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GeMM-Anzeiger

AmMches Organ für Stahl- und Landkreis Sana«

Erscheint täglich mit Ausnahme bekrönn- und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble. Verantwortlich: für politischen und augew TeilRich. Kults " .....

Teil sowie S

Aschen und allgemeinen ______ __________ lokalen und provinziellen ___il sowie Sport W. Moritz; für Anzeigen und Reklamen A. Brodt, alle in Hanau a. M.

Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei Sanau Fernsprechanschlüsss Nr. 1237 und 1238

Rk. 22

Dienstag den 27. Januar

1920

SESS

Das Neueste.

Auf ReichsfinanMinister Erzberger wurde gutem nachmittag '/iS Uhr ein Attentat verübt. Der Täter, ein 21jährigsr früherer dahnenjunker jetziger Schüler, wurde verhaftet.

Der österreichischen Republik wurde von England ein Rohstoffkredit von einer Milliarde österreichischen Kronen bewMgt.

Reichstag und Reichs­präsident.

Der Vorentwurf eines Reichswahlgesetzes, der icht der öffentlichen Kritik übergeben worden ist, lehnt sich in feinem allgemeinen Teile eng an die Verordnung für die Wahlen zur Nationalver­sammlung an. Jnmiechin ist eine Reihe von Neu- :nmgea oder Erweiterungen vorgenommen. An bem Prinzip der Verhältniswahl, die ja in der Verfassung festgelegt ist, wird nicht gerüttelt; aber -z wird erweitert, um die Wählerstimmen für die Wahl der Abgeordneten noch mehr, gewissermaßen bis zur letzten Stimme, für die Berechnung der Mandate zu erfassen. Der Vorentwurf macht hier drei Vorschläge nach überläßt es den Ab­geordneten, sich für einen von den dreien zu ent­scheiden.

Der Vorentwurf A ist dem badischen System ilachgebildet. Der Grundgedamke des badischen Systems ist in 8 24 der neuen badischen Ver- saffung wie folgt zum Ausdruck gekommen: Jede Partei oder Wählergruppe enthält auf je 10 000 öer für ihren Wahlvorschlag abgegebenen Stim­mn je einen Mgeordneten. Me hiernach in dem

trat aobliebeneu Stimmen Wen durch das zusammengezählt

W nach dem vorh« Satze bewertet.

Der als bann noch verbleibende Stimmrest von mehr als 7500 Stimmen erhält einen weiteten Abgeordneten. Der Ergänzungsvorschlag des Reichsministers des Innern ging nun dahin, RejchswahworWagMsten einzuführen, die von den Parteileitungen eingereicht werden. Sie ent- halien die Namen der Bewerber, denen die in den einzelnen Wahlkreisen sich ergebenden, für das ganze Reich zusammenzuzählenden Reftstim- mm nach der gleichen Verteilungszahl wie für die Wahlkreise zugute kommen sollen. Im Vor­entwurf A ist das badische System Mit diesem Ergänzungsvorschlag in rÄner^Form verwirk­licht. Neben den fiir die einzÄnen Wahlkreise destimmtm Wahlvorschlägen können die Parteien einen Reichswahlvorschlag einreichen. Jeder Wahlvorschlag enkhält so viele Abgeordnetensitze, als die Zahl der für ihn abgegebenen Stimmen M durch 60 000 teilen läßt. Die im Wahlkreise nicht verbrauchten Stimmen und die Stimmen eines Wahlvorschlages, der weniger als 60 000 Stimmen erhalten hat, werden für das ganze Reichsgebiet zusammen gezählt und auf den von wr Hauptleitung der Partei einzureichenden Wahlvorschlag verrechnet. Jeder Reichswahlvor- erhält so viel Abgeordnetensttze, als die Summe der Reststimmen durch 60 000 teilbar ist. Zle Wahlkreise werden so verkleinert, daß auf je­den Wahlkreis in der Regel sechs Abgeordnete M®. Die Zahl soll nur bei großstädtischen Wahlkreisen, deren Zerlegung nicht wohl möglich !^ wesentlich überschritten werden. Dem Ver- Mungsgrundsatze des gleichen Wahlrechts wird Mch das neue System von allen bisher gemach­en Vorschlägen zweifellos am besten Rechnung wagen. Es macht die Listenverbindung ent- Jwb, ba auch kleine Wählergruppen ihrer «mmenzahl entsprechend Berücksichtigung fin= w Dem Systeme könnte das Bedenken entgegen- °"racht werden, daß auf diese Weise ein Teil der .^ordneten nicht vom Volke gewählt, jeden- nicht unmittelbar gewählt, sondern von den MEeitungen ernannt werden würde. Die M dieser Abgeordneten würde umso größer ».M« kleiner die Wahlkreise gemacht werden.

M aber die Zahl der so ernannten Abgeord- ?'"e beträchtliche, so könnte die Frage auf- ^worfen werden, ob dem Verfassungsgrundsatze J freien, allgemeinen, unmittelbaren Wahl d^uung getragen ist. In rechtlicher Beziehung der Vorentwurf A dieses Bedenken da- w er den Wähler nötigt, die etwaige Ver- ^9 seiner Stimme für die Reichswahlvor- ^D^ste auf dem Stimmzettel ausdrücklich gut- r^bn. Im übrigen aber bieten die Vorent- lu\'e und C die Möglichkeit, diesen Bedenken Beide sehen kleinere Wahlkreise mit I ^ ma^lg vier Abgeordneten vor. Vorschlag B Mehrere örtlich zusammenhängende Wahl- einem Wahlverbaude zusammen und | Zse Einrichtung besonderer Derbandswahl I k, 9e vor. Die Wahlkreisrsststimmen wer- I bäckst innerhalb der Verbandswahlkreise

zusammen gezählt und auf die Verbandswahlvor­schläge verrechnet. Erst die in den Verbands­wahlkreisen sich ergebenden Reststimmen werden auf die Reichswahlvorschlagslisten verrechnet. Durch die Einschiebung von Wahlverbänden wird der Zusammenhang zwischen Wählern und Abge­ordneten verstärkt, die Zahl der Abgbeordneten, die aus dem Reichswahlvorschlage hervorgehen, vermindert, und so der Einfluß der Hauptleitun­gen der Parteien zugunsten des Einflusses der örtlichen Wählerschaft auf die Auswahl der Be­werber verringert. Der Vorentwurs C sieht Wahl­kreise in gleicher Größe wie der Vorentwurf B und deren Zusammenfassung zu Verbandswahl- kreisen vor. Den Parteien ist es überlassen, ent­weder Wahlkreis- oder Verbandswahlkreisvor­schläge einzureichen. Damit soll erreicht werden, daß Wählergruppen, die in dem einen oder ande- Wahlkreise nicht wenigstens 60 000 Stimmen auf ihren Wahlvorschlag erhalten würden, sich mit Wählergruppen oder Parteien eines benachbarten Wahlkreises verbinden und einen ge" inichaft- lichen Wahlvorschlag (Verhandswahlvoffchlag) einreichen können. Auf diese Weise wäre suchen Parteien. die Möglichkeit gegeben, ihren örtlichen Kandidaten zum Erfolge zu verhelfen und die Parteien unb ihre Bewerber auch in solchen Wahllreisen für eine rege Wahlarbeit zu interes­sieren, in denen sie weniger stark brieten sind. Von dem Wahlsystem abgesehen, enthalt der Vor­entwurf auch sonst Neuerungen gegenüber dem bisherigen Wahlrechte. Besonders sucht er dem wiederholt laut gewordenen Wunsche, den A u s- landdeutschen das Recht zur Teilnahme an den Reichswahlen zu gewähren, SMimmq zu tragen. Im Hinblick auf die besonderen Bedürf­nisse der großen Stadtgemeinden wird an dem ^W^^

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das sich bereits in zahlreichen Gemeinden be­währt hat, zugelassen. Daneben läßt der Entwurf zu, für bestimmte Personen Wahlscheine auszu- stellen, die zur Ausübung des Wahlrechtes an einem böliebigen Orte berechtigen. Das gesamte Ausland bildet einen Wahlkreis, für den der Reichswahlleiter zugleich Wahlleiter ist. Jeder Auslandsdeutfche kann einen Stimmzettel ein­senden, der einen Namen enthält. Die Ausländs­deutschen erhalten soviele Abgeordnetensitze, als die Summe der von ihnen abgegebenen gültigen Stimmen durch volle 60 000 teilbar ist.

Die Wahl des Reichspräsidenten ist unmittel­bar und geheim, der Wahltag muß ein Sonntag oder öffentlicher Ruhetag sein. Die Erläuterungen zu dieser Vorlage gehen aus die Vorschläge ein, die sich auf absolute und relative Stimmenmehr­heit bei der Präsidentenwahl beziehen. Eine Einigung über die verschiedenen Möglichkeiten der Präsidentenwahl war in der Nationalver­sammlung bei Beratung der Verfassung nicht zu erzielen und die nähere Regelung der Wahlart schließlich dem besonderen Gesetz über die Wahl des Reichspräsidenten vorbehalten. Der veröffent­lichte Entwurf schlägt einen mittleren Weg zwi­schen bem Vorschläge des Verfassungsentwurfes und dem seinerzeitigen Beschlusse des Ver­fassungsausschusses vor, in dem er zwar die Mög­lichkeit eines zweiten Wahlganges Vorsicht, in diesem aber nicht eine Stichwahl zuläßt, sondern den Kreis der wählbaren Personen nicht " be­schränkt und die relative Mehrheit ausschlag­gebend sein läßt. Dieser Vorschlag geht davon aus, daß, solle der erste Wahlgang nicht zu einer endgültigen Wahl führen, auf Grund seiner Er­gebnisse sich unschwer einer Verständigung zwi­schen den Wählergruppen in der Richtung er­reichen lassen wird, daß aus dem zweiten Wahl­gang ein Mann hervorgeht, der vom Vertrauen der großen Mehrheit des Volkes getragen ist.

Ein AtteniKt auf Erzberger.

WB. Berlin, 26. Januar.

Als Minister Erzberger heute nachmittag gegen halb 3 Uhr das Gerichtsgebäude in Moabit verließ und seinen Kraftwagen besteigen wollte, feuerte ein junger Mann zwei Re- volverschüsse auf ihn ab. Der Minister wurde durch einen Schulterschuß leicht verletzt; die zweite Kugel, die ihn in der Bauchgegend traf, prallte an einem metallenen Gegenstand in der Tasche des Ministers ab. Der Täter wurde verhaftet.

Der Täter ist der 21 Jahre alte frühere Fähnrich, und jetzige Schüler Oltwig v. Hits ch- feld aus Steglitz. Bei seiner Vernehmung gab er an, daß er Erzberger für einen Reich s- schädling halte, der beseitigt werden müsse. Diese Ueberzeugung habe sich durch das An­hören der Eerichtsöerbandluna in ihm aestärkt

und er fei deshalb zur Ausführung der Tat geschritten. Er stellte ausdrücklich in Abrede, den Plan des Attentats auf Erzberger mit irgend jemand besprochen, oder unter der Ein­wirkung anderer gehandelt zu haben.

Charakteristisch ist ein Brief, den der Täter aus der Hast an seine Eltern geschrieben hat und der folgendermaßen lautet:Liebe Eltern! Es ist mir gelungen, Minister Erzberger anzu- schießen, hoffentlich mit dem Erfolg seines Aus­scheidens aus der Regierung. Mein Leben ist zu Ende, aber ich scheide mit dem Bewußtsein, meinem Volke genutzt zu haben. Herzliche Grüße Oltwig v. Hirschfeld."

Wieder ein Verbreche« auf der Straße, wieder ein Verbrechen eines den Kinderschuhen kaum entwachsenen Jüngling», der da glaubte, eine Person, die er für einen Geheimschädling hielte, durch Revolverschüsse un­fähig an machen, die RegierungSgeschäfte weiterzu-

führen. Wir verurteilen diese Tat wenn sie von links begangen worden Verurteilung muß von jeder Partei, wie sie will, ausgesprochen werden, berung der politischen Moral drängt,

genau so, als wäre und diese mag sie heißen Wer auf Säu- darf nicht zum

verbrecherischen Mittel greifen. Diese Tat ist die Tat politischen Wahnsinns und wenn auch von vielen die Ursachen, die zu der Tat geführt haben mögen, zu verstehen glauben, so muß doch betont werden, daß ein Verbrechen, ein Verbrechen bleibt, ganz gleich aus welchen Motiven heraus es geschieht. Und jedes Ver­brechen verdient verabscheut zu werden, auch das vor­liegende.

Die amtliche Darstellung.

Folgende amtliche Darstellung wird durch

IV

immalgerichtsgebäude in Moabit

durch den Ausgang in der Rathenowstraße ver­lassen und bereits den Wagen bestiegen hatte, drängte sich ein junger Mensch an den Wagen und fragte, ob Minister Erzberger im Wagen sei. Auf die bejahende Antwort gab er meh­rere Schüsse auf ihn ab. Ein Geschoß prallte an der Uhrkette des Ministers ab. Durch den zweiten, von außen her durch die Wagenscheibe abgegebenen Schuß wurde der Minister in der Gegend der rechten Schulter verletzt. Einem sofort zugreifenden Polizeibeamten gelang es, den Attentäter festzunehmen.

Das Befinden Erzbergers.

Nach einer Mitteilung des den Reichsfinanz- minister Erzberger behandelnden Arztes, Uni- versitütsprofeffors Plesch, an dieGermania" kanzr an eine Entfernung der Kugel zur Zeit nicht gedacht werden. Der Zustand des Patien­ten erheischt für die nächsten Tage die größte Schonung, wenn auch eine unmittelbare Le­bensgefahr nicht besteht. Nach Anlegung des Verbandes wurde Erzberger nach seiner Woh­nung gebracht.

Die Haltung des Rsichskabinetts.

Das Neichskabinett ist gestern nachmittag sofort zusammengetreten, um zu dem Attentat gegen Erzberger Stellung zu nehmen. Es soll eine Kundgebung des Reichskabinetts ergehen, in der in schärfster Weise die Methoden des politischen Mordes verurteilt werden. Veranlaßt durch das Attentat auf Erzberger, ist in Berlin wieder eins Absperrung der Regierungsgebäude vorgenommen worden.

Der Reichspräsident an Verberget.

Der Reichspräsident Ebert ließ Erzberger nach­stehendes Telegramm zugeben:

Soeben erhalte ich Nachricht von dem ruchlosen Anschlag gegen Sie. Ich wünsche von Herzen, daß Sie die Folgen der verabschcunngswürdigen Tat glücklich überwindest und Ihre schwere, verantwor- tungsvolle Tätigkeit bald wieder ausnehmen können.

(gez.) Ebert."

Eine Kundgebung der Neichs- regrerung.

Auf den Reichssinanzminister Erzberger wurde beim Verlassen des Moabiter GerichtSgebäudeS ein Mordanschlag verübt. Die Schwere der Verwundung und die Gefährlichkeit der Verletzung sind noch nicht zu übersehen. Die Reichsregierung steht erschüttert und in tiefster Empörung vor dieser verbrecherischen Ausschreitung des politischen Kampfes, dem eins ihrer Mitglieder mitten in der Durchführung der ihm an­vertrauten schwierigsten Aufgaben beinahe zum Opfer gefallen wäre. Sie hängt den Attentäter nicht an die Rockschöße einer Partei, sie stellt vor aller Welt fest, daß die Bluttat unmöglich gewesen wäre ohne die ziellose und verantwortungslose Hetze, die feit Monaten und in den letzten Tagen noch auch gegen den ReichS- sinantminister actrieben wurde. und sie siebt es als

das größte Unglück unseres Volkes an, daß die schwerste Schicksalsprüfung Deutschland in einer sittlichen Ver» fassung antrifft, au» der heraus solche Schandtaten erwachsen können. Sie hat die einzige Hoffnung, daß die Schüsse in Moabit eine allgemeine Aufrüttelung bewirken möchten, damit erden besinnungslose« Hetzern, in welchem Lager sie stehen mögen, klar werde, vor welchem Abgrund wir alle stehen. Die Reichsregierung wird nicht nur ihre Mitglieder, sondern jeden Volks- genossen gegen Gewalttat und Vergewaltigung schützen. Sie ruft unter dem Eindnrck des vergoffenen Blute» allen Deutschen zu, mit ihr diesen Schutz zu über­nehmen vor Verbrechern gegen den Einzelnen wie gegen das ganze Volk.

Die Reichsregierung:

Dauer, Schiffer, Dr. Dell, Dr. David, Gehler,

Gierberts, Koch, Müller, NoSke, Schlicke, Schmidt.,

Proteste gegen die Auslieferung.

DerPost" zufolge richtete der ägyptische Patriotenklub eine Kundgebung an die Königin Wilhelmine von Holland. In der Dankadresse heißt es:

Alle anderen unabhängigen Völker sollten dem hehren Vorbild Hollands folgen und jede Ungerechtigkeit, aus welcher Quelle sie auch fließen möge, ohne Furcht und Zaudem an den Pranger stellen. Wenn der Weltsozialismus Abgestorbenheit des Nationalgefühls in den Individuen und Staaten, sowie den Triumph der Unordnung bedeutet, dann sagen wir dem Sozialismus und allen sozialistischen Systemen auf ewig Lebewohl und begrüßen freudig und gesenkten Hauptes eine gerechte Monarchie, für die Ihre Majestät ein so erhebendes und erlauchtes Vorbild gegeben haben.

einen Protest gegen das Verlangen auf Aus­lieferung Kaiser Wilhelms, den 70 der hervor­ragendsten Finnländer unterzeichnet haben. In dem Aufruf wird ausgeführt, daß das Aus- lieferungsverlangen juristisch und moralisch ver­werflich ist.

fn. Genf, 27. Jan. (Priv.-Meld.)

Die AnsliefcrunaSkommiffion der Alliierten hat eo klärt, daß sie auf die Verurteilung des Kaiser Wil­helm- aus öffentlich rechtlichen Gründen nicht ver­zichten könne.

Aufnahme einer Zwangsanlerhe?

fn. Berlin, 27. Jan. (Priv.-Meld.»

DerVorwärts" tritt in einem längeren Leit­artikel für die E i n st e l l n n g der N o t en p re H» ein und fordert die Aufnahme einer Zwangs anleihe, die neben dem ReichSnotopker erhober werden soll. In der Berliner Börse beobachtet man den Artikel «ls Vorbereitung eine» neuen Finanzplane« Erzbergers.

Der Sechsftun-enlag eine Forderung.

fn. Berlin, 27. Jan. (Priv.-Meld.)

Die Besprechungen der Arbeiterräte der Beplinei Fabriken am letzten Sonntag haben zu dem Beschlux geführt, daß die Forderung nach Einführung: des S e ch S st un d e n ta g c s in Berlin und dem Reiche unverzüglich aufzunehmen sei.

Das Ausland über die deutschen Streiks.

In. Bake!, 27. Jan. (Priv.-Meld.)

DieMorningvost" bringt bemerkenswerte Aus­lassungen über die deutsche Arbeiterbewegung. Das einflußreiche Organ des englischen Hofadels bezeichnet die Streiks in Deutschland als eine Lebensfrage, mit der sich die Entente bald zu be­fallen haben müsse. Die Zustände gefährdeten ernstlich die Zahlungsfähigkeit Deutschlands andre Entente, die jetzt beginnen solle. Die augenblick­liche Regierung habe weder die Autorität noch die Entschlußkraft, durch diktatorische Maßnahmen di« allgemeine Arbeitsunlust in Deutschland zu be­zwingen. Nur noch durch einen Diktator sei das deutsche Volk zur Vernunft . zu bringen.

Ein englischer Milliardenkredit an Oesterreich.

Wien, 27. Jan.

einer

Wie hier bekannt wird, hat England der öfter« reicht scheu Republik einen Rohstoffkredit von ' ' Milliarde ö st er re i ch i s ch e r Kronen bemil-

ligt. In den österreichischen Staatsämtern wird gegen» wärtig an der Zusammenstellung einer Liste gearbeitet, welche Rohstoffe zuerst eingeführt werden sollen. Be­kanntlich ist Amerika im Begriff, der österreichischeu Republik einen Lebensmittelkredit von 70 Millionen Dollars zu bewilligen, während die Staatssekretäre für Finanzen und Voikscrnäi>rung sich demnächst nach Frankreich begehen, von wo Oesterreich ebenfalls Kre­dite bekommen soll. Man hofft daher, daß sich in ab­sehbarer Zeit die materielle Lage Oesterreich» wesentlich bessern werd».