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Sauauer K Anzeiger

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AmMches Organ für Sucht- und Landkrers Sana» ^S?LLKn»^

Fernsvrechanichlüne Nr. und 1238 Erschsln! täglich mit Ausnahme LeeGonn- und Feiertage -------------------------------------------

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9tr?8 Samstag den 1®. Januar 1920

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble. Verantwortlich: für politischen und allgen TeilRich. Hultsch^für lokalen und proviw Teil sowie Sport W. Moritz; für Anzeige Reklamen A. Brodt, alle in Hanau a. Rotationsdruckd.Waisenhausbuchdruckerei 1 Fernsprechaulchlüffe Nr. 1237 und 123

Das Neueste.

Der Austausch der R atifikationsruktmden er­folgt heute nachmittag 4 Uhr im Pariser Mini- tzrrium des Aeußern.

Der schweizerische Bundespräsident wird an tot Obersten Rat eine Note richten, in der die Schweiz die Festlegung der Anerkennung der Neuttalität innerhalb He§ Völkerbundes fordern vitd-

Die Eisenbahnerbewegung tot Reich nimmt ihren Fortgang. Weitere Bezirke haben den Streik erklärt. In Frankfurt wurde von dem tartigett Eiftn^hndirÄtionspräfidenien be- kanntgegeben, daß der künftige Stundenlohnsatz für einen gelernten Arbeiter 350 Mark beträgt.

Me Streikbewegung der VersicherungSange- stellten dauert an. Ja BerAn tottobe von dem SchlichtungSausschuß ein Schiedsspruch ange- ,rammen, gegen das die Arbeitgeber protestieren. Der GewerkschaftSbund der Angestellten hat an die Arbeitgeber ehr Ultimatum gerichtet, das be­reits gestern abend abgelaufen ist.

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An der Schwelle des Friedens.

soll nach dem Willen der Entente mit dem Aus­tausch der Fttedensurkunden am heuttgen Nach­mittag endlich sein Ende finden. Im Pattser ^MEerimn des Auswärtigen, in demselben ^Wjfn dem im Jahre 1856 die Umetgetamung des Pattser FriHens stattfand, die dem Krim­krieg ein Ende machte, soll der Austausch der Rattsikattonsurkunden und die Aitterzeichnung des Schlußprotokolls erfolgen. Die Zeremonie des Austausches ist festgesetzt und gleich nach dem Inkrafttreten des Friedens, vielleicht schon morgen, wird Frankreich die diplomattschen Beziehungen zu Deutschland wieder aufnehmen, hier und dort regt es sich tot Volke wie ver­haltener Jubel. Das ist ehrenvoll für unser Volk, aber töricht. Ehrenvoll, well unser Volk

rmter das Protokoll von Versailles der Schmach- und Gewattftteden fich wie ein Sklavenjoch auf unseren Nacken senkt. Es folgt die Aera derWiedergutmachung", die Zeit der Fremd­herrschaft für Deutschland. Der Frieden, der heute geschloffen werden soll, ist der Ftteden der (Bemalt, der Frieden unter Protest, der als nationales Unglück über uns kommt. Unser Pwtest gilt solange wie dieser Frieden der Ver- gewalttgung wahrt, bis dem deutschen Volke endllch sein Recht geworden ist. An dem Heuttgen Tage der nationalen Trauer, dem schwärzesten Tage unserer Geschichte, wollen wir die große und letzte Hoffnung unserer Nation mit der erzwungenen Unterschrift unter den Gewaltatt von Versailles aufttchten als ein Vermächtnis für unsere Kinder und Kindeskinder. Unsere Unterschrift unter das Schlußprotokoll gilt dem Frieden, unser Protest aber unserem ewigem Recht. Wenn auch der Protest in das Protokoll ncht mit ausgenommen werden konnte, so besteht er doch ein gewaltiger Protest von '0 Millionen Deutschen. Kein Spiel ist's was wn treiben, sondern furchtbarer blutiger Ernst, den die Welt einst glauben werden muß.

Der Krieg ist, wenn heute Nachmittag die Ur- "inden ausgetauscht sind, zu Ende. Ein Kanoffa- ^ang, wie ihn niemals ein Volk getan hat, liegt mmer uns. Unsere Feinde stehen am Ende, ^r uns aber bedeutet die Unterschttst unter p ® Unglücksdokument den Anfang. Zwei -cyrsn hat die Not in unsere Herzen gehämmert, mL wir als die beiden Grundgesetze unseres (atonalen Lebens hochhalten' müssen! Wir , "non zusammen bleiben und müssen mmen arbeiten! Wir geben heute li^ t tonte alles hin, was außerhalb der Seele

- und mehr als das. Eins können sie uns ^ ^t rauben: Die Kraft, die in uns liegt. / Kraft, den Willen zum Leben, znm Arbei- ' ö.wu Aufstehen und Wachsen, können sie JW rauben und den brauchen wir heute wA auszuliefern. Hier sitzt die Quelle M^ Macht. Deutschlands Wiederausrichtung wi-^starkung muß von innen kommen vor hundert Jahren. Die Hoffnung auf !äneisne« Kraft des Kolkes belügt und betrügt Q^°lk. Freilich ist es nötig, daß unser Kn<>^Selbstbesinnung QUf sich selbst und JB^e " kommt an der Sterbegruft unseres

In einer Botschaft, die auf dem Bankett des demo­kratischen NationslauSschuffes in Jackson Bay gestern verlesen wurde, erklärt Präsident Wilson, das ein­zige Mittel zur Feststellung des Willens des ameri­kanischen Volkes hinsichtlich deS Völkerbundes bestehe dann, diesen zum Hauptgegenstand der Seuats- Mmmt an der Sterbegruft unseres wählen zu machen. Der Präsident sagte, daß er sich me M Ol&^ .&ü^ ^x'ictotM i^ Verrat

Unser Schicksal liegt in unserer eigenen Hand. Ein Volk, das sich nicht aufgibt, das leben will, wird leben. Und wir wollen leben! Das geloben wir am heutigen Tage an der Schwelle des Friedens. rh.

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Der Austauschs der KarLftKatisnsurKuuDen.

Die Zeremonie.

WB. Paris, 9. Jan.

HavaS meldet: Morgen (Samstag) 4 Uhr nachmittags findet im Mnisterium des Aeußern die Zeremonie der Unterzeichnung des Protokolls statt, durch welches der Waffenstillstand beendigt wird, sowie der Austausch der Ratifikationen, wodurch endgültig der Friedenszustand zwischen den Alliierten und Deutschland hergestellt wird.

Die Zeremonie wird in zwei Teile zerfallen. Die Vertreter der fünf Mächte werden sich vorher im Kabinett des Ministeriums des Aeußern versammeln. Die Herren von Lersner und von Simson werden hierauf eingeladen, im Namen Deutschlands das Protokoll vom 1. No­vember zu unterzeichnen. Clemenceau wird ihnen sodann ein Schreiben überreichen, durch welches sich die Alliierten verpflichten, dir Ziffer des für die Zerstörung der Flotte von Scapa Flow verlangten Materials herabzusetzen. Der zweite Teil der Zeremonie findet unmittel- Lar im Anschluß daran im Uhrensaal statt. Die 13 Mächte, die den Friedensvertrag ratifiziert haben, werden dabei durch je einen Delegierten vertreten sein; Frankreich wird durch Clemen­ceau, England durch Lloyd George, Italien durch Nitti u. f. f. vertreten. Es wird ein Pro­tokoll aufgestellt, das sich in großen Zügen der Ratifikation des FrMensvertcages, der am 28. Juni 1919 unterzeichnet wurde einerseits (hier folgt die Liste der 26 alltterten Staaten) und andererseits von Deutschland, sowie über folgende Aktenstücke: Das am selben Tage von denselben Mächten unterzeichnete Protokoll, Uebereinkunft vom gleichen Datum zwischen den Vereinigten Staaten, Belgien, dem Britischen Reich, Frankreich und Deutschland betreffend die Besetzung der Rheinlande. Hierauf wird zur Niederlegung der Ratifikation und ihrer Ueberreichung an die Re­gierung der französischen Repub­lik geschritten, damit sie diese in ihren Archiven deponieren kann. Dieses Protokoll wird auf einem Pergament in Quartformat gedruckt sein. Die Bevollmächtigten werden ihre Titel und Unterschriften beifügen. Dieser Austausch der Ratifikationen wird die unverzügliche Wie­deraufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den Alliierten und Deutschland zum Ergebnis haben. Eine andere Folge wird die sofortige H e iWl s ch a f - f u n g der deutschen Kriegsgefange­nen sein. Damit der Austausch der Ratifi- kattonen morgen erfolgen kann, mußte die tech­nische Kommission Lerond-Simson bis morgens 4 Uhr an der Arbeit sein. Die verwaltungstech- nischen und die sich aus der Inkraftsetzung er­gebenden Fragen sind geregelt. Heute nach­mittag muß -noch eine Sitzung der alliierten tech­nischen Sachverständigen über die Auslieferung der deutschen Schuldigen stattfinden.

Ein schwSiZsrische Moke über den Völkerbund.

Bern, 10. Januar. (Priv. Meld.)

Die Note, welche der schweizerische Bundes­rat in einigen Tagen an den Obersten Rat in der Völkerbundsfrage richten wird, dürste, wie derBerner Bund" vernimmt, vor allem den schweizerischen Standpunkt auf Aner­kennung der Neutralität innerhalb des Völker­bundes vertreten und den Obersten Rat ersuchen, die seinerzeit von Clemenceau dem Bundespräst- denten, sowie die vom Obersten House namens des Präsidenten Wilson den schweizerischen De­legierten mündlich gegebenen Zusicherungen auf Anerkennung der Neutralität nunmehr auch klar und bündig festzulegen. Die Note dürfte voraus­sichtlich den bisherigen schweizerischen Stand­punkt in der Frage der Anmeldungsfrist er­läutern.

Die WöLKerbunKsfruge.

WB. Washington, 10. Januar. (HavaS.)

durch sie sagen wolle, wie unzweifelhaft wichtig die Bedeutung des Friedensvertrages sei. Der Präsident fügte hinzu, daß man jedoch den Vertrag nicht neu schreiben könne, und ihn annebmen müsse, ohne daran Aenderungen vorzunehmm, welche die Bedeutung än­dern würden oder ihn ganz fallen lassen müsse. Nach­dem die ganze übrige Welt den Vertrag unterzeichnet habe, würden die Vereinigten Staaten dann der un» ausdenklichen Aufgabe gegenübersiehen, mit Deutsch­land einen Sevaratvertrag zu schließen. Der Präsi­dent sagt voraus, daß, wenn die Vereinigten Staaten dem Völkerbund nicht zustimmen würden, ein neuer Versuch unternommen werden würde, um die neuen Nationen Europas zu unterdrücken. B r y a n stellte sich offen Wilsons Absicht gegenüber, die Völker- bundsfrage zum Gegen st and der Wäh­le n zu machen. Er erklärte, daß die demokratische Partei dar Kompromiß annehmen müsse, da es erfor­derlich wäre, die Ratifikation des Vertrages zu sichern.

Dieschuldigen Dsulscherr."

Zu den sinnlosesten Demütigungen, die der Friedens- vertrag bezweckt, gehört die Forderung, daß Dentsch- land alle Schuldigen, die die Entente abzuurteilen wünscht, ausliefert. Würde es sich nur um solche Handeln, die zweifellos gemeine Verbrechen begangen haben, so brauchten wir für sie keinen Finger zu rühren. Wir befürchten jedoch, daß viele auf expo­nierten Posten nur ihrer Vaterlandsliebe zum Opfer fallen sollen. Die Auslieferungsfrage wird zu den schwersten inneren Erschütterungen führen. Das er­kennen auch bereits unsere Feinde und darum sind einige französische imb englische Blätter eifrig bemüht, im Interesse der zukünftigen Beziehungen uns zu Helfershelfern ihrer Henkersabsichten machen zu wollen. DieDeutsche Tageszeitung" warnt daher vor der für die Deutschen besonders verfänglichen Methode, der Suggestion, vor der Propaganda zur Erzeugung von Verwirrung, Mutlosigkeit unb Selbsterniedrigung. DieDLsch. Ztg." teilt mit, daß die Entente, die sich der Schwierigkeiten der Auslieferungsfrage wohl be­wußt ist, um die Auszulie-ernden in ihre Hände zu --»eioutmr», den auf der Auslieicrungsufte stehenden Offizieren durch Spitzel verlockende Angebote von Geschäftsabschlüssen machen lasse, welche ohne großes Kapital sofort zu tätigen sind und einen großen Nutzen versprechen. Meist handelt es sich um Maklergeschäfte im besetzten Gebiet. Den zu Bear­beitenden wird die Sache so mundgerecht gemacht, daß sie in zahlreichen Fällen auf den Leim kriechen, nach Köln oder anderswohin ins besetzte Gebiet zum Ge­schäftsabschluß reisen, um dort, vielleicht sogar tm Besitz namhafter Geldmittel, verhaftet zu werden. So seien in der letzten Woche in Köln bezw. Aachen zwei Offiziere und ein Industrieller ein­fangen worden.

Herabsetzung der 1200 auf 300.

Daily Mail" teilt mit, man habe in diplomatischen Kreisen vernommen, daß die Liste derschuldigen Deutschen" beträchtlich verkleinert wor­den sei. Von 1200 Namen, die zuerst auf der Liste standen, verbliebennur noch 300", darunter der deutsche Kronprinz und Prinz Rupprecht von Bayern.

Die amerLkaurfchen Truppen verrussen Warrs.

--- Paris, 10. Januar. (Priv.-Meldung.)

General O. Conner, der Oberkomman- dierendeder amerikanischen Truppen inFrankreich, hat Patts gestern abend in Begleitung feines Generalstabes und etwa 100 amerikanischen Unteroffizieren und Soldaten, die in Frankreich zurückgeblieben waren, verlassen.

Die ZulMung SeMscher

VvArKKWeK in Gngiand.

London, 10. Jan. (HavaS.)

Das Reuter-Bureau vernimmt, daß sofort nach dem Austausch der Ratifikationsurkunden die Zulassung von Journalisten der feindlichen Länder in England erwogen werden wird. Es besteht keineswegs die Absicht, ehrliche Jour­nalisten auszuschließen.

Wir sind der Ansicht, daß es ganz selbst­verständlich ist, dieser Frage sofort näher zu treten. In Berlin und in anderen Städten be­finden sich seit dem Waffensttllstand schon zahl­reiche Korrespondenten der Ententepresse eng­lische, ftanzösische, amerikanische und italienische. Sollte den deutschen Korrespondenten nicht ge­stattet werden, England zu betreten, kann auch die englische Presse keinen Anspruch darauf haben, daß ihre Vertreter in Berlin sich be= tätigen.

Die EiseKLahnerbswegung.

Die Frankfirrter Bewegung.

Wie der Präsident der EisenbahndireMon Frankfurt a. M. Dr. Stapf mitteilt, ist den Werk- stättenarbeitern in Frankfurt a. M. und Ried gestern amtlich bekanntgegeben worden, daß der Stundenlohnsatz für einen gelernten Arbeiter künftig 3.50 Mark betragen soll. Es besteht hier­nach auch kein Zweifel, daß die Lohnsätze der übrigen Arbeiter im Gesamtrahmen des abzu-

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chende erhebliche Erhöhungen erfahren werden. Auch den Beamten will die Regierung in weitest- gehendem Umfang entgegenkommen. Man setze sich im Arbeitsministerium für eine sehr wesent­liche Erhöhung der Teuerungszulagen mit allem Nachdruck ein. Die Erhöhung werde mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr als 100 Prozent be­tragen. Ein Beschluß des Staatsministeriums sei in aller Kürze zu enwarten. Nachdem die Regierung in so weitgehendem Maße den festen Willen bestätigt habe, den Arbeitern und Beam­ten wirksam zu helfen, muffe andererseits nun­mehr von allen Eisenbahnern nachdrücklichst ge­fordert werden, daß auch sie ihre Pflicht und Schuldigkeit in vollem Umfange tun.

Welche Stellung die Eisenbahner zu diesem Beschluß des Ministeriums einnehmen, steht noch dahin.

Im übrigen Reich.

Im übrigen Reiche nimmt die Bewegung einen immer ernsteren Charakter an. Nach einer Meldung aus Köln ist hier die Befürchtung, daß die links^Mkalen Elemente unter den Eisen­bahnern im besetzten Gebiet die Oberhand gewin­nen würden, eingettoffen. Seit gestern mittag wird im Eisenbahndirektionsbe­zirk Köln gestreikt, nachdem es am Mor­gen den Anschein hatte, als ob sich die Eisen­bahner mit dem Beschluß des Mnisteriums, den Handwerkern für den Stadtkreis Köln 3.50 Mk. zu zahlen, zufrieden geben würden. Diese Zu- sicherung wurde gestern mittag als nicht weit­gehend genug bezeichnet. Vom Kölner Haupt­bahnhof gehen Züge nach keiner Rich­tung ab. Wie weit der Verkehr im übrigen besetzten Gebiet still liegt, läßt sich zur Stunde nicht übersehen, da genaue Nachrichten nicht vor­liegen. Auf jedenFall treffen die Züge aus den meisten Richtungen nicht ein. Es muß abgewar- tet werden, ob und inwieweit die fremden Mi- litärbehördm ihr Machtwort sprechen werden.

= Essen, 10. Januar.

Der Streik der Eisenbahner im hiesigen Be­zirk dehnt sich weiter aus. Duisburg nimmt keine Züge mehr an. Die D-Züge müssen in Spegeldorf umgeleitet werden. In Osterfeld, Kupferdreh und Kettwig hat der Streik begon­nen. Im Dortmunder Hauptbahnhof wird der Verkehr nur notdürftig aufrechter halten.

= Dortmund, 9. Januar.

Die Vorstände der drei Eisenbahnerverbände, des Deutschen Eisenbahnerverbandes, der Ge­werkschaft deutscher Eisenbahner und des Allge­meinen Eisenbahnerverbandes, haben gestern abend beschlossen, heute früh die Streikleitung in die Hand zu nehmen. Die Gewerkschaftsvor­stände sind jedoch bereit, falls die Eisenbahner einen Stundenlohn von 3.50 Mark gewährt er­halten, ihre Mitglieder aufzufordern, die Arbeit wieder aufzunehmen.

Der Streik der VersicherungsangestsMen.

<8in Schiedsspruch des Schlichtungs- ausschusseS.

WB. Berlin, 10. Jan. Gestern vormittag sollten die schwebenden Streitfragen der Versicherungsange­stellten im Vereinshause deutscher Ingenieure in der Sommerstrage vor dem Schlichtungsausschutz unter dem Vorsitz des Ingenieurs Lüdemann zur Ver­handlung gebracht werden. Der Vertreter des Arbeitgeberverbandes, Dr. Rohrbeck, ertlärte aber, daß der Schlichtungsausschuß für diese Fragen nach seiner Ansicht nicht zuständig sei und lehnte die Be­teiligung an den Verhandlungen ab. Trotz dieser Erklärung wurden die Verhandlungen fortgesetzt und folgender Schiedsspruch gefällt: 1. Dem Arbeit­geberverband deutscher Verficherungsunternchmungen Berlins wird aufgegeben, entweder selbst oder durch seine Ortsgruppe Berlin unverzüglich, spä­testens bis Samstag, den 10. Januar 1920, nach­mittags 3 Uhr. in Verhandlungen über den Abschluß des Tarifvertrages und die Gewährung einer Wirtschaftsbeihilfe einzutreten. Als Grund­lage für die Verhandlungen werden neben dem bis­herigen Reichstarif sämttiche von den Verttetem der Arbeitgebers und Arbeitnehmerverbände einge­reichten oder noch einzureichenden Forderungen und Anträge zugelassen. Als verhandlungsberechtigte Vertreter der Angestellten sind alle der Zenttala^ beitsgemeinschast gewerblicher und industrieller Arbeitgeber-und Arbeitnehmerverbände Deutschlands angeschlossenen Angestelltenorganisationen anzuer- tennen; die zu Mitgliedern Versicherungsangestellt« haben. 2. Der Arbeitgeberverband deutscher Ver- sicherungsunternehmungen und die beteiligten Or­ganisationen der Angestellten werden aufgefordert, am Samstag, den 10. Januar 1920, nachmittags 2 Wr, in das Reichsarbeitsministerium zur Eröffnung der Verhandlungen vor dem Schlichtungsausschug Erotz-Berlins bevollmächtigteVertreter zu entsenden. Den Verbänden der im Eroß-Berliner Versicherungs, gewerbe tätigen Angestellten wird üufgegeben, sobald die Verhandlungen über den Abschlntz eines Tarrf- vertrags begonnen haben, dahin zuwrrken, daß^am