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Sanauer 1 Anzeiger

£ÄÄ General-Anzeiger

seit 2.00

ZE^A^ NWS»E AmMchss Organ für ElM- Md Lantkrels Saturn

^PMLeck-Konto Nr. 26659, Frankfurt a.M.

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Nr. 65

MMwoch den 17. MSrz

1920

SS

6er mihgwckte Gewall- streich.

Die kurze Regierungsherrlichkeit

der

Krppleute scheint zu Ende zu sein. Nach

« kurz vor Redaktionsschluß hier

ein.

zetioffenen Meldungen ist die Gewaltprobe. mch die eine kleine Minderheit über die Stopfe der gewaltigen Mehrheit unseres totes hinweg sich in den Besitz der Ne- gierungsgewalt zu setzen versuchte, gescheitert.

Den Rebellen von Berlin, deren Denken und Binnen jedenfalls nur auf den Augenblicks- ufolg eingestellt war und alles andere, was «achher kommen würde, dem lieben Gott verließen, der ja auch die Lilien auf dem Selbe kleidet, ist bewiesen worden, daß unser Bnlt es nicht gestattet, daß der Regierung, »n Parlamenten oder dem Volke von irgend emand die Macht aus den Händen ge- wmmen wird. Ein geschlossenes Gemein- »esen ist nicht auf Gnade und Ungnade iner Minderheit ausgeliefert, wie die Ber- iner Minderheit glauben mochte. Kapp at, nachdem er wahrscheinlich selbst gesehen at, daß das Volk hinter der selbst gewählten Reichsregierung steht, und diesen Gewalt­reich aufs schärfste verurteilt, seinen Rück- citt erklärt. Damit durfte natürlich auch te Tätigkeit der anderen »neue«« ÄLänner on Berlin erledigt sein, sodaß die Hoffnung usgesprochen werden darf, daß die Reichs- egierung in Bälde in der Reichshauptstadt hren Einzug hält. Auch die im Laufe des eutigen Tages verbreiteten Meldungen, daß n Berlin ein neuer Putsch zu erwarten sei, iesmal ausgehend von den Kommunisten, heinen übertrieben zu sein, wie ein heute lachmittag eingegangenes Telegramm aus Magdeburg besagt.

Hoffen wir, daß das deutsche Volk weiter« ^n in kommenden Schicksalsstunden fest zu- ammensteht und jeden Vergewaltigungsver- u$, von welcher Seite er auch immer ge­macht werden sollte, ebenso bestimmt und Mündlich zu Boden schlägt, wie den Berliner ^app-Putsch.

Kapp zurückgelrele«.

WB. Berlin, 17. März. Kapp hat fei« «en Rücktritt erklärt.

WB. Berlin, 17. März. Die Kapp'sche vUlzch-Diktatur ist erledigt. Sie erläßt selbst

Meldung, nach der Kapp seinen Rücktritt Märt.

WB. Mainz, 17. März. Ein Telegramm ^ Eisenbahnministers Leser an die Eisen- ^nbirettienen von Mainz und Saarbrücken ^i, daß die Regierung Kapp zurückge- r-ten ist. Das Telegramm fordert die Wiederaufnahme des Zugverkehrs im vollen ^mnge zur Sicherstellung der Lebens-

Ruhe in Berlin.

Wer ,2 Magdeburg, 17. März. Die Nachrichten Don sommlmtstischen Putsch in Berlin sind, wie Heienf!;^ zuverlässiger Seite verlautet, sehr A^E ^ übertrieben. Es herrscht im allgemeinen

6l ^ Jollen nunmehr die Meldungen folgen, Eintreffen der Nachricht von dem

Kapps hier eingingen.

^evVrftshenösr Rücktritt

der Berliner Puffchiffen. Ktt^'^^°"^urt a. M., 16. März. DerFrank- tz^e wird aus Berlin gemeldet: Auf Seh LuX im Reichstag geführten Vcohandlun- ^aen Kapp und Lüttwitz^ dieser nach län-ae-

rem Schwanken, sich zu bedingungslosem Rücktritt erklärt, die Regierung an den Vizekanzler Schif­fer übergeben und General von Hülsen im Na­men der Regierung Dauer die Führung der Truppen übernommen. Vorher waren die Un­abhängigen Cohn und Daumig in der Reichs­kanzlei erschienen und hatten namens Der in dem Arbeiterviertel ausgecufenen Räterepublik ein Ultimatum überreicht, daß, wenn bis 9 Uhr abends die Truppen nicht zurückgezogen seien, sie mit den bewaffneten Arbeitern zum Angriff schreiten würden. Unter dem Eindruck dieser Nachricht haben Kapp und Lüttwitz Bedingun­gen für ihren Rücktritt gestellt, in erster Linie Amnestie. Die Verhandlungen dauern noch an. Die Arbeiter in Weißensee, Reinickendorf und Spandau haben sich bewaffnet. Es sind blutige Auftritte zu erwarten.

Anabhangige in der Berliner Regierung?

WB. Stuttgart, 17- März. Nach einer hier eingetroffenen Meldung hat Oberst Bauer na­mens ^er Kapp-Regierung den unabhängigen So- zialisten Julian Borchardt und Daumig je ein Ministerportefeuille angeboten. Diese Nachricht wirst ein Schlaglicht auf die politischen und wirt­schaftlichen G-rundsätze, nach denen die Regie­rung Kapp sich nunmehr zu orientieren gedenkt. Daumig soll übrigens das Angebot angenommen

haben.

Die Reichsregierung unS Rebellen.

General Märcker in Stuttgart.

die

WB. Stuttgart» 16- März. Heute abend 5 Uhr fand unter beut Vorsitz des Reichspräsidenten ld!«^ S.-llli .^.^nvun^ statt, an der auch die Ver­treter der Regierungen von Württemberg, Preu­ßen, Sahen und Hessen teilnahmen. Anwesend waren u. a. Reichskanzler Bauer, die ReichZ- minister Noske, Koch, David und Bell, der wärt-, tembergische Minister Heimanu, die badischen Mnister Geiß, Dr. Wirth und Rücker und die hessischen Minister Ulrich, von Brentano und Rücker, sowie die preußischen Minister Heyne und Braun, ferner der Präsident und der Vizepräsi­dent der Nationalversammlung und General Märcker, her auf eigene Faust nach Berlin zu Kapp und Lüttwitz gefahren war und nach Stutt­gart gekommen ist, um der Reichsregierung Vsr- trag über seine Berliner Eindrücke zu halten. Er betonte ausdrücklich, daß er nicht als Unterhänd­ler komme. Angesichts der fürchterlichen Situation, in die Deutschland durch ben Berliner Putsch ge­raten sei, wolle er zu gewissen Zugeständnissen raten, um den Bürgerkrieg zu vermeiden. Das Kabinett erstürbe nachdrücklich und e i n- stimmig, daß von Verhandlungen fr= gendwelcher Art oder von einem Kompromiß mit den Berliner Rebellen keine Rede sein dürfe. Die Reichsregierung for­dert sofortigen und bedingungslo­sen Rücktritt von Kapp und Lütt- w i tz und der übrigen neuen Männer, Unter­stellung der Truppen unter einen General, der in keiner Weise an her Revolte beteiligt sei und auf dein Boden her Verfassung stehe, Auflösung der eisernen Division und der OffizierSkompagnien und Abtransport und Auflösung der Marinebri­gade. Die einzelstaatlichen Regierung svertveter haben diesen Forderungen rückhaltlos zuge- stimmt.

Die Auffassung Kschs.

WB. Mainz, 17. März. Vom Reichsminister des Innern Ko ch lief hier folgendes Telegramm ein:

Kapp-Herrschast im Zusammenbrechen. Ihr Einfluß nur noch auf Teile Berlins und des Ostens beschräntt. Kapp sucht durch leere Ver­sprechungen Unabhängige an sich zu ziehen. Meldungen von Verhandlungen zwischen ihm und verfassungsmäßigen Reichsregierung erlogen. Reichswehr im ganzen Westen und Süden, friste Sachsen treu. Nationalversammlungsabgeorduete sollen sofort nach Stuttgart reisen, wo alles treu ist. Verhandlungen wegen Extrazügen.

Die Lage in Bayern, v. Kahr Ministerpräsident.

WB. München, 16. März. Der Land­tag hat in seiner heutigen Nachmittags­sitzung den bisherigen Regierungspräsiden­ten von Oberbayern, Dr. von Kahr, mit 92 Stimmen zum Ministerpräsidenten ge­wählt. 42 Zettel wa-en unbeschrieben.

Dr. von Kahr erklärte, daß die furcht­bare ernste Zeit ihn bestimme, die Wahl anzunehmen. Er betrachte sich als Treu-

bünder der Volkssouveränität und als Platz­halter für den Ministerpräsidenten, der auf Grund des nächsten Wahlergebnisses vom Landtag zu wählen sei. Das Wahlgesetz soll möglichst bald abgeschlossen werden, damit raschestens die Landtagswahlen statt- finden könnten. Die gesetzliche Sicherung der Wahlfreiheit werde gewährleistet. Er betrachte das Amt des Ministerpräsidenten als ein Ehrenamt ohne Erhöhung seiner Bezüge als Regierungspräsident. Seine dringlichsten nächsten Aufgaben seien: Tat­kräftiger Kampf gegen Wucher, Schiebertum und die unzeitgemäße Schlemmerei, sowie der Kampf gegen die Ueberfremdung Bayerns.

Diese kurze Programmrede des neuen Ministerpräsidenten wurde wiederholt von lebhaftem Beifall unterbrochen. Für die Tagung waren umfassende militärische Sicherungen getroffen.

Das neue Gesamtministerium.

WB. München, 17. 3Wär^ 2n der gestrigen Abendsitzung des Landtages wurde nach langwierigen Besprechungen mit den Fraktionen des Landtages das Eesamt- ministerium gebildet. Der Ministerpräsident schlug nach den Vereinbarungen mit den Fraktionen folgende Liste vor: Inneres Ministerpräsident von Kahr, Kultus Ministerialdirektor Matt, Justiz Dr. Müller (Demokrat), Handel Hamm, Finanzen Dr. Koflor, Soziales Staatsrat Oswald, (Vayr. Volkspartei), Landwirtschaft Direktor Wutzel- hofer. Bezüglich des Verkehrswesens wird mit dem bisherigen. VerkehrsmiMer von Frauendorffer ins Benehmen getreten.

Vor der Bekanntgabe verlas der Land­tagspräsident Schmitt eine Erklärung, aus der u. a. hervorgeht, daß die Vollzugs­gewalt zur Ernennung eines Staatskom­missars der Zivilverwaltung zurückgegeben werde. An der Reichs- und Landesver­fassung werde unverbrüchlich festge­halten. Jedem Versuch, im Widerspruch mit den Verfassungsbestimmungen gewaltsam in die Tätigkeit der Regierung oder des Land­tages, sei es von rechts oder von links, ein« zugreifen, müsse mit allen Mitteln entgegenge­treten werden. Die volle Koalitionsfreiheit sei den Beamten, Arbeitern und Angestellten nach wie vor uneingeschränkt zugesichert und werde von der Regierung geschützt.

Als Staatskommissar für ganz Bayern ist der frühere Ministerialrat im Kultus­ministerium und spätere Regierungspräsident der Pfalz v. Winterstein ausersehen. Er wurde seinerzeit wegen seiner mann­haften Haltung von den Franzosen aus der Pfalz ausgewiesen.

Die Landw irtschaft fordert Abbruch des Streits.

WB. München, 17. März. Der bayerische Bauernverein, der Bauernbund und der Bund der Landwirte, sowie der deutsche Bauernburrd richten an die Arbeiter in und außerhalb Münchens einen Aufruf, in dem an die Arbeiter die Aufforderung 'ergeht, in ihrem eigensten Interesse und im In­teresse ihrer Frauen und Kinder, vom Streik sofort abzulassen. Das erfordere die schon sehr bedauerliche Lage unseres Ernährungs- wesens. Die bayerische Landwirtschaft muß grundsätzlich aussprechen, daß sie nicht dauernd zusehen kann, daß ohne zwingende Gründe immer und immer wieder vom Recht des Streikes als politisches Machtmittel Gebrauch gemacht wird. Sie sehen sich sonst gezwungen, auch ihrerseits zur Abwehr der verderblichen Folgen solcher Streiks auf die gesamte land- wirschaftliche Erzeugung, selbst vom Streik Gebrauch zu machen. An der Arbeiterschaft liege es, diese Gefahr abzuwenden, indem sie um des allgemeinen Wohles willen den am Sonntag begonnenen Streik sofort ab= breche. In Bayern werde die Regierungs­krise auf gesetzmäßigem Wege gelöst und es bestehe kein Grund zu politischen Streiks.

Der Stan^ttnM der LeMcherr Legierung»

WB. Stuttgart, 16. März. Die Mitglieder der badischen Landesregicruttg sind in Stuttgart

eingetroffen und haben den Entschluß der Reichs» regierung, nicht mit den Aufrührern zu vev handeln, gebilligt. Die badische Regierung steht auf dem Standpunkt, daß ein Kompromiß mit den Verschwörern zu einer neuen ^ ünlln» führen werde. Die württembergische und die Hessische Regiewng stehen auf dem gleich« Standpunkt.

Einigkeit in Sachse«.

WB. Stuttgart, 16. März. Sei bet Stet<5i# regierung ist heute folgende, die Lage im Freistaat Sachsen bezeichnende Kundgebung eingegangen, die tu einer Versammlung gefaßt wurde. zu der der Bürg«» ausschuß von Oschatz gestern nachmittag das Erwerb schaitSkartell und sämtliche politischen Parteien ei», geloben hatte: Jeder Versuch, die Regierung auf ge« waltiamen Wege zu stürzen und dadurch schwere und unübersehbare Erschütterungen in daS deutsche Wirt» schastrlebert zu tragen, wird auf daS strengste verur­teilt. Aenderungen in der Regierung dürfen nur aus verfassungsmäßigem Wege durchgeführt werden. Die Versammelten sind sich darüber einig, daß es die Pffichi aller Einwohner ist, in diesen schweren Zeiten zusammen» zusteben und alles zu vermeiden, was die Ruhe und Ordnung gefährden könnte. BürgerauSschuß, Gewerk- schaftSkartell, Deutsch-demokratische Partei, Deutsch- nationale VolkSpartei, unabhängige sozialdemokratische Partei, kommunistische Partei. (Die äußerste Rechte und die äußerste Linke ist sich also in dieser Gegend Sachsens in der Beurteilung des wahnwitzigen Putsche» einig.)

Ein verbrecherischer Anschlag auf den sächsischen Fusttzmimster-

WB. Dresden,18. März. Als der fot Justizminister Harnisch gestern gegen Mitternacht vaS Mmifierial- gebäude verließ, schlich sich ihm ein Mann nach, bei ihn in der Nähe der Hospitalstraße fragte, ob er bet Justizminister wäre. Als der Justizunnister bejahre, schoß der Unbekannte auf ihn. Niw dem Umstände, daß sich der Minister schnell mederwars, verdankt ex

Die Reichsregierung an die ^ befehlen Gebiete.

WB Stuttgart, 17. März. Die Reichsrrgierunz wendet sich an die besetzten Gebiete mit folgendem Aufruf:

An unsere deutschen Landsleute in bat besetzte» Gebieten! Ein Schrei der Entrüstung geht durch da» deutsche Volk. Au» allen Reichstellen, nicht tuletzi aus den besetzten Gebieten, gehen stündlich der Reichs- regierung zahlreiche Bertrauenskundgebungen zu, ver­bunden mit der entschiedenen Aufforderung, zum schärf» ften Vorgehen gegen die hochverrättrischeu Berliner Putschisten. Die Reichsregierung ist sich ihrer Sergte« Wartung dem deutschen Volke gegen über in vollemltmsange bewußt. Sie wird die Reichsverfassung zu schützen wisse« gegen die gewissenlosen Umtriebe einer kriegshetzerischen Klique, die ihre ulttareaktionären Absichten bintei gleißnerifchen, leeren Versprechurgm zu verbergen sucht Die Tage der Umstürzler find gezählt. Sie geb« ihr Spiel verloren. Darum suchen sie noch in lebtet Stunde Verhandlungen anzuknüpfen mit der Reichs« Teilung. Auf Verhandlungen mit diesen hochver» raterischen uns meineidigen Ossizieren darf und wird sich die Regierung nicht einlaffex. Nur bedingungslose Unterwerfung derer, die sich auflehnten gegen die Reichsverfassung und die Reichsregierung, kann die StaatSautorität wieder erstellen und die Entrüstung däuipfen, die sich wie ein Sturmwind erhoben hat gegen die anmaßende Klique, die noch immer nichts gäern» und nichts vergessen bat Dann werden auch die ab­trünnig gewordenen Teile der Reichswehr zur Eiusichi kommen und sich abwenden von ihren gewiffeulose» Verführern. Inzwischen machen die Aufrührer ver, zweifelte RettimgSversuche. Dazu gehört, um bet den Bewohnern der besetzten Erbitte Boden zu gewinnen, die Behauptung, daß die Entente ihre Be­strebungen unterstütze. DaS Gegenteil ist wahr L!it unzweideutiger Entschiedenheit nimmt die Entente Stellung gegen die Siüitariften unt Berliner Gewaltpolitiker. Die Reichsregierung ist der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß auch fernerhin ur Verhältnis zu den Bewohnern der besetzten Gebiete bet Wadripruch sein wird: Treue um Treue! Darum wollen wir zusammenstehen, um uns bar durch die Aufrührer schwer gefährbefen Bestand und die Einig» seit unserer geliebten Vaterlandes zu bewahren. Der Reichspräsident: Ebert. Die Reichsregieruüa: Bauer, Dr. Bell. Dr. David. Dr. Gehler. GiesbertL Koch. Müller.

Die Stellung des rheinisch- westfälischen Bergbaues.

WB. Essen, 16. März. Die Arbeits, gemeinschaft für den Ruhrkohlenbezirk be­schloß heute, von der Berliner Putschregierung keinerlei Anweisungen für die Kohlenver- teilung entgegenzunehmen. Bis zur Wieder^ ansnahme der Verwaltung byrd) die ver­fassungsmäßige Regierung wird die Kohlen- zuweisung nach folgenden Grundsätzen vorgenommen:

1. Die Industrie des engeren und weiteren Industriegebietes ist ausreichend mit Kohlen