, einen großen Teil seiner Leute zu entlassen und dafür die demobilisierten Baltikirmkrieger einzu- stellen. Bei dem Einzug der Marinebrigade Ehrhardt in Berlin befanden sich in dieser sogar Russen. Der Putsch sollte erst im Juni srattfin- den. Durch eine Indiskretion kam es heraus, daß beim Obersten Bauer sich Material befand, das auf den Putsch hindeutete. Etwa am 10. März wurde beim Obersten Bauer, Kapp und einigen anderen kompromittierten Persönlichkeiten eine Haussuchung vorgonommen. Das gefundene Material wurde Noske ausgehändigt, der darauf General v. Lüttwitz kommen ließ. Im Laufe eines sehr erregten Wortwechsels drohte Noske Lüttwitz die Entlassung an, worauf ihm Lüttwitz zu ver­stehen gab, daß er dazu garnicht die Macht habe. Lüttwitz reiste darauf nach Döberitz ab, wo sich die Marinebrigade Ehrhardt befand. Mit dieser marschierte er dann nach Berlin ein.

Die Vererewng

des NeichsArshrminMerK.

Da Noske non seinem Amt als Reichswehr­minister zurückgetreten ist, versieht die Geschäfte des Reichswehrministeriums einstweilen General v. Seeckt.

Neuwahlen im Maibnni?

Wie dasB. T." hört, wird in den Kreisen der Regierung beabsichtigt, die Neuwahlen zum Reichstag Ende Mai oder Anfang Juni statt- finden zu lassen. Auf vorherige Erledigung des Wahlgesetzes dürfte verzichtet werdest, dagegen soll an der Einsiihruna der Reichsliste ffest- aedalten werden.

März 'erschienen gewaltige Massen bewaffnete» Arbeiter aus dem Wuppertal, aus dem Hager Jn> dustrieb-ezirk, aus Bochum und Dortnmnd, um zingelten die Stadt und forderten die durch Ein wohnerwchr verstärkte militärische Besatzung auf bis 5 Uhr nachmittags die Waffen zu strecken. Dei Befehlshaber der Truppen, die sich auf das Rat Haus und die Zugangsstraßen in einem Umkreis von etwa dreiviertel KAometer zur Verteidigung zurückgezogen hatten, lehnte die Uebergabe ab. Da­rauf gingen die fremben Arbeiter, unterstützt durch eine verhältnismäßig kleine Anzahl Riesiger Av beiter, um 5 Uhr zum Angriff über. Es ent­wickelten sich außerordenÄich heftige Straßen-, kämpfe, bei denen hauptsächlich Maschinengewehr und Handgranaten Verwendung fanden. Die Hauptstützpunkte der Verteidigung, der Schlacht- Hof und das Telegraphenamt , wurden mit Ar­tillerie und zum Teil auch mit Minen beschossen. Die kriegerischen Handlungen der ArLeitermasse» leitete ein früherer Reichswehroffizier. Die auf beiden Seiten mit großer Erbitterung geführten Kämpfe dauerten bis zum Mittag des 19. März an. Nachdem kurz hintereinander die zäh ver­teidigten Eckpfeiler der Befestigungen, das Tele­graphenamt und der Schlachthof, gefallen waren gaben die Truppen den Widerstand auf ukih schlugen sich in der Richtung auf Müngsten zu um das besetzte Gebiet zu erreichen. Als sie von den sie verfolgenden Arbeitern hart bedrängt im Morsbachtal sich noch einmal zum Kampf stellten, erhielten sie plötzlich im Rücken von den Höhe« südlich Sudb-erg, wo Kronenberger Arbeiter so erwarteten, schweres Maschinengewehrfeuer, wäh. rend die Verfolger sie von vorne heftig beschossen. In dem mörderischen Kreuzfeuer erlitten die Truppen furchtbare Verluste, viel schwerer als in den ganzen Straßenkämpfen. Die Ueb erleb enden die sich in wilder Flucht durch die Waldungen ach der Remscheider Seite beOlm^hgÄi^gjniJto setzte Gebiet retten konnten, wurden dort vm- englischen Truppen in Empfang genommen uni in Sicherheit gebracht. Unter den entkommenen Reichswehrtruppen und Mtgliedern der Ein­wohnerwehr befinden sich auch der AbschnittS- kommandeur Generalmajor Frhr. v. Gillhauser. und der Kommandeur des Freikorps Lützow Major v. Lützow. Die Opfer, die die Kämpfe ge< fordert haben, sind schwer. Auf beiden Seite» gab es viele Tote und Verwundete. Die Zähl wird sich kaum jemals feststellen lassen, da die aus­wärtigen Arbeiter ihre Toten und Verwundeten mit zurückgenommen haben. Gefangen wurden etwa 60 Reichswehrsoldaten, sowie fast das ge­samte städtische Polizeikorps. Außerdem sind in den letzten Tagen verschiedene Einwohnarwchr- mitglieber aus ihren Wohnungen geholt und fest­gesetzt worden. An Kriegsmaterial erbeuteten bis Arbeiter zahlreiche Maschinengewehre, sonstige Gewehre und Handgranaten, viel Munition somit eine größere Anzahl Wagen und Pferde. Die Be­schädigungen, die das Feuer an den in der Kampf­zone liegenden öffentlichen Gebäuden und Wohn­häusern angerichtet hat, sind nicht sehr erheblich, da die Angreifer nur leichte Artillerie zur Ver­fügung hatten und hauptsächlich mit Schrapnelle« schössen- Am meisten hat das Telegraphenamt ge­litten. Das Rathm-s, das für die Verteidigung außerordentlich stark hergerichtet war, aber durch den Rückzug der Truppen vor ernstlichem Angriff bewahrt blieb, erhielt verschiedene Granatsplitt« in die Nordfront und in den Turm. Der Schaden wird sich aber leicht ausbessern lassen. Noch bei Einnahme des Rathauses bildete sich ein aus ji drei Mitgliedern der drei sozialdemokratischen Parteien gebildeter Aktionsausschuß, der bii öffentliche Gewalt übernahm. Zur Sicherung der revolutionären Errungenschaften wurde aus Ar­beitern der drei sozialdemokrattschen Parteien eine Rote Armee geschaffen.

Ein zweitägiger Waffenstillstand.

An den gestern in Bielefeld gepflogenen 9^ -prechungen über die Lage im Industriegebiet nahmen als Vertreter der Reichs- und der Landekregiening Reichsminrstcr GieSbert« und der preußische Land» wirtschaftSminister Braun, ferner ReichSkommissar S e v e r i n g und Vertreter der Industriestädte, der Mehrheitrparieicn, der Unabhängigen, der Kommunisten und sämtlicher Gewerkschaften teil.

ReichSkommissar S e v e r i n g gab einen Ueber» blick über die Lage und erklärte, daß sich im Industrie­gebiet eine kommunistischeKampfzentrale gebssdet habe. Reichsminister SlieSbertS erklärte, daß das Kabinett einmütig darin sei, Verhandlungen mit dieser Kampfzentrale' ebenso wie vorher mit der Kapp-Regierung abzulehnen. ES wurde schließ­lich eine Kommission gebildet mit der Aufgabe, eine Grundlage zu finden, damit dem Kampf der beiden Parteien ein Ende gemacht werde und das Blutver» fließen aufhöre. Die Vertreter der bewaffneten Arbeiter erklärten, bei einem Siege der Regier» ungStriippen würden die hinter ihnen stehenden Berg­arbeiter sämtliche Bergwerke in die Suff spreuseu. SS* Äanuniifiim tarn nach MtzM»j

Die Lage im Reiche.

Schwere Mampfe im Muhrgebiek.

Die (gesamt läge im Reiche hat sich ein wenig entspannt, doch sie muß als besonders ernst im Ruhrgebiet bezeichnet werden. Durch das ganze Industriegebiet rast der Feuerbrond des revolu­tionären Gedankens der Diftatur des Proleta­riats. Wie ein mächtiger Präriebrand verbrei­tete sich die Bewegung von der windigen Ecke im industriellen Sauerland im Bezirk Hagen WettenHerdecke und vom Dortmunder Bezirk aus über das ganze Industriegebiet, im Norden über Gelsenkirchen und Recklinghausen, auf der mittleren Linie über Bochum und Essen und im Süden über Elberfeld und Barmen. Die neuen Machthaber in diesen Gebieten setzen sich verschie­den zusammen. Es gibt Arbeiterräte, wie in Hamm und Hattingen, in denen auch Vertreter der christlich organisierten Arbeiter sitzen. Die Mehrzahl der neuen Räte sind aber reine Vertre­tungen von Unabhängigen und Kommunisten. Die Nachrichten, die aus dem Industriegebiet kommen, zeigen klärlich, 'daß der Radikalismus stärker an Zahl und Waffen ist, als angenommen wurde. Der Kampf, der hier tobt, richtet sich nicht mehr gegen die Reaktion von rechts, son­dern gegen die verfassungsmäßige Regierung. Wie lange dieser Kampf noch andauern wird, steht dahin. Reichsminister Giesberts ist in das Industriegebiet gereist, um Verhandlungen mit den Arbeiterführern zu führen. Vorläufig ist es gelungen, einen zweitägigen Waffenstillstand herbeizuführen. Waffenstillstand im eigenen Lande, unter eigenen Volksgenossen Hoffentlich gelingt es, in letzter Stunde noch - diesen Waffen­stillstand in eine dauernde Waffenruhe umzuwan- deln, denn des Blutes ist wahrhaftig genug ge- Rollen. GieSbertL-baLeL^ffel

an Deutlichkeit nicht schien lassen, mertti er sagt, daß die Regierung mit der konimrtrrnistischen Kampfzentrale, die sich im Industriegebiet gebil­det hat, ebenso wenig verhandeln werde, wie mit der so genormten Kappregierung. Die Ernährungs­verhältnisse scheinen nach den uns vorliegenden Meldungen weniger günstig zu sein. Die Hoff-' nung der Kommunisten und Unabhängigen, durch direkte Kohlenlieferungen im Wege des Austau­sches aus dem Ausland, i"" besondere aus Holland, Lebensnlittel zu erhalten, hat sich als trügerisch erwiesen. Das holländische Einkaufs­syndikat hat es abgelehnt, dem Ruhrgebiet Le­bensmittel zu liefern und die holländische Eisen­bahn weigert sich, leere Güterwagen durch das Kampfgebiet zu schicken; die holländischen Milch­züge, die seit Wochen Tausende von Litern Milch für die unterernährten Kinder des Industriege­biets gebracht hatten, sind seit einigen Tagen völlig ausgeblieben. Holland dürfte auch kaum liefern. Auch die amerikanische Mission in Berlin soll erklärt haben, jede Einfuhr von Nahrungs­mitteln sofort einzustellen, falls eine Sowjetregie­rung aufgerichtet würde. Wie sich bte Dinge weiter gestalten werden, wird hauptsächlich von den gegenwärtig stattfindenden Verhandlungen abhängen. Wir können nur wünschen, daß es gelingt, einen Ausweg zur Beilegung des Auf­standes ausfindig zu machen.

*

Ueber die Lage im Industriegebiet erfährt die Westfälische Zeitung aus zuverlässiger Quelle:

In Dortmund gehen die Lebensmittel­vorräte zu Ende. Dülmen wurde von 500 Spar- takiden besetzt, die den Bürgermeister seines Postens enthoben. In Lüdinghausen und Hal­tern sind Aktionsausschüsse eingesetzt worden. In Borken ist die Gewalt an einen Arbeiterrat über­gegangen. In der Roten Armee sollen 100 preu­ßische Offiziere verwandt worden sein. Ein siche­res Zeichen dafür, daß die Bewegung von fach­kundigen Offizieren geleitet wird, ist der gestern beabsichtigte Putsch auf Coesfeld, der jedoch nicht zur Durchführung gelangte. Es bestand der Plan, die Verbindung zwischen Münster-Coesfeld und Wesel dupch die Eroberung von Coesfeld zu unter­binden und gleichzeitig in Coesfeld beabsichtigte Truppenausladungen zu verhindern. Es wur­den Truppen von Haltern aus in der Richtung Coesfeld angesetzt- Bisher ist es jedoch nur einer Radfahrpatrouille gelungen- bis Coesfeld durch- zudringen. Die Sicherheitspolizei hat sich in den letzten Kämpfen bei Hamborn glänzend bewährt. Die Verluste sind groß, doch ist die Stimmung bei Polizei und Reichswehrtruppen ausgezeichnet.

Die Remscheider Kampfe.

Remfcheid, 23. März. Das Hauptquartier der Roten Armee, die etwa 50 -60 000 Mann stark sem soll, befindet sich in Hagen. Ueber die Rem- scheider Kämpfe schreibt dieKöln. 3^" u. a.: Remscheid war in den letzten Tagen der Schau- tzlatz blutraer EreianiLe. Am Ntorgen des 18,