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MA^ Mittwoch den 88.Januar 1926

Das Neueste.

Das Befinden Erzbergers hat sich verschlechtert. Der erste Staatsanwalt hat gegen den Attentäter die gerichtliche Voruntersuchung wegen Mordversuchs beantragt. Sämtliche Vertreter der ausländischen Legierungen haben Erzberger ihr Mitgefühl mrZ- ;ebrML

Deutschland hat der französischen Regierung eine Lote in der Auslieferungsfrage überreicht.

1913 und 9110 000 Tonnen AprilNovember 1918, also 99 Prozent des Friedensverbrauches und 84 Prozent des Verbrauches im letzten Kriegsjahr. Allein diese wenigen Beispiele sagen schon viel. Sie könnten iw$ fortgesetzt werden, erwähnt sei aber nur noch, daß wir seit der Vor­kriegszeit auch viel neuen Bedarf haben für In­dustrien von Ersatzstoffen aller Art- wie die schon erwähnte Stickstoffindustrie, und viele Betriebe der Volksernährung, großenteils starke Kohlen- verbraucher.

Noch ein Wort zu den Haldenbestän­den. Der Eisenbahn ist es in der letzten Zeit gelungen, an der Ruhr und auch in Oberschlesien einen erheblichen Teil der Haldenbestände abzu- fahren. Diese betrugen Ende Oktober an der Ruhr 832 000 Tonnen, in Oberschlesien 700 000 Tonnen und sind nach den letzten Meldungen vor dem Verkehrsstreik an der Ruhr auf 524 000 Tonnen (darunter 393 000 Tonnen Koks) gesunken, in Oberschlesien auf 415 000 Tonnen. Es wäre aber ganz falsch, anzunehmen, daß da­mit nun für die Kohlenversorgung die Verkehrs- not behoben wäre. In letzter Zeit hielten zwar unter äußerster Bevorzugung der Kohlentrans- porte man denke nur an den Zustand des Per­sonenverkehrs die Förderung und die Abbe­förderung der Kohle sich ungefähr die Wage, auch ein Teil der Halden ist aufgeladen worden, aber die Betriebs läge ist noch nach wie vor aufs äußerste angespannt, was sich insbesondere auch in der Wagengestellung für die einzelnen Zechen täglich zeigt. Und nun hat der Verkehrsstreik uns, abgesehen von den augenblicklichen schweren Störungen, wieder ein tüchtiges Stück zurückge­worfen, denn die Eisenbahn wird nach bem Streik Wochen brauchen, bis sie den Betrieb wieder in Viertürig Hai.

Für d'e Versorgung 3 tage selbst spricht deutlich die Lage der Versorgung der Eisenbahnen. Von den Gasanstalten liegen mitt­lere und kleinere Werke in allen Teilen des Rei­chs seit längerer Zeit still. Dem Hausbrand Wintervorräte von Belang zuzuführen, ist be­kanntlich nicht möglich gewesen. Im Durchschnitt des Reiches sind von den Hausbrandbezugsschei- nen bis jetzt 56 Prozent der ratierließen Monats­raten beliefert. Das heißt also, daß der Haus­brand (einschl. Landwirtschaft), soweit er auf dem Bahn- und Wasserwege versorgt wird, durch­schnittlich ungefähr 60 Prozent der vorjährigen Mengen bekommen hat. Die Hausbrandversorgung ist damit verhältnismäßig immer noch besser als die der Industrie. Daß die Versorgungslage der I n d v st r i e sich in den letzten Monaten bedeu­tend verschlechtert hat, ist bekannt. Schon der höhere Winterbedarf der Industrie mußte eine Erschwerung der Lage bringen, die Lieferungen an die Entente und die verstärkten Lieferungen an die Eisenbahnen trafen aber natürlich gerade zum weitaus größten Teil die Industrie und den I Hausbrand. Wir befinden uns in einem Di- lemma: auf der einen Seite die Notwendigkeit, die Rohstofferzeugung zu fördern, um die weiter­verarbeitenden Industrien nicht wegen Rosthoff- mangels zum Erliegen kommen zu lassen, auf der anderen Seite Hemmung der Rohstofferzeugung durch die Notwendigkeit, die weitervecarbeiten- den Industrien mit ihren großen Arbeitermassen nicht schon durch Kohlenmangel zum Erliegen zu bringen. Es bleibt also nur ein Kompromiß und der Kompromiß ist kläglich. Aus Diesem Dilemma kommen wir nur heraus, wenn die Kohle wieder reichlicher fließt. Nur dies können wir auch den vielen Ärbciterdeputationen aus der kohlenver- brauchenden Industrie sagen, die täglich aus allen Teilen des Reiches beim Reichskohlenkommissar Vorsprechen und uns ihren Wunsch beteuern, nur arbeiten zu wollen, ohne daß ihnen und ihren In­dustrien geholfen werden kann.

Es bleibt nur übrig die g a n z i n t e n si v e Steigerung der Kohlenförderung und Besserung der Qualität der K oh le mit allen zu Gebote stehenden Mitteln. Unser Wirtschaftsleben muß immer mehr der Er­starrung anheimfallen, wenn ihm durch steigende Kohlenlieferungen an die Entente immer mehr Blut entzogen wird, und wenn nicht durch in- tensive Steigerung der Förderung dafür gesorgt wird, daß das Blut rascher und voller zirkuliert. Wir können in Deutschland keine Aufgabe lösen, ohne gleichzeitig die Kohlenfrage zu lösen. AEo müssen alle wirtschaftlichen und politischen Maß nahmen sich in erster Linie mit allem Nachdruck darauf richten, die Koblenproduktion schleunig und kräftig zu steigern unb, was stets gleichzeitig gesagt werden mu§, auch die Lei­stungsfähigkeit unserer Eisenbah­nen en'tsp-cchend zu heben.

Die Gefahr »er SechsstunSeufchichi.

Im Ruhrrevier tobt ein Kampf um die Ein­führung der Sechsstundenschicht. Zuc Stimde läßt sich noch nicht sagen, ob die Bergleute auf ihrer Forderung beharren, oder ob sie sich ihrer Verantwortung dem gesamten deutschen Volke gegenüber bewußt werden. Wir wollen letzteres hoffen, wenn auch wenig Anzeichen dafür gegeben jinb. Die Lage ist heute so ernst, daß niemand nehr im unklaren bleiben darf. Wir geben des­halb nachstehend einen Auszug aus dem Bericht des Generaldirektors Köngeter, des Geschäfts­führers des Reichskohlenrates und Vertreters des Reichskommissars für die KohleNbecteilung, den er kürzlich bei einer Sitzung des Reichskohlen- rates über den Stand der Kohlenversorgung gab, mietet. Köngeter sagte u. an

Auf allen Derbrausgebieten haben wir ohne irgendwelche Vorräte in den Winter hineingehen »msfcn. Das Hinzutreten der Ententelieferungen hat die Lage weiter außerordentlich verschärft, bis Förderung hat sich nur ganz langsam ge­haben, und nun sollen mangels Vorräte aus den täglich greifbaren Mengen alle Bedürfnisse zu­gleich befriedigt werden. Daß dies nicht entfernt auch nur im notdürftigsten Maße möglich wäre, daß wir den größten Entbehrungen entgegengin- M und daß eine vernünftige Produktionswirt- 'chast unter solchen Verhältnissen nicht mehr zu Wen wäre, lag klar zutage und ist auch in vollem Umfange eingetreten. Ueber die Förde- rung möchte ich einige Zahlen nennen. Wir hatten in unserem wichtigsten Kohlengebiete, dem uhrbezirk, im Jahre 1913 eine durchschnitt- W monatliche Förderung von 9 545 000 Ton- jnn, im Herbst 1918 eine solche von 8 669 000 sonnen und in den Monaten September bis No- dember 1919 (die endgültigen Zahlen für De- Miber besitze ich noch nicht) eine durchschnittliche Mmatsförderung von 6 563 000 Tonnen. Das heißt also: die Monatsförderng im Ruhrbezirk ^ar in den letzten Monaten 68 Prozent der Durchschnittsförderung des Jahres 1913 und 75 WWt der Durchschnittsforderung des Herbstes 1318. In unserem zweitgrößten Steinkohlen­revier, Oberschlesien, sind die entsprechenden Zah­len: durchschnittliche Monatsförderung 1913 ^aO OOO Tonnen, Herbst 1918 3 562 000 Tonnen ~ wir hatten in Oberschlesien im Kriege fast die tiiebangförberung wieder erreicht, Oktober 13 Dezember 1919 2 502 000 Tonnen. Die För- rrung war also dort in den letzten Monaten 70 E^ent der Förderung vom Herbst 1918 und 68 Wut von 1913.

Oft wird die Frage aufgeworfen, wie es denn Mach sei. daß wir eine so ungeheure Kohlennot tote fte tatsächlich vorhanden ist. Wohl wir noch eine bedeutende Minderförde- VNg gegen die Zeit vor dem Kriege, hätten das "argebiet verloren und die Ententelieferungen ^zuführen- wir hätten aber doch vor dem Kriege e Hülle und Fülle gehabt bei überheizten und Räumen und hätten außerdem äF Kohlen exportiert. Zur Erklärung muß man kl, ^^^ zunächst die Qualitätsver- l'- teruna vor Augen halten, die be- , ," sich hei der Steinkohle ganz außerordentlich ow .Dann muß man sich klar machen, daß ho»! °"^ die Verhältnisse sich sehr verschoben !".. ®e*m Zechenselbstverbrauch angefangen, D, , / dieser vor dem Kriege zum Beispiel im Heut 2^ ungefähr 7 Prozent der Förderung; k2 er bei der geringeren Förderung 11% k^ ^nt. Ebenso ist es mit den Deputatkohlen. ey^ verhältnismäßig kleinen, aber ebenfalls 6e, u* uud relativ gestiegenen Posten; wir ha Mao» ^ Ruhr heute eine Belegschaft von tf Mann argen 390 000 Mann 1913. Der U der Eisenbahnen ich nenne wegen nur die Zahlen der preußi- y .r ^M^dahst, auf den anderen Bahnen ist W ~ betrug vom April bis Novem-

^irite r n^°n den ersten acht Monaten des S?g"Mtsfahres 1919/20, 7 657 000 Tonnen, «58 000 Tonnen im gleichen Zeitraum

ErzLerger über das hsMrrötsche FMKNZÄLKSMMSN.

Der Berliner Vertreter desAllgemein Handels« blad" hatte kurz vor dem Attentat mit dem SkeichS- finanzminister Erzberger eine Unterredung über das holländisch-deutsche Finanzabkommen. Der Muiftei wies dabei auf die volkswirtschaftliche Bedeutung bet Haager Abkommens hm und fügte hinzu, daß eS in der deutschen Wirtschaftsgeschichte immer eine besondere Bedeutung haben wird, daß Holland eS war, welches zuerst einen Schritt der Vertrauens unb der tätigen Hilfe gegenüber Deutschland getan hat Ueber die Organisation der holländischen Kredites sagte bei Minister, daß führend: Männer der Industrie, des Handel? und der Banken durch eine hierfür gebildete Trenhänderorganisation diesen Kre­dit erhalten. Der Minister schloß mit den Wor­ten, daß in dieser Zeit der Debatte diese erste Tat Hollands unvergessen bleiben werde.

Die Arrsttsfsrrrngsfrage.

Eine deutsche Note.

Dem Sekretariat der Pariser Friedenskonferenz wurde gestern eine neue deutsche Note bezüglich der Auslieferung der Schuldigen übergeben. Die deutsche Regienmg erhebt.darin neue Einwände gegen die Aus­führung des Artikels des Vertrages hinsichtlich bei Auslieferung und stellt fest, daß die Auslieferung zweifellos wirtschaftliche und politische Störungen zur Folge hätte und daß die Bergwerke stark in ihrer Produktion beeinträchtigt würden. Zum Schluß schlägt die deutsche Regierung die Aburteilung der Schuldigen in Deutschland vor unter der Kontrolle der Allierien.bezüglich der einzuschlagenden Prozeßverfahrens, wie sie «S schon früher vorgeschlagen hatte.

Me MriLgSrVZrMK geMN. Ns

MrsNefervrrgsVsrranWK.' G

Der Vorstand des Kyffhäuser-Bun» des der deutschen Landes-Krieger- üerbänbe hat in der AusliLferungsfrage fol­genden Protest an den Reichspräsidenten gesandt:

Im Namen seiner 3 Millionen Mitglieder er­hebt der Kyffhäufer-Bund der Deutschen Land es- Kriegerverbände in letzter Stunde nochmals laut und nachdrücklich Protssr gegen das Verlangen unserer Feinde, den früheren Kaiser und eine große Zahl anderer Deutscher ivegen angeblicher Kriegsverbrechen ihrer Gewalt zu übergeben. Schon dieses Ansinnen empfindet jeder gute Deutsche als den denkbar gröbsten Verstoß gegen unser Vaterland als Staat, als eine empfindliche Verletzung der Ehre unseres Volkes, als eine schwere Beleidigung, die jedem Einzelnen von uns absichtlich zugefirgt wurde. Wer noch Sinn für Gerechtigkeit hat, der darf nicht dulden und zulassen, daß Deutsche entgegen allem Recht und Gewissen den Feinden zur Aburteilung ausgelie­fert werden, daß Ankläger und Richter hier zu einer Person werden. Es muß Mftrl für die Re­gierung geben, sich mit Kraft für die Forderung aller Deutschen einzusetzen, damit diese unendliche Schmach dem Deutschen Volke aboewendet wird, die einzig in der Geschichte der Völker dastehen und die unser Vaterland in den Augen der gan. zen Welt für alle Zeiten schimpflichst belasten würde. Holland muß dafür gewonnen werden­daß es den früheren Kaiser nicht ausliesert. Es müssen Verhandlungen mit der Entente nachdrück­lichst oeführt werden, die die Auslieferung von Deutschen an feindliche Gerichte verhindern.

Die Stunde eilt! Es gilt tatkräftig zu han­deln oder die Schmach kommt über uns!

Die Zlbftrr-uuZ der KshenzsNern.

wb. Berlin. 28. Januar.

Zwischen dem preußischen Staat und dem vormaligen preußischen Königshaus ist ein Ver­gleich abaeschlossen worden. Die Entscheidung, welche Teile der Vermöaensmassen dem preußischen Königshause und welche dem Staate gehören, wird' auf der Grundlage des bestehenden Rechts­zustandes getroffen. Organisch zusammenhän­gende Vermögensteile sollen nicht nutzlos zer­stört und Werte von überwiegend künstlerischer und historischer Bedeutung sollen unversehrt er­halten bleiben. Für den Staat ergibt sich die Verpflichtung, übernommene Werte künftig selbst zu unterhalten und zu pflegen. Die Aufhebung der Monarchie führt ferner zur Aufhebung staat­licher Mittel an das Königshaus. Mit dem Fortfall derselben muß jedoch der Staat die Rechtsnachfolge der Krone antreten und die Lasten übernehmen. Femsr wurde vereinbart, daß die Kronfideikommißrente nicht mehr an das Königshaus weiter bezahlt wird. Ihre Einstellung erfolgt entgegen den Vermutungen mehrerer Blätter ohne Gegenleistung. Im gan­zen kann nicht die Rede davon fein, daß der Vergleich für das Königshaus besonders günstig ist

ZAM KeVSlvSraNschlKI auf TrzhergSN.

Das Attentat gegen den Rcichsfinanzmiuillrr Ecz- berger wird von der gesamten Presse scharf verurteilt. DieDeutsche Tageszeitung^ bezeichnet das Attentat nicht nur als ein sittliches Verbrechen, sondern zugleich eine aus völligem Mangel an politischen Sinn geborene verbrecherische Torheit. DieKreuzzeitung" lehnt im Hinblick darauf, daß wahrscheinlich die Tat auf das Konto rechtsstehender Kreise geletzt werden wird, eine Verantwortung dafür schon im voraus das energischste ab. Sie schreibt, wie auch wir gestern schon betonten, daß siejeden p oli tisch e n Ans ch la g, gleich- viel gegenwelchePerson es sichrichtet, verurteilt. Die WienerNeue Freie Presse" sagt: Die Ocffentlichkeit wird es mit Befriedigung hören, daß die Absicht des Mörders, den Minister zu beseitigen, mißlungen ist. Die Schüsse sind ein Zei­chen der heftigen Spannungen im Innern Deutsch­lands, jedoch auch eine Warnung nach Paris und ein neues, unzweifelhaftes Merkmal der U n= Haltbar keit und U n ui ö § li ch ke it des Frie- densvertrages. Allgemein wird der Wunsch ausge­sprochen, daß der Prozeß bald seinen Fortgang nehme möge, damit Klarheit geschaffen werde.

Der bayerische MinisteOrastdent Hoffmwrn sprach zu Beginn der gestrigen Sitzung des VcrfaffiintzsauS- schusses fein tiefstes Bedauern über den Mordanschlag auf Erzberger aus. Auch Erzbcrgcr, sagte er, fei das Opfer eines unausgereiften, kaum dem Knabenalter entwachsenen Menschen geworden, der nur durch die Ocffentlichkeit zu seiner Tat getrieben wurde. Jeder, ohne Unterschied der Partei, insbesondere die Presse, habe die Verpflichtung, solche Taten zu verurteilen. Man müsse sich hüten, solch: sugendlichen Täter als Helden zu feiern. Reichümimstcr Erzberger und feiner Familie spreche ich, so schloß der Minister, namens der Regierung das herzlichste Beileid mit dem Wunsche auf baldige Genesung aus. Der Vorsitzende Ackermann schloß sich im Namen der Mitglieder des Ausschusses dMfe^siwte^

KrrnÄgeSungen der Teilnahme.

Im Laufe des gestrigen Tages sind viele Kundgebungen der' Teilnahme und zahlreiche Blumenfpenden bei bem Reichsfinanzminister Erzberger eingegangen. So haben sämtliche Vertreter der ausländischen Regierungen dem Reichsminister Erzberger ihr Mitgefühl ausgedrückt, u. a. der Chef der englischen Kommission, der englische Geschäftsträger, die französische Mission, der belgische, der italienische und luxemburgische Geschäftsträger. Der schweizerische Gesandte Herr von Planta hat in einem Schreiben an den Minister die Teilnahme seiner Regierung und des Schweizer Volkes ausgedrüSt.

Nach derGermania"- hat die bayerische Volkspartei dem Reichsfinanzminister Erzberger folgendes Telegramm gesandt:

Mit unserem Abscheu über das fluchwürdige Attentat auf Sie verbinden wir die wärmsten und aufrichtigsten Genesungswünsche. In einem Telegramm dankte Erzberger der bayerischen Volkspartei für ihre Wünsche und hebt hervor, daß unter den vielen ihm zugegangenen Tele­grammen ihn besonders dieses gefreut habe.

Das Befinden Erzbergers.

Die Röntgenuntersuchung der Schußverletzung E r z b e r g e r s, die unter Hinzuziehung des Professors Hildebraubt durch den Hausarzt Professor Dr. Plesch vorgenommen wurde, ergab folgenden Befund: Die Kugel, die Teile des Schulterblattes zersplitterte, sitzt dort fest. Da größere Blutungen ein getreten sind und die Wunde äußerst schmerzhaft ist, ist es zur Zeit nicht möglich, da- Geschoß zu entfernen. Erzberger ist zur Zeit fieberfrei, doch leidet er an großer Schwäche. Nach der Untersuchung wurde Erzberger wieder nach seiner Wohnung gebracht. Die Aerzte haben unbedingt: Ruhe geboten. Der Minister erledigt nur die dringendsten Staatsgeschäfte»

Ein weiteres Telegramm meldet: Der Zustand Erzbergers hat sich verschlimmert. Teinparatur über 37, Puls 120.

Voruutcrsuchttng wegen Mordversuches.

Zu deni Mordauschlag auf Erzberger teilt der erste Staatsanwalt mit: Nachdem ich gestern den Täter persönlich im Polizeigefängnis vernommen habe, gingen mir heute die Akten zu. Gleichzeitig wurde der Be­schuldigte ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Ich habe gegen den Beschuldigten die gerichtliche Vorunter­suchung wegen Mordversuches beantragt.

Sum Peozrst Grzdcrger-Helfferich.

In der gestrigen Sitzung des Processes Erzberger- Helfferich wurde beschlossen, die Verhandlnugeu auf Freitag vormittag zu Verlagen. ES soll bann der Fall derOstrava" verhandelt und baut Zeugen geladen werden. Der Vorsitzende machte bekannt, daß er nach dem Vorfall strenge Maßnahmen über die Zulaffiing zum Zuschauerraum treffen wird. All« Besucher sollen auf Waffen untersucht werden.