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General-Anzeiger

LmMches Organ Mr SWi- «ud Landkreis Lava«

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage

Verlagsleitung: Ad. Jndermüble. Verantwortlich: für politischen und allgemeinen TeilRich. Sultsch ' für lokalen und provinziellen Teil sowie Sport W. Moritz: für Anzeigen und

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Nr. 3

MstMg ÄSN Z. Jamusr

1920

2^5^55

Das Neueste.

Zu der Eiseubahnerbewegung ist der Frank­furter Eisenbahndirektion ein Telegramm des Arbeitsministeriums ^gegangen, in dem ver­langt wird, daß die Arbeiterschaft der Haupt- werkstätte in Frankfurt aufzufordern ist, bis spä­testens heute Montag die passive Resistenz einzu- stellen, widrigenfalls Kündigung der Arbeiter er­folgt. Die Stimmung unter den Eisenbahnern soll angeblich unbeugsam sein.

Erzberger sprach am gestrigen Sonntag in Stuttgart in einer Massenversammlung. Er er­klärte, daß der E i n h e i t s g e d a n k e der beste Schutz gegen eine Verpreußung sei.

Der englische Eisenbahnerstreik gilt als auf­gehoben.

Die Staatsbeamten protestierten gestern in verschiedenen Städten gegen die ihnen zugedachte Teuerungszulage von 50 Prozent und forderten 150 Prozent.

Verzögerung der NaWKMsn.

Fast tagtäglich werden Nachrichten von dem bevorstehenden Austausch der Ratifikationsur- kunden verbreitet und fast jede Meldung bringt ein Hinausschieben des Termins dieses Aus­tausches. Neue Noten tauchen auf und es scheint fast so, als wollte der feindliche Verband den Kriegszustand, der ihm eine ständige kriege­rische Behandlung Deutschlands ermöglicht, end­los hinausziehen. Wir sind mit Recht mißtrau­isch geworden und glauben noch nicht an den deZ AuS tausche?

Aber der Feind allein ist es nicht, der uns fortgesetzt Schwierigkeiten macht und den Aus­tausch der Ratifikationsurkunden von Tag zu Tag hinausschiebt. Auch im Lande haben wir Quertreiber, die als Feinde des Vaterlandes die Geschäfte der Entente besorgen, die den Feind auf uns hetzen. Die Radikalen und ihre Zei­tungen sind es, auf die sich die einmütig zusam­menarbeitenden französischen Chauvinisten und Sozialisten berufen können, wenn sie noch im­mer behaupten, wie es in der letzten Note heißt, Deutschland verfüge noch über ein Heer von Millionenstärke, es sei Lüge, daß Deutschland die Friedensbedingungen nach besten Kräften zu er­füllen suche. Wie die Selbstbeschuldigungen, die die linksradikalen Führer und Organe bei jeder Gelegenheit ausgesprochen, gewirkt haben, bedarf ja keiner besonderen Bekräftigung die neue Note über Oberschlesien liefert den deutlichsten Beweis. Der ganzen Welt soll der Glaube ver­mittelt werden, daß Deutschland gar nicht ge­sonnen ist, den Frieden herbeizuführen, der En­tente soll gezeigt werden, daß Deutschland nur auf den Moment warte, von neuem loszufchlagen, daß eine ententefeindliche Gegenrevolution schon auf dem Marsche sei. Mit nur zu willigen Ohren wuschen die Clemenceau und Lloyd George auf diese und ähnliche Aeußerungen ausdeutschem" ^.und, begierig greifen sie jedes Wort auf, und schlagen Kapital daraus für ihre Zwecke, besser als anderswie begründen sie mit den Lügen der Quksradikalen jede erneute Anwendung von Daumenschrauben gegen unser armes Vaterland.

war es vielleicht nicht so? Jeder von uns weiß es und auch die Linksradikalen wissen es

und bewußt häufen sie Lüge auf Lüge, ^Mderleumdung auf Selbstverleumdung und oogloaen noch, wie es seinerzeit der Abgeordnete ^enke- Bremen tat, als ihm in der Natio-

^Ittmmlung zugerufen wurde:Sie hetzen J~ Entente, Sie hetzen die englische und fran- ivstsche Soldateska auf Deutschland!" und er Eiwortete:Darum sag' ich's ja!"

dieses WortDarum sag' ich's ja!" T t^em Deutschen, jedem einzelnen Volksge- gen von uns zu denken, wie es in Wahrheit

°er Sorge der Linksradikalen für die Volks- 8 mmthert bestellt ist? Tragen diese Leute nicht r.b,en Uwßen Teil der Schuld an der fortge- ' en Not des Vaterlandes, an jeder neuen Ver-

", Pnig Deutschlands durch den Feind, an hiH.U11raet weiteren Hinauszögerung der doch so st.in^ »notwendigen Wiederkehr friedlicher Zu-

C- . Quertreibereien sind es, die den Zweck der auf uns zu hetzen und dank

TrM a endlos hinausgezögerten Unruhe im xT "'" lachen zu können und ans Ruder zu erraten ^* Um ben P^is des Vaterlands- , fri^nx ^nch in Wirklichkeit keine echte ^.s Zustände" sein werden, die mit dem tinirAt d unter das Protokoll von Versailles letn/aiT T wir werden den Tag nicht bejubeln, t.>>ocken werden ihn begrüßen so müssen

sandter Cadornas sei vor drei Wochen in Bern gewesen, um Oesterreich den Frieden gegen Ab­tretung des Trentino anzubieten. Der Prinz reist neuerdings nach Wien und erhält dort ein neuerliches Handschreiben des Kaisers, in dem alle diese Tatsachen zusanrmengefaßt und bestä­tigt werden. Der Kaiser sagt, er sei entschlossen, seine Pläne durchzukämpfen, verlange aber Siche­rungen. Czernin erklärt, das drohende Auf­treten des deutschen Hauptquartiers könne ihn nicht einschüchtern. Er verlange Verhandlungen. Eine dem Briese des Kaisers Karl beiliegende Note des Grafen Czernin verlangt für den Fall von Grenzberichtigungen Bürgschaften hinsichtlich der Unversehrtheit der Monarchie. Czernin ver­sichert, auf Grund dieser Bedingungen könne Oesterreich einen Sonderftieden schließen. Der Prinz hat am 20. Mai Unterredungen mit Poin- catä und Ribot, unter dem 28. Mai mit Lloyd George und dem König von England in London. Die weiteren Ereignisse wartet der Prinz in Paris ab, aber dann zerschlagen sich die Ver­handlungen und der letzte Brief des Kaisers wird von der Entente nicht beantwortet.

Die Wirkung in Italic«.

Die Enthüllungen des Prinzen Sixtus er­wecken in Italien die allgemeine Entrüstung, da aus ihnen hervorgehe, daß zwischen Oesterreich- Ungarn, Frankreich und England durch Ver­mittelung des Prinzen Sixtus im Frühjahr 1917 Verhandlungen gepflogen worden sind, von denen seinerzeit Italien keine Mitteilung gemacht wor­den sind.

Me Mafferbriefs.

Der unten folgende Brief aus der Korrespon­denz Wilhelms II. mit dem Zaren Nikolaus ent- Interessante Bemerkungen zu den damals wichtigsten Fragen der großen Politik. Er ist von einem Abdruck jenes bekannten Bildes begleitet, worin Kaiser Wilhelm diegelbe Gefahr" darstellt, das die Unterschrist trägt Völker Europas wahret Eure heiligsten Güter". Der Brief geht dann zur Behandlung franzö­sischer Fragen über und eröffnet damit eine Serie ähnlicher Schreiben, in denen der Zar vor einem allzu intimen Verhältnis zu Frankreich ge­warnt wird. Die wesentlichen Stellen dieses Briefes lauten:

Jagdhaus Rominten, 26. Sept. 1895. Lieber Nicky!

Die Entwicklung im Fernen Osten, besonders die von dort kommende Gefahr für Europa und unseren christlichen Glauben, ist eine Angelegen­heit, die mir stets sehr am Herzen gelegen hat, seitdem wir unseren ersten Schritt im Frühjahr gemeinschaftlich unternommen haben. Meine Ge­danken verdichteten sich schließlich zu einer be­stimmten Form, und ich habe diese zu Papier ge­bracht. Ich habe die Skizze mit einem Künstler * einem Zeichner ersten Ranges ausgearbeitet und, nachdem sie fertig war, für die Oeffentlichkeit eine Radierung herstellen lassen. Sie zeigt die europäischen Mächte, jede durch ihren Genius ver­treten, zusammengerufen durch den vom Himmel gesandten Erzengel Michael, wie sie sich im Wider­stände gegen das Eingreifen des Buddhismus, des Heidentums und der Barbarei zur Verteidi­gung vereinigen. Besonderer Nachdruck ist auf den vereinigten Widerstand aller euro­päischen Mächte gelegt, der ebenso notwendig ist gegen unsere gemeinsamen inneren Feinde: Anarchismus, Republikanismus, Nihilismus. Ich bin so frei, Dir ein Blatt zu schicken, mit der Bitte, es als ein Zeichen meiner warmen, auf­richtigen Freundschaft für Dich und Rußland entgegenzunehmen.

Mitten in diese friedliche Tätigkeit und das ruhige Jagdvergnügen fiel die erstaunliche Nach­richt, die ich aus Paris erhielt, daß das Budget­komitee. der französischen Deputiertenkammer bei der Debatte über das Militärbudget beantragt hat, das 19. Korps (Algier und Tunis) Heim­zuberufen und ein neues kontinentales Korps an meiner W e st g r e n z e zu bilden. Diese Ab­berufung ist nur einmal zuvor erfolgt, im Jahre 1870, als Frankreich mit uns Krieg führte. Ein solches Projekt im tieften Frieden hat Deutsch­land wie ein Donnerschlag getroffen und ein tie­fes Gefühl der Beunruhigung Hervorgecufen. Dieses ist noch mehr vertieft worden durch die Tatsache, daß dieser Antrag öffentlich bekannt wurde in dem Augenblick, als Fürst Lobanow und General Dragomirow offizkell der Revue der französischenGrenzarmee" an der lothringischen Grenze unter dem frenetischen Jubel der Grenz- bevölkerung bei gewohnt hatten. Diese Armee ist, wie die französischen Zeitungen uns seit Wochen erzählen, für den ersten Vorstoß guf unsers Gxenzland" im Revanchekriege bestimmt. Es ist schon vier Korps stark gegen meine zwei (15., 16.)

wir doch aus diesem ewigen Notenwechsel endlich herauskommen, wenn wir nicht dem endgültigen Bankrott zutreiben wollen. Wir geben auf ein angesagtesEntgegenkommen" der Verbands­mächte so gut wie nichts, da wir wissen, daß Männer wie Clemenceau und Lloyd George grundsätzlich und unter allen Umständen nur das tun, was ihren Ländern^t doch wenn man die ausländische Presse eingehend studiert, so kann man doch hier und da in verschiedenen Krei­sen ein Zunehmen der Einsicht wahr­nehmen. So setzt Camille Huy 8 mans imPeuble" seine Artikelreihe über die inter­nationale Lage fort und sagt, der Friedensver­trag von Versailles sei unter der Voraussetzung gemacht worden, daß ein wirtschaftlicher Ruin Deutschlands die Rettung für Frankreich, Bel­gien und England bedeute. Jetzt sehe man aber, daß der Ruin Deutschlands den Ruin Frankreichs, Belgiens und Englands nach sich ziehen würde. Heute seien die bedeutendsten Finanz- und Wirtschaftspoli­tiker der Entente gezwungen, zuzugeben, daß die alliierten Nationen Deutschland Betriebs­mittel und Rohstoffe liefern müß­ten, und daß man Industrie, Handel und Fi- nanzen Deutschlands wieder aufrichten müsse, wenn man sich selbst vor Zusammenbruch und Bankerott retten wolle. Zwischen der Lage Deutschlands und der Lage Belgiens, Frank­reichs und Italiens sei nur ein Gradunterschied, und wenn die Krisis sich verschärfe, werde man sich in weniger als sechs Monaten in einer ähn­lichen wirtschaftlichen Lage befinden. Allgemein erkenne man jetzt an, die Einfuhr deut­scher Waren sei das einzige Mittel, den Wechselkurs wieder zu ver­bessern. die Lebensteuerung her­ab zud i ü£6 w und, hM,

leben wieder a u f z u r i ch t e n. Aber um von Deutschland einzuführen, müsse man Deutsch­land erlauben, auszuführen, d. h. zu p r o - d u z i er e n.

Temps" meint, es sei höchste Z eit, daß der Friedensvertrag in Kraft trete, damit sich endlich die alliierten Regierungen mit der deut­schen Regierung in Verbindung setzen, um Maß­nahmen zu treffen, welche die wirtschaft­liche Aufrichtung Deutschlands si cherst ellen. rh.

Drs WerrerchischZn Sonder- friedensVL^Ache.

Wie Kaiser Karl Deutschland in den Rücken fiel.

Nach einer Meldung der Agenec Havas brin­gen die Pariser Zeitungen ausführliche Auszüge aus den auch von der englischen Preffe bereits angekündigten Dokumenten über die geheime Mis­sion des Prinzen Sixtus von Parma im Jahre 1917 bei Kaiser Karl von Oesterreich. Danach hat Prinz Sixtus sich im Januar auf einen Ruf seiner Mutter in die Schweiz begeben, da Kaiser Karl wünschte, mit dem Prinzen über den Frie­den zu sprechen. Er empfing direkt einen Brief des Kaisers, der den Friedenswunsch bestätigte, und teilte seiner Mutter die seiner Ansicht nach grundlegenden Friedensbedingungen mit: Rück- gabe Elsaß-Lothringens an Frankreich, Heraus­gabe Belgiens und Serbiens, Uebergabe Kon­stantinopels an Rußland. Am 26. Februar ist der Prinz von neuem in der Schweiz und emp­fängt einen Gesandten des Kaisers mit einem Briese desselben. Am 8. März wird Prinz Sixtus von Poincar6 empfangen, dem er ein Schreiben Czernins zu übergeben hat, das Poincarö aber als unbestimmt und verschwommen empfindet. Ein geheimer und persönlicher Brief des Kaisers dagegen ist klar und bestimmt und erklärt:,Wir werden Frankreich Unterstufen und einen Druck auf Deutschland ausüben." Diesen Brief hielt PoincarP für eine Grundlage. In die Schweiz zurückgekehrt, trifft Prinz Sixtus mit dem Grafen Erdöl! zusammen, der vom Kaiser geschickt ist, und übergibt ihm einen von Oesterreich anzu- nehmenden Friedensentwurf. Am 23. März treffen sich die Prinzen Sixtus und Xaver ins­geheim mi+ dem Kaiser auf Schloß Laxburg. Der Kaiser erklärt, alles tun zu wollen, um Deutsch- lavb zum Frieden geneigt zu-machen. Einen Tag Gitter überreicht der Kaiser dem Prinzen einen Brief mit genauen Angaben. Am 31. März hat Prinz Sixtus eine Unterredung im Elysde, am 12. Apnl findet eine Zusammenkunft zwischen dem Prinzen Sixtus und Poincars statt. Dem Prinzen wird mitgeteilt, daß England dem Vor­schläge günstig gesinnt ist Inzwischen wird auch Italien ins Vertrauen gezogen. Am 25. April bat Prinz Sixtus eine neue Unterredung mit Erdöl! in der Schweiz. Am 24. 3Mi überbringt Erdöl! dem Prinzen die erstaunliche Nachricht, daß der Kaiser ihm mitaeteilt habe, ein Abge­

Das in Aussicht genommene neue Korps würde die ohnehin üb erstatten französischen Streitkräfte auf fünf Korps erhöhen und bildet eine Bedro­hung, sowie eine ernstliche Gefahr für mein Land.

Natürlich muß ich daraufhin jetzt anfangen, dieSacheernstzunehme». Denn dieses Ereignis, das sich in dem Augenblick vollzieht, da Deine Offiziere dekoriert werden und Lobanow gefeiert wird, während meinem Attach« nicht übermäßig freundliche Bemerkungen zu Ohren kommen, hat hier dem Volk Unruhe verursacht und den Dingen ein. häßliches Aussehen ver­liehen, als ob eS Rußland lieb wäre, wenn Frankreich offensiv gegen Deutschland vorginge, mit der Hoffnung auf Hilfe von erstgenanntem. Eine so ernste Gefahr wird mich veranlassen, meine Armee stark zu vermehren, damit ich in der Lage bin, es mit einem so schrecklichen Ueberge- Wicht aufzunehmen. So schwer uns auch die finanzielle Last bedrücken würde, mein Voll würde nicht einen Augenblick zögern, GewHr für seine Sicherheit zu leisten, falls dies notwendig werden sollte. Ich weiß genau, daß Du persön- lich nicht im Traume daran denkst, uns anzu- greifen, Du darfft Dich aber nicht wundern, wenn die europäischen Mächte darüber beunruhigt sind, daß die Anwesenheit Deiner Offiziere und hohen Beamten in amtlicher Eigenschaft in Frankreich die leicht entzündlichen Franzosen zur Weißglühhitze entfacht und die Sache des Chau­vinismus und der Revanche kräftigt.

Gott weiß, daß ich alles, was in meiner Macht liegt, getan habe, um den europäischen Frieden aufrecht zu erhalten; aber wenn Frank­reich, offen oder heimlich auf diese Art ermutigt, weiter mitten im Frieden alle Regeln inter­nationaler Höflichkeit und des Friedens verletzt, dann wirst Du Dich, mein liebster Nicky, eines schönen Tages noleas volens plötzlich in den hyf^MwkAs verwickelt,f;hcr^ den Curo^ je erlebt hat, einen Krieg, für den die Massen und die Geschichte vielleicht Dich als den Ur­heber verantwortlich machen werden. Bitte, sei nicht ärgerlich, wenn ich Dich vielleicht ganz un­absichtlich verletze, aber ich halte es für meine Pflicht gegenüber unseren beiden Ländern und gegenüber Dir als meinem Freunde, offen zu schreiben, da die Abgeschlossenheit und Zurück- gezogenheit, welche Dir durch die tiefe Trauer auferlegt sind, es Dir unmöglich machen, unter Menschen zu gehen und im einzelnen dem zu fol­gen, was sich hinterdenKulissen abspielt.

Ich habe einige Erfahrung in der Politik und sehe gewisse unverkennbare Anzeichen, deshalb eile ich zu Dir, mein Freund, um im Namen des europäischen Friedens ernst­lich zu mahnen; wenn Du auf Gedeih und Verderb mit den Franzosen verbündet bist, gut, dann rufe diese verdammten Schufte zur Ord­nung und heiße sie stillsitzen; wenn nicht, dann lasse Deine Leute, die nach Frankreich gehen, den Franzosen nicht den Glauben beibringen, Du seist ihr Verbündeter, lasse sie nicht rücksichtslos werden und ihnen die Köpfe verdrehen, bis sie sie verlieren und wir dann in Europa, anstatt für Europa gegen den Osten, kämpfen müssen! Denke an die furchtbare Verantwortung für das entsetz­liche Blutvergießen! Nun lebe wohl, liebsterNickv, meine besten Gniße an die liebe Alix. Ich bin wie immer Dein ergebenster und aufrichtiger Freund und Vetter Willy I. R.

Die Friedensliebe des Kaisers.

Aus der Regierungszeit des ehemaligen Kai­sers wird von derVossrschen Zeitung" eine kleine Begebenheit wiedergegeben, die von der Friedensliebe des Kaisers Zeugnis ablegt: Wäh­rend der Seekriegsrechtskonferenz anfangs 1909 unterhielt sich ein hoher englischer Staatsmann mit einem deutschen Delegierten über das ver­mutliche Ergebnis der Konferenz und machte die pessimistische Bemerkung, daß die für den See­krieg zu vereinbarenden Regeln möglicherweise bald in Anwendung gebracht werden könnten. Der englische Staatsmann bemerkte auf die Ant­wort des deutschen Delegierten, daß dieser be­dauerliche Fall hoffentlich noch recht lange auf sich warten lassen werde, welche Garantie denn Deutschland in Zukunft für seine ftiedliche Hal­tung gebe. Der deutsche Delegierte bemerkte, die beste Garantie bestehe darin, daß der deutsche Kaiser und seine Ratgeber wüßten, daß ein Krieg, in den Deutschland verwickelt würde, in jedes deutsche Haus einen Toten bringen würde. Der englische Staatsmann schwieg. Als der deutsche Delegierte dem Kaiser über den Gang der Verhandlungen mündlichen Bericht erstattete und auch dieses Gespräch erwähnte, stand bet Kaiser auf, reichte ihm die Hand und sagte in tiefer Bewegung:Sie haben meinen Stand-

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