Sanauer K Anzeiger
General-Anzeiger
AmMches Organ für SlaSi- und Landkreis Sana«
Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertag«
Sr. 67
Freilag den 19, März
1920
■a
Das Neueste.
Sie Nationalverkammlung tagte gestern in Stuttgart.
Das Abschiedsgesuch des Neichswehrministers 8oske wurde bewilligt. — Minister Heine hat [einen Abschied eingereicht.
In zahlreichen Orten des deutschen Reiches frohen auch gestern blutige Kämpfe statt.
Leber das Gebiet der Kreisbauvtmannschaft Seimig wurde der Ausnahmezustand verhängt.
Aus Washington wird gemeldet, daß im Re- »rSsentantenhaus ein Gesetzentwurf eingebracht werben sei, der für Deutschland einen Regierungs- kredit von 1 Milliarde Dollar vorsteht.
Die Stuttgarter Tagung.
Der geschichtlich denkwürdige Tag, an dem die Deutsche Nationalversammlung in Stuttgart in schwerer Zeit zusammentrat, trug in seinem Aeußern den Cha- rafter einer außerordentlichen Begebenheit. Vom Kunst- gedSudr am Schloßplatz wehte die Fahne des republikanischen Deutschlands. Scharfe Sicherheitsmaßnahmen und ein großes Aufgebot von Polizeimann- schasten vor und im Versammlungshause mahnten an den Ernst der Stunde. In der Kuppelhalle des Kunst- hebäude» versammelten sich gegen * Uhr ungefähr 200 Mitglieder der Nationalversammlung, darunter drei Deutschnationale und ein VolkSparteiler. Der Platz d« Präsidenten war mit einem großen Blumenstrauß und die Rednertribüne mit den Reichsfarben geschmückt. Vor ihr hatten die Reichsminister Bauer, Müller, NoSke, David, Bell, Koch, Geßler, GieSberts md UnterstaatSsekretär MSSle sowie die Vertreter der Abrutschen Regierungen Platz genommen.
Präsident Fehreubach eröffnet« um 4% Uhr bdMvM UNS tjUKtij^Mofttlsbtiahym^
Reiben entschuldigen, darunter auch die Herren aus serlm von der Deutschen VolkSpartei, die mitteilten, aß für sie keine Reisemöglichkeit bestehe. Auch eine Reihe anderer Abgeordneter aus Berlin könnte nicht rechtzeitig fortkommen. Nach einem Hinweis des Präsidenten, daß man eigentlich am heutigen Nachmittag in Berlin die Beratimgen wieder aufnehmen wollte, ging er kurz auf die politischen Ereignisse ein. Leichtfertiger ist eine Revolution wohl noch nie in Szene gesetzt worden als wie der Putsch der Kapp, Lüttwitz und Genossen. (Sehr richtig.) Unsere Feinde schienen z« der Einsicht gekommen, daß es unmöglich D den FriedenSvertrag aufrecht zu erhalten. Im Znnem begann Ordnung einzuziehen. Die Hoffnung vuch, im deutschen Volke auf. Man begann aufzu- Mneu, ganz nur hingegeben einer Friedenstätigkeit. Diese ruhige Entwicklung entsprach nicht dem Geiste »on Menschen, die viel vom Vaterland reden, aber »re persönlichen und Parteiinteresien nicht dem allge- wemm Woble unterzuordnen verstehen. (Lebhafter veifM.) Es ist ein ung eheure» Berbrech e« deutschen Volk« begangen worden. Wehe den Menschen, auf die die Verantwortung für die Fredütat fällt. Wehe den Verführer«, die nicht bloß den Eid, den sie der Verfassung geschworen, brachen, ionder» die eS Über sich brachten, die unterstellten Mann- ichasteu zum Ungehorsam zu verführen. Den Truppen, ne treu geblieben, sagen wir die herzlichste. Anerken- duns- (Bravo 1) Dank auch dem großen Beamten- ^rptr, der mit verschwindenden Ausnahmen seine Pflicht ur Treue erfüllte. Dank auch dem deutschen Volke, namentlich im Süden und im Westen die Treue demokratischen Verfassung bewährte. (Beifall.)
Mit inniger Freude und Genugtuung haben wir dem Abstimmungsergebnis in der zweiten Zone „ Schleswig Kenntnis genommen. Prütische Reife und deutsche Vaterlandsliebe sind in unserem Volke noch nicht ausgestorben. Unsere« Brüdern in SchleS- herzlichsten Gruß und unsere heißesten Wünsche.
Staatspräsident B l o S begrüßte die National- „ Mmmlung namens der württembergischen Regierung Wünschte ihren Arbeitm besten Erfolg. DaS Volk in seiner ungeheuren Mehrheit verwarf ’,e Putschpläne in Berlin.
Reich-kanzler Bauer;
.^gierung und Nationalversammlung haben zum Mal, dem Zwang brutalster Gewalt weichend, bstS Leben der jungen deutschen Republik zu ,s.^"'. ^krlin verlasien müssen. ES geschah dies ein* allein, um von dem Reich den Zusammenbruch $>.„, c Pedrohung von innen und außen fernzuhalten, z,,.^ ü'bt der Reichskanzler eine Darstellung der -m.tcii Ursachen und Vorgänge des Berliner Pnt- mJ.?1^ b^vilt besonders, daß v. Lüttwitz eine Ver- br /» °cr Reichswehr und eine Vorbereitung Sa^i ^bauche verlangt habe. Bezeichnend für ^ '^' ,oaß er int November 1918 dem damaligen ihn !*”äter einen ErgebenheitSbesuch abstattete und festen Loyalität versicherte. Auch der Ad- ^" seinerzeit zu der entscheidenden ».„.^"stbUlig zugezogen war, hat sich später zu den m*/? um Lüttwitz geschart. Wenn die Aufrührer d^ «ZUrchgedrungen sind, so ist die» dem Verhalten ’“ den Ministerien mitzudanke». Die ledinu l?" ^ Fachrunister, die man entfaltet hat, ist Er js? "ue verstärkte Agitation für reaktionäre Ziele. wc>d,> rfletol^' ^b die geeigneten Männer berufen ianb t Wllen, aber in einem parlamentarischen Deutsch» ^°«nn man nicht mehr unpolitische Fachmänner
Em führender^PoMer.Md geugpÄer^Fach»
mann in einer Person muß deshalb das Ministeramt bekleiden. Die schwersten Vorwürfe wurden gegen Erzberger gerichtet. Trotz der ungeheuren Angriffe und des schwer verständlichen Urteils muß man sagen, daß es kaum einen tüchtigeren Fachminister gegeben hat als Erzberger. ES wird kau« einen Mann geben, der eine solche Riesenarbeit geleistet hat wie er als Finanzminister. ES sind auch Verdächtigungen gegen die Regierung gerichtet worden. Sie hätte ruhig in Berlin bleiben und sich mit den Aufrührern auS- ciuandersetzen sollen. Aber der Erfolg unserer Taktik schlägt jeden Einwand nieder. (Sehr richtig.) DaS ganze Volk erhob und stellte sich hinter die Regierung. SS rief nach Waffen gegen die deutschnationale Reaktion die ostelbischen Junker und die Offizierskaste, die uns in diesen Zustand hineingeführt hat. Nach fünf Tagen haben wir den Sieg auf der ganzen Linie. Der Beweis ist geführt, daß in der deutschen Republik sich keine Militärherrschaft halten kann. Den Helfern und Mitstreitern im Kampf sei herzlichen Dank gesagt. Auch der deutschen Arbeiterschaft, an deren Widerstand das Abenteuer zerschellt ist. Zum Jubeln haben wir keine Zeit. DaS Verbrechen KappS hat uns Monate, wenn nicht um Jahre, in der Erneuerung Deutschlands zurückgeworfen. In Schlesien und Ostpreußen herrschen noch die Helfershelfer der Kapp und Genossen, aber ihre Herrschaft wird «ach Tagen zerschellen. Der nationalistische Aufstand hat die extreme Bewegung hervorgerufen. Der Ruf nach der Diktatur deS Proletariats erschallt. Wir werden fortfahren, jede Gewalt zu unterbinden, die gegen die Verfassung steht. Unser wartet jetzt die gewaltige Aufgabe des Wiederaufbaues. Der Putsch ist beseitigt. Morgen beginnt die Arbeit zum Wiederaufbau deS deutschen Volke». Wir wollen den Wahlspruch mit hinauSnehmen, der feit altersher im schwäbischen Wappen steht, und der fernerhin über der Reichsregierung stehen soll: »Furchtlos und treu -
Abg. Scheidemann (Soz.) stellt fest, daß bei dieser Revolution nur Leute von Rechts beteiligt waren. Mit dieser Parole werden wir den kommen- denWahlfeldzugglänzendgewinnen. Wir verlaxgenunver- züglich Entlassung allerOffiziere, die nicht zur Republik M-»- Mtz^LvtwLttuillia der -Truppen, die. geniuttert haben, sowie Konfiskation des gesamten Vermögens derer, die dieses Verbrechen angezettelt haben.
Abg. Burlage (Ztr.): Feig und hinterlistig, sowie wortbrüchig waren die Urheber dieser Revolution von Rechts. Schonung ist da nicht am Platze. Dem Volke muß Gelegenheit gegeben werden, seine Meinung zu äußern. Die Wahlen müssen baldigst ausgeschrieben werden.
Äbg. von Paher (Dem.): Erledigt ist dieser Putsch und seine Urheber, aber nicht die unübersehbaren Folgen bet Putsche». Jahrzehnte wird es dauern, bis das Mißtrauen in Süddeutschland gegen Berlin ausgelöscht sein wird. Nach rechts wird sich unsere Fraktion unter keinen Umständen orientieren.
Abg. von Krauth (Deutschnatl.). Eine Revolution geht nie ohne Schuld der Regierung vor sich. Die Gemüter mußten aufgeregt werden durch den Vorstoß entgegen der Verfassung die Wahl des Reichspräsidenten durch die Nationalpersammlung vor- zunehme«. (Infolge vielfacher Zwischenrufe bleiben die übrigen Ausführungen des Redner» unverständlich.)
. Abg. Becker- Hessen (D. Bolksp.): Wir verurteilen den Putsch auf das schärfste und lehnen ihn ab, wie wir die Novemberrevolution von 1918 abgelehnt haben.
Abg. Henke (Unabh.): Gegenüber dem reaktionären Putsch war das Proletariat einig. Sogar die Regierung und Scheidemanu haben sich für den Generalstreik erklärt. Jetzt gilt es auch, über die Re- gieritng und über Noske zu richten.
Abg. Dr. Heim (Bohr. Vpt.) erklärt: Die bayerische VolkSpartei steht auf dem Boden der Verfassung des Reiches und der Länder und verurteilt jeden Versuch, diese gewaltsam zu ändern.
Abg.Eisenberger (Bayer.Bauernbund): Auch wir verurteilen den Putsch mit allen seinen Folgen auf das schärfste.
Abg» L a « g w o st (Deutsch-Hann.): Die Deutsch- Hanxovcrsche Partei ist im Kampfe gegen Absolutismus und Reaktion,u« Aeußersten entschlossen.
Präsident Fehrenbach: Wir verurteilen mit aller Entschiedenheit diesen revolutionären Putschversuch. Da» Blut, das geflossen ist, schreit zum Himmel. Den Hinterbliebenen der Toten sprechen wir unser herzlichstes Beileid aus. (Das ganze Haus hat sich bei diesen Worten deS Präsidenten erhoben.) Wir hoffen, daß der Generalstreik bald überflüssig wird, und daß daS deutsche Volk sich wieder zur Arbeit zu- sammensindet.
Der Präsident erhält die Genehmigung, die nächste Sitzung, die voraussichtlich in Berlin stattfinden wird, anzuberaumen. — Schluß 9 Uhr.
Vizekanzler Schiffer än die Bevölkerung.
Der Stellvertreter des Reichskanzlers Schiffer richtete gestern im Namen der Reichsregierung folgenden Aufruf an die Berliner Bevölkerung:
Rat- und haltlos ist in wenigen Tagen der Wahnsinnsbau der Militärdiktatur zusammengebrochen, zerschellt am eisenharten Widerstand des deutschen Volkes. UeberaU loderten Zorn und (Empörung auf, und wie ein Mann erhobeit sich Arbeiter, Angestellte und Beamte gegen die verbrecherischen Abenteurer, die mit einer Handvoll Betörter und Verführter den Wiederaufbau des neuen freien Deutschland gerade in dem Augenblick vernichten wollten, in
4. wegen Einführung eines abgekürzten Verfahrens vor obigen Gerichten.
Außerdem wird die Reich»rrgier«ng ersucht, den in der Verfassung vorgesehenen parlamentarischen Au», schuß (Artikel 88 Absatz 2) bis zum WiederzusammeN- tritt der Nationalversammlung in Berlin sofort ein« zuberufen zur Mitarbeit bei der Durchführung bei Punkte 1 bis 4 und bei »eiteren Notverordnungen.
Die KaUung der Unabhängigen.
Der Zentralvorstand der IL S. P. D. erläßt einen Aufruf, in dem eS heißt, der konterrevolutionäre Vorstoß der monarchistischen Militaristen sei zwar abgeschlagex, die Kapp und Lüttwitz seien davongejagt, aber die Regierung Baner-NoSke versuche durch ein feiges Kompromiß ihr fluchwürdiges Regiment wieder aufzurichten. An Stelle deS Junkers Lüttwitz habe auf Anordnung der Regiemng Bauer-NoSke ein anderer Junker, General von Seeckt, den Befehl Über die Berliner Truppen übernommen, Der Belagerungszustandweri» aufrecht erhalten, die preußische StaatSregierung habe sogar die Sicherheit der ReichShauptstadt der Reichswehr und der Sicherbeitswehr übertragen. Da» bedeute, daß die Militärdiktatur «och da sei, nicht eine Aenderung der System», nur ein Wechsel der Person sei erfolgt. In der Regierung herrsche Noske und seine Mitschuldigen. Das »erbe die U. S. P. D. nicht hinnehmen, sie denke nicht daran, den Kampf abzubrechen. Der Zentralvorstand wisse sich eins mit dem klassenbewußten Proletariat, daß der revolutionäre Kampf mit stet» wachsender Energie fortgesetzt werden müsse, bis dadurch, daß das Proletanat die Macht ergreife, der Sozialisma» verwirklicht werden könne.
Französischer und englischer GMckWUnsch.
Der ftanzösische Geschäftsträger hat dem Vizekanzler Schiffer gestern-nachmittag den Glück, wünsch seiner Regierung zu der schnellen und befriedigenden Lösung der Kriese ausgesprochen; diese Lösung werde unzweiselhast dazu beitragen, den liberalen und demokratischen Gedanken in Deutschland zu stärken. Dasselbe ist auch von dem englischen Geschäftsträger geschehen. Das eröffnet uns die Aussicht, daß man dem Existenzkampf des deutschen Volkes auch bei unseren ehemaligen Feinden größeres Verständnis entgegen bringen wird, als es in früheren Monaten oft geschehen ist.
Ausnahmezusraud LSsr Lsixzig.
WB. Frankfurt, 19. März. Die Regierung hat den Siuönahmezustand über das Gebiet der Krei-Hanptmannfchaft Leipzig verhängt.
Eine Milliarde Dsllar für Deutschland.
Aus dem Haag, 19. März. Aus Washington wird gemeldet; Am Repräsentantenhaus wurde ein Gesetzentwurf eingebracht, der für Deutschland einen Sie« giernngskredit von einer Milliarde Dollar zum Zwecke des Einkaufs von Lebeusurittel» und Rohstoffen, vorsieht. Deutschland soll für diesen Kredit Sicherheit geben, die durch dieWiedergutmachungskommisfiongenehmigt werden müssen.
Unruhen im Bsiche.
WB. Berlin, 18. März. Am Mittag kam e? abermals zu schweren Zusammenstöße« am Kottbuser Tor. 1 Offizier und 3 Soldaten wurden von der Menge inS Wasser geworfen- Eine herbeigerückte Hundertmannschaft zerstreute die Menge. ES gab 15 Tote und 20 Verletzte.
WB. Berlin, 19. März. Der gestern mittag wieder aufgeuommene Verkehr auf der Stadt- uns Ringbahn wurde wieder eingestellt.
WB. Berlin, 19. März. LandschaftSdirektor Kapp, der dem Auffichtsrat der deutschen Bank «ngehört. wird laut Beschluß des AufsichtSrates nicht mehr zu bett Sitzungen zugelassen.
WB. Brandenburg, 18. März. Bei den Hieuge« Unruhen gab es 5 Tote und 12 verletzte Zivilisten und 8 verletzte Kürassiere. Der Streik wird solange fortgesetzt, bis das auswärtige Militär zurückgezogen ist.
Cassel, 18. März. Hier ist es ru schweren Ausschreitungen durch Verschulden der Kommunisten gekommen. Die Parteileitung der MehrheitSlozialrste« und daS Gewerkschaftskartell hatten den Streck für beendet erklärt und in einem Flugblatt zur Wieder- aufnabme der Arbeit aufgefordert. Von Konimunisten aufgchetzte Massen l eßen sich aber zu AuSschrectungen hinreißen. Sie versuchten, die ReichSwehrsoldaten zu entwaffnen und griffen baS Generalkommando an. Der Aufruhr wurde sofort niedergeschlagen; es gab Tote und Verwundete. Jetzt ist alles ruhig. Alle Parteien, stehen hinter der Regierung mit Ausnahme der Kommunisten. Die Einwohncrivchr hat hier gut funktiouicrl,
WB. Cassel, 19. März. Soweit sich bis jetzt fest, stellen lägt, beziffern sich die gestrigen Verluste aus 11 Tote, 43 schwer und 21 Leichtverwundete.
Dresden, 18. März. In Leipzig war von 10Ubi gestern bis heute mittag 12 Uhr Waffenruhe Wege» der Perbandlunattl Der euren Rücktritt der sächsischers
dem die ersten Anfänge der langersehnten Besserung sich zeigten. Das soll unseren Arbeitern, Angestellten und Beamten Nicht vergessen werden. Unermeßlich sind die Schäden, die das Verbrechen unserem Wirtschaftsleben zugefügt hat. Schwer wird gerade die arbeitende Klasse dieVei^ögerung treffen, die die Verabschiedung der hochbedeutsamen Gesetze auf dem Gebiet der Arbeiter- und Beamtenverhältniffe erfährt. Es ist nicht Zeit zu Klagen. Sind wir auch wieder um Monate zurückgeworfen, wir können und dürfen nicht locker laffen. Es gilt, die Zähne zusammen- zubeißen und sofort wieder an die Arbeit z u g eh en. Starke Sicherheiten werden geschaffen werden, um ein für alle Mal die Wiederkehr eines solchen Einbruches in den Frieden der Arbeit auszuschließen. Das deutsche Volk wird dabei in seiner überwälttgenden Mehrheit hinter uns stehen.
Minister Getzler über die Lage.
In der gestrigen Pressekonferenz in Stuttgart erstattete der Wiederaufbauminister Geßler einen kurzen Bericht über die Lage nach dem Abgänge der Berliner Umstürzler. Die Aufgabe sei jetzt, die Truppen ruhig und ohne Blutvergießen aus der Stadt zu bringen. Bei der ungeheuren Erregung, besonder? der Arbeiterschaft, sei natürlich zu befürchten, daß sich der Abmarsch verzögere, wenn eS zu Reibereien komme. Die Reichsregierung lege das größte Gewicht darauf, raschesten? nach Berlin zu kommen, da eine Reihe ge- setzgeberischer Arbeiten, wie daS Wahlgesetz, die Regelung der Beamtengehälter, die BesoldungSordnung unter allen Umständen gemacht werden müßten. Die Lage im Reich sei schwierig. Vor allem hätten sich die Dinge im Ruhrgebiet so zugespitzt, daß sich dieser Gegenstoß von links gegen den reaktionären Vorstoß bereits in einer verhängnisvollen Weise auszuwirken beginne. ES sollen im Ruhrgebiet Tausende von Spartakisten bewaffnet sein. Rasches Eingreifen sei dort notwendig, um die Kohlenproduktion, die endlich tu Besserung fei. wieder in Gang zu bringen. Die Maßnahmen seien eingeleitet, um mit derselben Energie, wie sie gegen Rechts geübt worden ist, auch gegen Links tätig zu sein, um die Ordnung wieder herzustellen. Vom Osten lägen keine besonderur lfiachrichten vor. In Thüringen sei eine wesentliche Entspannung der Lage eingetreten. Auch aus Bayern habe man gute Nachricht. Selbstverständlich habe die neue bayerische Regierung sich bereits an die Reichsregierung gewandt und ihr Betdnntnis zur Reichsverfassung ausgesprochen. Der Streik in München sei abgebrochen. Schwierigkeiten habe es gestern in Nürnberg gegeben. Die Reichswehr habe aber mitgeteilt, daß die Stadt fest in ihrer Hand sei. Auch in Hof und Münchberg hätten sich kommunistische Tendenzen gezeigt. Für die Reichsregierung gäbe eS nur eine Richtschnur: die Verfassung! Und sie würde Verrat am deutschen Volke üben, wollte sie, um sich für den Augenblick Erleichterung zu verschaffen, nach Rechts Nachsicht üben. Sie würde den PutschismuS zum Staatsprinzip erheben, wenn sie anders handelte.
Eine Bekannlmachung Seeckks.
WB. Berlin, 18. März. Im Auftrage des Reichswehrminister Noske erläßt General Seeckt einen Aufruf an die Reichswehr, einig zusammenzustehen zur Abwehr des drohenden Bolschewismus. DaS Wohl des Vaterlandes ist allen anderen Rücksichten öoravs- zustelle«.
AosKes und Seines Abschied.
Wie aus Berlin gemeldet wird, hat Reichswehrminister Noske sein Abschiedsgesuch eingereicht. Es ist bereits bewilligt. — Auch der für die Organisation der Sicherheitspolizei verantwortliche preußische Minister des Jnnem Heine hat seinen Abschied eingereicht, der ebenfalls angenommen werden dürfte, da er von der sozialdemokratischen Parteileitung gefordert wird. — Schließlich fordert die Arbeiterschaft noch den Rücktritt Südekums.
DieAdurkeilung -erKochverrSler
Stuttgart, 18. März. Dic sozialdemokratische Fraktion der Nationalversammlung hat folgenden Beschluß gefaßt:
„D:e sozialdemokratische Fraktion der Nationalversammlung lehnt jede Verantwortung für Abmachungen ab, die etwa mit den Kappleuten in Berlin getroffen sind, und fordert die Reichsregierung auf, sofort Maßnahmen zu treffen
1. wegen Einsetzung eines zentralen Volksgerichts beim Reichsgericht in Leipzig, das in kürzester Frist die Mitglieder der sogenannten Kappregierung aburteilt, aus Mitgliedern bet Nationalversammlung besteht, unter dem Vorsitz eines ReichSrichterS arbeitet und bei dem der Peichsanwalt als Ankläger amtiert;
L wegen Einsetzung von etwa sechs unteren Volksgerichten derselben Art in den sechs Hauptbezirken Deutschlands die unter dem Vorsitz eines Landek- genchtspräsidenteu arbeiten und die örtlichen Kapp- vcrschwörer des BezirkS^ aburteilen;
3. wegen Herbciiührnng der schleunigen DcrmögenS- beichlaguahme zur Sicherung der Vermögenseinziehung gegen die zentralen und örtliche« Führer der Kapp- verschwörung;