Sanauer K Anzeiger
Gmeral-Anzeiger
AmMches Organ für Statt- mS Landkreis Lana«
Erschein! täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage
Verlagsleitung: Ad. Jndermüble.
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W. Moritz; für Anzeigen und rodt. alle in Hanau a. M. _________ .Saisenhausbuchdruckerei Hana« Fernsprechanschlüfle Nr. 1237 und 1238
Reklamen A. 5 Rotationsdruckd.
Nr. 18 Donnerstag den 22. Januar 1920
Das Neueste.
Die Untersuchung des Eisenbahnunglücks bei Schneidemühl hat ergeben, daß es sich um ein Attentat handelt, wahrscheinlich zur Aus- mbung des Zuges.
Der österreichische Finanzminister Dr. Reich machte in der Nationalversammlung Mitteilung über eine 70 Millionen Dollar-Anleihe für Oesterreich in den Vereinigten Staaten.
Clemenceau hat sich vom Obersten Rat verabschiedet.
Kaiser Wilhelm n. hat gestern gegen seine Auslieferung einen schriftlichen Protest dem Zustiz-Departement überreichen lassen.
Wieder eine SowjetuKraine.
'(Von unserem russischen Mitarbeiter.)
Durch die Vertreibung der letzten Reste der russischen Foeiwilligencrrmee und durch die Be- schung des Ufergebietes am Schwarzen Meer sind >ie großrussischen Bolschewisten wiederum die Herren der gesamten Ukraine geworden und haben im Südwesten des von ihnen besetzten Gebietes nur noch die Polen und die Rumänen als Front- Mler. In Podolien und Wolhynien stehen überdies noch einzelne ukrainisch-nationale Abteilungen. die aber zu schwach sind, um den Bolsche- hriften erfolgreich Widerstand zu leisten. Außerdem üud einzelne Gebiete im Innern der Ukraine in »er Hand von ukrainischen Aufständischen, die
iedoch von den Bolschewisten geduldet werden.
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Zu bemerken ist, daß in diesem Ministerium auch Sozialdemokraten mvd Sozialrevolutionäre sitzen und daß das gesamte Ministerium den Standpunkt der staatlichen ukrainischen Unabhängigkeit vertritt. Die Moskauer Bolschewisten haben ohne weiteres die ukrainische Selbständigkeit anerkannt M bezüglich der Ukraine wenigstens vorläufig ruf die Durchführung wichtiger Programmpunkte, namentlich auf K o m m u n i s i e r u n g des Bodensverzichtei. In diesem Punkte folgen sie den Erfahrungen, die sie in Groß-Ruß- land gemacht haben. Denn auch dort ist die konr- »mnistische Bewirtschaftung des Bodens fallen klaffen worden. Dieser Umstand erklärt es auch, warum die großrussischen Bauern bereitwilligst in me Rote Armee eingetreten sind und in tapferer Weise alle Feinde der russischen Sowjetrepublik bekämpfen.' Sie verteidigen nämlich den Boden, ihnen zur freien Bewirtschaftung überlassen wurde und haben darum ein Interesse, die Gegen- kedolntion nicht aufkommen zu lassen, die ihnen die Nutznießung der zahlreichen von den Bolsche- wlstm überlassenen Ländereien entziehen würde.
der Ukraine schlagen die Bolschewisten einen M mehr nach rechts führenden Weg ein. Nicht daß sie die Privatwirtschaft der einzelnen Bauern Nicht antasten — sie dulden auch stillschweigend, daß das Privateigentum beibehalten werde. Das M allerdings kein Bolschewismus mehr, sondern
Auffassung der Sozialrevolutionäre. Damit ist aber auch der bolschewistische Charakter der Zecher Regierung aufgehoben und der Weg be- 'chntten, der zu einem vollen Ausbau der ukrai- alsthen selbständigen Staatlichkeit auf Grundlage von den meisten ukrainischen Nationalregie- da^ea vertretenen Programms führt. Bemexkens- W ist, daß der neu-bolschewistische Kurs in der unaine die Tätigkeit des ungeheuren Netzes von tianrischen Genossenschaften fördert- Diese Ge- vstenfchaftsbewegung basiert jedoch auf der Pri- a-winschaft und kann sich im Laufe der Zeit, ^ sie die Mehrheit des ukrainischen Volkes um- sollte, im besten Falle zu einem staatskapita- Instrument entwickeln. Immerhin ist . T Genosienschaftsbewogung nicht kommunistisch kühn in ihrer gesamten Entwickelung auch .Mzum Kommunismus. DieseBewegung
Vielmehr durchaus nationaler Art & ® ^v Erstarken ist zu gleicher Zeit ein Er- bu des national-ukrainischen Bewußtseins M der ukrainischen Staatlichkeit.
ist allerdings fraglich, ob die Bolschewisten JM^ der Ukraine dieses Prinzip der Duldung L? s^ner beobachten werden. Möglicherweise ki° fik segenwärtig gegenüber den ukrainischen . Sichtungen nur darum tolerant, weil sie Zeit tz?f"uen wollen, um ihre Herrschaft in diesem zu befestigen und erst nachher im Interesse teil? -Programms und ihres trotz aller gegcn- |J®! Versicherungen vorhandenen großrussi- L Imperialismus die ukrainische Selbständig- dir.,"iifzuheben und die Bestätigung des ukrai- dl^r.ss^onalismuö auf rein kulturelle Gebiete - ^bichränken, Die national-ukramilL«» Poli
tiker, die gegenwärtig gemeinsam mit dem Bolschewismus arbeiten, scheinen übrigens eine ähnliche reservati omentalis zu beobachten. Sie fügen sich scheinbar den bolschewistischen Wünschen und bauen mittlerweile den ukrainischen Staat aus, um dann die Vormundschaft der Moskauer abzu- schütteln. Die nächsten Monate werden zeigen, wer in diesem Spiele der betrogene Betrüger war. Im übrigen aber ist es zweifellos, daß letzten Endes doch die Politik der ukrainischen Selbständigkeit, die in erster Linie die Interessen des kleinen Bauern wahrnimmt, den Sieg davontragen wird.
Zum Schneidemühler SHenbahurmglÄM.
Ein Attentat zur Beraubung des Zuges.
Die Untersuchung des Eisenbahnunglücks bei Schneidemühl hat ergeben, daß es sich um ein A t t e rft a t handelt; man hat die Schienen- schnallen unter dem entgleisten Güterzug kunstgerecht gelöst vorgefunden. Durch die Entgleisung des Güterzuges war das Nachbacgleis der Fern- strecke vollkommen gesperrt und, da es nicht gelang, den D-Zug rechtzeitig von dem Unglück zu benachrichtigen, so wurde der Zusammenstoß unvermeidlich. Alles weist darauf hin, daß eine Beraubung des Zuges beabsichtigt war. Jedenfalls hat eine Räuberbande nach dem Muster „Wild-West" die Schienen gelockert, um den Güterzug zur Entgleisung zu bringen und dann die Wagen zu berauben. Ihr Anschlag mißlang deshalb, weil sie von dem Eintveffen des Vorzuges zum D-Zuge nichts wußte. Aber gerade dadurch ist die Katastrophe noch furchtbarer geworden. In der letzten Zeit hat es sich bereits
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Folgen, wie in diesem Falle, begleitet waren, verübt wurden. Der letzte Fall mag für alle Behörden eine ernste Mahnung sein, dieses immer kühner und gewalttätiger auftretende Räuberunwesen mit der rücksichtslose st en Strenge zu bekämpfen.
Die Eisenbahndirektion Berlin-Ost setzt für die Ermittelung des oder der Täter des verbrecherischen Eisenbahnanschlages bei Schneidemühl eine Belohnung von 25 000 Mark aus.
Ankunft von Kriegsgefangenen.
WB. Berlin, 21. Januar.
Heute morgen gegen 6 Uhr traf der erste Zug mit 1000 Kriegsgefangenen aus Frankreich in Herbesthal ein. Kurz darauf folgte ein zweiter Zug mit 1000 Kriegsgefangenen. Ein dritter Zug ist im Anrollen und wird vier Stunden später erwartet. Der erste Zug kam aus Lille, der zweite aus Noyon, der dritte kommt aus Albert. Die nächsten zwölf Züge bringen Gefangene aus den verschiedensten Lagern Ostfrankreichs. — Der „V. Z." zufolge fand nur ein stiller Empfang durch freundliche Helferinnen des Roten Kreuzes statt. Die französischen Besatzungsbehörden hatten jeden offiziellen Empfang verboten.
fn Berlin, 22. Jan. (Privat-Meld.)
Die bis 25. Januar anrollenden Gefangenenzüge bringen lediglich Kriegsgefangene für das besetzte Gebiet. Erst vom 25. Januar ab werden Gefangene im rechtsrheinischen Gebiet eintreffen. (Hoffentlich wirds endlich wahr!)
Die Friedenskonferenz.
WB. Paris, 21. Januar.
Nach dem „Petit Parisien" besprach der Oberste Rat in seiner Sitzung von gestern bormittag verschiedene Fragen, darunter auch 563 russischcPro- b I e nt. Für den Präsidenten Wilson wurden die Ergebnisse des vorangegangenen Meinungsaustausches in diesen Fragen zusammengestellt. Bezüglich der von Deutschland auszuliefernden Schuldigen wurde eine Herabsetzung der Listen nicht mehr vorgenommen; die von Frankreich und Belgien einge- reichten Listen wurden vollständig genehmigt. Der Rat wurde damit betraut, die Listen Deutschland bald- inöglichst zu notifizieren. — Gestern abend nahm der Rat die Antwort der j u g o - s l a w i s ch e u Regierung znr Kenntnis, die so gut wie ablehnend ist. Lloyd George und Clemenceau haben die jugo-flawischen Delegierten nochmals aufgefordert, die von Italien vorgeschlagene Lösung anzunehmen, wo rauf die Delegierten zusicherten, nochmals mit Belgrad in Verbindung zu treten; sie hoffen in vier Tagen eine weitere Antwort übermitteln zu können.
I«, einer heutigen VormittagSsitzung wird sich der Rat mit der Frage beschäftigen, in welcher Form die zukünftigen Konferenzen abgebatten werden sollen. Wahrscheinlich wird neben einer Botschafterkonferenz, auf der Frankreich durch Palsologue vertreten sein dürfte, auch eine Konferenz der R e gierungs- Häupter für die Fragen der bisherigen Friedenskonferenz zuständig sein, die allerdings nur zeitweilig in London oder Paris zuseimmcutreten werd. Die Botschafterkonferenz dürfte bei allem die Frage deS LriedcnSvertraa« mit tat Türkei u reaelo haben.
Sollte es aber bei dem System der Friedensdelegatio- nen bleiben, dann werden als französische Delegierten genannt: M i l l e r a n d», Julis C a m b o n, Han- delSminister Jsaac und der obengenannte P al^o- l o g u e, Generalsekretär beim Ministerium des Aeußern.
ClemeneeattS Abschied.
Nach Beendigung der Sitzung der Obersten Rate? verabschiedeten sich dessen Mitglieder im Beisein von Millerand. Lloyd George, Nitti, Natsui und Walace von Cleiu-neeau. Sie sprachen dem Scheidenden ihr Bedauern aus, daß sie die Arbeit mit ihm nicht gemeinsam fortsetzen können. Auch Millerand drückte namens der französischen Regierung Clemenceau seine Anerkennung für die geleistete Arbeit aus. Clemeu- ceau seinerseits erwiderte in einer langen Rede: Alle Mitglieder der Friedenskonferenz hätten das, was sie als das Interesse ihres Vaterlandes angesehen hätten, gut verteidigt, jedoch habe man niemals außer acht gelassen die Notwendigkeit eines gemeinsamen Einverständnisses. Wenn England, Amerika, Italien und Frankreich vereinigt blieben, dann fei dies eine Garantie für den Frieden, die alle Sicherheiten überbiete, die «an aufs Papier schreiben könne. Wenn diese Nationen sich eines Tages trennen sollten, dann wage er nicht das Unglück vorauSzusagen, das daraus ent-
stehen werde.
Gegner des
Der „Temps'
Ministeriums Millerand.
WB. Paris, 22. Januar, ist mit der politischen Zusammen
setzung des Ministeriums Millerand nicht einverstanden. Die parlamentarischen Kreise und vielleicht auch da? Land feien etwas erstaunt. 12 Portefeuilles von 21 seien den radikalen oder republikanischen Sozialisten übertragen worden, nur sieben an Linksrepublikaner und je ein Portefeuille an die Progressisten und Liberalen. Sei das eine Widerspiegelung der Kaininer, wie sie aus den Wahlen vom 16. November 1919 hervorgegangen sei? Jntransigeant sagt, das Ministerium Millerand enthalte außer seinem Chef keine rohe Kraft. Deshalb habe es auch in den politischen
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_____________ ___ ________________ des Innern an Herrn Steeg hätte zum Teil die schlechte Aufnahme gerechtfertigt. Auch die ßiberte wirft Millerand vor. er habe zu sehr den Narteieinflüssen und den Einflüssen der Wandelgänge der Parlamente nachgegeben.
Eine Anleihs für OsftLrrsich.
Bei der ersten Lesung der Vorlage betreffend die große Vermögensabgabe in der österreichischen Nationalversammlung erklärte der Staatssekretär für Finanzen Dr. Reich, er habe von Vertreter des Handelsamtes der Vereinigten Staaten die Mitteilung erhalten, daß der Staatssekretär dem Kongreß eine Vorlage unterbreite über eine Anleihe von 70 Millionen Dollar für Oesterreich.
Das AusliLferrmgsbegehrsn.
Eine zweite Note.
= Basel, 21. Jan.
Die Agentur Havas meldet: Eine zweite Note der Alliierten ist an Holland abgegangen. Die Alliierten teilen darin Holland mit, daß das Mandat znr Uebernahme des zur Auslieferung geforderten früheren deutschen Kaisers an England übertragen wurde- Weiter meldet HavaS, daß eine Note der Alliierten an Deutschland unmittelbar bevorstehe, in der die Unterstützung der deutschen Regierung in der Aus- lieferungsforderung bei Holland beansprucht wird.
Die Presseinformation berichtet aus Paris:
Die Sniiierten haben beschlossen, eine Anzabl Agenten in Deutschland zu beauftragen, die ihnen übergebenen Abzüge der Anklageschrift gegen die angelchuldigten und ans^uliefernden Deutschen in weiten Kreisen der deutschen Presse und auch in jeder Form zu verbreiten. Die Anklageschrift soll in deutscher Sprache in über einer Millionen Exenchlaren gedruckt und im besetzten Gebiet, in Usaß-Lothringen und auch im unbesetzten Deutschland verbreitet werden.
(Auf diese Weise also will die Entente das Volk gewinnen, um die anszuliefernden Personen als Verbrecher zu stempeln. Hoffentlich weiß das deutsche Volk den Agenten die richtige Antwort zu geben.)
Protest des Kaisers.
fn. Rotterdam, 22. Jan, (Priv.-Meld.)
Die „Times" meldet aus Paris, daß die alliierten Vertreter in der Montagssitzung sich über Zwangsmaßnahmen für eine Auslieferung Kaiser Wilhelm II, schlüssig geworden sind. „Daily Mail" meldet aus dem Haag: Der Justizminister weilte am Dienstag in Amerongen. Der Kaiser hat gestern gegen seine Auslieferung einen schriftlichen Protest dem Justiz-De- partement überreichen lassen.
Aufssr-erung zum Verbrechen nnch § 103.
fn. Vttli«, 22. Jan. (Privat-Meldung.)
Gegen die in Berlin verhafteten Führer und Mitglieder beS radikalen Flügels der Unabhängigen Partei ist gestern die Voruntersuchung wegen Aufforderung zum Verbrechen nach § 105 des Reichs- strafgesetzbuches eröffnet worden. Die erste Vernelynung der Beschuldigten bat gestern durch den Untersuchungsrichter stetiges außen, (8 105 besagt u. a.: Wer es »— -- k.u
unternimmt eine gejetaebend« Veriaurmlung deslftuMbar- Es ist daher dankbar Lu in e,Riffen, b^
Reiches auseinander zu sprengen, zur Fassung oder Unterlassung von Beschlüssen zu nSligen, wird mit Zuchthaus nicht unter fünf Jahren bestraft.)
Gewaltakt gegen einen Redakteur.
DDP. Berlin, 22. Januar.
Der Geschäftsführer der sozialdemokratischen „Niederbaherischen Volkswacht" sandte dem „Vorwärts" ein Telegramm, in dem es heißt: Montag mittag %12 Uhr erschien in unserer Redaktion der Reichswehrleutnant und Wirtschafts- Offizier Brand in Begleitung dreier Militärs und einer Zivilperson und forderte von unserem Redakteur Selmayr in brutalem Ton Rechenschaft über eine in unserer „Niederbayerischen Volks- wacht" enthaltene lokale Notiz. Nachdem der Redakteur den Offizier darauf aufmerksam gemacht hatte, daß er sich des Hausfriedensbruches schuldig mache, zog er eine geflochtene Hundepeitsche unter dem Mantel hervor und schlug damit wütend auf unseren Redakteur ein. AIs es unserem Redakteur gelungen war, sich zu befreien und seinen an der Wand hängenden Revolver zu ergreifen, um sich mit diesem vor weiteren Tätlichkeiten des Offiziers zu schützen, zog einer der im Zimmer anwesenden Militärmann- schaften ebenfalls den Revolver und zielte auf den Redakteur. Die anderen im Zimmer anwesenden Personen verhielten sich neutral. Ein Militarist mußte vor dem Redaktionszimmer Wache stehen. Erst als der Hausbesitzer erschien, verließ Leutnant Brand mit seinen Helfershelfern das Re- dattionslokal.
Prerchifchs LanössvsrfamMMng.
Berlin, 21. Januar.
Vizepräsident Dr- Dorsch eröffnet bit Sitzung mit folgender Ansprache:
Der jetzt in Kraft getretene grausame Frie- densvertrag reißt, unter völliger Mißachtung des Selbstbestimmungsrechts der Völker, weite Gebiete mit rein deutscher Bevölkerung von Preußen los, die in jahrhundertelanger Zugehörigkeit zu unserem Lande auf eine hohe Stufe der Kultur gehoben worden sind. Mit tiefster Trauer nimmt die Land^esverfammlung von der vollzogenen Trennung Kenntnis. Aber die deutfche Stmn- meszugehörigkeit, die deutsche Kultur, der deutsche Geist und tue deutsche Sprache, diese Gemeinsamkeit wird auch durch grausame Gewalt nicht zec- stört werden können. Wir geloben ihnen Treue für immer und hoffen, daß auch sie ihrem Deutschtum die Treue halten werden. Wir bertrauen, daß die Gerechtigkeit der Welt uns mit ihnen wieder bereinigen wird. (Brausender Beisall auf allen Seiten des Hauses, das sich während der Ansprache des Präsidenten von den Sitzen erhoben hat.
Abg. Hoffmann (U. Soz.): Auch die Fraktion der unabhängigen Sozialdemokratie bedauert die Loslosung deutschen Landes- Der Friede von Versailles ist ein Gewaltfriede und verweigert den Völkern das Selbstbesttmmungs- recht; deshalb verlangen auch wir eine Revision. Wir erwarten sie nicht durch einen neuen Krieg, wir erwarten aber, daß die Völker das SelW- bestimmungsvocht aus den Händen der internationalen Sozialdemokratie erhalten werden; sie wird dec Gerechtigkeit der Welt den Sieg verleihen.
Zur Beratung steht ein Antrag der Regie r u n g, sie zu ermächtigen,
den Ueberschweimnungsgebieten im Westen weitestgehende Hilft
zu gewähren und die hierfür erforderlichen Gelder vorläufig aus bereiten Mitteln zur Verfügung zu stellen.
Ministerpräsident Hirsch: Ich danke bet# Präsidenten, daß er diesen Antrag zuerst auf die Tagesordnung gesetzt hat. Der Anttag bezweckt eine sofortige Staatshilfsaktion für die durch Hochwasser geschädigten Gebiete. Die Ueber» schwemmungen im Rheinland haben unübersehbare Schäden an lebendem und totem Eigentum der Einwohner zur Folge gehabt. Die ärmere Bevölkerung wird besonders hart betroffen. Zur Linderung der Not hat die Regierung 125 000 Mark zuc Verfügung gestellt. Diese Summe reicht jedoch bei weitem nicht aus. Wie hoch sie fein muß, läßt sich noch gar nicht festftellen- Die Regierung wird den Höchstbetrag nach Abschluß der' Ermittelungen feftfteüen. Das von dem Unglück betroffene Gebiet liegt zum größten Teil in der besetzten Zone. Es ist also doppelt geboten, diesen schon von dem Waffenstillstand und den Friedensverhandlungen besonders hatt betreffe> nen Bezirken jede mögliche Hilfe zu bringe"
(Beifall.) m c
Abg. Schilling (Ztr.): Die Veoheerun. gen des Hochwassers im rheinischen Gebiet sind