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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Sanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der-Sonn- und Feiertage

Sr. 58 Dienstag den 9. März

Linrückungsgebühr: Die8gesp. Kolonelzeileod. deren Raum 60 Pfg.. die 4gew. Zeile i. Reklame- teil 2.00Mk.. 2S°jvTeuerungszuschl. Offertgebühr 25Pfg. Bezugspreis: Vierteljährlich 6.60 Mk» monatl. 2.20 Mk.. für Postbezug vierteliährb 6.60 Mark. monatl. 2.20 Mk. Die Nummer 10 Pfg.

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Verlagsleitung: Ad. Indermühle.

Verantwortlich: für volitilchen und allgemeinen TeilRich. Hu lisch'für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz; für Anzeigen und Reklamen A. Brodt, alle in Hanau a. M.

Rotationsdruckd.Waisenbausbuchdruckerei Hanau Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238

1920

Das Neueste.

In der gestrigen Sitzung derNationalversamm- umg wurde das Gesetz betr. die Grundschulen an einen besonderen Ausschuh von 28 Mitgliedern verwiesen.

Im Departement Calais treten heute die Berg- ttbeiter in den Streik.

Im Erzberger-Prozeh ist die Urteilsverkündung tuf Freitag festgesetzt worden.

Ein ähnlicher Zwischenfall wie im Berliner Hotel Adlon ereignete sich in Bremen.

Preise und Löhne.

Sie englische FinanzzeitschristEcconomist" deröffentlicht monatlich sogenannte Indexziffern. Sie sind als Spiegelbild her jeweiligen Markt­preise gedacht. Ihre Errechnung geschieht derart, daß für die wichtigsten Rohstoffe und Lebensmittel Einheitspreise zu Grunde gelegt werden, die zu einem bestimmten Zeitpunkt als normal ange­sehen werden konnten. Beispielsweise gilt dies von den Marktpreisen vor dem Kriege. In dem Maße, wie sich 'die Preise von diesen Grundprei­sen entfernen, wird der Marktprew für den jewei­ligen Monat errechnet. Wird der Grundpreis für Lebensmittel im Juli 1914 mit 100 angesetzt, so hat er sich seitdem von Monat zu Monat gehoben. Diese Hebung kommt in den Indexziffern zum Ausdruck Diese Indexziffern sind natürlich nur die eine Seite der Sache. Werden auch Ne Löhne und Gehälter in ein gleiches Netz der Errechnung

und Rohstoffpreise zu vergleichen.

Für Deutschland Besteht leider eine ähnliche brauchbare und allgemein zugängliche Berechnung nicht. Das ist nicht nur wirtschaftspolitisch, son­dern auch lohnpolitisch ein Nachteil. Um jedes Mißverständnis auszuschließen: Die Einrichtung soll nicht dazu dienen, um an sich jede Lohner­höhung zu rechtfertigen. Wir kommen sonst zur gleitenden Lohnskala, zur Gehaltsmark, die leider nichts anderes als eine statistische Spielerei ist. Einfache Beobachtung zeigt nun, daß die Preise für alle Bedarfsartikel viel schneller und sprung­hafter steigen als Lohne und Gehälter. Das ist eine unnatürliche Entwicklung, die sich nur durch die Krankheit des gesamten volkswirtschaftlichen Organismus erklären läßt. Während die Preise Siebenmeilenstiefel tragen, hinken die Löhne hin­terher. Das schafft ein Mißverhältnis, das sich be- Mdexs deutlich darin offenbart, daß die Kauf- aast der Löhne und Gehälter vielleicht noch hin- relchtz die Nahrung und das Obdach zu decken, M sie aber versagt, wenn andere Gebcauchs- gegenstände, wie Kleidungsstücke angeschafft wer- müssen. Dabei hat der Tauschwert der Güter on und für sich keine nennenswerten Verschie- vungen erfahren. Nehmen wir eine Einheit von Herrenstieseln, so hätten hierfür vor M Kriege, also bei normaler Preislage, wohl >" Herrenanzug getauscht werden können. Das Paar Stiefel kostet danach etwa 15 Mark, fünf Paar also 75 Mark. Für diesen Preis war ein Herrenanzug überall zu kaufen. Heute Tosten ? vaat Herrenstiefel in gleicher Ausstattung wa 250300 Mark, was für fünf Paar Stiesel U" 12501500 Mark ausmacht, was wieder heute stits^r^ch e'ne§ guten Herrenanzuges von aber tatsächlich kftne Tauscheinheit tkn s "7ie Geldzeichen, die früher als solche gal- niAf diesen Charakter eingebüßt, weil sie r E dem Wirtschaftsprogreß zusammen- M?^H' Theoretisch können wir unbegrenzte !en im1 Papiergeld drucken, aber wir können dic- praktisch keine einheitliche und starre LJ verleihen. Selbst wenn die Notenpresse Tätigkeit einstellt, so würde das nichts Jini. ,, ^dern, daß die Preise mit der Geschwin- War d^benmeilenstiefeln weiterklettern,und ^irtfA . ^^l die eigene Erzeugung der tjg-r ?)^^ annähernd ausreicht, 'den gewal- ^iittn F^usthwertzeichenumlauf zu rechtfertigen, so Stelle die Preise anziehen, 91m,ach sofort der gesamte wirtschaftliche unter ruckweisen Stößen einen io§ L'iu. Raffen. Das zeigt, wie Hoffnungs- ^teL m Wunen ist, Preise und Löhne in ein ^sshaltnis zu setzen, solange dies Ver- erhöhte Produktivität der gebessert wird.

Die Verwendono- der lstz?en NaKruMsmMsMreMe.

Wie dieDeutsche Allgemeine Zeitung" erfährt, ist die Denkschrift des Reichswirtschastsmmieierinms über die Verwendung der letzten Nabrungsmittelkredite dem Reichsrat zugegangen. Nach diesem Bericht wurden auSgegeben: über 2 Milliarden für die Reichssseisch- stelle, über 300 Millionen Mark für die Fettstelle und über 150 Millionen Mark für die Reichskartoffelstelle. Die Höbe des neuen Kredits steht auch setzt noch nicht fest. Sicher ist lediglich, daß er ausschließlich zur Senkung der Preise der Lebensmittel dienen soll.

Die große Anleihe Mr Deutschland

Die französische Regiernngsvresse gibt setzt zu, daß die Londoner Verhandlungen über die Genehmigung einer deutschen Ausländsanleihe zum Ziele führen dürften. Die französische Forderung, daß die Ausgabe der Anleihe unter der Aussicht der WiedergutmachungS- kommission erfolgen müsse, sei angenommen worden. Diese Kommission werde den Zeitpunkt und die Mo­dalitäten der Anleihe, ebenso wie die Garantien und die Tilgungsfrist zu bestimmen haben. DemEcho de Paris" zufolge hat Frankreich das Zugeständnis ge­macht, daß es den Wiederaufbau seiner zerstörten Ge­biete als eine internationale Angelegenheit behandeln wolle, womit wohl. gesagt sein solle, daß Frankreich seinen Widerspruch gegen die Mitarbeit deutscher Fach­leute und Arbeiter aufgegeben bat.

Die deutschen Kommunisten begrüßen die Hilfe der Ententekapitalisien.

Zum Wirtschaftsmanifest der Entente schreibt die Freiheit": Unser Glaube an den Sozialismus macht uns nicht hlind für die Vorteile, die auch der deutschen Arbeiterschaft daraus erwachsen können, daß man Deutschland die Möglichkeit des Wiederaufatmens ge­währt.

Amerika zum Wirtschaftsabkommen.

WU Amsterdam, 8. März. DieTimes" meldet

wirtwyäftnchen Nemminungm des yetfafUer Friedens- vertrages in den Vereinigten Staaten allgemeine Zu- stimmung finden würde. DieNew Park World" schreibt, ein arme? Deutschland würde eine wirtschaft­liche und so gär politische Bedrohung für seine Nach­barn bedeuten.

Die Ausschreilungen im Kolel Adlon.

Neue Ausschreitungen.

Von französischer Seite wird derB. 3 über den Vorfall, der sich in Berlin in der Nacht zum Sonntag abspielte, mitgeteilt, daß die französischen Gäste schon seit einigen Tagen den Konflikt hätten kommen sehen, daß sie aber, da das LiedDeutschland, Deutschland über alles" keine offizielle deutsche Hymne sei, keine Veran­lassung gesehen hätten, der Aufforderung zum Aufstehen Folge zu leisten. Wäre das Lied offiziell als deutsche Nationalhymne festgestellt, so hätten sie nicht unterlassen, die gebührende Achtung zu erweisen. Kaum habe am Samstag abend die Musik die Hymne zu spielen begonnen so sei eine Menge von Gästen gegen den Tisch der Franzosen vorgedrängt und hätte mit ver­schiedenen Gegenständen zu werfen und die Franzosen zu mißhandeln begonnen. Es habe sich eine regelrechte Rauferei entwickelt, worin besonders der Kapitän Kledi arg zugerichtei worden sei. Eine Dame am Tische der Fran­zosen sei zunächst aus dem Saale geleitet war den, um sie vor Tätlichkeiten zu schützen. Eine Anzahl deutscher Gäste, darunter auch zufällig der in demselben Saale speisende Kapitän Ehr- Hardt, Führer der Marinebrigade Ehrhardt, hätten sich in ritterlicher Weise der Damen an­genommen und auch auf die angreifenden deut­schen Gäste beruhigend einzuwirken versucht.

Das Auswärtige Amt hat sich vormittags nach dem Befinden der im Hotel Adlon Ver­letzten erkundigen lassen und fein Bedauern über den Vorfall aussprechen lassen. Gegen Mittag sprachen der französische Geschäftsträger und General Rollet in der Angelegenheit beim Mi- nister hes Ämßern vor. Der Minister drückte ihnen das Bedauern der Regierung aus und erklärte, daß eine strenge Untersuchung des Falles eingeleitet sei und daß die Schuldigen bestraft würden.

Ov?. Berlin, 9. März. Der Bericht des Generals Rollet sowie des Hauptmanns Klein über den Adlonvorfall sind, wie dieVosfische Zeitung" aus gut unterrichteter Quelle hört, inzwischen fertiggestellt worden und nach Paris abgegangen. Die Berichte geben eine Dar­stellung der Ereignisse und bezeichnen als den Schuldigen an dem Vorfall allein den Prinzen, der schon seit langer Zeit eine Gelegenheit zu einem Zusammenstoß mit Hauptmann Klein ge­sucht habe.

BDK Berlin, 9. März. Wie dasBerl. Tagebl." aus bester Quelle erfährt, haben die französischen diplomatischen Kreise in Berlin nicht die Absicht, den Zwischenfall im Hotel Adlon zum Gegenstand einer diplomatischen

und brgchten sie nach dem Hotel. Am Abend ver­ließen die fremden Kommissionen wieder Bremen.

ErZbergerFrslfferich.

Die Lchlttßvcrhandlttna.Urteilsverkündung am Freitags

Berlin, 8. März.

Im Prozeß Helfferich erklärte Oberstaatsanwalt Krause in seiner Replik: Uns allen liegt die Reini­gung unseres öffentlichen Lebens am Herzen. Der Oberstaatsanwalt widersprach sodann der Auf­fassung des Geheimrats von Gordon, als ob die Staatsanwaltschaft mit fliegenden Fahnen in die Reihen der Gegner übergegangen sei. Es habe sich nur im Laufe der Verhandlungen das Bild zu Un- gunsten des Nebenklägers geändert. Dem Ange­klagten sei es gelungen, eine Reihe von Vorwürfen als begründet zu erweisen. Wo nichts zu verteidi­gen sei, habe die Staatsanwaltschaft nichts zu ver­teidigen. Soweit sie sich für die Ehre des Neben­klägers habe einsetzen können, habe sie es getan. Der Oberstaatsanwalt ging sodannwiederauf einzelne Punkte ein, soweit sie die Verquickung von parla­mentarischer mit geschäftlicher Tätigkeit betreffe». Der Oberstaatsanwalt schloß mit der Erklärung, bog er auf seiner Anklage bestehendleiben »rüsse. Der erste Staatsanwalt C lausew itz führte aus, daß Erz- rerger in seiner Rede in der Nationalversammlung mne Zweifel außer anderen Persönlichkeiten, wie z. B fieheimrat Hugenberg auch den Angeklagten Helfferich mit der Auslieferung drohte. Nach der Mittags­muse ergriff Erzberger das Wort zu längeren Aus- mhrungen. Btan wolle mit dem Kampf gegen eine Person die Demokratie treffen und die ruhige Entwicklung aufhalten. Die heutige Regierung olle beseitigt werden. Durch seine politische Aus­schaltung wolle man das deutsche Volk beherrschen. Im Juli 1917 wollte er das Volk aufklären, um es vor dem Untergänge zu retten. Die Juliaktion 1917 wurde die Rettung vor dem drohenden inneren Zusammenbruch. Damals habe man auf ihn nicht gehört bis nach mehr als Jahresfrist alles tarn wie es kommen mußte. Die Oktoberverfassung 1918 war ein großer Sieg der Demokratie. Zum Leidens- ang nach Cympiegne habe er sich nicht gedrängt, aber sich bem Zwange der Notwendigkeit gefügt.

Erzberger verliest sodann die Instruktionen, die er im Walde von Cvmpiegne empfing. Darnach telegraphierte Hindenburg eine Reihe von Punkten, worin Erleichterung der Waffenstillstandsbedingun­gen anzustreben sei. Am Schlüsse des Telegramms heißt es: Gelinge die Durchsührung dieser Punkte nicht, so wäre trotzdem nbzuschljeßen. Der Reichs- Ser telegraphierte gleichzeitig, daß Erzbcrger zur nung des Waffenstillstandes ermächtigt sei. Als der Friedensschluß hernahte, habe er jErzberger) für die Ablehnung die Verantwortung nicht tragen können und wollte aus bem Kabinett ausscheiden- da die Ablehnung des Friedens die Fortsetzung des blutigen Krieges, den Verlust der nationalen Einheit und einen mörderischen Bruderkrieg bedeutet hätte. Zuversichtlich habe er damit gerechnet, daß der Friedensvertrag, sowie er bestehe, nicht fortdauern könne. Jeder Tag bestätige diese seine Annahme. Wegen dieser seiner nationalen Pflichterfüllung sei er heftig angegriffen worden. Drei Mordanschläge wurden auf ihn verübt. Nach der Uebernahme des Reichsfinanzniinisteriums, dem undankbarsten Amte aller Zeiten, habe er durch rasches Handeln die

Aktion zu machen. Man sieht in dem Angriff des Prinzen einen'Ausfluß des Zornes, der sich in der Hobenzollern-Dynaftre und in den kleinen Dynastien Deutschlands angefammelt hat. Man betrachtet deshalb diese Angelegenheit vielmehr als einen Konllikt zwischen Angehörigen der dynastischen Kresse und französischen Offizieren, als einen Konflikt zwischen Frankreich und Deutschland. Die Vorstellungen, die General Rollet bei der deutschen Regierung erhoben hat, hielten sich durchaus in diesem Rahmen und bewiesen, daß die Franzosen davon überzenat find, daß die Regierung in diesem Falle nicht die Mittel besessen hat, die unliebsamen Vor­kommnisse zu verhindern.

Neue Zwischenfäkle.

WB. Bremen, 8. März. Zu einem bedauerlichen Vorfall kam es heute nacbmittaa auf dem Kasernenhof, Von den hier sich «»schaltenden Entente-Militär- kommissionen, bestechend aus Italienern, Engländern nnd Franzosen, bepaben sich m Verhandlungen zwe> höhere französische Offiziere in Militärunisorm in die Kaserne. Beim Betreten des Hofes sannen die dort anwesenden SoldatenDeutschland, Deutschland über alles." Infolgedessen sammelte sich eine größere Menschenmenge an. Als die Offiziere aus dem Kasernengebände zurückkamen, wurden sie von der Menge anaebalten und mißbandelt. Die inzwischen allarmierte Sichercheitspolizei zerstreute die Menge und brächte die Offiziere in ihre Quartiere. ' Die Unter­suchung wurde sofort eingereitet.

HDP. Bremen, 8. März. Außer den Aus­schreitungen gegen die Ententeoffiziere vor der Kaserne ereignete sich ein zweiter Zwischenfall am Brill. Dort stellten zwei französische und ein italienischer Offizier einen 1 Mann in Feldgrau, den sie für einen Ange- börigen her Reichswehr hielten, weil er ihnen nicht die militärische Ehrenbezeugung erwiesen hatte, mr Rede. Es entspann sich ein lebhafter Wortwechsel, der schließlich, da sich die Umstellenden auch einmischten, jüi bie QttUierr sehr,.eniiifinMidie.Prügele

Grundlagen für ein reichseigenes Steuerwesen ge schaffen. Erzberger führt dann im einzelnen die ausgearbeiteten Gesetze und Eeietzesvorlagen aus und betonte, mit ruhigem Gewissen habe er de« Gerichtssaal betreten und verlasse ihn erhobener Hauptes. Alle Fehler eines guten Charakters seien hervorgehoben worden: Allzu große Httfsbereitschaft, Nächstenliebe auf der einen Seite und Vertrauen zu Hilfesuchenden auf der anderen. Zahlreiche Zeugen aus allen Kreisen, auch Abgeordnete, hätten sich erbeten, zu bekunden, daß das von seiner poli­tischen Tätigkeit vor Gericht entworfene Bild ein Zerrbild sei. Er hätte, ohne sich einem berechtigte« Angriff Fuszusetzen, Millionen verdienen können, ei habe bi& aber ab gelehnt und durch ehrlichste unk wirkliche Arbeit sich ein bescheidenes Vermögen er­worben. Wenn er das Finanzministerium verlasse, werde er ärmer sein, als er es betreten habe. Was er getan habe, sei auch in anderen Parlamenten üblich. Die Beweisaufnahme habe auch ergeben, daß er keinerlei Mißbrauch mit seinem Mandat und seinem politischen Einfluß getrieben habe. Die meisten vom Angeklagten bemängelten Tatsachen fielen in die Amtszeit, ja in das Ressort Helfferichs. Warum habe Helfferich bis Mitte 1919 geschwiegen, wenn er es f"r korrupt hielt? Wenn er sich für geschäftliche Unternehmungen eingesetzt habe, so sei es seiner Ansicht nach immer im Rahmen der All- genreininteressen gewesen. Er werde für seine Ehre weiter kämpfen. Niemand könne behaupten, daß seine Reden und seine Abstimmungen von seinen persönlichen Interessen beeinflußt worden wären. Man könne ihm nicht verargen, wenn er empört sei, daß angesichts einer derartigen tendenziösen Ausnutzung einiger Irrtümer und Unvorsichtigkeiten im Laufe vieler Jahre rastlosen Wirkens hier dem deutschen Volke ein BUd von ihm vorgehalten werde, wie es verzerrter und abstoßender keine diabolische Phantasie ersinnen könne.

Die Auffassung des Oberstaatsanwalts, daß eint Verquickung von Politik und Geschäft erwiesen sei, müsse er auf das Allerentschiedenste bekämpfen und als weltfremd bezeichnen. Die empfehlende Weiter­gabe eines Gesuches banst einen Abgeordneten be- Kampfe gegen ihn kommender zähe Kampf der alten Bürokratie im Ministerium gegen die berechtigten Vorstellungen pflichteifriger Abgeordneter zum Ausdruck. Im Volke habe man den Abge­ordneten nicht als lästiges, sondern als för­derndes und schützendes Element angesehen. Erz­berger wendet sich gegen den Vorwurf bei Unwahrheit und wirft sodann Helfferich vor, daß er feine Meinung über den U-Bootkrieg im Januar 1917 änderte, weil er Kanzler werden, den Frieden machen und das deutsche Volk in eine neue Acra hineinfübre» wollte. Zum Schluß betonte Erzberger, sein ganzes Sein und Wollen fei dem Vaterlande, der Kirche und den Hilfsbedürftigen aewidmet gewesen, unterstützt vom Vertrauen seiner Partei und seiner treuen Wähler in seiner geliebten schwäbischen Heimat.

.iMffcrtd» erwidert Erzberger, indem er die Be» Häuptlingen des Nebenklägers ^zurückwics, der Wallr- deitsbcweis fei ihm nach Ansicht der Staatsanwalt­schaft geglückt. Er sehe dem Urteil ruhig entgegen. Die Lauterkeit feiner Motive im Kampf gegen Erz­berger sei angezweiselt worden; demgegenüber weise er nochmals darauf hin, daß Erzberger ein Verhäng­nis für das Reich und für das Volk sei unb aus dem politischen Leben verschwinden müsse. Die erste Juli- Hälfte 1917 wäre seine (Helfferich) surchtbarste Zeit gewesen. In der Regierung hätten damals alle ge­wußt, lote nahe wir dem Frieden gewesen seien. Da labe Erzberger mit seiner Friedensreiolution ein ie< griffen. Die Verhandlung wurde darauf auf Frei rx vertagt. Man nimmt an, daß eS gleich zur Urte t verkündn«g kommt.

Neuwahlen.

WB. Berlin, 9. März. Wie derTägl. Mut* schau" zufolge verlautet, wird zu der heutigen Beratunx des Antrages der Rechtsparteien aus baldige dunofum ?er Nationalversammlung der ReichSminister des Innern, Koch, eine formulierte Erllanmg abgeben, nach der die Auflösung zu Ende des LommerS irarl- ündct unb die Neuwahlen für den Herbst d. J. aus­geschrieben werden sollen.

Bergardeilerslreik in Frankreich.

WB. Paris, S. März. Gemäß bem gestern er­lassenen Streifbefebl des Syndikalistischen Abteilung-,- kougresseS trat heute morgen das gesamte Pmonqr der Bergwerke des Departement» CalaiS in den Streit. Ernstere Zwischenfälle sind nicht zu verzerch-

"$erMatin" schreibt, daß das Bergarbeitersyndi- kat wohl nur durch verschiedene Radikale beeinflußt worden fei. Man hoffe, ohne die Schwere der Lage zu verkennen, daß dieser Streit nur ein lokaler sein werde. Der Nationalbund der Bergarbeiter, der seine» Sitz in PariS hat, hat sich bis jetzt in die Angelegen­heit noch nicht eiiigcmischt.

WB. Paris, 9. März. (Havas.) Infolge do» durch den Kohlenarbeiterftreil im Departement CalaiS verursachten Notwendigkeit, den Sohlenvervraiich em. zuschränten, ist die Schließung der Kaffees und Reitau- rantS auf lo Uhr abends unb der Schluß ber Theater unb Kinovorstellungen auf 11 Uhr abends feygeiept worden. Ferner wurde die Einstellung der unter» grundbahn von 11 Uhr abends ab angeorbneL

(Weitere politische Nachrichten auf Seite 3)