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Sanauer

General-Anzeiger

LmMches Organ für StaSk- and Landkreis Sana»

Erschein! täglich mi! Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Jndermuble. Verantwortlich: für politischen und aUsemetnen TeilRich. Hultsch: für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz; für Anzeigen und Reklamen A. Brodt. alle »n Sanau a.M. Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerer Hanau Fernsprechanschlüsse Nr. 1237 und 1238

Nr. 19

Freitag den 23. Januar

1929

Das Neueste.

Len hiesige« städtischen Arbeitern und Arbeiterinnen iwmt den RotstandSarbeitern wurde in der gestrigen Nadtverordnetcnfltzung ein Lohnvorschuß von

Sv Proz. rückwirkend ab 1. Januar bewilligt. Außerdem wurde die Aufnahme eines Darlehens len 6 Millionen Mark beschlossen.

In der preußischen Landesversammlung wurde die Lorlage der Regierung bett. Erhöhung der Teuerungs­zulage^ für Beamte um 150 Proz. angenommen.

Nach einem Telegramm aus dem Haag wird Holland raf dar AnSliefenmgSersuchrn der Entente mit einem Nein" antworten.

In Berlin sind infolge Kohlenmangels für die tommtabe Woche 23 000 Arbeiter Kündigungen er«

Völkerbund und Wirl- schafispoMik.

Nach dem 10. Januar ist für Deutschlands gesamte V-litik insbesondere seine Wirtschaftspolitik in der Niedergutmachungs - Kommission eine ldonttollbehörde kr Entente geschaffen worden, die eine völlig selbst- stdtdig« Bewegungsfreiheit des deutschen Wirtschafts- übtnS fast völlig unterbinde« kann. Gleichzeitig aber ist die Frage de» Zusammentritts des Völkerbundes N ««worden, anb erneut wird die Frage aufge- Mfen, ob wtt uns darum bemühen sollen, in dieser die Bestimnnruge« der Friedensvertrages ver- zerrte» GemeinschaftSform der Staaten und der Völker räat Platz «in-unehmen. Wenn man hierbei auf Trund der zahllosen praftischen Beobachtungen auf k® gesamtpolitischen Gebiet zu einer Entscheidung tsmmeu will, so kann es nur im positiven Sinne er« fo^e«. Wir müssen danach streben, durch unseren Beitritt m den Völkerbund nur die Möglichkeit zu schaffen, wie «S auch immer nur sei, auf die wirtschaft- Wa Notwendigkeiten und Voraussetzungen für die Erhaltung Deutschlands hinzuweisen und das Bewußt­em von der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung eines starken ttastvoll pulsierenden deutschen Wittschafts-

auch den anderen Völker« zur Erkenntnis zu bringe«. Der Beitritt einer Reihe uns wohlgesinnter arutraler Staaten zum Völkerbund eröffnet dabei die Wglichkeit, daß es sich bei derartigen Bemühungen 18 ^ Einzelberatungen der Einzelkommissionen nicht w» mehr oder weniger angeljärte platonische Er- «armigen Handeln wird, vielmehr ist mit Sicherheit ^pmehmeu, daß gerade in Bezug auf die Wirtschafts-

es mrs gelingen wird, sehr durchgreifende Er- mge für uns zn erziel«. Die wirtschaftlichen Der- ^stpstmgen Deutschlands insbesondere mit den nor« 'wat neutralen Staaten und den südwestlichen neuen «taatSrebilden birgt die Möglichkett von vornherein P Baisse Wirtschaftsgebiete eine Solidarität dieser taateugruppen innerhalb der Völkerbundes herbei- Mhren.

$'e deutsche Tätigkeit in der VölkerbundSorgani- gibt uns dann die sehr dringend notwendige ^glichkrit, der Wiedergutmachnugs-Kommission gegen- eine gewisse Rückendeckung zu schaffen. Wir ^"ben vor wirtschaftlichen Ucbergriffen dieser Kom- ^sston leicht bewahrt bleiben, wenn diese dauernd be­achten mnß, damit Protesiaktionen innerhalb der "lkerbnndrz auSzulösen, Aktionen, die, wie oben her- f^ehoben, stets von der Gemeinsamkeit der an uns ^^schaftlich besonders interessierten Staaten getragen

®s ist dies« nüchterne Feststellung der Notwendig- 2 ^8ßer GemeinsamkeitSarbeit mit nnseren bisherigen fgnern rein gefühlsmäßig eine sehr bittere und ^re Forderung. Wir dürfen aber auf keinen Fall i auf einen negierenden Standpunkt zurückziehen ' ^" uns auf edle märtyrerhafte Gesten in den /^"Jahren beschränkte Wir sind eS der Zukunft ;/Nation schuldig, mit Selbstverleugnung alle die Mben auf uns zu nehmen, die die wirtschaftliche ». '"Aufrichtung fordett. Dazu gehört in erster Linie ^ttund Mitarbeit im Völkerbund.

Die Auslieferuttgsfrage.

Üf ®?e »Jrafle, die heute allgemein erörtert wird, ist taL, die Entente auf die Auslieferung des Kaisers c?1 >v>rd. Man begegnet noch vielfach der Ansicht, ^ii» ^^ das immer noch nicht auSgestorbene 8er« tou kin ^Er Großmut Englands und Frankreichs ku, ? die Entente das AuSlieferungSverfahren ^N «te. W. Stesäuiia, betxaäte. .Mit der Se nickt

Ernst machen werde. Das heißt mit Hoffnung spielen, trotz der gegebenen Warnungssignale. Welches wird nun der weitere Verlauf sein? Holland wird zweifel­los in seiner Antwortnein" sagen. Aber damit ist selbstverständlich das Spiel noch nicht zu Ende. Denn ebenso wie die Bestrafung deutscherVerbrecher", ist auch die Rolle, dir Holland dabei zu spielen hat, ein fester Bestandteil der englisch-französischen Politik. Holland ist schon während des KriegeS den Engländern und Franzosen zn neutral gewesen. Holland blieb eine Lücke im Abschließungsring um Deutschland. Um diese Lücke zu schließen, wird jetzt der Hebel zum Druck auf Holland angesetzt. Der ehrlich neutrale Staat der Niederlande soll sich dem englisch-französischen Ab- sperrungssystcm einfügen. Und zum Zeichen der Will­fährigkeit wird die Auslieferung des Kaisers von ihnen verlangt.

GollandsBein«

= London, 22. Jan. (Priv.-Meld.)

Ein in London eingetroffenes offiziöse? Telegramm aus dem Haag meldet, daß * Holland auf das Aus­lieferungsersuchen die Antwort abgegeben habe, daß es unmöglich sei, Kaiser Wilhelm auf das Ersuchen einer dritten Macht auSznlicfern, solange Deutschland selbst seine Auslieferung nicht verlangt.

SlrrstiflUKg zum Mord.

fn. Rotterdam, 23. Januar. (Priv. Meld.)

DieTimes" meldet aus Paris: Die Anklage gegen den Kaiser ist auf Anstiftung zum Mord aus- zulegen, da die Befehle an die U-Boot-Kommandanten Befehle deS Kaisers darstelle. Eine AnslieferungSver- ioeigenmg Hollands gegenüber der Anklage wegen Mordes wird von den Alliierten nicht anerkannt wer­den. (Was bedeuten dann die von Ententeseite gege­benen Befehle? Haben durch die Verhängung der Blockade nicht Abertausende von deutschen Frauen und Kindern den Tod gefunden?)

©er Mikado gsge» die Attsliefsrnna.

erfährt von dem Attachee der holländischen Gesandt­schaft in Paris, daß die holländische Regierung durch daS auswärtige Ministerium vertraulich in den Haupt­städten der Alliierten festzustellen suche, ob dir Führer der verschiedenen Regierungen tatsächlich die Aus­lieferung des'dentschen Kaisers wünschen. Der Attachee glaubt,' daß Deschanel die Niederlande keineswegs dazu veranlassen würde, das Asylrecht zu verleugnen. Der Attachee sagte, seine Regierung habe schon aus Tokio die Nachricht erhalten, daß der Mikado sich auf das energischste jedem Versuch widersetzen würde, daß der Kaiser ausgeliefert werde, und die belgische Re­gierung habe auch schon wissen lassen, daß sie nicht darauf bestehe, falls die anderen von ihrem Verlangen abließen. Der König von Italien hat dem hollän­dischen Gesandten die private VersicherlMg gegeben, daß er das Gerichtsverfahren gegen die Hohenzollern nicht unterstütze und aus dem Vatikan wird gemeldet, daß dort eine Bewegung vorbereitet werde, die dafür wirke, daß der Kaiser in Holland bleibe, wo er ist, und Deutschland gleichzeitig das Versprechen gebe, daß es ihm die Rückkehr nach Deutschland nicht erlaube. Der Attadjee sagte weiter. Berichte hätten nach dem Haag gemeldet, daß weite Kreise in England einem Gerichtsverfahren gegen den Kaiser abgeneigt seien und daß nnr eine Handvoll Leute mit Llohd George an der Spitze Neses Schauspiel wünschten.

Ein. hottändischev Appell an alle Neutralen?

Stockholm, 22. Jan. (Wolff.)Svenska Dag- bladet" erfährt, daß die holländische Regierung an alle übrigen neutralen Staaten einen Appell richten werde, um einen allgemeinen Protest gegen die Aus­lieferungsforderung und die erzwungene Verletzung des international anerkannten Asyl­rechts zu veranlaffen. Ein solcher Schritt, bei dem anch wohl Schweden zur Teilnahme aufgefordert wird, erscheine wohlüberlegt; er könnte vielleicht die Ein­leitung zu einem gemeinsamen Vorgehen der Neutralen auch in anderen Fragen werden.

Das ÄsMch-hvllmrdffche AbkoMMsrr.

Bereits dieser Tage berichteten wir über ein deut­sches Abkommen mit Holland. Diese Nachricht wird jetzt von holländischer amtlicher Seite bestätigt.

Das Korr.-Bureau meldet ans dem Haag: Das niederländische Ministerium des Aeußeren teilt mit: Zwischen den Bevollmächtigten der niederländischen und deutschen Regierung ist eine Uebereinstimmung bezüglich der ihren Regierungen zu unterbreitenden Vereinbarung betreffend der Deutschland zu ge­währenden Kredits und der Einfuhr von Steinkohle erreicht worden. Die Niederlande ge­währen Deutschland einen Kredit von 200 Mill. Gulden, ablösbar spätestens in 10 Jahren. Von diesem Kredit sind 60 Millionen für den Ankauf in den Niederlanden von Lebens Mitteln nieder­ländischen oder niederländisch-indijchen Ursprungs. Der Betrag von 140 Millionen dient zum Ankauf von Rohstoffen und chat den Charakter eines erneuert baren Kredits. Deutschland verpflichtet sich seinerseits zur vierjährigen Fortsetzung seiner Kohlen- l i e f e r u n g e n, zu denen es sich im Koblenab- kommen, das bis 31. Dezember 1919 in Kraft war, verpflichtet hat. Außerdem ist eine befriedigende Regelung über die Ausbeutung der in unmittelbarer Nähe der limburgisch-beutschen Grenze gelegenen Kohlen­bergwerke, die sich bereits in den Händen von nieder ländischen Gesellschaften befinden, erreicht worden. Die getroffenen Vereinbarungen müssen eventuell von den GenerMaaten aeneamtot werden.

Amerika Zwö Sie NöriafragS.

WB. New Aork, 22. Jannar.

Der Korrespondent derAssociated Preß" in Washington telegraphiert: Von offizieller Seite wird erklärt, daß die Haltung der Vereinigten Staaten hinsichtlich der A d r i a f r a g e feit der Erklärung Wilsons in Paris keine Aenderung erfahren habe. Man beabsichtige, sich streng an die Ausführung der ersten Bedingungen des abgeschlossenen Abkommens über die Verwirklichung der jugoslawischen Forderungen zn halten unter Billigung der italienischen Ansprüche hinsichtlich des Gebietes längs der Adria. Es wird erklärt, daß der Präsident und die Mitglieder des Obersten Rates in Paris, die sich mit dieser Frage befassen, über die amerikanische These tvohl unterrichtet sind und daß bis jetzt das amerikanische »Staats« departement noch keine Gegenvorschläge übermittelt hat, die hinsichtlich der Fiumer Frage anzubringende Aenderungen Vorsätzen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß die amerikanische Regierung einer Lösung zu­stimmen werde, die im Widerspruch stände mr amerika­nischen These und falls doch eine solche Lösung gesucht würde, müßte sie ebentlieh ohne die Mitwirkung der Vereinigten Staaten erfolgen.

MillerMds Programm.

WB. Paris, 22. Jan.

Nach der ministeriellen Erklärung, die heute nach­mittag in der Kammer und im Senat verlesen wurde, sagte Mllerand nach der Ehrung für Clemencean, daß 'die f-Epoche der. Opfer und Einschränkungen noch nicht vorüber fei. Die Bürgerpflichten ließen sich znm größten Teil in die Vier Worte zusammen­fassen : Mehr hervorbringen, weniger verbrauchen. Millerand sagte weiter, daß er eine Darstellung geben werde, der Mittel und Wege zur Herstellung des Gleichgewichts im Suhlet und zur Amorüfieruno der Staatsschuld. Man werde alles Steuerbare erfassen. Den Arbeiter muffe der gerechte Anteil an dem Ge­lingen und ebenso an der Organisation der Arbeit Mchert werden. Dirk Se^ng aus den Völkerbund er­klärte der PräsidM, daß man W Vertrauen zum Völkerbund haben könne, daß er dazu angetan sei, die Wiederkehr eines solchen Krieges zu vermeiden.

Die ArrssÄhrnna des Bersarül-r Friedrns- vrrtrsges ist« unS Gesetz

und wir werden sie ohne Gewalttätigkeit, aber auch ohne Schwäche, mit Entschloffenheit und Standhaftiakeit verfolgen. Sie schließt in sich die en^e und freundschaftliche Aufrechterhaltung der Bund- riffe, die die Welt gerettet haben. , Wenn wir unsere Alliierten nicht gehabt hätten, diejenigen, die in der ersten Stunde sich zu uns gesellten, und diejenigen, die in letzter Stunde kamen was für Prüfungen wären über uns gekommen! Getreu ihren Ueber­lieferungen wird die Republik mit besonderer Sorgfalt Beziehungen vertrauensvoller Freundschaft mit den kleinen Mächten unterhalten. Die Tugenden, die das Volk an der Front und im Hinterland »entwickelt hat, erlauben nicht, wenn man nicht ungerecht sein will, anzunenm-n, daß man in seine Zukunft Zweifel setzen muß; sie erheischen und rechtfertigen den wohlüber­legten Optimismus, der uns beseelt.

" Millerad erklärt schließlich, daß er im Ausgang der Wahlen een Willen des Landes erblicke, die Enigkeit aller Republikaner unter Anz- schluß von Gewalttätigkeiten mögen sie kommen, woher sie wollen zur Verteidigung und znm Wohl des Vaterlandes aufrechtznrrtzalten. Er appellierte an das Parlament, Zeugnis abzulegen von dieser Be­harrlichkeit, und schloß mit dem Aufruf: Auf zur Arbeit für Frankreich uxd die Republik!

Ein Vevtrauensvotnm.

Die Kammer hat dem Ministerium Milleranb in einer Tagesordnung, die die Ernennung des Ministers des Innern billigte, mit 272 Stimmen gegen 23 bei 300 Enthaltungen ihr Vertrauen ausgesprochen.

23000 ArbTZlsr-Kün-lgunAe» in WsxM.

fn Berlin, 23. Jan. (Priv.-Meld.)

In Berlin sind infolge Kohlenmangels für die kommende Woche nach Mitteilung von Arbeitgeberseite 23000 Arbeiter-Kündigungen erfolgt.

PrsuWche SanHesVLrsaMMlnnZ. TcucrnngsLttlage für Beamte, Düngemittel für die Landwirtschaft.

Berlin, 22. Jan.

Die Gesetzentwürfe zur Unterbringung von Be­amten aus den abgetretenen und besetzten Gebieten und zur Erweiterung des Fischereihafens Geste- münde gehen an Ausschüsse.

Die Vorlage zur Bewilligung werterer Staats­mittel zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse staatlicher Arbeiter und geringbesoldettr Staatsbe- amter wird in erster und zweiter Lesung ange- nommcn. Es folgt die erste und zweite Beratung des Gesetzes zur Niederschlagung vonUniersuchungen. Hiernach sollen solche gerichtliche Untersuchungen, die infolge der bestehenden Verhältnisse des Krieges mindestens seit dem 1. März 1917 schweben, im Wege der Gnade niedergeschlagen werden können. Der Entwurf wird angenommen.

Es folgt die Beratung des Antrages Hergt sD.-Ratlh und von Kraus e (DL Vpt.) auf Ein­setzung eines Ausschusses zur Bearbeitung der Veialbungefragen. In Verbindung damit die Beratung eines Antrages des Finanzministers auf ZujümmunL zur Zahiuaa einer

lSvprozsntigen Teuerungszulage a« Beam/ und LohnangesteDe höherer Ordnung und anderer Aufbeffsrungsanttäge.

Berichterstatter Dr. Fatzbender empfiehlt einen Altsschutzantrag auf Bewilligung von Mitteln zur Verlegung der landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin und der Gleichstellung der tierärztlichen Professoren mit den Universitätsprofessoren.

Finanzminister Dr. Südetum: Der Staat muß sich ein pflichttreues, tüchtiges und unbestech­liches Beamtentum zu erhalten suchen. Die De- soldungsreform ist in voller Arbeit. Ministerielle Konferenzen werden demnächst stattfinden, sodatz die Reform am 1. April 1920 in Kraft treten kann. Die jetzt vorgeschlagene Erhöhung der Teuerungs- zuschläge von 150 %> ergibt sich als notwendige Folge der gleichzeitigen Erhöhung im Reich, und sie ist erforderlich geworden durch die starke, neuer- liche Verteuerung der Lebenshaltung. Die indi­viduelle Arbeit aber mutz ebenfalls gesteigert werden. Die Wirtschaft mutz planvoller werden. Auch die Einfuhr von Luxusartikeln mutz aufhören, für die viele Milliarden ins Ausland gegangen sind. Wenn nicht das ganze Volk zur Besinnung kommt, steht unsere Versorgung in grötzter Gefahr. Im Kriege ist nicht annähernd so viel gehamstert worden wie jetzt, und zwar zu den unsinnigsten Preisen. Wenn Deutschland sich nicht schnell mit allem Ernst aus seine Arbeitskräfte besinnt, werden wir bald da stehen, wo heute Wien ist. Abg. Krug (Zentrh Wir begrüßen es, daß auch die Pensionsverhält- nisse neu geregelt werden sollen; denn jetzt ist die Lage der Pensionäre äußerst traurig. Dem Antrag des Ministers stimmen wir zu. Abg. Müller- Hannover sSozch Wir müssen uns einen arbeits- freudigen Beamtenstand erhaten. Wir stimmendem Antrag daher zu. In der Beamtenfrage mutz es heißen: Nicht lange reden, sondern handeln. Abg. Schmidt- Stettin (D.-Natl.). Wtt bedauern, datz der Ausschutz zur Vorbereitung der Beamten- besoldungsreform erst einmal zusammengetreten in. Der großen Not der Beamten muß jetzt schleunigst abgeholfe« werden. Wir begrüßen aljs Sch:^. auf diesem Wege. .

Finanzminister Dr. Südekum: Durch einen Vertrauensbruch sind die noch gar nicht festgesetzten Sätze der Besoldungsreform nicht nur in Preußen, sondern auch in anderen Länderen des Reichs be­kannt geworden. Dadurch ist zum Teil Bedauern, zum Teil Freude ausgelöst worden, zu der noch kein Anlaß gegeben ist. Ich kann nur wünschen, datz die Beamtenvertreter sich bei ihren Verhand­lungen die erforderliche Zurückhaltung auferlegen, sonst wird es der Regierung erschwert, ihr liberales Entgegenkommen weiter zu üben. Abg. Meyer- Herford sD. $pt.): Die deutsche Produktion muß endlich mit voller Kraft wieder einietzen, sonst würden die Sätze der Besoldungsreform durch die Preissteigerung aller Bedarfsartikel in wenigen Wochen wieder überholt. Abg. B art e l fDem.): Die Forderungen des Beamtenbundes haben sich in iehr maßvollen Grenzen gehalten, wie denn über­haupt die Beamten von jeher eine falsche Scham an den Tag legten. Jetzt kommt ihnen die Not über den Kopf. Die Ausbesserung der Gehalte, muß in jeder Weise beschleunigt werden. Abg. Mulfedange <D.-Hann.): Auch wir sind mit der Erhöhung der Teuerungszulagen einverstanden.

Der Antrag des Finanzministers wird ein* stimmig angenommen, ebenso der Antrag Hergt. Dem zu bildenden Ausschuß werden die übrigen Anträge überwiesen. _

Es folgt die förmliche Anfrage Held (D. 23.) über

Anschaffung vr>n Stickstoff und Kali für dU Landwirtschaft.

In Verbindung damit steht die Beratung von Am trägen der Deutsch-Nationalen auf Aufhebung bei Zwangswirtschaft in Ost- und Westpreußen und auf Beseitigung der Zwangswirtschaft für Zucker, ferne, der Antrag Herold (Ztr.) betr. Beschaffung von Saatkartoffeln und Verbesserung der Erzeugerpreise für Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben..

Abg. Held lD. V.l begründet die Anfrage. Wenn nicht bis zum Frühjahr eine ausreichende Versorgung der Landwirtschaft mit Stickstoff und Kali erfolgt, ist eine Hungersnot unausblelbum. Dieselbe kann erfolgen, wenn für die Stickstoff- und Kalierzeugung nur 3/. der Kohlen- und 5°/. der Koksförderung gerechnet wird. .

Unterstaatssekretär Ramm: Der Kalundustne werden soviel Kohlen zugewiesen, daß wir wieder eine stärkere Belieferung der Landwirtschaft mit Kali erhoffen dürfen. Bei Phosphat fehlen uns die Rohprodukte. Wir hoffen, daß eine stärkere ^Abg.'^ te r (Ztr.): Die Preise für betreibt Kartoffeln und Zuckerrüben muffen so gebessert werden, daß einem Rückgang in der Erzeugung entaeqengewirkt wird. Nur durch Erhöhung der Erzeugung läßt sich die Volksernährung sichern. Ferner müssen den Landwirten hinreichend Saat­kartoffeln gelassen werden. Unterftaats;enetai Ramm teilt mit, datz die in den Fabriken nom vorhandenen Stickstoffbestände schleunigst abtrans- portiert werden sollen. , , . ,

Die Verhandlung wird darauf abgebwa)en. Es wird noch eine Reihe von Bittschriften erledigt. Freitag 12 Uhr: Kleine Anfragen, förmliche An- frage wegen der an die Entente abzultefernden Milchkühe, Fortsetzung der heute abgebrochenen Verhandlung. Der Antrag der Unabhängigen, die Frage der Aufhebung des Belagerungszustanoes auf die laaesorimuna m Wtt wo» ahselWu^