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Verlagsleitung: Ad. Judermühle.

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Rotationsdruck d.Waisenhausbuchdructerei Sanau FernspreSanschlüffe Nr. 1237 und 1238

General-AnzeM

Mükches Organ für SlaLL- unZ Landkreis Lanan

Erscheint täglich mit Ausnahme de^onn- und Feiertags

Donnerstag den 26. Februar

1920

Das Neueste.

flach einem Londoner Telegramm verlangt ssrmckreich von England ein militärisches Bündnis, ferner die Besetzung der Rheinlands und eine touembe finanzielle und wirtschaftliche Unter- Mung zum Wiederaufbau.

Die Sowjet-RegieEg hat nach einer Mel- mg aus Moskau je eine Friedensnote an die Vereinigten Staaten, Japan und Rumänien zenchtet.

DerspanifcheKriegsminister wurde ermächtigt, bei der englischen Regierung Kriegsmaterial p taufen.

Die zweite Abstimmung.

In wenigen Wochen wird in der zweiten Zone des Abstimmungsgebietes von Schleswig He gemeindeweise Abstimmung vorgenommen. Es ist deshalb notwendig, daß sich dir deutsche Be- gMietling mehr als es bisher geschehen ist, mit »m Verhältnissen im Abstimmungsgebiet be- schäfügt. Angesichts der bevorstehenden neuen Wimmung muß auch hervorgehoben werden, daß Dänemark schon vor einem halben Jahrhun­dert hätte haben können, was eS heute verlangt, daß all der Streit und die verhetzende Agitation im Interesse der Bevölkerung selbst unterblieben

märe, wenn Dänemark im Jahre 1867 auf den Vorschlag des Grafen Bernstorff, der damals -rrußischer Gesandter war, hinsichtlich der Grenz- Mchstng eingegangen wäre. Freilich wurde W® von Preußen verlang», Ha«»«

ralen Rechte der deutschen Mind

'Her Seite verfassungsmäßig festgelegt und ga­rantiert würden. Dänemark ist auf dies Aner­bieten nicht eingegangen und die Folge war der nationalistische Hader eines halben Jahrhun­derts, der jetzt wieder durch die neuen unge­rechten Bestimmungen des Versailler Friedens- Ertrages aufs neue verewigt wird. In der ersten Zone hat sich eine dänische Mehrheit er- zeben. Das war fferlich vorauszufehen. In­dessen entbindet diese tatsächliche Mehrheit nicht don der gerechten Korrektur einer Grenzlinie, die dauernden Unfrieden verbürgt, wenn die Zu­stände so bleiben, wie sie jetzt sind. Wir dürfen daher nicht aufhören, eine Korrektur der foge- traunten Clausenschen Linie zu fordern, wir Essen erstreben, daß die Tiedjenlinie zur Wirk- sichkeit wird, die sich im wesentlichen mit der ^ie deckt, die seinerzeit Graf Bernstmff vor- Mug und die einen besseren Ausgleich der Na- nonalitäten zur Folge hat. Wir wollen nicht Reffen; daß 1867 Frankreich und England Sanentart die Annahme dieser Linie vorschlugen. Wenn die Tiedielinie zur Wirklichkeit wird, so Erden gleich große nationale Minderheiten auf ftiden Seiten vorhanden sein. Wir sind durch- bereit, diese Minderheiten in ihrer natio- tialen Eigenheit zu schützen und die Vertreter deutschen Volkes haben diesen Willen in der ?Esfunp des Artikels 113 der deutschen Der- >Mirg auch gefunden- Andererseits müssen wir auch verlangen, daß Dänemark die beutsten Kind erhellen schützt. Wenn das geschieht, so wett Dänemark in seinem eigenen Interesse, Eil es dann keine staatsfeindliche Frredenta Wzüchtet. Unsere Politik muß daher lauten: Revision der Grenze zwischen der ersten und ^ zweiten Zone zu erstreben und den Schutz der Wischen Minderheiten in Dänemark zu verwirk- Dabei wird auch den wirtschaftlichen Jn- Essen Deutschlands sowohl als auch Däne- ZW Rechnung getragen werden können. Wenn zur zweiten Abstimmung gerüstet wird, so fai l^n Deutscher bei dieser Abstimmung fehlen, »er nur eine gerechte Behandlung deS Abstim- ^Worgebnisses verbürgt auf die Dauer die X, freundschaftlichen Beziehungen zwischen ^utschsimd und Dänemark.

Nensburg, 26. Febr. Aus dem Marsch- L, wird gemeldet, daß die dänische Agitation wit Hochdruck arbeitet. Es fließen zahl- ^ Geldspenden und die dänischen Stimm- »Z'^tete kommen in Massen. Das Jnteoessan- i/Jü jetzt, daß die aus dänischen Händen kom- Gelder in vielen Fällen von den deutsch- i nuten Empfängern zurückgelegt werden, um einem Fond für deutsche Propaganda zusam- '^tragen und so gegen die Dänen verwendet ^ werden. Auch die Speckpakete werden durch Z.°putschen Händler vielfach ausgekauft. Ein C derselben wird aufbewahrt, um später wie- . wft Gewinn auf den Markt gebracht zu wer- «-während der übrige Teil zu einem mäßigen ^* M wirklich Bedürftige abseaebell wirL.

Die Garnison von Flensburg wurde gestern verstärkt. Aus der ersten Zone traf laut Ber­linerLokalanzeiger" eine Kompagnie französi­scher Alpenjäger in Stärke von 320 Mann ein.

Der Fall Erzberger.

Die Suspendierung Erzbergers vom Amte verursacht in der gesamten Presse, wie es nicht anders zu erwarten war, eine lebhafte Bespre­chung. Allgemein wird die Suspendierung 'als ein Ausatmen empfunden, da nunmehr nicht mehr der Reichssinanzminister in der Woche viermal nach Moabit fährt, sondern der Privatmann Erz­berger. Offen gestanden, es mußte in der letzten Zeit auch jedem Deutschen die Schamröte ins Gesicht steigen, wenn der deutsche Reichsfinanz- minister in der Rolle als Angeklagter auftrat, wenn in dem Prozeß ein Zeitgemälde aufgerollt wurde, das alles andere als erfreulich genannt werden kann. Wir geben im Nachstebenden einige Preffestimmen wieder, die zeigen, wie ver­schiedenartig die Suspendierung Erzbergers ge­deutet wird.

Auf deutschnationaler Seite wird die Suspendierung Erzbergers lebhaft begrüßt und die Hoffnung daran geknüpft, daß die vorläusige Amtsenthebung sich bald zu einer endgültigen verwandeln werde,denn", so schreibt dieDeutsche Ztg",nach dem, was vorgegangen ist, ist die politische Rolle dieses Mannes nunmehr auS- gespielt. Seine Rückkehr inS politische Leben muß selbst im heutigen Deutschland als ausgeschlossen gelten." Erzberger wird in derDeutschen Zeitung" ver­antwortlich gemacht für das Unglück, das über Deutsch­land gekommen ist. Der GesundungSprozeß unseres Volkes habe begonnen und daS Volk werde die Kraft haben, ihn bis zu Ende durchzuführen. In anderen Zeitungen kommt zum Ausdruck, daß das Kabinett

Punkte gezwungen gesehen habe, von Erzberger abzu- rücken, sodaß dieKreuzzeitung" au der Freiwillig­keit des SuspendierungsantrazeS nicht glauben will. Sie glaubt auch nicht, daß für diesen Schritt nur der Vorwurf einer Steuerhinterziehung maßgebend ge­wesen sei, sondern namentlich die Vorgänge in der gestrigen Prozeßverhandlung dem Faß den Boden ans- geschlagen hätten: denn Erzberger sei in seiner Eigen­schaft als Reichsfinanzminister nach der Aussage eines StaatSanwaltes der Beihilfe großer VermögenSver- schiebungen nach dem Auslande beschuldigt. Auch die Kreuzzeitung" sieht in dem Schritt der Suspension die ersten Anzeichen des Sturzes Erzbergers.

Ganz ähnlich wird die Suspendierung Erzbergers von der unabhängigenFreiheit" gedeutet. Sie sagt, es dürfe wohl angenommen werden, daß Herr Erzberger auf seinen Posten nicht zurückkehren werde. Herrn Helfferich sei der Streich gelungen.

DasB erliner Ta ge blatt" meint: Man wird einwandfrei erfahren, ob dieEnthüllungen" über die Steuererklärungen Erzbergers auf Fälschung oder böswilliger Verdrehung beruhen, oder ob sie autl>entisch sind, und ob, in diesem Falle, die Berech­nungen Erzbergers seiner Vermögenslage und seinem Einkommen entsprechen. Aber diese Steueraffäre ist selbstverständlich nur ein Stück aus dem ziemlich langen Repertoire. Und wenn auch Erzberger jetzt durchaus nicht die Absicht hat, dem Gesuch um zeit­weilige Suspendierung das Rücktrittsgesuch folgen zu lassen, so wird doch seine Entscheidung schließlich von dem Gesamtbilde des ProzeßergebnisseS, von der all­gemeinen Sachlage und von dem allgemeinen Eindruck abhängen müssen, und für diese Entscheidung wird dann zweifellos die Ansicht der anderen RegierungS- mitglieder mit maßgebend sein.

DerP o st" bleibt es auffällig, daß sowohl Regierung wie Erzberger nach der Beschlag­nahme des Steuermaterials reichlich genug haben Zeit verstreichen lassen, ehe sie zu diesem Ent­schluß gekommen sind. Es ist beiden Teilen zum mindesten nicht der Vorwurf zu ersparen, daß sie erst unter dem Druck der größeren Oeffenilichkeit und dann noch nach einem dreitägigen Zögern sich zu diesem Schritt entschlossen haben, der eigentlich doch sofort nach der Kenntnisnahme des Materials getätigt werden mußte. Das Blatt findet es weiter auffallend, daß Erzberger auf die Berichte in den Zeitungen nicht mit einer knappen und klaren Antwort sagen konnte,das alles ist nicht wahr", sondern daß er in einer weitschweifigen Erklärung um die Dinge herum redete. Auch dieT ä g l. Rundschau" ist der Ansicht, daß Herr Erzberger sein Ende als Minister gefunden hat. Jetzt müsse im Helffe- rich-Prozeß reiner Tisch gemacht, und jene Erz- bergerischen Elemente vor dem Volke abgemalt werden, die uns durch ihre Schiebungen im Kriege und jetzt im Frieden politisch und wirt­schaftlich ins Elend gestürzt haben. Da die Re­gierung mit der Außerdienststellung des Herrn Erzberger bis zur letzten Minute gewartet habe, könne man nur sagen, daß sie sich durch ihr Ver­halten arg kompromittiert habe.

DerVorwärts" billigt die vorläufige Amts- enthebung, da die Untersuchung vor dem Charlotten­burger Finanzamt völlig unbeeinflußt stattsinden müsse. Außerdem sei Erzberger durch den Prozeß so in An­spruch genommen gewesen, daß ihm für die Führung der Amt-geschäfte nur toenia Zeit übrig «bliebe» sei.

Die Steuererklärungen Erzbergers.

Zu der bekannten widerrechtlichen und,nicht zu rechtfertigenden Veröffentlichung der Steuer­erklärungen Erzbergers läßt sich dieKölnische Volkszeitung" einen Fingern Artikeln aus Berlin drahten, in dem sich bemerkenswerte Aeuße- nmgen finden. Das genannte Zentrumsblatt verurteilt zunächst auch die mindere Moral, die in diesem zeitweiligen Raub der Aktenstücke steckt, und schreibt dann:

Aber das ist nur die eine Seite der Sache. Tatsache ist nun einmal, daß gegen den Reichs­finanzminister, den obersten deutschen Finanz­beamten, in aller Oeffenilichkeit unter Anfüh- rung von wirklichen oder angeblichen Beweis­stücken Anklagen schwerwiegendster Art erhoben sind. Herr Erzberger darf diese Vor- würfe nicht auf sich fitzen lassen. Ohne uns in den Verdacht der Verleumdung zu brin­

gen, wagen wir es, die Behauptung auszu- sprechen, daß viele von denen, deren Brust jetzt vor Entrüstung über dieUnmoral" des Herrn Erzbergers geschwellt ist, alle Veranlassung hätten, an die eigne Brust zu klopfen. Trotz des Widerwillens gegen dieses Pharisäertum kann man sich der Tatsache nicht verschließen, daß es ein Unterschied ist, ob ein Kanf- mann oder irgendein Rittergutsbesitzer Steuern hinterzieht, oder ob ein deutscher Fi- nanzminister das tut. Die Angelegenheit muß also restlos aufgeklärt werden. Dann

sich zeigen, ob die Anklagen stichhaltig

wird

Me -eukfche Ankwsrk in der Kshlensrsge.

rlin. 25. Febr. Wie wir hören,

der französischen . egfetöttg , , dahin, daß die sachlichen Voraussetzungen, von denen die Rote ausgeht, nicht zutreffen und die materiellen Fragen,' die in der Note erörtert werden, würden der Wiedergutmachungs- kommiffion vorgelegt werden.

Die Nstlage der Presse.

Der sächsische Ministerpräsident Dr. Erad- nauer hat gestern an den Reichswirtschafts- minifter folgendes Telegramm gerichtet:

Die Lage der Zeitungsbetriebe gestaltet sich von Woche zu Woche schlimmer. Da die Gefahr des Zusammenbruchs vieler Zeitungen droht und es sich bei dieser Industrie nicht allein um materielle Interessen einer Berufsschicht, sondern um allgemeine öffentliche Interessen ersten Ranges handelt, bitte ich das Wirtschasts- ministerium, die in Vorbereitung befindlichen Maßnahmen zur Ausrechterhaltung der Zeitungen möglichst beschleunigt zu Ende zu fiihren und jur alsbaldigen Durchführung der Notional- versammlung zu unterbreiten.

Sowßet-RutzlaR-.

WB. Haag, 25. Febr. DerRieuwe Conrant" meldet drahtlos aus Moskau: Die Sowjet-Regierung hat je eine Friedens­note an die Vereinigten Staaten, Japan und Rumänien gerichtet. Die Union wird gefragt, wann und wo die Friedensver­handlungen beginnen können. Japan wird auf seine wirtschaftlichen Interessen im fernen Osten hingewiesen.

WB. Wladiwostok, 25. Febr. Die Be­dingungen des Waffenstillstandes zwischen den Tschechoslowaken und den Volschewisten sehen vor: Zwischen der tschechischen Nachhut und der bolschewistischen Vorhut wird eine neutrale Zone eingerichtet. Die Volschewisten werden den Tschechen Kohlen liefern und die Tschechen werden den Volschewisten das Geld zur Verfügung stellen, das sie in Jrkutsk be­wachen. Die Tschechen werden den Antibolsche- wisten keinen Beistand leisten.

Die -eutschen Beziehungen zu Sowjet-Butzland.

Der Abgeordnete E räf hat mit Unterstützung der solzialdemokratischen Fraktion in der Preußischen Landesversammlung beantragt, bic Staatsregierung zu ersuchen, bei der Reichs­regierung dahin einzuwirken, daß sie in plan­mäßiger Fortsetzung ihrer bisherigen Außen­politik auf friedliche und korrekte Beziehungen mit allen Staaten, insbesondere unseren Nach­barstaaten, hinarbeitet. Unter der Voraussetzung, daß Sowjetrußland auf die Einmischung in die innerdeutschen Verhältnisse verzichtet, sollen auch mit Sowjetrußland die wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen möglichst rasch wieder ausgenommen werden, ohneindessenden Thamkier eines Bündnisses anzunehnien und den Frieden mit irgend welchen anderen Staaten zu gefährden.

Frankreichs Forderungen.

WB. Paris. 25. Febr. Der Auslandspolitike» desMatin", Sauerwcin, erklärt in einem Lon­doner Telegramm, Frankreich verlange von Eng­land ein militärisches Bündnis, unabhängig von der Ratifizierung des Friedensvertrages durch Amerika, zweitens die Besetzung der Rheinlande auf so lange, als sie notwendig erscheine rmd ihre Ausdehnung auf das Ruhrkohlengebiet: außer­dem eine dauernde finanzielle und wirffcbaftliche IhtterfHftntng zum Wiederaufbau. Die räumliche und zeitliche Ausdehnung der Okkupation in den Rheinlanden wäre England sehr unangenehm. Dem englischen Oberkommando sei es auch un­angenehm, daß Frankreich dort schwarze und ma­rokkanische Truppen verwende. Man betone, daß die Ausdehnung der Okkupation Frankreich und Deutschland und infolgedessen ganz Europa in einem Zustand erhalten würde, der weder Friede noch Krieg sei. Sauerwein berichtet, er habe vor seiner Abreise nach London mit einem französi­schen Staatsmann gesprochen und dieser habe er­klärt, Frankreich solle sich selbst Garantien am Rhein verschaffen, aber nur im Falle unbeding­ter Notwendigkeit mrd im Hinblick auf eine un­mittelbare Verständigung mit Derrtsckland; end­lich solle man aber England und den Neutralen durch eine große Anspannung der einheimischen Produttion und d?wch die notwendigen steuer­lichen Opfer Vertrauen einflößen.

Die ösMche Kseresskärks in des französischen Kammer.

WB. Paris, 25. Febr. In der heutigen Sitzung der französischen Kammer wurde über die Einbemsnng der Jahresklasse 1920 verhandelt. Nachdem der De- richterstatter den Antrag begründet hatte, erklärte bei inen solchen

SoziaM Bon c u r forderte die vo nbige fM toaffnitng Deutschlands. Solange das frankst' u Heer am Rhein stehe, sei keine Gefahr vorhanden. Die deutsche Armee aber müsse baldigst aus die im Friedens- Vertrag vorgesehene Stärke -urnckoesührt werden. Frankreich habe verschiedene Gelegenheiten zur Ent« wafstmng Deutschlands verpaßt.

Die Ursache Kss fraNzösischen Eisenhahnerskreiks.

--- Paris, 26. Febr (HavaS). Der national« Eisenbabnerbirnd stellt in einer Note an den Bräsidenten fest, daß der Ansstand auf der Paris-Lyon-Mittelmeer- bahn wegen einer verweigerten Urlaubs» erteilung entstanden ist.

SirsiKbeweguNg in Belgien.

WB. Brüssel, 26. Febr. Infolge der Teuerung, namentlich des Brotes, machte sich seit einiger Zeit unter den verschiedenen Arbeiter-Kategorien eine Streik­bewegung bemerkbar. Der Ansstand der Bergarbeiter dehnt sich aus. Man befürchtet, daß es bald zum Generalstreik kommen wird, wenn nicht eine Lösung hinsichtlich des Brotpreise? erfolgt. Gestern durch­zogen einige Jungen von Streikenden mehrere Ge­meinden und suchten von den Gruben d>e noch zur Arbeit erscheinenden Personen von der Arbeit abzu- halten. Die Jungen wurden von der Polzci zerstreut. Auch in der metallurgischen Industrie wurde eine Be­wegung zu Gunsten neuer Lohnforderungen unter den Arbeitern festgestellt.

Prozeß CaiNaux.

WB. Paris, 25. Febr. Die heutige Sitzung bei StaatsgerichtShofes begann mit der Vernehmung CaH- laux über seine verschiedenen Reisen nach Italien und besonders über seine Bczi.ehnngen zu Carellins und Scarvoglio, den Direktor des Mattino in Neapel. Caillaux gibt zu, daß er drei Reisen nach Italien unternommen hat, und zwar in der Hauptsache, um die Gesundheit seiner Frau wieder berzustellen. Die Benierkung, die Rere Bethmann-HollwegS im Oktober 1916 sei durch feine Politik in Italien beeinflußt ge­wesen, sönne nicht stimmen, denn die Unterhandlungen die man ihm vorwerfe, hatten im Dezember 1916 statt- gefunden. Er habe sich, da seine Frau längere Zeit in Jtalen habe zubringen müssen, gewissermaßen in Italien seinen Wohnsitz genommen und versucht, einen Teil seiner Papiere nach Italien zu bringen. Der SenatSpräsident ging dann oazn über, über die Be- ziehmrgcn Caillaux zu dem Mattino zu 'prechen. Kitt feinen Aufzeichnungen ergebe sich, daß Caillaux erklärt habe, Frankreich sei am Ende seiner Kraft und eS könn« nicht wünschen, auf seinem Gebiet eine stärkere, eng­lische Armee zu sehen als die seinigt. Man mußt« deshalb einen Sonderfrieden vorbereiten. Caillan; erklärte, daß er niemals von einem Sonderfrieden ge« proben habe, daß es aber seine Ansicht gewesen fei, den Frieden vorzubereiten. Früher hatten die Nationen ich selbst genügen können, jetzt aber sei jede aus bu andere angewiesen. Ihn hätte besonders die finanzielle Frage beschäftigt. Caillaux schilderte sodann die finan­zielle Lage Frankreichs und Italiens und ging dann dazu über,. von dem in Florenz anfgefnndeneu lolitischen Programm zu sprechen. Er erklärte, es zandelte sich nur um Notizen, die er niedcrgeschriebeu habe, wie ihm die. einzelnen Gedanken gekommen seien. Die Arbeit sei nicht vollendet gewesen, er könne des­halb auch keine Verantwortung hierfür übernehmen.

.(Wehere Politisch« Nachrichten Seite 8.).